Nicht zu leugnen: 5000 Jahre Patriarchat – eine katastrophale Bilanz

Aus dem Inhalt:

  • 65 Millionen Menschen auf der Flucht!
  • Das Patriarchat ist indoeuropäisch/arischen Ursprungs
  • Die Mehrheit der Menschen glaubt, das Patriarchat sei ein Naturgesetz und von ›Gottes Gnaden‹
  • Das Patriarchat: eine gnadenlose Kriegskultur
  • Der patriarchale Mann überschätzt sich und glaubt an seine ›natürliche‹ Überlegenheit
  • Der patriarchale Mann wurde zur Gefahr für Frauen und Kinder
  • Der Einfluss der Patriarchalisierung auf die Beziehung von Frau und Mann
  • Die patriarchale Familie, in der die Frau zu schweigen und zu dulden hat, ist die Brutstätte männlicher Gewalt-Herr-schaft
  • Patriarchat und Faschismus
  • Intelligenz und Gewalterziehung – eine aufschlussreiche Hirnforschung
  • Ängste und Ohnmacht patriarchaler Männer
  • Die Saat der patriarchalen Gewalt ist in erschreckendem Masse aufgegangen
  • Die katastrophale Bilanz kann nicht geleugnet werden

65 Millionen Menschen auf der Flucht!

Als der europäische Kolonialismus blühte, häufte der Westen durch Unterdrückung, Versklavung, Ausbeutung, Folter und Mord Macht und Kapital an. Die kolonisierten Völker verarmten und stehen heute als Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge, durch Gewalt und Hunger an Leib und Leben bedroht, vor unseren verschlossenen Grenzen und Herzen. ›We are here, because you were there‹, war auf einer Demo von Indern in London zu lesen. Anfangs 2015 spricht man von 260 Kriegen seit 1945, von 55 Millionen Flüchtlingen, Mitte 2015 bereits von 60 Millionen. 2016 ist die Zahl auf 65 Millionen angestiegen und abertausenden Ertrunkenen im Mittelmeer. Die Erinnerung an die Schuld von Kolonialismus und Sklaverei wird verdrängt und pervertiert in Rassismus und Fremdenhass, der heute in vielen Ländern grassiert. Eine bittere Bilanz.

»Männerbünde (kriegerische Schwurgemeinschaften) waren ein zentrales Merkmal aller alten indoeuropäischen Kulturen.« (Kris Kershaw)

Das Patriarchat ist indoeuropäisch/arischen Ursprungs

Das Patriarchat nahm seinen Anfang bei den Indo-Europäern, primitiven, nomadisierenden Schafhirten, Rinder- und Pferdezüchtern in den südrussischen Steppen. Sie hatten den männlichen Anteil bei der Zeugung entdeckt, was sie zu den ersten anerkannten Vätern (Patriarchen) machte und bei ihnen größenwahnsinnige Ansprüche auslöste. Sie sahen sich als ›Schöpfer der Welt‹, die nun ihnen gehören sollte, drängten immer mehr an die Macht und begannen die Frauen aus ihren leitenden Positionen zu verdrängen und männliche Werte einzuführen. Junge unverheiratete Männer organisierten sich in kriegerischen Männerbünden; Ruhm und Ehre galten ihnen als höchste Errungenschaften. (s. auch ›Wer war Menes‹?) Sukzessive eroberten sie die Länder der damaligen Zeit; im Süden bis nach Ägypten. Die kriegerischen Überfälle wurden für sie zum wichtigsten Mittel, sich Macht über die matriarchalen Siedlungen und Städte  – und damit über Frauen, Tiere, Landbesitz und Reichtum – zu verschaffen, denn Land und Besitz lagen in den weltweiten matriarchalen Kulturen in den Händen der Frauen.
Kriege wurden als Aufstand gegen die Frauenkultur, aus Lust am Abenteuer, aus Langeweile, aus Rebellion, aus Lust am Töten und zum Zwecke der Eroberung von Ländern, mit all ihren Schätzen, dem Boden, den Menschen und dem Vieh geführt und als Mittel der Machterhaltung insti­tutionali­siert. Zur Kriegsbeute gehörten immer auch Menschen. Frauen, Männer und Kinder, die versklavt, missbraucht und ausgebeutet wurden.

Die Mehrheit der Menschen glaubt, das Patriarchat sei ein Naturgesetz und von ›Gottes Gnaden‹

Menschen lassen sich verführen, beeinflussen, manipulieren, beherrschen, korrumpieren, instrumentalisieren und sogar erpressen, durch geschickte politische und religiöse Propaganda. Auch die Medien stehen im Dienst der patriarchalen Strippenzieher, der Waffenschieber, der Kriegstreiber, Profiteure und Diktatoren, der Propagandamaschinerie der Meinungsmacher an der Macht.

Die allmähliche Patriarchalisierung der Welt war ein langer Prozess, der dazu führte, »dass eine männerbeherrschte, gewalttätige und hierarchische Gesellschaftsordnung mit der Zeit nicht nur als normal, sondern sogar als die einzig richtige aufgefasst wurde.« (Riane Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft – Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte‹ 1989, S. 58)
Die meisten Menschen sind davon überzeugt, dass es-schon-immer so war, dass die Männer die Welt seit jeher beherrschten, dass es Kriege schon-immer gegeben habe, dass die Frauen schon-immer dem Manne untertan waren und dass Gott schon-immer ein Mann war. Doch dieser Glaube ist Ideologie, ein Irrtum, ist das verheerende Resultat einer Jahrtausende andauernden patriarchalen Indoktrination, Propaganda, Lüge und Gehirnwäsche. Glauben konditioniert; das Gehirn wird vorformatiert und programmiert. Je früher das geschieht desto nachhaltiger; am besten schon ab dem Kleinkindalter, erst durch den religiösen Einfluss der Mutter, später durch die Weitergabe faschistisch-religiöser Ideologien durch den Vater. Je früher das geschieht, desto tiefer die gefühlsmäßige, gläubige Überzeugung; die Konditionierung wird beinahe unauslöschlich.
Machtgierige Männer in Politik, Wirtschaft und religiösen Institutionen nutzen dieses Wissen. Der im Patriarchat aufgewachsene Mensch ist auf Glauben und Gehorsam gedrillt – er ist willenlos und gefügig gemacht! Wie sollte man sich sonst erklären, dass Diktatoren immer willige Helfershelfer, Bewunderer, willige Folterer, Söldner, Mörder und Schlächter und mehr Mitläufer als Gegner hatten? Wie sollte man verstehen, dass Menschen freiwillig in den Krieg ziehen und sich für Ideen opfern, die von wahnsinnigen Psychopathen ausgedacht wurden und nur dem Erhalt ihrer Macht, ihren Interessen, ihrem Profit  dienen? Wie ergründen, warum die monotheistischen Religionen, trotz ihrer menschenfeindlichen, brutalen Bücher, trotz ihrer Gewalt, ihren Schandtaten und Verbrechen mehr Anhänger und Eiferer als kritische Gegner haben?
Ist es nur, weil es einfacher, bequemer, akzeptierter, ungefährlicher, konform oder Tradition ist? Immanuel Kant setzte Mut voraus, selber zu denken; Mut sich eine eigene Meinung zu bilden. Durch ständige Indoktrinierung wurden die Menschen vom Denken zugunsten von Glauben abgehalten.

Das Patriarchat: eine gnadenlose Kriegskultur

Das Patriarchat ist eine kranke und krankmachende, waffenstrotzende Kriegskultur rücksichtsloser, ehrgeiziger, habgieriger, skrupel- und gefühlloser Psychopathen, denen es nur um eines geht: um Kriegsbeute, Reichtum, Macht und Machterhalt. Die erschreckende Tragik liegt darin, dass die Weltherrschaft, ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder den Religionen von solchen Männern dominiert wird, die gefühllos und radikal egoistisch nur ihren eigenen Profit anstreben und im Grunde zutiefst faschistisch sind.

Krieg ist eine Bedingung der Herrschaft des Patriarchats.
Patriarchale Führer wollen den Krieg, lieben den Krieg und brauchen den Krieg.

Heuchlerisch propagieren sie den Frieden, rüsten aber auf und machen Krieg. Nur zwei Beispiele aus jüngster Zeit seien hier angeführt: Beim Irak-Krieg, den Bush und seine gleichgesinnten Kumpanen auf einer Lüge aufbauend, losgetreten haben, ging es um Öl. Das Resultat: Die USA haben das Oel und der Irak den Krieg, das Chaos, Hunderttausende von Kriegsopfern und den Terror des IS.
Beim Krieg der israelischen Besatzer gegen die entrechteten Palästinenser geht es um Land. Der ständige Landraub und der Siedlungsbau können nur durch die Aufrechterhaltung des Kriegszustandes weiter getrieben werden. Den israelischen Friedensaktivisten Abie Nathan, der mit seinem Radiosender Voice of Peace (›Stimme des Friedens‹) auf dem Mittelmeer die Idee vom Frieden verbreitete, ließen die israelischen Politiker monatelang ins Gefängnis stecken. Das Resultat der patriarchalen Politik: Die Israeli haben das Land, die Macht und die Orthodoxen; sie bezahlen dafür mit der ständigen Angst vor Anschlägen.

Kriege sind für das erbarmungslose, geldgierige Patriarchat profitbringend

Egal wie viele Menschen mit ihrem Leben, dem Verlust von Familienmitgliedern, ihrem Heim und ihrer Heimat, ihrer Gesundheit, ihrem Lebensstandard, Gliedern ihres Körpers, mit Trauer, Elend, Not und Armut bezahlen, das kümmert die Profitmacher von Kriegen nicht. Sie sind nur an einem interessiert, an der geraubten Beute. Das hat System im Patriarchat. Michael Lüders schreibt in seinem Buch ›Wer den Wind sät – was westliche Politik im Orient anrichtet‹: »Der Aktienkurs des größten US-Rüstungskonzerns, Lockheed Martin, hat sich zwischen Mitte 2010 und Mitte 2014 verdreifacht, allein zwischen Mitte 2013 und Mitte 2014 verdoppelt. Am 6. Oktober 2014 berichtete das Medienunternehmen Bloomberg: ›Angeführt von Lockheed Martin werden die Aktien der Rüstungsunternehmen zu Höchstpreisen gehandelt. Die Aktionäre profitieren von den eskalierenden Konflikten weltweit.‹ Besonders erfreulich: ›Die Investoren erwarten steigende Absatzzahlen für die Produzenten von Lenkwaffen, Drohnen und anderem Kriegsgerät, da die Vereinigten Staaten die Kämpfer des islamischen Staates in Syrien und im Irak ins Visier genommen haben.‹ Außerdem ›sind die USA der größte Waffenlieferant Israels, das gerade eine 50-tägige Offensive gegen die Hamas im Gazastreifen hinter sich hat‹ – nunmehr würden die Bestände wieder aufgefüllt. Ähnlich zuversichtlich die ›FAZ‹: ›Der Feldzug gegen den islamischen Staat beschert Amerikas Rüstungsschmieden volle Auftragsbücher und satte Gewinne. Die Zeiten sinkender Rüstungsbudgets sind vorbei‹, heißt es am 18. Oktober 2014. ›Auch die Rüstungsprojekte dürfte einen Schub erhalten. ›Aus der Sicht der Verteidigungsindustrie ist es der perfekte Krieg‹, sagte Branchenkenner Richard Aboulafia von der Marktforschungsfirma Teal Group‹.« (Lüders 2015, S. 82 f.)
Den Männern an der Macht ist der Krieg ein Anliegen, das ihnen satten Profit bringt, warum sollten sie sich also für Frieden einsetzen? Ihre Friedensbotschaften sind Lüge und Heuchelei. Das ist das System des Patriarchats, seit dem 1. Krieg der Weltgeschichte vor 5500 Jahren um 3500 im nordsyrischen Hamoukar. (s. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹)

Der patriarchale Mann überschätzt sich und glaubt an seine ›natürliche‹ Überlegenheit

Im Patriarchat ist der Mensch ein Mann; er ist das Maß und die Norm. Die Frau gehört nicht dazu, sie wurde entwertet, entmenschlicht und rechtlos. Patriarchale christliche Kleriker zweifelten gar, ob die Frau eine Seele habe. Mit dem Patriarchat kam das absolut Böse in die Welt – und blieb! Auschwitz und die beiden Weltkriege sind Höhepunkte patriarchaler Pathologie. »Das Böse, wie es uns heute begegnet, ist nicht mehr vernünftig verrechenbar, ist nicht mehr logisch in einem Denksystem unterzubringen, auch nicht in einem gängigen theologischen System.« (Siegfried Vierzig ›Das Böse‹ 1984, S. 11) Aber es ist erklärbar – durch den kriegerischen Umsturz des freiheitlichen, friedliebenden, menschenfreundlichen Matriarchats ins repressive, menschen- und lebensfeindliche, kriegerische Patriarchat.

Erich Fromm, schreibt in seinem Aufsatz ›Die männliche Schöpfung‹: »Es war Johann Jakob Bachofen, Professor des Römischen Rechts in Basel, der die erste große Bresche schlug in die naiven Vorstellungen von der Natürlichkeit der patriarchalischen Gesellschaft, von der Selbstverständlichkeit der Überlegenheit des Mannes über die Frau. Mit genialem Blick, großem Scharfsinn und außerordentlichen Kenntnissen stieg er hinab und zerriss den Schleier, den patriarchalischer Geist über große und wichtige Teile menschlicher Geschichte gelegt hatte und enthüllte das Bild gänzlich anderer Gesellschaftsformen und Kulturen, in denen die Frau die Herrschaft führte, in denen sie Königin, Priesterin, Führerin war, Gesellschaften, in denen nur die Abstammung von der Mutter zählte und der Vater seinem Kind ein Blutsfremder war. Er glaubte, erkannt zu haben, dass das Matriarchat den Anfang aller menschlichen Entwicklung darstellt und dass erst in einem langen historischen Prozess das Vaterrecht, die männliche Vorherrschaft, sich durchsetzte. Er zeigte, wie der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Prinzip sich als grundlegend durch alles seelische Leben zieht und wie ihm bestimmte Symbole zugeordnet sind: Tag – Nacht, Sonne – Mond, links – rechts. Gewiss hat sich Bachofen in einer Reihe von einzelnen Aufstellungen geirrt, so sicher wie ihm die neueren ethnologischen Forschungen eine Unzahl von Bestätigung gegeben hätten. Das Entscheidende aber hatte er gesehen und dem Verständnis der triebhaften Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens, der Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Wesen, der Bedeutung der Symbole neue und fruchtbare Wege gewiesen.« (Erich Fromm ›Liebe, Sexualität und Matriarchat – Beiträge zur Geschlechterfrage‹ 1994, S. 68)

Der patriarchale Mann wurde zur Gefahr für Frauen und Kinder

Der sich selbst überschätzende Indo-Arier Aristoteles, vertrat eine Ansicht,
die er mit vielen patriarchalen Männern gemein hat, er meinte:

›Kraft seiner intelligiblen Natur kann der Mann das Recht uneingeschränkter Herrschaft
über Frauen und Kinder beanspruchen.‹

»Wichtiger als die frauenfeindliche Gedankenwelt des Aristoteles ist die Tatsache, dass seine Theorie fast zweitausend Jahre lang kaum hinterfragt und unablässig wiederholt worden ist«, schreibt die Patriarchatsforscherin Gerda Lerner (›Die Entstehung des feministischen Bewusstseins‹ 1993, S. 21) Und Ernest Borneman schreibt zum Thema der patriarchalen Griechenbegeisterung, dem grassierenden Philhellenismus: »Noch zu meiner Studienzeit hätte es geradezu ketzerisch gewirkt, wenn man angezweifelt hätte, dass die [indoeuropäischen] Griechen, als sie in die Balkanhalbinsel einfielen, ein ›zivilisiertes‹ Volk gewesen seien. Als selbstverständlich galt es dagegen, dass die ›Ureinwohner‹ der Halbinsel ›Barbaren‹ waren. (Borneman ›Das Patriarchat‹ 1979, S. 108) Borneman zeigt auf, wie Geschichte verzerrt wird und patriarchale Propaganda aus matriarchalen Völkern Barbaren macht. Er charakterisiert die Indo-Europäer als »Hirtenstämme, die sich auf ständiger Wanderschaft befinden,« und »schnell bei der Hand sind, ihren Reichtum durch Viehraub oder Kriegszüge zu vermehren… Diese kühnen, ruhelosen Stämme plündern ein Gebiet nach dem andern, töten die Männer und führen die Frauen als bewegliche Habe mit sich fort und lassen sich schließlich auf einem für den Feldbau geeigneten Landstrich nieder, machen sich die einheimische Bevölkerung tributpflichtig… Mit dem Besitz des Pferdes, des schnellsten aller zähmbaren Tiere, verfügten die indogermanischen Nomadenvölker noch über einen weiteren Aktivposten. Nicht wegen irgendeiner angeborenen Überlegenheit konnten sie ihre Sprache auf einem derart großen Gebiet durchsetzen, sondern einfach dank der besonderen Verbindung sozialer und historischer Umstände, die es ihnen ermöglichten, die sesshaften Ackerbaukulturen des Nahen Ostens zu unterwerfen und zu assimilieren.« (Borneman ibd. Hvhb. DW) Ein homerischer Ehrentitel für die eingewanderten Indo-Europäer in Griechenland war ›Plünderer der Städte‹. »Die Ilias beschreibt die Plünderung von Küstenstädten in Kleinasien. Die Odyssee liefert unter anderem die Beschreibung eines griechischen Raubüberfalls auf das ägyptische Delta. Beute wird das Motiv all dieser ›glorreichen‹ Feldzüge, und Beute ist auch der Grund der weitgehenden Klassenspaltung, die dieses Volk der einst Gleichen bald in eine Reihe von Klassenkämpfen stürzen sollte, die der Sippen- und Stammesgesellschaft unbegreiflich waren… Die Plünderung Trojas, nicht etwa die Heimholung Helenas war tatsächlicher Grund des ›Trojanischen Krieges‹, der kein Krieg, sondern ein Raubzug war.« (Borneman ibd. S. 109)
Erstaunlich ist es nicht, dass der ›Philhellenismus‹, die entrückte Schwärmerei für das patriarchale Antike Griechenland, sein Gedankengut, seine Kunst und seine Götter, im 18., 19. und 20. Jahrhundert im deutschen Bildungspatriarchat besonders intensiv blühte und den Wunsch weckte, sich als ›Nachfahren der Griechen und ihrer Götter‹, mit ihnen zu identifizieren. Einwände kamen u.a. vom Pädagogen und Philosophen Friedrich Paulsen (1846-1908), der die Pädagogik in Deutschland maßgebend reformierte und diese Griechenbegeisterung sozialkritisch hinterfragte. Auch zwei Frauen deckten mit ihren Werken den Einfluss der antidemokratischen und frauenfeindlichen Standpunkte auf: Die britische Germanistin Eliza May Butler ›Tyranny of Greece over Germany‹ (1935) untersuchte die Wirkung von 200 Jahren deutscher Faszination für Griechenland auf die Schriftsteller jener Zeit. Ihr Werk wurde – wen wunderts – 1935, in der Zeit des deutschen Faschismus, ignoriert oder vernichtend rezensiert, aber immerhin 2012 neu aufgelegt. Die amerikanische Historikerin Suzanne Marchand setzte in ihrer Arbeit ›Down from Olympus‹ 1996 die 1935 von Eliza May Butler prononciert aufgestellte These von der Tyrannei des antiken Griechenlands über Deutschland fort.

Der Einfluss der Patriarchalisierung auf die Beziehung von Frau und Mann

Über die Folgen der patriarchalen Machtnahme und das Verhältnis der Geschlechter zueinander schreibt Erich Fromm: »Man wird weder die Psychologie der Frau verstehen noch die des Mannes, solange man nicht in Betracht zieht, dass seit etwa sechstausend Jahren Kriegszustand zwischen den Geschlechtern herrscht. Dieser Krieg ist ein Guerilla-Krieg.

Vor sechstausend Jahren besiegte das Patriarchat die Frauen, und es wurde die Gesellschaft auf die Vorherrschaft des Mannes gegründet.

Die Frauen wurden zu seinem Besitz und hatten für jedes Zugeständnis, das ihnen gemacht wurde, dankbar zu sein. Es gibt aber keine Vorherrschaft des einen Teils der Menschheit über den anderen, es gibt keine Vorherrschaft einer sozialen Klasse einer Nation oder eines Geschlechts über das andere, ohne dass es unterschwellig zu Rebellion, Wut, Hass und Rachewünschen bei denen kommt, die unterdrückt und ausgebeutet werden, und zu Angst und Unsicherheit bei denen, die ausbeuten und unterdrücken.« (Erich Fromm ›Liebe, Sexualität und Matriarchat‹ 1994, S. 7) Und Fromm – der Mann – sagt es deutlich:

»Auch wenn die Männer das Gegenteil vorgeben, so haben sie doch Angst vor den Frauen… Jede sinnvolle Beschäftigung mit der Geschlechterfrage muss von der Funktionalisierung des Geschlechtsunterschieds seit der Etablierung des Patriarchats ausgehen.«

Das Patriarchat hat viele Mittel und Wege gefunden, ihre Angst vor der Frau zu bändigen und Macht über sie auszuüben. (s. ›Die Domestizierung der Frau im Patriarchat‹) Zur alltäglichen Gewalt in unseren Breitengraden, die von Einschüchterung bis Vergewaltigung und Mord geht, leben Frauen in hartpatriarchalen Ländern in noch weit schlimmeren Verhältnissen. Sie haben neben ihrer Unterdrückung und Ausbeutung auch noch politisch und religiös legalisierte von patriarchalen Vätern arrangierte Zwangsverheiratung und die Verstümmelung ihrer Sexualorgane zu ertragen; diese wird zwar von Frauen durchgeführt, jedoch von Männern erfunden, gewünscht und befohlen. (s. ›Mädchenverstümmelung – Die Rache patriarchaler Männer‹)

Die patriarchale Familie, in der die Frau zu schweigen und zu dulden hat, ist die Brutstätte männlicher Gewalt-Herr-schaft

Die Ursachen der Gewalt liegen in der unmenschlichen,
patriarchalen Ideologie und in der Härte der Erziehung

Die vom Patriarchat maßlos übertriebene Einschätzung ihres vergöttlichten Spermienejakulats wird durch ein ›religiöses Gebot‹ bestärkt; das Respekt, Gehorsam und Verehrung fordert: ›Du sollst deinen Vater ehren‹, verlangt der eifersüchtige Gott. Gott will als Vater erwähnt werden und zwar an erster Stelle, vor der Mutter; wobei die Befolgung dieses Gebotes an Wohlergehen und langes Leben geknüpft wurde. Die Ehrung der Mutter war schon immer eine Selbstverständlichkeit! »Soweit geht sogar die Ehrfurcht des Sohnes vor der Mutter«, schreibt der Ägyptologe Adolf Erman, »dass in den Gräbern des Alten Reiches mehrfach die Mutter des Verstorbenen neben seiner Gattin dargestellt wird, während das Bild des Vaters fast immer fehlt. Wenn freilich auf den Grabsteinen die Herkunft des Toten oft nach seiner Mutter, nicht nach dem Vater angegeben wird, so ist diese Gewohnheit offenbar ein Rest aus jenen Zeiten, in denen auf die Herkunft von der Mutter, die ja allein als gesichert gelten kann, mehr Gewicht gelegt wird, als auf die vom Vater.« (Erman ›Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum‹, neu bearbeitet von Hermann Ranke, 1984, S. 183).
Es ist bis heute nicht einfach, die Söhne (und nur sie sind für den patriarchalen Vater wichtig!) zur gleichen Verehrung wie für die Mutter zu bewegen. Wo dem patriarchalen Vater seine Ansprüche auf Ehrerbietung und Macht nicht erfüllt erscheinen, erzwingt er sie durch psychische und physische Demütigung oder Prügel, oft mit Todesdrohungen und Mord – weltweit von patriarchalen Männern beliebte Methoden der Machtausübung. Als ›häusliche Gewalt‹ und ›Familiendramen‹ wird patriarchale Gewalt gegenüber Frauen und Kindern bagatellisiert. Die christlichen Kleriker forderten Männer von der Kanzel aus auf, ihre Frauen zu schlagen. Den Frauen befahlen sie, den Stab zu küssen, der sie schlug.« Barbara G. Walker ›Göttin ohne Gott – Der Herr des Himmels wird entthront‹ 1999, 77 f.) Das Recht Frauen und Kinder zu prügeln und zu misshandeln ist bei patriarchalen Männern selbstverständlich.

Die Zwangsverheiratung ist die Pflicht der Frau, sich für eine  Vergewaltigung zur Verfügung zu stellen

Eine der schlimmsten Auswirkungen patriarchaler Gewalt ist die Zwangsverheiratung. Es kann auch für einen Mann schlimm sein, der verliebt in eine Frau, diese nicht heiraten darf, sondern der von den Vätern der beiden Parteien ausgehandelten Heirat mit einer mehr oder weniger fremden Person zustimmen muss. Jedoch ist dies nicht zu vergleichen, mit dem was der Frau angetan wird. Sie wird nach patriarchalem Recht in der Zwangsehe vergewaltigt und traumatisiert. Zweifelt jemand daran, dass dies Folgen hat?
Zwar sind es vor allem die Mütter, die die Kinder großziehen, doch werden sie auch als Ehefrauen absolut respektlos – oft wie Dreck – behandelt, sind weniger wert als ein Haustier und sind dem Haustyrannen macht- und hilflos ausgeliefert. In hartpatriarchalen, konservativen Gesellschaften sind Frauen physisch und psychisch schwerst traumatisiert und geschädigt. Schon die Zeugung erfolgt ohne Liebe, durch Gewalt. Wie sollen diese Mütter ihre Kinder lieben können? Das ist längst nicht allen möglich und dies birgt die Gefahr, dass Kinder gewalttätig werden; wie wir wissen, vor allem die Söhne. Wer in seiner Kindheit und Jugend in ständiger Angst lebte, der der Härte der Erziehenden wehrlos ausgeliefert war, ist in Gefahr in die Fänge von gewalttätigen Gruppen – Neo-Nazis, Skinheads oder IS – zu geraten, deren Ziel es ist, Angst und Schrecken zu verbreiten; in solchen Gruppen fühlen sich die Einsamen und Schwachen stark und überlegen. Es ist eine erbarmungslose Erziehung, die Menschen erbarmungslos, sadistisch und gewalttätig macht; angetrieben von der Angst und Wut der Kindheit.

Geliebte Kinder werden nicht gewalttätig,
sagte die Mutter eines von Gewalttätern ermordeten Sohnes.

Die schwer geschädigten Mütter in konservativ patriarchalen Gesellschaften haben meist weder die Möglichkeit noch die Kraft, sich zu wehren und sich oder ihre Kinder zu schützen. Hinzu kommt die Scham, die sie daran hindert, Hilfe zu holen – wo diese überhaupt möglich wäre – da sie beschuldigt werden, sie seien selbst an ihrer entrechteten Lage schuld. Kinder müssen die Hilflosigkeit der vom Vater unterdrückten und gequälten Mütter mit ansehen. Auch das prägt! Auch das erzeugt Hass! Jedoch: Die Menschheit hat ohne die im Patriarchat entmündigten Mütter, die die Macht und die Kraft zurück erhalten, ihre Söhne zu erziehen und zu zivilisieren, keine Chance auf Frieden und Gewaltlosigkeit. Ja, noch mehr:

Ohne die Kraft und die sozialisierende Macht der Mütter
hat die Welt keine lebenswerte Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden.

In seiner Beziehung zum Kind geht es dem patriarchalen Vater nicht um Liebe, Zuwendung oder Verantwortung, es geht ihm um ›seinen Besitz‹, um Macht, um Gehorsam und Unterwerfung unter ›sein Recht‹ auf männliche, väterliche Gewalt. So wie der Hirte einen Besitzanspruch an seine Tiere hat, stellt der ehemals patriarchale Rinderzüchter die gleiche Forderung an ›seine‹ Frau und ›seine‹ Kinder, was er nur durch absolute Kontrolle, bedingungslose Unterwerfung und den autoritär und bedingungslos geforderten Gehorsam bei Frau und Kind durchsetzen kann. Den gleichen Anspruch auf Unterwerfung und Gehorsam haben alle tyrannischen patriarchalen Diktatoren und alle patriarchalen Religionen.

»Nicht Gehorsam, sondern Kreativität ist das Wichtige; Gehorsam engt uns ein«,

sagte der weise Arno Gruen. »Er führt uns dazu, dass wir genauso werden, wie die, die Macht über uns haben. Und es verewigt dieses System. Das Wichtige sind die wahren Künstler, die wahren kreativen Menschen. Ihre Kreativität ist immer der Versuch, aus dem Gefängnis dieser Kulturen auszubrechen. Es ist ein dauernder Kampf, aber man muss weiterkämpfen. Es ist nicht vergeblich.« (Arno Gruen ›Dem Leben entfremdet. Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden‹, ›Kulturzeit‹ 3sat 12.6.13)

Patriarchale Männer können sich in unserer patriarchalen Gesellschaft gegenüber Frauen, Kindern, Andersgläubigen, Andersfarbigen, sexuell Andersartigen usw. effektiv alles erlauben. Ihr arrogantes Machtgehabe ist grenzenlos. Wie wir gesehen haben, wird diese autoritäre Macht in erster Linie durch die Erziehung und den Missbrauch der Kinder weitergegeben. Die verrohende Art patriarchaler Männer und die Hilflosigkeit eingeschüchterter und entmündigter Frauen fand seinen fordernden Niederschlag bereits im erschreckenden Geschichts- und propagandistischen Legendenbuch des Patriarchats, in der Bibel und geht nahtlos über in die heutige Zeit: ›Ein trauriger Rekord‹ titelte die Schweizer Presse im Januar 2011 die neueste Erhebung des Zürcher Kinderspitals, das 2010 eine Zunahme von Kindesmisshandlungen dokumentierte. Von den 487 von Gewalt betroffenen Kindern sind 63 Prozent Mädchen. Am deutlichsten angestiegen sind sexuelle Übergriffe auf Mädchen und junge Frauen. Verbale, physische und psychische Gewalt nehmen ständig zu.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer untersuchte in Deutschland Gewalt gegen Kinder im Zusammenhang mit Religiosität und stellte fest, dass Freikirchler bzw. Evangelikale am ehesten ihre Kinder züchtigen. Aber bei den Katholiken sah es nicht anders aus und dauert zum Teil bis heute an. Nicht nur in Deutschland wurden Kinder von ihren Eltern grausam gezüchtigt und schwer misshandelt. »Es war die Zeit, als Schläge mit dem Teppichklopfer oder Ledergürtel in Familien und Schulen selbstverständlich waren. Der Schriftsteller Tilman R. (*1946) wurde regelmäßig von seinem Vater, einem evangelischen Pfarrer, gezüchtigt. Getreu dem alttestamentarischem Motto «Wer seine Rute schonet, der hasset seinen Sohn« wurde Tilman mit der Reitpeitsche blutig geschlagen und musste unmittelbar danach die Liebe zum Vater bekennen. Auch bei Helga G. (geboren 1940) schauten die Nachbarn weg, wenn ihre Mutter zuschlug. In ihrer Familie, die dem Nationalsozialismus, anhing, gehörten Prügel zum Alltag.« (Sternstunde SRF, 31.8.2014) Bis in die 1970er-Jahre wurden Kinder und Jugendliche in katholischen Heimen misshandelt, erniedrigt, geschlagen, gefoltert und sexuell missbraucht. Auch hier berief man sich auf die Bibel, wo man die sadistische Aufforderung findet, sein Kind mit der Rute zu züchtigen.

 Patriarchat und Faschismus

›Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend… So kann ich Neues schaffen.‹ (Adolf Hitler)

Die faschistischen Hassprediger profitieren von Hitlers Hass und den Folgen und ernten die faschistische Saat. Klaus Theweleit schrieb in seinen ›Männerphantasien‹ über den faschistischen Typ, der seit den despotischen Pharaonen bis heute die Welt tyrannisiert, dass diese Männer durch erlittene Prügel und militärischen Drill, was ja (fast) ausschließlich von Vaterfiguren verursacht wird, einen Körperpanzer erworben haben, der sich u. a. durch eine Unfähigkeit zu menschlichen Beziehungen und Empathie, durch militärische Strammheit, Steifheit und Unterkühltheit charakterisieren lasse. (s. auch Wilhelm Reich’s Beschreibung der ›Charakterpanzerungen‹; Morton Schatzman ›Die Angst vor dem Vater‹; Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹, 1974).

Intelligenz und Gewalterziehung – eine aufschlussreiche Hirnforschung

›Testosteron schlägt sich negativ auf die Intelligenz aus;
es ist bekannt, dass viel Testosteron wenig kognitive Leistung zulässt.‹

(Karl Grammer, Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe)

Der Neurobiologe Gerhard Roth konnte im Gehirn von Männern, die besonders gewalttätig, impulsiv und mitleidlos andere Menschen quälten oder töteten ein überaktives Angstzentrum feststellen. Psychiatrische Daten zeigten, dass diese Männer ihre Kindheit in ständiger Angst verlebten, weil sie Misshandlung, Prügel, Vernachlässigung, Demütigung, Lieblosigkeit oder sexuellen Missbrauch erlitten. Das Verhängnisvolle dieses traumatisierenden Erlebens und die damit zusammenhängende Hilflosigkeit und Ohnmacht ist, dass es sich in die Hirnstruktur einprägt, was zu Persönlichkeitsstörungen, Gewalt, Gleichgültigkeit, Unenmpfindlichkeit anderen gegenüber und einer niederen Schwelle für aggressives Verhalten führt. Diese Männer fühlen sich schneller bedroht und provoziert als andere und sie glauben, sich ständig wehren zu müssen. (nano, 3sat vom 4.5.2011: http://www.3sat.de/page/?source=/nano/natwiss/149898/index.html)
Auf der andern Seite stellte Roth fest, dass der für Schmerz und Empathie zuständige Bereich im Gehirn bei Gewalttätern kaum aktiv ist. In der frühen Kindheit erlebte Gewalt verforme das Gehirn, so als wäre es genetisch bedingt. Bei den meisten Gewalttätern sei klar, dass man bei der Suche nach der Ursache der Gewalt in der frühen Kindheit ansetzen müsse. Kriminelles Verhalten ist nicht angeboren; es gibt keinen genetischen ›Killer-Instinkt‹. »Der Mensch ist von Anfang an gut«, sagt der Psychoanalytiker Arno Gruen, der ›das egozentrische Denken in die Richtung einer empathisch geprägten Weltsicht lenkt‹.

»Empathie ist eine angeborene Fähigkeit – Liebe und Wärme braucht es, um sie zu erhalten.« (Arno Gruen)

Der Mensch wird durch harte, lieblose, repressive und gewalttätige Erziehung zum Kriminellen und zum Psychopathen gemacht! Der kanadische Wissenschaftler Stephen Porter beschreibt den Psychopathen ohne Mitgefühl. »Wenn du jede äußere Mimik wegnimmst, findest du eine Seele so kalt wie Stein.« Psychopathen geben ihre Gefühllosigkeit und Gewalt an ihre Söhne weiter (mehr als 95% aller Gewalttäter sind männlich) und dies wiederholt sich von Generation zu Generation.

 Ängste und Ohnmacht patriarchaler Männer

Gerhard Roth untersuchte auch die Ursache der Ängste erwachsener Männer; sie scheinen am Profil von Politikern besonders offenbar zu werden. Das Profil von Parteien untersuchte die Schweizerische Gesellschaft für praktische Sozialforschung und das Kriminologische am Institut der Universität Zürich ebenfalls. Sie ermittelten in ihrer jährlichen Umfrage zur Angst, dass die Angst vor Kriminalität erstaunlicherweise nicht etwa bei Frauen am ausgeprägtesten ist, sondern bei Männern: Viel entscheidender als das Geschlecht scheint die Gesinnung zu sein: »Je rechter jemand politisch steht, umso mehr fühlt er oder sie sich von Kriminalität bedroht. Das gilt übrigens auch für andere Bereiche: Die Angst vor Überfremdung, vor Sittenzerfall, vor Job- oder Wohnungsverlust, die Panik, in Geldnöte zu geraten oder Opfer von Terrorismus zu werden, ist bei politisch rechts Stehenden deutlich ausgeprägter als bei Linken; diese fürchten sich besonders vor Atomkatastrophen (die Befragung fand weit vor dem Atom-GAU in Japan statt, einen Fukushima-Effekt gibt es also nicht)«. Das Resultat erstaunt sogar die Kriminologin Simone Walser: »Der Unterschied zwischen links und rechts in Bezug auf die Ängste ist enorm«. Interessant ist zudem der  Einfluss der Konfessionszugehörigkeit auf die Kriminalitätsangst. Angehörige von Religionsgemeinschaften sind deutlich ängstlicher als Konfessionslose. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie ihrem Glauben streng folgen oder nur einmal pro Jahr in der Kirche sitzen – sie haben deutlich höhere Angstwerte. Konfessionslose fürchten sich generell weniger – am ehesten ängstigen sie sich vor ökologischen Risiken.« Die Autorin des Artikels vom 1.5.2011 im Blick, Romina Lenzlinger, titelt: ›Auweia! Die größten Angsthasen sitzen [in der Schweiz] in der SVP oder FDP – und sind religiös.‹ (http://www.blick.ch/life/wissen/angst-in-der-schweiz-171568)
Zu den besonders Ängstlichen gehören die Konservativen, in Deutschland vermutlich die Parteigänger der christlichen Parteien und neuerdings der AfD, in der Schweiz, wie gesagt, die Wähler der populistischen Volkspartei, in den USA die Republikaner, die Tea-Party-Bewegten und die besonders Bibeltreuen! Sie sind ›Angstbeisser‹ und Phobiker, fürchten Homosexualität, Atheismus,  Feministinnen, männliche Emanzipation und emanzipierte Frauen im Allgemeinen. Schlimmen Ängsten sind auch Diktatoren ausgesetzt, besonders jene, die sich ständig auf Gott berufen.
Angst haben auch die konservativen Historiker und Religionsgeschichtler, dass ihre konstruierten ›Wahrheiten‹ infrage gestellt werden könnten. Vor allem befürchten sie das Öffentlichmachen der umfassenden männlichen Gewalt, die in den patriarchalen Wissenschaften und Religionen ein absolutes Tabuthema sind, die das Patriarchat als eine erschreckend menschenfeindliche ›Herr-Schaft‹ entlarvt.  Reinhard Mey reimte treffend:

›Der Politiker sagte zum Kirchenmann, halt du sie dumm, ich halt sie arm!‹

Man kann von einer ausgesprochenen Diktatoren-Paranoia sprechen. Diktatoren entwickeln nicht nur einen Cäsaren-Wahn, sie leben auch in ständiger Angst vor Gegnern und ›Feinden‹, darum ihre unmenschliche Härte. Sie klammern sich mit aller Kraft an ihre Macht und fürchten ständig um ihre profitablen Pfründe und um ihr Leben. Ihre Millionen sichern sie in den unterirdischen Bunkern, u.a. in denen der Schweizer Banken. Unter ihren Palästen bauen sie Fluchttunnels und atomsichere Bunker für sich selbst. (s. auch DW ›Die Bunkersysteme der Diktatoren‹)
Ihre Ängste versuchen Paranoiker gerne mit der Flucht in die Religionen zu beruhigen. Sie sehen sich als Auserwählte ihres Gottes, der sie vor den bösen Feinden beschützen sollte. Nicht nur Gier, auch der Glaube frisst Hirn. Religionen schläfern den Verstand der Menschen ein; sie träumen, hoffen und beten.

Es wäre sicher interessant, vielleicht sogar notwendig, die Kindheitsbiographien von PolitikerInnen zu kennen; mehr über ihre Erziehung zu wissen, denn schließlich werden wir von ihnen regiert und sind ihnen zu einem großen Teil auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Die Saat der patriarchalen Gewalt ist in erschreckendem Masse aufgegangen

Auszusprechen, dass Gewalt, unglaubliche Gewalt in jeder Form, zu beinahe 100 Prozent von Männern‹ ausgeht – und diese Männergewalt anzuprangern – ist noch immer ein Sakrileg und wird meist vehement bestritten. Patriarchale Männer und ihre patriarchalen Götter dürfen weder in Frage gestellt noch kritisiert werden, schon gar nicht von Frauen. Die patriarchalen Religionen lehren uns, die Männer seien Abbild Gottes; an ihnen zu zweifeln käme einer Gotteslästerung gleich. Alle patriarchalen Religionen haben – getrieben vom Hang nach narzisstischer Omnipotenz – ›gottgleiche‹ Despoten hervorgebracht, unter ihnen auch viele christliche Kleriker.
Religiös verbrämt lässt sich jede Untat, jedes Verbrechen, jede Charakterlosigkeit, jede Unmenschlichkeit rechtfertigen, z.B. auch der Hass auf Frauen und ihre selbstbestimmte Sexualität, der Hass auf Homosexuelle, Juden, Muslime, Arme und Dunkelhäutige. Selbst die auf Lügen begründeten mörderischen Kriege mit Hunderttausenden Kriegstoten und die barbarische Folterung von Gefangenen lassen sich damit als ›gerecht‹ durchsetzen (nicht wahr, Herr Bush!) und wird vom religiös indoktrinierten Volk, das nicht mehr fähig ist, selbständig und kritisch zu denken, akzeptiert und applaudiert!

Die Ausbildung patriarchaler Macht und die einseitige gigantische Entfaltung abgespaltener aggressiver Potenz bleibt das oberste Prinzip in patriarchalen Gesellschaften. (Gerda Weiler)

Die katastrophale Bilanz kann nicht geleugnet werden

Wir haben in den letzten Jahren – einmal abgesehen von den vielen Hundert Kriegen – die brutale Erfahrung gemacht, dass der patriarchale Mann einen geradezu unheimlichen Egoismus, eine unsagbare Verantwortungslosigkeit, eine gnadenlose Gier in der Wirtschaft und Politik entwickelt hat, so als könnte er sich mit seinem Namen unsterblich oder zum Gott machen oder er könnte das Geraffte mit ins Grab nehmen. Wir haben erlebt, dass Männer an der Macht schamlos korrupt und geldgierig sind, jedoch nicht mit dem Geld umgehen können. Die skandalösen Finanz- und Staatskrisen wurden von profitgierigen Männern verursacht! Sie vernichteten den bescheidenen Wohlstand der Mittelschicht.
Viele Leute weigern sich, die schlimmen Auswirkungen der patriarchalen Diktatur und die noch schlimmeren Aussichten für die Zukunft zur Kenntnis nehmen zu wollen; das würde sie nur schmerzen. Sie wollen ›ihre Ruhe‹, wollen nicht gestört werden. Wenn wir nicht aus unseren illusorischen Träumen aufwachen, könnte das jedoch absolut fatale Folgen haben.

Ohne die Frauen ist Zivilisation, Kultur, Frieden, Wohlstand und Wohlergehen der Bevölkerung nicht möglich. Der patriarchale Kampf gegen die Frau ist ein politischer Kampf, der ins ökonomische, ökologische, soziale und religiöse Abseits führt. Patriarchat und Gewalt, Patriarchat und Krieg, Patriarchat und Armut, Patriarchat und Unterdrückung der Frau gehören untrennbar zusammen.


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