Empört Euch gegen Hass und Gewalt patriarchaler Macht

Aus dem Inhalt:

  • Hass und Gewalt sind Ursprung und Grundlage des Patriarchats und der patriarchalen Religionen
  • Die drei monotheistischen Götter Jahwe, Gottvater und Allah sind uneins –
    Einig sind sie sich aber in der Abwertung und dem Hass auf die Frauen
  • Das Schweigen durchbrechen! –
    ›Das Schweigen der Frauen ist die Macht der Männer‹
  • ›Der Mann ist im Grunde das Verlangen Gott zu sein‹
  • Das Patriarchat braucht Feindbilder
  • Der Hass wird durch die patriarchale Familie perpetuiert
  • Das von Politik und Religionen künstlich idealisierte Patriarchat –
    die Herrschaft der Väter – darf nicht in Frage gestellt werden
  • Die Bilanz des Patriarchats ist eine Bilanz des Grauens
  • Kriege sind das Resultat patriarchalen Machthungers

Wie ein roter Faden ziehen sich Hass und Gewalt durch die 5000 Jahre der Geschichte patriarchaler Männermacht.

›Empört euch!‹ – ›Engagiert euch! – ›Vernetzt euch!‹

titelte der 93jährige Holocaust-Überlebende, Resistance-Veteran und frühere UNO-Botschafter Stéphane Hessel, der die unerträgliche patriarchale Männermacht am eigenen Leib erfahren hatte, seine Broschüren, die zum Bestseller wurden: »Die Grundmotivation der Résistance war die Empörung… Nehmt das Steuer in die Hand und empört euch!« Aus Wut entsteht Mut. Frauen hätten am meisten Grund, sich zu empören!

Die Frage, ob das Patriarchat eine gigantische Krankheit sei,
an der die Menschheit leidet, wird nicht gestellt
(Gerda Weiler)

Hass und Gewalt sind Ursprung und Grundlage des Patriarchats und der patriarchalen Vatergott-Religionen

Seit der Machtnahme des Patriarchats, den Überfallen und Invasionen, den Besetzungen und dem Landraub durch die indoeuropäischen Reiterkrieger wurde die weltliche Macht stets – und in den meisten Ländern bis heute – von den mit ihnen verbündeten arischen Priesterkasten unterstützt. Nach dem gescheiterten Versuch Echnatons in Ägypten einen alleinigen Gott – ohne weibliches Pendant – einzuführen, begann mit Moses der verheerende Siegeszug der monotheistischen Religionen. (s. ›Indo-Europäer und Arier – Ein unheilvolles Bündnis‹)

Besonders um die Wende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchten Forscher nach den Ursprüngen der monotheistischen Religionen, nach einem Urgott und einem Urpatriarchat, das es nie gegeben hat. Dabei stießen sie – was unvermeidlich ist – auf die uns verbliebenen Zeugnisse der weltweiten Urreligion der Göttin und die universellen mütterlichen Strukturen des Matriarchats, die dem Patriarchat vorausgegangen sind. Die Beweise sind derart dominant, dass sie nicht übersehen werden konnten und – mindestens von einigen integeren Forschern  – in die Forschungsergebnisse mit einbezogen und wenigstens ansatzweise auch veröffentlicht wurden. Das geschah je nach Persönlichkeit und Charakter, nach Religions- oder Parteizugehörigkeit, nach Frömmigkeit und moralischer Einstellung der Forschenden, mit mehr oder weniger Respekt und Sympathie, mit mehr oder weniger Diskriminierung, die bis zur Verteufelung und Leugnung der Darstellungen und der Symbolik der Göttinnen-Religion ging. Manchmal zeigt sich eine unverhohlene Verachtung, Diffamierung, oft auch Schadenfreude und genüssliche Siegessicherheit bei der Beschreibung wie die Göttinnen eliminiert und die patriarchalen Religionen die Macht übernahmen.

Das erschreckende Geheimnis aller drei monotheistischen Vater-Gott-Religionen
ist der
Mord an der Mutter-Göttin

Im allgemeinen widmeten sich patriarchale Wissenschaftler vorzugsweise den monotheistischen Religionen und ihren patriarchalen Göttern, die ihnen ihre phantasierte ›Gottesebenbildlichkeit‹ bestätigten. Unter der Vielzahl solcher Abhandlungen biegen sich die Bücherregale der Bibliotheken der Welt. Dies beobachtete auch die Historikerin Gerda Lerner bei ihren mesopotamischen Studien zur ›Entstehung des Patriarchats‹. Sie schreibt: »Die Veränderungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status der Frauen sind in den Untersuchungen über das alte Mesopotamien nur am Rande und vereinzelt berücksichtigt worden – ganz im Gegensatz zu der Vielzahl von Studien, in denen der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus und die damit einhergehende Verschiebung der hervorragenden Bedeutung von mächtigen Göttinnen auf einen einzigen männlichen Gott zum Gegenstand der Untersuchung gemacht worden sind. Dieses Thema ist unter den Aspekten der Theologie, Archäologie, Anthropologie und Literaturwissenschaften behandelt worden.« (Gerda Lerner ›Die Entstehung des Patriarchats‹ 1991, S. 185)

Die drei monotheistischen Götter Jahwe, Gottvater und Allah sind uneins – einig sind sie sich jedoch in der Abwertung und dem Hass auf die Frauen

Gerne wird behauptetet, die drei männlichen Götter des Monotheismus, der jüdische Jahwe, der christliche Vatergott und der islamische Allah seien ein und derselbe Gott. Das stimmt natürlich so nicht! Ihre Botschaften, bzw. die Übermittlungen jener Männer, die behaupten, sie seien mit Gott in einem persönlichen Kontakt gestanden, sind so verschieden und die Gebote und Verbote derart unterschiedlich, dass das für einen denkenden Mensch inakzeptabel ist.
Auch wenn heute Christen, die es allen recht machen wollen, behaupten, Gott sei ›männlich und weiblich‹, strafen die Bezeichnungen ›Vater‹, ›Er‹ oder ›Herr‹ diese Behauptung Lügen. Auch die Behauptung, die monotheistischen Religionen seien ein Fortschritt, ja sogar ein Segen für die Menschheit, ist eine grobe Verzerrung und Lüge. Warum bekämpfen sich die Anhänger dieser Religionen ständig und warum rivalisieren sie miteinander bis aufs Blut? Die wenigsten ihrer Jünger wollen wahrhaben und zugeben, dass diese Phantasmen – auffallenderweise allesamt und ausschließlich – von patriarchalen Männern ausgedacht und aufgeschrieben wurden. Es sind Geschichten von mysteriösen männlichen ›Göttern‹, ›Engeln‹ und ›Heiligen‹, die Männern unter nicht verifizierbaren, obskuren Umständen eingegeben – alle mit Gewalt verbreitet und durchgesetzt wurden und bis heute nur durch ständiges Drohen von Weltuntergang und jüngstem Gericht, von Hölle und Teufel, mittels Kriegen und Todesdrohungen am Leben erhalten werden.
Die patriarchalen Regierungen und Religionen haben mit ihren Einschüchterungen, ihrer Frauen-, Lebens- und Lustfeindlichkeit, ihrer Respektlosigkeit gegenüber Menschen, Tieren und der Natur, ihrem Egoismus, ihrer Arroganz, und Intoleranz – jüngstes Beispiel das hysterische Geifern gegen Homosexuelle – ihrer Habsucht, ihren Machtinteressen und ihrer skrupellosen Ausbeutung, die Menschheit, die mehr als zwei Millionen Jahre in Frieden lebte und prosperierte, in nur wenigen tausend Jahren an den Rand des Abgrundes gefahren.

Die Frau ist das Feindbild des Patriarchats

Was alle monotheistischen Gott-Religionen charakterisiert ist der Kampf gegen die Große Göttin und die Frau. Die Frau ist an allem schuld, wie schon das frühe Beispiel der Göttin Eva, der ›Mutter alles Lebendigen‹ zeigt.
Von uns Frauen wird Verständnis und Toleranz erwartet für die frauenverachtenden christlichen Kirchenväter (s. ›Patriarchaler Frauenhass – Der Krieg der Kirche gegen die Frau‹) und die frauenfeindlichen Faschisten. Frauen, die die faschistisch durchtränkten Untaten des Patriarchats aufdecken, werden als ›männerfeindlich‹ diskriminiert.
»Die Frauen waren mehr als die Männer Opfer der Geschichte«, schreibt Annette Meyhöfer über Männerbünde: »Ausgeburten männlicher Phantasie, entsexualisierte Göttinnen oder kastrierende Huren, ›Zuchtstute‹ oder ›Arbeitspferd‹ (bei Hermann Göring).« (Spiegel 13/1990).
Nicht-patriarchale Frauen und Männer dürfen die Wahrheit von der patriarchalen Gewalt nicht wissen, sie nicht als solche erkennen und bezeichnen, sollen sie verdrängen, müssen den patriarchalen Lügenmythen zustimmen, dürfen sie nicht offen legen und sollen darüber schweigen. Männer reagieren reflexartig auf das Aufzeigen männlicher Gewalt, wenn wir den Finger auf die unsägliche durch Männer verursachte Gewaltgeschichte legen mit dem Ausruf: ›aber Frauen auch‹! Damit wird versucht, von den von Männern verübten Verbrechen abzulenken. Kann ein einziger Mann noch so etwas behaupten nach den Gräueltaten von Boko Haram und IS?

Warum sind Männer grausam gegenüber Frauen? Weil sie es dürfen

…sie beziehen ihre Rechtfertigung aus den patriarchalen Mono-Religionen, die Frauen seit ihrer Erfindung abwerten. Den Männern wurde eingebläut, dass sie das Haupt der Frau sind, ihr Besitzer, und dass sie mit ihrem Besitz tun und lassen können, was sie wollen. Im Islam ist dem Mann sogar erlaubt, seine Frau zu schlagen, wenn sie ihm widerspricht, ihm nicht gehorcht oder keinen Sex will. Die Religionen haben den Männern die Macht über die Frauen gegeben und die patriarchale Politik hat die Ideologie übernommen. Sie rechtfertigen ihre Übergriffe und ihre Verachtung für die Frau mit der Religion. Im Christentum haben Kirchenväter unglaubliche Hasstiraden gegen Frauen propagiert. Der Hass auf die Frauen gipfelte im Hexenholocaust, mit der Verbrennung von Millionen von Frauen. (s. ›Die Christianisierung Europas und die Hexenmassaker‹) Bewusste Reflexionen anstelle von unbewussten Reflexen sollten allen klar machen, Diktatoren – ob in der Politik, der Wirtschaft, der Bildung oder der Religion – sind Männer! Machtanmaßung und Machtmissbrauch – nicht Macht an sich – sondern der Missbrauch von Macht ist patriarchal.

Das Schweigen durchbrechen! –
›Das Schweigen der Frauen ist die Macht der Männer‹ (Kaj Fölster)

Wir werden angehalten, über die Diffamierungen, die Abwertungen, die Ungeheuerlichkeiten, die Verbrechen, die das Patriarchat der Menschheit, vor allem den Frauen angetan hat, zu schweigen. »Es scheint, als ob einige Männer allein die Idee, den Zusammenhang von Gewalt und Geschlecht zu thematisieren, geschweige denn zu analysieren, unerträglich finden. Von Schuld darf schon überhaupt keine Rede sein, weil das angeblich bedeutet, dass die Schuldigen zu bestrafen seien. Die Einsicht in Schuld ist aber die Voraussetzung für ein Erkennen und Akzeptieren von Alternativen, bzw. Wiedergutmachungsversuchen: ›Nie wieder Patriarchat‹ (Claudia von Werlhof ›Gewalt und Geschlecht‹ in: ›Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung. Eine moderne Hexenjagd‹ Autorinnengemeinschaft 2003, S. 33)

»Das System des Patriarchats kann nur funktionieren, wenn die Frauen an seiner Aufrechterhaltung mitwirken.«
(Gerda Lerner S. 269)

›Eine Frau lerne still in aller Unterordnung; zu lehren aber gestatte ich einer Frau nicht, auch nicht sich über den Mann zu erheben, sondern ich gebiete ihr, sich still zu verhalten‹ (1 Timotheus 2,11-15) Wer ist dieser Mann, der sich erdreistet, Frauen zu gebieten, was sie zu tun und zu lassen haben? Der Name Timotheus, es gibt mehrere Patriachen mit diesem Namen, bedeutet der ›der Gott ehrt‹. ›Gottanbeter‹ dürfen sich den verhassten Frauen gegenüber alles erlauben. Das tun Kleriker bis heute – und es gibt tatsächlich noch Frauen, die sich danach richten!

Gewalt beginnt, wo das Reden aufhört (Hannah Arendt)

Es braucht Mut das Schweigen zu durchbrechen, »unserem eigenen Denken gegenüber kritisch zu sein, das im Grunde ein im Rahmen der patriarchalen Tradition ausgebildetes Denken ist. Und schließlich bedeutet es, intellektuellen Mut zu entwickeln, den Mut allein zu stehen, den Mut Ziele anzustreben, die weiter als eine Armlänge entfernt sind, den Mut, Irrtümer und Niederlagen zu riskieren. Die vielleicht größte Herausforderung für denkende Frauen ist die Aufgabe, den Wunsch nach Sicherheit und Zustimmung hinter sich zu lassen und die ›unweiblichste‹ aller Eigenschaften zu entwickeln – intellektuelle Arroganz, die höchste Form der Hybris, die sich das Recht zubilligt, die Welt neu zu ordnen… Es bedeutet, uns von den großen Männern in unseren Köpfen zu befreien und sie durch uns selbst, durch unsere Schwestern und unsere anonymen Ahninnen zu ersetzen.« (Gerda Lerner ›Die Entstehung des Patriarchats‹ 1991, 283).

›Der Mann ist im Grunde das Verlangen Gott zu sein‹ (J.P. Sartre)

Dieses Verlangen des Mannes »ist die Hybris der Gottesmacher, die Hybris der männlichen Erschaffer patriarchaler Systeme [und ihrer Aufrechterhaltung!]. Das System des Patriarchats ist ein historisches Konstrukt. Es hat einen Anfang, und es wird eine Ende haben. Seine Zeit scheint zur Neige zu gehen – es dient nicht länger den Bedürfnissen von Männern oder Frauen, und seine unauflösliche Verstrickung mit Militarismus, hierarchischer Struktur und Rassismus ist eine unmittelbare Bedrohung für den Fortbestand des Lebens auf unserem Planeten.« (Lerner ibd.)

Der Hass patriarchaler Männer auf alles Lebendige und ihre ›bösartige Aggression: die Nekrophilie‹ (Erich Fromm 1974) sind Ausgeburten patriarchaler Pathologie, von Unmenschlichkeit, gepaart mit Arroganz, Dummheit, Wahn, Hysterie, Charakterlosigkeit und Paranoia.

Das Patriarchat braucht Feindbilder

Der private patriarchale Mann wie auch der patriarchale Staatsmann und der Kleriker braucht Feindbilder. Feinde, die bekämpft werden können und müssen. Patriarchale Männer lieben den Kampf, den Krieg, die Gewalt, das Foltern und das Töten. Dazu brauchen sie Feinde. Feinde, das sind die Andern, die Fremden, die Unbekannten; wenn nicht die Russen, dann die Kommunisten, die Schwarzen, die Juden, die Schwulen, die Ungläubigen und Andersgläubigen und nicht zuletzt: die Frauen. Feindbilder werden vom Patriarchat konstruiert, sind irrational und mörderisch.

Feindbilder gehören zu den wirkungsvollsten Mitteln der patriarchalen Lügen-Propaganda! Sie haben eine unglaubliche manipulative Macht. Ohne Projektion des Hasses auf die Frauen kein Patriarchat! Ohne künstlich erzeugten Hass keine Gewalt! Ohne lügnerische Kriegspropaganda kein Krieg. Ohne Feinde kein Militär. Ohne Armee keine Waffenproduktion und keine Verschwendung des Volksvermögens.

Der biblische Sündenbock (Levitikus 16,8-21) unterscheidet sich vom patriarchalen Feindbild insofern, als der Sündenbock mit der Schuld tatsächlich begangener Sünden und Freveltaten der Anhänger Jahwes beladen in die Wüste geschickt wurde und damit eine entsühnende und reinigende Wirkung für die Israeliten haben sollte. Der imaginierte ›Feind‹, bzw. das Feindbild unserer Tage wird dagegen für die Ursachen projizierter, aktueller oder befürchteter zukünftiger Probleme verantwortlich gemacht. In beiden Fällen – ob Sündenbock oder Feindbild – wird Schuld auf Unschuldige projiziert. Die Frau ist der Sündenbock des Patriarchats. »Die kollektive Projektion, mit der die patriarchale Gesellschaft Probleme lösen will, ist die Diffamierung der Frau. Ein klassischer Fall von ›phobischer‹ Projektion: der Anlass der Angst wird externalisiert, sie kann im Innern nicht ertragen werden. Projektion als Angst-Abwehr-Mechanismus. Genesis 3 gibt durchaus noch etwas wieder von dem Erdbeben, den der Umschwung vom Matriarchat zum Patriarchat zur Folge hatte. Da ist noch deutlich die Symbolik matriarchaler Fruchtbarkeitsreligion auszumachen: ›Eva, die Mutter alles Lebenden‹. Und was macht der Jahwist daraus? Aus Eva der Muttergöttin, wird die Sünderin, die an dem Bösen, das in der Welt herrscht, schuld ist. Kaum gibt es eine kollektive Projektion, die so wirksam gewesen ist und die Unterdrückung der Frau durch die Jahrhunderte hindurch theologisch legitimiert hat« (Siegfried Vierzig ›Das Böse‹ 1984. S. 24).
Die Projektion eigener Schwierigkeiten und eigenen Leidens auf andere, die nichts damit zu tun haben, ist ein interessantes Phänomen, der psychischen Entlastung. Es handelt sich dabei um einen Abwehrmechanismus, um tatsächlich eigenes Leiden erträglicher zu machen, indem man einen äußeren ›Schuldigen‹, eine Gruppe, ein Volk, einen Staat für die eigenen materiellen Probleme oder einen nicht bewältigbaren innerpsychischen Konflikt beschuldigt, instrumentalisiert und stigmatisiert. Bekannte Beispiele dafür sind jede Art von Hass: Frauenhass, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, usw..

›Feindbild Frau – Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen‹

Dass der sexuellen männlichen Gewalt eine ambivalente bis feindselige Einstellung zu Frauen zugrunde liege, sei als Tendenz bei fast allen Männern nachweisbar, schreibt Rolf Pohl, Autor des Buches mit obigem Titel. Die typisch männliche Gewaltbereitschaft gegen Frauen, entspringe einer aus Lust, Angst, Neid, Wut und Hass bestimmten unbewussten Einstellung zur Weiblichkeit und sei das Ergebnis einer Leugnung und Abwehr der männlichen, auf den weiblichen Körper gerichteten Begierde. Die durch Frauen ausgelöste sexuelle Erregung bestätige die Abhängigkeit des Mannes und entlarve die im männlichen Autonomiewunsch enthaltene Idee vollkommener Beherrschung und Kontrolle als wahnhafte Illusion. (Rolf Pohl 2004)

Der Hass wird durch die patriarchale Familie perpetuiert

Beim Hass handelt sich um eine Persönlichkeitsstörung, über die selten nachgedacht wird: die zugrunde liegende, neurotisch-paranoide Disposition. Sie hat ihren Ursprung in der Kindheit, in der patriarchalen Familie. War die Erfahrung der Kindheit mit Demütigung, Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch verbunden, was rational nicht zu bewältigen ist, versucht die Psyche, das Leiden durch Projektion erträglich zu machen.
Der deutsche Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter »sieht in der Feindbild-Produktion die Deutschen in vorderster Front« (zit. von Siegfried Vierzig (1984, S. 55): »Dass in Deutschland eine besondere Neigung zur Leidensabwehr durch Projektion besteht, zeigt unsere jüngere Geschichte zur Genüge… Nirgends sonst in der westlichen Zivilisation färbten sich die Ideen des Nationalsozialismus so stark mit Phantasien von der eigenen heiligen Berufung zur Erlösung der Welt ­ – gegen das Böse.« (Richter ›Der Gotteskomplex‹ 1979)

In seiner Studie ›Das Böse‹ macht Siegfried Vierzig auf die vom ›Spiegel‹ 1981 veröffentlichten Auszüge aus der 1979 vom Bundeskanzleramt in Auftrag gegebenen Studie zur Abklärung der Anfälligkeit der Bundesbürger für rechtsradikale Ideologie aufmerksam: »Das alarmierende Fazit laut Spiegelbericht:
›Insgesamt 13 Prozent der Wahlbevölkerung (rund 5,5 Millionen) haben ein ideologisch geschlossenes rechtsextremes Weltbild, dessen Hauptstützen ein nationalsozialistisches Geschichtsbild, Hass auf Fremdgruppen, Demokratie und Pluralismus sowie eine übersteigerte Verehrung von Volk, Vaterland und Familie sind… ›Inhaltliches Rückgrat‹ bildet ein ›reaktionäres Menschenbild‹: Hasserfüllt lehnen sie ab, was sie als fremd empfinden, etwa die Jugend, sexuelle Minderheiten und Asoziale. Wenn man alle Drückeberger und Verbrecher loswerden könnte, so glauben sie, wären die meisten Probleme gelöst. Homosexualität ist für sie ›widernatürlich‹. Gäbe es wieder Arbeitslager, kämen ›Zucht und Ordnung‹ von allein‹. (Der Spiegel, Nr. 12/1981) Daran hat sich auch 30 Jahre später nichts geändert – im Gegenteil!
Besonders interessant ist das überraschende Fazit der Studie: ›Durchgängiges Motiv für die Einstellung zu fast allen Problembereichen ist eine Sehnsucht nach der heilen Welt, die sich nicht nur auf den Umweltschutz erstreckt, sondern ebenso auf Ordnungsmodelle. Zentrale Werte bilden das Volk als natürliche Lebensgemeinschaft sowie der Begriff Gesundheit im weitesten Sinne. (Spiegel 12/81, zit. von Vierzig 1984, S. 56 f.)
Die ›Sehnsucht nach der heilen Welt‹ ist ein Kinderwunsch! Es ist der berechtigte Wunsch eines Kindes nach liebevoller Geborgenheit und Sicherheit – der bei diesen Menschen nicht erfüllt wurde. Man müsste die Wertvorstellungen, den Umgang mit den Kindern in den Familien, besonders die Macht der Väter untersuchen, in der diese Menschen aufgewachsen sind! Da liegt der Hund begraben, den das Patriarchat nicht sehen will.

Das von der Politik und den jeweiligen Religionen künstlich idealisierte Patriarchat, die Herrschaft der Väter, darf nicht in Frage gestellt werden

Vielleicht ist die ›Sehnsucht nach der heilen Welt‹ eine unbewusste Erinnerung an die Zeit der ›Müttermacht‹, an das friedliche Matriarchat, als es keine Herrschaft der Väter gab, als das Patriarchat die Welt noch nicht im Würgegriff hatte. Doch die Erforschung dieser Zeit unterliegt dem Tabu des Patriarchats!

 Die Bilanz des Patriarchats ist eine Bilanz des Grauens

Nach 5000 Jahren ist die Bilanz des Patriarchats eine einzige Katastrophe: eine Bilanz der Schande, eine Bilanz der Gewalt, der nekrophilen Aggression und Destruktivität, der Kriege, der Inkompetenz, der Unfähigkeit, des Versagens, der Dummheit, der Verantwortungslosigkeit, der Korruption, des Egoismus, des Sadismus, der Grausamkeit, der Verbrechen. Eine Bilanz des Wahnsinns. Ungezählte Millionen von Kriegsopfern. Millionen Tote durch christliche Kreuzzüge, Inquisition, Hexenmord, Kolonialismus, Versklavung, Holocaust, Hiroshima, Vietnam, Nagasaki, Guantanamo, Mafia, Korruption, Terror, usw.usf. sind sein Vermächtnis.
»Wir werden dieses gottverdammte Land dem Erdboden gleichmachen«, so Richard Nixon am 2. Juni 1971. Die Wut des Präsidenten gilt dem kleinen Land Vietnam, wo die größte Militärmaschinerie der Welt seit 1964 einen unsäglichen Krieg führte. Nirgends wurden bis dahin so viele Vernichtungswaffen eingesetzt wie zur Vernichtung dieses  Landes, wo US-Kampfflugzeuge mehr Bomben abwarfen als in den beiden Weltkriegen zusammen. In Laos warfen die US-Amerikaner 260 000 000 (260 Millionen!) Streubomben ab. An der Behebung der Schäden beteiligen sie sich nicht. Warum taten sie das? Weil sie die Waffen hatten! Waffenproduktion, Waffenexport, Anschaffung von Waffen ist keine harmlose Sache; Waffen dienen ausschließlich dem Töten und der Befriedigung patriarchaler Machtgier, der Demonstration von Macht und Überlegenheit und es geht um schamlose Profitgier. Heuchlerisch dargestellt geht es um ›Landesverteidigung‹, um ›Schutz‹ und um Arbeitsplätze!

»Die Armee ist eine der wichtigsten Machtquellen für Diktatoren,  denn sie kann ihre disziplinierten Kampfeinheiten und Waffen unmittelbar zur Bekämpfung und Bestrafung der ungehorsamen Bevölkerung einsetzen… Die demokratischen Kräfte sollten bedenken, dass Unzufriedenheit und Ungehorsam bei Streitkräften und Polizei für die Angehörigen dieser Gruppen höchst gefährlich sein kann. Soldaten und Polizisten drohen schwere Strafen für jeden Akt des Ungehorsams und die Hinrichtung für Meuterei.« (Gene Sharp ›Von der Diktatur zur Demokratie – Ein Leitfaden für die Befreiung. Das Lehrbuch zum gewaltlosen Sturz von Diktaturen‹ 2011, S. 83) Das bestätigte sich in drastischer Weise nach dem fehlgeschlagenen Putschversuch vom 16. Juli 2016 gegen Erdogan in der Türkei.

Kriege sind das Resultat patriarchaler Macht- und Habgier

Während den 2 Millionen Jahren der Dominanz der weiblichen Hominiden und der menschlichen Mütter konnte von der weltweiten Forschung kein einziger Krieg festgestellt werden. (s. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹ vor 5500 Jahren) Die Mütter erzogen ihre Söhne zu friedlichen Menschen und setzten der latenten Kampfeslust der Männer Grenzen. Mit der Machtübernahme patriarchaler Männer an der Spitze der Regierungen und als Oberhaupt der Familie begann die Wende. Die erste sogenannte ›Kurgan-Welle‹ (Marija Gimbutas) patriarchaler Indo-Europäer aus den südrussischen Steppen Richtung Osteuropa fand zwischen 4300 und 4200 statt. Bereits  in dieser Zeit gab es vereinzelte Überfälle und Massaker. Mit der dritten Kurgan-Welle (ca. 3500 bis 2800) eroberten Indo-Europäer Mesopotamien und Ägypten. Damit begann der 5000 Jahre währende Albtraum Patriarchat, aus dem es Zeit ist zu erwachen. (James Joyce) (s. ›Wer waren die Sumerer?‹)

»Frauenhass, Sexualfeindlichkeit und hypertrophiertes Männlichkeitsbewusstsein sind durch die Jahrhunderte hindurch die Motive für die Projektionen des Bösen« (S. Vierzig ›Das Böse‹ 1984, S. 58)

5000 Jahre Patriarchat sind genug. Viele wollen nicht länger HüterInnen des Patriarchats und seines verbrecherischen Treibens sein. Wenn wir diese Verbrechen nicht länger zudecken, beschönigen, mittragen und ihnen nicht länger schweigend zustimmen wollen, müssen wir sie immer wieder öffentlich machen; müssen aufrütteln und uns dagegen zur Wehr setzen.
Männer allein schaffen es nicht! Patriarchale Männer an der Macht versprechen gegen Hunger und Armut zu kämpfen. Eine Lüge! Sie sind es, die dieses Elend selbst und ganz bewusst, verursachen! Sie behaupten, sie seien gegen den Krieg und für den Frieden; dann führen sie ›Krieg für den Frieden‹! Der materielle und immaterielle Profit, den sie aus den Kriegen ziehen, ist zu verlockend! Die Gier nach mehr, nach noch größerem Reichtum hat zur Folge, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird: Die Reichen häufen immer noch mehr Besitz an, Reichtum, den sie gar nie ausgeben können. Warum tun sie das? Weil sie innerlich verarmt sind. Weil sie nichts anderes können, keine anderen Interessen, keine anderen Wünsche, keine anderen Leidenschaften haben.

Wo der patriarchale Mann kläglich versagt hat, können nur nicht-patriarchale Männer und nicht patriarchal vergiftete Frauen den Weg hinaus aus der Misere der männlichen Götter und der ›göttlichen Männer‹ in eine bessere Zukunft weisen.

»Erst im Patriarchat beginnt der Leidensweg des Mannes, erst vom Mann wird er unterworfen und leidet an seiner Unterlegenheit. Im Patriarchat ist der Mann ein Dienender zeit seines Lebens. Er dient Gott, den er an seinen Himmel projiziert hat. Er opfert sein Leben für Führer, Volk und Vaterland, reibt sich für Ideologien, Religionen, Fanatismen aller Art auf und dient diesen bis in den sicheren Tod. Er dient beim Heer und dient als Beamter; er ›geht in den Dienst‹ und entzieht der sozialen Gruppe einen mehr oder weniger großen Teil seiner Energie, weil es das patriarchale Gesetz der geschlechtlichen Arbeitsteilung so will. Er dient, weil seine Unterwerfung die patriarchale Macht aufrecht erhält, die er anbetet. Um mit der gleichen Selbstverständlichkeit dem Leben zu dienen, muss er seinen Machtanspruch aufgeben.
Zu einem echten Selbstbewusstsein und einer männlichen Identität können Männer nicht kommen, indem sie mehr sein wollen als sie sind, sondern indem sie sind, was sie sind.« (Gerda Weiler ›Der aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine feministische Anthropologie II‹ 1994, S. 330)

 

 


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