Die Hybris der ›Lebensschützer‹

LebensschützerInnen – Die Schein-Heiligen

Die Einmischung patriarchaler Männer und Frauen zur Kontrolle der weiblichen Sexualität und ihrer Gebärfähigkeit ist eine Dreistigkeit unerhörten Ausmasses. Im Matriarchat glaubte man an die Wiedergeburt eines verstorbenen Menschen aus dem Körper einer Frau im gebärfähigen Alter. Die Toten bleiben ›Mitglieder‹ des mütterlichen Clans. Dies zeigen die liebevoll unter den Wohnhäusern Begrabenen, z.B. von Çatal Hüyük in Anatolien oder Ba‘ja im Süden Joraniens, beide aus dem 8. Jahrtausend.Die Frauen kannten Mittel der Verhütung und Abtreibung unerwünschter Schwangerschaften und regelten so die Anzahl der erwünschten Kinder, für die sie sorgen konnten. Doch schon in Ägypten kämpften patriarchale Priesterkasten gegen den Glauben an die Wiedergeburt, weil diese die Frau und ihre Gebärfähigkeit in den Mittelpunkt von Leben und Sterben setzte und erfanden das ewige Leben nach dem Tod. Später gingen griechische Philosophen noch einen Schritt weiter:

»Mit dem Aufstieg der patriarchalen Religionen – vor allem unter den Griechen – entwickelte sich der Glaube, dass der väterliche Samen dem Fötus die Seele verleiht. Die Männer waren überzeugt, das Sperma sei eine Erweiterung der männlichen Seele und sie befürchteten, dass mit der Abtreibung ein Teil ihrer selbst zerstört würde.« (Barbara G. Walker ›Das Geheime Wissen der Frauen‹ 1993, S. 7)

Es scheint, dass es bis heute Männer gibt, die sich durch die Freiheit der Frauen, durch ihr Wissen um Verhütung und Abtreibung, in ihrer Existenz bedroht fühlen. Es geht dabei um Macht, denn »als Ursprung der Macht begriff man ehemals die Geburt, also die Macht der Mutter über ihr Kind.« (Roberto Zapperi ›Der schwangere Mann‹ 1984) Ein ausgesprochener Gebärneid und der Wunsch vieler Männer selbst schwanger zu werden und gebären zu können, hat im Patriarchat eine lange Tradition. Aristoteles schreibt der Mutter lediglich die Lieferung des körperlichen Aufbaustoffes zu. Er meint: »Der Mann ist infolge seiner ›Samkraft‹ der Kreator des Leibes und, was für die Auslegung der Texte Thomas von Aquins (1224–1274) wichtig wird, auch der Seele.« Es war eine logische Fortführung dieser Meinung, dass die Seele des Fötus vom Mann kommt und Abtreibung durch patriarchale Gesetze bestraft werden muss, weil sie in der magischen Vorstellung für die Männer gefährlich sind. (Zur ›Geschichte der Abtreibung‹ s. die ausführliche Dokumentation im Wikipedia) ›Hat die Frau eine Seele?‹ Die Frau abwertende theologische Fragen, geistern noch immer durch unsere Institutionen; »sind Frauen Menschen oder Tiere? Diese skurrile Frage bildet den Höhepunkt einer jahrhundertelangen literarisch-theologischen Debatte über die Stellung der Frau: Ist die Frau dem Mann vor Gott ebenbürtig oder nicht? Hat sie eine Seele?« (Anna-Katharina Höpflinger ›facultativ‹ 02.2014)
»Ein drei Tage alter menschlicher Embryo ist eine Blastozyste, eine Ansammlung von hundertfünfzig Zellen. Ordnungshalber sei gesagt, dass das Gehirn der Fliege aus über hunderttausend Zellen besteht… Aber lass uns einmal annehmen, dass jeder drei Tage alte menschliche Embryo eine Seele besäße, der unsere moralischen Bedenken gelten müssten. Embryonen teilen sich in diesem Stadium gelegentlich zu einzelnen Individuen (identische Zwillinge). Teilt sich in diesem Fall eine einzelne Seele zu zwei Seelen?… Die naive Vorstellung von Seelen, die in einer Petrischale schwimmen, ist intellektuell schlicht unhaltbar. Aber sie ist auch moralisch unhaltbar, wenn man bedenkt, dass sie inzwischen einem der vielversprechendsten Forschungsbereiche in der Medizingeschichte im Wege steht… Die moralische Wahrheit liegt offen zutage: Wer findet, dass die Interessen einer Blastozyste die Interessen eines Kindes mit einer Wirbelsäulenverletzung überwiegen, der hat sich seinen Sinn für Moral von religiöser Metaphysik trüben lassen. Der Zusammenhang zwischen Religion und ›Moral‹ – der so unentwegt proklamiert und so selten demonstriert wird – wurde somit als eine Schimäre enttarnt, die überall dort auftritt, wo ein Glaubensdogma moralisch-logisches Denken und aufrichtiges Mitgefühl verdrängt.« (Sam Harris ›Brief an ein christliches Land – Eine Abrechnung mit dem religiösen Fundamentalismus‹ 2008) ›LebensschützerInnen‹ gehen davon aus, der Embryo sei ›beseelt‹, weshalb Abtreibung Mord sei.

Die Seele, d.h. die Psyche eines Menschen, kann besonders jene eines Kindes schwer und nachhaltig verletzt werden, z.B. durch sexuelle Gewalt, wie sie in der patriarchalen katholischen Kirche hochaktuell ist. Die in der heuchlerischen christlichen Sexualmoral gefangenen ›LebensschützerInnen‹, die gegen das Recht auf Selbstbestimmung der Frauen kämpfen, nehmen ohne Skrupel und Mitleid schwere psychische Belastungen und gesundheitliche Risiken, die Frauen durch illegale Schwangerschaftsabbrüche in Hinterhöfen eingehen müssen, in Kauf. Ob mit oder ohne Abtreibungsverbot werden Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen; von EngelmacherInnen durchgeführt, enden sie oft mit dem Tod der Frau. Die leidenden und sterbenden Frauen sind sogenannten ›LebensschützerInnen‹ jedoch egal; nur die Ungeborenen interessieren sie.

Frauen werden zum Gebären gezwungen– ›im Namen Gottes‹. Sie werden diffamiert und kriminalisiert, sie werden mit unglaublichen Vorwürfen und schlimmsten Drohungen eingeschüchtert und unhaltbaren Vergleichen gedemütigt. Kirchenangehörige und Gläubige betätigen sich als Rufmörder und Hassprediger, wie etwa der deutsche Kardinal Meisner, der Abtreibung mit den Verbrechen der Massenmörder Hitler und Stalin vergleicht. »Wenn Bischöfe Frauen im Zusammenhang mit dem Wort ›Gebärmaschinen‹ nennen (Walter Mixa) oder Abtreibung als ›Kinder-Holocaust‹ (Johannes Dyba) bezeichnen, sind das keine vereinzelten Entgleisungen unbelehrbarer Kirchenmänner. Es ist Ausdruck der offiziellen Haltung des Vatikans, in dem die ultrakonservativen Kräfte immer noch genauso lebendig sind wie im Mittelalter.« (›Chronik eines Skandals‹ Brigitte 20.10.2009) Vielleicht wünschen sich Kirchenmänner, assyrische Gesetze zurück, welche die Abtreibung zum ersten Mal erwähnen: Frauen wurden dafür mit dem Tode bestraft!

Im Sinne ihres despotischen Gottes verfolgen und ermorden AbtreibungsgegnerInnen hemmungslos ÄrztInnen, die Abbrüche von Schwangerschaften vornehmen. Der frauenfeindliche, patriarchale Gott – bzw. seine Erfinder, sogenannte Propheten – vom Gebärneid getriebene, eifersüchtige alte Männer ­–, fluchte den Frauen indem ›der Herr‹ zum Weibe sprach: »Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.« (1. Mose 3, 16). Ganz in diesem Sinne folgern hasserfüllte ›LebensschützerInnen‹ Frauen sollen auch beim Kampf um das Recht selbst über ihren Bauch zu bestimmen, leiden.

Lebensschutz‹ die Bestrafung der Frauen für selbstbestimmte Sexualität?

Es sieht ganz danach aus. Frauen, die sich nicht nach den patriarchalen Dogmen asketischer Eunuchen richten und Sexualität in Freiheit, d.h. ausserhalb der Ehe leben, sind für die Kirche bekanntlich Sünderinnen. Dass Frauen sogar lustvollen Sex haben können, ist für viele patriarchale Männer und patriarchal infizierte Frauen, die asketisch leben und anderen ihren Spaß nicht gönnen, eine Ungeheuerlichkeit. Bei den Katholiken gilt Abtreibung als unmoralisch, weil sie signalisiert, dass Sexualität rein um der Lust willen und nicht um Kinder zu zeugen, praktiziert wurde. Nachdem der weltfremde Papst Verhütungsmittel, Kondome und die Anti-Baby-Pille verboten hatte, um damit den Frauen so viele Schwangerschaften und Geburten wie möglich abzuringen – sollen jene KatholikInnen, die keine Kinder zeugen wollen, sexuell abstinent leben. Selber schuld – wer sich nicht an die Dogmen der Kirche hält, muss eben die Konsequenzen einer unerwünschten Schwangerschaft eines ungeliebten Kindes austragen, und das tun bekanntlich Frauen, nicht Männer!

Zwangsschwangerschaften verursachen Kriminalität

Schlimm ist aber meist auch das Schicksal der unerwünscht geborenen Kinder. Unerwünschte, ungeliebte, abgelehnte Kinder landen oft in der Psychiatrie, nach einem Suizid auf dem Friedhof oder im Gefängnis – die Gefängnisse sind voll von unglücklichen Lebensläufen. Manchmal werden sie ausgesetzt, sogar auf dem Müll ›entsorgt‹. Wie können Mütter nur so etwas tun? ist die anklagende Frage. Die repressiven patriarchalen Gesetze von patriarchalen Kirchenmännern und christlichen Politikern, ihr Desinteresse, die fehlende Anteilnahme am Schicksal der Mütter und der unerwünschten Kinder, ihr offensichtliches Versagen, werden nicht hinterfragt. Die Devise vieler dieser nicht willkommenen Kinder ist, wenn ich schon nicht erwünscht bin, ihr mich nicht liebt, nicht haben wollt und nicht beachtet, werde ich mir Beachtung verschaffen, indem ich euch das Fürchten lehre. Misshandelte Opfer werden oft als Erwachsene zu TäterInnen, denen ebenfalls jegliches Mitgefühl für die Leiden der Menschen, denen sie Schaden zufügen, abgeht. Beate Zschäpe, deutsche Rechtsextremistin und mutmaßliches Mitglied der neonazistischen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) war auch so ein unerwünschtes, ungeliebtes Kind, um das sich die Mutter nie gekümmert haben soll! Beate Zschäpe war gewaltbereit, eiskalt und gewalttätig und wird verdächtigt, »sich an der Ermordung von acht Mitbürgern türkischer und einem Mitbürger griechischer Herkunft, dem Mordanschlag auf zwei Polizeibeamte in Heilbronn sowie an den versuchten Morden durch die Sprengstoffanschläge des NSU in der Kölner Altstadt und in Köln-Mülheim beteiligt zu haben«. (Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof).
Ein Beispiel, das die These vom Unglück ungewollter und ungeliebter Kinder veranschaulicht, ist auch der Fall Rumänien. Unter Ceausescu wurde die Abtreibung strikte verboten. Rumänien wurde ein Paradies für Lebensschützer. Frauen wurden gezwungen Kinder auszutragen, die sie nicht wollten und nicht ernähren konnten. Die Kinder landeten in staatlichen Kinderheimen und vegetierten dort unter den miserabelsten Umständen dahin – wir erinnern alle die schrecklichen Bilder. Oft ist die Drogen-, Medikamenten- oder Alkoholsucht der erwachsen gewordenen Opfer die einzige Möglichkeit dem Schmerz des Ungeliebt- und Unerwünscht seins für kurze Zeit zu entgehen.
In den USA machte das Buch des US-amerikanischen Ökonomen Steven Levitt Furore. Er schreibt, dass dort ein auffallend massiver Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen ist, was auf das gesetzlich verfügte Recht der Frauen auf Abtreibung zurückzuführen sei. Der Journalist Juan Gomez ergänzte den Bericht damit, dass in Amerika viele Kommunen aufgrund der Wirtschaftskrise gezwungen sind, die Ausgaben für die Sicherheit von Personen und Sachen zu reduzieren. Tausende von Polizisten wurden arbeitslos. Es ist nun interessant festzustellen, dass trotz der Reduktion von Polizeikräften und trotz rasant steigenden Waffenverkäufen die Kriminalität in den USA sinkt. Seit 40 Jahren gab es nicht so wenige Gewaltverbrechen und seit 50 Jahren nicht so wenige Morde. Keiner kann das Phänomen erklären. Doch die Theorie des Ökonomen, Steven Levitt wird am meisten zur Erklärung herangezogen. Er schreibt, dass die Abtreibung Kriminalität verhindere. Ungewollte Kinder würden leichter kriminell. Die Abtreibung wurde in den USA Mitte der 70er Jahre legalisiert. Für Levitt ist es logisch, dass es zwei, drei Jahrzehnte später weniger Kriminelle gibt. Die Theorie erscheint absurd, meint Gomez; aber viele Amerikaner sind von Leitts These überzeugt. Die Bücher von Steven Levitt verkaufen sich millionenfach. Die braven Männer und Frauen der Riege der Lebensschützer schweigen vorerst betreten! (Donohue, John J. and Levitt, Steven D., The Impact of Legalized Abortion on Crime 2000).

Auch staatlich verfügte Zwangsabtreibungen verursachen Kriminalität. Etwa in China als Folge  der Einkindpolitik und der staatlichen Geburtenkontrolle in Indien. In Asien fehlen 200’000 Mädchen/Frauen. Die Kriminalitätsrate ist durch das Fehlen von Frauen bei Männern im heiratsfähigen Alter dramatisch angestiegen.

›LebensschützerInnen‹ verursachen Kindesmisshandlung und Kindstod

»Die größte Gefahr für die Kinder geht aus der eigenen Familie hervor«,

denn Eltern seien für Kinder oft die gefährlichsten Personen, sagt die Gerichtsärztin Saskia Guddat. Anfang 2012 wurde ein neues Bundeskinderschutzgesetz erlassen. Das sollte dafür sorgen, dass Kinder besser vor Verwahrlosung, Gewalt und sexuellem Missbrauch geschützt werden. Doch inzwischen gibt es viel Kritik an dem Gesetz. Es habe nicht viel bewirkt, sagen Experten. In Deutschland werden jährlich etwa 3’800 Kinder schwer misshandelt (die Dunkelziffer wird aber auf mehr als 200’000 geschätzt). An den Folgen sterben nach offizieller Statistik pro Jahr mindestens 160 Kinder deutschlandweit, (die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich doppelt so hoch: bei 320). Jede Woche werden 70 Kinder krankenhausreif geprügelt; drei von ihnen sterben wöchentlich an den Folgen. Nicht geboren worden zu sein, hätte diesen Kindern ihr Martyrium erspart. Die Berliner Rechtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos haben zahlreiche Misshandlungsopfer begutachtet und dabei zu Tode Gekommene obduziert. Sie mussten immer wieder feststellen, dass Sozialarbeiter und Ärzte auch bei erkennbaren Misshandlungsfällen oft nicht reagierten. Auch deshalb versage der Kinderschutz in Deutschland immer noch. Michael Tsokos: »Seit 20 Jahren höre ich von den Ämtern ›Wir haben nichts falsch gemacht.‹ »Da frage ich mich: Wenn niemand etwas falsch gemacht hat, warum liegt das tote Kind vor mir?« Das erschütternde Buch der beiden Rechtsmediziner heisst: ›Deutschland misshandelt seine Kinder.‹

Dass der Tod von Kindern verhindert werden könnte, wenn der politische Rahmen besser wäre, klingt unglaublich. Es gibt sie zwar, die engagierten Sozialarbeiter in Jugendämtern, doch müssen die gegen Aktenberge, lasche Gesetze und knappe Kassen kämpfen. Täglich! »Der Fehler«, so Tsokos »liegt im System«. Verantwortliche müssen Entscheidungen treffen, ohne die umfassende Kindessituation zu kennen. Deshalb fragen wir: »Wer kontrolliert die Kontrolleure?« Wieder sind es alte, selten junge Männer oder Frauen an der Macht, die eine effiziente Kontrolle verhindern und korrigierende Massnahmen an die Hand nehmen.
Zwei Monate seit dem Auftreten von Dr. Saskia Guddat und Prof. Michael Tsokos bei Markus Lanz und der Publikation des Buches, berichten sie, dass sie massiv bedroht und angegriffen wurden, – nicht etwa von Eltern – nein: von Kinderärzten, vom Kinderschutzbund, von Sozialarbeitern, von all jenen, die bei Misshandlungen nicht eingeschritten sind und weggeschaut haben und von Interessenverbänden, freien Trägern, die damit Geld verdienen. Die Probleme dürften in vielen Ländern nicht viel anders sein.

Frauen bringen Kinder zur Welt, ziehen sie auf und Männer töten sie millionenfach in unzähligen Kriegen. Das können sich auch christliche Kleriker, die Waffen segnen, und christliche ›Lebensschützer‹, die vom lukrativen Waffenexport ihres Landes profitieren, merken!

Warum kämpfen LebenschützerInnen nicht für das geborene Leben?

Woher kommt dieses unbarmherzige Verurteilen von Frauen, die ihre unerwünschten Schwangerschaften, aus Not und meist im vollen Bewusstsein der Verantwortung beenden? Warum diese Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit, warum diese Arroganz und Unmenschlichkeit? Es ist schlussendlich der Hass religiös versklavter Menschen auf jene Frauen, die ihre Sexualität frei und selbstbestimmt leben und selbst über ihren Bauch und die Konsequenzen sexueller Liebe entscheiden.  Es geht um Macht, Kontrolle und Herrschaft. Dafür braucht die Kirche eine sich immer wieder erneuernde, nachwachsende Mitgliedschaft und das Militär immer wieder junges Kanonenfutter für seine Kriege.
Als Geiseln der patriarchalen Institutionen, der Universitäten und Kirchen, nach Jahrtausenden der ständigen patriarchalen Propaganda, Beeinflussung, Indoktrinierung und Hirnwäsche kämpfen heute auch viele gläubige Frauen für patriarchale Ideologien und die patriarchalen Götter des Monotheismus. Patriarchatskompatible WissenschaftlerInnen im Dienste des misogynen Patriarchats, die sich vernetzen, sich gegenseitig unterstützen und ständig gegenseitig zitieren, beschneiden geradezu masochistisch ihre weibliche Identität und ihre Wurzeln, die bis in die Urkultur reichen. Da hat die vergiftende patriarchale Propaganda ganze Arbeit geleistet! Die Patriarchatsforscherin Gerda Lerner führt dies auf die Benachteiligung der Frauen im Bildungswesen und die androzentrische Verzerrung der Geschichte mit der Marginalisierung der Frau zurück.

»Diese doppelte Deprivation hat die weibliche Psyche über die Jahrhunderte so zugerichtet, dass die Frauen an der Herausbildung des Systems, das sie unterdrückt, mitwirken und an dessen ständiger Bestätigung und Verfestigung in der Folge immer neuer Generationen weiter mitgewirkt haben und noch immer mitwirken.« (Gerda Lerner ›Die Entstehung des feministischen Bewusstseins – vom Mittelalter bis zur Ersten Frauenbewegung‹ 1993, S. 20).

Christliche Eunuchen spielen sich zu ›Fachmännern‹ in Sachen Biologie, Sexualität, Gynäkologie und allen Frauenfragen‹ auf. In Sachen männliche Sexualität sind sie offenbar aber nicht auf dem Laufenden. Wie wäre es sonst möglich, dass sie Verbrechen in den eigenen Reihen, die an Kindern begangen wurden, nicht bemerkt oder wahrgenommen haben, nicht gesehen haben wollen, wieviel sexuelle Perversität es gerade unter den schein-heiligen Klerikern gibt? In Deutschland spricht der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig von 100’000 Fällen pro Jahr (2013)! Gesamthaft gibt es da schätzungsweise 9 Millionen dauerhaft geschädigte Seelen sexueller Gewalt. Warum demonstrieren LebensschützerInnen nicht zum Schutz der Kinder vor der Verletzung ihrer Kinderseelen?

Wo wart ihr ›Lebensschützer‹ damals?

›Nie wieder‹, heißt eine der Parolen der christlichen Lebensschützer, doch wo waren sie damals, wo war die christliche Kirche und all die frommen und braven Christen, wo der Papst, wo die unzähligen Kardinäle, Bischöfe und Priester in aller Welt als Millionen jüdischer Kinder und Ungeborene im Mutterleib in den Gaskammern ermordet wurden? Ist das Leben jüdischer Kinder und Föten und das Leben der schwangeren jüdischen Mütter weniger schützenswert als das ›christlicher Föten‹ und christlicher Mütter? Unzählige schwangere jüdische Frauen und ihre Kinder wurden – im faschistischen Deutschland der heuchlerischen christlichen Parteien – ermordet.

sie auch: https://www.students.ch/magazin/details/41873/Eine-kleine-Geschichte-der-Verhuetung


Print page