Frauen – die Erhalterinnen der mütterlichen Blutclans

Aus dem Inhalt:

  • Im Zeichen der Fischgöttin
  • PflanzerInnen und SammlerInnen
  • Das ›Goldene Zeitalter‹
  • Die Fleischesser kamen mit den patriarchalen Rinderzüchtern
  • Der Fisch in der patriarchalen Religion der indo-arischen Priesterkaste
  • Der Fisch, das heilige Symbol der Yoni/Vulva, wurde von allen patriarchalen Religionen übernommen
  • Die Geburt des Mythos vom frühen Fleisch essenden Hominiden

 

 

Im Zeichen der Fischgöttin

image006Fischgöttin von Lepinski Vir (CC by Mazbln)
In Ägypten nannte man sie ›Erste der Fische‹, ›Hat-Mehit‹

Die Erde ist ein Wasserplanet und wir sind Wasserwesen.
Wir kommen aus dem Wasser, siedeln am liebsten am Wasser und ernähren uns aus dem Wasser –
von Anfang an. Alle wirklichen Kulturen, d.h. friedliche, menschliche, zivilisierte Lebensgemeinschaften entstanden am Wasser, an den Uferzonen der Meere, von Süsswasserseen und großen Flüssen: Am Euphrat und Tigris, im Industal und
am Nil – Jahrtausende vor den Sumerern und den Pharaonen.

Der ostafrikanische Graben gilt als Wiege der Menschheit. Bei Koobi Fora befindet sich die Fundstelle des Homo Rudolfensis, der auf ca. 2 Millionen Jahre geschätzt wird und als der älteste Vertreter der Gattung Homo zur Abstammungslinie des Menschen gehört. Der Ernährungswissenschaftler Stephen Cunnane ist überzeugt, dass sich die Vorfahren der Menschen im Laufe der Evolution auf Fischnahrung aus afrikanischen Gewässern spezialisiert haben.
Wie wichtig Wassertiere für die Völker waren, zeigt der Mitte Juni 2013 publizierte Artikel der PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) zur Erforschung der Größe der steinzeitlichen Bevölkerung, die während zehntausenden von Jahren an den südlichen Küsten Afrikas siedelten. Der Biologe Richard Klein (Stanford) und die Anthropologin Teresa Steel (UC Davis) schlossen aus der Größe der verzehrten Muschel- und Schneckenschalen im Hausmüll der Menschen, die dort gesiedelt hatten auf die Größe der Population. Waren die Muscheln groß, wurde auf eine kleine Bevölkerung, waren sie klein, auf eine größere Zahl von Menschen geschlossen, weil man mehr davon benötigte und die Muscheln weniger Jahre Zeit hatten zu wachsen. Über Jahrzehntausende fanden sie signifikant größere Muscheln im Mittelpaläolithikum als jene der späteren Jungsteinzeit, was mit einer höheren Populationsdichte in Verbindung gebracht wird. (PNAS, Online, 17.6.2013)

Die Forschung zeigt uns noch mehr Interessantes: »Aus dem Studium von Koprolithen – fossilen Exkrementen – hat man geschlossen, dass die Nahrung von Gruppen, die vor 200 000 Jahren an der französischen Riviera lebten, hauptsächlich aus Muscheln, Austern und Körnern bestand, nicht aber aus Fleisch.« (Fisher 1979, zit. von Maria Mies ›Gesellschaftliche Ursprünge der geschlechtlichen Arbeitsteilung‹ in ›Frauen die letzte Kolonie‹ 1992, S. 176) Diese Informationen zwingen uns, »das alte Bild vom jagenden Höhlenmenschen, der seine Beute nach Hause zu seiner Frau und seinen Kindern schleppt, zu überprüfen. Denn die fleischliche Nahrung war… eine späte Entwicklung der menschlichen Geschichte und der Jäger kam nach dem den Acker bebauenden Menschen« (Elizabeth Gould Davis ›Am Anfang war die Frau‹ 1987, S. 79, Hvhb. DW). »Seit Urmenschenforscher (Paläoanthropologen) nachweisen konnten, dass unsere frühesten Vorfahren vor vier Millionen Jahren vor allem von Körnern, Früchten und Nüssen leb­ten, scheint klar zu sein: Pflanzen waren des Menschen angestammte Nahrung« (GEO ›Wissen‹ 5.3.90, S. l60). Und noch etwas Wichtiges lernen wir aus der Forschung: die Menschen siedelten, während zehntausenden von Jahren; es waren immer – und das bis heute – nur kleine Gruppen, die auszogen, fremde Gegenden erwanderten, aus Neugier, auf der Suche nach Abenteuern? Wir wissen es nicht. Das Nomadentum kam spät, als Menschen bis in Gegenden vorgedrungen waren, in denen das Klima und der Boden, wie in den Steppen Eurasiens, nur noch Viehzucht zuliessen. Aus diesen Gegenden kamen dann aus den nomadisierenden indoeuropäischen Völkern, raue Gesellen, die vor 5500 Jahren begannen, den Süden zu überfallen und zu erobern. Sie waren das Töten von Tieren gewohnt und hatten damit die Schranken der Gewaltlosigkeit gegenüber Mensch und Tier durchbrochen; die friedfertigen Menschen des Südens waren ihre nächsten Opfer. Wo sie keine Herden mehr züchteten, jagten sie, um an das ihnen gewohnte Fleisch zu kommen. Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung patriarchaler Geschichtenerzähler, war Jagd  im weltweiten Matriarchat der Altsteinzeit völlig unbekannt. Erst aus der Bronzezeit und mit den patriarchalen Invasoren aus dem Norden haben wir Beweise für die Jagd bei der herrschenden ›Elite‹, den Indo-Europäern, in Mesopotamien und Ägypten. Daran ändern alle Spekulationen und Behauptungen nichts! Dies bestätigen die ältesten Dokumente Ägyptens als auch Mesopotamiens, wo Jagen das ausschließliche Vergnügen der Eliten der Eroberer war. Zwar finden wir nirgends ein Jagdverbot für die Bevölkerung; doch das war auch gar nicht nötig, das Volk beteiligte sich nicht am Jagen. (s. Doris Wolf ›Die Mär von den ›Großen Jägern‹ der Steinzeit‹)

Haufen von Fischgräten, Muscheln- und Schneckenschalen im Hausmüll der Steinzeit

Im Gegensatz zu den nomadisierenden Viehzüchtern ergänzten die Menschen in den Siedlungen des Südens ihre pflanzliche Nahrung mit Wassertieren. Fische und Muscheln gehörten zu den wichtigsten Protein-Spendern – seit der Urzeit. Es gibt genügend Hinwei­se dafür, dass sich auch die Menschen in der vordynastischen Zeit Ägyptens fleischlos ernährten. Aus dem Paläolithikum wurden in Ägypten große Massen von Muscheln gefunden (Helck ›Jagd und Wild im Alten Vorderasien‹ 1968, S. 4). Die Untersuchung der Mageninhalte natürlicher, d.h. im Wüstensand vertrockneter prähistorischer Mumien ergab, dass sich die Menschen von Getreide, Wildgemüsen, Wurzeln, Samen, Nüssen, Feigen, süßen Datteln, Milch, Käse, Eiern und Honig ernährten. Meeresalgen (Seetang), Wassertiere und Seerogen (Batarak, ›Kaviar‹) ergänzten den reichhaltigen Speiseplan, der den Bedarf an gesunder und abwechslungsreicher Nahrung vollständig deckte. (s. auch Lexikon der Ägyptologie, LÄ, I, S. 1267 ff. ›Ernährung‹) Herodot und Diodor berichten, dass noch »in der Spätzeit viele Ägypter ganz oder fast ausschließlich von Fisch lebten.« (Gamer-Wallert, LÄ, II, S. 226) Bei den Mumien der christlichen Kopten der wohlhabenden Stadt Antinoe in Mittelägypten aus dem 7. Jahrhundert ergaben die Untersuchungen, dass sie sich vegetarisch ernährten. Eine riesige Auswahl an Fischen und allen Arten von Wassertieren, Muscheln, Austern und Schnecken wurden hauptsächlich aus dem Nil geholt, weniger aus dem Roten- und dem Mittelmeer.

In der demotischen Schöpfungslehre Ägyptens wird dem Menschen ausschließlich vegetabilische Kost zugewiesen.

Von  L a n d – Tieren als Nahrung ist nicht die Rede. Doch wird in der Lehre für Merikare (ca. um 2050) Amun gepriesen, weil er Tiere als menschli­che Nahrung geschaffen habe. Jedoch, »die natürliche Ernährung des Menschen geschieht durch die Erträge des Ackerbaus und des Fischfangs. Die Vorstellung von fleischlicher Nahrung erweist sich als sekundär. Sie ist die Folge der ­Eroberung des Niltals durch die von Vieh­zucht und Jagd leben­den Nomaden. (Walter Beltz ›Die Mythen der Ägypter‹ 1982, S. 70) Diese Nomaden werden in der Lehre für Merikare als ›elende Asiaten‹ bezeichnet. In den Gesängen vom Nil klagt der Erzähler:

Alles Glück ist dahin,
die Welt ist ins Elend gestoßen durch jene,
die sich mästen, die Asiaten, die das Land durchziehen.
Aufruhr ist im Osten entstanden.
Die Asiaten sind nach Ägypten gekommen.

Im Geschichts- und Legendenbuch der indoeuropäischen Eroberer, der Bibel, wird der Mythos übernommen, dort heißt es zuerst: »Siehe, ich gebe euch alles Kraut, das Samen trägt, auf der ganzen Erde, und alle Bäume, an denen samenhaltige Früchte sind; das soll eure Speise sein« (Gen.1,29). Später aber, nach der Sintflut und der Eroberung Kanaans – unter der Führung der Priesterkaste der Leviten – erlaubt Gott den Hirten und Viehzüchtern nicht nur ausdrücklich Pflanzen und Tiere zur Nahrung, absurderweise droht ein wütender Gott den Tieren, die er ja selbst als seine Geschöpfe erschaffen haben soll und gebietet dem Noah, der sie paarweise errettete:

»Furcht und Schrecken vor euch komme über alle Tiere der Erde, über alle Vögel des Himmels, über alles, was auf Erden kriecht, und über alle Fische im Meer: in eure Hand sind sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das Kraut, das grüne, gebe ich euch alles‹ (Genesis 9,2-3).

»Daraus hat schon der Kirchenvater Hieronymus gefolgert, die Fleischnahrung sei bis zur Sintflut unbekannt gewesen und daher als minderwertig zu betrachten.« (Wikipedia ›Vegetarismus‹) Von den ältesten Söhnen Adams und Evas wird erzählt: Der Erstgeborene, Kain, der Ackerbauer und Vegetarier, soll neidisch auf seinen Bruder Abel, den Tierzüchter und Fleischesser, gewesen sein, weil Gott dessen Blutopfer vorzog (Gen. 4,1–24)!

Die Fischfang-Methoden in Ägypten waren zahlreich. »Die einfachste und älteste Fangmethode war das Einsammeln von Wassergetier am Ufer und im flachen Wasser. Dazu waren die Überschwemmungsgebiete des Nils sehr gut geeignet. Vor allem während des Rückgangs der jährlichen Nilflut konnten die Menschen Fische und andere Tiere in zurückbleibenden und langsam austrocknenden Tümpeln fangen. Die Benutzung von Speeren und Harpunen war eine traditionelle Fangmethode, sie wurde häufig in Gräbern dargestellt. Üblicherweise wird der Grabherr gezeigt, der in einem Boot durch das Wasser gestakt wird und nach Fischen speert« (Wikipedia ›Fisch im Alten Ägypten‹).

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Ancient Egyptian paintings (A.H. Gardner), tempera facsimile from N.M. Davies, Oriental Institute of the University of Chicago, nach Brewer und Friedman ›Fish and Fishing in Ancient Egypt‹ 1989)

Angeln und grosse Hand-Netze wurden verwendet und Fische wurden mit ca. vier Meter langen Holzstangen gespeert und  harpuniert.

Fischspeeren Usheret01Fischspeeren mit einer zweispitzigen Harpune in einer Wandmalerei des Grabes des Usheret in Theben, 18. Dynastie, um 1430 v. Chr. (Dietrich Sahrhage ›Fischfang und Fischkult im Alten Ägypten‹ 1998, Wikipedia ›Fisch im Alten Ägypten‹)

Gespeerte Fische Grab desMennaLinks: Darstellung von zwei mit dem Speer gejagten Tilapia-Fischen, Grabkammer des Menna, Wandbild um 1422–1411 v.u.Z.  (Wikimedia CC ›10.000 Meisterwerke der Malerei‹)

»Schriftliche und archäologische Quellen liefern umfangreiche Informationen zu verschiedenen Fischen und anderen Wassertieren sowie zu deren Fang und Verwendung. Wassertiere wurden in der ägyptischen Kunst dargestellt und als Medikament genutzt. Muschelschalen und Schneckengehäuse wurden bearbeitet und als Schmuck oder Werkzeuge verwendet oder im religiösen Kontext eingesetzt. Fischfang war ein eigener Gewerbezweig, mit Wassergetier wurde gehandelt und die Jagd auf Fische und anderes Wassergetier war ein Zeitvertreib der ägyptischen Elite. (Wikipedia ›Fisch im Alten Ägypten‹) In der Bibel lesen wir: »Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst zu essen bekamen« (Num 11,5).

Fisch macht nicht nur satt, er ist auch gesund, denn Fisch besitzt ein besonders leicht verdauliches Eiweiß, was es für den Menschen außerordentlich leicht verwertbar macht und er enthält wertvolle Fette, die für den Menschen besonders wichtig sind, ganz speziell Omega-3-Fettsäuren, die man nicht in Warmblüter-Fleisch findet. Omega-3-Fettsäuren braucht der Mensch für die gesunde Entwicklung seines Gehirns, was vor allem für Mütter während der Schwangerschaft und das Kleinkind von Bedeutung ist. Die Kinder wurden üblicherweise während zwei Jahren gestillt. »Das Fleisch sonnengedörrter Fische war die erste Speise der Kinder nach der Entwöhnung.« (Ingrid Gamer-Wallert, LÄ, II, S. 226)

»Die Geschichte der Evolution lehrt, dass sich das Verhalten einer Spezies an der Überlebensmöglichkeit der Weibchengruppe mit ihren Kindern orientierte. Die am mann-menschlichen Weltbild orientierte Wissenschaft geht davon aus, dass Ackerbau und Vorratswirtschaft den Menschen gezwungen hätten, sesshaft zu werden, was aber der Lebenspraxis der paläolithischen Frauen widerspricht.« (Gerda Weiler)

»In der Umgebung der südafrikanischen Stadt Kathu Pan wurden eine Reihe von prähistorischen Werkzeugen gefunden, die eine Besiedlung des Gebietes seit rund 750’000 Jahren dokumentieren.« Wissenschaftler aus Mosambik entdeckten in einer Höhle Werkzeuge zum Mahlen von Getreide, die 105’000 Jahre alt sind, also weit älter als die bisher ersten gefundenen Belege für Sesshaftigkeit und Ackerbau. Hier siedelten nicht ›nomadisierende Jäger und Sammler‹, sondern Sesshafte, die möglicherweise bereits Getreide anbauten und aus diesem Getreide bereits Speisen zubereiteten. »Bislang nahmen Wissenschaftler an, dass Fleisch und Früchte die Hauptnahrung dieser Jäger und Sammler war und sich die Ernährung erst auf eine kohlenhydrathaltige Kost umstellte, als der Mensch sesshaft wurde und begann, Getreide anzubauen. Die neuen Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Menschen vermutlich schon vor mehr als 100’000 Jahren damit begannen, Getreide zu ernten und daraus Mehl herzustellen.« (Bild der Wissenschaft 18.12.2009, ddp/wissenschaft.de, Hvhb. DW)
Dies widerspricht der steten Behauptung, Sesshaftigkeit sei eine Erscheinung des Neolithikums und der Grund sei der Beginn des Ackerbaus, was auch zum Ende der Jagd geführt hätte. Die ausschließlich von Männern gedachte und interpretierte Urgeschichte unterschätzt die Dauer der Sesshaftigkeit bei weitem und überschätzt die Zeit des Jagens. Patriarchale Männer vergessen meist, dass die Clans – um ihren Bestand zu sichern – Rücksicht auf die Frauen nehmen, die Kinder gebären. Als Sammlerinnen und Fischerinnen sorgten sie auch für den größten Teil der Nahrungsmittel. Sie lebten – und bestimmten mindestens gleichberechtigt – wo und wie man lebte und siedelte. Das war dort, wo ihre Grundbedürfnisse erfüllt wurden und es für sie angenehm war; warum sollten Mütter ohne Not nomadisierend mit jagenden Männern herumziehen?

»Schon die ersten Funde menschlichen Gemeinschaftslebens zeugen von der zentralen Rolle der Frauen im Evolutionsprozess. Nicht die Jagd, sondern das Auffinden, die Zubereitung und das Aufteilen der pflanzlichen Nahrung bilden die materielle Grundlage unserer menschlichen Kultur. Der entscheidende Schritt vom Tierreich zur menschlichen Gemeinschaft ist eine kulturelle Leistung der Frauen.« (Annette Kuhn, aus dem Vorwort ›Die Chronik der Frauen‹ 1992)

Die Frau als Gebärerin und Ernährerin der Nachkommen wurde geehrt. »Im Weiblichen verbindet sich immer und bis in die Moderne hinein der Gefäßcharakter, ursprünglich der Höhle, später des Hauses, und das Innen-Sein, das im Haus geborgen, geschützt und gewärmt sein mit dem ursprünglichen Geborgensein im Mutterleib.« (Erich Neumann ›Die Große Mutter‹ 1974, S. 138)
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Links: Weibliches Gefäß aus Neuchâtel, ›Civilisation de Cortaillod‹, um 3800, Laténium Hauterive, Schweiz) Rechts: Weibliche Brüste aus Lehm mit weißen Punkten, welche die Milch symbolisieren. (Ludwigshafen Seehalde, ebenfalls um 3800)

PflanzerInnen und SammlerInnen

Frauen waren die frühen Sammlerinnen von Nahrung, in den Feldern und den Ufergewässern der Seen und Flüsse, »dann waren sie es, die den Gartenbau entwickelten«. Dies sei eine allgemein anerkannte Tatsache, schreibt die Historikerin Gerda Lerner (›Die Entstehung des Patriarchats‹ 1991, S. 75). »Die meisten Hinweise auf die Gleichstellung der Frau finden sich in matrilinearen, matrilokalen Gesellschaften« das heißt in der Zeit des Matriarchats und »es sind die Gartenbau betreibenden Gesellschaften, in denen Frauen sehr häufig eine dominante Rolle innehaben oder im ökonomischen Bereich großen Einfluss ausüben« (ibd. S. 51).

Frau beim traditionellen Ackerbau mit dem Grabstock im Sudan (CC USAID)

»Die Frau machte die größte wirtschaftliche Entdeckung – die Freigebigkeit des Bodens… Wir werden niemals entdecken, wann die Menschen zum ersten Mal die Funktion des Samens bemerkten, ihn sammelten und säten. Solche Anfänge sind die Geheimnisse der Geschichte; wir dürfen glauben und raten, können es aber nicht wissen.« (Will Durant ›Kulturgeschichte der Menschheit – Der alte Orient und Indien‹ 1935, S. 25 f.)

Dass Frauen bereits zu Beginn der letzten Kaltzeit unter anderem auch Getreide sammelten, bemerkten Wissenschaftler in Mosambik. Hier haben sie in einer Höhle Werkzeuge zum Mahlen von Getreide entdeckt, die 105’000 Jahre alt sind, also viele Jahrzehntausende älter als die bisher gefundenen ›ersten‹ Belege für Sesshaftigkeit und Ackerbau. Es waren nicht ›nomadisierende Jäger und Sammler‹, sondern sesshafte Sammlerinnen, Frauen, die damals bereits Speisen aus Getreide zubereiteten. »Bislang nahmen Wissenschaftler an, dass Fleisch und Früchte die Hauptnahrung dieser Jäger und Sammler waren und sich die Ernährung erst auf eine kohlenhydrathaltige Kost umstellte, als der Mensch sesshaft wurde und begann, Getreide anzubauen. Die neuen Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Menschen vermutlich schon vor mehr als 100’000 Jahren damit begannen, Getreide zu ernten und daraus Mehl herzustellen.« (Bild der Wissenschaft 18.12.2009, ddp/wissenschaft.de, Hvhb. DW)
Es ist effektiv höchst zweifelhaft, dass Sesshaftigkeit und das bewusste und zielgerichtete Pflanzen von Getreide und Gemüse erst mit der sogenannten Neolithischen Revolution aufkam. »In Oberägypten fand man Mahlsteine, die nach C-14-Untersuchungen fünfzehn- bis sechzehntausend Jahre alt, also jungpaläolithisch sind.« (H. Grünert, ›Geschichte der Urgesellschaft‹ 1982, S.179) »Aus Israel und Jordanien sind schon fast ein Dutzend dörflicher Ansiedlungen aus der Altsteinzeit bekannt (H.P. Uerpmann 1983, S. 412, zit. von Weiler ibd. 1994 S. 246 f.) Allerding brachte die langsame Umstellung auf den Getreidebau auch gesundheitliche Schäden, die man davor nicht kannte. »Skelette weisen Zahnschäden auf, die vorwiegend auf die Ernährung mit Körnern zurückzuführen sind: ›Von Karies zerfressene Zähne bestätigen, dass Grütze die Hauptnahrung war.‹ (Jost Herbig ›Nahrung für die Götter – Die kulturelle Neuerschaffung der Welt durch den Menschen‹ 1988, S. 167)

Das ›Goldene Zeitalter‹

»Unter der Göttin war eine besondere Schuld mit der körperlichen Verlet­zung ir­gendei­nes lebenden Wesens verbunden, ganz gleich ob Mensch oder Tier.« (Johann Jakob Bachofen ›Das Mutterrecht‹)

»In den Sagen vom ›Goldenen Zeitalter‹ wurde erzählt, wie in den frühesten und glücklichsten Tagen des Menschengeschlechtes, als die Menschen mit den Göttern und der Natur noch in friedlicher Eintracht lebten, und als die harte Mühsal der täglichen Arbeit noch nicht begonnen hatte, tierische Nahrung unbekannt war, und wie die freigebige Erde durch ihren natürlichen Ertrag dem Menschen alles gewährte, dessen er bedurfte.« Dies schreibt der schottische Alttestamentler und Orientalist Robertson Smith und er fügt an, dass diese Vorstellung vom ›Goldenen Zeitalter‹ »nicht eine rein abstrakte Spekulation ohne jede in der Überlieferung gegebene Grundlage« sei. (Smith Die Religion der Semiten‹ 1899, S. 230) Smith stellt fest, dass ein »ursprünglicher Vegetarismus« ein charakteristisches Merkmal der frühesten Zeit war, und diese Anschauung könne nur zu einer Zeit entstanden sein, als das Gefühl eines religiösen Bedenkens gegen das Schlachten und den Fleischgenuss noch wirksam war. Im Volk bleibt das Ursprüngliche erhalten, selbst als in den jüngeren und künstlich geschaffenen Geboten der indoeuropäischen Priesterkaste neue Denkweisen auftauchten. Laut Porphyrius (›De abstinentia IV‹, S. 6ff.) waren aber die Priester – die die Priesterinnen mit der Zeit aus Amt und Würde vertrieben hatten – noch immer »verpflichtet, eine streng vegetarische Lebensweise einzuhalten, solange sie persönlich kultische Dienste zu verrichten hatten« (Smith S. 231, vergl. Bernays, Theophrastos’ Schrift über Frömmigkeit, 1866). »Bei den Griechen und Semiten muss die Vorstellung vom Goldenen Zeitalter, dass die Lebensweise des Menschen in diesem Zeitalter eine vegetarische war, volkstümlichen und nicht priesterlichen Ursprungs sein« (Smith ibd S. 232).

Das Gebot der Gewaltlosigkeit gegenüber Menschen und Säugetieren

Das Gebot ist charakteristisch für die friedlichen matriarchalen Kulturen. Die neolithische Bevölkerung – das zeigt sich im Alten Ägypten und in Indien deutlich – ernährte sich bis zur Invasion der indoeuropäischen Rinderzüchter fleischlos (s. D. Wolf 2009, S. 59). Mircea Eliade betont, dass die arischen Eroberer Indiens Fleischesser waren und Tieropfer darbrachten (Eliade/Couliano ›Handbuch der Religionen‹ 1991, S. 290). Gould Da­vis weist darauf hin, dass das Töten und der Verzehr von Tieren durch den Men­schen eine Erscheinung jüngeren Da­tums sei. In Griechenland berichten sowohl Lukretius wie Platon, »dass sich der Mensch in frühen Zeiten von Wurzeln, Bee­ren, Ei­cheln, Getreide und Früchten ernährte und Por­phyrios sagt, dass unse­re Vorfahren nur Früchte und Gemüse opferten« (Elizabeth Gould Davis ›Am Anfang war die Frau‹ 1987, S. 141).

Die Fleischesser kamen mit den patriarchalen Rinderzüchtern 

In den nördlichen Steppen wechseln sich Trockenzeit und Regenzeit ab. »Wo die Wasserverhältnisse nur eine extensive Landwirtschaft zulassen, dominiert die Viehhaltung. Nutztiere sind z. B. Büffel, Rind, Pferd, Schaf, Ziege, Kamel und Yak. Zudem ist in der Steppe Eurasiens traditionell eine nomadische Viehzucht verbreitet.« (Wikipedia ›Steppe‹)
Kulturgeschichtlich sind »Viehzüchter Gesellschaften sekundäre Gesellschaften. Sie können erst nach den Ackerbaugesellschaften entstanden sein und sind vermutlich aus diesen, welche zuerst Haustiere domestizierten, hervorgegangen. Das widerspricht der landläufigen Auffassung von der Entstehung der Viehzüchter aus dem Jägertum der Altsteinzeit – sie beruht auf dem Vorurteil einer unabhängigen ›Männerherrlichkeit‹ sowohl der Jäger wie der Nomaden. Beides ist, nur aus unterschiedlichen Gründen, falsch. Denn die Jäger waren abhängig von der Sammeltätigkeit der Frauen innerhalb der eigenen Gesellschaft und die Gesellschaft der Viehzüchter war abhängig von einer anderen Gesellschaft, nämlich der Ackerbaugesellschaft«. (Heide Göttner-Abendroth ›Das Matriarchat II.2 – Stammesgesellschaften in Amerika, Indien, Afrika‹ 2000, S. 254) »Die matriarchale Ackerbaugesellschaft war geschichtlich erheblich früher als die viehzüchterische Nomadengesellschaft… Sie stellt keine eigene Kulturepoche dar. Viehzüchter-Gesellschaften entstanden in solchen Gebieten, die keinen Ackerbau mehr, aber noch Weidewirtschaft erlauben. Aus diesen Gründen waren die Viehzüchter-Gesellschaften anfangs matriarchal. Etliche von ihnen wurden später patriarchal und zwar unter dem Einfluß der geschichtlich spät entstandenen patriarchalen Herrschaftsgesellschaften (ab 3000 – 2000) … Noch heute gibt es etliche matriarchale Viehzüchter-Gesellschaften, z.B. die Goajiro (Südamerika), die Bedja- und Nuba-Stämme (Ostafrika), die Tuareg-Stämme (Nordafrika). Akkumulation von Gütern, auch als Herdenbesitz, ist bei matriarchalen Viehzüchter-Gesellschaften im Gegensatz zu patriarchalen Viehzüchter-Gesellschaften kein Wert, sondern gegenseitige Unterstützung. Das zeigt, dass Viehzucht allein nicht schon zu Patriarchat führt«. (Göttner-Abendroth ibd. 2000, S. 275 f.)
Der markante und nachhaltige Umbruch in der Ernährungsweise verbreitete sich mit den Eroberungen der Rinder züchtenden Indo-Europäer aus den eurasischen Steppen. Eine Veränderung der Ernährung wurde auch auf den britischen Inseln beobachtet. Archäologie-online vom 14.02.2014 berichtet: »Die Bevölkerung der britischen Inseln änderte im Neolithikum rapide ihre Ernährungsgewohnheiten. In einer groß angelegten Studie haben Archäologen und Chemiker der Universitäten von Bristol und Cardiff die Ernährungsgewohnheiten auf den britischen Inseln von der Steinzeit bis ins Mittelalter untersucht. Die Studie zeigt, dass die Ernährung mit dem Aufkommen der Viehzucht sehr rasch und radikal auf Milch- und Fleischprodukte umgestellt wurde. Der zuvor bevorzugt verzehrte Fisch wurde erst im Mittelalter wieder ein wichtiger Bestandteil des täglichen Speiseplans… Für die Wissenschaftler ist dies ein deutliches Indiz, dass der Ackerbau auf den britischen Inseln von erfahrenen Einwanderern getragen wurde und nicht nur als Idee ›eingewandert‹ ist.« Diese Einwanderer waren Viehzüchter, wahrscheinlich die frühesten eingewanderten Indo-Europäer aus den südrussischen Steppen Eurasiens. Die frühen Briten waren keine Indo-Europäer und keine Viehzüchter; sie waren FischerInnen, SammlerInnen und vermutlich auch PflanzerInnen, aber sicher keine Jäger. Obwohl kein seriöser Paläontologe von Jagd spricht, ist der Ausdruck ›Jäger und Sammler‹ derart in den Hirnen der patriarchalen Wissenschaftler verankert, dass sie den Widerspruch nicht erkennen, wo sie weiter schreiben, die »ursprünglich als Jäger & Sammler lebende Bevölkerung hat sehr rasch den neuen Speiseplan [der viehzüchtenden Einwanderer] übernommen… Im Knochenmark der Jäger und Sammler-Populationen wurden die eindeutigen Marker für eine Ernährung mit Fisch und Meeresfrüchten erwartungsgemäß entdeckt«. Würde man bei Jägern und Sammlern nicht eher eindeutige Marker für eine Ernährung mit Fleisch erwarten? (https://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/burger-statt-fisch-29247, Hvhb. DW)

Der Fisch in der patriarchalen Religion der indo-arischen Priesterkaste

Die in Ägypten einfallenden Rinderzüchter aus den eurasischen Steppen waren Fleischesser und ihre Priesterkaste hatte eine deutlich ambivalente Einstellung zum Fisch. Der Aberglaube hielt Einzug: »Die Überlieferung zeichnet von der religiösen Bedeutung der Fische im alten Ägypten ein recht widersprüchliches Bild«, schreibt die Ägyptologin Ingrid Gamer-Wallert, die sich mit einer Arbeit über Fische habilitierte. »Einerseits bezeugt sie deren göttliche Verehrung, anderseits wird von den ›Frevlerfischen‹ gesprochen, verabscheuungswürdigen Tieren, die keinesfalls gegessen werden dürfen.« (LÄ, II, S. 228). Verständlich! Fische sind Vulva-Symbole und waren heilige Tiere der urzeitlichen Religion der Göttin. Das ist der Grund, warum sie von Gruppen der verschiedenen patriarchalen Eroberer als ›unrein‹ und Ekel verfemt wurden. »In den klassischen Schreibungen des Altreichs ist ein Fisch das Wortzeichen für ›Abscheu‹ im Sinne von Unreinheit. Wer solchen ›Abscheu‹ gegessen hat, soll den Kultraum eines Grabes nicht betreten« (Hermann Kees ›Der Götterglaube im Alten Ägypten‹ 1987, S. 63). Erklärt wurde dieser Abscheu damit, dass in einer der Osiris-Sagen ein Fisch den Phallus des Osiris verschlungen haben soll. Eine unmissverständliche Symbolik. Edfu ist das Zentrum des Hasses gegen Fische, die ›Götterfeinde‹ der Invasoren. Beim Fest von Behedet wurden Fische von Priestern johlend zertrampelt. In Esna verbrannte man regelmäßig Fische am ersten Tag des Monats Payni. Priester durften vielerorts vor Zeremonien keine Fische essen. Im Neuen Reich gab es sogar kalendarische Listen mit solchen Speiseverboten. Somit ist anzunehmen, dass Fische Priester für bestimmte Handlungen unrein machten. Der aus Nubien stammende Pharao Pije (25. Dynastie) hatte anscheinend eine ganz persönliche Aversion gegen Fische, da er sie von seinem Königshof verbannte und mit ägyptischen Fürsten nicht verkehren wollte, die unbeschnitten [!] und Fischesser waren (s. Wikipedia ›Fisch im Alten Ägypten‹).
Das rituelle Zertrampeln von Fischen stehe auf »derselben Stufe mit der Harpunierung und Zerstückelung des Nilpferdes und der feierlichen Speerung der harmlosen Nilschildkröte«, schreibt Hermann Kees (ibd. 1987, S. 64). Es erstaunt nicht, dass aufgrund der Vulva-Symbolik des Fisches im dynastischen Ägypten »außer einer Göttin Hat-Mehit, ›die an der Spitze der Fische‹, keine Gottheiten in Fischgestalt« existieren (Hornung ›Der eine und die Vielen‹ 1983, S. 70). Bei Barbara Walker finden wir jedoch zahlreiche Hinweise für die Verehrung einer Fischgöttin: Im Griechischen waren Fisch und weiblicher Schoß Synonyme. Beide hießen Delphos. »Die Fisch-Göttin Aphrodite Salacia schenkte Wollust, wenn an ihrem heiligen Tag, dem Freitag, orgienartige Fischessen veranstaltet wurden. Die katholische Kirche übernahm den heidnischen Brauch, an diesem Tag Fisch zu essen, und stellte ihn als heiliges Fasten dar. Diese Umdeutung war jedoch ziemlich durchsichtig. Im Lateinischen hieß der Freitag dies veneris, der Tag der Venus oder des Liebens, bei den alten Germanen war es der Tag Freyas. Die Vorstellung vom Fisch als ›Aphrodisiakum‹ ist auch heute noch weit verbreitet« (Robert Briffault zit. von Barbara Walker ›Das Geheime Wissen der Frauen‹ 1993, S. 259)

Der Fisch, das heilige Symbol der Yoni/Vulva, wurde von allen patriarchalen Religionen übernommen

Maria mit Jesuskind

Die Christen vereinnahmten den Fisch als Element der Eucharistie; können sich aber weder Herkunft noch Entstehung erklären. Christus wurde zuweilen in einer Vesica Pisces, einer Fischform abgebildet, der alten Symbolik der Vulva der Großen Göttin, die als Symbol für Jesus usurpiert wurde.

Links: Maria mit Jesuskind (Carlo Crivelli, Nationalgalerie London)

Der Fisch und seine verkürzte Form, der Fischschwanz, gilt auch als Symbol der ursprünglichen Wassergöttin, die aus dem Chaos auftauchte und die Welt erschuf. Darauf ist ein alter Name Ägyptens zurückzuführen: ›Ta-Mera‹, das Land des Wassers und der (Nil-) Überschwemmung. Der Mutter-Buchstabe M (Ma) war ein Ideogramm für die Wellen des Wassers. (Barbara Walker ›Das Geheime Wissen der Frauen‹ 1993, S. 1154). In ihrem Aspekt als Liebesgöttin wurde die Urmutter mit Fisch, Muscheln und Meerwasser assoziiert, oftmals erschien sie als Meerjungfrau mit einem oder selbst zwei Fischschwänzen (Walker ›Die geheimen Symbole der Frauen‹ 1997, S. 21)

Fischschwanzförmige Kult-Gegenstände werden im Offiziellen Katalog des Museums von Kairo (1986image002, Abb. 5) als ›Speerspitze‹ und ›Dolch‹ bezeichnet. Das absurde Deuten sakraler Kunstobjekte als Waffen sehen wir beim sogenannten Dolch geradezu beispielhaft: Zum einen: Hat man je einen fischschschwanzförmigen ›Dolch‹ gesehen? Zum andern: Die drei weiblichen Figuren, die auf dem vergoldeten Griff eingraviert sind, werden ›Tänzerinnen‹ genannt. Ist es nicht absurd, sich einen Dolch vorzustellen, der mit Tänzerinnen dekoriert ist? Diese drei Figuren auf dem sakralen Gegenstand dürften die Göttinnen-Trinität ›Ta-Meras‹ symbolisieren. Es gibt um das sakrale Yoni-Fischsymbol noch mehr Absurdes: In der Überlieferung von einer Fischjagd im Papyrusdickicht des Nildeltas glaubt Emma Brunner-Traut, einen »fröhlichen Text des Mittleren Reiches, der das Jagdvergnügen zweier Kameraden festhält« zu erkennen: »Ein Fisch ist von der Speerspitze durchbohrt. Mit jedem Stoß töte ich. Der Schaft meines Speeres ruht nicht« (Brunner-Traut ›Die Alten Ägypter – Verborgenes Leben unter den Pharaonen‹ 1987, S. 42). Was an dieser brutalen Geschichte, die eher an eine Vergewaltigung erinnert, ›fröhlich‹ sein soll?

Die Geburt des Mythos vom frühen Fleisch essenden Hominiden

»Die Annahme, dass die frühen Hominiden sich von der Jagd ernährt hätten, geht auf [den Anatomen und Paläoanthropologen] Raymond Dart zurück, der sich nach seinem aufsehenerregenden Fund des Babys von Taung plötzlich im Zentrum eines allgemeinen kritischen Interesses sah. Da, wie Dart überlegte, Menschen die einzigen fleischessenden Primaten seien, würde es seine Argumentation, dass es sich beim Baby von Taung um einen frühen Menschenartigen handelte, stützen, wenn er nachweisen könnte, dass sich bereits diese Spezies von Fleisch ernährt habe. Er suchte daraufhin gezielt nach fossilen Knochenlagern, um den Beweis zu führen, dass der Mensch für diese Anhäufung von Knochen verantwortlich gewesen sei. In diesem Zusammenhang entdeckte er in der Nähe einer solchen Fossillagerstätte Schwärzungen, die er als Feuerspuren deutete und die sich erst sehr viel später als Manganverfärbungen herausstellten. Die Vorstellung von Australopithecus als einem großen Jäger, der nach erfolgreichem Jagdzug das Wildbret am Feuer röstete, war geboren.« (Ina Wunn ›Die Religionen in vorgeschichtlicher Zeit‹ 2005, S. 48 f.) Trotz des Irrtums, gibt es seither keinen Aufsatz zur urgeschichtlichen Zeit, ohne dass von frühen ›Jägern und Sammlern‹ gesprochen wird, als würde es sich dabei um eine Tatsache handeln.


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