Die weißen Götter-Macher

Aus dem Inhalt:

  • Die patriarchalen weißen Götter-Macher
  • Die Erfindung männlicher Götter ist die Folge der Entdeckung der Vaterschaft
  • Die Götter von indoeuropäischen Rinderzüchtern dominieren unsere heutige Welt
  • Die drei monotheistischen Götter sind Konstrukte ihrer Zeit
  • Jede Mono-Religion birgt in sich ein Potential von Gewalt
  • Religiöse Wissenschaftler sind blind für die Tatsachen
  • Es gab keinen Ur-Gott und kein Ur-Patriarchat
  • ›Uranfang und Urgötter und die ihnen zugedachte Weltschöpfung sind Produkte spekulativen Denkens‹
  • So werden bis heute immer wieder neue Götter und Mythen geschaffen
  • Die Diktatur der patriarchalen Religionen sind eine Katastrophe für die ganze Menschheit

 

Die patriarchalen weißen Göttermacher

Nicht die Götter haben die Menschen geschaffen, sondern die Menschen die Götter (Homer)

Wahrheitsgemäss und wirklichkeitsnaher müsste Homer sprachlich differenzierter aber so übersetzt werden: Nicht die Götter haben die Menschen geschaffen, sondern die MÄNNER die Götter! Die Erfindung männlicher Götter entsprang nicht einem spirituellen Bedürfnis der Menschen, sondern dem Bedürfnis einiger Männer nach Macht.
Nachdem indoeuropäisch/arische Viehhirten in den eurasischen Steppen den männlichen Anteil bei der Zeugung neuen Lebens entdeckt hatten, erfanden sie – aufgrund ihrer der Frau vermeintlich weit überlegenen Wichtigkeit –, die Ideologie von der HERR-schaft der Väter, das Patriarchat. Aus ihren Reihen ging die erste männliche Priesterkaste hervor, die die ersten männlichen Götter – nach ihrem männlichem Ebenbild – schufen. Die eindeutig rassistischen Weißen, kriegslüsterne barbarische Eroberer, duldeten keine schwarze Göttin im afrikanischen Ägypten. Sie trachteten bei all ihren Eroberungen von Anfang an danach, die Göttin erst abzuwerten, dann sie zu eliminieren und durch (indoarische) Vater- und Schöpfer-Götter vollständig zu ersetzen. Das ist ihnen spätestens seit der Erfindung des Korans gelungen.
Man bedenke, männliche Götter wurden vor ›nur‹ etwa 5000 Jahren von den Indo-Europäern/Ariern in Konkurrenz zur Großen Göttin erdacht, propagiert und schließlich mit Gewalt durchgesetzt. 5000 Jahre sind eine sehr kurze Zeit, verglichen mit der Zeit der Verehrung der weiblichen Urahnin, der Großen Göttin, die aus der Verehrung der Mutter, der Schöpferin und Gebärerin, seit dem Beginn der Menschheit hervorging. (s. ›Geheimnisse der Steinzeitkunst)

Die Erfindung männlicher Götter ist eine Folge der Entdeckung der Vaterschaft

Wie gesagt, das Wissen um die biologische Vaterschaft geht auf die Beobachtung indoeuropäischer Rinderzüchter zurück, die entdeckten, dass der Stier einen Anteil bei der Erzeugung von Jungtieren hatte. Die Entdeckung des Anteils der Männer bei der Zeugung war gravierend und wirkte wie ein Paukenschlag, der unsere Welt von Grund auf veränderte. Die Wichtigkeit der biologischen Vaterschaft, die bisher unbekannt und daher unwichtig war, wurde und wird in archaisch-patriarchalen Ländern und besonders von deren Religionen bis heute ins Maßlose überhöht. Sie führte zur politischen und religiösen Machtnahme der Männer, zur Ideologie des Patriarchats und damit zur ›Herrschaft der Väter‹. Radikal und sehr erfolgreich wurde die Erinnerung an die Vernichtung der matriarchalen Kultur, die Verfolgung und Abwertung der Göttin und ihre schlussendliche Eliminierung aus der Geschichte und dem Gedächtnis der Menschen getilgt.
Mit der Erfindung der ersten männlichen Götter erhoben Väter den Anspruch auf die gleiche Verehrung, wie sie bis dahin den Müttern zugekommen war. Die Anerkennung der Ebenbürtigkeit des Mannes mit den von ihnen geschaffenen Göttern ließ nicht lange auf sich warten. Die Eroberer Mesopotamiens und Ägyptens nannten sich ›Gott-Könige‹ und bereitwillig wiederholten es die Wissenschaftler, die in den letzten zwei Jahrhunderten darüber schrieben (s.›Die späte Entdeckung der Vaterschaft – nach 2 Millionen Jahren Matriarchat‹)

Der Irrtum fing damit an, dass man sich Gott als Mann vorstellte.
Das macht das Leben so widersinnig und den Tod so unnatürlich.
(Eugene O‘Neill)

  Von indoeuropäischen Hirten und ihren Nachkommen geschaffene Götter dominieren unsere heutige Welt

Der gute Hirte›Gute Hirten‹ nennen sich die indoeuropäischen Viehzüchter und Schafhirten, nachdem sie sich zu Königen der eroberten Länder gemacht hatten. (s. Jean-Claude Margueron ›Mesopotamien‹ 1970)

Es waren primitive Rinderzüchter und Hirten, die die ersten männlichen Götter nach ihrem eigenen Ebenbild erfanden; dann rühmten sie sich selbst ihrer ›Gottes-Ebenbildlichkeit‹. Nach der Eroberung und im Laufe der Entstehung und Entwicklung des despotischen, dynastischen ägyptischen Staates nahm die Rinderzucht einen wichtigen Platz ein. Ihr Hirtenstab und die Geißel der Pferdezüchter waren die Herrschaftssymbole der Pharaonen. Eine eigens erfundene Priesterkaste waltete als Propagandisten, die die Mythen von den neuen Göttern der indoeuropäisch/arischen Hirten verbreitete. Der Hirtenstab blieb das Herrschaftssymbol der Nachkommen dieser ersten indoeuropäischen Priesterkasten und der späteren Bischöfe und des Papstes! Im Lateinischen heißt Hirte ›Pastor‹; seine Bilder wurzeln in der altorientalischen Viehzüchtergesellschaft. Der Hirte hat auch für das Christentum eine besondere Bedeutung, da Jesus selbst sich gemäß dem Johannesevangelium als der ›gute Hirte‹ bezeichnet, der sein Leben für die Schafe hinzugeben bereit ist (Joh 10,11): ›Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.‹ Nur mangelt es  vielen Menschen beinahe an allem; die Not ist groß, seit die indoeuropäischen Patriarchen an der Macht sind. Hingegen haben die ›guten Hirten‹ ihre Kassen (z.B. die Kirchen in Deutschland), prall und voll gestopft.
Nach dem Erkennen der Vaterschaft verliehen sich die Anführer der  Rinderzüchter das Prädikat ›Starker Stier‹. Die hellhäutigen, blauäugigen, rothaarigen und ›semmelblonden‹, indoeuropäischen Invasoren nannten die eroberten Völker des Südens abschätzig ›Schwarzköpfige‹ und ›Vieh der Götter‹, deren ›Hirten‹ sie sind. Siegfried Giedion erkennt darin die neue patriarchale Unterteilung und Rangfolge der Menschen. Er schreibt:

›In dieser Zeit entstand die neue Götterwelt, deren hierarchische Struktur die damalige soziale Ordnung widerspiegelte.‹ (Siegfried Giedion)

Seit den ersten ›erfolgreichen‹ Eroberungen der Indo-Europäer/Arier vor etwas mehr als 5000 Jahren nahmen die Überfälle auf die matriarchalen Länder und die Massakrierung ihrer Bevölkerung ständig zu. »Während des ganzen zweiten Jahrtausends gelangen den Indo-Europäern weitere Einbrüche nach Mesopotamien und Kanaan, und vielleicht haben sie eine wichtige Rolle bei der Entstehung der hebräischen Religion und ihrer Gesetze gespielt.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war – Die Geschichte der Ur-Religion unserer Kulturen‹ 1988 S. 97) Merlin Stone ist meines Wissens die erste und bisher einzige Forscherin, die diese für die Entstehung der monotheistischen Religionen geschichtsträchtige Vermutung äußerte. Die Geschichte wird ihre Vermutung bestätigen. Die massgebliche Priesterkaste der Leviten ist indoeuropäisch; die ungeheure Gewalt im Alten Testament, der Kampf gegen die Große Göttin, die Propagierung eines einzigen Gottes, das Wüten gegen sexuelle Freiheit und die Frauen, das alles und einiges mehr, sind Charakteristiken der Barbarei der Indo-Europäer.

Die drei monotheistischen Götter sind indoeuropäische Konstrukte ihrer Zeit mit allen Merkmalen von Despoten

  •  Der eifer- und rachsüchtige jüdische Jahve: Die indoeuropäischen Anführer und die Mitglieder ihrer Priesterkaste die Kanaan eroberten, schüchterten die Menschen mit einem furchtbaren, drohenden und strafenden Gott ein. Die Große Göttin von Kanaan musste – trotz der Gegenwehr der Frauen – schlussendlich ihren Platz räumen.
  • Der autoritäre ›Vatergott‹ der Christen und sein Sohn Jesus, ›der Erlöser‹: Die Exegeten des Neuen Testaments versuchten das Bild des bösartigen indoeuropäischen Gottes etwas zu mildern und schufen den ›Lieben Gott‹; der so lieb aber auch nicht war; er ließ seinen eigenen Sohn während der Folter und am Kreuz buchstäblich hängen. Nach diesem göttlichen Vorbild schick(t)en Millionen von Vätern ihre Söhne in den Tod, um in blutigen Kriegen ihr Land von ›Feinden zu erlösen‹, die sie überall sehen und um durch den Krieg Frieden zu bringen! Eine Ungeheuerlichkeit! Weil kein realer Mann die Welt von der Brutalität des Patriarchats und das Volk von ihrem Leiden retten konnte, erfanden dieKleriker einen utopischen ›Erlöser‹, der es jedoch auch nicht schaffte, uns aus der patriarchalen kriegerischen Misere zu erlösen. Denn dieser Erlöser, der sich sogar als ›Sohn‹ des patriarchalen Vatergottes ausgab, war gar nicht so friedliebend. Er sagte: ›Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert!‹ (Matthäus 10, 34)
  • Der kriegeriche Allah: Im 7. Jahrhundert u.Z. hatte das Patriarchat schon soviel an Boden gewonnen, dass Mohammed es wagen konnte, die arabische Göttinnen-Trinität zu eliminieren, den Pilgerort der Göttinnen-Trinität in Mekka, die Kaaba, zu usurpieren, die Göttin Al-Lat zu vermännlichen und Allah als alleinigen Gott zu verkünden und mit Gewalt durchzusetzen. (s. D. Wolf ›Das Matriarchat in Arabien‹)

Jede Mono-Religion birgt in sich ein Potential von Gewalt

Viele religiöse Dogmen sind geprägt von Gewalt und alle männlichen Götter wurden mit Gewalt und Krieg verbreitet. Alle drei monotheistischen patriarchalen Religionen haben eine Tendenz zum Faschismus, sind diktatorisch, militaristisch, rassistisch, fordern Unterwerfung und Gehorsam, sind homophob und frauenfeindlich.

Aufgrund der indoeuropäischen Gewalt und Härte und ihrer massiven Propaganda für die männlichen Götter, die als Vater-, Schöpfer- und Ur-Götter proklamiert wurden, übernahmen Männer und Frauen die Abwertung der Frau durch die patriarchalen Kleriker, die Überhöhung des Mannes und seine Herrschaft mit der Zeit gleichermaßen.
Alle drei monotheistischen Religionen und ihre Götter wurden von Männern für Männer geschaffen. Offenbar brauchen unreife patriarchale Männer eine starke Führerfigur, der sie sich unterwerfen können, um die eigene Schwäche und Unmündigkeit zu kompensieren.

Lust auf Unterwerfung: Masochismus oder Hoffnung auf patriarchale Akzeptanz?

Selbst der kluge Freud, war der patriarchalen Hirnwäsche nicht entgangen. Er analysierte als Ursprung für die Erfindung eines strengen Gottvaters unter anderem ein unmündiges Bedürfnis danach, Verantwortung an Autoritäten abzugeben, sich kindlich zu unterwerfen. Eigentlich müsste gerade er wissen: Der Drang, sich einem anderen, als ›größer‹ Erkannten bedingungslos unterzuordnen, ist einer der wichtigen Triebkräfte, an einen Vatergott zu glauben, besonders wenn sich der eigene Vater nicht zur Idealisierung eignet und das Verhältnis zu ihm stets mit Schwierigkeiten verbunden war. Alle Priester haben dieses Problem, meint einer der es wissen muss, selbst ein geweihter Priester und Psychoanalytiker. Mit Gott als Vater kann man gut auf einen fehlerhaften, lieblosen, demütigenden, sadistischen oder abwesenden, oft allzu menschlichen irdischen Vater verzichten. Der Evangelische Theologe und Religionspädagoge Siegfried Vierzig schreibt zu diesem Zwang zur Unterwerfung:
»Die kindhafte Unsicherheit des Menschen gebiert die Projektion eines autoritären Vatergottes, von dem der Mensch abhängig ist, der ihn aus dem Paradies vertreibt und ihn mit dem Tod bestraft. Damit ist der Ungehorsam des Menschen zum Grund des Bösen erhoben… Diese Gottesvorstellung selbst ist die Projektion des Menschen, der mit sich und der Welt nicht zurecht kommt.« (S. Vierzig ›Das Böse‹ 1984, S. 25)
Das ist eine düstere Begründung, die den kindhaften Mann-Menschen zur Schaffung von Vatergöttern verführte. Sigmund Freud hatte einen ähnlichen Gedanken, er schrieb: »Die meisten Menschen haben das starke Bedürfnis nach einer Autorität, die sie bewundern und der sie sich unterwerfen können, die sie beherrscht und manchmal sogar mißhandelt. Von der Psychologie des Individuums haben wir gelernt, woher dieses Verlangen kommt: Es ist die Sehnsucht nach dem Vater.«

›Der Glaube ist ja sowohl ein psychologisches Phänomen, das in eine bestimmte Gemeinschaft eingebettet ist, als auch eine Frage der Geisteshaltung, die stark von der jeweiligen Kultur geprägt ist.‹ (Jean-François Colosimo, Religionshistoriker)

Es mag für Gläubige, die einen lieblosen, tyrannischen, abwesenden oder uninteressierten Vater hatten, tröstlich sein, an ein überragendes, wenn auch abstraktes göttliches Neutrum im Himmel zu glauben, der das ungeliebte Kind, das es einst war, liebt!

›Die Welt brennt, und Gott glänzt einmal mehr durch Abwesenheit‹ (Hugo Stamm)

Die tauben Vatergötter, zu denen in der Not des patriarchalen Elends ständig gebetet, gebeten und gebettelt wird, scheinen tatsächlich abwesend und uninteressiert zu sein; sie haben noch nie Armut und Hunger, keinen Krieg, keine Versklavung, keine Massaker an Andersgläubigen, keine Vergewaltigung von Frauen oder den Holocaust verhindert. Doch auch das Beten, das den erbetenen Erfolg schuldig bleibt, scheinen die BeterInnen irgendwie zu ›verstehen‹, gar zu entschuldigen. Wenn Beten nicht hilft, dann ist es eben ›Gottes-Wille‹! Eine entsetzlicher Fatalismus, einen grausamen, erbarmungslosen Vatergott, dem das grausige Schicksal seiner Kinder egal zu sein scheint, zu akzeptieren, zu verehren und sogar zu lieben. Und das alles in der Hoffnung, sich dadurch den Lohn in einem fiktiven Himmelreich zu verdienen. Unglaublich wie diese Schreckens-Götter die Welt beherrschen, durch ständige Wiederholung, ständige Propaganda, durch die Verteilung der Bibel; über eine Milliarde sollen es sein, in allen Sprachen der Welt; kommt hinzu, die ebenso üppige Verteilung des Koran. Durch Indoktrination, Gehirnwäsche, Drohungen und leere Versprechungen von einem paradiesischen Jenseits lassen sich die Menschen einschüchtern, verführen und betören.

Nachdem die Muttergöttin in allen drei Religionen eliminiert wurde (s. Der Göttinnen-Mord in den patriarchalen Religionen), stehen den Gläubigen nur noch die hochstilisierten Göttergestalten zur Verfügung. Die – von der Mutter verlassenen Kinder –  bzw. die Waisen der von den Anhängern der Vatergötter umgebrachten Mütter – können/müssen nun alle ihre kindlichen Sehnsüchte und Wünsche nach Schutz und Trost durch eine liebevolle Elternfigur auf die mitleidlosen Vatergötter im Himmel richten. In aller Welt kämpfen Vertreter unterschiedlicher religiöser Parteien ›im Namen Gottes, des Allmächtigen und Barmherzigen‹ in blutigen Kriegen gegeneinander. Sie töten Menschen, zerstören Länder und Kulturen und berufen sich jeweils auf ihren ›einen, alleinigen und wahren‹ Gott!

Ein Vater kann eine Mutter nicht ersetzen.
Und ein Vatergott ist weder ein Ersatz noch eine Wiedergutmachung für die ermordete Muttergöttin.

Religiöse Wissenschaftler sind blind für die Tatsachen

Die männlich dominierten Königsdynastien Mesopotamiens und Ägyptens, die beide an der Wende vom 4. ins 3. Jahrtausend durch die Invasionen ›der Asiaten‹ gegründet wurden, werden von den ›modernen‹ Wissenschaftlern ignoriert. Das Unglück wird im alten Ägyptern in den ›Gesängen des Nil‹ beklagt:

Alles Glück ist dahin,
die Welt ist ins Elend gestoßen durch jene,
die sich mästen, die Asiaten, die das Land durchziehen.
Aufruhr ist im Osten entstanden.
Die Asiaten sind nach Ägypten gekommen.
(Gesänge vom Nil)

Die verzweifelte Klage eines Einheimischen wird von den Ägyptologen nicht ernst genommen. Weil man die Möglichkeit einer Eroberung Ägyptens durch ›die Asiaten‹ nicht wahrhaben will, ignoriert man sie und steht vor Fragen, die nicht beantwortet werden können. So schreibt etwa Erik Hornung: »Wie unfruchtbar ist alles Fragen nach der ursprünglichen Lokalisierung von Horus oder Osiris geblieben! Aber die Frage nach der ›kultischen Heimat‹ oder dem ›ursprünglichen Wesen‹ einer Gottheit will nicht verstummen, zu tief stecken wir in der Denkgewohnheit, alles auf eine Ursache zurückführen zu wollen. Und es scheint in seiner Einfachheit immer noch faszinierend zu sein, die Religionsgeschichte als Religionspolitik einzelner Orte und Priesterschaften zu sehen… Bei allen bedeutenden Göttern deren ›Heraufkunft‹ sich im Alten Reich beobachten lässt – Re, Osiris, Ptah und Amun –, ist die Verbindung mit einem bestimmten Hauptkultort deutlich sekundär. Bei einer Anzahl von Gottheiten sahen wir, dass ihr Kult schon zu Beginn der Geschichte über das ganze Land verbreitet ist. Die angeblichen ›Ortsgötter‹ von Elephantine, von Sais und von Bubastis treten uns zu allererst nicht als lokale, sondern als universale Gottheiten entgegen.« (Erik Hornung ›Der Eine und die Vielen‹1971, S. 221. Der Titel ist übrigens ein Plagiat aus Platons Parmenides DW)
›Universale Götter‹ gab es nicht; es sind ausschließlich Göttinnen, die diesen Platz belegen können: Die mächtige Sachmet, die Göttin Satis von Elephantine, die Göttin Neith in ihrem Hauptkultort Sais im Delta. Hornung hat jedoch recht, wo er schreibt:

»Die reiche und komplexe Natur der Götter will sich den allzu einfältigen Denkschemata, die wir aufstellen, nicht bequemen – in so grobmaschigen Netzen ist kein Gott zu fangen.« (Erik Hornung)

Es gab keinen Ur-Gott und kein Ur-Patriarchat

In der 5. Dynastie Ägyptens wird der indoeuropäisch/arische Sonnengott Re/Ra als Staatsgott lanciert. Sein Erscheinen ist reichlich spät und auffallend für einen als ›Ur-Gott‹ propagierten Gott. Seine Herkunft ist den Ägyptologen ›unbekannt‹. Für sie ist auch »die Etymologie des Namens Re unsicher« (Barta LÄ, V, S. 156 f.). Immerhin bezeichnen sie Amun-Re als ›König der Götter‹. Die Bezeichnung König und Re sind grundsätzlich wesensverwandt und austauschbar. Der König ist Re und Re steht für den König, was im europäischen ›Gottkönigtum‹ nicht anders aussieht. Herkunft und Etymologie des Re/Ra lassen sich durch einige indoeuropäische Bezeichnungen für ›König‹ aufklären: lat. Rex, ital. Re, franz. Roi, keltisch Ri/Rig, Sanskrit Ra (königlich, hoch erhaben). Re/Ra ist in Ägypten der arische Gott schlechthin. Die Herkunft des Widdergottes Amun/Amen, den Juden, Christen und Muslime nach jedem Gebet anrufen – einer der bedeutendsten ägyptischen Sonnengötter – ist bei den Ägyptologen ebenfalls ›stark umstritten‹ (Otto LÄ, I, S. 237); jedoch ist auch er identifizierbar: als Amur, war er der patriarchale Gott nomadisierender Stämme zentralasiatischer Schafzüchter und Hirten und wird nicht nur in Ägypten, sondern auch nach dem mesopotamischen Uruk/Warka von den indoeuropäischen Eroberern um 3000 mitgebracht.

Widder aus UrukWidder aus Uruk um 3000 (Staatliche Museen Berlin, Bild: Olaf Tessmer).

›Selbst sekundäre Schöpfergottheiten, allen voran der Sonnengott, der selbst ein Geschöpf der Urzeitlichen ist, reklamieren für sich die Urgott-Eigenschaften, denn Größe und Rang eines Gottes bemessen sich nach seiner Beziehung zum Ursprung.‹ (Wolfhart Westendorf, LÄ, VI, S. 870)

Nicht nur Urgotteigenschaften werden reklamiert, auch die Geburt aus der Mutter wird bestritten und Selbsterschaffungsphantasien nehmen breiten Raum ein; damit wird der Ursprung aus der Frau geleugnet. Sie macht den Vater-Gott von der Mutter-Göttin unabhängig.
Wolfhart Westendorf erkannte den klerikalen Bluff: »Auch wenn die großen Ur- und Schöpfergottheiten sich in ihren Prädikaten bescheinigen lassen, dass sie ›Vater und Mutter‹ zugleich sind und dass erst aus dieser Urgottgemeinschaft die Zeugung neuen Lebens ermöglicht wurde, sie hingegen ›von selbst entstanden‹ sind, auch wenn sie sich also noch so sehr an den Uranfang stellen, dürfte diese Konzeption eines androgynen Schöpfergottes historisch nicht die anfängliche Gottesvorstellung gewesen sein, sondern erst das Produkt spekulativen Denkens.« (ZÄS 1974, S. 136–139) Westendorf beschreibt, was damals geschah. Die Tendenz, unter einer Zahl von Gottheiten eine als Ur- und Schöpfergottheit an die Spitze zu rücken, führte zwangsläufig dazu, diese EINE Gottheit mit Eigenschaften auszustatten, die ihr ursprünglich nicht zu eigen waren.
Erik Hornung behauptet dagegen, beim ›Urgott‹ handle es sich um »eine konsequente Bezeichnung des ältesten Gottes, der noch ohne weibliche Mithilfe die ersten Gottheiten ins Leben ruft« (›Der eine und die Vielen 1971, S. 139)! Kennzeichnend für die ägyptische Gottesvorstellung sei deshalb »die scheinbar paradoxe Aussage, dass Gott die Götter geschaffen habe« (ibd. S. 140). Auch der Religionsgeschichtler Hellmut Brunner vertritt diese Idee: »Die Weltschöpfung ist die Tat eines Urgottes, der verschiedene Namen tragen kann: Re, Atum, Amun, Ptah, aber auch andere.« (Brunner Altägyptische Religion‹ 1989, S. 48) Man begegnet solch abwegigen Behauptungen bei gläubigen Anhängern der monotheistischen Vatergötter immer wieder. Westendorf erklärte jedoch:

»Uranfang und Urgötter und die ihnen zugedachte Weltschöpfung sind Produkte spekulativen Denkens.«

Gläubige – oder sollte man sagen, fanatische oder naive Vertreter der christlichen Religion – machten sich sogar stark für den absurden Gedanken, die ägyptische Religion enthalte den Kern eines männlichem ›Ur-Monotheismus‹. (s. Hornung ibd. S. 4 ff.) Wenn man nach einem Ur-Monotheismus sucht, dann findet man einen solchen am ehesten bei der Verehrung der Großen Göttin der Urzeit, der ist dann aber weiblich.

Vieles in der ägyptischen Religion ist etwas schlicht gestrickt; Alan Gardi­ner nennt sie ziemlich respektlos: »a vast accumu­lation of mythological rub­bish«, eine große Ansammlung mytho­logischen Plun­ders. Und Emery bemerkt, dass es während der gesamten ägyptischen Geschichte den Theologen nicht geglückt sei, ein Pantheon zu bilden, das nicht voller Ungereimtheiten gewesen wäre. »Dieses Chaos«, schreibt Erman, »hat auch später nie eine Ordnung erfahren, ja es ist in den drei Jahrtau­sen­den, welche die ägyptische Religion nach der Abfassung der Pyra­mi­dentexte noch gelebt hat, nur noch schlimmer geworden.« (Erman ›Ägypten und ägyptisches  Leben im Altertum‹ 1923/1984, S. 297)

Etwas schlicht ist auch die Idee vom ›Urgott‹ Geb, der als ›großer Schnatterer‹ über dem Wasser schwebend, ein erstes Ei habe fallen lassen, aus dem der erste Gott entstanden sei (Brunner ibd. 1989, S. 50). In den griechischen Mythen war es die Schöpfergöttin Eurynome, die das Weltenei legte. Wie ein Sprichwort der matriarchalen Minangkabau auf Sumatra sagt:

Ein Hahn kann keine Eier legen.

Hierher gehört auch der Mythos vom ›omni­potenten‹ Amen (Amon/Amin/Amun) der sich ohne Mutter aus einem Ur-Ei in seinem Leib selbst ge­schaffen haben soll, verwundert. Wie absurd auch immer die Mythen sich darstellten, die in historischer Zeit in Ägypten von den verschiedenen, miteinander rivalisierenden Priesterkasten ausgeheckt wurden, sie haben alle das eine Ziel: ihre Machtnahme durch ihre Götter zu legitimieren und diese an den ›Uranfang‹ zurückzuprojizieren. Von ihrem jeweiligen Hauptgott behaupteten sie, »er war schon immer da«. Doch bei allen Bemühungen der damaligen und heutigen Theologen, den Göttern eine Uranfänglichkeit zuzuschreiben, ist doch ersichtlich, dass es sich nicht um Urgötter, sondern nur um Götter handelt, die einen neuen Anfang machten.

›Religion widerspiegelt immer die irdische Realität. Wenn männliche Priester mit raffinierten Geschichten die alten Glaubensüberlieferungen, welche die Göttin wegerklären, umdeuten, ringen sie um eine neue Weltdeutung‹. (Gerda Weiler)

Der Orientalist A. H. Sayce, der die ägyptische Sonnenreligion mit der sumerischen, ba­byloni­schen und assyrischen verglich, stellte eine auffal­lende Überein­stimmung der Sonnengötter und der göttlichen Attribute in diesen Kulturen fest und betont, dass der Sonnenkult nicht die ur­sprüngliche Religion der eingeborenen mesopotamischen Bevölkerung war (›The Religions of Ancient Egypt und Babylonia‹ 1902). Der Alttestamentler W. Robertson Smith ist gleicher Meinung: »Das offizielle System der babylonischen und assyrischen Religion, wie es uns aus priesterlichen Texten und öffentlichen Inschriften bekannt ist, trägt deutliche Merkmale, dass es alles andere ist als eine Darstellung des volks­tümlichen, überlieferten Glaubens. Es ist durch Priesterschaft und Staatsgewalt in der gleichen Weise künstlich ausgebildet wie die offizielle Religion des alten Ägypten, das heißt:

»Es isteine für Regierungszwecke veranstaltete, künstliche Kombination aus Elementen, die einer Anzahl lo­kaler Kulte entlehnt waren. Höchst wahrscheinlich war die wirkliche Religion der Volksmassen weit einfacher als das offizielle System.« (W. Robertson Smith ›Die Religion der Semiten‹ 1899, S. 10)

So werden bis heute immer wieder neue Götter und Mythen geschaffen

Aus der Zeit als die Griechen die Staatsmacht in Ägypten übernommen hatten, stammt das Beispiel, wie der Götterhimmel der neuen Macht angepasst wurde. Es geht um die Neuschöpfung des griechischen Gottes ›Sarapis‹. Nach dem Mythos soll Ptolemaios I. (367 bis 238) sein Kultbild vom Schwarzen Meer nach Alexandrien gebracht haben. Er »war geschickt genug, mithilfe eines ägyptischen und eines griechischen Theologen in Sarapis einen obersten Reichsgott zu schaffen, der von beiden Bevölkerungsteilen seines Staates, den Ägyptern wie den Griechen, anerkannt und aufgenommen zu werden, versprach… Preisende Hymnen berichten über seine Wunderkraft, als Herr des Alls kommt er den Weltreichsideen der Ptolemäer entgegen, und er ist es auch, der nächst Isis den ägyptischen Gottheiten den Weg ins Abendland bereitet hat« (Brunner und Brunner u.a. ›Osiris Kreuz und Halbmond – Die drei Religionen Ägyptens‹ 1984, S. 143 f.). Das war nicht erst bei den Griechen so, das war von Anfang an und immer wieder die Methode der Göttermacher.
Unter dem Titel: ›Die Erfindung eines Gottes: Harmachis, seine Rolle und sein Kult‹ berichtet Christiane Zivie von der Erfindung eines anderen Gottes und der schamlosen Usurpation und Vermännlichung der Sphinx. Die Sphinx – bei Zivie und in der französischen Sprache ›Der Sphinx‹ wurde ab der 18. Dynastie als ›Harmachis‹, ›Horus im Horizont‹ bezeichnet. Sie schreibt: »Da der Name Harmachis erst unter Amenophis I. auftaucht, sollte man ihn in Bezug auf das Alte Reich nicht verwenden. Es gibt keinen Grund, das plötzliche Auftreten dieses Namens auf einen eventuellen Verlust älterer Belege zurückzuführen. In den Texten des Alten Reiches gibt es keinerlei Verweis auf den Sphinx, und das Mittlere Reich war ohnehin eine Phase fast völliger Verwahrlosung. Somit haben wir es mit einem völlig eigenständigen, wenn auch nicht einzigartigen religiösen Phänomen zu tun: der theologischen Umdeutung einer bestehenden Statue, die dadurch zum Gott wird, der nach ihrem Vorbild erfunden wurde. Die Abbildungen des Sphinx sind nun mit einem Schlag Abbilder eines Abbilds.« (Zivie-Coche ›Sphinx – Das Rätsel des Kolosses von Gisa‹ 2004, S. 82 f., Hvhb. DW) Es sei »schwer erklärbar, wie ein Gott entsteht und wie sein Name zustande kommt«, meint Zivie. Doch haben wir gesehen, dass die meisten männlichen Götter mit den Eroberern aus Vorderasien eingeführt wurden und ihre Namen einen Bezug zu den Indo-Ariern haben. Auch ›Har‹ im Götternamen Har-machis ist eine indoeuropäische Bezeichnung für Arier.
»Arier sind die Arios, Har, Harios oder Harri Mediens, die Arya und Airya (auch Haraiva) des alten Persien, die Arya Indiens und die Hara der späteren Su­merer (L. A. Waddell  ›The makers of Civilization in Race and History‹ 1929, S. 6). In verschiedenen geografischen Gebieten und unterschiedlichen Sprachen und ihren Dialekten heißen sie auch Ar, Aar, Ara, Ari, Arij, Ariya oder Har. (s. ›Indo-Europäer/Arier in Ägypten?‹) Ra ist der arische Sonnengott par excellence. Er ist (auch Re) königlich, erhaben und Vater der Götter.
Wahrscheinlich haben sich die Hor-iter, Har-iter, Har, schon sehr früh mit den Ariern verbunden oder ihre Oberschicht ist sogar mit ihnen identisch. Sie überfielen Ägypten um das Jahr 3000 und setzten ihren arischen Falken Har/Hor ein. (Das Ägyptische kennt die Vokalisation der Namen nicht.) ›Horus war der Kriegsgott, der erfolgreichen kriegsbringenden Eroberer.‹ (Veronica Ions ›Die Götter und Mythen Ägyptens‹ 1996, S. 66)

Die Diktatur der patriarchalen Religionen ist eine Katastrophe für die ganze Menschheit

›Die fünf großen Glaubenssysteme: Judentum, Buddhismus, Konfuzianismus, Christentum und Islam, beharrten, jedes auf seine Art, auf der natürlichen Minderwertigkeit der Frauen und verlangten ihre Unterwerfung unter ein Wertsystem, das die natürliche Überlegenheit des Mannes propagierte.‹ (Rosalind Miles)

›Unsere Liebe Frau‹, erlöse uns vom Patriarchat der weißen Männer!


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