Entstand das Patriarchat durch Klimawandel? Die Saharasia-These von James DeMeo

Aus dem Inhalt:

  • Entstand das Patriarchat durch Klimawandel?
  • Der Klimawandel war nicht der Grund für Völkerwanderungen und Entstehung des Patriarchats
  • Die Völkerwanderung wurde durch die Invasion kriegerischer Indo-Europäer ausgelöst
  • Die Klimaveränderung in der Sahara ließ Hierakonpolis anwachsen jedoch…
  • …Die Menschen blieben friedlich
  • Die Klimaveränderungsthese trifft auf große Teile Alt-Irans nicht zu
  • Das Patriarchat entstand nicht aus klimatischen sondern aus narzisstischen Gründen
  • Die Konfliktforschung sieht andere Gründe für die Flüchtlingsströme
  • Wüstenbildung und Klimawandel werden durch menschliches Fehlverhalten verstärkt und beschleunigt
  • Völkerwanderungen und Flüchtlingsströme einst und jetzt

Entstand das Patriarchat durch Klimawandel?

Während die Indo-Europäer-Forschung nachwies, dass das Patriarchat seinen Ausgang bei den indoeuropäischen Rinder- und Pferdezüchtern in den südrussischen Steppen nahm und sich von da in alle Himmelsrichtungen ausbreitete, legt sich der Geograph James DeMeo geografisch nicht fest, obwohl der Buchtitel ›SAHARASIA‹ suggerieren mag, dass die Entstehung des Patriarchats von der Wüste Sahara ausgegangen sei. Er glaubt, dass es eine Klimaveränderung war, welche für die Entstehung des unheilvollen und folgenschweren Beginns des Patriarchats (das er Patrismus und das Ende des Matriarchats, das er Matrismus nennt) verantwortlich sei. (James DeMeo ›Saharasia – Die Entstehung und Ausbreitung des Patrismus vor ca. 6000 Jahren‹ 1998/2006)

DeMeo geht davon aus, »Beweise für ein weltweites, mit dem Klima in Zusammenhang stehendes geographisches Muster im menschlichen Verhalten« gefunden zu haben, welches in der Folge zur Ablösung des Matriarchats und zur allmählichen Patriarchalisierung führte.« Er schreibt, dass »der extrem trockene Wüstengürtel, der sich von Nordafrika über den Nahen Osten bis nach Zentralasien erstreckt und dem ich den Namen ›Saharasia‹ gegeben habe, die größte Ausdehnung der radikalsten patristischen Verhaltensweisen und sozialen Institutionen des Planeten Erde aufweist.« DeMeo führt dies zurück, auf einen »tiefgreifenden ökologischen Wandel von einem relativ feuchten Klima mit Savannenlandschaften und Wäldern zu trockenen Wüstenbedingungen.« Er vertritt die Ansicht, dass »der Matrismus die früheste, originäre und angeborene Form menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Organisation darstellt, indes der Patrismus aufrechterhalten durch traumatisierende soziale Institutionen, beim Homo sapiens erstmals in Saharasia unter dem Einfluss schwerster Dürren, Hungersnöten und erzwungener Migration in Erscheinung trat…
Kinder-, frauen- und sexualbejahende, lustbetonte Antriebe und Verhaltensweisen existieren wissenschaftlichen Forschungen zufolge in jüngerer Zeit überwiegend nur außerhalb des Saharasia-Wüstengürtels, stellten jedoch einst, vor der Austrocknung dieses Territoriums, die dominante Form menschlichen Zusammenlebens überall auf der Erde dar. Angesichts des hier vorgestellten neuen Beweismaterials lässt sich der Patrismus mit seinen kindesmisshandelnden, frauenverachtenden, sexualunterdrückenden und zerstörerisch-aggressiven Merkmalen am besten und einfachsten als eine kontraktive emotionelle und kulturelle Reaktion auf die traumatischen Hungerbedingungen erklären, welche mit der Austrocknung Saharasias um 4000 v.Chr. erstmals in Erscheinung traten; eine Reaktion, die sich in der Folge mit Hilfe der Migrationen der betroffenen traumatisierten Völker und ihrer veränderten sozialen Institutionen aus der Wüste heraus ausbreitete.« (http://www.orgonelab.org/saharasia_de.htm)

DeMeo leistete einen hochinteressanter Beitrag zu den FOLGEN der Patriarchalisierung

James DeMeo hat ein hochinteressantes und umfassendes Buch über die katastrophalen Folgen der Patriarchalisierung geschrieben, die unbestritten sind. Zur Entstehung des aggressiven Patriarchats müssen jedoch andere Faktoren als der Klimawandel in Betracht gezogen werden.
Menschen lernen, sich auf Klimaveränderungen einzustellen. Irgendwann. Zwar ungern, jedoch empfinden sie den Verlust ihrer gewohnten Umgebung als naturgegeben und schicksalhaft, was schwer zu ertragen ist, sie aber nicht zu aggressiven Eroberern und Landräubern macht.

Der Klimawandel war nicht der Grund für Völkerwanderungen und Entstehung des Patriarchats

»Für das Ingangkommen von ›Völkerwanderungen‹ wird oft der Klimawechsel verantwortlich gemacht« schreibt Gerda Weiler: »Doch ändert sich das Klima nur langsam. Die damit verbundenen Bevölkerungsbewegungen dürften kaum als ›Völkerwanderungen‹ mit aggressiven Eroberungstendenzen in die Geschichtsschreibung eingehen« (1984, S. 108). »Der Versuch, Völkerwanderungen auf bestimmte eindeutige Ursachen zurückzuführen, muss immer misslingen.« (Weiler ›Der aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine feministische Anthropologie II‹ 1994, S. 272)

Die Völkerwanderungen wurde durch kriegerische Indo-Europäer ausgelöst

 

1.-Kurgan-Welle-n.-Eisler

Marija Gimbutas: Erste Kurgan-Welle (ca. 4300 bis 4200) nach Riane Eisler 1989, S. 409

Die erste Völkerwanderung wurde vor ca. 6300 bis 6200 Jahren durch die beginnenden Invasionen berittener Indo-Europäer ausgelöst, die Marija Gimbutas aufgrund ihrer Hügelgräber (russisch Kurgan) als Kurgan-Völker bezeichnete. Marija Gimbutas, die Indo-Europäer-Forscherin und Archäologin, machte deutlich, dass die gewaltigen Bevölkerungsverschiebungen in Alteuropa auf »eine Katastrophe von so gewaltigen Ausmaßen hinweisen, dass sie nicht mit klimatischen Veränderungen, der Auslaugung des Landes oder Epidemien erklärbar ist (für die uns ohnehin aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends keinerlei Hinweise vorliegen). Dagegen ist durch Zeugnisse belegt, dass berittene Krieger in diese Landstriche (der Varna-, Karanovo-, Vinča- und Lengyel-Kultur in Südost-Europa) einfielen, und zwar nicht nur durch die Funde von Hügelgräbern, die für einen einzigen Mann angelegt waren, sondern weil zu diesem Zeitpunkt ein ganzer Komplex von gesellschaftlichen Zügen hervortrat, der für die Kurgankultur charakteristisch war: Höhensiedlungen, Haltung von Pferden, eine auf Weidewirtschaft ausgerichtete Ökonomie, Hinweise auf Gewaltbereitschaft und Patriarchat, sowie religiöse Symbole, die auf einen Sonnenkult hinweisen.« (Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. 364)

Die Klimaveränderung in der Sahara ließ das oberägyptische Hierakonpolis zwar stark anwachsen, doch die Bevölkerung blieb friedlich

Etwa 30’000 gut erhaltene Felsbilder der Sahara ­­– in Felsoberflächen eingeritzte und gemalte Bilder verschiedener Epochen und Stile – stammen aus der Periode nach der ersten Eiszeit. Sie machen deutlich, dass die heutige Wüste einst ein fruchtbares Land mit Wäldern, Flüssen, Seen und mit Wildtieren, Elefanten, Löwen, Antilopen, Krokodilen, Nashörnern, Büffeln, Straußen, Gazellen bevölkert war. Es folgten Phasen starker Klimaschwankungen: Schnelle und kurzfristige Wärme- und Kälteperioden wechselten sich ab. Als sich das Klima vor ca. 6000 Jahren radikal veränderte –das heißt heisser und trockener wurde, drängten die Menschen an den Nil. In dieser Zeit vergrößerte sich die Ansiedlung der Handelskapitale Oberägyptens mit Innerafrika, Hierakonpolis (heute Kom el-Ahmar), innerhalb weniger Jahrhunderte auf schätzungsweise 5’000 bis 10’000 Bewohner (Hoffman et al. JARCE XXIII, 1986, S. 181). Die Spuren menschlicher Besiedlung in Hierakonpolis reichen bis ins 6. Jahrtausend, also 8000 Jahre zurück. Spätestens zu Beginn des 4. Jahrtausends (vor 6000 Jahren) wurde der Grundstein für eine städtische Besiedlung gelegt, was wahrscheinlich auf die Zunahme der Bevölkerung aus der Sahara zurückzuführen ist. Renée Friedman, die Projektleiterin der archäologischen Arbeiten der letzten Jahre in Hierakonpolis, spricht von einem ›explosiven Wachstum‹ der Bevölkerung (›Nekhen News‹ 11, 1996, S. 6).

Trotz der Einwanderer aus der Sahara blieben die Menschen im Niltal friedlich,
ökologisch und ökonomisch gesund und prosperierend und äußerst kreativ.

Die Völker der alten, damals bekannten Welt trieben bereits vor 7-8000 Jahren oder noch früher über  ausgedehnte Wege Handel und so kamen kleine Gruppen auch nach Ägypten. Aufgrund der fremdartigen Bestattungen konnte man feststellen, dass einige von ihnen blieben und in Ägypten verstarben. Soweit man heute weiß, sonderten sie sich zwar von den Einheimischen ab, verhielten sich jedoch friedlich. Es waren  keine Klimaflüchtlinge, sondern vorderasiatische Händler, Kaufleute und Abenteurer, die mit Produkten aus Innerafrika wohlhabend wurden.
In der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends stellte man jedoch kriegerische Überfälle durch gewalttätige Gruppen von Weißen, eben dieser von Gimbutas erforschten indoeuropäischen Kurgankrieger, Junggesellenbanden, die sich von den Rinderzüchtern der südrussischen Steppen abgesondert hatten und sich südwärts ausbreitend, sukzessive auch Mesopotamien, Syrien und Ägypten überfielen und eroberten. Der Sumerologe Samuel N. Kramer geht davon aus, dass sumerische [patriarchalisierte, indoeuropäische] Kriegerhorden, »dieses primitive und wahrscheinlich nomadische Volk, das entweder aus Transkaukasien oder aus den transkaspischen Gegenden gekommen sein mag« in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends in Mesopotamien eingefallen seien. (Kramer ›Geschichte beginnt mit Sumer‹ 1959, S. 165) Sie unterwarfen die ältere Bevölkerung, deren Kultur weit fortgeschrittener war, als die der Sumerer. Etwa gleichzeitig eroberte eine andere Gruppe von ihnen Ägypten vor allem über den Seeweg.

Die indigenen Menschen Ägyptens waren, wie der ganze afrikanische Kontinent, Schwarze; sie lebten in matriarchalen Sippen und waren ausgesprochen freundlich und sanftmütig. Die Archäologen/Ägyptologen Guy Brunton und Gertrude Caton-Thompson berichten aus der frühneolithischen Siedlung von Badari (ca. 5500-4000), dass diese Menschen sehr friedliebend waren. Es gab einen großen Anteil langlebiger Personen unter den Toten,  man fand keine Beispiele gebrochener Knochen oder Verletzungen, und keine kriegerischen Waffen, wie etwa Keulenköpfe, die für die spätere Zeit charakteristisch sind (Brunton/Caton-Thompson ›Badarian Civilisation and Predynastic Remains Near Badari‹ 1928, S. 40).

Die Klimaveränderungsthese trifft auf große Teile Alt-Irans nicht zu

Was  im südlichen Alt-Iran und dem elamischen Susa, in Tepe Yahya oder Arisman gefunden und veröffentlicht wurde, lässt darauf schließen, dass hier einer der wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Entstehung von Wüsten zu finden ist.
In diesem Gebiet wurde eine der schönsten Keramiken hergestellt, die man bis heute gefunden hat und diese Produkte wurden bereits in speziellen Öfen bei hohen Temperaturen gebrannt! Einige dieser wundervollen Kunstwerke waren mit Vögeln, Wassertieren und Pflanzen bemalt, die zeigen, dass es hier, wo heute Wüste ist, einmal Wasser und Vegetation gab und die Abhänge bewaldet waren. Die Vegetation ist heute verschwunden und einer Wüste gewichen. Schuld daran ist der Mensch. Die Rodung der Wälder war der Grund für die Desertifikation, nicht etwa ein Klimawandel. Hier wurde in den Brennöfen für die Keramikgefäße – wohl zufällig – erstmals Kupfererz geschmolzen, was in die Kupfersteinzeit/Chalkolithikum führte und später mit der Legierung von Kupfer und Zinn zu Bronze – in die Bronzezeit mündete. Dem hohen Bedarf an Holzkohle für die Brennöfen fielen die Wälder zum Opfer. (s. ›Die Erfindung der  Metallurgie‹)

James DeMeo schreibt, »daß der extrem trockene Wüstengürtel, der sich von Nordafrika über den Nahen Osten bis nach Zentralasien erstreckt und dem ich den Namen Saharasia gegeben habe, die größte Ausdehnung der radikalsten patristischen Verhaltensweisen und sozialen Institutionen des Planeten Erde aufweist. In Gebieten mit dem größten Abstand zu Saharasia, wie in Ozeanien und der Neuen Welt, fanden sich die sanftmütigsten, ungepanzertsten, matristischsten Verhaltensformen, welche die Bindungen zwischen Mutter und Kind sowie Mann und Frau fördern und schützen« (aus der Zusammenfassung der Saharasia-Thesen im Internet). Tatsächlich können wir den radikal patriarchalen Gürtel heute mehr denn je erkennen. Dazu gehören, ausgehend von Zentralasien unter anderen Länder vom Iran, über Afghanistan, Pakistan, Irak, Arabien und unterdessen mehr oder weniger ganz Afrika: In all diesen hart patriarchalen Ländern sind Frauen absolut rechtlos und werden von ihren Männern erbarmungslos unterdrückt, verachtet, verfolgt und misshandelt, bis zur Verstümmelung ihrer Sexualorgane. Ihre Körper werden als Brutöfen der begehrten möglichst vielen Kinder, die der Mann sich wünscht und verlangt, ausgebeutet. Zur Anzahl der Geburten haben sie nichts zu sagen, sie werden nicht gefragt, Verhütung und Abtreibung sind tabu. Frauen haben in diesen Ländern keine Menschenrechte und keine Menschenwürde. Sie sind Sklavinnen.
Nach DeMeo war es die Klimaerwärmung, welche die Viehzüchter zwang, ihre Heimat zu verlassen. Doch heute wissen wir:

Das Patriarchat entstand nicht aus klimatischen sondern aus narzisstischen Gründen

Die Erkenntnis des männliches Beitrages bei der Zeugung, die die Hirten bei ihren Tieren beobachtet hatten, ließ sie auf ihren eigenen Beitrag bei der Entstehung von Nachwuchs schließen. Bis dahin war dieser Beitrag nicht bekannt, Vaterschaft gab es nicht, oder spielte keine Rolle. Die Frauen wurden als Mütter und Gebärerinnen geehrt und geachtet, die Urmutter wurde vergöttlicht und zur Großen alleinigen Göttin. Das neue Wissen muss die Männer überwältigt haben, einige von ihnen wurden größenwahnsinnig und  verlangten Verehrung und Göttlichkeit für sich und ihren spermatösen Beitrag, Sie schufen die ersten männlichen Götter und begannen die Frauen zu dominieren und abzuwerten. Sichtbar wurde dies u.a. in der Zeit Hammurabis und Abrahams, dann in der Zeit des Moses, später in der Orestie des Aischylos bei den Griechen und der Kopfgeburt des Zeus.

»Der weibliche, gebärende Schoß, ursprünglich das Heiligste,
wurde mit der Vergöttlichung der Zeugungsfähigkeit des Mannes
schließlich zum Sitz der Sünde schlechthin erklärt.«
(Eva-Maria Stark)

Dem Patriarchat fehlt der Respekt und die Würdigung der Menschlichkeit und der Kulturleistungen der Frauen. Nachdem die Frauen entmachtet und zum Schweigen gebracht worden sind, fehlt der sozialisierende und zivilisierenden Einfluss der Mütter und die spirituelle Kraft der Mutter-Göttin. So versinkt die patriarchale Welt in männlicher Gewalt, Diktatur, Terror und unendlichen Kriegen! Das Patriarchat schaufelt das Grab der Freiheit der Menschen.

Die Konfliktforschung sieht andere Gründe als eine Klimaveränderung für die Völkerwanderung

Der Kaukasuskenner Vicken Cheterian von der Genfer Organisation für Konfliktforschung ist der Ansicht, dass viele  Wissenschaftler die These der durch den Klimawandel verstärkten Verschlechterung der Umwelt und des menschlichen Lebens als direkte Ursache von [Eroberungs-] Kriegen ablehnen, obwohl der Klimawandel schwere Probleme verursachen könne, z.B. dass der Mangel an ausreichender Nahrung Flüchtlingsströme auslöse. Die Faktoren, die zu gewalttätigen Konflikten führen, seien jedoch komplex und vielfältig und Ressourcenknappheit sei nur eine von vielen Ursachen… »Den Klimawandel als Sicherheitsrisiko zu betrachten, berge die Gefahr, dass Staaten sich der Suche nach militärischen Lösungen zuwenden, obwohl das Problem ökologischer, sozialer und ökonomischer Natur ist«. (s. ›Drohen uns Klimakriege? NZZ 22.7.2010) »Über die Gründe weshalb sich Völker auf Wanderschaft begeben, herrschen die verworrensten Meinungen… Klimaveränderungen, ein beliebter paläo-anthropologischer‚ deus ex machina’ (Herbig) werden immer dann als Grund für Völkerwanderungen angeführt, »wenn Ratlosigkeit und Vorurteil die Feder führen.« (Jost Herbig ›Am Anfang war das Wort ­ – Die Evolution des Menschlichen‹ 1984, S. 83)

Wüstenbildung und Klimawandel werden durch menschliches Fehlverhalten verstärkt und beschleunigt

Zum Beispiel wegen Überweidung und Wassermangel durch extensive Viehzucht. Die Indo-Europäer verursachten wahrscheinlich durch ihre Rinderherden die ersten Versteppungen in Südrussland. Auf der Suche nach neuem Weideland überfielen und eroberten sie fremde Gebiete und lösten so die ersten Flüchtlingswellen aus. Ihr aggressiver Expansionismus, auf dem Rücken der von ihnen domestizierten Pferde und mittels der neuen Bronzewaffen, machte am Ende des 4. und zu Beginn des 3. Jahrtausends den Nahen Osten, vom Kaukasus bis nach Ägypten zu einem blutigen Kriegsfeld.

Die intensive Viehzucht und Entforstung müssen bereits im dritten Jahrtausend die Versteppung der Landschaft eingeleitet haben. Nicht das Klima, sondern der Mensch verschlechterte die Lebensbedingungen. (Sibylle von Reden ›Ugarit und seine Welt‹ 1992, S.102)

Mit der Massentierhaltung von Rindern, Schafen und Ziegen breitete sich die Versteppung immer weiter aus und mit ihr die Not der Menschen, die mit den großen Herden ihre eigene Lebensgrundlage zerstörten. Das tun sie bis heute. Regelmäßig hören wir aus Afrika von Hungersnöten. Trotzdem werden die Herden kaum freiwillig verkleinert. Der Grund hierfür ist das ›Ansehen‹ des Besitzers. Sein ›Wert‹, seine ›Ehre‹, ja seine ›Daseinsberechtigung‹ glaubt er, ist an die Größe seiner Herde gekoppelt. Die absurde Bilanz dieses Ehrenkodex: Hunger und Not, weil große Herden für die Hirtenfamilien Prestige, Reichtum und Macht bedeuten. Im Niger »gefährdet die Desertifikation (Wüstenbildung) das landwirtschaftlich nutzbare Land; verschärft wird sie durch menschliche Einflüsse wie Abholzung, Überweidung und Übernutzung der Nutzflächen sowie durch den Einfluss des Klimawandels«. (Wikipedia) Durch die jahrelange Dürre, sagte eine Frau im Niger, verloren wir viel Vieh. So merkten wir, dass man auch mit kleineren Herden gut leben kann.

Völkerwanderungen und Flüchtlingsströme einst und jetzt

Spätestens seit 2011, dem Beginn des Krieges, der in Syrien durch den Diktator Assad ausgelöst wurde, dürfte klar sein, dass nicht das Klima, sondern der Cäsarenwahn der Despoten die meiste Schuld an Flucht, Vertreibung und Völkerwanderungen hat.

Einst wurden die Völkerwanderungen durch die kriegerischen Eroberungsfeldzüge der patriarchalen Indo-Europäer ausgelöst. Damals flohen die Menschen vor den indoeuropäischen Kriegern aus dem Norden und Osten in den Süden, z.B. in Mesopotamien und Syrien; heute hat sich der Strom umgekehrt. Er fließt aus dem Süden und Osten nach Norden und Westen, zu uns nach Europa. Die Menschen setzen mit ihrer Flucht übers Mittelmeer ihr Leben nochmal aufs Spiel, nachdem sie vor den Waffen, mit denen der Westen die Kriegstreiber eingedeckt hat, fliehen mussten. Deutschland als drittgrößter Waffenlieferant der Welt hat mit dem blutigen Geschäft Unsummen an Profit gemacht. Noch immer – oder wieder –  ist ›der Tod ein Meister aus Deutschland‹! (Paul Celan)

Die Aufnahme von Flüchtlingen ist nicht nur ein Akt der Menschlichkeit, sonder auch eine Verpflichtung und Teil einer fälligen Wiedergutmachung. Was wir heute täglich beobachten können, ist, dass es nicht nur Menschen aus den Kriegsgebieten sind, die bei uns Zuflucht suchen, sondern dass sie auch aus den versklavten, verarmten ehemaligen Kolonien kommen, deren Kulturen durch aggressive Weiße brutal zerstört, deren Bodenschätze von Weißen ausgeraubt und deren Arbeitskräfte von Weißen schamlos ausgebeutet wurden. Die Nachfolger der Kolonisatoren sind die zum Teil noch von den Kolonialmächten eingesetzten korrupten Diktatoren, die Kriege, Massaker und unvorstellbare soziale Notlagen verursachen. Auch ihnen geht es nur um Macht und Profit, niemals um die Menschen, die in der Folge aus ihren Ländern fliehen müssen.

Heute lösen die Kriege im Nahen Osten und die Folgen des Kolonialismus die Flüchtlingsströme aus

Zwar wurden in Deutschland die beiden Weltkriege und der Holocaust zum Teil aufgearbeitet. Jedoch hat bisher noch kein Land der Welt die Schandtaten des Kolonialismus, der Versklavung und der Ausrottung indigener Völker historisch in Angriff genommen. Die Flüchtlinge, die durch die Festung Europa aggressiv abgewimmelt werden, sind u.a. die Folge des Irakkrieges, der Waffenlieferungen an die Diktatoren der sog. Dritten Welt und der Kolonialisierung Afrikas durch die Weißen. (s. Das Kapitel ›Die Gräuel der Kolonisierung und Missionierung‹) Zum Neo-Kolonialismus gehört auch, dass den Menschen, z.B. an der Westküste Afrikas, ihre Nahrung durch riesige internationale Fangschiffe buchstäblich gestohlen wird und die Menschen hungern.

Die Lebensqualität der Menschen hat sich im Patriarchat, d.h. nach den Invasionen der Indo-Europäer/Arier dramatisch verschlechtert

Der Krieg kam in die Welt und die Freiheit der Menschen wird bis heute krass ausgehebelt. Seit die Patriarchen an der Macht sind, fühlen sich weder Frauen noch Männer, weder Kinder noch Jugendliche wohl. Etwas läuft grundlegend schief in der Welt. Der ungeheure Machtmissbrauch und Egoismus der mächtigen Männer in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion, ihre Habgier, ihre Kriegsgeilheit, ihre Unredlichkeit, ihre Unmoral, ihr zerstörerischer Umgang mit der Natur aus Profitgier, ihre Missachtung der Menschenrechte, usw. usw. führt uns gefährlich nahe an den Rand des Abgrunds. Die Gefahr, dass wir – angesichts der Machtbesessenheit patriarchaler Männer, des ungeheuren Zerstörungspotentials mit immer präziseren Mordwaffen und der unglaublichen Überwachung durch die mächtigen Geheimdienste – weltweit einer hartpatriarchalen Diktatur zusteuern, ist nicht zu unterschätzen. (s. ›Der Verlust der Freiheit im Patriarchat‹)

Noch nie wurden so viele Waffen produziert wie heute, noch nie so grauenhafte Kriege geführt. Nach dem 2. Weltkrieg waren 10 Millionen Menschen, im Jahr 2015 bereits 60 Millionen Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht vor Krieg, Not und Armut. Die Kriegstreiber mehren ihre Profite, die Not der Flüchtlinge kümmert sie kaum.


Print page