Religiöse Besessenheit, sexuelle Repression und Gewalt

Aus dem Inhalt:

  • Der Umbruch vom Matriarchat ins Patriarchat veränderte alles
  • Die ungeheure sexuelle Gewalt in der Bibel
  • Wie ist es möglich, dass die Gewalt in der Bibel von Exegeten bagatellisiert, geschönt und vom gläubigen Volk stillschweigend akzeptiert wird?
  • Die krankhafte sexuelle Besessenheit des patriarchalen Klerus
  • Sexuelle Repression, die Diktatur, die das ganze Leben im Würgegriff hält
  • Die Begierde des Mannes und die Angst vor der Frau
    und der weiblichen Sexualität
  • Sexuelle Besessenheit und christliche Askese
  • Die religiöse Unterdrückungsmacht gegen die sexuelle Lust
  • Sexualverdrängung, Politik und Religiosität
  • Die Relation von Sexualverdrängung und Kriegsbereitschaft
  • Wem es gelingt die Sexualität der Menschen zu kontrollieren hat die Macht
  • Gemeinsame sexuelle Repression in der Allianz von Kirche und Staat
  • Sexuelle Freiheit ist Voraussetzung für die psychische und physische Gesundheit der Menschen
  • Der ›heilige‹ Phallus-Kult: Die Überhöhung der patriarchalen Dominanz
  • Sexuelle Gewalt ist ein Problem patriarchaler Männer

Wer nichts weiß, muss alles glauben (Maria v. Ebner-Eschenbach)

Es ist eine erstaunliche Tatsache, dass die wenigsten Menschen wissen, dass wir zwar in einer Art Demokratie leben, dass diese jedoch auf der rein männlichen Erfindung der Ideologie des Patriarchats (der Herrschaft der Väter) und der patriarchalen Religionen basiert, und dass unser Leben somit patriarchal, männlich und ›androkratisch‹, von Männern beherrscht wird, die den Menschen – Frauen und Männern – ihre Gesetze aufoktruieren.
Und die wenigsten Menschen wissen, dass es einst eine ganz andere Art des Zusammenlebens gab, ein Leben, das weit menschlicher, menschenwürdiger und umfassender war, in der unendlich langen Zeit des Matriarchats. Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Ebenbürtigkeit, gleiche Rechte und Pflichten galten für alle; für beide Geschlechter, für Kinder und Erwachsene, für alle Kulturen und Ethnien, und der  Respekt vor allen Menschen, den Tieren und der Natur war eine Selbstverständlichkeit. Dies ist alles in den heute noch existierenden Matriarchaten vollumfänglich oder in Spuren nachzuweisen. (s. die Serie ›Matriarchate, die heute noch bestehen‹)
Es war die große Kulturleistung der Frauen, als Mütter ›das Sagen‹ hatten, ihre Kinder mit mütterlicher Liebe aufzogen und ihre Söhne zivilisierten und sozialisierten und zu friedfertigen und friedliebenden Menschen erzogen. Seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte vor etwa zwei Millionen Jahren waren sie es, die auch für eine Welt der sexuellen Freiheit und Sicherheit jedes Clan-Mitgliedes sorgten, d.h. für eine Welt ohne sexuelle Gewalt!
›Es war nicht schon-immer so‹, dass Sexualität unterdrückt, diffamiert und durch religiöse Gebote und Vorschriften reglementiert wurde. Männer übten auch nicht ›schon-immer‹ sexuelle Gewalt gegen Kinder und Frauen aus, wie in unserer Zeit der ständigen Übergriffe.
Im Matriarchat galten andere Gesetze; Sexualität wurde als biologisches Naturrecht, als wunderbares Geschenk der Göttin, als menschliches Grundbedürfnis wie Essen, Trinken und Schlafen, als angenehme Lustbarkeit und als Selbstverständlichkeit angenommen und gelebt. Und dabei oder deshalb (!) herrschte Frieden; es gab keine Kriege, keine sexuelle Frustration, keinen Missbrauch von Kindern, keine sexuelle Gewalt gegen Jungen, keine Gewalteingriffe an den Genitalien kleiner Jungen, keine Homophobie und keine genitale Verstümmelung kleiner Mädchen, keine Vergewaltigung von Frauen und Mädchen und keine Prostitution!
Die Frauen wurden geliebt und respektiert, genossen Achtung, Ansehen und natürliche Autorität. »Selbst noch in römischer Zeit entstanden Berichte, die Überbleibsel früherer Ordnungen im unzivilisierten Teil Europas reflektierten. So schreibt Tacitus im dritten Kapitel seiner Germania, wo er von jenen nördlichen Stämmen spricht – offenbar mit einiger Verwunderung: ›Sie betrachten die Frau als etwas Heiliges, einer Seherin ähnlich, und sie verwerfen deren Rat nicht, noch übergehen sie deren Entscheidungen.« (Doris F. König ›Der überschätzte Mann – Die Mär von der männlichen Überlegenheit‹ 1981, S. 45)
Der französische Gelehrte Jean Markale schildert die Frau im Matriarchat als ein magisches Wesen, verbunden mit dem Göttlichen, unverzichtbar für das Überleben der Spezies, ein Wesen, das man beschützte, ein Wesen, das kostbar war. Die Konsequenz war die Prädominanz der Frau auf sozialem Gebiet und die Verehrung einer Göttin, die man am Anfang aller Zivilisationen findet (Jean Markale ›La femme celte‹ 1989, S. 16 f.). Erst seit Frauen forschen, tauchen Splitter dieses Wissens um die damalige Wirklichkeit langsam wieder auf.

 Der Umbruch vom Matriarchat ins Patriarchat veränderte alles

Die stete patriarchale Propaganda der letzten 5000 Jahre durch patriarchale Männer, patriarchale Religionen, patriarchale Politik, patriarchale Wissenschaft und patriarchale Hirnwäsche hat das Wissen des einstigen Matriarchats erfolgreich aus unserem Gedächtnis gelöscht.
Das Resultat der patriarchalen Herrschaft ist erschreckend und blamabel: Diktaturen, Machtkämpfe, Kriege, Korruption, Armut und Hunger. Auffallend, das Elend der Welt tritt heute dort am schlimmsten zutage, wo Frauen und Mütter keine Rechte mehr haben, wo die Gewalt der patriarchalen Väter – oder wie auf den Philippinen wo die patriarchalen Kirchenväter der katholischen Kirche – herrschen, wo sich die Menschen gehorsam unterwerfen und sich die Söhne an dieser Gewalt orientieren und sie perpetuieren.

Es begann mit den viehzüchtenden Indo-Europäern, die vor 5- 6000 Jahren die Rolle der Stiere beobachtet hatten und daraus auf ihre eigene Wichtigkeit beim Entstehen neuen Lebens schlossen. Damit begann ihr Anspruch auf männliche Macht und Anerkennung, dass ihre Rolle maßgeblicher als es die der Mütter sei. Das bedeutete, der sexuellen Freiheit der Frauen ein Ende zu setzten und jene als unmoralisch zu schmähen, die sich ihrem Anspruch widersetzten. Junge Männer scherten aus den mütterlichen Blutclans aus und begannen sie zu bekämpfen, um ihren Willen, Einfluss auf die Welt zu nehmen, durchzusetzen. (s. ›Das Patriarchat als Folge der Entdeckung der Vaterschaft‹)

Die patriarchale Moral dieser Männer war bereits besessen von der Idee, der sexuellen Freiheit des Matriarchats ein Ende zu setzen. Im Laufe der Patriarchalisierung trat an die Stelle von sinnlicher Lebensfreude und lebensbejahender Sexualität eine allgemeine Körper- und Lustfeindlichkeit, die der Sexualität immer engere Grenzen setzte. Die ›Herrschaft der Väter‹ war in einem unheimlichen Ausmaß davon besessen, die freie Sexualität zu diffamieren, zu bekämpfen, zu kontrollieren und selbst in dem vom Patriarchat geschaffenen Zwang zur Ehe zu reglementieren.

›Gewalt gegen Sexualität und sexuelle Gewalt, besonders gegen Frauen,
hat sehr tiefe Wurzeln in der biblischen Tradition.‹ (
James W. Prescott)

Die ungeheure sexuelle Gewalt in der Bibel

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass mit der Diffamierung der Frauen und dem Kampf gegen die freie Sexualität eine ungeheure Verrohung von dafür anfälligen Männern einher ging, die sich nicht nur an Frauen vergingen, sondern auch an kleinen Mädchen und Knaben. In der Bibel, dem Geschichts- und ideologisch-theologischen Legendenbuch des gewalttätigen Patriarchats, werden wir immer wieder mit sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen konfrontiert. Zum Beispiel im Buch der Richter Kap. 22-26 lesen wir von der erschreckenden Auslieferung eines jungen Mädchens durch ihren Vater und einer Zweitfrau durch ihren Mann zur uneingeschränkten Vergewaltigung durch den Mob. Abscheulicher kann man sich Brutalität und sexuelle Gewalt gegenüber Frauen nicht vorstellen: Ein Mitglied der patriarchalen Priesterkaste, ein Angehöriger des indoeuropäisch/arischen Stammes der Luviten/Leviten, zu dem auch Moses und sein Bruder Aaron gehörten – reiste mit seiner Nebenfrau durch Gibea und fand nächtlichen Unterschlupf bei einem gastfreundlichen alten Mann. Sie nahmen gemeinsam das Abendessen ein. Während sie es sich nun wohl sein ließen, umringte plötzlich übles Gesindel, Männer aus der Stadt das Haus, schlugen an die Tür und sagten zum Gastgeber: bring den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist; wir wollen unseren Mutwillen mit ihm treiben. Der Besitzer des Hauses ging zu ihnen hinaus und sagte zu ihnen: Nein meine Brüder, so etwas Schlimmes dürft ihr nicht tun. Dieser Mann ist als Gast in mein Haus gekommen; darum dürft ihr an ihm keine solche Schandtat begehen. Da ist meine jungfräuliche Tochter und seine Nebenfrau. Sie will ich zu euch hinaus bringen; ihr könnt sie euch gefügig machen und mit ihnen tun, was euch gefällt. Doch die Männer wollten nicht auf ihn hören. Da ergriff der Levit seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen auf die Straße hinaus. Sie missbrauchten sie und trieben die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen ihren Mutwillen mit ihr. Sie ließen erst ab von ihr, als die Morgenröte heraufzog. Die Frau war tot!
»Welch groteske Moral kommt hier (zum wiederholten Male) zum Vorschein«, schreibt Uwe Lehnert. »Der Gast, ein Mann, genießt allen Schutz, eine Frau hat als Objekt zur Verfügung zu stehen und ist offenbar absolut rechtlos. Im Text findet sich kein bedauernder Kommentar zu der frauenverachtenden Haltung der beiden Männer, in deren Obhut die Frauen sich befanden. Die Botschaft ist hier so eindeutig, wie das im 10. Gebot auch zum Ausdruck kommt: ›Weib, Sklave, Rind oder Esel und jeglicher Besitz‹ sind eben Sachen. Die Bibel als moralisches Vorbild, gar Fundament unserer Werteordnung? Welche Zumutung steckt in dieser Vorstellung.« (Lehnert ›Warum ich kein Christ sein will‹ 2011, S. 228)

Ebenso erschreckend ist, die Gewalt der Eroberungen der Indo-Europäer und was dabei mit kleinen Mädchen geschah. So lesen wir in der Bibel von den Danitern, die eine friedliche Stadt erobert und die dortige Bevölkerung massakrierten: »Sie töteten alle Männer, Kinder und Frauen bis auf ›vierhundert jungfräuliche Mädchen, die noch keinen Verkehr mit einem Mann hatten‹! (Richter 18. Kapitel) Diese zur Vergewaltigung frei gegebenen Mädchen wurden die Mütter eines Teiles des jüdischen Volkes. Niemand fragte, wie es ihnen erging, nachdem sie mitansehen mussten, wie ihre Eltern und ihr ganzes Volk massakriert wurde. Kriegerische Eroberungen und die dabei angewandte Brutalität und sexuelle Gewalt ist charakteristisch für die Indo-Europäer; wir kennen sie bereits aus der Eroberung Ägyptens. WissenschaftlerInnen, die sich mit dem Thema patriarchaler Gewalt und Vergewaltigung von Mädchen und Frauen befassten, kamen zum Schluss, dass Vergewaltigung effektiv indoeuropäisch/arischer Herkunft sei. Erschreckendes vernehmen wir zum Thema der sexuellen Gewalt gegen Kinder in den patriarchalen Religionen auch noch nach den Eroberungen. Erlaubt und straflos ist die Vergewaltigung vom Säugling bis zum neunjährigen Mädchen im Talmud abgesegnet. Ebenso krass ist die akzeptierte Gewalt gegen Kinder in der Geschichte des Christentums und von Mohammed wissen wir, dass er ein neunjähriges Mädchen ehelichte – ein Vorbild, das bis heute seine unheimliche und straflose Wirkung tut. (s. Florence Rush ›Das bestgehütete Geheimnis – sexueller Kindesmissbrauch‹ 1982)

›Kinder, der am wenigsten artikulierte und am stärksten ausgebeutete Teil der Bevölkerung, haben unter der Unfähigkeit der [patriarchalen DW] Gesellschaft, sich mit dem Problem menschlicher [männlicher!] Sexualität auseinanderzusetzen, am meisten zu leiden‹. (Carolyn Swift, ›Sexual Assault of Children and Adolescents‹ NY 1978)

Moses’ Aufruf, die eroberten Völker zu massakrieren –  würde man heute als Aufruf zum Völkermord verurteilen: »Wenn du vor eine Stadt ziehst, sie zu bestreiten, so sollst du ihr den Frieden anbieten. (4. Mose 21.21-22)  Antwortet sie dir friedlich und tut dir auf, so soll das Volk, das darin gefunden wird dir zinsbar und untertan sein. Will sie aber nicht friedlich mit dir handeln und will mit dir kriegen, so belagere sie. Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit des Schwertes Schärfe schlagen. (4. Mose 31.7) (4. Mose 31.17) Allein die Weiber, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und allen Raub sollst du unter dich austeilen und sollst essen von der Ausbeute deiner Feinde, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat. Also sollst du allen Städten tun, die sehr ferne von dir liegen und nicht von den Städten dieser Völker hier sind. Aber in den Städten dieser Völker, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, (Josua 10.40) sondern sollst sie verbannen, nämlich die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, (5. Mose 7.1-2) auf daß sie euch nicht lehren tun alle die Gräuel, die sie ihren Göttern tun, und ihr euch versündigt an dem HERR, eurem Gott.«

Die Saat des Hasses und der Gewalt ist aufgegangen im Holocaust und beim Terror der Islamisten angelangt.

Die Gewalt in den patriarchalen Religionen wird von Exegeten bagatellisiert, geschönt und vom gläubigen Volk stillschweigend akzeptiert.

Müssten sich gläubige Menschen nicht empören? Müssten sich – vor allem Frauen – nicht die Frage stellen, ob sie einer der patriarchalen Männersekten, die noch heute diese ›heiligen‹ Texte von Gewalt, Krieg, Abwertung der Frau und Vergewaltigung verbreiten und derartige Verbrechen ohne kritischen Kommentar hinnehmen, angehören wollen? Die Antwort ist, dass Gewalt und Krieg im Patriarchat immanent und erst die Folgen der Patriarchalisierung sind, mit denen sich die patriarchal Geschädigten unbewusst identifizieren. (s. z.B. die Identifikation mit dem Aggressor oder das sogenannte Stockholm-Syndrom)

Sexuelle Gewalt und sexuelle Repression gegen Frauen und Kinder finden sich in allen patriarchalen Religionen – und alle haben die gleichen Wurzeln:
sie wurden von Frauen verachtenden Priesterkasten primitiver
indoeuropäischer Rinderzüchter und Schafhirten und mit ihnen verbündeten arischen Priesterkasten geschaffen.

1500 Jahre nach der Eroberung Ägyptens und der Machtnahme der Anführer der indoeuropäisch/arischen Horiter, versuchte Echnaton, ursprünglich ein indoeuropäischer Prinz aus der Oberschicht der Mitanni, die Göttinnen Ägyptens zu eliminieren und einen alleinigen – monotheistischen – Gott zu schaffen.
Nach seinem gescheiterten Versuch nahmen Moses und Aaron – von denen einer der beiden möglicherweise mit Echnaton identisch ist – die Idee eines einzigen männlichen Gottes wieder auf. (s. ›Wer war Echnaton?‹)

Die krankhafte sexuelle Besessenheit des patriarchalen Klerus

›Das Begehren der sexuellen Lust ist feindlich gegen Gott:
es unterwirft sich nicht dem Gesetz Gottes und kann es auch nicht.‹
(nach Paulus, Römer 8,7-8)

Jede Ideologie, und sei sie noch so menschenfeindlich, schädigend oder verrückt, findet Anhänger, vor allem bei jenen, die der patriarchalen Ideologie von der gottgegebenen Überlegenheit des Mannes auf den Leim gegangen sind. Mit dem Christentum wurde die Leib-, Lust- und Sexualfeindlichkeit schon im alten Testament und später von dem durch das Patriarchat psychisch schwer gestörten Paulus propagiert und von ebenso kranken christlichen Kirchen-Vätern (!) übernommen und noch getoppt. (s. Das christlich-patriarchale ›Feindbild Frau‹)
Einige Jahrhunderte nach Christi Geburt wurde Europa missioniert; manchmal durch Überzeugen, Überreden, Versprechen, steuerlichen Forderungen für ›Ungläubige‹, meistens aber durch Zwang und Gewalt christianisiert und patriarchalisiert. Die heidnischen Völker hatten die Wahl ›Christentum oder Tod‹. Diesem Aufruf Karls des Großen wurden 150’000 Menschen geopfert. Für seine Tat wurde Karl am Weihnachtstag des Jahres 800 von Papst Leo III. zum römischen Kaiser gekrönt. (s. auch ›Die Christianisierung Europas und die Hexenverfolgungen‹)

»Die mittelalterliche Kirche war in peinlicher Weise von der Sexualität besessen. Sexuelles Verhalten beherrschte ihr Denken in einer Weise, die wir als pathologisch bezeichnen würden. Angesichts der Tatsachen scheint die Behauptung gerechtfertigt, die Kirche habe mit ihrem Sittenkodex und der Triebverdrängung in ganz Europa vier oder fünf Jahrhunderte lang Ausbrüche von Massenpsychosen hervorgerufen, zu der sich nur wenige Parallelen in der Geschichte finden.« (Gordon R. Taylor ›Kulturgeschichte der Sexualität‹ 1977, S. 46+47).

Sexualfeindliche, pathologisch gestörte, christliche Kirchenväter wüteten voller Hass gegen die Frauen, auf die sie alle ihre üblen Phantasien projizierten. Die Schmähung der Frauen gehört zum Primitivsten, das die patriarchale christliche Religion zu verantworten hat (s. ›Das christlich-patriarchale ›Feindbild Frau‹).

Sexuelle Besessenheit und christliche Askese

»Die verlangte Ehelosigkeit der katholischen Klerikalen und die Askese, die Enthaltsamkeit des Mannes vom Weibe, ist niemals geglückt. Die Lust, liebend auf einen Menschen zuzugehen, pervertiert zur Lust zu töten. Krieg, Mord und Vernichtung werden zum Ersatz für desintegrierte, verdrängte Sexualität.« (Gerda Weiler 1991, S. 168)

Patriarchale Priesterkasten, die Erfinder der ersten männlichen Götter, verabscheuten und verdammten das Leben der matriarchalen Völker und ihre tolerante und freiheitliche Sexualität. Bis ins 11. Jahrhundert waren noch viele katholische Priester verheiratet und hatten Kinder. Doch Papst Gregors Anliegen war es den Klerus vom Sex zu reinigen. Frauen waren für die Kirche eine Gefahr. 1139 wurde die Ehe für Priester als ungültig erklärt und verboten, Zölibat und Askese wurden von nun an von ihnen gefordert. Einer der Gründe war die Verachtung der Kirche für die Frau, ein anderer, dass durch die Vererbung an die Kinder ein Teil des Kirchenbesitzes verloren ging. Zölibatär lebende Priester begannen, sich allen anderen, dem ›gewöhnlichen‹ Volk und den ›Sexsündern‹, überlegen zu fühlen; daran halten die oberen Chargen der Kirchen bis heute fest. Sie lassen sich mit adeligen Titeln anreden, als ›Exzellenz‹ die Bischöfe, als ›Eminenz‹ die Kardinäle und als ›Heiligkeit‹ der Papst. Die meisten von ihnen wohnen auch adelig, in prunkvollen Palästen. (Zu den sagenhaften Reichtümern s. ›Die Gräuel der christlichen Missionierung in Afrika‹)

Frauenhass ist die bewusste Verweigerung des Mannes sich mit der Liebesenergie der Frau zu vereinigen. »Es ist die Gebärfähigkeit der Frau, die den Neid und den Hass patriarchaler Männer erregte.« (Jean Markale). 

Patriarchale Männer erfanden ihre eigenen, lustfeindlichen, rachsüchtigen, sadistischen Götter und Mythen, von der Bestrafung der Sünder, von einem Jüngsten Strafgericht, von einem Teufel und schrecklichen Höllenqualen. Sexuelle Besessenheit und religiöser Fanatismus kommen nicht aus dem Nichts. Kein Kind, auch kein späterer Mönch, kein Papst und keine werdende Nonne, kommt religiös oder sexuell besessen zur Welt. Das Kind wird in der Familie, später durch andere Einflüsse dazu gemacht, durch eine tyrannische, lustfeindliche, bigotte, patriarchale Erziehung und Indoktrination.
Die hohen katholischen Kleriker singen stets das Loblied der Familie, in der die früheste religiöse Gehirnwäsche geschieht; obwohl sie sich bekanntlich selbst – aus welchen Gründen auch immer – der Gründung einer Familie verweigern. Der dominikanische Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Junot Díaz sagte zur Rolle der Familie: »Familien sind merkwürdig:

Diktaturen, wie zum Beispiel das Trujillo-Regime in der Dominikanischen Republik, hätten ohne sie nicht funktioniert, denn sie reproduzieren dieselben Unterdrückungsmechanismen. Gleichzeitig machen Familien das Überleben in Diktaturen erst möglich.« (Spiegelonline Jenny Hoch 17.03.2009, Hvhb. DW)

Sexuelle Repression, die Diktatur, die das ganze Leben im Griff hält

Puritanische patriarchale Priesterkasten trafen verschiedene Maßnahmen, um die in ihren Augen unerwünschte, religiös als schwere Sünde gebrandmarkte sexuelle Lust zu bändigen. Zum Beispiel durch die Beschneidung beider Geschlechter im Kindesalter; ein Verbrechen an der körperlichen Integrität, das sie mit religiösen Scheinargumenten tarnten. Eine andere repressive Vorkehrung war die Erfindung der Askese. Die bigotte asexuelle Moral zwang fromme Männer in eine leibfeindliche, masochistische Enthaltsamkeit – weg von der Frau und weg von der Angst ihrer homosexuellen Anteile, die sie in andern verfolg(t)en. Viele von ihnen wurden zu Opfern ihrer eigenen sadomasochistischen Hirngespinste. »Fanatische Mönche zogen sich zur Abtötung des Fleisches in die sengende Hitze der nordafrikanischen Wüsten zurück, fasteten, geißelten sich, verzichteten auf Schlaf und körperliche Reinigung. Ammonius fügte sich mit glühenden Eisen Verletzungen zu, bis er über und über mit Brandwunden bedeckt war. Macarius ging nackt in ein Sumpfgebiet, wo er von Moskitos bis zur Unkenntlichkeit zerstochen wurde. Der heilige Simon trug einen eisernen Gürtel, Evagrius Ponticus verbrachte im Winter eine Nacht in einem Brunnen, so dass seine Glieder erfroren. Dass solche Selbstpeinigungen in engem Zusammenhang mit sexuellen Wünschen stehen, geht aus den Bekenntnissen der Kirchenväter selbst hervor. So sagte Hieronymus: ›Wie oft, wenn ich in der Wüste lebte, die doch den Einsiedlern nur eine kümmerliche Wohnstatt bietet, von der sengenden Sonne gequält, stellte ich mir vor, dass ich inmitten der Lustbarkeiten Roms mich befinde. Ich suchte die Einsamkeit, weil ich erfüllt war von Bitternis… Ich, der ich mir selbst, aus Angst vor der Hölle, diese Gefangenschaft auferlegt hatte, wo Skorpione und wilde Tiere meine Gesellschaft waren, ich sah mich unter einem Schwarm junger Mädchen. Mein Gesicht war bleich und mein Gebein kalt vom Fasten, aber mein Geist brannte vor Begierde, und die Flammen der Lust loderten auf von meinem Fleisch, das wie das eines Leichnams war. Ich schäme mich nicht, meine Verworfenheit und mein Elend zu bekennen. Gustav Flaubert beschrieb den Selbstbetrug der Askese geistreich und witzig in seinem poetischen Werk ›Die Versuchung des heiligen Antonius‹, der sich in die ägyptische Wüste zurückgezogen hatte:
Hilarion: Heuchler, der sich in die Einsamkeit vergräbt, um sich seiner Lüsternheit nur besser hinzugeben! Du verzichtest auf Fleisch, Wein, Bäder, Sklaven und Ehren; aber du lässt dir von deiner Fantasie Bankette, Wohlgerüche, nackte Frauen und den Beifall der Menge bieten! Deine Keuschheit ist nur ein raffinierteres Laster und deine Weltverachtung nur die Ohnmacht deines Hasses gegen sie!‹ (1979, S. 46) Thomas Mann kommentierte das großartige Werk, »das im Grunde auch nur ein fantastischer Katalog aller menschlichen [eindeutig männlichen!] Dummheiten ist. Der Irrsinn der religiösen Welt lückenlos vorgeführt.«

Die Begierde des Mannes und die Angst vor der Frau

Auf die Frage, warum müssen denn muslimische Frauen so verschleiert sein, antwortete der Kalif der Ahmadiyya–Sekte: ›Götzenanbetung!‹ Frauen würden Männer dazu bringen, sie wie Götzen zu bewundern und anzubeten und würden sie so von Allah ablenken.

»Der Mensch [der Mann!] ist wohl das einzige Geschöpf, das Gründe fand, seine sexuellen Triebe vorsätzlich zu hemmen. Dass er sie bändigte und mit Vorschriften umgab, die das Recht, oder das vermeintliche Recht, des einzelnen schützen sollte, ist verständlich, aber dass er in der völligen sexuellen Enthaltsamkeit eine besondere Tugend sah, ist widersinnig.« (Gordon R. Taylor ›Kulturgeschichte der Sexualität‹ 1970, S. 75) Taylor schreibt es der verzweifelten Angst vor Sexualität zu, die sich unter dem Einfluss des Christentums bei den Paternisten entwickelte. Die sexuellen Einschränkungen, die ein Zurückdrängen der Eroskräfte verursachen, verleihen den zerstörerischen Thanatoskräften eine besondere Macht, die zum ständigen Kampf zwischen dem Lebens- und dem Todestrieb führt. »Heute wissen wir eine Menge über die extrem puritanische, sittenstrenge Haltung und den psychologischen Mechanismus, der sie erzeugt, und erkennen sie als eine ungesunde Verzerrung der Persönlichkeit. Die Psychologie hat gezeigt, wie Schuldgefühle, die oftmals ganz irrationalen Ursprungs sind, einen alles durchdringenden und übertriebenen Charakter annehmen können, wenn sie einmal vom Bewusstsein verdrängt wurden; wie Personen, die von unbewusster Schuld gequält werden, sich durch Zwangshandlungen oder durch Selbstbestrafung zu erleichtern trachten; wie sie bei anderen unduldsam suchen, was sie am meisten in sich selber fürchten. Es ist bekannt, wie leicht man Furcht vor sexuellen Freuden verallgemeinert, bis sie zu Eifersucht gegen alle Formen der Freude und des Vergnügens wird, und wie rasch auf diesem Boden die Lust an Tadel und Strafe wächst. Beim sittlichen Ideal des Mittelalters wird diese alles durchdringende Furcht vor Vergnügen, die Grundlage der mittelalterlichen Moral bildete.« (Taylor ibd. S. 64) Fanatische Puritaner leben noch in erschreckendem Ausmaß in der Moral des dunklen Mittelalters, insbesondere was den absurden Kampf gegen die Homosexualität betrifft, der nichts anderes als die Abwehr der Angst vor der eigenen gleichgeschlechtlichen Begierde ist. ›Homosexualität verstößt gegen das Patriarchat, nicht gegen Gott‹ verlautbarte ein intelligenter katholischer Pfarrer. Recht hat er.

Die religiöse Unterdrückungsmacht gegen die sexuelle Lust

Nähe und Wärme und Duft von offenem Schoß und von Samen
Kein Tier das jetzt traurig wäre das heuchelte oder sich schämte.
(Erich Fried ›Lust‹)

Gordon Rattray Taylor, der die Kulturgeschichte der Sexualität, ›des sexuellen Verhaltens, der Beziehung zwischen den Geschlechtern, des Verhältnisses von Religion und Literatur zur Sexualität erforschte, schreibt: »Die Mittel, durch die die Kirche die beispiellose sexuelle Repression durchsetzte, waren die von ihr beanspruchte Macht der Sündenvergebung, der Beichtstuhl und die kirchlichen Gerichtshöfe. So schritt die Kirche gegen ›unsaubere Gedanken‹ ein in einer Weise, die ganz und gar den Methoden moderner Diktaturen und jetzt auch demokratischer Regierungen entspricht. Mit der Zeit beeinflusste die Kirche die öffentliche Meinung so stark, dass die weltlichen Gerichtshöfe die kirchlichen zu unterstützen und zu verstärken begannen und dass viele dieser außergewöhnlichen Verbote gesetzlich wurden… Viele Sexualdelikte wurden zur Zeit der Reformation ins Zivilrecht übernommen; einige davon – Ehebruch zum Beispiel – waren durchaus Angelegenheiten des Zivilrechts, da dabei die Rechte Dritter betroffen wurden. Andere jedoch waren rein religiösen Ursprungs, vor allem die Gesetze gegen Homosexualität und Selbstmord.

Aber bald stellte sich heraus, dass ein bloßes Überwachungssystem nicht ausreichte, die persönlichen Handlungen des Menschen und selbst seine Gedanken zu lenken; nur ein von Terror gestütztes System psychologischer Unterdrückung konnte Erfolg haben.« (Taylor)

Die Priesterkasten erfanden einen widerlichen Schnüffler-Gott, der schlimmer als irgend ein Geheimdienst, bei den Menschen bis unter die Bettdecke kriecht. Und sie erfanden die Beichte, bei der die Missetäter ihre Sünden freiwillig bekennen mussten. Kirchen hatten totale Macht. »Aber um diese Macht auch wirksam zu machen, war es nötig, die Anziehungskraft des Himmels sowie die Nachteile der Hölle deutlich vor Augen zu führen. Unglücklicherweise erwies sich das Bild vom Himmel als ziemlich reizlos; so musste man mit zunehmendem Nachdruck mehr bei den entsetzlichen Qualen verweilen, die den Sündern vorbehalten waren, als bei der Liebe und Freundlichkeit Gottes. Vielleicht malten die Leiter der Kirche das Schicksal anderer lieber mit sadistischen Gräueln aus, als dass sie es erfüllt von ewiger Seligkeit darstellten. Es waren verwickelte Bestimmungen, mit denen die Kirche die Sexualität umgab. Die Behauptung, diese Bestimmungen hätten in ethischen Gründen ihren Ursprung, hält keiner Prüfung stand. Es ist auch nicht leicht, die Behauptung zu vertreten, wertvolle menschliche Beziehungen zu pflegen. In den Augen der Kirche war nämlich für einen Priester die Ehe ein schlimmeres Verbrechen, als sich eine Geliebte zu halten, und sich eine Geliebte zu halten war wiederum schlimmer als gelegentliche Hurerei – genau das Gegenteil der weltlichen moralischen Auffassungen, die auf die Qualität und die Dauer der menschlichen Beziehungen Wert legen.« (Gordon R. Taylor ›Kulturgeschichte der Sexualität‹ 1970, S. 57-61 passim)

»Es waren diese ruhelosen, unglücklichen, gequälten, durch ihre aufgestauten Libidokräfte angetriebenen Männer, die in der Kirche
an die Macht gelangten und ihr einen ganz spezifischen Stempel aufdrückten
. (Gordon R. Taylor ›Kulturgeschichte der Sexualität‹ 1970)

Sexualverdrängung, Politik und Religiosität

Die sexuelle Reglementierung durch Religion erzeugt und verstärkt ganz bewusst Scham und Schuldgefühle und damit den religiösen Charakter und die Bereitschaft zum Fanatismus. Ein Beispiel wie gefährlich sich religiöse Erziehung entwickeln kann, zeigt das Beispiel der Pfarrerstochter Gudrun Ensslin. »Als ihre Tochter Gudrun im Gefängnis Stammheim Selbstmord beging, brach Ilse Ensslin ihr Schweigen. Jahrelang hatte sich die evangelische Pfarrersgattin und Mutter der RAF-Terroristin geweigert, öffentlich Stellung zu beziehen. Doch einen Tag nach der Beerdigung der Tochter änderte sie ihre Meinung. Die Regisseure Volker Schlöndorff und Alexander Kluge waren zu Besuch im Pfarrhaus von Bartholomä, um Material für den Episodenfilm ›Deutschland im Herbst‹ zu sammeln. Ilse Ensslin führte die Filmemacher zum Treppenhaus und deutete auf ein Ölgemälde, das den gekreuzigten Christus zeigte. „Wenn kleine Kinder sich so was schon ansehen müssen, darf man sich über nichts wundern“, sagte sie in schwäbischem Tonfall und forderte die Besucher auf, näher heranzutreten. „Sehen Sie, die Blutstropfen an den rostigen Nägeln, genau auf Augenhöhe von Sechsjährigen!“ Der Kommentar wurde aus dem Film gestrichen. Und damit auch die kontroverse Botschaft, die in den Worten der bitter gewordenen Mutter mitschwang: Gudrun Ensslin, die damals bekannteste Pfarrerstochter Deutschlands, habe durch den strengen Glauben einen Hang zum Märtyrertum entwickelt. Deswegen sei sie bereit gewesen, für ihre Überzeugungen zu sterben. Das Pfarrhaus als Schmiede für linksradikales Gedankengut – eine hochbrisante These. Und dennoch nicht neu.« (Spiegel online einestages Zeitgeschichten) Aber es gibt auch die gegenteilige Auswirkung. Angela Merkel und Maggie Thatcher, beides Pfarrerstöchter und Töchter des Patriarchats, konservativ- christliche ›eiserne Ladies‹ in Bezug auf die Wirtschaft, wurden nicht gerade durch soziales Engagement bekannt.

Der Sexualforscher Wilhelm Reich betonte, dass die politisch-religiösen Zustände im Patriarchat und die Sexualunterdrückung nicht nur die Gewalt sondern auch die Disposition zur Religiosität fördert. Die Bereitschaft zum Glauben an religiöse Doktrinen schafft eine der Voraussetzungen für die Beeinflussung des Menschen im Sinne der sexualverneinenden Moral. Reich demonstriert die psychischen Vorgänge eindrucksvoll am Beispiel der Verehrung von Jesus und Maria (Reich 1934a ›Die Massenpsychologie des Faschismus‹ S. 217 – 223), die den religiösen Menschen quasi als Ersatz für den fehlenden Sexualpartner dienen sollen.« (zit. von Dietrich Haensch ›Repressive Familienpolitik – Sexualunterdrückung als Mittel der Politik‹ 1969, S. 64)

Jürgmeier : »In einem Interview für die Zeitschrift Psychologie heute erklärte mir der Zürcher Psychoanalytiker Mario Erdheim 1997: ›Faschismus wie Esoterik versprechen, menschliche Größen- und Allmachtsphantasien zu befriedigen.‹ U.a. durch die Identifikation mit der allmächtigen & beschützenden Figur des ›Führers‹. Mit «Esoterik» meinte er durchaus auch die traditionellen Religionen: ›Sicher, Religion und Esoterik auseinanderzudividieren, wäre ein sehr schwieriges Unterfangen.‹ Angesichts gegenwärtiger Symbiosen von Religion & Gewalt sind seine Aussagen beklemmend aktuell: ›Die Vorstellung der Esoterik als einer geheimen Lehre, die nicht allen zugänglich ist, provoziert das Gefühl, zu einer Elite zu gehören. Das bringt einen in die Nähe der faschistischen Vorstellung, es gebe wertvolle und minderwertige Menschen, und die minderwertigen seien auszurotten‹.« http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/Religion-Aufklarung

 Ohne Zweifel war und ist den patriarchalen, politischen und religiösen Führern bewusst, welches Machtpotential in der Einschüchterung und der Unterdrückung und Verfolgung der menschlichen Sexualität liegt. Bewusst war und ist ihnen auch, dass jene Menschen, die Sexualität nicht als sündig betrachten, sie in Freiheit leben und ihren natürlichen Sexualtrieb nicht unterdrücken und bekämpfen, weit weniger beeinflussbar und damit durch abwertende, menschenfeindliche und entmenschlichende Gewalt-Propaganda weniger manipulierbar sind. Nicht zufällig wurde das Ende des Vietnam-Krieges durch die Proteste der sogenannten Hippies, der sexuell freien Blumenkinder eingeleitet. Das haben uns Erich Fromm und Wilhelm Reich in ihren Werken klar gemacht:

»Sexualverdrängung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für imperialistische Kriege, für Kriege also, die von der herrschenden Schicht gegen die tatsächlichen Interessen der werktätigen Massen inszeniert werden.« (Wilhelm Reich)

Die Relation von Kriegsbereitschaft und Sexualverdrängung

Patriarchale, militaristische Regierungen glauben, ihre Probleme – die sie durchwegs selber provoziert oder geschaffen haben – mit Krieg und Gewalt lösen zu können; mit dem Einsatz von Militär und Waffen. Die Begeisterung patriarchaler junger und alter Männer für den Krieg und Kriegswaffen ist offensichtlich. Und ebenso offensichtlich ist, dass sie das Töten und Zerstören lieben! Sie deklarieren ihre Angriffskriege als ›Verteidigung‹ und als ›Krieg für den Frieden‹ und viele landen dann im Frieden auf den Friedhöfen. Es gibt einen offensichtlichen Zusammenhang von Religiosität und Kriegstreiberei. Die unvorstellbare Prüderie und religiöse Verlogenheit, die in den christlich-fundamentalistischen Kreisen der USA an der Tagesordnung ist, führte nicht zufällig immer wieder zur Bereitschaft mörderische Kriege, z.B. in Südostasien oder zuletzt im Nahen Osten zu führen, zu denen frömmlerische amerikanische Präsidenten (zuletzt Bush!) und ihre Helfershelfer aus der konservativen Rechten aufriefen. Wen kann erstaunen, dass die USA, das fundamentalistischste christliche Land der Welt, auch das höchste Militärbudget hat, etwa acht Mal höher als dasjenige Chinas und vierzehn Mal höher als das von Russland. (Statistik  Wikipedia) ›Verteidigungsetats‹ werden die horrenden Summen, die für die Kriegsführung ausgegeben werden genannt: 60 Milliarden für Schulen und 600 Milliarden für die Armee. In den Schulen werden schon Kinder für das Militär fit gemacht und angeworben, speziell in Städten mit einer grossen hispano- oder afroamerikanischen Bevölkerung. In der Armee dienen 58% Hispanics, 37 % Schwarze und nur 5% Weiße, sie sind die Vorgesetzten, die Chefs. Hinzu kommt, dass ›die USA  die höchste Gefangenenrate aller halbwegs zivilisierten Länder haben und  fünf Mal mehr Geld für die Unterbringung von Gefangenen als für die Grundschulausbildung von Kindern aufwenden.‹ http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article119045952/Einige-Gruende-seine-Greencard-zu-zerreissen.htm

Von den Soldaten der US Army, die in Gefangenschaft gerieten, verfügten 51 Prozent über einen IQ von unter 90; 44 Prozent hatte keine höhere Schule abgeschlossen oder auch nur angefangen.‹ http://www.extremnews.com/berichte/wissenschaft/71dd108e0ac19b9

Soldaten sind Idioten, die zum Dienst der Herrschenden und Besitzenden abgerichtet wurden:
hirnlos, verantwortungslos, unterwürfig und gehorsam

›In der United States Army herrschte eine erschreckend lockere Disziplin, speziell im Vergleich zu den Einheiten Großbritanniens und des Commonwealth. Die Moral war auf einem alarmierenden Tiefstand, zumal die meisten amerikanischen Soldaten gar nicht genau wussten, wofür oder bisweilen sogar gegen wen sie kämpften. Und weil der größte Teil der diensttauglicheren Einheiten der US Army in Deutschland, in der NATO und dem westlichen Bündnis im Einsatz waren, bestanden die Einheiten in Korea aus besonders minderqualifizierten Mannschaften.

Wem es gelingt die Sexualität der Menschen zu kontrollieren hat die Macht

Dietrich Haensch geht in seiner Untersuchung der Familienpolitik der 50er und 60er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland von der sexualökonomischen Theorie Wilhelm Reichs aus. Reich vertrat insbesondere in seiner Schrift ›Die Massenpsychologie des Faschismus‹ die These, dass die patriarchale Familie die Keimzelle zur Schaffung der Charaktere sei, welche die repressive Reglementierung der Sexualität trotz Not und Entmündigung akzeptiere. Haensch schreibt zur Entstehung der pathologischen patriarchalen Sexualfeindlichkeit: »Die Familie trägt nicht nur durch das Gute-Nacht-Gebet des Kindes zur Entstehung der Religiosität als einer psychischen Disposition beim Kind bei.

Den psychischen Boden für Religiosität bildet vielmehr die neurotische Struktur des sexuell gehemmten Menschen.

Diese Disposition zur Aufnahme metaphysischer Ideologien hat sich in der Gesellschaft institutionell niedergeschlagen: Religionsgemeinschaften, Kirchen, existieren als Produzenten und Verbreiter moralischer Normensysteme, in denen Askesegebot und Lustfeindlichkeit, konkret sexualfeindliche Moral, eine hervorragende Bedeutung haben:

Die Hauptfunktion der Religion ist, durch metaphysische Begründung der Sexualmoral ihre gesellschaftliche, politisch-ökonomische Funktion zu verschleiern und ihr so die Angriffspunkte einer rationalen Kritik zu nehmen. Die Kirche wird zur wichtigsten gesellschaftlichen Instanz für die direkte Verbreitung der sexualfeindlichen Ideologie und für die Kontrolle ihrer Befolgung.

Den massenpsychologischen Boden für ihre Autorität bildet dabei dieselbe ambivalente Fixierung des sexuell gehemmten Menschen, die auch gegenüber den sexualfeindlich erziehenden Eltern wirksam wird und den Widerstand gegen die moralische Instanz unwirksam werden lässt« (Haensch ibd. 1969, S. 64). Die Kontrolle der Sexualität ist vergleichbar mit der Kontrolle und Reglementierung von Nahrungsmitteln und Wasser. Wer die Kontrolle darüber hat, hat die Macht!

Je repressiver die von den Religionen einer Gesellschaft aufgezwungene Sexualmoral, desto größer scheint die aggressive Bereitschaft unschuldige Menschen oder sich selbst zu schädigen oder zu töten.

Wilhelm Reich sah einen Zusammenhang von autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie. Sexualunterdrückung macht Menschen krank und neurotisch. Im schlimmsten Fall zu völlig gestörten, von Schuldgefühlen gequälten Menschen oder kalten Psychopathen, die ohne jede Empathie und ohne Unrechtsbewusstsein andere Menschen quälen, terrorisieren, foltern und morden. Oft geht damit eine zwanghafter Drang die Welt durch religiösen Fanatismus zu ›erretten‹ einher. Dazu gehört der Terror muslimischer Fanatiker und Terroristen. Die meist jungen, frustrierten, unverheirateten Männer, denen jede Annäherung an eine Frau und Sexualität ohne Eheschein von ihrer Religion verboten ist – sind bereit, bei ihren meuchlerischen Attacken als ›Märtyrer‹ selbst getötet zu werden oder sich in die Luft zu sprengen. Die sexuell ausgehungerten Selbstmörder können der Versuchung, im paradiesischen Bordell in den sexuellen Genuss der ihnen versprochenen 72 glutäugigen Huris zu kommen, nicht widerstehen.
Bei uns, wo sich Sexualität heute als Teil menschlicher Freiheit durchgesetzt hat, propagieren alte christliche Politiker einen andern Trick, mit dem sie junge Männer ködern. Um ihre kriegerischen Machtinteressen durchzusetzen, behaupten sie, es gehe um Freiheit und es sei ›süss und ehrenvoll fürs Vaterland zu sterben‹. Junge Männer sind leicht zu verführen, besonders wenn alte Stammtischproleten mit tollen Abenteuern, die der Militärdienst für sie gewesen sei, angeben. Da ziehen sie hin, die Verführten, die Verrückten, die Idioten und die kriegsgeilen Militaristen und die frömmlerischen Fanatiker. Wenn keine eigenen Kriege winken, dann auf nach Syrien; Hauptsache man hat eine geile Kriegsausrüstung, Superwaffen, kann ungestraft seine sadistischen Triebe ungestraft ausleben. Darf all das tun, was zivilisierte Menschen im Normalfall nicht tun; darf bomben, schießen, foltern, töten, zerfetzen, drohen, zerstören, plündern und vergewaltigen und sich dabei als Held fühlen.

Monotheistische Religionen fördern Militarismus und seine Verherrlichung.
»Papst Franziskus hat Soldaten in einer Botschaft an die europäischen Militärbischöfe die Unterstützung der katholischen Kirche zugesagt. Der Text wurde auszugsweise im „Osservatore Romano“ 2015 veröffentlicht.« (petebrosman)

Gemeinsame sexuelle Repression in der Allianz von Kirche und Staat

Nicht nur die christlichen Kirchen werden von den christlichen Regierungen bei der Verbreitung und Kontrolle der Befolgung der sexualfeindlichen Moral unterstützt. Diese unheilige Allianz von Religion und Politik sind alle monotheistischen Religionen eingegangen. »Mit der Einschränkung und Unterdrückung der Geschlechtlichkeit verändert das menschliche Fühlen seine Art. Es entsteht die sexualfeindliche Religion, und allmählich baut die herrschende Klasse eine eigene sexualpolitische Organisation auf, die Kirche mit allen ihren Vorläufern, die nichts als die Ausrottung der sexuellen Lust der Menschen und mithin des geringsten Glücks auf Erden hat« (Wilhelm Reich 1934a, S. 49, zit. von Haensch 1969, S. 64). Die geballte Unterdrückungsmacht hat auf das Zusammenleben von Frau und Mann verheerende Auswirkungen. »Die bürgerliche Sexualmoral bewirkt eine Spaltung der Sexualität in ›sinnliche‹ und ›zärtliche‹ Strebungen, die über die Frustration in Folge der unvollkommenen Befriedigung tendenziell zu brutalisiertem Sexualverhalten führt. Die reale Brutalisierung dient dann wieder der Diskriminierung des Sexuellen überhaupt und der Stützung der sexualfeindlichen Moral. Die Brutalisierung des sexuellen Verhaltens zeigt sich nicht zuletzt im Streben der Männer nach ›Eroberung‹ und ›Besitz‹ von Frauen. Aus diesem resultiert die Besitzeifersucht, die von der ›natürlichen‹ Eifersucht zu trennen ist. Die Besitzeifersucht bewirkt, dass der ›Ehebruch‹ der Frau gesellschaftlich erheblich mehr diskreditiert ist als der des Mannes« (Haensch ibd. 1969, S. 68). »Die verzerrte, gestörte, brutalisierte und erniedrigte Sexualität stützt nun ihrerseits die gleiche Ideologie, der sie ihr Entstehen verdankt. Die verneinenden Wertungen der Sexualität können sich jetzt mit Recht darauf berufen, dass die Sexualität etwas Unmenschliches und Tierisches ist; dabei wird nur vergessen, dass diese tierische und unmenschliche Sexualität nicht die Sexualität ›an sich‹, sondern die Sexualität des Patriarchats ist« (Reich 1934a, S. 135).

›Kann eine aus Besessenheit entstandene Politik der sexuellen Verdrängung
wirklich die beste Politik sein?‹ (G.R. Taylor)

»Ob zu Recht oder Unrecht, die unablässige Anwendung dieses Maßstabes durch viele Jahrhunderte hindurch hat das Muster der europäischen Moral geprägt. Wie Robert Briffault ausführt, würde ›die Auffassung der Kirchenväter, die der Ausrottung der Menschheit den Vorzug vor der Fortpflanzung durch den Geschlechtsverkehr gaben, von den meisten Menschen heute als krankhafte und abscheuliche Verirrung bezeichnet werden. Sittlichkeit, wie sie allgemein aufgefasst wird, hat nichts zu tun mit der sinnlosen Verunglimpfung der Sexualität, mit dem phantastischen Lobpreis der Jungfräulichkeit, mit der Verdammung der  Ehe als notwendiges Übel. Der in Europa gültige Maßstab verdankt sein Bestehen dem asketischen Ideal. Er ist noch immer auf jene Verzückung über die jungfräuliche Reinheit – was die Verdammung der Sexualität bedeutet – zurückführbar, auf jene Grundeinstellung, die die Frau als Instrument des Teufels brandmarkt und das Muttertum mit Verachtung straft. Die europäischen Auffassungen von Sittlichkeit und Moral haben ihre Wurzeln in den Lehren des Ambrosius, des Augustin und des Hieronymus. (Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität 1974, S. 100)

Sexuelle Freiheit ist Voraussetzung für die psychische und physische Gesundheit der Menschen

Erich Fromm, der  diese Voraussetzung betont, schreibt, es sei keineswegs die weibliche ›Natur‹ »die extreme Keuschheitsforderungen aufgestellt, oder die weibliche Eifersucht, die die Monogamie erzwungen hat. Ganz im Gegenteil zeichnen sich matriarchalische Gesellschaften durch ein besonderes Maß an sexueller Freiheit und Ungebundenheit aus.« (Fromm ibd.) In sexueller Freiheit lebende Menschen veranschaulichen, wie sich die sexuelle Selbstbestimmung im Matriarchat auswirkte: Auffallenderweise lebte die Menschheit während mindestens 2 Millionen Jahren! in Ruhe und Frieden. Von den damaligen Männern hätte man kein Verständnis für die Abwertung der Frauen und der Sexualität und keine Zustimmung für die grausamen Kriegs- und Raubzüge erwarten können. Es gab keine Überbevölkerung; Frauen wurden nicht angehalten, viele Kinder zu gebären, wie im Patriarchat, wo sie zu Gebärmaschinen herab gewürdigt werden, weil patriarchale Regierungen und religiöse Institutionen viele Menschen brauchen, als Gläubige, als Wähler, als Steuerzahler, als Kanonenfutter für die Kriege und als Zahlen für die rivalisierenden Statistiken der monotheistischen Religionen. Jede dieser Gruppen – ob politisch oder religiös – hat nur einen Wunsch: Die Welt zu beherrschen! (s. auch ›Der Verlust der Freiheit im Patriarchat‹)

 Der ›heilige‹ Phallus-Kult: Die Überhöhung der patriarchalen Dominanz

›Der Mann definiert sich über sein Geschlecht… und identifiziert sich mit seinem Phallus‹ (Rolf Pohl)

Im unverkennbar von patriarchaler Wissenschaftlichkeit dominierten 6-bändigen ›Lexikon der Ägyptologie‹ (1982) werden dem Phallus zweieinhalb Seiten gewidmet; aber kein Wort zu Vagina oder Vulva! Der Psychologe Rolf Pohl stellte fest: »Die typisch männliche Gewaltbereitschaft entspringt einer aus Lust, Angst, Neid, Wut und Hass bestimmten unbewussten ­Einstellung zur Weiblichkeit. Hass und Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen ist auch als Ergebnis einer Leugnung und Abwehr der männlichen, auf den weiblichen Körper gerichteten Begierde zu verstehen. Die durch Frauen ausgelöste sexuelle Erregung bestätigt die Abhängigkeit des Mannes und entlarvt die im männlichen Autonomiewunsch enthaltene Idee vollkommener Beherrschung und Kontrolle als wahnhafte Illusion.« (›Feindbild Frau – Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen‹, 2002) In ihrer Rezension schreibt ›Cora‹ aus Suhl, Thüringen: »Der Sozialpsychologe Rolf Pohl hat eine mutige Streitschrift verfasst. Die Antwort auf die Frage, was einen Mann in einer von Männern dominierten Gesellschaft ausmacht, ist bei ihm eindeutig: Der Mann definiert sich über sein Geschlecht, im Falle des erwachsenen Mannes identifiziert er sich mit seinem Phallus. Das führt zu Abwehr- und Leugnungsmechanismen gegenüber allem Weiblichen. Das vom Autor bezeichnete Männlichkeitsdilemma, das Pohl als Auslöser für männliche Gewalt ausmacht, besteht darin, dass der Wunsch des Mannes nach absoluter Autonomie (Beherrschung und Kontrolle) durch die sexuelle Abhängigkeit von der Frau (als Lust- und Zielobjekt) ständig unterlaufen wird. Männliche Gewalt gegenüber Frauen (aber nicht nur gegen sie) trägt demzufolge paranoide Züge und wird, das ist das eigentlich beunruhigende, in hegemonialen männlichen Gesellschaften (auch ein Kennzeichen unserer Gesellschaft) gefordert, gefördert, verschleiert, verharmlost und sogar benutzt.«

Sexuelle Gewalt ist das Problem des Patriarchats

›Das Männerbündlerische, die Intransparenz, die Doppelmoral und die totale Abschottung nach außen machen die katholische Kirche zum idealen Raum für Serienmissbrauchstäter.‹ (Matthias Katsch, Missbrauchsopfer durch Jesuiten)

Die Religionswissenschaftlerin Wendy Doniger O‘Flaherty unter­suchte den Ur­sprung von Kindesmissbrauch, Vater-Tochter-In­zest und Vergewaltigung und kommt zum Schluss, dass diese Praktiken in den indoeuropäischen Mythen hervorste­chen. Wie die indoiranische und die indi­sche sind auch die ägyptische, die sumerische, nordeuropäische und grie­chi­sche My­thologie vol­ler Inzest- und Vergewaltigungsszenen. »Wenn man das griechische und keltische Mate­rial untersucht, be­ginnt man zu ver­muten, dass es indoeuropäisch ist. Einige Freu­dianer (und viel­leicht viele Jungianer) würden vorschlagen, dass dies in der Tat universal sei, doch dies muss erst bewiesen werden.« (O‘Flaherty ›Women, Androgynes and Other Mythical Beasts‹ 1980, S. 113)

Die sexuelle Perversion ist patriarchal und indoeuropäisch/arischen Ursprungs

Immanuel Veli­kovsky bestätigt den indoeuropäischen Ursprung von Inzest: »Die klassi­schen Au­toren irr­ten nicht in ihren Mitteilungen von inzestuösen Hei­raten unter den Indo-Iraniern oder Per­sern. In religiösen und juristi­schen Texten der Pahlavi gibt es zahlreiche Hinweise dafür.« Patriarchale Männer betrachten Ehefrauen und Töchter als ihren Besitz, über den sie nach Lust und Laune verfügen können. Sie können sie in die Sklaverei verkaufen, sie töten, falls sie ihre sexuellen Vorschriften übertreten, und sie können sie quasi legal sexuell missbrauchen und vergewaltigen.
Carola Meier-Seetha­ler konstatierte: »Es braucht wenig Fantasie, um sich vorzu­stellen, wie klein der Schritt von der Verfügungsgewalt der Väter über ihre Töch­ter bis zum Niederreißen der Inzestschranke zwi­schen Va­ter und Tochter war. Tat­sächlich haben sich alle patriar­chalen Kulturen über die matrizentrischen Inzesttabus mehr oder we­niger hinweg­gesetzt, und es wur­den nicht nur aus dynasti­schen und erbstrategi­schen Grün­den weibli­che Verwandte geheira­tet, sondern immer standen die weiblichen Mitglieder des Haushalts, seien es Töchter, Mündel oder Dienerinnen, in der Gefahr, vom Haus­herrn oder von dessen Brüdern und Söhnen se­xuell missbraucht zu werden.« (Carola Meier-Seetha­ler ›Ursprünge und Befreiungen  – Eine dissidente Kulturtheorie‹  1988, S. 269)

 


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