Das Matriarchat und die Patriarchalisierung des Alten Israel

Aus dem Inhalt:

  • Die Patriarchalisierung der matriarchalen Kultur Palästinas
  • Indo-Europäer und Arier – ein unheilvolles Bündnis
  • Die Indo-Europäer und Arier in der Bibel
  • Abraham und die Arier
  • Die Abwertung und Dämonisierung der Göttin
  • Die Bibel dokumentiert die Geschichte der Zerstörung des Matriarchats
  • Die Verteufelung der freiheitlichen Religion der Göttin
  • Diskriminierung und üble Verleumdungen der Göttin
  • ›Die Sache mit der Eva‹; die Frau als Sündenbock des Patriarchats
  • Antisemitismus
  • Die sogenannte ›Tempelprostitution‹
  • Prostitution ist ein Produkt des Patriarchats
  • Das Volk von Kanaan wurde zur Verehrung des patriarchalen Gottes gezwungen
  • Das Patriarchat ist die Ideologie eifersüchtiger Männer, die Frauen fürchten und hassen
  • Die patriarchalen Religionen sind autoritär, dogmatisch, einschüchternd, kontrollierend und sie sind indoeuropäisch/arischen Ursprungs
  • Die Vatergott-Religionen gründen auf der Eliminierung der Mutter-Göttin
  • Der Beginn des Monotheismus
  • Die grausame Vergangenheit leugnen und verdrängen‹ ist systematisch für das Patriarchat
  • Frauen sind aufgerufen, selber zu denken und zu forschen
  • Sarah/Zara – eine indoeuropäisch/arische ›Zarin‹

 Die Patriarchalisierung der matriarchalen Kultur Palästinas

Die Bibel ist die Dokumentation der Zerstörung des Matriarchats
und der Eliminierung der Religion der Göttin!

Die Bibel, das ›Heilige Buch‹ des Patriarchats wurde lange nach den Eroberungen Mesopotamiens und Ägyptens durch die Indo-Europäer Ende des 4. und zu Beginn des 3. Jahrtausends und der Erfindung der ersten männlichen Götter durch die arische Priesterkaste geschrieben und in ihrer endgültigen Form der Thora sogar erst im 4. Jahrhundert v.u. Z. redigiert.

Indo-Europäer und Arier – ein unheilvolles Bündnis

Zwischen Indo-Europäern und Ariern gab es einen Zusammenschluss, aber welchen, wann, wo und warum? W.F. Albright, der US-amerikanische Biblische Archäologe und Philologe altorientalischer Sprachen schrieb:

»Offensichtlich begleiteten die Horiter die Indo-Arier bei ihrer Wanderung west- und südwärts… Es muss eine enge kulturelle Verbindung zwischen ihnen gegeben haben.« (›The Cambridge Ancient History I‹ 1970, I, S. 153)

Hilfreich bei der Antwort auf meine Fragen war Jahanshah Derakhshani, der iranische Arier- und Sprachforscher. Er schreibt, dass ein Teil der iranischen Arier sich vom iranischen Hochplateau auf gen Norden machte, in die eurasischen Steppen, einem Gebiet im Süden Russlands, das wie wir wissen, von Indo-Europäern besiedelt war. Die beiden Völker taten sich zusammen, hatten verschiedene Gemeinsamkeiten. Beide Völker sind hellhäutig, ein Merkmal von dem sie vermutlich glaubten, dass sie eine kulturell überlegene Ethnie seien, was einer der Gründe gewesen sein könnte, sich zu verbünden. Sie entwickelten daraus den Rassismus gegen die verachteten dunkelhäutigeren ›Schwarzköpfigen‹ im Süden, die sie als minderwertig betrachteten. Hinzu kommt, dass beide der indoeuropäischen Sprachfamilie angehörten, was die Verständigung erst möglich machte.

Die Indo-Europäer, zu denen der mächtige Stamm der Hurriter/Horiter gehörte, waren halbnomadische Hirten und Rinderzüchter, hatten das Pferd domestiziert und den männlichen Anteil bei der Züchtung der Rinder und Pferde beobachtet. Sie schlossen folgerichtig auf ihre eigene Rolle bei der Zeugung von Nachwuchs und verlangten Anerkennung und Rechte für ihre neu entdeckte biologische Vaterschaft, die bisher unwichtig und wahrscheinlich unbekannt war, was ihnen ein neues Selbstbewusstsein brachte. Leider steigerte sich dieses zur Hybris und Gewalt.
Ein Teil der Hurriter, der in erzreichen Gebieten siedelte, erfand wahrscheinlich die Metallurgie. Sie wurden die ersten Waffen-Schmiede der Welt. Sie liessen sich von ihnen Waffen herstellen und planten nichts weniger als die Eroberung der damals bekannten Welt. Mit Pferden und Waffen entwickelten sie sich zu einer kriegerischen Kaste und begannen sukzessive die friedlichen, unbefestigten Siedlungen und Städte Alt-Europas, Mesopotamiens, Ägyptens und des sogenannten Fruchtbaren Halbmondes zu überfallen, zu unterwerfen, zu beherrschen und auszubeuten. (Waffengänge sind immer Beutezüge.) Als ›Shemsu-Hor‹, horitische Schmiede, eroberten sie Ägypten, um in den Besitz des Goldes aus Afrika zu kommen.
Die Bündnispartner der horitischen Krieger, die Arier aus dem Iran, begleiteten die kriegsbesessenen Hurriter auf ihren Eroberungszügen als Priesterkaste. Sie erfanden die ersten männlichen Vater-Götter, nach ihrem Ebenbild und eine ›Herrschaftsreligion‹. Sie hatten die Aufgabe die Eroberungszüge und Massaker durch Mythenerfindungen als Auftrag dieser Götter zu rechtfertigen, um eine dauerhafte Herrschaft einzurichten.

Nach den brutalen Eroberungen existierten sowohl in Mesopotamien als auch in Ägypten zwei Religionen während Jahrtausenden einigermaßen friedlich nebeneinander: die matriarchale ›Volksreligion‹, der Indigenen und die patriarchale Herrschaftsreligion der Eroberer. Die Religion blieb eine der wichtigsten Stützen der Siegermächte. Seit damals und bis heute begleiten und unterstützten Missionare die Unterwerfung, Ausbeutung und Versklavung fremder Territorien durch die Kolonialmächte und helfen dabei die alten Kulturen der ›unzivilisierten Naturvölker‹ zu zerstören.

Abraham und die Arier

Abraham wird im 18. Jahrhundert angesiedelt. Er war nicht der Erfinder der patriarchalen Ideologie. Diese und damit einhergehend die Erfindung der ersten männlichen Götter begann schon nach der Eroberung Mesopotamiens (und Ägyptens) an der Zeitenwende vom 4. ins 3. Jahrtausend. Jedoch war Abraham ein Verteidiger und Kämpfer für eine rein männliche patriarchale Politik und Religion. Es ist nicht klar, warum Abraham und sein Vater mit ihrer Sippe ihre Heimatstadt Ur im Süden Mesopotamiens verliessen und sich nach Harran (auch Haran) im Norden Mesopotamiens (heute etwa an der Grenze Türkei/Syrien), einer strapaziösen Wegstrecke von immerhin 1300 km aufmachten – und dort blieben. Es ist auch nicht klar, ob Abraham die ›Weisung des Herrn‹: ›Zieh hinweg aus deinem Land und von deinen Verwandten und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde‹ (1. Mose 12:1), in Ur oder in Harran erhalten haben soll.
Die Frage ist, was für Abraham und seinen Vater an der Stadt Harran so bedeutend war, dass sie, die ursprünglich in Ur, einer florierenden Stadt beheimatet waren, sich auf den langen beschwerlichen Weg machten und sich dort niederließen. Abraham ist lediglich in der Bibel erwähnt, geschichtlich oder archäologisch nicht nachzuweisen und möglicherweise eine Kunstfigur des Patriarchats. Manfred Clauss spricht von Abraham als ›biblische Sagengestalt‹. (›Geschichte Israels‹ 1986) Vielsagend ist jedoch, dass der Name Harran/Haran ›Stadt der Arier‹ heißt. Die Arier waren offensichtlich aus dem Iran in den Westen eingewandert.
Der Name Abrahams war ursprünglich Abram, hebräisch Avram; er soll über seinen Vater Terach ein direkter Nachkomme des Ham, einem der drei Söhne Noahs sein. Dies ist die Herkunft und Bedeutung der dritten Silbe seines Namens ›Ham‹, denn »klassische arabische Namen bestehen generell aus mehreren Teilen« (Wikipedia). ›Ab‹ war wohl ursprünglich ›Abd‹, eine übliche Bezeichnung in Arabien für Knecht, Diener, Anhänger eines Gottes (Abd-Ra-Ham ist ein durchaus geläufiger Name bei Facebook! Ari, Ariel und Avi sind in Israel auffallend häufige Namen!)
Der nächste Teil des Namens, der Bezug auf seinen Gott nimmt, ist RA. Damals wurde in Harran – der Stadt der Arier – wohl der arische Gott RA verehrt. Er war, wie wir wissen, auch in Ägypten einer der Hauptgötter, der von der arischen Priesterkaste eingeführt wurde. Ab-RA-Ham dürfte also ebenfalls ein Verehrer dieses arischen Gottes gewesen sein.

hammurabi-codex-undErstaunlich ist auch die Ähnlichkeit der Namen von Ab-Ra-Ham und Ham-u-Ra-(a)bi. Hammurabi war der  6. König der ersten Dynastie von Babylonien (er regierte 1792 bis 1750) dürfe also ein Zeitgenosse Abrahams gewesen sein. Zu denken gibt auch der Vergleich der großen Zahl von Gesetzen Hammurabis und den zu einem grossen Teil identischen Inhalten mit jenen der Juden.

Links: Stele mit dem Codex des Hammurabi im Louvre: Hammurabi vor dem Gott Šamaš (CC BY 2.5)

›Je mehr Verwaltung, umso mehr Gewalt.
Je mehr Verordnung, umso mehr Übertretung.
Je mehr Waffen, umso mehr Unruhe.
Je mehr Gesetzlichkeit, umso weniger Gesetzmäßigkeit‹. (Laotse)

Ebenso erstaunlich ist, dass die indoarischen Brahmanen ebenfalls auf Ab-RA-Ham zurückgehen. Sie zogen im 18. Jahrhundert im Auftrag Abrahams gen Osten: ›Den Söhnen, die er von den Nebenfrauen hatte, gab er Geschenke und schickte sie nach Osten hin ins Morgenland.‹ (s. Mose 25.6).

Derakhshani schreibt: »Die Zeit der Wanderung der Arier nach Indien kann nicht genau bestimmt werden. Es ist vermutet worden, dass die arischen Völker gegen 1500 v.Chr. die Indus-Zivilisation beendeten [zerstörten!], die seit 4000 v.Chr. existierte. Der Beginn der Ostwanderung aus den ostiranischen Gebieten müsste demnach geraume Zeit davor liegen. Nach Albright ist die Zeit der Wanderung zwischen 1950 und 1750 anzusetzen (W.F. Albright, ›The Evidence of Language‹, 1970, S. 155) (Derakhshani Grundzüge der Vor- und Frühgeschichte Irans, 1995. S. 57)
Der indische Ind-RA ist identisch mit dem von den Eroberern auch nach Ägypten gebrachten arischen Gott RA. Abrahams patriarchale Ideologie ist mit der von ›Vater Brahm‹ und den arischen Priestern Indiens, die sich ›Erdgötter‹, Brahmanen, nennen, in unzähligen Punkten übereinstimmend. Wie alle patriarchalen Religionen gibt auch die hinduistische Priesterkaste der Brahmanen ihrer Verachtung für die Frau Ausdruck. Im Rig Veda heißt: ›Der Geist der Frau hat keine Disziplin. Ihr Intellekt hat nur geringes Gewicht‹. Die Frauenverachtung und die barbarischen Methoden der indoarischen Eroberer sind noch heute existent und lebendig und dürften mit jenen der damaligen Eroberer Ägyptens identisch gewesen sein. Sie sind menschenverachtend, rassistisch und sexistisch, was sich im Kastensystem Indiens bis heute erhalten hat. Die Abwertung der Frauen führte in Indien direkt in die unsäglichen Vergewaltigungen der heutigen Zeit. Aber nicht nur in Indien, in einer neulich veröffentlichten Studie finden 27 Prozent aller Europäer Sex ohne Einverständnis, also Vergewaltigung oder Nötigung, in Ordnung.

Obwohl die Ähnlichkeit von ›Abraham‹ und ›Brahmanen‹ rein zufällig sein könne, fragen die Autoren von ›ThoraVeda‹: »Wurden diese Reisenden gen Osten, Kinder Abrahams, zu den Brahmanen?« (»Did these journeyers-to-the-east children of Abraham’s become the Brahmins?« http://www.torahveda.org/ ›Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture‹ Barbara A. Holdrege, 1995 Encyclopedia Judaica Volume 10 : 1972)

Im 15./14. Jahrhundert erstreckte sich im Gebiet, das wir bereits von der arischen Stadt Harran kennen, das Reich der Mitanni, im Norden Mesopotamiens, von der südlichen Grenze der Türkei bis in den Osten Nordsyriens. Mitannis Bevölkerung war vor allem hurritisch, die Könige von Mitanni, mit denen Echnaton eindeutig liiert oder verwandt war, hatten jedoch indoarische Namen und verehrten auch alte indische Götter wie Mith-RA und Ind-RA. Offensichtlich hatte sich die arische Priesterkaste als Substrat über die hurritischen Mitanni gesetzt, die über eine größtenteils nichtarische Bevölkerung herrschte. (Zu den Mitanni-Ariern und Echnaton s.Wer war ECHNATON?‹)

Das Bündnis der zum Stamm der Hurriter gehörenden Krieger und Eroberer mit den arischen Priesterkasten vermischte sich allmählich zu einer Einheit und setzte seine Invasionen bis nach Arabien und Mohammed fort. Der Stamm der Quraisch, dem Mohammed angehörte, ist lediglich eine Transkription für Hurriter (auch Hurri, Hor-iter, Chur-iter, Kur-iter, Qur). Muslimische Gelehrte sind stolz darauf den Stammbaum Mohammeds auf Abraham zurückzuführen. (s. ›Das Matriarchat und die Patriarchalisierung Arabiens‹)

›Verborgen in tiefster Vergangenheit teilen sich die ältesten religiösen Traditionen viele gleiche Ideen, und manche haben sogar gemeinsame Wurzeln.‹ (http://www.torahveda.org/)

Der nächste Teil des Namens, der Bezug auf seinen Gott nimmt, ist RA. Damals wurde in Harran – der Stadt der Arier – wohl der arische Gott RA verehrt, der wie wir wissen, auch in Ägypten einer der Hauptgötter war, der von der arischen Priesterkaste eingeführt wurde. Ab-RA-Ham dürfte also ein Verehrer dieses arischen Gottes seiner Zeit gewesen sein. Abrahams Name hat auch eine auffällige Nähe zum arischen Gott Brahma. Die indoarischen Brahmanen gehen ebenfalls auf Ab-RA-Ham zurück. Sie zogen im 18. Jahrhundert im Auftrag Abrahams aus dem arischen Westen gen Osten: ›Den Söhnen, die er von den Nebenfrauen hatte, gab er Geschenke und schickte sie nach Osten hin ins Morgenland.‹ (s. Mose 25.6). Der indische Ind-RA ist identisch mit dem von den indoarischen Eroberern auch nach Ägypten gebrachten arischen Gott RA. Auffallend ist, dass ca. 300 Jahre später die Könige von Mitanni, mit denen Echnaton eindeutig liiert oder verwandt war, indoarische Namen hatten und auch alte indische Götter wie Mith-RA, Varuna und Ind-RA verehrten. Offensichtlich hatte sich die arische Priesterkaste als Substrat über die hurritischen Mitanni gesetzt, die über eine größtenteils nichtarische Bevölkerung herrschten.
Abrahams patriarchale Ideologie ist mit der von ›Vater Brahm‹ und den arischen Priestern Indiens, die sich ›Erdgötter‹, Brahmanen, nennen, in unzähligen Punkten übereinstimmend. Die hinduistische Priesterkaste der Brahmanen gibt, wie alle patriarchalen Religionen, ihrer Verachtung für die Frau Ausdruck.
Obwohl die Ähnlichkeit von ›Abraham‹ und ›Brahmanen‹ rein zufällig sein könne, fragen die Autoren von ›ThoraVeda‹:

»Wurden diese Reisenden gen Osten, Kinder Abrahams, zu den Brahmanen?« (»Did these journeyers-to-the-east children of Abraham’s become the Brahmins?« http://www.torahveda.org/ ›Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture‹ Barbara A. Holdrege, 1995 Encyclopedia Judaica Volume 10 : 1972)

In dieser Forschung werden viele der unzähligen Ähnlichkeiten zwischen dem heiligen Buch der Juden, der Tora und dem heiligen Buch der Brahmanen, den indischen Veden aufgezeigt.

Das Ziel der arischen Priesterkaste war, in allen eroberten Ländern die als einzige und alleinige unter ihren Tausend Namen und Gestalten verehrte Große Göttin zu eliminieren und an ihre Stelle einen einzigen männlichen Gott zu setzen. Wie wir sehen, war der Monotheismus keine Erfindung der patriarchalen Priester, sondern eine Nachahmung der Religion der Großen Göttin.

Die Bekehrung zum Eingott-Glauben war ein langer blutiger Kampf, gegen das Matriarchat und die Grosse Göttin, der schließlich zum mit Gewalt erzwungenen männlichen Monotheismus führte.
Das Bündnis der zum Stamm der Hurriter gehörenden Krieger und Eroberer mit den arischen Priesterkasten vermischte sich, wie schon bei den Mitanni allmählich zu einer Einheit und setzte sich bis Mohammed fort. Der Stamm der Quraisch, dem Mohammed angehörte, ist lediglich eine Transkription für Hurriter (auch Hurri, Hor-iter, Chur-iter, Kur-iter, Qur).

Die Indo-Europäer und Arier in der Bibel

Der Archäologe, Orientalist und Bibelforscher George E. Mendenhall mahnte: »Das alte Israel kann nicht mehr als isoliertes, unabhängiges Forschungsobjekt behandelt werden; seine Geschichte ist unauflöslich mit der alten orientalischen Geschichte verbunden, ob wir es nun mit Religion, politischer Geschichte oder Kultur zu tun haben.« (›Biblical History in Transition‹ 1961) Wir müssen davon ausgehen, dass die Eroberer und Zerstörer der matriarchalen Kulturen des Fruchtbaren Halbmondes und die in Kanaan eingedrungenen patriarchalisierten Nomaden identisch sind. Wie wir gesehen haben waren deren kriegerische Anführer Indo-Europäer und die sie auf ihren Raub- und Eroberungszügen begleitenden Priesterkasten Arier, die eng mit ihnen verbunden waren.
Seit der Mitte des 4. Jahrtausend und noch »während des ganzen zweiten Jahrtausends gelangen den Indo-Europäern Einbrüche nach Mesopotamien und Kanaan und vielleicht haben sie eine wichtige Rolle bei der Entstehung der hebräischen Religion und ihrer Gesetze gespielt.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau‹ 1988, S. 97)

›Im Gelobten Land, trafen die Eroberer auf die Kanaanäer,
ein Volk dessen Kultur ihnen weit überlegen war‹.
(Gerda Weiler)

Überall stießen die kriegerischen Invasoren auf die höhere Kultur der matriarchalen indigenen Völker. Ähnlich schrieb der amerikanische Sumerologe Samuel Noah Kramer in seinem bekanntestes Werk ›Die Geschichte beginnt mit Sumer‹, dass sumerische Kriegerhorden, »dieses primitive und wahrscheinlich nomadische Volk, das entweder aus Transkaukasien oder aus den transkaspischen Gegenden gekommen sein mag«, in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends in Mesopotamien einge­fallen ist:

»Sie unterwarfen die ältere Bevölkerung, deren Kultur weit fortgeschrittener war, als die der Sumerer. In diesen Jahrhunderten, die im sumerischen Heldenzeitalter gipfelten, waren es die kul­turell unrei­fen und psy­chologisch unstabilen sumerischen Kriegsher­ren mit ih­rer individualistischen und raubgierigen Veranlagung, welche die geplünderten Städte und niederge­brannten Dörfer des besieg­ten mesopotamischen Reiches beherrschten.« (Kramer ibd., S. 165+163)

Bei den Eroberungen der Indo-Europäer ging es immer darum, die prosperierenden matriarchalen Länder zu unterwerfen und sich als Herrscher über die indigenen Völker zu setzen, diese zu versklaven und deren Güter und Bodenschätze, vor allem das Gold, zu rauben. (Das hält an bis in unsere Zeit. s. z.B. ›Die Verbrechen der christlichen Kolonisierung und Missionierung‹ auf dieser homepage).

Die Eroberung Kanaans, als ›Landnahme‹ oder ›Einwanderung‹ verharmlost, spielte sich nach dem stets gleichen barbarischen Muster der indoeuropäischen Eroberer ab. Im Buch der Richter wird der Verlauf im 18. Kapitel beschrieben:

Der Stamm der Daniter war zu jener Zeit dabei, sich einen Erbbesitz zu suchen, um sich niederzulassen. Daher schickten die Daniter von ihrer Sippe fünf kampferprobte Männer aus, um das Land zu durchstreifen und zu erkunden … Die fünf Männer kamen nach Lajisch. Sie sahen, dass das Volk dort ungestört lebte, ruhig und sicher. Es gab niemanden, der Schaden anrichtete im Land, keinen Eroberer und keine Unterdrückung. Als die Männer zu ihren Brüdern zurückkamen, sagten sie: ›Auf, lasst uns gegen jene Leute in den Kampf ziehen. Denn wir haben gesehen, dass das Land sehr schön ist. Warum wollt ihr zögern? Seid nicht so träge! Macht euch auf den Weg dorthin und nehmt das Land in Besitz! Ihr findet ein sorgloses Volk vor, wenn ihr hinkommt. Das Land ist nach allen Seiten hin weiträumig. Wahrhaftig, Gott hat es in eure Gewalt gegeben. Es ist ein Ort, wo es an nichts fehlt, was es auf Erden gibt.‹ Darauf brachen sechshundert mit Waffen ausgerüstete Männer aus der Sippe der Daniter auf, überfielen Lajisch, ein ruhiges und friedliches Volk. Sie erschlugen die Leute mit scharfem Schwert und steckten die Stadt in Brand. Niemand konnte zu Hilfe kommen, denn die Stadt lag weit entfernt. Die Daniter bauten die Stadt wieder auf und wohnten in ihr. Sie nannten sie Dan, nach dem Namen ihres Stammvaters Dan, der einst dem Israel geboren worden war. Sie töteten alle Männer, Kinder und Frauen bis auf ›vierhundert jungfräuliche Mädchen, die noch keinen Verkehr mit einem Mann hatten. (Biblischer Text leicht gekürzt)

Die nächsten göttlichen Anordnungen, wie mit den übriggebliebenen Stämmen zu verfahren sei, lesen wir im Deuteronomium 7, 1 ff. :

Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land geführt hat, um es in Besitz zu nehmen, wenn er dir viele Völker aus dem Weg räumt, wenn der Herr, dein Gott, sie dir ausliefert und du sie schlägst, dann sollst du sie der Vernichtung weihen. Du sollst keinen Vertrag mit ihnen schließen, sie nicht verschonen und dich nicht mit ihnen verschwägern …, sonst wird der Zorn des Herrn gegen euch entbrennen und wird dich unverzüglich vernichten. So sollt ihr gegen sie vorgehen: Ihr sollt ihre Altäre niederreißen und ihre Götterbilder [die Ascheren, die Kultpfähle der Göttin Astarte] im Feuer verbrennen. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen. Du wirst ihren Namen unter dem Himmel austilgen. Keiner wird deinen Angriff standhalten können, bis du sie schließlich vernichtet hast.

Zu Heiligen Bäumen und ›Ascheren‹, den Kultpfählen der Göttin Astarte, schreibt Christl M. Maier: »Das Alte Testament kennt mächtige, einzeln stehende Bäume als Orte von Orakeln oder Gotteserscheinungen aber auch von Grabtraditionen. Bei den Propheten findet sich eine pauschalisierende polemische Kritik, die grüne Bäume mit ›Hurerei‹, d.h. Fremdgottverehrung [will heißen der Verehrung der Göttin!], in Verbindung bringen. Alle diese Stellen zeigen, dass Bäume heilige Orte markieren können, an denen kultische Begehungen stattfinden. Das Verbot, eine → Aschera neben einem JHWH-Altar zu pflanzen, verweist darauf, dass ein Baum auf die Göttin gleichen Namens verweisen kann. Auch der in deuteronomistisch überarbeiteten Schriften häufig anzutreffende Befehl, die Ascheren auszureißen oder zu verbrennen, wendet sich gegen das Symbol der Göttin, den natürlichen oder stilisierten Baum. Die Notizen über eine Aschera in Samaria sowie ein Kultbild der Aschera, das sich im Tempel von Jerusalem befindet, verweisen auf die Verehrung der Göttin Aschera im 9. Jh. v. Chr. im Nordreich und im 8./7. Jh. in Juda. Der in Hos 14,9 formulierte Anspruch, dass allein JHWH Israels immergrüner, heiliger Baum sei, impliziert eine Konkurrenz zwischen JHWH und der Göttin.« (s. Christl M. Maier 2006 : http://www.bibelwissenschaft.de/de/stichwort/19772/)

Es ist ein erschütterndes Buch, dieses Dokument des Patriarchats, das voller Hass, Gewalt und Grausamkeiten strotzt. Warum fällt das den Gläubigen nicht auf? Warum empören sie sich nicht? Wir wurden ganz offensichtlich einer Jahrtausende dauernden Gehirnwäsche unterzogen, die die meisten von uns blind und desensibilisiert für die Gräuel der Religionen gemacht hat; eine Blindheit, von der die Anhänger aller drei monotheistischen Religionen geschlagen sind.

›Als die Anhänger des neuen Monotheismus unter Moses auf die die Göttin verehrenden Völker prallten, soll ›der Zorn des Herrn‹ entbrannt sein und er befahl Moses: ›Nimm alle Anführer des Volkes und spieße sie für den Herrn im Angesicht der Sonne auf Pfähle, damit der grimmige Zorn des Herrn von Israel ablasse.‹ (Numeri 25, 2-5)

Noch konkreter übermittelt uns 5 Mose 20 das Grauen der Eroberungskriege, die Massaker, das Hinschlachten der Bevölkerung; es steht dem Vorgehen des IS in keiner Weise nach; im Gegenteil, übertreffen sie noch bei weitem.

Aschera, die Grosse Göttin Kanaans

»Die Männer der monotheistischen Religionen schufen Gott nach ihrem Bilde. Sie stellten ihn ausschließlich männlich dar. Sie übten ihre Deutungshoheit zu ihren Gunsten aus. Wenn laut der Bibel Mann und Frau Ebenbilder Gottes, sozusagen ›Kopien‹ Gottes sind, warum wird das ›Original‹ nur männlich dargestellt? Warum wurden die weiblichen Aspekte ignoriert oder gar bewusst beseitigt? Denn wie in allen Religionen des östlichen Mittelmeerraums verehrte man auch in der südlichen Levante vor der Ausbreitung der monotheistischen Religionen zahlreiche Göttinnen.« (Othmar Keel ›Gott weiblich – Eine verborgene Seite des biblischen Gottes‹ 2008, S. 22)

Ohne-Titel-6Links: »Aschera-Figuren dieser Art sind typisch für das Judäa des 8. und 7. Jh.v.Chr. Ausgrabungen haben allein für Jerusalem über 400 Exemplare nachgewiesen. Nach der wahrsheinlichsten Deutung handelt es sich um Kopien des Kultbilds der Göttin Aschera, das nach Ausweis der biblischen Texte bis zur Reform des Königs Joschija (622 v.Chr.) im Tempel von Jerusalem verehrt wurde (3 Könige 23,4.7).« (Othmar Keel ibd. Abb. 26)

Die Abwertung und Dämonisierung der Göttin

»Die Menschen schufen sich im Bilde der Frau ein Symbol der kosmischen weiblichen Schöpfungskraft.«
(Gerda Weiler) 

»Mehrfach finden sich in späteren poetischen Büchern der Bibel, besonders bei Jesaja, Hiob und in den Psalmen, Hinweise auf einen Kampf zwischen JHVH und dem Drachen des Chaos, Tehom, Rahab oder Leviathan.« (William F. Albright ›Die Bibel im Licht der Altertumsforschung‹ 1957, S. 73) Albright, der in diesem Buch bösartig gegen die Religion der Göttin polemisiert, spricht vom Triumph des Gottes gegen die verteufelte Göttin in Form eines Drachens. Die Geschichte dieses Kampfes ist aus vielen Gegenden bekannt; nur wissen wir nicht, ob Albright wusste, dass es sich beim ›Drachenkampf‹ um die Unterwerfung der Göttin durch die neuen patriarchalen Götter der Invasoren handelt.
Immer geht mit der Eroberung und Unterwerfung der indigenen Völker die Abwertung der matriarchalen Göttin einher, die jeweils zur Gattin oder Schwester der neu erfundenen indoeuropäisch/arischen Götter degradiert oder eben zum Drachen verteufelt wird. Die Erfindung der frühesten und ersten männlichen Götter waren Innovationen der patriarchalisierten arischen Priesterkaste, welche die kriegerischen indoeuropäische Eroberer stets begleitete. Diese Priester tüftelten Geschichten aus, absonderliche Mythen, welche die Kriegszüge, das Beutemachen, den Landraub, die Versklavung und Massaker an der indigenen Bevölkerung rechtfertigen und den ›Willen‹ ihrer gerade erfundenen Götter bestätigen und legitimieren sollten. Sie beriefen sich dabei auf direkte Gespräche mit ihren Göttern und behaupteten, dass ihr jeweiliger Gott ihnen unzählige Anordnungen, Gesetze, Gebote, Verbote und Regeln mit unglaublichen Drohungen bei Nichtbefolgung verkündet habe. Das ist die Grundlage des Patriarchats. Damit beherrschen und kontrollieren die Männer an der Macht, durch ihre unübertreffbare, religiöse Verbrämung gut getarnt und geschützt, das gebeutelte Volk, das ihnen glaubt und ausgeliefert ist bis heute.

Wie in der Geschichte aller eroberten und patriarchalisierten Länder der damaligen Welt wurde die Große Göttin, in Kanaan Astarte oder Aschera, entmachtet und dem männlichen Gott als Gattin untergeordnet. JHWH wurde mit dem früheren Gottesbegriff ›El‹, der erstmals in den Keilschrifttexten von Ugarit im Norden Kanaans um 1400 auftauchte, kombiniert und gleichgesetzt. Mit voranschreitender Patriarchalisierung wurde die Göttin dämonisiert und vermännlicht. »Astaroth ist in der okkultistischen Mythologie der Name eines Dämons. Sein Name ist phönizisch-semitischen Ursprungs; ursprünglich die weibliche babylonische Göttin Ištar, die erst zur westsemitischen Göttin Astarte und dann später zum männlichen Dämon Astaroth wurde.« (Wikipedia)

»Aschtaroth, die verabscheute ›heidnische‹ Gottheit des Alten Testamentes, war in Wirklichkeit Astarte – die Große Göttin, wie man Sie in Kanaan kannte, die Himmelsgöttin des Nahen Ostens…

obwohl die Bibelverfasser sich bemühten, diese Identität zu verstecken, indem sie immer wieder das grammatikalisch männliche Geschlecht verwendeten. Jene heidnischen Götzendiener aus der Bibel hatten zu einer weiblichen Gottheit gebetet, die an anderen Orten als Innin, Inanna, Nana, Nut, Anahita, Ishtar, Isis, Au Set, Ishara, Aschera, Aschtart, Attoret, Attar und Hathor bekannt war… die göttliche Ahnfrau mit den vielen Namen. Aber jeder ihrer Namen bedeutete in den verschiedenen Sprachen und Dialekten der Menschen, die sie verehrten: die Große Göttin. War es nur Zufall, dass ich während all der Jahre in der Sonntagsschule niemals erfuhr, das Aschtaroth weiblich war?«, fragt Merlin Stone, die Autorin der brillanten Analyse der ›Geschichte der Ur-Religion unserer Kulturen: ›Als Gott eine Frau‹ war (1988, S. 35)
Aschera/Astarte erscheint in der biblischen Redaktion als Ashtoret, um dieses Göttinwort »durch die Angleichung an Bosheth (Schande, Schändlichkeit) zu verzerren und anzuschwärzen. Dadurch wird aus der Leben schöpfenden und Leben erhaltenden Ishtar-Aschera die verleumdete ›Schandhafte‹.« (Kurt Derungs, Vorwort in E.O. James ›Der Kult der Großen Göttin‹ 2003, S. 33) »Noch staunenswerter«, stellt Merlin Stone fest, »war die archäologisch erwiesene Tatsache, dass Ihre Religion im Nahen und Mittleren Osten schon Jahrtausende lang vor der Ankunft des Patriarchen Abraham, des ersten Propheten des männlichen Gottes Jahwe, existiert und geblüht hatte. Archäologen hatten Spuren der Verehrung der Göttin bis zu den neolithischen Gemeinschaften aus der Zeit um 7000 zurückverfolgt, teilweise bis zu jungpaläolithischen Kulturen aus der Zeit um 25’000 v.Chr. Ihre Existenz wurde seit der Zeit ihrer neolithischen Ursprünge bis weit in römische Zeiten hinein immer wieder bestätigt. Und dabei sind sich die Bibelgelehrten einig, dass Abraham (ursprünglich Abram, Vater Brahm) erst irgendwann zwischen 1800 und 1550 in Kanaan (Palästina) gelebt hatte.« (Stone ibd. 1988, S. 35 f.)

Gerda Weiler, eine der bedeutendsten Matriarchatsforscherinnen Deutschlands, erforschte die Spuren des Matriarchats, die in der Bibel zu entdecken sind. Der von ihr sorgfältig untersuchte Themenkreis erschien 1984 unter dem Titel: ›Ich verwerfe im Lande die Kriege – Das verborgene Matriarchat im Alten Testament‹; dem folgte 1989 ›Das Matriarchat im Alten Israel‹. Sie schreibt:

›Die Bibel ist eine Fundgrube für die Wiederentdeckung der matriarchalen Ursprungsgeschichte der Menschheit. Das Alte Testament lehrt uns, wie ein Volk sich von seinen matriarchalen Wurzeln abschneidet.‹

»Es zeigt uns, wie die aggressive Fähigkeit des Menschen [wohl des Mannes! DW], wenn sie sich verselbständigt, zu Fanatismus, Mord und brutaler Vernichtung des Menschen durch den Menschen [den Mann] führt.« (Weiler 1984, S. 78) Im 20. und 21. Jahrhundert hat die männliche Aggression einen noch nie dagewesenen mörderischen Höhepunkt erreicht, die ihre Wurzeln in der patriarchalen Ideologie und den patriarchalen Religionen hat.
Gerda Weiler deckt den Kampf gegen das ursprüngliche Matriarchat, die Göttinnen Verehrung und das Umschreiben der ursprünglich matriarchalen Texte durch jüdische Exegeten auf; was ihr den Vorwurf des Antisemitismus einbrachte. Das erstaunt nicht – denn nur die patriarchale Exegese der Bibel ist als Erklärung zugelassen und außerdem herrscht ein Schweigegebot für Frauen. »In der altorientalischen Gesellschaft – so auch im orthodoxen Judentum – war es unüblich, dass Frauen sich in politischen Belangen oder in Glaubensfragen in der Öffentlichkeit äußern konnten. Deshalb verwundert auch die Auffassung des zeitlebens unverheirateten Apostels Paulus nicht, dass die Frauen in der jüdisch-christlich geprägten Gemeinde schweigen sollen (›paulinisches Schweigegebot‹: 1. Korintherbrief 14,33).« (Wikipedia). Das ist bis heute so und auch in der katholischen Kirche nicht anders und schon gar nicht im Islam. Andere Deutungen als die vom Patriarchat zugelassenen sind tabu – diesem Tabu unterliegen vor allem die Forschungsansätze von Frauen. Das Tabu zu durchbrechen ist gewagt. Die Frauen, die sich dem Christentum widersetzten, wurden als Hexen verbrannt; wer sich eine kritische Beurteilung der alten oder neuen Geschichte Israels erlaubt, wird mit dem Totschlagargument ›antisemitisch‹ zum Schweigen gebracht und schon die leiseste Kritik am Islam kann mit dem Tod geahndet werden.

Merlin Stone stellt ihre Arbeit des akribisch erforschten Themas zur einstigen Verehrung der Großen Göttin in einen umfassenden geschichtspolitischen Rahmen. Sie erinnert an die Ursprünglichkeit der Göttinnenreligion und macht ebenfalls auf das unglaubliche Umschreiben von Mythen und religiösen Dogmen aufmerksam:

»Wir haben gesehen, dass die Befehle, die Religion der Göttin zu zerstören, unmittelbar in die Gesetze und Verordnungen der männlichen Religion eingebaut waren, die sie ersetzten. Es ist offenbar, dass die alte Verehrung für die weibliche Gottheit nicht einfach aufhörte, sondern dass ihr Verschwinden nach und nach durchgesetzt wurde, zuerst durch die indoeuropäischen Eroberer, später durch die Hebräer und schließlich durch die Christen und noch weiter durch die Mohammedaner.« (Stone ibd. 1988, S. 279 f.)

Die Bibel dokumentiert die Geschichte der Zerstörung des Matriarchats

Der bekannte schottische Religionsgeschichtler und Professor für Altes Testament Robertson Smith versuchte, »in seinem prophetischen Werk ›Die Religion der Semiten‹ den Vorrang der weiblichen Gottheit unter den Semiten, zu denen sowohl die arabischen wie auch die hebräischen Völker zählen, zu erklären,« er schreibt, »dass die Vergöttlichung des weiblichen Prinzips unmittelbar aus dem Nebeneinander von Ahnenkult und einem weiblichen Verwandtschaftssystem folgte.« (Stone ibd., S. 55 f.) Smith leugnet nicht das Matriarchat, nicht die matrilineare Erbfolge, nicht die ursprüngliche Göttinnenverehrung, er lässt es aber – in bekannt patriarchaler Manier – an moralischen und diskriminierenden Seitenhieben gegen die Frauen und den Kult der Göttin, den er ›barbarisch‹ und ›unsittlich‹ nennt, nicht mangeln.

Die Verteufelung der freiheitlichen Religion der Göttin

Und der HERR redete zu Mose: Rede zu den Söhnen Israels und sage zu ihnen: Ich bin der HERR, euer Gott. Nach der Weise des Landes Ägypten, in dem ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht tun; und nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht tun; und in ihren Ordnungen sollt ihr nicht leben. Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr tun, und meine Ordnungen sollt ihr halten, um in ihnen zu leben. Ich bin der HERR, euer Gott. Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin der HERR.‹ (Levitikus 18.1 – 18.5)

Im Gegensatz zur Verehrung der Himmelskönigin »formulierte die von rigider Intoleranz gegen die matriarchale Kultur besessene Schrift des Deuteronomisten den Wunsch nach vielen Söhnen, nach Kriegern, um fremde Völker zu unterwerfen, die Gier nach Landbesitz, nach Macht und Herrschaft.« (Weiler ibd. 1984, S. 143) Die ausschließlich von aggressiven patriarchalen Männern geschriebenen, redigierten und umgeschriebenen Texte der Bibel und die bis vor wenigen Jahrzehnten ebenfalls ausschließlich von Männern geschriebene Menschheitsgeschichte, in denen Frauen, deren Geschichte und deren Beitrag zur Kultur kaum je vorkommen, enthalten »weniger als die Hälfte der Wirklichkeit. Von daher stellt sich die Frage, was Geschichtsschreibung vom Mythos unter­scheidet.« (Weiler ›Das Matriarchat im Alten Israel‹ 1989, S. 105)
Diese Frage stellt sich auch für die Bibel: »Beides – der Mythos ebenso wie das theologische Geschichtsverständnis des alten Israel – gehört der theologischen Spekulation an. Mythos und alttestamentliche Geschichte sind vom Dogma des levitischen [luwitischen] Glaubens geprägt. Die einseitige jüdische Weltsicht legt ihre enge Klammer um die lebendige, urwüchsige Kultur Israels, mit der Absicht, die sanfte, matriarchale El-Religion der Nordvölker zu jahwisieren.« (Weiler ibd. 1984, S. 114).

Diskriminierung und üble Verleumdungen der Göttin

Der Alttestamentler R.K. Harrison schrieb über die Religion der Göttin: »Einer ihrer hervorstechendsten Züge war der lüsterne, verderbte und orgiastische Charakter ihrer kultischen Prozeduren.« (›Ancient World‹) W.F. Albright, Archäologe der biblischen Stätten in Palästina, beschrieb die weibliche Religion ebenso bösartig als »orgiastische Naturverehrung, sinnliche Nacktheit und anstößige Mythologie«. Spricht aus diesen Worten nicht vielleicht das unterdrückte Verlangen, diese Sinnlichkeit selbst zu erleben, statt die prüde, leib- und sexfeindliche eigene Religion, die dann salbungsvoll überhöht wird mit Worten wie diesen: ›Sie [die Religion der Göttin] wurde durch Israel mit seiner pastoralen Einfachheit und Reinheit seines Lebens ersetzt, durch Israel mit seinem erhabenen Monotheismus und seinem strengen Moralkodex.‹ »Wie kann man diese Worte akademisch rechtfertigen,« empört sich Merlin Stone, »wenn man von den Massakern gelesen hat, die von den Hebräern an den ursprünglichen Einwohnern von Kanaan verübt wurden? Im Buch Josua, vor allem in Kapitel neun bis elf, sind sie beschrieben.« Wer glaubt an einen solchen Gott, wer betet ihn an, wer kann einen solchen Gott  l i e b e n ? Er steht dem Schlächter von Syrien in nichts nach. Gewalt ist das Programm des Patriarchats:

In Samaria lautete der göttliche Befehl, die jungen Kinder mit dem Schwert zu zerschmettern und die schwangeren Weiber zu zerreissen (Hosea 14,1). ›Gehet durch die Stadt und schlaget drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen. Erwürget Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Weiber, tötet alle.‹ Hesekiel 9,5-6  Von den feindlichen, weil andersgläubigen Midianitern tötete Moses mit seinem Heer von 12’000 Mann restlos alle bis auf die Jungfrauen. Alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.  (Numeri 31,17-18). 

Ein ungeheuerliches Bild. Nachdem die Mädchen das Massaker an ihren Eltern, Geschwistern, Angehörigen, des ganzen Volkes mit ansehen mussten, gab dieser Befehl auch noch die Erlaubnis, die jungfräulichen Mädchen zu vergewaltigen. Das ist die blutige Basis des israelischen Volkes. Kann ein solches Volk je glücklich werden? Die traumatisierten jungen Frauen können kaum glückliche Frauen und Mütter der Kinder ihrer Vergewaltiger geworden sein. Weder die Juden und Jüdinnen selbst, noch Bibelforscher und akademische Autoren nehmen Anstoß an dieser unbeschreiblichen Schande der Gewalt.

Bereits in Mesopotamien erfahren wir nach der Eroberung der Indo-Europäer von der Vergewaltigung kleiner Mädchen und der kindlichen Göttin Ninlil durch den patriarchalen Eroberergott Enlil. Samuel N. Kramer berichtet, wie Ninlil sich zu wehren versucht, sie fleht um Schonung, vergeblich:

›Meine Vagina ist zu klein.
Sie versteht den Beischlaf nicht.
Meine Lippen sind zu klein.
Sie verstehen nicht zu küssen.‹

Die Geschichtsschreiber machten aus Ninlil die Gattin Enlils,
womit die Vergewaltigung als ›rechtens‹ sanktioniert wurde.

Patriarchale Wissenschaftler und Kleriker, die keine Empörung bei der Beschreibung der vergewaltigten Mädchen empfinden, verleumden die sexuell aktive Göttin und die matriarchalen Frauen, die sie als ›unziemlich‹, ›unerträglich aggressiv‹, oder ›erschreckend unmoralisch‹ bezeichnen. Männer oder männliche Gottheiten, die legendäre Frauen oder Nymphen vergewaltigten oder verführten, beschreiben sie als ›verspielt‹ oder sogar anerkennend als ›viril‹ (s. Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988, S. 14 ff.).

Die sogenannten ›Tempelprostitution‹

»Die Frauen, die die alten sexuellen Gebräuche des Göttinnen Glaubens befolgten und die man in ihrer eigenen Sprache als heilige Frauen kannte, wurden immer wieder als ›rituelle Prostituierte‹ bezeichnet. Diese Wortwahl enthüllt eine ethnozentrische Moral, die wahrscheinlich meistens auf der Bibel beruht. Aber wenn man den Ausdruck ›Qadesch‹, also heilig‹ – und so wurden diese Frauen genannt – mit ›Prostituierte‹ übersetzt, so zeigt das ein mangelndes Verständnis der real existierenden theologischen und sozialen Struktur, die die Verfasser eigentlich beschreiben und erklären wollten.« (Merlin Stone ibd. S. 15 f.)

Von Herodot wissen wir, dass mit Berufung auf die Göttin der Liebe Frauen zur Prostitution gezwungen wurden:

»Jedes Weib des Landes muss einmal in ihrem Leben bei dem Tempel der Aphrodite sich niedersetzen und von einem Fremden beschlafen lassen… Und mitten zwischen den Weibern durch gehen schnurgerade Gassen nach allen Richtungen. Da gehen dann die Fremden und suchen sich eine aus. Und wenn ein Weib hier einmal sitzt, so darf sie nicht eher wieder nach Hause, als bis ein Fremder ihr Geld in den Schoss geworfen und sie außerhalb des Heiligtums beschlafen hat. Wenn er das Geld hinwirft, so muss er sprechen: ›Im Namen der Göttin Mylitta‹. Mylitta heißt nämlich bei den Assyrern (und Babyloniern) Aphrodite (eine Form Ishtars). Das Geld mag nun soviel sein wie es will, sie darf es nicht verschmähen: das ist verboten, denn es ist geweihtes Geld. Und mit dem ersten besten, der ihr Geld hinwirft, mit dem muss sie gehen und darf keinen abweisen.« (Herodot, I. Buch S. 199)

Es ging also um Zwangsprostitution; ein bis heute bekanntes Ausleben männlicher Macht. Leicht zu erraten – falls die Geschichte stimmt – ist auch, wer davon profitierte und wohin die Einnahmen gingen. Zu beachten ist jedenfalls, dass die von Herodot beschriebene und für Frauen entwürdigende Tempelprostitution aus der assyrisch-babylonischen, also aus der patriarchalen Zeit stammt, als die Gesetze, die die Frauen entmündigten und demütigten von indoarischen Herrschern verfügt wurden.

Prostitution ist ein Produkt des Patriarchats

Prostitution hat es nicht ›schon immer‹ gegeben und ist nicht ›das älteste Gewerbe der Welt‹. Frauen und Männer waren im Matriarchat sexuell frei, und der matriarchale Clan sorgte für alle ökonomischen Bedürfnisse seiner Mitglieder. Es gab keine Armut und damit erübrigte es sich auch Sexualität als ›Gewerbe‹ zu betreiben. Armut, Not und Zwang sind heute die häufigsten Gründe wenn Frauen Sex als ›Dienstleistung‹ anbieten (müssen); einer der Gründe, warum ein großer Teil der Bevölkerung von den Dikatoren in Armut gehalten werden. Sie bilden die nie versiegende  Quelle billiger Arbeitskräfte, zu der auch die Prostitution gehört.
Erst die Überfälle der Indo-Europäer, der Raub des Besitzes, der in den Händen der Frauen war, die Zerschlagung der mütterlichen Clans, die Einmischung der sie begleitenden arischen Priesterkaste in das sexuelle Verhalten, der Zwang zur patriarchalen Ehe und zum gemeinsamen Wohnsitz von Frau und Mann, die Enteignung und Entmündigung der Frau und die Kontrolle der weiblichen Sexualität führte zur perversen sexuellen Ausbeutung der Frau im Patriarchat. In Deutschland gehen täglich 1 Million Männer zu Prostituierten. Im Gegensatz zu den Freiern, die Sex ohne Bindung und Gefühl suchen, ziehen normalerweise Frauen mit Liebe gepaarten Sex vor und wünschen sich gefühlsmässige Intimität.
(Das Beispiel einer matriarchalen Völkergruppe im heutigen Nordvietnam, zeigt, dass die Frauen befürchten, dass mit dem allmählichen Einfluss des Patriarchats die Prostitution komme. s. Das Matriarchat in Vietnam)

Das Volk von Kanaan wurde zur Verehrung des patriarchalen Gottes gezwungen

›Siehst Du nicht, was sie in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems treiben? Die Kinder sammeln Holz, die Väter zünden das Feuer an, und die Frauen kneten den Teig, um Opferkuchen für die Himmelskönigin zu backen. Andern Göttern spendet man Trankopfer, um mir weh zu tun‹, jammert Jeremia (7,17-18)

Am Beispiel der Klage des jahwistischen Propheten zu Beginn des 6. Jahrhunderts v.u.Z. können wir die Verfolgung und den Kampf gegen den matriarchalen Glauben beobachten. Jeremia versuchte vergeblich das Volk zur Anbetung des Jahwe zu zwingen. Das heißt Zweieinhalbtausend Jahre nach der beginnenden Patriarchalisierung der eroberten Länder des Fruchtbaren Halbmondes durch die kriegerischen Indo-Europäer und die mit ihnen verbündete Priesterkaste der Arier hatte sich der Ein-Gott-Glaube noch keineswegs durchgesetzt. Etwa 900 Jahre vor Jeremia scheiterte schon der wahrscheinlich zur arischen Priesterkaste gehörende Echnaton in Ägypten mit dem Versuch, seinem Vater-Gott Aton zum Durchbruch zu verhelfen. Vergeblich! (s. ›Wer war Echnaton?‹)
Auch Jeremia scheiterte; das Volk rebellierte, besonders die Frauen, obwohl Jeremia drohte, Jahwe werde das untreue Volk töten. Als jüdische Frauen im Jahre 586 v.u.Z. »mit ihren Familien vor den babylonischen Truppen des Königs Nebukadnezar von Judäa nach Ägypten fliehen mussten, kamen sie dort mit dem Kult der Himmelskönigin in Berührung, dem sie sich begeistert anschlossen. Dem Propheten des Herrn war die weibliche Begeisterung für die Göttin unerträglich. Mit den schlimmsten Verwünschungen bis hin zu Ausrottungsdrohungen im Namen des Herrn versuchte er sie von ihren kultischen Feiern fern zu halten. Schließlich war Jahwe der Herr nach eigenem Bekunden ein eifersüchtiger Gott, der allein verehrt werden wollte und alle anderen spirituellen Regungen und Äußerungen immer wieder auszurotten befahl. Die Frauen ließen sich von solchen Drohungen jedoch nicht beeindrucken. Sie waren nicht bereit, sich ihr Recht auf ein eigenes Verständnis von Spiritualität streitig machen zu  lassen und gingen in Opposition. Erinnerungen waren in ihnen aufgestiegen und sie gedachten jener Zeiten, als man sie noch nicht gezwungen hatte, den patriarchalen Männergott kultisch zu verehren. Diese Zeit beschrieben die jüdischen Frauen wie folgt: Damals – als ›wir und unsere Väter, unsere Könige und unsere Vorgesetzten… in den Städten Judas und in den Straßen Jerusalems der Himmelskönigin Rauchopfer darbrachten und ihr Trankopfer ausgossen, hatten wir Brot genug und es ging uns wohl und wir sahen kein Unglück. Seit der Zeit aber, da wir abgelassen haben, der Himmelskönigin zu räuchern und Trankopfer darzubringen, haben wir allen Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umgekommen. Auch wenn wir der Himmelskönigin räuchern und opfern, tun wir das ja nicht ohne unsere Männer, dass wir ihr Kuchen mit ihrem Bilde machen, auf dass sie sich um uns bekümmere‹.« (Christa Mulack in ›Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung‹ 2003, S. 56)

Die Frau als Sündenbock des Patriarchats und der
Antisemitismus

»Der Bericht vom Sündenfall, die Sache mit Eva, war für die Entwicklung des Abendlandes immer eine Belastung besonderer Art. Er hat weitgehend zur allgemeinen Entrechtung der Frau in unserer Gesellschaft beigetragen, er hat nicht zuletzt jene beklemmende Verbindung von Fleischeslust und Sünde schlechthin geschaffen, die einsichtige Christen heute bedauern. Diesen Bericht mit den Augen des Vorgeschichtlers zu betrachten, dürfte darum vielleicht hilfreich sein. Wenn der Verfasser die Schuld am Verlust des Paradieses der Eva, also der Frau, aufbürdet, so zielte er damit auf die unbedingte Durchsetzung einer patriarchalischen Ordnung ab, die für ihn zur Zeit der Abfassung ein erst noch durchzusetzendes Programm war.« (Karl Brüning ›Die Sache mit dem Apfel‹ 1972)
Der Paläolinguist Richard Fester wagte es, seine These, was der eigentliche und ursprüngliche Grund für den Antisemitismus sein dürfte, öffentlich zu machen. Er schreibt: »Für die Welt von damals musste der Bericht vom Sündenfall Evas außerhalb des jüdischen Volkes wie eine ungeheuerliche Gotteslästerung wirken. Da die Juden dann später bei ihrer Eroberung ›des gelobten Landes‹ in Palästina ›auf Befehl Jahwes‹ alle die umbrachten, die diesem Glaubenswechsel ihre Zustimmung verweigerten, haben sie für die folgenden Jahrhunderte einen begreiflichen Hass gegen sich selbst gesät, der sich als Antisemitismus institutionalisierte, als längst vergessen war, worin er seinen ursprünglichen Grund hatte, und das, obschon das Christentum diesen Teil der jüdischen Überlieferung übernahm. Damit hatte die einstige Verleumdung Evas, der Stammmutter eines kleinen und damals recht unbedeutenden Nomadenstammes, eine verheerende, bis heute vorhandene Wirkung für die Frauen des Abendlandes.« (Richard Fester ›Weib und Macht‹ – Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau‹ 1979, S. 39)
Doch der Göttinnen-Mord begann mit der Machtnahme patriarchaler Männer vor 5000 Jahren in Ägypten und Mesopotamien und wurde ein Charakteristikum der Patriarchalisierung in allen eroberten Ländern. Er ist auch die Grundlage der patriarchalen monotheistischen Religionen, nicht nur der Jüdischen, sondern auch der Christlichen und Islamischen. (s. ›Der Göttinnen-Mord in den patriarchalen Religionen‹)
Am schlimmsten aber traf es die Jüdinnen und Juden in Europa selbst. Die ungeheuerliche Schandtat, die Ermordung von mehr als 6 Millionen Menschen, diese unsägliche Schuld wird die europäische Christenheit nie mehr aus ihrer Geschichte eliminieren können. Diese Verbrechen können nicht durch die damalige Geschichte gerechtfertigt oder erklärt werden; aber es zeigt, wie übermächtig die Vergangenheit bis in unsere Gegenwart nachwirkt.

›Was vor langem geschehen war, bestimmte, was sich seither ereignet hat
und liefert auch die entscheidende Erklärung für das gegenwärtige Geschehen.‹
(Y. H. Yerushalmi, jüdischer Historiker)

Das Patriarchat ist die Ideologie eifersüchtiger Männer,
die Frauen fürchten und hassen

Die Bibelschreiber erschufen die Frau aus dem Körper eines Mannes aus Rücksicht auf die Eifersucht des Mannes: »In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst, während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der Begattung beschränkt ist, zur bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der Männerwelt geführt haben.« (Othmar Keel/Silvia Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 11)

Diese Eifersucht die durch einen massive Minderwertigkeitskomplex, eine Kränkung der narzisstischen Hybris und einen offensichtlichen Realitätsverlust verursacht wird, ist – wenn wir Rolf Pohls Buch ›Feindbild Frau – Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen‹ 2004 konsultieren – nicht nur bei israelischen und arabischen Männern vorhanden, sondern weltweit. Es ist ein Produkt des patriarchalen Überlegenheitswahnes, von Anfang an. Die patriarchalen Eroberer aus dem Norden verachteten und hassten die matriarchale Göttin und die Frauen, die sie durch bösartige Attacken und harte, patriarchale Gesetze zu ›domestizieren‹ versuchten. Wie die katholischen Priester heute, hatte schon die Priesterkaste der Leviten ein absolut gestörtes Verhältnis zu den Frauen und zur Sexualität, welche ihre ganzen Gesetze auf brutalste Weise durchzieht und die Menschen der Mono-Religionen in ein religiös verordnetes Zwangskorsett presst. Der Alttestamentler Johannes Hempel attestiert dem Jahwisten »eine gebrochene Haltung zur Geschlechtlichkeit« (›Das Ethos im Alten Testament‹ 1938, S. 260). Zu den härtesten Strafen gehörten jene für ›sexuelle Verfehlungen‹ der Frauen. Robertson Smith schreibt: »Als die Frauen das Recht verloren, ihre Gefährten nach freiem Ermessen zu wählen, wurde die Frau der Herrschaft ihres Ehemannes unterworfen, und die Freiheit ihres Handelns wurde durch seine Eifersucht beschränkt. Gleichzeitig wurden ihre Kinder in allen Erbschaftsangelegenheiten sowie hinsichtlich aller Pflichten des Blutes nicht Glieder ihres, sondern nur  s e i n e s  Stammes. Soweit sich die Religion den neuen Bestimmungen der sozialen Ordnung, die sich aus dieser Entwicklung ergaben, anpasste,

musste die selbständige mütterliche Gottheit zu einer untergeordneten Genossin einer männlichen Gottheit werden.« (Smith ›Die Religion der Semiten‹ 1899, S. 41)

Das alles geschah jedoch nicht so harmlos wie es der schottischer Theologe der Free Church of Scotland und Professor für Altes Testament Robertson Smith darstellt. Das Matriarchat, die matriarchale Göttin und die Frauen wurden brutal bekämpft. Moses, der Gesetzgeber, ruft öffentlich zum Frau­enmord auf und verfügt: ›Wenn eines Priesters Tochter anfängt zu huren, die soll man mit Feuer ver­brennen, denn sie hat ihren Vater geschändet.‹ (3. Buch Mose 21,9) Das ist charakteristisch für die leviti­schen Ver­fasser des Alten Testa­ments,

sie »nannten alle sexuell autono­men Frauen, einschließlich der heiligen Frauen des Tempels, Hu­ren und Dirnen und forderten die Durchsetzung ihrer eigenen patriarchali­schen Hal­tungen beim se­xuellen Eigentum an den Frauen.« (Stone ibd. 1988, S. 262)

»Im Hoseabuch spielt die Polemik gegen bestimmte sexuelle Praktiken und gegen die Aschera eine wichtige Rolle. Jeder Abfall von JHWH wird als ›Huren‹ diffamiert. Das begünstigt den Verdacht, Abfall von JHWH finde primär im sexuell-erotischen Bereich statt und Frauen seien besonders gefährdet bzw. würden in diesem Kontext eine besondere Gefährdung darstellen.« (Othmar Keel/Silvia Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 52)

Die Vatergott-Religionen gründen auf der Eliminierung der Mutter-Göttin

Am Terror der Salafisten und Islamisten, an der Grausamkeit bei der Errichtung eines Kalifats im Nahen Osten erkennen wir, dass die monotheistischen Religionen zu abscheulichen, menschenverachtenden, mörderischen Diktaturen und verbrecherischen Organisationen ausarten können. Alle Vatergott-Religionen entstanden auf dem Urgrund des Muttergöttinen-Mordes, was die Ursache für das monströse Gewaltpotential sein dürfte. Die Schwere dieser Schuld lastet auf allen diesen Religionen und macht ihre Führer und Gläubigen anfechtbar, schwach, aggressiv, paranoid und kriegerisch, wie jede andere Diktatur. Damals galt der Kampf der Vernichtung und Auslöschung der matriarchalen Welt. Gläubige Menschen wurden ihrer Mutter-Göttin beraubt; durch Muttermord wurden sie spirituell zu mutterlosen Kindern. Jedoch: »Der Verlust transzendenter Mütterlichkeit ist für die Psyche des modernen Menschen katastrophal… Während der fanatische Absolutheitsanspruch patriarchaler Weltdeutung die Menschheit in ›heilige Kriege‹ verwickelt hat, während die unduldsame Härte der ›Religion der Liebe‹ die Scheiterhaufen nicht zum Verlöschen gebracht hat, bevor die Andersgläubigen vollkommen ›bekehrt‹ oder vernichtet gewesen sind, entfaltet sich durch die Anerkennung anderer Weltanschauungen aller Reichtum menschlichen Denkens.« (Weiler ibd. 1984, S. 92)

Der Beginn des Monotheismus

Endgültig setzte sich der Eingottglaube erst durch, nachdem die zur Gattin des neuen patriarchalen Gottes Jahwe degradierte Große Göttin Astarte eliminiert war. (s. ›Der Göttinnenmord in den patriarchalen Religionen‹) Wir wissen, schreibt der Alttestamentler Othmar Keel: »Ganz allein war JHWH nicht… An über 40 Stellen wird im Alten Testament polemisch eine Göttin namens Aschera genannt, die sich bis zur Reform des Königs Joschija 622. v. Chr. offensichtlich großer Beliebtheit erfreute. Seit 1975 sind Inschriften aus der Zeit um 800 v.Chr. bekannt, die ›JHWH und seine Aschera‹ nennen. Verschiedene Bibelstellen berichten von einem anthropomorphen Kultbild der Aschera im Tempel von Jerusalem. Speziell beauftragte Frauen woben für diese Schleier oder Baldachine (2. König 21,7; 23,6f). Die Säulenfiguren waren wohl Kopien dieses Kultbildes.

»Ein strenger Eingottglaube auf Kosten der Göttin hat sich in Jerusalem und Juda erst am Ende des 7. Jahrhunderts durchgesetzt.« (O. Keel ›Bibel + Orient im Original‹ 2007, S, 43)

Etwas spät für einen ›Urgott‹, von dem man behauptet, ›er war schon immer da‹. Wäre Jahwe tatsächlich ein ›Urgott‹, hätten Moses und die Propheten nicht derart brutal, mit Mord und Totschlag seine Anerkennung durchsetzen müssen. Männliche Götter sind NICHT ›Urzeitliche‹, sondern ›Spätlinge in der Religionsgeschichte‹. (G. van der Leeuw) Doch die Bibelschreiber und ihre Exegeten wollen die Geburt ihres monotheistischen Gottes religionsgeschichtlich viel weiter in die Vergangenheit zurück datieren als es historisch bezeugt ist.

Die grausame Vergangenheit leugnen und verdrängen ist systematisch für das Patriarchat

»Heute verleugnet Israel seinen Mutterschoß – religionsgeschichtlich und stammesgeschichtlich – es verdrängt seinen Ursprung und beraubt sich seiner Wurzeln – es war ›von Anfang an patriarchal‹! Mit der matriarchalen Welt ist das ganzheitliche Bewusstsein verloren gegangen, sind gesellschaftliche Werte vernichtet worden, aus denen – stünden sie uns zur Verfügung – die heutige Menschheit die Kräfte zum Überleben schöpfen könnte.« (Weiler ibd. 1984, S. 59)
Wie in Arabien setzen auch fromme Israeliten alles daran, ihre matriarchale Zeit zu verdrängen und die brutale Eliminierung der Göttinnen-Verehrung zu verschleiern. (s. ›Das Matriarchat in Arabien‹) Heute ist »gegen den Widerstand strenggläubiger Juden in Palästina eine rege Ausgrabungstätigkeit im Gang. Man müsse dem heiligen Boden die gebührende Ruhe lassen, argumentieren die Rabbiner. Sie, die ihre Bibel am besten kennen, werden sehr wohl wissen, was die heilige Erde birgt: Den Beweis der matriarchalen Tradition des jüdischen Volkes« (Weiler, 1984, S. 74).

Frauen sind aufgerufen, selber zu denken und zu forschen

Seit Frauen im Falle Israels »das patriarchale Bewusstsein in seiner Gesamtheit auf den Prüfstand gebracht haben, ist die Voraussetzung geschaffen, das Alte Testament als ein Dokument der Zeitgeschichte zu begreifen, als ein Zeugnis des patriarchalen Denkens, patriarchaler Sitte und Moral, die eine Vorgeschichte haben: Die matriarchale Religion und matriarchale Gesellschaftsformen – auch im Leben des Volkes der Bibel. Diese Forschungsarbeit müssen Frauen leisten. Es gibt gewiss auch Männer, die heute mit der Bibel kritischer umzugehen wagen als unsere Väter« (Weiler ibd. 1984, S. 34). Jedoch –  »nur Frauen, die sich dem Gesetz der patriarchalen Denknorm verweigern, die der patriarchalen Wissenschaftsdoktrin kritisch begegnen, können das Zu-Ende-Denken leisten, das uns wieder in den lebendigen Zusammenhang mit dem matriarchalen Bewusstsein bringt«. (Weiler ibd. 1984, S. 35)

Gerda Weiler spricht von einem Reichtum des Denkens, nicht des Glaubens dessen, was uns patriarchale Redakteure zu glauben aufzwingen: »Wenn wir ihnen blind vertrauen, kommen wir über vorgefasste Meinungen nicht hinaus. Wollen wir uns ein vorurteilsfreies Bild von der Welt machen, müssen wir uns selbständig auf den Weg machen. Das Alte Testament setzt Frauen, die neugierig sind auf die Frage nach dem Ursprung, die wissensdurstig nach den matriarchalen Quellen der Menschheit suchen, durch seine verwirrende Stofffülle erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Generationen von Vätern haben ganze Bibliotheken mit biblischen Kommentaren gefüllt. Es gibt Bibeltexte, zu denen allein die Bibliographie ihrer Bearbeiter einen dicken Band füllt! Wer könnte all dieses Material sichten? Es gehört Geduld und Ausdauer dazu, das Alte Testament nur zu lesen. Ohne Kommentar ist vieles unverständlich; die Kommentare aber verfestigen die patriarchale Tendenz, die der biblischen Endredaktion ohnehin zugrunde liegt:

Das Alte Testament und die zweitausendjährige Geschichte seiner Exegese sind eine einzige gigantische Dokumentation männlicher Weltdeutung zum Zwecke, die männliche Machtentfaltung heilig zu sprechen und die Unterdrückung der Frau zu rechtfertigen.« (Weiler ibd. 1984, S. 77f.)

Gerda Weiler glaubt, dass »wahrscheinlich nur Generationen feministischer Theologinnen die matriarchale Exegese leisten können« (Weiler ibd. 1984, S. 90). Denn: »Männer – auch die gutwilligsten – sind, bewusst oder unbewusst, eher an der Stabilisierung eines ›schon immer patriarchal aufgefassten Gesellschaftsbildes‹ interessiert. Ich bin bisher noch keinem Alttestamentler oder interessierten Bibelleser begegnet, der die kritische Frage nach der matriarchalen Gesellschaftsform in Israel gestellt, der auch nur den geringsten Zweifel am patriarchalen Gesellschaftssystem Israels überhaupt geäußert hätte. Selbst Forscher, die mit ihren Erkenntnissen überkommene Vorstellungen umstürzen, weichen der sich aufdrängenden Konsequenz aus ihren Studienergebnissen aus. Sie sind nicht bereit, das patriarchale Bewusstsein zu überschreiten. Daher projizieren sie die patriarchale Denkweise in die Vergangenheit und suggerieren uns, dass Frauen seit Adams Zeiten ihren Männern unterworfen gewesen seien, dass Untertanen vor Königen im Staub gelegen hätten, und dass das Patriarchat – besonders in der alttestamentlichen Religion – auf einen Vatergott zurückgehe, der die Welt erschaffen habe.« (Weiler 1984, S. 35) Dies ist Gerda Weilers Erfahrung bis 1984. Der Alttestamentler Othmar Keel hat seither mindestens hie und da einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gewagt (s. oben). Er bleibt jedoch ambivalent und seine Suche nach der historischen Realität überzeugt nicht. Zu Bildern der Gewalt schreibt Keel geradezu berauscht vom kriegsgeilen Pharao:

»Die Gestalt des Königs nimmt monumentale Größe an. Von einer Armee ist gar nicht die Rede. Die Überlegenheit des Königs ist absolut. Er schlägt die Feinde nieder und zertritt sie wie Gassenkot.»

»Die Psalmverse zu den einzelnen ägyptischen Darstellungen lassen die enge Verwandtschaft beider Auffassungen deutlich zutage treten.« (Keel ›Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament – Am Beispiel der Psalmen‹, 1996, S. 270, Hvhb. DW)

In diesem Buch wird die Grausamkeit Gottes und der Pharaonen hundertfach zelebriert und glorifiziert. Keel zeigt die tragische ›enge Verwandtschaft‹ des kriegerischen, despotischen Königtums mit den Gräueln, wie sie im Alten Testament im Namen Jahwes ebenso zahlreich beschrieben sind, völlig unkritisch auf.
Die Frauen nehmen in der Geschichtsschreibung der patriarchalen Autoren nur eine sekundäre Rolle ein, sie sind minderwertig. Bis noch vor kurzem wurde in der Kirche diskutiert, ob Frauen überhaupt Menschen seien und ob sie eine Seele haben. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die weniger als andere Frauen vom Verschweigen in der Bibel betroffen sind, gehört Sarah, die Gattin Abrahams.

Sarah/Zara – eine indoeuropäisch/arische Fürstin, ›die Zarin‹

Der Mythos von der Bedeutungslosigkeit der Frau in der Bibel:
Sarah, Königin, Zarin, Stammesmutter und Gattin Abrahams

Dieses Beispiel sei hier noch angefügt, weil es noch immer als Verkehrung der Tatsachen in den patriarchalen Religionen eine wesentliche Rolle spielt. Ursprünglich wurden die Anhänger Mohammeds ›Hagarener‹ nach Hagar, der ägyptischen Magd Saras, der Nebenfrau Abrahams; ›Ismaeliten‹ nach ihrem Sohn Ismael und ›Sarazenen‹ nach Sara genannt. Die Bezeichnung ›Sarazenen‹ für Araber war im Mittelalter für die Gegner der Kreuzfahrer üblich. Interessant daran ist, dass das griechische ›sara-cenoi‹ und das latinisierte ›sara-ceni‹ Menschen bezeichnen, ›die aus dem Geschlecht der Sarah stammen‹. Aus den ›Legenden der Juden‹ lernen wir, dass Sarah höher stand als ihr Gatte Abraham, ein Hirte, der aus Ur stammte. Abraham verdankte seinen Reichtum, seine Herden und seine Stellung als Stammesführer seiner Frau Sarah (Louis Ginzberg: ›The Legends of the Jews‹, 1909). Ganz ähnlich verdankte auch Mohammed sein Ansehen und sein Vermögen seiner ersten Frau Chadidscha. Besitz und Vermögen waren im Matriarchat in den Händen der Frauen.
Bei Sarah werden Spuren der matriarchalen/matrilinearen Geschichte noch deutlich sichtbar. »Aus den (jüdischen) Legenden, wenn auch nicht so sehr aus der Schöpfungsgeschichte, geht klar hervor, dass sie eine chaldäische Prinzessin war, die Abraham eine Stellung verlieh, indem sie ihn heiratete. Dass sie die wichtigere Person war, wird im Alten Testament angedeutet und in den Sagen vollkommen geklärt. Die Sagen der Juden sind eine Zusammenstellung alter jüdischer Überlieferungen, die sich im Bewusstsein des Volkes noch erhalten hatten, nachdem der Pentateuch einer umwälzenden Neuausgabe durch spätere Patriarchen unterworfen worden war. Sie bieten daher einen viel genaueren Einblick in das frühe Judentum. Dort heißt es, dass ›Sarahs Tod ein großer Verlust für das Land war. Solange sie lebte, ging alles gut. Nach ihrem Tod entstand Unordnung‹. Und das ist beim Tod einer einfachen Gattin nicht möglich. Tatsächlich war Abraham ›nur der Gatte‹. Sein Stamm war ursprünglich der Stamm Sarahs. Die Juden erhielten ihren Namen Israeliten nicht vom Vater Abraham, sondern von Sarahs Sohn Isaak oder Israel. (Nach der Bibel leitet sich der Name der Israeliten von Jakob ab, dem Sohn Rebekkas).

›Sara soll die Mutter ganzer Völker werden, und Könige sollen von ihr abstammen‹ (Gen 17,16)

»Talmudische Gelehrte, jüdische Rabbis, sie alle haben seit Langem erkannt, dass die Matriarchinnen Sarah, Rebekka, Rachel und Leah wichtigere Personen waren als ihre Männer Abraham, Isaak und Jakob. Doch nachexilische patriarchale Herausgeber des Alten Testaments verheimlichten die Tatsache sehr erfolgreich.« (Elizabeth Gould Davis, ›Am Anfang war die Frau – Die neue Zivilisationsgeschichte aus weiblicher  Sicht‹, 1987, S. 132 f.). Alle monotheistischen Religionen gehen folglich auf das Geschlecht von Stammmüttern, der Fürstin Sarah, der Halbschwester Abrahams und seiner Nebenfrau Hagar zurück.

»Die Bibel hat – was wenig bekannt ist – von 1559 bis zum Jahr 1966 auf dem Index des Vatikans gestanden, auf der Liste derjenigen Bücher, die der Katholik nur mit ausdrücklicher Erlaubnis lesen darf. Aber auch der evangelische Laie hat normalerweise die Bibel nur in ausgewählten Texten kennengelernt. Fromme Legenden und Sprüche, aus denen alle Widersprüche ausgeklammert sind, bilden die Lektüre des gläubigen Laien. Diese Texte zu hinterfragen ist verboten.« (Gerda Weiler ›Ich verwerfe im Lande die Kriege – Das verborgene Matriarchat im Alten Testament‹ 1984, S. 117)

Es wird behauptet, dass man mit dem Bibelverbot die Katholiken vor Irrtümern bewahren wollte; doch eher bewahrte man damit die katholische Kirche vor der Rechtfertigung, dass sie ihre Religion auf ein Zeugnis unsäglicher Grausamkeit stützt. Entsetzt und empört über das was sie endlich verstanden hatte, schrieb die einstmals katholische Religionspädagogin Lucie Stapenhorst: »Die zitierten Bibelstellen widerlegen die These von der sanften geschichtlichen und geistigen Evolution. Sie liefern uns ein erschütterndes Beispiel für die patriarchale Besetzung des Landes und der Frauen und für die gnadenlose Ausrottung matriarchaler Kulturen und ihrer Göttinnenkulte durch den patriarchalen Gott und seine Anhänger. Solcher Beispiele gibt es zu viele, als dass wir sie als einmalige Entgleisung abtun können. Es ist keine Entgleisung, es ist das Programm des Patriarchats.« (Stapenhorst ›Die Drächin und der Held – Vom Kampf gegen die weibliche Ur-Macht in Mythen, Märchen und Tiefenpsychologie‹ 1993, S. 92)
Obwohl uns noch immer suggeriert wird, die Juden seien das weltweit einzige Volk, das ›schon immer‹ patriarchal war; und dementsprechend schon immer einen patriarchalen Gott verehrte, ist dies eine tendenziöse Irreführung. Diese Unwahrheit kommt auch den beiden anderen patriarchalen Religionen, dem Christentum und Islam, die darauf basieren, sehr gelegen. Sie unterstützt die Rechtfertigung ihres eigenen Anspruchs, durch ihren Ursprung aus dem jüdischen Ur-Monotheismus, auf dem ältesten und einzig wahren Glauben zu beruhen. Es gab jedoch weltweit weder ein Ur-Patriarchat, noch einen Ur-Gott noch einen Ur-Monotheismus; Israel bildet da keine Ausnahme. Alt-Israel war in seine matriarchale Umgebung und den Glauben an die Große Göttin eingebettet.

›Unterdrückung ist erst dann vollendet gelungen, wenn die Unterdrückten dasselbe glauben und wollen wie ihre Herren und die Interessen der Herren mit ihren eigenen verwechseln. Solange dies nicht erreicht ist, können die Herren ihre Herrschaft nicht richtig genießen, weil sie gegen den Widerstand der Unterdrückten kämpfen oder mindestens arbeiten müssen. Bezogen auf Frauen, Männer und sämtliche Aspekte der Kultur: Wer durchgesetzt hat, dass seine Version von Kultur als die Kultur gilt, hat gewonnen.‹ (Luise Pusch ›Alle Menschen werden Schwestern‹ 1990, S. 172)

 

 

 


Print page