Der Verlust der Freiheit und des irdischen Glücks im Patriarchat

Aus dem Inhalt:

  • Der Verlust der matriarchalen Clanstruktur und der Mutter-Kind Bindung
  • Der Verlust der Freiheit in sexuellen Beziehungen und die Rolle der Religion in der Beziehung von Mann und Frau
  • Der Verlust der Harmonie und der Gleichberechtigung von Frau und Mann
  • Der Verlust angemessen für die Nachkommen zu sorgen und sie vor Gefahren und Tod zu beschützen
  • Der Verlust des Glücksgefühls Mutter zu sein
  • Der Verlust der Freiheit glücklich und ohne Sucht zu leben
  • Die Suche nach Linderung des Schmerzes und dem ›unbekannten Glück‹ durch Sucht
  • Der Verlust der Beziehung zu sich selbst und zum eigenen Körper
  • Der Verlust der eigenen ›Ehre‹ des Mannes, wenn die Frau die Ehre des Mannes ist
  • Der Verlust der psychischen Gesundheit der Mütter durch patriarchale Unterdrückung und Gehirnwäsche
  • Frauen erwachen und beginnen sich zu wehren

 

 ›Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen‹ (Meret Oppenheim)

 

Der Verlust der matriarchalen Clanstruktur und der Mutter-Kind Bindung

Die Frau und Mutter kam unter die Kuratel des patriarchalen Mannes und das lebenswichtige symbiotische Band zwischen Mutter und Säugling wurde weitestgehend durchtrennt.

Zu Beginn der Patriarchalisierung wurde alles getan, um die mütterlichen Blutsfamilienbande und die Beziehung zwischen den Müttern und ihren Kindern zu zerstören (s. ›Die Entdeckung der Vaterschaft und die katastrophalen Folgen‹, Untertitel: ›Der Vater ist nicht blutsverwandt‹). Die Bande des mütterlichen Blutclans , der lebenslang zusammenblieb und damit Leben, Sicherheit, Geborgenheit und Schutz garantierte, wurde durch das Patriarchat zerstört. Das Patriarchat trennt Mütter und Kinder symbolisch und physisch, auch mit Gewalt; angefangen bei den Kleinkindern (z.B. durch die Initiationsriten der Knabenbeschneidung und die noch grausamere Verstümmelung der Mädchen (›Mädchenverstümmelung – Die Rache patriarchaler Männer‹), bis zum Gebot des Verstoßens ihrer erwachsenen Söhne und Töchter, wenn sie von ihrem Glauben abfallen. AnthropologInnen stellten fest, dass die Bindungen menschlicher Mütter im Gegensatz zu Affenmüttern, weit weniger sicher sind, und dass sie ihre Kinder öfter im Stich lassen. Kindstötung sei bei Menschenmüttern höher als bei jedem anderen Primaten; Mutterliebe sei bei Menschen viel begrenzter.
Eine der schwerwiegendsten, weil nachhaltigsten Schädigungen der matriarchalen Ursprungsfamilie ist die Zerstörung der Mutter-Tochter-Bindung. Im Patriarchat wird die Mutter zur Helfershelferin des politischen Systems und der unterdrückerischen religiösen Moral für Frauen gemacht. Mütter übernehmen die lieblose Aufgabe, die Töchter auf die Ansprüche – der vor allem die Frauen reglementierenden patriarchalen Gesellschaft und jene des zukünftigen Mannes – zu trimmen, ihre Sexualität zu überwachen und unter Kontrolle zu halten; genau so wie sie es einst selbst erlebt und erlitten haben. Damit wird die freie Entfaltung der Persönlichkeit des heranwachsenden Mädchens von Generation zu Generation behindert und weitergegeben. Die Tochter, die sich von ihrer Mutter nicht unterstützt, nicht verstanden, ja ungeliebt und verraten fühlt, wendet sich gekränkt und verletzt, schon in der Pubertät, von der Mutter ab. Diese wird nun als willfährige, angepasste und feige Helferin des Unterdrückungssystems des Patriarchats abgelehnt. In vielen Fällen wird die Mutter sogar als ›Feindin‹ gehasst. Besonders tragisch ist es, wenn Mütter ihre Töchter und Söhne nicht vor sexuellem Missbrauch durch Familienangehörige oder Außenstehende schützen. Oder wenn Mütter durch ihre eigene Kindheit so schwer geschädigt wurden, dass sie ihre eigenen Kinder nicht lieben können. Das Drama, das Alice Miller in ihrer Familie erfuhr, gab sie weiter und machte durch ihre Unfähigkeit zu lieben, ihren eigenen Sohn zum schwer traumatisierten Opfer. (Martin Miller ›Das wahre Drama des begabten Kindes‹ 2013)
Die  patriarchal verordnete (unnatürliche!) Vaterfolge (Patrilinearität), bei der es um die Abstammung vom Vater geht, verlangt, dass die Frau – oft schon als Kind – ihre Sippe verlassen und zu einem Mann, der dem Mädchen von den Vätern zugeteilt wurde, ziehen muss. Das ist das Los der Mädchen in archaisch hartpatriarchalen Religionssystemen wie dem Islam. »Nach dem Urteil des Großmuftis von Saudi- Arabien können Mädchen weiterhin bereits im Alter von zehn Jahren verheiratet werden. Sheikh Abdul-Aziz al-Sheikh wies damit die Befürworter einer Anhebung des Heiratsalters einmal mehr zurecht. In Saudi-Arabien ist die Verheiratung von Kindern nicht gesetzlich verboten, Kleriker und Scharia-Richter verteidigen die Praxis hartnäckig. Menschenrechtsaktivisten hingegen dringen darauf, dass das Mindestalter auf zumindest 16 Jahre gesetzt wird. Sogenannte Kinderheiraten  – sexuelle Gewalt an Minderjährigen – sind in muslimischen Ländern üblich und legitim! In den Händen sexuell hemmungsloser, meist alten Männern und der oft feindlichen Familie des Mannes, ist das Kind schutzlos ausgeliefert (s. z.B. die rücksichtslose Ausnutzung und Tötung von Schwiegertöchtern im Patriarchat Indiens).

Der Verlust der Freiheit in sexuellen Beziehungen und die Rolle der Religion in der Beziehung von Mann und Frau

Wer die Sexualität kontrolliert, hat die Macht

Die Frau wurde zum Feindbild der zölibatären Religionshysteriker und Moralapostel. Ihre Hasstiraden machen deutlich, zu welchen Aggressionen die Verneinung des Körpers und die Unterdrückung der sexuellen Energie führen kann. Wilhelm Reich beschreibt Zweck und Funktion der Religion: »Mit der Einschränkung und Unterdrückung der Geschlechtlichkeit verändert das menschliche Fühlen seine Art, es entsteht die sexualfeindliche Religion, und allmählich baut die herrschende Klasse eine eigene sexualpolitische Organisation auf, die Kirche mit allen ihren Vorläufern, die nichts als die Ausrottung der sexuellen Lust der Menschen und mithin des geringen Glücks auf Erden hat« (Reich ›Massenpsychologie des Faschismus‹, 1934 a, S. 49).
Die Sexualfeindlichkeit im Christentum, speziell in der katholischen Kirche, ist eine Frage von Macht und Herrschaft. »Menschen, denen man die Sexualität nimmt, sind handhabbarer« (Godwin Lämmermann). Offensichtlich sind einige katholische Kleriker über den Frauenhass der Kirchenlehrer nicht im Bilde, so wie der katholische Moraltheologe Bernhard Häring, der zu behaupten wagte: »In keiner Religion oder Weltanschauung ist die Frau so geachtet und geehrt wie im Christentum!« Das sehen manche Frauen anders! (s. ›Das christlich-patriarchale ›Feindbild Frau‹)
Es könnte auch anders sein. Der Anthropologe C.J. Fuller berichtete nach einem Studienjahr im Großen Tempel von Madurai in Südindien (›Gods, Priests and Purity in ›Man 14, 1979, S. 459-476), dass jeder Priester werden kann wenn er verheiratet ist: »Er muss verheiratet sein, weil jeder im Tempel wirkende Priester eine noch lebende Ehefrau haben muss. Kein Priester ohne ein noch lebendes Eheweib kann die höheren Rituale durchführen, sondern bestenfalls niedere… ein Priester, der der  Göttin Minaksi in angemessener Weise huldigen wolle oder solle, Zugang haben müsse zu jener göttlichen Kraft shakti, die in der Göttin und in allen Frauen inkarniert und daher auch als weiblich personifiziert ist. Nur durch sexuellen Verkehr mit seiner Frau kann ein Priester rechtmäßig Zugang zu dieser Kraft gewinnen.« (zit. von Doris F. Jonas ›Der überschätzte Mann – Die Mär von der männlichen Überlegenheit‹ 1981, S. 39 f.)
Shakti, die weibliche Urkraft des Universums, würde dem Katholizismus mehr als nur gut tun, hätte vielen Gläubigen, besonders aber den verachteten Frauen und tausenden von sexueller Gewalt ausgelieferten kleinen Buben und Mädchen viel Leid und Schmerz erspart.

»Die Geschichte des Christentums ist auch eine Geschichte des fortschreitenden Totschweigens und Entmündigens der Frauen. Und wenn diese Entwicklung sich heute im christlichen Abendland nicht mehr fortsetzt, so nicht dank, sondern trotz der Kirche und schon gar nicht in der Kirche.« (Uta Ranke-Heinemann ›Eunuchen für das Himmelreich‹ 1988, S. 133)

Die christliche Kirche ist nicht die Grundlage der Familie

»Tatsächlich war das Christentum bereits in seinen ersten Anfängen gegen die Familie eingestellt. Jesus sagte, dass niemand zu seinem Schüler werden könne, wenn er nicht auf seine eigenen Eltern, auf seine Frau und seine Kinder verzichte und sie ›hasse‹ ( Lukas 14,26)! Und er wies seine Mutter mit den rüden Worten zurecht: ›Weib, was habe ich mit dir zu tun?‹
Die frühe Kirche betonte die Tugenden des Zölibats und die Sündhaftigkeit von Sexualität, Ehe und Geburt. Dem heiligen Hieronymus zufolge ist die Zerstörung der Institution Ehe die erste Pflicht eines Gottesmannes; der heilige Ambrosius vertrat die Meinung, dass die Ehe ein Verbrechen gegen Gott sei… Schließlich erlaubte die Kirche den Priestern zu heiraten und Familien zu haben, aber im 11. Jahrhundert wurde offenbar, dass das Familienleben sowohl ihre Loyalitäten wie auch ihre vererbten Besitztümer von der Kirche weglenkten. Dementsprechend befahl eine Reihe päpstlicher Dekrete, dass verheiratete Priester ihre Ehefrauen auf die Straße setzen, ihre Kinder in die Sklaverei verkaufen und alle Familienmitglieder zugunsten der Kirche enterben sollten.« (Barbara G. Walker ›Göttin ohne Gott – Der Herr des Himmels wird entthront‹ 1988, S. 70 ff. passim)

Die Familie wurde durch die religiöse Diffamierung der Frau systematisch zerstört

Religionen und Regierungen mischen sich massiv in die sexuellen Beziehungen zwischen den Geschlechtern ein. Die Heirat wird zum Muss für Gläubige, die den Segen und die Erlaubnis übergeordneter Instanzen für den Beischlaf benötigen. Die patriarchale Ehe macht die Frau zur Sklavin und Dienerin des Mannes. In muslimischen Ländern werden alleinstehende Erwachsene kaum geduldet. Alle monotheistischen Religionen verpflichten die Frau dem Mann ihren Körper zur freien Benutzung zur Verfügung zu halten, manche zwingen sie auch zum Kindergebären. Die Bedürfnisse  der Frau werden unter jene des Mannes gestellt. Paulus hat mit seinem arroganten Ausspruch, ›die Frau schweige in der Gemeinde‹ ganze, aber intime Bindungen zerstörende Arbeit geleistet. Wenn der Mann Zusammenleben und Sexualität dominiert, hat die Paarbeziehung wenig Chancen friedlich und glücklich zu verlaufen. Viele Frauen lassen sich die Männer HERR-schaft – den Machismus – nicht länger gefallen. Dafür sprechen die von enttäuschten und leidenden Frauen eingereichten Scheidungsraten Bände. Die Ehe ist eine späte patriarchale Erfindung der patriarchalen Priesterkaste, um jedem Mann ein Sex- und Reproduktionsobjekt zur Verfügung zu stellen und die Freiheit der Frau und ihre Sexualität zu kontrollieren und einzuschränken. Das patriarchal verordnete eheliche Gefängnis machte das Zusammenleben von Mann und Frau zu einer von oben verordneten, kontrollierten – und oft genug – erzwungenen Institution mit wenig Chancen auf Glück und Erfolg.

Der Verlust der Harmonie und der Gleichberechtigung von Frau und Mann

Auch die Liebesbeziehungen zwischen Frau und Mann wurden durch das Auseinanderreißen der ursprünglichen Verbindungen und durch die gleichzeitige Entwertung der Frau und die Überhöhung des Mannes auf Kosten der Frau zerstört; das Patriarchat schuf Zwietracht zwischen ihnen (s.›Frauenhass – Der christliche Krieg gegen die Frau‹. »So wie Frauen in früheren Zeiten Familie, Clan und Dorf unterstützten, so unterstützte auch die Großfamilie die Frauen gegen männliche Aggression. Wo es kein soziales Netzwerk (mehr) gibt, sind Frauen immer in Gefahr, von verantwortungslosen oder feindseligen Ehemännern schlecht behandelt zu werden. Tief in ihrem Herzen spüren viele Frauen, dass etwas in unserem System im Argen liegt. Sie sehnen sich danach, ein Stamm zu sein. Sie sehnen sich danach, ihre Kinder in ihrer Nähe zu haben, die Kinder ihrer Kinder in ihrer Entwicklung als fortschreitende Lebensgemeinschaft zu beobachten. Männliche Psychologen bezeichnen solche mütterlichen Gefühle als besitzergreifend, aber aus dem Verhalten der Tiere geht hervor, dass sie natürlicher sind als all die Trennungen und Isolationen, die in unserer Kultur soviel Angst erzeugen.« (Walker ibd. S. 73) Was männliche Psychologen hier von sich gaben und noch immer tun, ist ganz im Dienst des Patriarchats. Die Mutter-Kind-Bindung wird diffamiert und lächerlich gemacht; denn damit können vor allem die Töchter den Männer nicht mehr so einfach zu Diensten gemacht werden. Das Patriarchat hat das Band der mütterlichen Familie zerrissen, die Einheit der Blutsverwandtschaft zerstört. Das damit verlorene Gefühl der Identität, des Urvertrauens, des Eingebundenseins, der Zughörigkeit, der Geborgenheit, des Schutzes und des Aufgehobenseins im Schoss des mütterlichen Clans versuchen patriarchale Religionen zu ersetzen mit dem Versprechen, all diese Bedürfnisse würden weit besser durch die Zugehörigkeit zu einer Vater-Religion abgedeckt und befriedigt.

Der Verlust angemessen für die Nachkommen zu sorgen und sie vor Gefahren und Tod zu beschützen

Man stelle sich vor, wir würden bei einigen Säugetierarten bemerken, dass die Jungen unerwünscht, nach ihrer Geburt von den Eltern abgelehnt, nicht versorgt, genährt, beschützt und für ein selbständiges Leben vorbereitet würden. Die Jungen würden körperlich und seelisch derart vernachlässigt, dass es bei einigen zum Tod führte. Wir würden aufgeschreckt, dieses Verhalten als krank einstufen und mit aufwendigen Forschungsmitteln untersuchen. Zu Recht! So etwas konnte man noch nie bei in Freiheit lebenden Tieren beobachten.
Jedoch ist diese Krankheit bei Menschen weit verbreitet. Zwar wird dieses Verhalten, wenn es bemerkt wird, verurteilt, manchmal bestraft, manchmal die Frage gestellt ›wie konnte das geschehen?‹. Jedoch gibt es kaum ein Nachdenken über die Gründe, die zu dieser weit verbreiteten ›Zivilisationskrankheit‹ führen.
Es beginnt damit, dass es seit den Anfängen des Patriarchats klerikale Männer sind, die über die Frauen, vor allem über ihre Sexualität, ihre Reproduktionsfähigkeit und ihren freien Willen, ob, wann und wie viele Kinder sie haben wollen bestimmen. Frauen leben seither nicht mehr in Freiheit, sie werden gezwungen Kinder in die patriarchale Unfreiheit zu gebären.
Wie gesagt, das Patriarchat tat alles, um Mütter und Kinder zu trennen, körperlich, gefühlsmäßig und örtlich. Jugendliche werden ihren Müttern und Vätern durch den Zwang Militärdienst in Kriegsgebieten zu leisten, entrissen, wo sie zu Mördern oder selbst zu Opfern werden und lebenslänglich unter Posttraumatischen Stress-Syndromen leiden oder daran zugrunde gehen. »Frauen sehnen sich vor allem danach, ihre Söhne nicht in den Krieg ziehen zu lassen, wo sie in Gefahr sind, verstümmelt oder getötet zu werden. Dennoch besitzen einige sexistische Denker sogar die Frechheit, das patriarchale Phänomen des Krieges den Frauen anzulasten. Der abwertende Begriff ›momism‹ (eine neue Wortbildung, die mit ›Mamaismus‹ übersetzt werden kann) wurde von Philip Wylie in seinem Buch ›Generation of Vipers‹ (Generation der Vipern) eingeführt: Er behauptete darin tatsächlich, dass die Hauptursache des Zweiten Weltkrieges in der herzlosen Gier amerikanischer moms (Mütter) gelegen habe, die von ihren Söhnen forderten, für sie zu kämpfen und zu sterben, um ihnen einen luxuriösen Lebensstil zu ›erkämpfen‹.« (Walker ibd. S. 73 f.) Was für eine ungeheure Unterstellung, die zeigt wie weit Frauen- und Mütterhass gehen kann.
Väter, die eine echte, warmherzige, interessierte und verantwortungsvolle Beziehung zu ihren Kindern haben, sind selten. Viele verhalten sich asozial, sind abwesend oder eingespannt in die patriarchalen ›Zwänge‹ des Raubtierkapitalismus, in einen Konkurrenzkampf um Macht, Geld, Ansehen und Erfolg. Trotzdem sind es vor allem Männer, die Erziehungsbücher schreiben, in denen sie den Müttern Ratschläge erteilen, was sie zu tun haben. Natürlich sehen diese Männer, die Probleme, die durch patriarchale Männer geschaffen wurden, nicht. Früh verlassene oder vernachlässigte Kinder leiden überproportional häufig an Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten. Von Ärzten und der Pharma-Industrie kommen die Verschreibungen von Anti-Depressiva für gestresste Mütter, denen die Unterstützung durch die Väter oder der eigenen Familie, von der sie getrennt leben müssen, fehlt. Kinder mit dem sogenannten Zappel-Phillipp-Syndrom ADHS oder Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom werden mit der Abgabe eines gefährlichen Medikamentes, dem Ritalin, behandelt. Wir haben keine Ahnung, welche Spätzeitfolgen die Verabreichung der Droge haben wird. Das ADHS Syndrom ist eine ›Kulturstörung‹ eine Zivilisationskrankheit unserer patriarchalen Zeit. Das Wort sagt eigentlich genau, worum es sich dabei handelt. Das Syndrom geht auf einen Mangel an Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung von Seiten gestresster Eltern, vor allem jener der von der patriarchalen Gesellschaft überforderten Mutter zurück, was zu Lasten des Kindes geht, weil das Defizit von ihm ausgetragen werden muss.

»Es gibt nur wenige oder gar keine Gesellschaftsformen in denen nicht Männer wie Frauen zu denken gelernt hätten, dass Menstruation, Schwangerschaft und Geburt und das folgende Stillen ein Handicap für das Ausfüllen höher eingeschätzter gesellschaftlicher Stellungen sei…
Indem sie die Fähigkeit zum Gebären von Kindern als Handicap ausgaben, das die Frauen unterlegen mache, haben sich die Männer dazu verholfen, sich selber überlegen zu fühlen, just
weil ihnen diese gleiche Fähigkeit abgeht.
« (Doris F. Jonas ›Der überschätzte Mann – Die Mär von der männlichen Überlegenheit‹ 1981, 84, 85)

Der Verlust des Glücksgefühls Mutter zu sein

Unerwünschte Kinder sind oft ungeliebte Kinder. Im Matriarchat bestimmte die Frau selbst über die Anzahl ihrer Kinder, die sie mit drei bis vier Jahren Abstand gebar, was den Kindern die Wohltat einer ungestörten symbiotischen Zeit mit ihren Müttern und Bezugspersonen bot, die für das lebenslange psychische Wohlergehen verantwortlich ist. Die biologischen männlichen Erzeuger waren nebensächlich und meist unbekannt; alle Angehörigen – weibliche und männliche – des Mutterclans kümmerten sich um alle Kinder. Die ökonomische Unabhängigkeit und Sicherheit der Frauen und Kinder wurde durch die mütterliche Sippe garantiert. Dieser Freiheit machte das Patriarchat ein Ende! Ein Beispiel wie die Welt der Mütter und ihrer Kinder im Matriarchat ausgesehen haben dürfte und wie es bei indigenen Völkern heute noch der Fall sein kann, beschreibt die Forscherin Jean Liedloff in ihren ethnologischen Studien ›Auf der Suche nach dem verlorenen Glück‹, die sie aufgrund mehrerer Aufenthalte bei den Yequana-Indianern in Venezuela gemacht hat (s. ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹ 2009, S. 40 f.)
Im Patriarchat verlässt nicht mehr der Mann, wie es noch als Relikt des Matriarchats in der Bibel heißt, Vater und Mutter, sondern die Frau hat dem Mann zu folgen, ist ihm und in vielen Fällen seiner Brutalität ausgeliefert. Die Frau wurde zum Objekt des Mannes, sie war und ist noch oft keine eigenständige Person mehr. Der patriarchale Vater wurde von den patriarchalen Religionen angewiesen nicht nur die Mutter als Erzieherin zu entmündigen, sondern auch ihre Söhne mit Härte und Strenge zu erziehen, bzw. hart zu züchtigen. Der patriarchale Familientyrann begehrt noch immer die volle Aufmerksamkeit, Gehorsam, Respekt und Unterwerfung unter seine Tyrannei – und er erwartet dafür sogar ›Liebe‹. Der Schriftsteller Tilman R. (*1946) wurde regelmäßig von seinem Vater, einem evangelischen Pfarrer, gezüchtigt. Getreu dem alttestamentarischem Motto «Wer seine Rute schonet, der hasset seinen Sohn«, wurde Tilman mit der Reitpeitsche blutig geschlagen und musste unmittelbar danach die Liebe zum Vater bekennen.

Das jüdisch-patriarchale ›Vater unser‹ ist das am weitesten verbreitete Gebet der Christen, noch vor dem Ave Maria. Ihm, dem Gott, dem Mann und Vater, sollte nun – statt der Mutter und dem Kind – alle Aufmerksamkeit zukommen; ihm hat die Frau zu dienen, für ihn hat ihr Körper uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen, ihm müssen Mutter und Kind sich unterwerfen.
Auch der furchtbare, scheinbar unerklärliche ›Plötzliche Kindstod‹ kann auf eine Störung durch die patriarchale Einflussnahme auf die Mutter-Kind-Bindung zurückgeführt werden.(›Die dramatische Trennung des Säuglings von seiner Mutter: Plötzlicher Kindestod: warum?)
Säuglinge werden bereits nach der Geburt in der Klinik von der Mutter getrennt und zu Hause – wie von den Kinderpäpsten angeordnet – in die Einsamkeit eines Kinderzimmers verbannt. Kinder überforderter Mütter landen in Kinderheimen und Pflegefamilien oder in oft religiösen Erziehungsanstalten, wo Hunderttausende Kinder körperlich und seelisch gequält und missbraucht wurden. Dadurch wird in erster Linie die symbiotische Phase vor allem der ersten Monate von Mutter und Kind gestört. Es kam vor, dass Väter das Kinderzimmer verschlossen und den Schlüssel während ihrer Abwesenheit bei sich behielten, damit die Mutter das schreiende Baby nicht trösten oder zur ›Unzeit‹ stillen konnte.
Babys brauchen nicht die ständige Anwesenheit der Mutter, aber sie brauchen ihre bedingungslose Liebe, Zärtlichkeit und Körperwärme, müssen ihren Geruch riechen und ihren Herzschlag spüren können, müssen gehalten und gestreichelt werden, ihre Stimme hören und den Glanz des Glückes in ihren Augen sehen. Mütter die außer Haus arbeiten, können ihre Abwesenheit nachts – mindestens zum Teil – kompensieren, wenn das Kind bei ihr im Bett schläft. Fehlt all das, kann sich das Kind nicht geliebt und  akzeptiert fühlen, entwickelt kaum Urvertrauen und hat im späteren Leben Mühe ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen und liebende Beziehungen und Bindungen einzugehen. Die psychische Gesundheit, die Glücksfähigkeit und die Fähigkeit zur Empathie eines solchen Menschen sind oft schwer beschädigt. Die Entbehrung erzeugt bleibende Traurigkeit und Wut im emotionalen Bereich als stetes Gefühl von Bedürftigkeit und Verlassenheit. Und natürlich wird dieser Schaden vom erwachsenen Menschen wieder weiter gegeben, von Generation zu Generation; eine andauernde und zunehmende Verarmung der Gefühlswelt. Der amerikanische Anthropologe Jules Henry (1904-1969) schreibt in seinem Buch ›Pathways to madness‹ (etwa: Wege in die Verrücktheit / in den Wahnsinn): »Keine andere Kultur hat so viele Entschuldigungen erfunden, eine Mutter von ihrem Kind fernzuhalten.« Die Unfähigkeit glückliche und freiwillige Bindungen einzugehen, bleibt im Erwachsenenteil der Menschen bestehen und erklärt viele Probleme unserer Zeit wie: Lebenslange Eltern-Kind-Störungen, Scheidungen, skandalöser Egoismus, Korruption, Gewalt und Krieg.
Dass sich Wissenschaftler gern an der Verbreitung von Mutter-Kind trennenden Ammenmärchen beteiligen, liest man in einem kurzen Artikel (Migros-Magazin, 23.8.10), mit der Überschrift ›Glücklich im Bett‹. Israelische Wissenschaftler (es könnten auch muslimische oder christliche sein!) sollen untersucht haben, was glücklich macht: nicht etwa das Baby, sondern die Eltern! Alleinschlafende Eltern seien viel zufriedener, als solche, die zusammen mit ihrem Kind im Bett schlafen! Erstaunlich! Auffallend ist doch, wie viele solch scheinbar glücklicher Eltern wegen des nächtlichen Aufstehens, um das hungrige Baby zu füttern und zu beruhigen, über Erschöpfung klagen. Doch seit wann macht Erschöpfung glücklich? Ein hungriges Kind, das am Körper der Mutter schläft, kann von der Mutter selbst noch im Halbschlaf an die Brust genommen werden. Dann kann es friedlich und zufrieden wieder einschlafen. Die Mutter erholt sich durch den gewonnen Schlaf auch körperlich und ist dadurch wohl eher eine glückliche und zufriedene Mutter und Partnerin. Doch der Platz am mütterlichen Körper ist besetzt! – Vom Mann! Wie man sieht, ist es ganz schön raffiniert, wie sich patriarchale Männer den begehrten nächtlichen Platz am Körper der Mutter sichern! Was ihnen ›gut tut‹ und sie im ›Bett glücklich macht‹, begründen sie gerne und immer wieder ›wissenschaftlich‹ ! Doch was dem Mann! gut tut – die Körpernähe zur Mutter – ist für das Baby überlebenswichtig. Das Kind braucht den unmittelbaren Körperkontakt im Idealfall mit der Mutter (oder mit einer anderen liebevollen Betreuungsperson, die auch der Vater sein kann). Es benötigt noch während Monaten die symbiotische körperliche Verbundenheit für seine gesunde Entwicklung und für sein gesichertes Überleben.
Es ist kein Zufall, dass in der sogenannt zivilisierten Welt Frauen an ›Postnatalen Depressionen‹ und ›Postpartalen Bindungsstörungen‹ erkranken. Etwa 10% der Bevölkerung leiden an einer so genannten Gefühlsblindheit, ›Alexithymie‹, einer Persönlichkeitsstörung, die die Menschen unfähig macht zu fühlen; Empathie für sich selbst, andere, auch nicht für ihre Kinder zu empfinden. Wenn Menschen, Frauen und Männer, mit frühkindlichen Deprivationen Eltern werden, sind sie selbst oft wieder unfähig Verantwortung für das Wohl des Kindes zu übernehmen; ihrem Kind die Liebe, Geborgenheit und den Schutz den es benötigt (z.B. den Schutz vor sexuellen Übergriffen oder dem dramatischen Eingriff in die körperliche Integrität durch Beschneidung der Sexualorgane) zu geben.
»Es gibt Hinweise darauf, dass alexithyme Menschen Defizite in der Phase des frühen emotionalen Lernens hinnehmen mussten«, stellte der Arzt für Psychosomatische Medizin Matthias Franz fest, der diese Störung erforschte (s. ›Alexithymie‹ im www). Er zeigt auf, dass es »um die Zuwendung zwischen Mutter und Kind, und zwischen Vater und Kind, die Spiegelung an emotionaler Rückmeldung während der kindlichen Entwicklungsjahre geht – um eine Mangelerfahrung durch zentralwichtige Bezugspersonen. Wir haben einige Studien, die nahe legen, dass die Bindungsqualität, vielleicht auch belastende Bindungserfahrung in der frühen Kindheit, hier bei alexithymen Patienten Belastungen und Defizite überdurchschnittlich häufig bestehen. Es gibt zahlreiche dokumentierte Hinweise darauf, dass emotionales Lernen sich in der ganz tief fühlenden Mutter- beziehungsweise Vater-Kind-Beziehung vermittelt, und durchaus für den Verlauf des weiteren Lebens eine prägende Bedeutung hat« (www. ibd). Der Analytiker Arno Gruen schreibt in seinem Buch ›Der Verlust des Mitgefühls – Über die Politik der Gleichgültigkeit‹ (1997, S.28):

 »Wir haben so viele Mittel und Wege, das Kind in seinem Sein zu zerstören. Gleichzeitig leugnen wir das, indem wir uns an die Pose des Guten und Zivilisierten klammern.«

 

Der Verlust der Freiheit glücklich und ohne Sucht zu leben

Suchtbekämpfung sollte nicht in der Bestrafung der Süchtigen, sondern bei der Bekämpfung der Ursachen des Leidens in der Herkunftsfamilie stattfinden.

Die Welt ist für unerwünschte, ungeliebte oder vernachlässigte Kinder und Jugendliche in unserer ›zivilisierten‹ Gesellschaft meist eine Schreckliche. Sie werden häufig ohne Liebe und ohne jeden Respekt behandelt, emotional oder seelisch vernachlässigt, allein gelassen, gedemütigt, verspottet, geschlagen, misshandelt, körperlich, emotional und sexuell missbraucht. Kein Tier behandelt seine Nachkommen so wie der heutige Mensch und keine Säugetiermutter, die in Freiheit lebt, lässt ihre Säuglinge grundlos lange allein. Keine Tiermutter trennt sich freiwillig oder kampflos von ihrem abhängigen Neugeborenen. Säugende Tiermütter dulden auch keine eifersüchtigen Männchen um sich, die sie von ihren Kindern zu trennen versuchen. Frauen tun das; aus Angst vor Liebesentzug, vor Verlassenwerden, aus Angst vor Einsamkeit, den gefürchteten, wieder aktivierten Gefühlen aus der Kindheit, aus Angst vor finanzieller Not, aus Angst vor Kritik, aus Angst vor Gewalt, manchmal aus Angst von ihrem Partner sexuell genötigt zu werden. »Männlicher Prioritätsanspruch und symbiotische Mutter-Kind-Beziehungen passen nun einmal nicht zusammen«, schreibt Christa Mulack in ihrem Buch ›Der Mutterschaftsbetrug‹ (2006, S. 172).
Ungeliebte Kinder entwickeln oft ein extremes narzisstisches Bedürfnis im Mittelpunkt zu stehen, einen unglaublichen Ehrgeiz intellektuell oder materiell zu brillieren, leider aber auch ein unglaubliches ›Talent‹, sich durch Rechthaberei und Rücksichtslosigkeit unbeliebt zu machen; es sind Anstrengungen, unter denen sie ein Leben lang leiden.
Die gestörte Eltern/Mutter-Kind Beziehung hat nachhaltige Folgen für die nächsten Generationen, denn die Eltern geben das Selbsterlebte weiter, es perpetuiert sich und äußert sich in zerstörerischen Verhalten nach außen oder in selbstzerstörerischem Verhalten, in Sucht und psychosomatischen Erkrankungen.
Der sogenannte Suchtcharakter entsteht im ersten Lebensjahr als Folge einer frühen Deprivation, einer körperlichen oder psychischen Vernachlässigung des Neugeborenen durch seine Mutter, ohne dass das Kind eine ›Ersatzmutter‹ hat.
Das gleichzeitige Empfinden von Alleingelassen werden, Getrenntsein, Absonderung, Einsamkeit, Verlassen sein, Traurigkeit, Angst, Panik, Verzweiflung, Entsetzen, Hoffnungslosigkeit, Langeweile, Leere und unbewusster Sehnsucht nach beruhigender körperlicher Nähe, Geborgenheit und Zugehörigkeit führt zu Spannungen und Aggressivität. Die Folgen sind vielfältig und können zu einer latenten Gewaltbereitschaft und Zerstörungswut oder zu schweren Depressionen bis zum Suizid führen. Der Suizid ist eine Entscheidung, die in den ersten drei Lebensjahren gefällt wird. Heilung suchen solch seelisch Frühgeschädigte dann oft in politischen Gewaltgruppen oder religiösen Sekten. Diese Gruppen geben ihnen scheinbar genau das, was sie in ihrer frühen Kindheit vermisst haben: Das Gefühl zu einer ›Familie‹ einer Gemeinschaft, einer besonderen Gruppe zu gehören, mit ihnen verbunden und vereint zu sein; ein Gefühl von Nähe, Geborgenheit und Wärme, von Wichtigkeit, Wert und Akzeptanz. Es ist der unbewusste Versuch, die frühe Deprivation, die Sehnsucht nach der Mutter, der elterlichen Liebe, die Leere, Traurigkeit, Verzweiflung und Depression zu heilen. Leider geht es den meisten ›Lehrern‹, Meistern, Führern und Gurus, die sich als ›Heiler‹ anbieten, lediglich um narzisstische Machtansprüche, Sex und Geld.
Die Auswirkungen der sozialen Probleme auf unsere Gesellschaft werden nicht im Zusammenhang mit ihren Ursachen gesehen und die Ursachen entsprechend nicht angegangen.

Die philosophische Frage nach ›dem Sinn des Lebens‹ ist Ausdruck von (tödlicher) Langeweile und Unausgefülltheit.

Die Suche nach Linderung des Schmerzes und dem ›unbekannten Glück‹ durch Sucht

Die durch das Patriarchat verursachte Störung der Mutter-Kind/Eltern-Kind-Beziehung hat ein unerträgliches ›Nicht-Gefühl‹ von Leere, Trostlosigkeit, Einsamkeit und Langeweile zur Folge. Philosophen stellen die absurde Frage nach ›dem Sinn des Lebens‹. Eine lebenslange, nicht bewusste Suche nach Befreiung des schrecklichen ›Nicht-Fühlen-Könnens‹ und eine ständige, schmerzliche Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Dazugehören beherrscht die Menschheit. Sehnsucht und Suche führen oft in die Sucht, Worte mit dem gleichen Stamm; sie gehören zusammen.
Es gibt unzählige Arten von Sucht, z.B.: A – Adrenalinkicksucht, Alkoholsucht, Arbeitssucht, B – Berühmtheitssucht (Narzissmus), Beschuldigungssucht, C – Cannabissucht, D – Drogensucht, E – Ess-Brechsucht, Eifersucht, krankhafter Ehrgeiz F – Fetischsucht, G – Geldsucht, Geltungssucht, Gier, Gottessucht (Gotteswahn), H – Habsucht (Habgier, auch Geiz), Herrschsucht, Horrorsucht (Sensations-Sucht), I – Internetsucht, Onlinesucht, J – Jesuswahn, K – Kaufsucht, Konsumsucht, Kontrollsucht L – Leidenssucht, (Masochismus), M – Machtsucht, Magersucht, Masturbationssucht, Medikamentensucht, Muskelmasse-Sucht, N – Narzissmus (Gefallsucht), Nekrophilie,   O – Ordnungssucht, P –Pädosexuelle Sucht, (kriminelle Sucht nach Sex mit Kindern und Inzest), Pornosucht, Putzsucht, Q – Quälsucht (Sadismus), R – Rachsucht, Religionssucht, Ruhmsucht, S – Sammelsucht, Sexsucht, Sexueller Sadismus, Spielsucht, Sportsucht, Streitsucht, T – Tötungssucht (Kriegssucht), V – Verdrängungssucht, Verleugnungssucht, Vernichtungssucht (gegenüber dem anderen Geschlecht, gegen Minderheiten, Menschen anderer Hautfarbe, Religionen, Homosexuellen etc.), Z – Zigarettensucht (Tabaksucht) usw.
Auffallend ist besonders bei Jugendlichen, die Sucht nach dem Adrenalin-Kick, die Sucht nach dem extremen Erleben von Gefahr, von Gewalt und Krieg als Droge und die daraus entstehende Sucht, ohne jedes Mitgefühl, andere seelisch oder körperlich zu verletzen, zu foltern und zu töten.

Der Verlust der Beziehung zu sich selbst und zum eigenen Körper

Sexualität war einst einfach die notwendige Kraft zum Überleben, die völlig natürliche Befriedigung eines menschlichen Bedürfnisses und ein lustvolles Vergnügen, ein erotischer Brauch, eine Spielerei, die als Geschenk der Göttin verstanden wurde. »Berichte über die erotischen Bräuche, die heute [von der patriarchalen Wissenschaft und der Theologie] so schief dargestellt werden, haben die Archäologen in den frühen sumerischen Aufzeichnungen über die heiligen Frauen gefunden. Im [sumerischen] Mythos von Inanna und Enki erscheinen die heiligen erotischen Bräuche als eine der vielen Gaben, die Inanna gewährte, um die Menschen [wohl die Männer!] von Erech zu zivilisieren. Die Himmelskönigin wurde von den heiligen Frauen höchst ehrfürchtig verehrt, und sie standen umgekehrt unter ihrem besonderen Schutz.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war – Die Geschichte der Ur-Religionen unserer Kulturen‹ (1988, S. 218) Noch im bereits patriarchal überlagerten, frühdynastischen Erech hießen die Tempelfrauen ›nu-gig‹, d.h. die ›Reinen‹ oder ›Unbefleckten‹, sie waren keine Tempelprostituierten, als die sie von den Bibelschreibern herabgewürdigt und verleumdet wurden, sondern sogenannt ›Heilige Frauen‹, Priesterinnen der Göttin.
Zum Missfallen der patriarchalen Religionen sind wir nun einmal sexuelle Wesen –  ein Leben lang – auch Priester, Mönche, Bischöfe und Päpste; auch die Nonnen und auch all jene, die dies nicht wahrhaben möchten, obwohl sie ihr Leben der gleichen ›Machart‹, der gleichen Entstehung verdanken. Wir  alle entstanden durch den sexuellen Kontakt zweier Menschen und wurden aus dem Bauch einer Mutter geboren. Die Triebe sind da, auch bei jenen, die versuchen, ihre ›animalische‹ Seite zu kontrollieren, zu dominieren, zu sublimieren; und besonders wenn sie wie Eunuchen leben und glauben damit ihrem Gott einen Gefallen zu tun. Die widernatürliche Unterdrückung der Triebe hat meist verheerende Folgen, besonders bei den bekannten sexuellen und sadistischen Übergriffen auf Kinder.
Im Matriarchat wurde Sexualität von niemandem abgewertet, kontrolliert oder auf ›die Ehe‹, die es im Matriarchat gar nicht gab, eingeschränkt. Sexualität wurde weder verboten noch verteufelt, nicht moralisch oder religiös be- oder verurteilt; aber auch nicht überhöht und verklärt und hatte wohl gerade deshalb nicht die übertriebene und pervertierte Bedeutung wie im Patriarchat. Erwachsene, die als Kinder menschliche Zuwendung, Aufmerksamkeit, Wärme, Liebe und Respekt erfahren, werden weder sexsüchtig noch haben sie perverse z.B. sado-masochistische oder pädosexuelle und pädokriminelle Wünsche, missbrauchen keine Kinder, interessieren sich nicht für Kinderpornographie und vergewaltigen keine Kinder und keine Frauen. Sexuelle Beziehungen wurden von Frauen, Männern und Jugendlichen völlig frei und unbeschwert gelebt, konnten von kürzerer oder längerer Dauer sein und spielten sich bei Erwachsenen oft nur als nächtliche Besuche des Mannes einer exogamen Sippe bei der Frau einer andern Sippe ab. Sie bestimmte Zeit und Dauer und sie gab dem Mann durch Zeichen zu verstehen, falls er nicht mehr willkommen war, z.B. indem sie das Zelt umdrehte oder die Schuhe ›vor die Tür‹ stellte. Die damalige Freiheit und Gleichberechtigung der Frau bezüglich Sexualität und Partnerwahl wird heute, von religiös-patriarchal indoktrinierten Männern – und Frauen! – als moralisch verwerflich und promiskuitiv verurteilt. Die Frau wird abgewertet, interessanterweise wird aber der Haremshalter bewundert! Die Behauptung, die Askese, das sexfreie Leben, (falls dies für normale Menschen überhaupt möglich ist!) bringe den Menschen auf eine ›höhere geistige Stufe‹ ist meistens ein Selbstbetrug. Das haben die Missbrauchsfälle, die durch die Kirchen geschützt wurden, deutlich gezeigt. Die Kirchenmänner – auch die im Vatikan – wissen genau um diese Illusion. Insider wissen auch, dass mehr als die Hälfte der frommen Männer schwul sind und dies in der homophoben Kirche ausleben. Eine einzige Heuchelei.

Der Verlust der eigenen ›Ehre‹ des Mannes, wenn die Frau die Ehre des Mannes ist

Der patriarchale Mann ist ein Machtmensch – ein Macho – und bei den meisten Frauen nicht sonderlich beliebt! Er steht unter dem Zwang, die begehrten Frauen zu erniedrigen, sie zu beherrschen, gefügig zu machen, ihren Willen zu brechen und ihre Sexualität, ihre Leidenschaft, ihre Kraft und Stärke, die seiner Potenz weit überlegen ist, unter seine Kontrolle zu bringen – auch mit Gewalt.
Der patriarchale Mann hat keine eigene Ehre, er sei triebgesteuert und unfähig seinen Sexualtrieb unter Kontrolle zu halten. Um ihn nicht zu reizen, müssen sich Frauen in schwarze Säcke hüllen. Ein Armutszeugnis. Der Mann verzichtet auf sein Menschenrecht, souverän und selbstverantwortlich über sich selbst zu bestimmen und verliert somit seine Würde und Selbstachtung. Unter dem Deckmäntelchen von ›Ehre‹ beschönigt der Despot seinen Machtanspruch, über die Sexualität der Frau zu herrschen wie ein Gott. Es ist eine unglaubliche Hinterlist, die Zuständigkeit für die Ehre des Mannes an die Frau und in erster Linie an ihr sexuelles Verhalten und ihr intaktes Jungfernhäutchen zu delegieren.
›Die Ehre des Mannes liegt zwischen den Beinen der Frau‹ schreibt Hamed Abdel-Samad in seinem 2009 erschienen Buch ›Mein Abschied vom Himmel‹. »Das Wort Ehre war im Prinzip mit der Keuschheit der Frau identisch (S. 152). Die Ehre des Mannes und der gesamten Familie liegt direkt zwischen den Beinen der Frau. An dieser begehrten und zugleich gefürchteten Stelle lauert jene Kraft, vor der jeder Mann große Angst hat: Angst vor der weiblichen Emotion, Leidenschaft und Unberechenbarkeit. Die Klitoris ist eines von vielen Opfern, die eine Frau bringen muss, um diese kindische Angst des Mannes zu besänftigen (S. 86f). Das abgeschnittene Stück Klitoris wird in ein Tuch gewickelt und in den Nil geworfen: ein Brauch, der seit der Pharaonenzeit bekannt ist… Trotzdem glauben viele Ägypter bis heute, die Beschneidung der Frauen sei eine islamische Tradition« (S. 82).

Die Verstümmelung der Sexualorgane der Frau ist nichts anderes als die Folge von Neid auf die sexuelle Überlegenheit der Frau und ihre Potenz, die sie nie verliert – und die Rache des Mannes!

Erfunden und verbreitet wurde diese Rache durch frauenfeindliche patriarchale Priester der indoeuropäischen Invsoren in Alt-Ägypten und breitete sich durch ihre Propaganda epidemisch über die Welt aus: Zum Unglück und zum Schaden der Mädchen und Frauen, die nicht nur mit ungeheuren Schmerzen, oft auch mit dem Tod dafür bezahlen. Aber auch zum Unglück der Männer, die nie eine glückliche Partnerin und nie eine glückliche Sexualität erleben dürfen. Wie sehr Männer den Frauen das Glück des Mutterseins neiden und oft zerstören, wird bezeugt durch schwangere Götter (z.B. Osiris und Ptah in Ägypten) schwangere Pharaonen (s. Echnaton), schwangere Statuetten von Männern (s. z.B. die Afrika-Sammlung im Museum Rietberg in Zürich), medizinische Anstrengungen, den schwangeren Mann möglich zu machen, die ›Couvade‹, bei der sich der Mann nach der Geburt anstelle der Frau ins Kindbett legt, die hysterischen und heuchlerischen ›Lebensschützer‹ usw. (s. ›Von schwangeren Männern und göttlichen Gebärern‹)
Mit verlogenen ›religiösen‹ Begründungen lassen sich Menschen alles einreden, was bigotte alte Männer, die sich einbilden ›göttlich inspiriert‹ oder ›von Gott berufen‹ zu sein, ersonnen haben, um ihren Willen und den Machtanspruch über Frauen, Kinder und Jugendliche, ja über die Welt, durchzusetzen.

Patriarchale Männer machen Frauen und Kindern das Leben unerträglich schwer.

Wir schätzen uns glücklich, in einer westlichen Demokratie zu leben. Doch diese Demokratie ist patriarchal – in der Frauen ausgebeutet werden (z.B. kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit), in der Frauen kaum Zugang zu den Stellen der (Entscheidungs-, Mitsprache- und Interventions-) Macht haben, ob in der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik und schon gar nicht in den Kirchen!

Das Patriarchat hat die matriarchale Demokratie zerstört. Heute leben wir in einer patriarchalen Demokratie für Männer, die jedoch nicht für Frauen und Kinder gilt! Das zeigt sich u.a. in der Not und Verarmung alleinerziehender Mütter und ihrer Kinder, im Verschleudern des Volksvermögens für Waffen und Weltraumfahrten statt in Bildung, Gesundheit und der Bekämpfung von Armut.

 Der Verlust der psychischen Gesundheit der Mütter durch patriarchale Unterdrückung und Gehirnwäsche

Was patriarchal instrumentalisierte, u.a. hirngewaschene, seelisch gebrochene, körperlich missbrauchte, kaputt gemachte Mütter ihren eigenen Kindern antun können:

  • sie schützen sich und ihre Kinder nicht vor psychischer und physischer Gewalt ihrer Männer
  • sie sind selbst lieblos und gewalttätig und missbrauchend
  • sie glauben ihren Kindern nicht, wenn sie klagen, dass sie physisch und psychisch missbraucht werden
  • sie lassen zu und sehen weg wenn Väter oder Partner ihre Kinder seelisch und körperlich missbrauchen
  • sie schonen die Täter, die Missbraucher, die Vergewaltiger, sie zeigen sie nicht an
  • sie verlassen ihre Kinder, lassen sie allein, eines Mannes wegen
  • sie lassen sie in Kriege ziehen, die der Erhaltung der patriarchalen Macht dienen
  • sie verstoßen sie, wenn sie homosexuell sind oder sich von ihrem Glauben abwenden
  • sie lassen sie beschneiden und verstümmeln
  • sie lassen zu und beteiligen sich meist aktiv an der Zwangsverheiratung ihrer Jungen und Mädchen.
    Nicht sie selbst, es sei die Tradition, die das verlange!
  • die gleichen Eltern, die hysterisch auf die Jungfräulichkeit ihrer Töchter bedacht waren, liefern sie mit der Zwangsverheiratung ohne Skrupel der ehelichen Vergewaltigung aus

Frauen erwachen und beginnen sich zu wehren

Frauen sind in jedem Fall die Verlierer, ob sie bei den Machtspielen der Männer mitmachen, gar davon profitieren, oder nicht. Doch allmählich beginnen Frauen sich weltweit gegen die patriarchale Gesetzgebung, die patriarchale Ausbeutung, die moralische Bevormundung durch den Klerus und die Unterdrückung und Ausbeutung durch männliche Angehörige und Fremde zu wehren.

s. auch: ›DIE DOMESTIZIERUNG DER FRAU IM PATRIARCHAT‹
5000 JAHRE PATRIARCHAT – Eine katastrophale Bilanz
EMPÖRT EUCH!

 


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