Patriarchat versus Matriarchat

Aus dem Inhalt:

  • Das Patriarchat – das Resultat männlicher Hybris
  • Am Anfang war die Frau
  • Die Entstehung des Patriarchats (Kurzfassung)
  • Im Patriarchat ist der weiße heterosexuelle Mann die Norm
  • Die Geschichte wurde von den Siegern, den patriarchalen Männern geschrieben
  • Die patriarchale Taktik der Verleugnung
  • Das unbekannte Wissen um die Zeugung
  • Dem Patriarchat geht es um Verteidigung und Erhalt der Männermacht
  • Großmannssucht, Rivalität und Neid

 

Das Patriarchat – das Resultat männlicher Hybris

Patriarchat (wörtlich „Väterherrschaft“) beschreibt in der Soziologie, Politikwissenschaft und verschiedenen Gesellschaftstheorien ein System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird. Ein Synonym für Patriarchat ist die wenig gebräuchliche Neubildung Androkratie, wörtlich ›Herrschaft des Mannes‹. (Wikipedia)

Am Anfang war die Frau

Schon seit den ersten Hominiden, von denen wir heute Kenntnis haben, die in Afrika auftauchten, waren es natürlicherweise die Mütter, die ihre Kinder, die sie zur Welt gebracht hatten, ernährten, hegten, beschützten und das Leben und alles was zum Überleben nötig war, lehrten: z.B. die Sprache, das mitfühlende Miteinander, den respektvollen Umgang mit der Natur, das  Sammeln und Zubereiten von Nahrung, das Anfertigen von Kleidung, von Unterkünften, Werkzeugen usw. Mütter waren für das Leben und Überleben unverzichtbar, während die biologischen Väter kaum oder gar keine Rolle spielten; es gab für sie nicht einmal eine Bezeichnung. Hingegen wurden die Söhne im mütterlichen Blutsclan mit mütterlichen Werten grossgezogen; sie kümmerten sich fürsorglich um die Kinder ihrer Schwestern und gaben ihnen positive männliche Werte mit. Die ältesten Mütter, wir nennen sie seit biblischen Zeiten ›Matriarchinnen‹, leiteten in der gleichen Weise wie sie einst ihre eigenen Kinder betreut hatten, ihre Sippe – liebevoll, weise und  gerecht – zum Wohle des ganzen Clans. Die Welt war überschaubar, friedlich und prosperierend.

»Dass wir uns als Menschen entwickelten, kam zustande durch Kooperation, nicht durch Wettbewerb. Es kam dadurch zustande, dass Menschen einander geholfen haben – nicht dadurch, dass der Stärkere, den Nicht-Starken unterdrückte… Empathie ist nicht nur die Grundvoraussetzung für seelische Gesundheit, sondern auch für Demokratie.« (Arno Gruen ›Dem Leben entfremdet. Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden‹, ›Kulturzeit‹ 3sat 12.6.13)

Nachdem vor nur 6 bis 8’000 Jahren Rinderzüchter in den südrussischen Steppen die Rolle der Stiere bei der Zeugung von Jungtieren beobachtet und verstanden hatten, schlossen sie daraus auf ihre eigene Wichtigkeit und forderten die Anerkennung als Erzeuger. (›Die späte Entdeckung der Vaterschaft‹)
Die ersten Väter waren geboren und forderten Rechte. Jedoch steigerten sie ihre Forderungen ins Unermessliche. In der griechischen Antike gipfelten sie in der größenwahnsinnigen Behauptung, Väter seien die eigentlichen und alleinigen Schöpfer neuen Lebens, Frauen nur noch die Brutöfen, den männlichen ›Samen‹ bis zur Geburt auszutragen hatten. In der Tragödie der Orestie, die um 458 v.u.Z. uraufgeführt wurde, beschreibt Aischylos den Prozess gegen Orest, der des Mordes an seiner Mutter angeklagt ist. Apollo verkündet Orests Unschuld, weil Kinder nicht mit ihren Müttern verwandt seien: ›Nicht ist die Mutter eines Kindes Zeugerin. Sie hegt und trägt den eingesäten Samen nur… Und auch beweisen kann ich dir, was ich gesagt; / Denn Vater kann man ohne Mutter werden – da, / Als Zeugin steht die Tochter des Olympiers Zeus, / die niemals eines Mutterschoßes Dunkel barg! / Und dennoch, edler Kind erzeugte nie ein Gott.‹

Rechte wollten die patriarchalen Väter und wie steht es mit den Pflichten? Bis heute übernehmen nur etwa 50 Prozent der Männer Mitverantwortung für den Nachwuchs und nur etwa 50 Prozent bezahlen nach einer Scheidung Alimente für sie. Die andern 50 Prozent – das entspricht zufällig (?) etwa den 50 Prozent der Männer mit indoeuropäischen Genen – forderten bald nach der Entdeckung die ›Herrschaft der Väter‹ und sahen in den Kindern ihren Besitz. Sie entrissen den Müttern die Erziehung, vor allem die der Söhne und setzten diese mit brachialer Gewalt durch. Der Beitrag patriarchaler Väter basierte von Anfang an nicht auf Liebe, Sorge und Verantwortung sondern auf angemaßter Macht und Herrschaft.

»Fast die gesamte heutige Welt ist patriarchalisch organisiert. Manche Menschen brauchen eine Definition, um zu verstehen, was dieses Wort bedeutet. Unser tägliches Leben präsentiert uns schließlich die Tatsache des Patriarchats, ohne auf seine besonderen Merkmale hinzuweisen. Wie Vögel, die in Käfigen aufgezogen wurden, halten Frauen, die in einem patriarchalischen System erzogen wurden, ebendieses System für die normalste Lebensweise menschlicher Wesen. Sie kennen nichts anderes, da sie nie gelernt haben, sich Alternativen auszumalen.« (Barbara G. Walker ›Göttin ohne Gott – Der Herr des Himmels wird entthront‹ 1999, S. 62)

Die Entstehung des Patriarchats (Kurzfassung)

  • Indoeuropäische Hirtennomaden und Rinderzüchter beobachteten den Anteil der Stiere bei der Zeugung und verstanden erstmals ihren eigenen Beitrag bei der Entstehung von Nachwuchs.
  • Sie überhöhten ihre eigene Wichtigkeit ins unermessliche, lehnten sich auf gegen das Primat der Mütter, entrissen ihnen ihre natürliche Macht und Autorität und setzen sich an ihre Stelle.
  • Sie  begannen ihre Umgebung zu terrorisieren und mit Überfällen auf andere Clans auszuweiten.
  • Mit dem Erfolg ihrer Gewalt steigerten sie sich in die wahnhafte Hybris, die eigentlichen Schöpfer der Welt zu sein. Sie entzogen sich der Zivilisierung durch die matriarchale Kultur, verrohten und organisierten sich in männerbündlerischen Junggesellenbanden.
  • Sie wurden zu den kriegerischen Waffenschmieden der Bronzezeit, domestizierten das Pferd und setzten es bei ihren Überfallen auf die matriarchalen Siedlungen ein.
  • Sie unterwarfen die unbewaffneten und unbefestigten indigenen Völker, die kultiviert und zivilisiert waren, aber keine Chance gegen die mörderischen Angriffe aus dem Norden hatten.
  • Ihre   erfolgreiche Überfallstrategie, die auf der Gewalt basierte, verhalf ihnen zur Macht, sich an die Spitze der eroberten Länder zu stellen, diese zu versklaven und auszubeuten.
  • Sie entrissen den matriarchalen Priesterköniginnen die Leitung und putschten sich durch ›Heirat‹ bzw. Vergewaltigung an die Macht und regierten als die ersten männlichen Könige in Mesopotamien und Ägypten.
  • Das Konzept der ›göttlich-männlichen‹ Königsherrschaft führte zu dynastischen Hierarchien.
  • Sie führten das hierarchische Drei-Klassen-System von arischer Königsherrschaft, Krieger-Adel und arbeitender Bevölkerung ein.
  • Ihre Krönung war die Erfindung der ersten männlichen Götter durch eine eigene Priesterkaste, die die Machtnahme durch Mythen legitimierte.
  • Sie missachte(te)n menschliches Leben, körperliche (sexuelle) Integrität und das Recht auf Selbstbestimmung.
  • Die Priesterkaste war eine abgehobene Elite, die zur arischen (ari-stokratischen) Herrscherklasse gehörte.
  • Sie zwangen den versklavten Einheimischen ihre männlichen Götter auf.
  • Die Eroberer betrachteten sich als Herrenrasse und vermischten sich – außer durch Vergewaltigung – nicht mit den ›Untertanen‹ mit den ›schwarzen Köpfen‹.
  • Sie waren/sind rassistisch und sexistisch, lebens-, lust- und leibfeindlich.
  • Ihr Frauenhass und ihre Einstellung zur Sexualität nahmen deutlich pathologische Züge an.
  • In der Bibel, dem Geschichts- und Legendenbuch des Patriarchats, sind einige ihrer blutigen Gewalttaten, ihrer Überfälle und Kriege aufgezeichnet, die immer mit göttlichen Weisungen verbrämt wurden.
  • Der Kampf des Patriarchats gegen die Frauen mündete in frauenfeindliche, diskriminierende Gesetze, z.B. sah das hebräische Gesetz vor, dass eine vergewaltigte Frau mit dem Tod bestraft werden sollte, wenn sie bereits verlobt oder verheiratet war.
  • Der Würgegriff des Patriarchats dauert bis heute an!

Im Patriarchat ist der weiße heterosexuelle Mann die Norm

Frauen und Schwule gehören nicht dazu. Im März 2014 wurde Alice Nkom, die Anwältin aus Kamerun, die sich für die Rechte der verfolgten sexuellen Minderheiten einsetzt, mit dem Menschenrechtspreis von Amnesty International ausgezeichnet. Sie sieht einen der Gründe für den Staatsterror der in 36 Ländern Afrikas Schwule, Lesben usw. verfolgt in den Religionen und in der Kolonisierung Afrikas durch die Weißen. Die Staatsdoktrin rechtfertigt ihren Hass mit der Bibel. Sie macht diese Menschen zu Verbrechern.
Die meisten von uns können sich keine kulturellen Alternativen ausdenken und kennen nichts anderes als das Patriarchat, weil das Wissen um eine andere Lebensweise nie in die Geschichtsschreibung eingegangen ist, bzw. von patriarchalen Männern gelöscht wurde. Dies betrifft die Geschichte der Frauen, des Matriarchats und der Religion der Großen Göttin; alles das, was erst abgewertet, dann allmählich beseitigt und schließlich gänzlich vernichtet und durch Hirnwäsche aus unserem Gedächtnis eliminiert wurde.
Es ist die wahre Geschichte unserer Vergangenheit, die uns vorenthalten wird; die Geschichte, die wir nicht kennen: der tragische Verlust unserer ursprünglichen Identität, unseres Menschseins. Würden wir diese verlorene Geschichte kennen, sähe die Welt heute anders aus.
Das Patriarchat begann mit dem ersten Krieg in Hamoukar (s.›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹), mit den Eroberungen der patriarchalen Indo-Europäer, den Sumerern in Mesopotamien und den ersten indoeuropäischen Königen Ägyptens, den Gründern der sogenannten ›Hochkulturen‹. Die Eroberer setzen Schrift erstmals politisch und ökonomisch ein. Vorerst hatten die Eroberer kein Interesse daran, über das brutale Vorgehen, mit dem sie die überrannten Völker unterwarfen, versklavten, ausbeuteten, erniedrigten und massakrierten, zu berichten, das änderte sich jedoch später. Die Bibel, das Geschichts- und Legendenbuch des Patriarchats, prahlt und schildert ohne jede Scham, Skrupel oder Schuldbewusstsein von kaltblütigen Überfällen, Kriegen, Landraub, Machtnahme, Massakern, Verfolgung und Bestrafung jener, die sich ihnen und ihrem Versuch, das Patriarchat zu errichten, nicht unterwerfen wollten. Das Vorgehen erinnert 1:1 an die Errichtung eines islamischen Staates, des IS-Kalifats im Vorderen Orient im Jahr 2014! Davon nimmt die heutige Welt mit Entsetzen Kenntnis, doch es ist eine Wiederholung dessen, was schon einmal im Vorderen Orient geschah. Religiös verbrämt, wird die grausame Geschichte, die die Bibel – neben vielen Legenden und Beschönigungen – schildert, nicht zur Kenntnis genommen. Im Gegenteil, Gläubige aller drei Mono-Religionen sehen darüber hinweg und propagieren die Sammlung von Sagen, Lügen, Dichtungen, von Gewalt und Krieg schwärmerisch als das ›heilige‹ Buch, als ›literarisches Meisterwerk‹, voller Poesie und Weisheit.
Die unheilvolle Geschichte des Patriarchats wurde während Jahrhunderten redigiert und angepasst und bisher milliardenfach verbreitet. Dieses Buch veränderte die Welt und unser Leben und indoktrinierte unser Denken mit fundamentalistisch-patriarchalem Gedankengut.

Nicht nur die gläubigen, durch religiöse Propaganda verführten Laien haben in Bezug auf den Horror der biblischen Geschichte ein Brett vor dem Kopf, auch die allerwenigsten WissenschaftlerInnen wollen heute das Desaster, das zum Umbruch von der langen friedlichen matriarchalen Epoche in die kriegerische patriarchale Zeit führte, erkennen.
Zudem haben die patriarchalen jüdischen, christlichen und muslimischen Wissenschaftler kein Interesse daran, die Ur-Religion der Welt, die eine Große Göttin verehrte, zur Kenntnis zu nehmen. Die Invasoren legitimierten ihre Machtname durch die Erfindung männlicher Götter und die zu ihnen gehörenden Priesterkasten dachten sich Mythen aus, die durch Propaganda über die Jahrtausende verbreitet wurden. Heute ist die Geschichte des Matriarchats und der Verehrung der Göttin beinahe gänzlich aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden – mit Ausnahme der domestizierten Maria im katholischen Christentum –, die nur noch zaghaft, lieb, sanft und gezähmt – an die Große Göttin von damals erinnert.

Die Geschichte wurde von den Siegern, den patriarchalen Männern geschrieben

Seit den sogenannten Hochkulturen, seit ›Geschichte‹ geschrieben wird, wurde sie von patriarchalen Männern geschrieben, die jene andere Form der Lebensart, der Kultur und Religion erfolgreich unterdrückt und alles was nicht in ihr patriarchales Schema passte, zum Verschwinden brachten.

Die patriarchale Taktik der Verleugnung

Die Erinnerung, das Gedächtnis einer Kultur kann sehr schnell von Eroberern, Kolonisatoren, Missionaren zerstört werden, z.B. durch das Verbot, die gewohnte Sprache zu sprechen, die alten Symbole, die alte Schrift zu benutzen, die alten Kulte zu zelebrieren, die Kunstwerke aufzubewahren, die gewohnten Feste zu feiern, usw. Die Verbote werden durch massive Drohungen, körperliche und seelische Gewalt bis hin zu Folter und Mord durchgesetzt. Deren Beispiele sind zu zahlreich, als dass sie übersehen werden könnten.

Patriarchale ›Väter‹ schufen die Hölle auf Erden und das Massengrab für unzählige Millionen

Frauen schufen Kultur und Zivilisation. Was Kultur wirklich ausmacht, sind Errungenschaften der matriarchalen Zeit: Frieden, das wichtigste Gut der Menschheit, eine selbstverständliche Ebenbürtigkeit aller Menschen und beider Geschlechter, Menschlichkeit, Freiheit und Wohlstand. Demokratie, Kunsthandwerk, Ackerbau, Vorratshaltung, spezialisiertes Handwerk, die Schaffung von Symbolen und die Erfindung der Schrift, weitläufige Handelsbeziehungen, eine funktionierende Verwaltung, all das waren Charakteristiken der vor-patriarchalen Zeit. Die schöpferischen Fähigkeiten wurden gepflegt, Musik, Tänze, meditative Muße und das Kunstschaffen nahmen einen breiten Raum ein. Und selbstverständlich hatte man religiöse Vorstellungen und Rituale; sie galten der Verehrung einer vergöttlichten Urahne und dem Glauben an eine Wiedergeburt aus den Müttern.
»Wiedergeburt aber, das war nur möglich, nur denkbar durch die Frau… Die Rolle der Frau als dem einzigen Weg zu neuem Leben musste für den frühen Menschen um so mehr Gewicht bekommen, als ihm ja der Zusammenhang zwischen Zeugung, oder genauer: zwischen Sex und Geburt mit Sicherheit Jahrzehntausendelang verborgen blieb… Zumindest in der Vorstellung der Männer bestimmte die Frau der Vor- und Urgeschichte nach eigenem Gutdünken über ihren Bauch. Und man kann ganz sicher sein, dass man die Männer möglichst lange in diesem Glauben ließ. Denn dem Wissen um die wahren Zusammenhänge konnten sehr schnell massive Forderungen folgen« (Richard Fester et al.›Weib und Macht– Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau‹ 1979, S. 30 f). Wie wir wissen, die Befürchtung Festers’ bestätigt sich tatsächlich bis heute – täglich!
Die Beiträge der Frauen zum sozialen Leben, zum religiösen Kult, der Kunst und Kultur, das, was von ihnen seit dem Existieren der Menschheit geschaffen wurde, fand keinen Eingang in die Geschichtsschreibung. Es wurde von den Historikern entweder verschwiegen, ausgeblendet, als unwichtig diskriminiert oder der ›Hochkultur‹ zugeschlagen. Davon berichtet das 1. Kapitel meines Buches ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht…‹ mit dem Untertitel: ›Patriarchale Geschichtsschreibung: Was von den Historikern verschwiegen wird‹.

Das unbekannte Wissen um die Zeugung

»James Frazer, Margaret Mead und andere Anthropologen haben herausgefunden, dass in den sehr frühen Stadien der Entwicklung, bevor man das Geheimnis der menschlichen Fruchtbarkeit verstand, bevor der Koitus mit Geburt assoziiert wurde, die Frau als Spenderin des Lebens verehrt wurde. Nur Frauen konnten die Art fortpflanzen, und der Anteil des Mannes an diesem Prozess war noch nicht erkannt worden.« (Leonard Cottrell, zit. von Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war – Die Geschichte der Ur-Religion unserer Kulturen‹ 1988, S. 37)
»Wie andere Säugetiere kannten auch die frühen Menschen nur einen Elternteil, nämlich die Mutter. Die paläolithischen Gruppen basierten auf der Mutterverwandtschaft. Die Stämme bestanden aus Ahnfrauen, ihren Kindern und Säuglingen. Dieses elementare menschliche System kommt noch in der Bibel zum Vorschein, wenn die Aufzählungen von ›Zeugungen‹ zumeist weibliche Namen nennen, die unwissentlich aus älteren Berichten kopiert wurden. 599 Sechshundertstel der Zeit, in der Menschen sich auf Erden befinden, war die Vaterschaft unbekannt.« (Barbara G. Walker ›Gott ohne Göttin – Der Herr des Himmels wird entthront‹ 1999, S. 63 f.) Es ist kein Zufall, dass die unbekannte Vaterschaft dazu geführt hat, dass in dieser Zeit: ›98 % der Menschheitsgeschichte ohne jeden Krieg war‹; so die Ausstellungsmacher von Halle zum Thema ›Krieg – eine archäologische Spurensuche‹.

»In solchen Kulturen (die es noch heute bei vielen ›primitiven‹ [d.h. sehr abgeschiedenen] Völkern gibt und die es auch in historisch bezeugten Gesellschaften zur Zeit des klassischen Griechenland gab) werden nicht nur die Namen, sondern auch Titel, Besitztümer und territoriale Rechte durch die weibliche Linie weitergegeben, so dass sie innerhalb des Familienclans bleiben.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war – Die Geschichte der Ur-Religion unserer Kulturen‹ 1988, S. 38 f.)

Relief Umarmung Chatal Hüyük2 Dass der Mann einen Anteil an der Erzeugung neuen Lebens hat, war noch bei kultivierten Völkern des Neolithikums unwichtig oder selbstverständlich und gehörte bei ihnen möglicherweise zum geheimen Wissen der Frauen. Darauf deutet eine Schiefer-Reliefplatte aus Çatal Hüyük hin (8. bis 6. Jahrtausend). Auf der linken Seite ist ein liegendes, sich umarmendes Paar dargestellt, auf der Rechten eine liegende Mutter, einen Säugling im Arm haltend, was als Schilderung des sexuellen Aktes und die später folgende Geburt eines Kindes betrachtet werden kann.
(Abb. nach James Mellaart ›Çatal Hüyük – Stadt aus der Steinzeit‹ 1967, Tafel 83)

»Forschungen bei sogenannt ›primitiven‹ Stämmen, die in den letzten Jahrhunderten durchgeführt wurden, ergaben, dass manche der isolierten ›primitiven‹ Völker, selbst noch im 20. Jahrhundert, kein bewusstes Verständnis vom Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr und Empfängnis hatten. Anhand dessen wurde der Analogieschluss gezogen, dass paläolithische Menschen vielleicht auf einer ähnlichen Ebene biologischer Bewusstheit standen. Im Jahre 1963 schrieb Jacquetta Hawkes: ›Australische und einige andere Völker hatten kein Verständnis von der biologischen Vaterschaft und akzeptierten keine notwendige Beziehung zwischen Geschlechtsverkehr und Empfängnis‹. Im selben Jahr bemerkte S.G.F. Brandon, Professor für vergleichende Religionswissenschaft an der Universität von Manchester: ›Wie das Kind in den Mutterschoß kam, war für den primitiven Menschen zweifellos ein Geheimnis… angesichts des Zeitraumes, der zwischen Befruchtung und Geburt liegt, ist es wahrscheinlich, dass die Bedeutung von Schwangerschaft und Geburt hochgeschätzt wurde, lange bevor man erkannte, dass diese Phänomene das Ergebnis der Empfängnis waren, die auf den Koitus folgten.« (Merlin Stone)
Trotz der wissenschaftlich längst bewiesenen Tatsache der matrilinearen Abstammung und der ins Auge springenden Logik und Überzeugungskraft des ursprünglichen Matriarchats, gibt es tatsächlich noch immer patriarchale WissenschaftlerInnen – nicht nur ungebildete Laien – die diese Tatsache leugnen! Das gilt in erster Linie für gläubige AnhängerInnen einer der monotheistischen Religionen.

»Gesellschaften, die weibliche und mütterliche Verwandtschaftsbräuche pflegen, existierten in der Vergangenheit und treten noch immer in vielen Gegenden der Welt in Erscheinung. Die Theorie, dass die meisten Gesellschaften ursprünglich matrilinear, matriarchalisch und sogar polyandrisch waren (eine Frau hatte mehrere Ehemänner), wurde zum Thema mehrerer ausführlicher Forschungsarbeiten des späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Wissenschftler wie Johann J. Bachofen, Robert Briffault und Edward Hartland gingen von der Vorstellung einer alten matriarchalischen und polyandrischen Gesellschaft aus und stützten ihre Theorien mit umfangreichenm Beweismaterial, aber sie betrachteten diese Systeme als besonderes Stadium in der evolutionären Entwicklung. Sie vermuteten, dass alle Gesellschaften ein matriarchales Stadium durchlaufen mussten, bevor sie patriarchalisch und monogam werden konnten, was sie als höheres Stadium der Zivilisation zu betrachten schienen.« (Merlin Stone ibd. 1988, S. 64) Die britische Archäologin und Autorin Jacquetta Hawkes (1910-1996) macht auf eine unglaubliche Tatsache aufmerksam, nämlich, dass das Patriarchat das Wissen vom Matriarchat tabuisiert hat. Sie schreibt:

›Es ist heutzutage unschicklich, über frühere matriarchalische Gesellschaftsordnungen zu sprechen. Aber aus vielen Teilen der Welt gibt es Beweise dafür, dass die Rolle der Frauen in verschiedenen Sektoren der Gesellschaftsstruktur schwächer geworden ist.‹

Die meisten Forschungsarbeiten über das Matriarchat stützen sich auf anthropologische Analogien und die klassische Literatur Griechenlands und Roms.« (Merlin Stone ibd. 1988, S. 64) Heute, rund 100 Jahre später, stehen uns mehr und sicherere Daten zum Matriarchat zur Verfügung (s. Beispiele verschiedener heutiger Matriarchate auf dieser homepage). Jedoch wurde die damalige Tabuisierung, in Verfemung, Leugnung und Minimalisierung der Tatsache und seiner Werte gewandelt.

Dem Patriarchat geht es um Verteidigung und Erhalt der Männermacht

Die Fortsetzung der patriarchalen Gewalt, die seit den ersten Überfällen und Kriegen die Welt terrorisieren, sind heute patriarchale Banden, wie etwa die Islamisten und all die anderen Fanatiker und Scharfmacher, die unter religiöser Verbrämung die Welt in Angst und Schrecken versetzen. Sie verteidigen nicht etwa die Religion, wie sie behaupten, sondern das Patriarchat, das Vorrecht der Männer über die Welt zu herrschen. Der Terror sei nicht – christlich, jüdisch oder islamisch, sondern eine Missbrauch der Religion, versichert man uns. Das trifft zu! Denn die Fanatiker verteidigen das politische Patriarchat – und das hat nur insofern mit Religion zu tun, als alle Patriarchate und monotheistischen Religionen an rechtsextremen Faschismus grenzende Diktaturen sind; Terrorregimes, die nur eines anstreben, die Macht der patriarchalen Männer zu erhalten. In erster Linie geht es ihnen dabei um die Einschränkung der Freiheit und Rechte der Menschen. Der Vatikan hat die ›Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) bzw. Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten‹ bis heute nicht unterschrieben und ratifiziert. Denn in dieser Konvention geht es auch um die Menschenrechte der Frauen! Und da es allen patriarchalen Religionen um Macht und HERR-Schaft und die Kontrolle der Sexualität der Frau geht, wird sie auch nie unterschrieben werden. Vaterschaft hat heute im Patriarchat einen derart wichtigen Stellenwert, dass ausgerechnet jene, die niemals Väter sein wollten, weil sie asexuell oder homosexuell sind, oder weil sie die Sexualität und die Frauen verachten, sich Vater, Kirchenvater, Papst, Pope und Padres nennen.
»Einer der Gründe, aus dem spätere Patriarchate zu einer asketischen Vermeidung der Sexualität übergingen, bestand darin, dass fast alle Menschen damals die weibliche Sexualität als Manifestation der Göttin betrachteten. In einem voll entwickelten Patriarchat, wie etwa im europäischen Mittelalter, wurde alles, was auch nur im entferntesten mit der Göttin zu tun hatte, zu einem Gegenstand der Angst und des Hasses verteufelt.« (Walker ibd. 1999, S. 64) Diesem Hass fielen zwischen acht und zehn Millionen als Hexen verketzerte Frauen durch die Inquisition der Kirchen- und Landesväter zum Opfer. (s. ›Die Christianisierung Europas und die Hexenverfolgungen‹)

›Frieden beginnt mit der Wahrheit‹ (Amos Gitai, israelischer Filmemacher)

Patriarchale Religionen schufen und erhalten ihre Macht durch Gewalt und Krieg, durch Verleugnen und Vertuschen der Wahrheit, Einschüchterung und der Drohung durch Bestrafung mit der Hölle. Der religiöse Chauvinismus geht davon aus, dass die eigene Religion die einzig Richtige sei und deshalb allen anderen überlegen. Dieser Wahn führte zu unzähligen Religionskriegen.

Großmannssucht, Rivalität und Neid

Der übersteigerte Geltungsdrang patriarchaler Männer, auch Großmannssucht, Größenwahn, Aufschneiderei, Angeberei, Imponiergehabe genannt, beschreibt die Gier narzisstischer und/oder pathologischer Männer, nach Ansehen, Geltung und Macht. Zur Erfüllung dieser Ziele gehen sie ihren Weg ohne jeden Skrupel und ohne Rücksicht auf andere.
Neid, Eifersucht, Habgier, Missgunst und Konkurrenzkampf sind treibende Kräfte des patriarchalen Mannes. Es war Neid auf die Macht und Weisheit der Matriarchinnen, Neid auf das lebenspendende Blut der Frauen und ihre Gebärfähigkeit. Neid auf die prosperierenden Kulturen unter der Leitung der matriarchalen Königinnen. Neid auf ihre Bodenschätze, vor allem Gold. Neid war der Grund diese zu erobern und in Besitz zu nehmen. Neid war der Grund für die Schaffung der Herrschaft der Väter mit allen dramatischen Folgen: den Kriegen, der rohen Gewalt, der Unterdrückung und Ausbeutung und den faschistischen und religiösen Diktaturen.
Neid auf die Verehrung der Göttin war der Grund für die Erfindung der ersten männlichen Götter und der patriarchalen Götter des Monotheismus.
Und Neid war der Grund für das schlimmste Verbrechen des deutschen Patriarchats des letzten Jahrhunderts, für den Holocaust. »Schon 1831 meinte der jüdische Publizist Gabriel Riesser, dass der schlichte Neid im Zentrum der Judenfeindschaft stehe. Jeder Aufmerksame höre doch, dass unter hundert Äußerungen des Unmuts gegen die Juden neunundneunzig auf diesem Boden gewachsen sind.« (Der Spiegel 31/2011)
Der Historiker Götz Aly dokumentiere glaubhaft den Neid als Ursache der Katastrophe in seinem Buch ›Warum die Deutschen? Warum die Juden? – Gleichheit, Neid und Rassenhass – 1800 bis 1933‹
»1848 hieß es in einem Überblick zur Lage der israelitischen Minderheit: Die in ihrer Entwicklung sehr viel langsameren christlichen Deutschen beneideten die Juden um ihre Weltläufigkeit, Urbanität und Auffassungsgabe, um ihr kaufmännisches Geschick und ihre Bildung. 1848 hieß es in einem Überblick zur Lage der israelitischen Minderheit: »Die teilweise Wohlhabenheit und besondere Erwerbsgeschäftigkeit der Juden ist es, die ihnen die Angriffe dieser Stände auf den Hals zieht, welche sich durch solche Geschäftigkeit benachteiligt fühlen.« (Der Spiegel 31/2011)

Patriarchale Großmannssucht, Rivalität und Neid: Diese Eigenschaften sind häufig bei Wissenschaftlern, Kirchenfürsten, Politikern und in den Führungsetagen der Wirtschaft zu finden.

Krankhafte Hybris, arrogante Selbstüberschätzung und die Selbstglorifizierung zum Elitewesen, nannte Schopenhauer einen lächerlichen, selbstverliebten Irrtum.

 

 


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