Die Entdeckung der Vaterschaft und die fatalen Folgen

Aus dem Inhalt:

  • Das Matriarchat kannte keine VATER-schaft
  • Der Urknall im Neolithikum: Die folgenschwere Erfindung des Patriarchats
  • Die weltbewegende Entdeckung der biologischen Vaterschaft durch indoeuropäische Rinderzüchter
  • Das neue Selbstbewusstsein und die Macht veränderten Männer unheilvoll
  • Das Patriarchat ist der Scheiterhaufen der matriarchalen Frau
  • Indo-Europäer nannten sich stolz: ›Die ersten Väter‹, Patri-archen
  • Die patriarchale Familie – ein Herrschaftsinstrument
  • Die Erfindung erster männlicher Götter:
    Der VATER-Gott ist die logische Konsequenz der patriarchalen Ideologie
  • Patriarchat und patriarchale Religionen
  • Fatale Folgen der männlichen Machtübernahme:
    Das Ende des matriarchalen Friedens und der Beginn der patriarchalen Kriege
  • Der Vater ist nicht blutsverwandt

›Das Prinzip Mann macht die Weltgeschichte zur Tragödie. Die Unfähigkeit zu gebären, ließ eine Jahrtausende lange Blutspur der Aggression zurück. Solange Männer nicht von Frauen lernen, dreht sich der Planet unter Newborn Christen Machos vom Schlage Bushs dem sicheren Untergang entgegen.‹
(Dieter Meier, Sänger, Filmemacher, Unternehmer und Familienvater)

Das Matriarchat kannte keine VATER-schaft

Das Patriarchat basiert auf der Entdeckung der biologischen Vaterschaft.
Vaterschaft wurde zur politischen Ideologie, zum religiösen Kult und zum Symbol von Macht.

Schwangerschaft und Geburt gehören mit zu den tiefsten Mysterien menschlichen Erlebens, ein archaisch-mystisches Geschehen, ein Wunder, das emotional zutiefst berührt. »Doch wie das Kind in den Mutterschoß kam, war zweifellos ein Geheimnis… angesichts des Zeitraumes, der zwischen Befruchtung und Geburt liegt, ist es wahrscheinlich, dass die Bedeutung von Schwangerschaft und Geburt hochgeschätzt wurde, lange bevor man erkannte, dass diese Phänomene das Ergebnis der Empfängnis waren, die dem Koitus folgte.« (S.G.F. Brandon,  britischer Religionswissenschaftler ›Creation Legends of the Ancient Near East‹ 1963) Dies haben zahlreiche Forscher bestätigt. »James Frazer, Margaret Mead und andere Anthropologen haben herausgefunden, dass in den sehr frühen Stadien der Entwicklung, bevor man das Geheimnis der menschlichen Fruchtbarkeit verstand, bevor der Koitus mit Geburt assoziiert wurde, die Frau als Spenderin des Lebens verehrt wurde. Nur Frauen konnten die Art fortpflanzen, und der Anteil des Mannes an diesem Prozess war noch nicht erkannt worden.« (Leonard Cottrell bei Stone ibd.)

Der Urknall im Neolithikum:
Die folgenschwere Erfindung des unheilvollen Patriarchats

Dass es die Entdeckung der Vaterschaft war, die zur Herrschaft der Väter führte, wurde von den (männlichen, meist patriarchalen!) Wissenschaftlern nicht erkannt, verschwiegen oder bestritten.

Die Suche nach Begründungen für die Entstehung des Patriarchats führte zu verschiedenen, jedoch umstrittenen Spekulationen. Bachofen z.B. phantasierte eine höhere Entwicklungsstufe vom Körperlich-Weiblichen zum Geistig-Männlichen. Der Evolutionsbiologe Jared Diamond meinte, der Wechsel zur Landwirtschaft sei die Katastrophe, von der wir uns nie erholt haben und der Geologe James DeMeo sieht die Entstehung des Patriarchats als Folge eines Klimawandels, dem die meisten Wissenschaftler in Ermangelung anderer Ideen folgten.
Für die Entstehung des Patriarchats gibt es Dutzende von Vermutungen, Behauptungen und Theorien. Eine der beliebtesten Thesen ist, es sei die Erfindung des Pfluges, die die Frau als Sammlerin, Ackerbäuerin und Ernährerin der Sippe aus ihrer bisher überlegenen Position durch den pflügenden Mann – mit dem effizientesten aller bis dahin erfundenen Werkzeuge – vertrieben habe. Wäre dem so, hätte man(n) den Pflug zum Symbol von männlicher Kraft, Stärke, Macht und Potenz gemacht und einen Pflug-Kult erfunden, mit dazu gehörigen Pflug-Priestern und Pflug-Opfergaben. Der Mann hätte einen Pflug-Gott geschaffen und die Herrscher hätten sich ›Großer Pflüger‹ genannt und wir würden heute nicht vom Patriarchat, sondern von der Epoche des Pfluges sprechen – doch nichts von alledem geschah. Der irrtümlichen Pflug-Theorie hing auch Ernest Borneman an. Jedoch finden wir den gewaltsamen Übergang vom Matriarchat ins Patriarchat nirgends deutlicher dokumentiert und von keinem Autoren ehrlicher beschrieben als von ihm in seinen Studien zum indoeuropäisierten Antiken Griechenland und zum Römischen Reich. Von ihm lernen wir, was wir von den konservativen Geschichtsschreibern und Griechen begeisterten Autoren nicht hören. Zum Beispiel dass im Griechenland des 7. Jahrhunderts v.u.Zt. »Hesiod dem heiratswilligen jungen Mann empfiehlt: ›Beschaffe dir zuerst einmal ein Haus, eine Frau und einen Ochsen. Kaufe die Frau, heirate sie nicht. Dann kannst du sie dazu bringen den Pflug zu führen, falls nötig‹. Er meint also: Kauf dir eine Sklavin. Wenn sie etwas taugt, kannst du sie immer noch heiraten. Wenn nicht, heirate erst, nachdem du deinen Haushalt mit Hilfe von Sklavenarbeit aufgebaut hast.« (Ernest Borneman ›Das Patriarchat‹ 1975, S. 215) Die Versklavung von Menschen war ein wichtiger Teil bei der Gewinnung von Macht und Reichtum des Patriarchats. Der patriarchale indoeuropäische Mann scheute und verachtete die Arbeit. Nur das Kriegshandwerk, das oft vor allem dem Raub von Frauen, d.h. dem Beschaffen von Arbeits- und Sex-SklavInnen und materieller Beute diente, brachte ihm Ehre, Ruhm und die Verfügbarkeit über Mittel und Menschen, die für ihn arbeiteten und sexuell zur Verfügung zu stehen hatten. (Zur Wichtigkeit von Ruhm und Ehre siehe ›Wer war Menes ?‹) Nach der Entdeckung der Vaterschaft erhielt die Sucht nach Ruhm und Ehre eine zusätzliche Dimension: Ab da beansprucht er auch Ehre und Ruhm für seine sexuelle Leistung beim Zeugungsakt.

Die weltbewegende Entdeckung der biologischen Vaterschaft durch indoeuropäische Rinderzüchter

»Mit der Domestizierung von Tieren und der Entwicklung von Viehzucht wurde die Funktion des Mannes bei der Fortpflanzung erkannt.« (Gerda Lerner ›Die Entstehung des Patriarchats‹ 1991, S. 192). Davon war schon E.O. James überzeugt, er schrieb:
»Mit dem Betreiben von Viehzucht und der Haltung von Schafen und Rindern wurde die Funktion des männlichen Wesens bei der Fortpflanzung der Art deutlicher und wichtiger genommen, als die physiologischen Voraussetzungen der Vaterschaft klarer verstanden und anerkannt wurden.« (James ›Der Kult der Großen Göttin‹ 1959/2003, S. 228)

Da das Thema ›Vaterschaft‹ im Matriarchat völlig irrelevant war, ist die Entdeckung der biologischen Vaterschaft durch die indoeuropäischen Rinderzüchter umso bedeutungsvoller. Erst vor wenigen Tausend Jahren beobachteten sie den Anteil der männlichen Tiere bei der Zeugung. Erklärbar ist dies dadurch, dass »von einem rein biologischen Standpunkt aus die Weibchen des Trupps wichtig sind. Es gibt mehr von ihnen als von den Männchen, weil eben ganz einfach für die Fortpflanzung der Art ein Verhältnis von eins zu eins zwischen Männchen und Weibchen überflüssig ist. Eine ganz schön große Gruppe von Weibchen braucht eben für sich nicht mehr als ein Männchen. Darüber hinaus ist das eine Männchen, das sie wirklich nötig haben, nur für eine sehr kurze Zeitspanne vonnöten und von Nutzen… Jeder Bauer würde die Gültigkeit des biologischen Gesichtspunktes anerkennen. Für ihn sind die Kühe wichtig. Sie sind es, die ihm Kälber werfen, um die Herde zu vergrößern, ihn mit Milch und deren Verarbeitungsprodukten und am Ende noch mit ihrem Fleisch versorgen – wenn auch männliche Tiere für die Fleischversorgung gleichwertig sind. Der Bauer benötigt für einen Stall voller Kühe nur einen Bullen. Und heutzutage, bei Anwendung künstlicher Besamung, brauchen weder er noch seine Kühe überhaupt einen eigenen Bullen (Doris F. Jonas ›Der überschätzte Mann – Die Mär von der männlichen Überlegenheit‹ 1981. S. 20 f. Hvhb. DW)
Ausgewachsene männliche Tiere – ob Hengste oder Stiere –  sind aggressiv und können viel Unruhe in die Herde bringen und sie sind eine Gefahr für die Menschen. Aber gerade die Aggressivität der Stiere, ihre Stärke und Gefährlichkeit und natürlich ihre Zeugungskraft machte sie für die Anführer der Eroberer zu Vorbildern und den Symbolen ihrer Macht. Dass die Gründung des Patriarchats effektiv auf die Entdeckung des Zeugungsanteils des Mannes zurückgeführt werden muss, ersehen wir daraus, dass ab dieser Zeit der Stier verehrt und vergöttlicht wurde; davor gab es keinen ›Stierkult‹. Die Bukranien, die oft als Stierhörner bezeichnet werden, sind Symbole der Gebärmutter, eignen sich also schlecht als männliche Zeichen für Macht und Potenz.

Starker StierDie ehemaligen Rinderzüchter, die sich zu Ägyptens Königen machten, nannten sich ›starker Stier‹.

Links: »Als ›Starker Stier‹, wie sich der ägyptische König später nur mehr bezeichnete, zertrampelt er in dem Bärtigen alle sich ihm widersetzenden Feinde.« (Arne Eggebrecht ›Das Alte Ägypten‹ 1984, S. 415)

Wie kommt es eigentlich, dass die glorifizierten Könige Ägyptens überall so viele Feinde hatten?

Stierkulte im Alten Ägypten »gab es vor allem an drei Orten: in Heliopolis, in Memphis und in Theben. In Heliopolis wurde der Mnevis-Stier als Verkörperung des Gottes Atûm-Re verehrt, in Memphis der Apis-Stier als Verkörperung des Gottes Ptah und in Theben der Buchis-Stier als Verkörperung des Gottes Month. In Darstellungen wird schon früh eine Verbindung dieser Gottheiten zu Stieren festgestellt. Eine Haltung lebender Stiere ist jeweils erst spät nachgewiesen. Unter den Ptolemaiern erlebten diese Kulte ihren Höhepunkt mit Zuchtfarmen und Friedhöfen wie beispielsweise das Serapeion in Sakkara gegenüber von Memphis und das Bucheion in Armant im Süden von Theben.« (Wikipedia) Rinderzüchter waren vermutlich damals, im Gegensatz zu den Fischern und SammlerInnen, die ersten und einzigen Fleischesser. Jagd und Rinderzucht sind in Ägypten seit der ersten Dynastie bekannt. Mit den Rinder züchtenden Eroberern kam auch die Idee der Haremshaltung nach Ägypten. Für den patriarchalen Herrscher ist das Verfügen über eine große Anzahl von Kühen und/oder gefangenen Frauen / Arbeitssklavinnen nützlich und äußerst gewinnbringend. (s. ›Der Harem, Bordell des Königs und Zwangsarbeitslager für Frauen‹)

Das neue Selbstbewusstsein und die Macht veränderten Männer unheilvoll

Die psychologische Seite

Die Seite, die oft außer Acht gelassen wird, ist die Wirkung, welche die Entdeckung des biologischen Anteils des Mannes bei der Zeugung auf die Psyche und das Verhalten von Männern hatte. Nachdem bisher eine ›Vaterschaft‹ unbekannt war, sollten wir die mögliche Reaktion von Männern auf die Entdeckung ihrer biologischen Rolle zu verstehen suchen.
Patriarchale Männer haben im Allgemeinen eine Abneigung gegen jede Art von Intro- und Retrospektion, gegen jede Form von Analyse, sei es der eigenen Biographie, der Erforschung der Urgeschichte oder der gesamten patriarchalen Epoche der Menschheitsgeschichte. Dies konnte in allen patriarchalen Diktaturen, den Politischen und den Religiösen, festgestellt werden. »Für sie ist Forschung eine Sache, die etwas aufdecken könnte, was man lieber im Dunkel beließe… das Streben nach Erkenntnis wird mit Argwohn verfolgt. Sie scheuen sich, ihre patriarchale Sicht einer kritischen Analyse unterziehen zu lassen, besonders wenn diese von Nicht-Historikern kommt.« Gordon Rattray Taylor der Naturwissenschaftler und Autor der Welt-Besteller ›Die biologische Zeitbombe‹ und ›Das Selbstmordprogramm‹ schreibt weiter: »Jeder scheut sich, seine unbewussten Beweggründe bloßstellen zu lassen; man fühlt sich in seinem Seelenfrieden bedroht und macht seinem Unbehagen darüber in einem Angriff gegen den Autor Luft… es erregt das Missfallen der Berufshistoriker, die sich einmütig gegen eine psychologische Geschichtsschreibung wenden. Dem Psychologen dagegen erscheint die Geschichtsdeutung des Historikers unzulänglich. Nicht nur weil dieser die Motive der historischen Persönlichkeiten zu rational sieht und unbewussten Motiven zu wenig Raum lässt, sondern vor allem, weil er die historischen Entwicklungen stets auf irgendwelche Einflüsse zurückführt. Der Historiker erklärt einen geschichtlichen Ablauf damit, dass die hierfür Verantwortlichen unter den Einfluss einer bestimmten Entwicklung geraten seien.« (Taylor ›Kulturgeschichte der Sexualität‹ 1977, S. 11)
Die Erkenntnis der Beteiligung des Mannes am Entstehen von Nachkommen muss für alle, vor allem aber für Männer eine sensationelle Neuigkeit gewesen sein. Sie mag Verblüffung, Erstaunen, Freude, eine noch nie dagewesene Wichtigkeit, ein überhöhtes Selbstbewusstsein, gar Triumph bei ihnen bewirkt haben. Der Verdacht, dass die Frauen den Zusammenhang vielleicht gekannt hatten, sie möglicherweise absichtlich in Unwissenheit gehalten hatten, könnte einige der Männer gekränkt und wütend gemacht haben. Jedenfalls ist klar, die neue Wichtigkeit muss einigen Männern wie ein Alkoholrausch zu Kopf gestiegen sein, und sicher ist, sie entwickelten immer mehr Allmachtsphantasien. Das begann bei den sumerischen Königen und den ägyptischenPharaonen und sickerte bis in die kleinste Einheit, die Familie, in der der ›pater familias‹ das Recht auf Leben und Tod seiner Angehörigen ausübte. Das Streben dieser Männer war/ist Macht, mehr Macht, alleinige Macht, Weltmacht! Hier entstanden Grossmannssucht, exzessiver Machthunger, hemmungslose Profitgier und Grössenwahn, Phänomene, die mit der Zeit zum ›Cäsarenwahn‹ bei Machthabern auswuchs. Doch wie wir heute, nach einigen Tausend Jahren patriarchaler Herrschaft konstatieren müssen, können Männer mit der angemaßten Macht nicht umgehen. Macht korrumpiert und verändert den Menschen. Wenn er nicht fähig und bereit ist, diese positiv einzusetzen, kann sie für alle gefährlich werden. Wie Machtrausch, Überheblichkeitswahn, gepaart mit narzisstischer Geltungssucht, einer Überkompensation von Minderwertigkeitsgefühlen, zu einer unheimlichen Mischung führen können, sehen wir heute bei heutigen Diktatoren und am Terror der Islamisten/Dschihadisten. Es war wohl damals nicht viel anders als heute. Kriegerische Eroberungen bedeuten Gewalt gegen Frauen, Alte und Kinder, Plünderungen, Vergewaltigungen, Folter und führen schliesslich zur Verrohung der kriegsführenden Männer.
Die Anthropologin Elizabeth Fisher sieht eine Auswirkung dieser Verrohung bei Männern darin, dass die Praxis, bei den Tieren Zeugung zu erzwingen, bei den Männern die Vorstellung der Vergewaltigung von Frauen entstehen ließ, dass sie Brutalisierung, Gewalt, sexuelle Dominanz und institutionalisierte Aggression hervorbrachte. (Fisher 1975, zit. von Gerda Lerner ›Die Entstehung des Patriarchats‹ 1991, S. 70)
Wahrscheinlich ist, dass der Mann  aufgrund der Beobachtung seines Anteils bei der Zeugung, die Frau sexuell zu dominieren begann. Die schlimmste und häufigste Form, die Vergewaltigung, ist eines der gängigsten Machtmittel um Frauen zu demütigen und zu brechen. Vergewaltigung ist das häufigste Verbrechen, das am seltensten geahndet wird. Dieses Machmittel steht normalerweise jedem Mann stets zur Verfügung: warum vergewaltigt er? Weil er es kann, weil er die ›Waffe‹ dabei hat, weil ihm jede Gelegenheit dazu recht ist! Gewalt wurde, in der vom Patriarchat erfundenen Ehe, sogar zum ›Recht‹ des Mannes und von den patriarchalen Religionen als erlaubtes Mittel zur Befriedung des Mannes sanktioniert. Der Frau wurde das Gebot des Schweigens auferlegt – man spricht nicht über Gewalt in der eigenen Ehe – und sie hat sie zu ertragen, wie es der Koran ausdrücklich bestimmt. Die Sexualität der Frau wurde unter männliche Kontrolle gestellt. (s. ›Weibliche Sexualität unter männlicher Kontrolle‹)
Die Literaturwissenschaftlerin Marilyn French vermutet »immense Auswirkungen auf das Denken matrizentrischer Gesellschaften… Die Rolle des Mannes bei der Fortpflanzung läßt sich leicht als regulierende und kontrollierende interpretieren: ein ›Lendenschauer‹, der dem Mann ekstatische Lust verschaffte, war alles, was die Fortpflanzung von ihm forderte: die gesamte Last trugen die Frauen. Möglicherweise betrachtete er die Frauen nun nicht mehr als Wesen, die auf wundersame Weise Babies gebaren, sondern als eine Art Mutterboden und Aufnahmegefäß für seinen Samen, der allein neues hervorzubringen in der Lage war.« (›Jenseits der Macht – Frauen, Männer und Moral‹ 1992, S. 102)
Die matriarchalen Kulturen verloren  im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende immer mehr an Bedeutung und Gewicht. Die Frauen wurden entmachtet, diskriminiert und ihre Sexualität kam unter männliche Kontrolle, ihre Herrschaft und Gewalt.

»Herrschaft, d.h. ›Macht über etwas zu haben, impliziert, dass es etwas per se erstrebenswertes ist, etwas zu beherrschen, unabhängig vom praktischen Wert dieser Herrschaft.« (Marilyn French)

Das Patriarchat ist der Scheiterhaufen der matriarchalen Frau

Mary O’Brien sieht den Anfang der Epoche der ›Unterdrückung von Frauen‹ in dem Zeitpunkt, als die physiologische Vaterschaft entdeckt wurde. (zit. von Barbara Drinck)

Einige Männer begannen wohl, den Müttern den Respekt, den sie ihnen bis dahin entgegengebracht hatten, zu verweigern. Ihre bisherige Bescheidenheit und Gleichwertigkeit im sozialen Leben des matriarchalen Clans fanden ein Ende. Sie wurden hochmütig und verstiegen sich allmählich in Hybris, gezeichnet durch Selbstüberschätzung und Realitätsverlust. Ein paar Tausend Jahre später zeigte dies Auswirkungen bei den indoeuropäisierten und patriarchalisierten Griechen, wie sie in der ›Orestie‹ des Aischylos beschrieben wurden. (s. ›Die Domestizierung der Frau im Patriarchat‹)

›Der Mann ist im Grunde das Verlangen Gott zu sein‹  (J.P. Sartre)

»Während das Mutterrecht die Frau als das einzig wichtige Wesen bei der Fortpflanzung des Menschen betrachtete und dem Manne anfangs überhaupt kein Anteil hieran, später nur den des Anstoßgebers zubilligte, stellte das Vaterrecht diesen Glauben auf den Kopf, indem es die Zeugung als das einzig Wichtige, das Austragen und Gebären dagegen nur als Sache der Geduld darstellte, die Frau war der Behälter, in dem das Sperma aufbewahrt wurde, bis es sich zum geburtsreifen Kind entwickelt hatte.« (Borneman ›Das Patriarchat‹ 1975, S. 268) Es dauerte also bis in die Antike Griechenlands bis das Patriarchat seinen Anspruch auf alleinige ›Erzeugungs- und damit Erziehungsgewalt‹ des Vaters durchsetzen konnte. Der überhebliche Indo-Arier Aristoteles behauptete in seiner Zeugungslehre, Väter seien die eigentlichen und alleinigen Urheber des Lebens und der Schöpfung. »Der Mutter schreibt Aristoteles (384-322) lediglich die Lieferung des körperlichen Aufbaustoffes zu. Der Mann ist infolge seiner ›Samkraft‹ der Kreator des Leibes und, was für die Auslegung der Texte Thomas von Aquins (1224-1274) wichtig wird, auch der Seele.« Noch nach dem Ende des römischen Reichs blieb diese Auffassung »als Familienform in Mitteleuropa bestehen und der Hausvater befand sich als Autorität in ihrem Zentrum.« (Barbara Drinck ›Zeugungstheorien und Vaterschaft. Zur Herleitung väterlicher Aufgaben und Rechte aus biologischen Vorstellungen‹) Mit der biblischen Doktrin vom ›Züchtigungsrecht‹ des Vaters und aufgrund der Griechenbegeisterung der patriarchalen Wissenschaft, konnte sich die fatale Anschauung – die dem Mann und Vater eine schmeichelhaft überhöhte Rolle zugestand – im patriarchalisierten Europa tatsächlich während 2000 Jahren halten. »Die Kinder wurden durch ihren Vater brutalisiert; so jedenfalls drückt es der anglikanische Bischof Thomas Barlow im 17. Jahrhundert aus: ›Sicher hat ein Vater durch göttliches und natürliches Recht die gerechte Gewalt… auch Züchtigungen und Peitschenhiebe anzuwenden, um seine Kinder zur Pflicht und zum Gehorsam gegen seine gerechten Befehle… zu veranlassen‹. (Uta Ranke-Heinemann, zit. von Barbara G. Walker ›Göttin ohne Gott – Der Herr des Himmels wird entthront‹ 1999, S. 68)

»Der Vater behielt seine herausragende Position bis in die Zeit der Industrialisierung bei, aber danach verlor er sie langsam. Es wird diskutiert, ob nicht die Industrialisierung und ihre Folgen für die Familie, sondern eher eine naturwissenschaftliche Entdeckung im Jahre 1827, nämlich die Entdeckung der weiblichen Beteiligung an der Zeugung, den Verfall väterlicher Macht bewirkt haben könnte. Dieses historische Ereignis könnte als Entthronung des Hausvaters interpretiert werden… Der letztendliche Beweis der Existenz des weiblichen Ovums durch Karl Ernst von Baer 1827 verwies die aristotelische Zeugungslehre in ihre Grenzen. Danach konnte sich der Vater nicht mehr als Eigentümer seines Kindes behaupten, sondern musste es – spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts auch im juristischen Sinne – mit der Mutter teilen. Sie hingegen erhielt Ende des 19. Jahrhunderts angesichts  ihrer neu entdeckten biologischen Stellung mehr Rechte auf das Kind – mit Unterstützung der Psychoanalyse im 20. Jahrhundert, die ihr zur natürlich-biologischen auch die primäre emotionale Bindung an ihr Kind zusprach.« (Drinck ibd.)

Wie nah sich Religion und Faschismus sind, sehen wir bei Hitler; soll niemand mehr je behaupten, er wäre Atheist gewesen:

Am 22. April 1922 verkündete Hitler lautstark: »Ich sage, mein christliches Gefühl weist mich hin auf meinen Herrn und Heiland als Kämpfer. Er weist mich hin auf den Mann, der einst einsam… diese Juden erkannte und zum Kampf gegen sie aufrief, und der wahrhaftig Gott, nicht der Größte war als Dulder, sondern der Größte als Streiter! In grenzenloser Liebe lese ich als Christ und Mensch die Stelle durch, die verkündet, wie der Herr sich endlich aufraffte und zur Peitsche griff, um die Wucherer… hinauszutreiben aus dem Tempel… « (Zitat aus Sam Harris ›Brief an ein christliches Land‹ 2007, S. 121)

Hitler an der Macht nahm die Brutalisierung durch die väterliche Erziehung, die er selbst erlitten hatte, wieder auf. Er nahm die biblische Weisung, den Sohn zu züchtigen wieder auf und verkündete, seinen Aufruf, der sich nahtlos an den biblischen Spruch anfügt:

›Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend… So kann ich Neues schaffen.‹ (Adolf Hitler)

Indo-Europäer nannten sich stolz: ›Die ersten Väter‹, Patri-archen

Das Patriarchat, die Herr-schaft der Väter, auch jener Männer, die gar keine Väter sind, wie etwa der katholische Klerus, war geboren. Bei den vielgerühmten Griechen sehen wir besonders deutlich, dass der ›patriarchale Verstand‹ sich nicht etwa weiterentwickelt hat, sondern offensichtlich komplett ver-rückt geworden war. »Die ›Orestie‹ führt uns zurück in eine Zeit, in der nach Ansicht von Altertumsforschern wie H.D.F. Kitto und George Thompson eine heftige Auseinandersetzung zwischen den matriarchalischen und patriarchalischen Kulturen tobte. Der Übergang von den Normen der partnerschaftlich orientierten zur dominatorischen Gesellschaft wird in diesem Stück nicht nur vollzogen, sondern auch gerechtfertigt.« (Riane Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft‹ 1989, S. 151) »Die Orestie gehört zu den berühmtesten und am häufigsten aufgeführten Dramen der griechischen Klassik. Während des Prozesses gegen Orest, der des Mordes an seiner Mutter angeklagt ist, verkündet der Gott Apollo, dass Kinder nicht mit ihren Müttern verwandt seien: ›Nicht ist die Mutter eines Kindes Zeugerin‹, sagt er. ›Sie hegt und trägt den eingesäten Samen nur…‹. Apollo fährt fort: ›Und auch beweisen kann ich dir, was ich gesagt; / Denn Vater kann man ohne Mutter werden – da, / Als Zeugin steht die Tochter des Olympiers Zeus, / die niemals eines Mutterschoßes Dunkel barg! / Und dennoch, edler Kind erzeugte nie ein Gott.‹ (Eisler ibd. S. 148)

»Generell  spiegelt sich im Übergang von der Göttin zum Gott die neue Bewertung der Geschlechter wider.« (Marilyn French)

In der ›Trilogie‹ des Aischylos bedient sich Apollo also des ›Frau als Gefäß‹-Arguments, um jegliche physische Ver­wandtschaft zwischen dem Sohn und seiner Mutter zu leugnen. »Da aber erhebt sich jene, der ›alle Würde gebühren, die Erynnis, mit ihrem Fluch: ›O neue Götter!‹ Altes Gesetz, uraltes Recht – Ihr rennt sie nieder, reißt sie fort aus meiner Hand…‹. Erynnis ist, das wusste Aischylos, nicht nur die rächende, sie ist auch die formende Urmacht, und von gleichem mütterlichen Stoff ist die Frau.« (Richard Fester et al. ›Weib und Macht – Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau‹ 1979, S. 31)

›Wie gut, dass Frauen bei uns weniger Rechte haben. Andernfalls wären sie uns überlegen.‹ (Seneca)

Die patriarchale Familie – ein Herrschaftsinstrument

Im Matriarchat gab es keine ›Familie‹ im patriarchalen Sinn; während im Patriarchat Heirat zum Zwang wurde. Durch die Ehe wurden Frauen der Gewalt des Familienoberhauptes unterworfen und isoliert. Sie hatten sich ausschließlich auf den Mann  und auf das Gebären ›seiner‹ Kinder zu konzentrieren; Frauen konnten zum Gebären gezwungen werden, vor allem mussten es Söhne sein. Die Erziehungsautorität ging von der Mutter auf den Vater über und entfremdete die Mütter absichtlich von ihren Kindern. Die Kinder wurden vom Vater vor allem zum Respekt vor ihm erzogen, er erzeugte Furcht vor seiner Autorität und Furcht vor der Strafe. Die Jungen werden dazu erzogen, ihre Schwestern in gleicher Weise zu terrorisieren, sie haben ihnen Gehorsam zu leisten und diese Macht stärkt ihre Überheblichkeit. In der patriarchalen Familie findet die Zivilisierung durch die Mütter und ihre Sozialisierung und Unterweisung zur Gewaltlosigkeit nicht mehr statt. Die Mütter selbst werden gedemütigt und wie Sklavinnen, oder wie in den archaisch hartpatriarchalen Ländern, etwa Afghanistan, Pakistan, Saudi-Arabien, u.a. ›wie Dreck‹ behandelt; sind weniger wert als Tiere. (s. Maria von Welser ›Wo Frauen nichts wert sind. Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen‹ 2014) Aber auch das hinduistische Indien ist hartpatriarchal und extrem frauenfeindlich.

»Es gibt kei­ne Ent­schul­di­gung für pa­tri­ar­cha­li­sche Struk­tu­ren,
die jun­ge Frau­en in den Tod trei­ben.«
(Bet­ti­na We­ber)

»Die Zah­len sind be­stür­zend: Häu­figs­te To­des­ur­sa­che von Mäd­chen und jun­gen Frau­en welt­weit ist der Sui­zid. Der WHO-Be­richt da­zu zeigt un­miss­ver­ständ­lich, dass die weib­li­chen Selbst­tö­tun­gen dort be­son­ders zahl­reich sind, wo ein Frau­en­le­ben nichts wert ist: in Af­gha­nis­tan, Ban­gla­desh, In­di­en, im Irak, in Pa­kis­tan. Die Aus­sicht auf ein un­frei­es, min­der­wer­ti­ges Da­sein er­scheint den Teen­agern so furcht­bar, dass sie lie­ber ster­ben.
Die pa­tri­ar­cha­li­schen Fa­mi­li­en­struk­tu­ren, an de­nen jun­ge Frau­en ver­zwei­feln, exis­tie­ren aber auch in Deutschland und der Schweiz: Un­ter­su­chun­gen an den psych­ia­tri­schen Uni­kli­ni­ken Ba­sel zei­gen, dass sich jun­ge Tür­kin­nen drei­mal mehr als gleich­alt­ri­ge Schwei­ze­rin­nen um­zu­brin­gen ver­su­chen. Der Kul­tur­kon­flikt, in dem sie sich bewegen – das Auf­wach­sen in ei­ner frei­en west­li­chen Ge­sell­schaft, wäh­rend da­heim Brü­der und Vä­ter das Sa­gen ha­ben und sie kon­trol­lie­ren –, lässt sie in so gros­ser Hoff­nungs­lo­sig­keit ver­sin­ken, dass sie kei­nen Aus­weg mehr se­hen.« (http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_26_07_2015/fokus/Wie-die-linke-Politik-die-Frauen-verraet-40110)

 »Die Familie stellt ein grundsätzlich negatives, zerstörendes Instrument dar, das Angst anstelle von Liebe, Abhängigkeit an die Stelle von Selbständigkeit, Rechthaberei an die Stelle von Großzügigkeit, Konsum an die Stelle von Produktion setzte. Es war der größte moralische Verfall in der bisherigen Geschichte der Verwandtschaftsorganisation.« (Ernest Borneman ›Das Patriarchat‹ 1975, S. 123)

Die Erfindung erster männlicher Götter:
Der VATER-Gott ist die logische Konsequenz der patriarchalen Ideologie

Nachdem der männliche Anteil bei der Zeugung von Nachwuchs erkannt war, vergöttlichten die ›ersten Väter‹: die Patri-archen, ihr Spermienejakulat und erschufen den ersten Vater-Gott.

Der Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe Erich Fromm [1900-1980] stellte fest, dass es lange dauerte bis die ersten »Ethnologen und Psychologen sich von den patriarchalischen Vorurteilen frei machen konnten und auf dem Gebiete der individuellen wie der gesellschaftlichen Psychologie zum Problem des Mutterrechts und zu einer vorurteilsfreien Einschätzung der weiblichen Psyche und ihrer Bedeutung für den Mann kamen. Von den Ethnologen seien hier Briffault [1876-1948] und Malinowsky [1884-1942] erwähnt. Von den Psychoanalytikern speziell Georg Groddeck [1866-1934], der wohl als erster eine der wichtigsten Tatsachen auf diesem Gebiet sah: den Neid des Mannes auf die Frau und speziell den ›Gebärneid‹, den Neid auf die ihm versagte Eigenschaft naturaler Produktivität.« (Erich Fromm ›Liebe, Sexualität und Matriarchat‹ 1994, S. 69) Dies zeigt sich drastisch im Fluch der Bibel, dass Frauen unter Schmerzen gebären sollen. Der patriarchale Gott offenbart damit seinen Neid und seine Wut, dass ganz offensichtlich nicht er, sondern die Frau die Spenderin des Lebens ist – dafür soll sie büssen.
Wenig hat sich seit biblischen Zeiten in den Köpfen patriarchaler Männer – und Frauen! –  ob im Privaten, der Politik, der Wissenschaft und schon gar nicht bei den unbelehrbaren Anhängern der monotheistischen Religionen geändert. Noch immer bestimmen Neid und Eifersucht die Sicht auf die damalige Verehrung der Frau als Gebärerin, Schöpferin und Erhalterin des Clans. Noch immer wird nicht anerkannt und zugegeben, was zum Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat führte.

Die Erfindung von VATER-Göttern war der absolute Höhepunkt der Rivalität und des Krieges gegen die Frauen im Kampf um Macht und seine Durchsetzung.

Männliche Priesterkasten setzten der verehrten Großen Göttin; der aufgrund ihrer Schöpfungsfähigkeit vergöttlichten UR-MUTTER – ihre selbst geschaffenen männlichen Rivalen in Form von Vater-Göttern entgegen. Die Schaffung männlicher Götter und männlicher Priesterkasten sollte die Männer den Frauen auf der spirituellen Ebene ebenbürtig und dann sogar überlegen machen. Aber die Rivalitäten unter den Erfindern männlicher Götter, von denen jeder versuchte, den eigenen, höchst ›persönlichen‹ Vater-Gott an die Spitze, an den Ur-Anfang zu hieven und als Schöpfergott darzustellen, führte zu den ersten Kämpfen verschiedener Götter-Anhänger. Deutlich sehen wir das bei Echnaton in Ägypten, der seinen eigenen Vater-Gott Aton (Synonym des indoeuropäischen Ata und des deutschen Aetti!) als einzigen Gott proklamierte. Sein Versuch und jener aller seiner Nachfolger, die einen alleinigen Gott erfanden, führen die Welt bis heute in in eine Katastrophe. Die Erfindung männlicher Götter – besonders der monotheistischen, die keine Göttin mehr neben sich dulden – führte zu den ständigen Kriegen mit ungezählten Opfern. Die meisten Kriege der Welt sind Religionskriege, auch wenn viele Religiöse das bestreiten wollen. In den patriarchalen Vatergott-Religionen steckt der Keim der indoeuropäischen Gewalt, der immer wieder zum Ausbruch kommt.

»Alle Religionen und alle Heiligen Schriften bergen ein Gewaltpotenzial in sich. Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten.« (Dalai Lama)

Patriarchat und patriarchale Religionen

Die umfassende Dominanz des Mannes über die Frau ist von derartiger Wichtigkeit, dass sie zum Mittelpunkt aller patriarchalen Religionen wurde.

Etwa 100 Jahre nachdem Aischylos in Griechenland die Orestie geschrieben hatte, entstand die »endgültige Zusammenfassung der Mythen und Gesetze, die unser abendländisches Bewusstsein so entscheidend beeinflusst haben. Einmal mehr wurde damals in Palästina die biblische Mythologie, auf der bis heute Judaismus, Christentum und Islam basieren, von einer Gruppe jüdischer Priester [Angehörigen der patriarchalen indoeuropäischen Priesterkaste der Leviten, indoeuropäischen Luwiern]… im Sinne der Bibelwissenschaft – kritisch durchgesehen, bereinigt und ergänzt… In den Worten der Kommentatoren zur berühmten Dartmouth-Bibel, war es ihr Ziel, ›die Blaupause eines theokratischen Staates in die Realität umzusetzen‹… Unter dem Strich fassen die Kommentatoren der Dartmouth-Bibel jene letzte Fassung, die uns als Altes Testament überliefert ist, mit den Wort ›Flickwerk‹ (patching process) zusammen. Eine Vielzahl von Widersprüchen und textlichen Inkonsequenzen in der Bibel erklärt sich aus diesem Vorgehen, ›den Eindruck von Einheitlichkeit zu erzeugen‹, zum Trotz. Ein bekanntes Beispiel sind die beiden unterschiedlichen Darstellungen von der Erschaffung des Menschen im ersten Kapitel der Genesis. Dort heißt es zunächst, dass Frau und Mann gleichzeitig von Gott erschaffen wurden. Später finden wir dann die – erheblich ausführlichere – Schilderung, wie Eva, gleichsam als Nachgedanke, aus Adams Rippe erschaffen wurde.« (Riane Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft‹ 1989, S. 160 f.) Die Bibelschreiber erschufen die Frau aus dem Körper eines Mannes aus Rücksicht auf die Eifersucht des Mannes:

»In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst, während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der Begattung beschränkt ist, zur bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der Männerwelt geführt haben.« (O. Keel/S. Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 11)

Die Anthropologin Doris F. Jonas schreibt über den Mythos: »Ein geradezu schlagendes Beispiel für die unbewusste männliche Eifersucht auf die Fähigkeit der Frau, Leben zu geben, ist die biblische Schöpfungsgeschichte, worin einem Mann auf dem Weg über seine Rippe eine Gebärrolle verliehen wird: ›… Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte und brachte es zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist‹ (Genesis 2.22 f.). Da gab es natürlich auch noch den mittelalterlichen Glauben an einen ›Homunculus‹, an ein ›Menschlein‹, das in ganzer, wenn auch winziger Gestalt im männlichen Sperma enthalten sei. Und bei vielen Stämmen – etwa in Australien – behaupten die Männer, dass Schwangerschaft bei ihnen beginne. Sie behaupten dies nicht, weil sie den Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr und Schwangerschaft begriffen hätten (sie verstanden dies sowenig wie den Zusammenhang zwischen Menstruation und Ei-Ausstoß), sondern mit dem Argument, das Leben beginne, wenn ein Geist in den weiblichen Körper eindringe. Bei vielen dieser Stämme ist es der Gatte, der zunächst einmal träumt, ihn habe ein Geist aufgesucht. Wenn nun er ein Kind wünscht, dann erzählt er seiner Frau von diesem Traum; dadurch überführt er nach ihrer Ansicht das Geist-Kind zu ihr. Er macht sie also zum bloßen Brutapparat des Kindes.« (Doris F. Jonas ibd. 1981, S. 86) Ob solche Geschichten im Nahen Osten zur Zeit der Erfindung von der ›jungfräulichen Empfängnis Marias durch den heiligen Geist‹ im Umlauf waren, ist nicht mehr festzustellen, jedoch wahrscheinlich.

 Fatale Folgen der männlichen Machtübernahme:
Das Ende des matriarchalen Friedens und der Beginn der patriarchalen Kriege

»Offensichtlich begleiteten die Horiter die Indo-Arier bei ihrer Wanderung west- und südwärts… Es muss eine enge kulturelle Verbindung zwischen ihnen gegeben haben.« (W.F. Albright ›The Cambridge Ancient History I‹ 1970, I, S. 153)

Der mächtige Stamm der indoeuropäischen Horiter/Hurriter und ihre Verbündeten, die Arier, überfielen sukzessive die unbewaffneten und unbefestigten Siedlungen, erst Alteuropas und dann die matriarchalen Städte und Siedlungen Mesopotamiens, des ›Fruchtbaren Halbmondes‹, Ägypten und das Industal. Die Gefahr von indoeuropäischen Kriegern überfallen zu werden, führte überall zur intensiven Befestigung der Städte.
Patriarchale »Männerbünde (kriegerische Schwurgemeinschaften) waren ein zentrales Merkmal aller alten indoeuropäischen Kulturen« (Kris Kershaw). »Sie hatten eine patriarchalische Gesellschaftsform, lebten in Sippengemeinschaften und die jungen unverheirateten Männer waren in kriegerischen Männerbünden organisiert, denen Ruhm im Kampf als höchstes Gut galt.« (Wikipedia)

»Während es im alten Europa keinerlei Waffendarstellungen gab, waren Dolch und Streitaxt die vorherrschenden Symbole der Kurgan-Völker, die wie alle historisch nachgewiesenen Indoeuropäer die tödliche Macht der geschliffenen Klinge verherrlichten.« (Marija Gimbutas ›First Wave of Eurasian Steppe Pasteralists‹, 1980, S. 281)

Hasserfüllte, fanatisierte Anhänger vaterdominierter politischer Ideologien und Religionen, die sich zusammenrotten und friedliche Länder mit Terror überziehen, sind bis zum heutigen Tag weltweit die gefährlichsten Männer der Welt. Überfälle marodierender Junggesellen kommen in der ständig brutaler werdenden Zeit des Patriarchats, der ›Kriegsspiele‹ und Kriege der Diktatoren, immer häufiger vor. Es gibt einige wenige Beweise von brutaler Gewalt von Menschen gegen Menschen in der späten Altsteinzeit und der frühen Jungsteinzeit. Ein deutscher Ar­chäo­loge fand 1951 in einer Höhle in Bamberg die Über­reste von 38 Personen. Nur ein Skelett stammte von ei­nem Mann. Die übri­gen Opfer waren 9 Frauen, 28 Kinder und Jugendliche zwi­schen ei­nem und vierzehn Jahren, die, nach den zertrümmerten Skeletten zu urteilen, ei­nen grauenvollen Tod gefun­den hatten (Hans-Günter Richardi ›Der große Augenblick in der Archäologie‹ 1977, S. 15). Die Skelette werden auf ein Al­ter von etwa 5000 Jahren ge­schätzt; können also in die Zeit der zweiten indoeuropäischen Erobe­rungswelle (zwischen 3500 – 3000) datiert wer­den. Aus dieser Zeit stammt auch ›Oetzi‹, der berühmte Tote aus dem Eis. Ein ande­rer Fund, der an die Frauenmorde der Indo-Europäer (s. ›Sati‹) erinnert, wurde in der sogenannten Stierhöhle in Mähren entdeckt: »Im Innern der Höhle war ein vornehmer Mann auf einem Streitwa­gen ver­brannt worden, rings um ihn lagen die Skelette von 41 Men­schen. Die mei­sten dieser Geop­fer­ten waren Frauen.« (Richardi ibd. 1977, S. 22) Es gibt gut dokumentierte Funde von unverheilten Schädelverletzungen in der Ofnet-Höhle bei Nördlingen und es gab das Massaker von Talheim (Baden-Württemberg). Hier wurden vor 7000 Jahren 9 Männern, 7 Frauen und 16 Kindern und Jugendlichen der Schädel eingeschlagen. (s. ›Wie der Krieg in der Altsteinzeit erfunden wurde).
Jedoch scheinen dies Ausnahmeerscheinungen gewesen zu sein. Das Patriarchat begann mit den ersten  Invasionen patriarchaler Indo-Europäer, die die ganze damalige Welt überrollten; erst da scheint die Gewalt ausgeartet zu sein. Beispiele in großer Zahl liefert uns das Geschichts- und Schreckensbuch des Patriarchats, die Bibel. Der evangelische Theologe Martin Noth schreibt in seiner ›Geschichte Israels‹, einer historisch-kritischen Forschung zum Alten Testament über die Hirten und Rinderzüchter:

»Je zahlreicher die Herdentiere mit der Zeit wurden, um so interessanter war es für eine Junggesellenbande, die Hirten zu überwältigen und sich der Tiere zu bemächtigen. Noch die Bibel berichtet von dem Zwiespalt zwischen Männerbande und Hirtenkönig. Um das Jahr 1000 v.u.Z. sammelte der junge David ›eine Schar abenteuernder Elemente um sich, mit denen er von allerlei Beutezügen lebte.‹ (Noth ›Geschichte Israels‹ 1956, S.166)

Das waren »unzufriedene und verwegene Gesellen, die irgendeinen Grund hatten, den heimatlichen Verhältnissen zu entweichen, und die, um einen Führer geschart, eine gefährliche Bande bildeten« (Hertzberg 1973, S. 148). »Mit 400 bewaffneten Leuten bedrängt David die Hirten der Herde Nabals und zwingt am Ende Abigail, die Frau Nabals, sich ihm, David, zum Weib zu geben. Der Schutz, den Nabal und seine Männer gegen die David-Bande heranführen konnten, war zu schwach.« (Gerda Weiler ›Der aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine feministische Anthropologie II‹ 1994, S. 282 f.) David hat alle Charakteristiken indoeuropäischer Anführer, die auch das matriarchale Kanaan überfallen und erobert hatten.

Die patriarchale Machtnahme ist die schlimmste und nachhaltigste Katastrophe,
die die Welt seit ihrem Bestehen und bis in die Gegenwart erlebt hat.

Nach der Eroberung Mesopotamiens und Ägyptens überfluteten weitere Invasionen aus dem Norden die gesamte damalige Welt. Die Arier zogen über den Hindukusch nach Indien; Hurriter, Hethiter, Mitanner, Luwier (Leviten) eroberten den Süden, die Kurgan-Völker Osteuropa, die Achäer, und später fielen die Dorer in Griechenland ein. Alle eroberten Länder lebten unter fremder Herrschaft, einer weißen Oberschicht von Despoten und der mit diesen verbündeten ›hellhäutigen‹ arischen Priesterkaste, die die ersten männlichen Götter erfunden hatten. Es war eine entsetzliche Katastrophe, die vor 55oo mit dem ersten Krieg in Hamoukar begann. Und diese Tragödie setzte sich seither fort, wurde nicht kleiner sondern größer und hat heute einen – von patriarchalen Männern geschaffenen – Höhepunkt des Elends erreicht.

»Mit jedem Zuwachs an effektiver Macht brachen sadistische und mörderische Impulse aus dem Unbewussten hervor. Dies ist das Trauma, das die spätere Entwicklung der ›zivilisierten‹ Gesellschaften verzerrt. Und dieses Faktum befleckt die gesamte Menschheitsgeschichte mit Ausbrüchen kollektiven Irrsinns und primitiven Größenwahns, vermengt mit bösartigem Misstrauen, mörderischem Hass und unmenschlichen Gräueltaten.« (Lewis Mumford)

Die bis dahin im Frieden lebende Menschheit wurde erstmals – und kontinuierlich bis heute – mit Gewalt, Krieg, Zerstörung, Ausbeutung, Armut und Versklavung überzogen. Immer raffiniertere Waffen in den Händen kriegslüsterner, machtgeiler, brutaler, gefühlloser und habgieriger Psychopathen dominieren und gefährden heute das Leben auf der ganzen Welt. Im Maghreb, im Irak und Syrien kämpfen und sterben die Menschen, um endlich in Freiheit zu leben. In Ägypten versuchen sie das Joch der Nachfolger der damaligen Eroberer und die von den ÄgyptologInnen frenetisch verherrlichte Pharaonenherrschaft abzuschütteln. Diktatoren, Despoten, Terroristen und religiöse Fanatiker, die nur mit der von Neo-Nazis bis heute ebenso frenetisch verherrlichten Hitler-Diktatur verglichen werden können, beherrschen die freie Welt des Westens. (s. ›5000 Jahre Albtraum Patriarchat‹)

Mit den monotheistischen Vatergöttern begannen nie endende Glaubenskriege

unter den verschiedenen indoeuropäischen Anführern und ihren arischen Priesterkasten und Anhängern. Obwohl uns einige fromme Männer glauben machen wollen, dass es sich bei den aktuellen Göttern der drei monotheistischen Religionen um den gleichen Gott handle. Doch sollten wir uns keinen Sand in die Augen streuen lassen. Jeder Vertreter der heutigen westlichen Götter, ob Jahwe, Gottvater oder Allah, fordert für seinen Gott, der einzig wahre, der einzig richtige zu sein, sie haben zwar Gemeinsamkeiten, aber auch derart auffallende Unterschiede ihrer Charakteristiken, Botschaften, Vorschriften und Forderungen, dass das kein Mensch glauben kann; auch da werden wir ständig belogen. Die Priesterkasten bekriegen sich schon seit ihrer Erfindung sowohl in Ägypten als auch in Sumer und brutale Kämpfe werden bis heute fortgesetzt. Nicht nur kämpfen ›Religiöse‹ ständig gegen die Anhänger anderer Religionen und deren Götter, andauernd schlagen sich auch die ›Brüder‹ des gleichen Vatergottes die Schädel ein. Der im Patriarchat erzeugte Hass ist ungeheuerlich und hat Millionen von Menschenleben in den Religionskriegen gekostet. Das Patriarchat schuf ein Massengrab für Millionen.

»Die Religion erhöht das Risiko von Streit unter den Menschen um ein Vielfaches;

mehr als Stammeskonflikte, Rassismus oder Politik es jemals könnten. Religion ist die einzige Art von Denken, die das Gruppenspezifische dem Gruppenfremden gegenüberstellt und die Unterschiede zwischen den Menschen im Lichte eines ewigen Lohnes versus einer ewigen Strafe betrachtet… Hier nur einige wenige Zwiste aus jüngster Zeit [die auch immer umgekehrt sind]: Israel/Palästina (Juden versus Muslime), der Balkan (christlich-orthodoxe Serben versus katholische Kroaten, christlich-orthodoxe Serben versus muslimische Bosnier und Albaner), Nordirland (Protestanten versus Katholiken), Kaschmir (Muslime versus Hindus), der Sudan (Muslime versus Christen und Animisten), Nigeria (Muslime versus Christen), Äthiopien/Eritrea (Muslime versus Christen), Elfenbeinküste (Muslime versus Christen), Sri Lanka (singhalesische Buddhisten versus tamilische Hindus), Philippinen (Muslime versus Christen) und der Kaukasus (christlich-orthodoxe Russen versus tschetschenische Muslime; muslimische Aserbaidschaner versus katholische und christliche-orthodoxe Armenier). Obwohl die religiösen Spaltungen auf der Welt derart offensichtlich sind, glauben noch immer viele Menschen, dass Religionskriege nur durch mangelnde Bildung, Armut oder politische Streitigkeiten ausgelöst würden. Die meisten Ungläubigen, Liberalen oder Moderaten gehen offenbar davon aus, dass niemand wirklich dazu bereit sei, das eigene Leben oder das Leben anderer wegen seines religiösen Glaubens zu opfern. Aber wer so denkt, der weiß nicht, was es bedeutet sich des Paradieses gewiss zu sein. Folglich kann er sich auch nicht vorstellen, dass sich überhaupt irgendwer des Paradieses gewiss sein kann.« (Sam Harris ›Brief an ein christliches Land‹ 2008, 105 ff.)
Hier wirkt, was wir als Hirnwäsche kennen, die bei den meisten Religiösen in frühester Kindheit beginnt; eine gezielte, bereits auf der Gefühlsebene des Kleinkindes wirkende Indoktrination, vor allem durch die gläubige Mutter, der später nur sehr schwer wieder zu entkommen ist. Deshalb legen alle patriarchalen Religionen größten Wert darauf, dass mit der religiösen Erziehung/Indoktrination so früh wie möglich begonnen wird.
Bei allen unterschiedlichen Geboten und Verboten, bei allen differierenden Botschaften und Dogmen, eines haben alle Religionen gemeinsam, und das ist das tragische an der ganzen patriarchalen Religionsgeschichte:

Die AnhängerInnen der Vater-Götter haben keine Mutter; sie sind bedauernswerte spirituelle Halbwaisen. Weder dürfen sie mütterliche Liebe noch ihren Schutz geniessen. Ihre göttliche Mutter wurde von den Vertretern der Vatergötter diffamiert und gemordet und in Europa wurden sie mit den Hexenmorden verbrannt und endgültig eliminiert. (s. ›Die Entdeckung der biologischen Vaterschaft brachte die Wende:
Das Patriarchat und das bedeutet Gewalt, Krieg und Tod.

Der Vater ist nicht blutsverwandt

Im Patriarchat wird davon ausgegangen, der biologische Vater sei mit dem Kind ›blutsverwandt‹; doch das ist ein Irrtum

Der Beitrag des Vaters ist sein Spermium; das ist kein Blut und die Bezeichnung ›Samen‹ ist irreführend: »Die fachlich falsche Verwendung der Bezeichnung Same oder Samen für die Spermien leitet sich aus der Bibel ab, wobei sie dort nicht den Anspruch erhebt, wissenschaftlich korrekt zu sein, sondern eher verwandtschaftliche Abstammung betonen will, und dies auf eine für damalige Verhältnisse verständliche Weise. Das hebräische Wort für Same wird dort unterschiedslos für Pflanzen, Tiere und den Menschen gebraucht. So empfängt einerseits die Frau den männlichen Samen (Num 5, 28) oder erweckt ihn beim erotischen Spiel (Gen 19, 32 und 34), andererseits wird das Land mit den Samen der Feldfrüchte besät. (Dtn 29, 22; Ez 36, 9) Aus dem alten Ägypten stammt die falsche Vorstellung, dass der männliche Same bereits der Mensch in nuce (›Homunculus‹) sei, der im Mutterleib quasi wie in einer Nährlösung nur noch heranzureifen braucht.
Schließlich steht der Begriff Same auch für die Nachkommenschaft selbst. Wenn die Bibel vom Samen Abrahams spricht, dann sind damit die aus Abraham hervorgegangenen Nachkommen gemeint (Jes 41, 8; Jer 33, 26). All diese Bedeutungen sind hier nicht gemeint. Die Bezeichnungen Samen oder Samenzelle etc. sollten daher nicht mehr für die Spermien oder das Sperma verwendet werden. Neuere Schulbücher sprechen daher auch nicht mehr vom Samenleiter, sondern ausdrücklich vom Spermienleiter… Der Irrtum scheint sich also die gesamte Nomenklatur aller Sprachen zu ziehen.« (Wikipedia ›Spermium‹)

»Die uterine, d.h. aus dem gleichen Schoße hergeleitete Auffassung von Verwandtschaft« konstatiert Richard Fester, »ist die wahrheitsgemäße Fortsetzung des Begriffs aus mutterrechtlicher Zeit. Das Wort ›blutsverwandt‹ reflektiert, recht verstanden, eine einfache biologische Wahrheit: Das Neugeborene wird erst mit der Geburt aus dem mütterlichen Blutkreislauf entlassen. Da es kein Blut vom Vater mitbekommt, galten Kinder desselben Vaters noch in biblischen, also frühgeschichtlichen Zeiten und bei einer Vielzahl von Völkern als nicht untereinander blutsverwandt und waren auch vom – späteren – Inzestverbot nicht betroffen.« (Richard Fester et al. ›Weib und Macht- Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau‹ 1979, S. 31).

Die Vergangenheit ist nicht vorbei. Was blieb, ist die unheilvolle Macht patriarchaler Männer.

s. ›Das Patriarchat- das Produkt männlicher Hybris
s. ›Patriarchale Religionen und Sexualität


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