Die Indo-Europäer und das Ende der matriarchalen Zivilisation Alt-Europas

Eine kurze Zusammenfassung der Arbeiten der Prähistorikerin, Archäologin und Indo-Europäer-Forscherin Marija Gimbutas, Dozentin in Harvard und der UCLA (University of California, Los Angeles) zur Erforschung der Indo-Europäisierung Alt-Europas:

Der Ursprung der Indo-Europäer: Die Kurganvölker in Südrussland

Kulturell war Alt-Europa auf dem gleich hohen Niveau wie Mesopotamien und Ägypten vor den indoeuropäischen Invasionen. Gimbutas fasst ihren Artikel »The earliest European Civilization before the Infiltration of the Indo-European Peoples‹ wie folgt zusammen: ›Eine Alt-Europäische Zivilisation mit Städten, einer geschriebenen Schrift und aufwendig dekorierten Tempeln blühte in Südosteuropa, bevor Indo-Europäer während des 4. und 3. Jahrtausends in die Länder eindrangen. Archäologische Zeugnisse beweisen, dass die Invasoren Krieger waren, die befestigte Wehranlagen bauten und sich als höhere Macht über die indigene Bevölkerung etablierte. (›Journal of Indo-European Studies‹(JIES), 1973, 1/1.1-20) Es ist das unschätzbare Verdienst von Marija Gimbutas, dass wir überhaupt eine Vorstellung haben, von dem, was damals passierte. Sie berichtet, dass der Zusammenprall zweier Ideologien, Gesellschaftssysteme und Wirtschaftsformen,

›eine die kulturellen Grundfesten erschütternde Kollision‹

 war, »als die frühesten Indo-Europäer oder Proto-Indo-Europäer, die ich als ›Kurganvölker‹ bezeichne, mit ihren Pferden aus dem Osten, aus Südrussland kamen. Zu einer ersten Berührung mit den Grenzgebieten des Alten Europa kam es um die Mitte des 5. Jahrtausends am Unterlauf des Dnjepr und an der Westküste des Schwarzen Meeres. In den folgenden zwei Jahrtausenden riss der Strom der nach Ostmitteleuropa drängenden Menschen und ihre Einflüsse nicht mehr ab… Aussagekräftiges Material liegt erst ab 5000 vor. Von dem Zeitpunkt an, als die Steppengebiete nördlich des Schwarzen Meeres erobert wurden, also etwa ab 4500, können wir von ›Kurganvölkern‹ reden.« (Marija Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. 352)

Kurgan-Welle-Gimbutas-2000,-S.-30

Der Kurgan-Einbruch nach Ostmitteleuropa zwischen 4300 und 3500
(Marija Gimbutas ›Das Ende Alteuropas – Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas‹ 2000, S. 30)

»Die Mobilität der Kurganvölker basierte auf der Domestizierung des Pferdes, das bei den Ackerbauern des Alten Europa unbekannt war. Zum Übergang von der Muttergesellschaft zum waffenbewehrten Patriarchat im Süden und in den nördlicheren Gebieten Russlands, die sich spätestens um 5000 herum vollzog, führten auch Weidewirtschaft und Viehhaltung in großen Herden, die nur mit Hilfe von Reitpferden und körperlicher Kraft zu beherrschen waren.« (Gimbutas ibd.) Ein anderer Strom von Kurganleuten machte sich etwa um 3500 auf nach Süden, eroberte Syrien (s. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹), Mesopotamien und am Ende des 4. Jahrtausends Ägypten.

In immer kürzeren Abständen erhärtet sich die Richtigkeit der Thesen von den Kurgan-Wanderungen nach Alt-Europa von Marija Gimbutas. Z.B. durch Chiara Batini von der University of Leicester und ihrer Kollegen, die  die Abstammungs-Geschichte europäischer Väter untersuchten. Sie analysierten und verglichen Sequenzen vom Y-Chromosom von 334 Männern aus 17 verschiedenen Volksgruppen Europas und des Nahen Ostens. »Die Ergebnisse zeigten Überraschendes: Neben der schon bekannten  Einwanderung von jungsteinzeitlichen Bauern aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Europa fanden die Forscher auch Hinweise auf eine spätere, deutliche Veränderung: 13 von 17 Volksgruppen erreichten vor rund 4.200 bis 2.100 Jahren einen Bevölkerungs-Engpass, um anschließend rapide anzuwachsen… Zwei Drittel der untersuchten heutigen Männer gehen offenbar auf nur drei Vorfahren zurück, die vor maximal 7.300 Jahren lebten. Wer diese sind und warum das so ist, bleibt allerdings bisher rätselhaft. „Angesichts der kulturellen Komplexität der Bronzezeit ist es schwierig, diesem Geschehen ein spezifisches Ereignis zuzuordnen“, sagt Batini. Eine Vermutung haben die Forscher aber durchaus: Sie sehen eine Verbindung zur Einwanderung von Reiternomaden aus den eurasischen Steppengebieten. „Das Bevölkerungswachstum fällt in eine Zeit, in der es einen Wandel der Begräbnissitten gab, sich das Reiten in Europa ausbreitete und es neue Entwicklungen bei Waffen gab“, erklärt Seniorautor Mark Jobling von der University of Leicester. »Dominante Männer, die mit diesen neuen Kulturen verbunden waren, könnten durchaus für die heute sichtbaren Genmuster der Y-Chromosomen verantwortlich gewesen sein.« (Bild der Wissenschaft, Leben und Umwelt – Genforschung, 19.05.2015 ›Spurensuche in der DNA der Europäer (Federico Caputo‹ / thinkstock)

Damit werden auch die Thesen bestätigt, die hier erarbeitet wurden: ›Ultimative Beweise für die indoeuropäische Herrscher- und Priesterkaste Ägyptens‹. Zum Wandel der Begräbnisriten nach der Eroberung Mesopotamiens und Ägyptens: ›Seite an Seite zwei verschiedene Bestattungsarten‹ und zum frühesten Versuch der Invasoren, Pferde in Ägypten anzusiedeln: ›Hierakonpolis: ein irritierendes Wandbild‹. Zur neuen Entwicklungen bei Waffen: Nirgends findet man vor den Überfällen der Indo-Europäer Waffen ›Der  Irrtum mit den Silex Pfeilspitzen‹ oder Hinweise auf fehlende neolithische Befestigungsmauern. Deshalb »waren die friedfertigen Ackerbauern eine leichte Beute für die kriegerischen Kurgan-Reitervölker, die sie zu Beginn der Bronzezeit überrannten. Die Eindringlinge waren mit Stich- und Hiebwaffen ausgerüstet: mit langen Dolchmessern, Speeren, Lanzen, Pfeilen und Bögen.« (Gimbutas ibd.)  Zu den Waffen bei der Eroberung Nordmesoptamiens: ›Die indoeuropäischen Eroberer aus dem Norden‹ und ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹.

»Die Kurgankultur steht in krassem Gegensatz zur Gesellschaft des Alten Europa, die im wesentlichen friedfertig, sesshaft, matrifokal und matrilinear war und in der es keine Benachteiligung aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit gab. Die Kurganvölker gehörten einer kriegerischen, patriarchalischen und hierarchischen Kultur an, die ihre Toten in Erdgruben mit zelt- oder hüttenartigen, von einem Stein- oder Erdhügel bedeckten Kammern bestattete.« (Gimbutas ibd.)

»Die Kurganeinflüsse schwappten in drei Wellen auf die Gebiete des Alten Europa über:
Phase I um 4400-4300 Einfall berittener Hirtennomaden aus Südrussland im Donaubecken
Phase II um 3500 Einsatz von ersten Waffen aus Hartmetall (Kupfer-Arsen-Legierung)
Phase III 3100-2900 Völkerbewegungen durch die mächtige Kurganwelle aus der unteren Wolgaregion

Diese Chronologie bezieht sich nicht auf die Entwicklung einer einzigen Kulturgruppe, sondern auf eine Reihe von Steppenvölkern mit einer gemeinsamen Tradition, die sich über weitgreifende zeitliche und räumliche Parameter ausdehnte.« (Marija Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. 352 und ›Das Ende Alteuropas – Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas‹ 2000, S. 133)

»Eine 2015 veröffentlichte genetische Studie von Forschern der Harvard Medical School in Boston stützt Gimbutas Theorie. Die Forscher wiesen zwei Einwanderungswellen nach Europa nach. Zuerst kamen zwischen 5000 bis 6000 die ersten Ackerbauern aus dem Nahen Osten. Dabei erwiesen sich Funde aus Spanien, Deutschland und Ungarn als sehr eng verwandt. Nach 4000 muss es dann eine massive Einwanderung aus den eurasischen Steppen gegeben haben. Denn die Forscher stellten fest, dass die DNA der untersuchten, zentraleuropäischen Schnurkeramiker zu 75 Prozent mit der von Angehörigen der Jamnaja-Kultur übereinstimmt, einer Nachfolge-Kultur des Kurganvolkes.« (›Indogermanen‹ Wikipedia) (s. ›Massive migration from the steppe is a source for Indo-European languages in Europe‹ http://biorxiv.org/content/early/2015/02/10/013433)

»Der ökonomische und soziale Transformationprozess war in fast allen Teilen Alteuropas mit dem Beginn der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends abgeschlossen. Während Viehzucht und eine halbnomadische Lebensform an Bedeutung zunahmen, verlor der Ackerbau an Gewicht. Alteuropäische Siedlungsmuster verschwanden mit Ausnahme von Gebieten wie Inseln, die nie ganz indoeuropäisiert werden konnten, von der Bildfläche. Indoeuropäische Glaubensvorstellung wurden zur offiziellen Religion, die alteuropäische Verehrung weiblicher Gottheiten überlebte jedoch in kulturellen Relikten bis in die Gegenwart.
Funktion und Darstellung alteuropäischer und indoeuropäischer Gottheiten, Vorstellungen vom Leben nach dem Tod im Gegensatz zum Glauben an die Wiedergeburt, und völlig verschiedene Symbolsysteme sind Beweise für die Existenz von zwei Religionen und Mythologien – der einheimischen, aus dem Paläolithikum übernommenen alteuropäischen und der fremden, dem Nahen Osten nahestehenden indoeuropäischen Tradition. Ihr Aufeinanderprallen in Europa führte zur Hybridisierung [kulturellen Überschneidungen] zweier Symbolsysteme, wobei das indoeuropäische Element überwog, das alteuropäische jedoch unterschwellig weiter wirkte.

Ohne das Wissen um diese verschiedenen symbolischen Strukturen
ist ein echtes Verständnis der europäischen Völker, ihrer Ideologien
und der Entstehung und Bedeutung ihrer Symbole,
Glaubensvorstellungen und Mythen nicht möglich.

Das Aufeinandertreffen dieser beiden Ideologien und sozio-ökonomischen Strukturen führte zu einer drastischen Transformation Alteuropas. Dieser Wandel drückte sich im Übergang von einer matrilinearen zu einer patrilinearen Gesellschaftsordnung aus; die kultivierte ›Theakratie‹ wurde abgelöst von einem militanten Patriarchat; eine auf Gleichheit der Geschlechter beruhende Gesellschaft wurde zur männerdominierten Hierarchie; die weiblichen Erdgottheiten wurden vom Pantheon der indoeuropäischen Himmelsgötter verdrängt.« (Marija Gimbutas ibd. 2000, S. 134 f.)

Marija Gimbutas schrieb über das Ende des Alten Europa: »Der Niedergang des Alten Europa fällt zusammen mit der Indoeuropäisierung Europas einem umfassenden Veränderungsprozess, der einen ähnlich dramatischen kulturellen Wandel mit sich brachte, wie ihn der amerikanische Kontinent nach seiner Eroberung durch die Europäer erlebte.« (Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. 352)
Patriarchale Männer (vor allem Wissenschaftler und der Klerus!) leugnen das Matriarchat, die einstige Verehrung der Großen Göttin, die Zerstörung der damaligen Welt durch die Indo-Europäer, aber auch die Verbrechen neuerer Zeit, die Schandtaten der Kolonisierung und Missionierung, die Zerstörungen durch Kriege, das Elend des vom ›Raubtierkapitalismus‹ verursachten Hungers und der Armut, die menschenfeindlichen patriarchalen Diktaturen, die Abwertung der Frau durch die patriarchalen Religionen, die Ermordung der Ureinwohner Südamerikas und der Raub ihres Goldes durch die katholischen Eroberer und Missionare usw. usw. Man könnte meinen, dass kein normaler Mann die Massaker an den Ureinwohnern, auf denen z.B. die Entstehung Amerikas basiert, leugnen könnte, und doch ist es so. Wer hat ein Interesse am Leugnen all dieser Untaten?

›Die Vergangenheit ist nicht tot. Sie ist noch nicht einmal vergangen.‹ (William Faulkner)

 Die Schandtaten und Verbrechen welche patriarchale Männer seit den ersten Invasionen der Indo-Europäer in aller Welt begangen haben,
sind ungezählt und unfassbar und dauern bis heute an.

 


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