Die Lüge vom Krieg, den es ›schon-immer‹ gegeben hat

Aus dem Inhalt:

  • Die Lüge vom Krieg und das Ende der Lüge:
  • »Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege!«
  • Haben Männer ›aggressive Erbanlagen‹, gar ein ›Killer-Gen‹?
  • Krieg für Gott und Vaterland
  • Die Rechtfertigung von Gewalt und Krieg mit der Bibel
  • Kriege sind nicht Schicksal – Kriege werden gemacht
  • Gewaltlosigkeit ist eine Sache der Erziehung
  • Das Patriarchat ist der Vater des Krieges

 

Erst jüngere Forschungen brachten es an den Tag:
›Das Zeitalter des Schreckens‹ begann nach zwei Millionen Jahren des Friedens erst vor 5500 Jahren mit dem Patriarchat am Beginn der Bronzezeit.
(s. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹ )

 

Die Lüge vom Krieg und das Ende der Lüge:

»Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege!«

Diese sensationelle Tatsache konnte der Ausstellungsmacher Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt in Halle, zum Thema: ›Krieg – eine archäologische Spurensuche‹, aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Archäologie endlich öffentlich aussprechen (3sat-Sendung von Gert Scobel am 12.11.15).

Hingegen lautet die Propaganda des Patriarchats:
›Kriege gab es, seit es Menschen gibt‹

Neben dieser irrigen Ansage, gibt es verschiedene ›gute Gründe‹, die heutige Kriege notwendig machen und rechtfertigen. »Kriege sind notwendig um den Frieden zu sichern« lautet die Propaganda der Kriegstreiber. Dies ist eine der großen und dreisten Lügen des kriegslüsternen Patriarchats. Es geht ihnen dabei immer um Profit und um Beutemachen. Wieland Speck sagte bei der Einführung des preisgekrönten Films ›Circle‹ zum Krieg in Bosnien: »Vergangenheit ist der Stoff aus dem die Gegenwart gemacht ist und wenn man sich ihr nicht stellt, wird aus ihr möglicherweise auch die Zukunft zusammengesetzt. Eine Horrorvorstellung, denkt man an die Kriege, die uns heutigen Westeuropäern erspart geblieben sind. Weniger Glück hatten die Osteuropäer aus Ex-Jugoslawien. Die Ereignisse vor kaum mehr als 20 Jahren bleiben zu Lebzeiten lebendig. Dass aus einer befriedeten Welt, in der die unterschiedlichsten Religionen lediglich kulturelle Randnotizen waren eine segregierte, hasserfüllte werden könnte, schien unvorstellbar und wurde doch in Windeseile blutige Wirklichkeit. Hass scheint sich leichter evozieren zu lassen, geht mit der nötigen Propaganda schneller aufzubauen als Liebe. Gewalttätigkeit, der Zerstörungsgenuss der Gewaltmänner und die Abwesenheit von Moral sind nicht Kriegsfolgen, sondern nichts Anderes als deren Ursache.« (›Circles‹, Film zum Bosnien-Krieg von Srdan Golubovic, Regie, Srdan Golubovic, Srdjan Koljevic, Melina Pota Koljevic, Drehbuch, 2013, arte Dezember 2016).

Wie konnte sich die Lüge vom Krieg, den es seit jeher gegeben haben soll, so lange halten? Weil das Nachfragen und Forschen von patriarchalen Wissenschaftlern, Politikern und Religiösen nicht erwünscht war; weil sie wussten, dass dies Tatsachen ans Licht bringen würde, welche die bis heute in konservativen Kreisen aufrecht erhaltene Propaganda, widerlegen würde. Waffenhersteller und Kriegstreiber wollen sich damit ihr lukratives Geschäft nicht kaputt machen lassen; und wie sollte die Kirche die Grausamkeiten, die brutalen Überfälle, die Kriege, den Landraub und die Gewalt gegen die Bevölkerung, die das Alte Testament mit Stolz und Überheblichkeit – als Auftrag des patriarchalen Gottes – beschreibt, noch rechtfertigen? Dies sind einige der Gründe für das Desinteresse an diesem brisanten Thema.

Es geht um den katastrophalen Umsturz von der matriarchalen Zeit des Friedens
in die kriegerische, militaristische Zeit der Diktatur des Patriarchats.

Es gab tatsächlich während 2 Millionen Jahren der Menschheitsgeschichte keinen Krieg. Dies wird unter anderem in Ägypten bezeugt. Menschliche Besiedlungen »lassen sich bis um 2 Millionen Jahre nachweisen. Lange bevor das Niltal selbst, noch von regelmäßigen Hochwassern durchströmt, bewohnbar wurde, siedelten hoch an den Talrändern Menschen, deren Existenz in den von ihnen gefertigten und benutzten Feuersteingeräten nachweisbar ist.« (Dietrich Wildung ›Ägypten vor den Pyramiden‹ 1981. S. 8). Es gab keine Spuren von Gewalt, diese zwei Millionen Jahre waren absolut friedlich. Es war die Zeit der Mütter, der Matriarchinnen, der natürlichen, gewaltfreien, weiblichen Dominanz. Frauen waren als das lebenspendende Prinzip, als Garantinnen für den Fortbestand und die Erhaltung des mütterlichen Blutclans der respektierte, geliebte und verehrte Mittelpunkt der Sippe. Die Katastrophe begann mit dem Patriarchat. Der Grund für die Entstehung der ›Herrschaft der Väter‹ geht zurück auf die Entdeckung der Viehzüchter, welche die Rolle der Stiere bei der Zucht beobachtet hatten. (s. ›Die Entdeckung der Vaterschaft‹)

Es wird behauptet, dass Sesshaftigkeit und Besitz im Fruchtbaren Halbmond, der Streit um ein Stück Weideland oder ein Stück Vieh der Grund für die ersten Kriege gewesen seien. Doch können solch kleinen Fehden nicht der Anlass für diesen ungeheuren, brutalen Umsturz gewesen sein; die schlimmste Katastrophe, die die Welt bis dahin erlebt hatte: der Beginn der Waffengewalt, der Armeen, des Militarismus, die Jahrtausende der Zeit der Kriege, des Mordens, der Plünderungen, der Zerstörungen, der Vergewaltigung von Frauen und Kindern. All dies soll mit dem Sesshaftwerden und der Verteidigung von wenig persönlichem Besitz glaubhaft begründet werden?
Im Vorderen Orient soll das vor 10’000 Jahren, im mitteleuropäischen Raum vor etwa 7’500 Jahren gewesen sein. Doch diese Thesen sind Spekulationen. Der erste Krieg der bis heute nachgewiesen wurde fand in Hamoukar im Nordosten Syriens ›erst‹ um 3500, also vor 5500 Jahren statt (s. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹); hatte aber nichts mit Sesshaftigkeit zu tun, sondern mit bewaffneten Überfällen der berittenen patriarchalen Indo-Europäer/Arier aus dem Norden. Ausserdem kam auch die Jagd erst mit dem Beginn der dynastischen Zeit in Ägypten und Sumer in die Welt, es gibt keinen einzigen Beweis für die Jagd davor. Doch auf die ›heldenhaften Jäger‹ auch noch verzichten zu müssen, dürfte bei stramm patriarchalen Männern noch einige Zeit benötigen. (s. ›Die Mär von den ›Großen Jägern‹ der Steinzeit‹)
Die kriegerischen Überfälle wurden damals zum wichtigsten Mittel, sich Macht über Frauen – und damit Landbesitz und Reichtum – zu verschaffen, denn Land und Besitz lagen in den matriarchalen Kulturen in den Händen der Frauen. Kriege wurden zum Zwecke von Landeroberun­gen, des Beutemachens von kriegerischen Raubmördern gemacht und als Mittel des Machterhalts insti­tutionali­siert. Es ist dies der Beginn ›eines 5000 Jahre währen­den Alp­traumes, aus dem es für diesen Planeten Zeit ist zu erwachen‹ (James Joyce). Das würde jedoch den Abschied vom Patriarchat bedeuten, denn Patriarchat und Krieg gehören zusammen.
Eigentlich wusste man von der Zeit des Friedens und des Matriarchats schon lange. Nach dem großen Gelehrten Johann Jakob Bachofen (›Das Mutterrecht. Eine Untersuchung der Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur‹ 1861) gab es viele ForscherInnen und SchriftstellerInnen, die darüber berichtet haben, nur hat das Patriarchat dieses Wissen erfolgreich, verdreht, verzerrt und unterdrückt, um seine mörderische Kriegslust zu rechtfertigen.

›Informationsunterdrückung liegt in der Dynamik
der dominatorischen Gesellschaft
(Riane Eisler)

 

 Haben Männer ›aggressive Erbanlagen‹, gar ein ›Killer-Gen‹?

Krieg sei ein Teil der menschlichen Natur behaupten patriarchale Männer. (In der Wissenschaft ist mit ›Mensch‹ der Mann gemeint.) Der Paläo-Anthropologe Robert Ardrey (›Adam kam aus Afrika‹ 1967) übte großen Einfluss auf das Denken breiter akademischer Kreise aus. Er war ein Befürworter der ›Killeraffen-Theorie‹ von Raymond A. Dart, nach der ein mörderischer Gewaltinstinkt, menschliche (gemeint sind wohl männliche!) Aggression und der Krieg die positiven (!) treibenden Kräfte bei der Evolution der Menschheit gewesen sein sollen. Die Gewalt, die Ardrey hier rühmt, ist in der Urzeit nicht auszumachen, sondern ein Produkt männlicher Phantasie. Erst die Machtnahme der kriegerischen Indo-Europäer in der Bronzezeit brachten Krieg und Gewalt in die Welt. Doch die irrige Ansicht ist weit verbreitet und wurde kaum je auf ihren Wahrheitsgehalt hinterfragt. Der Neuropsychologe Thomas Elbert ist ebenfalls »überzeugt, dass der Mensch darauf ausgelegt ist, Gewalt auszuüben. Menschen können Menschen töten, und in primitiven Kulturen tun sie das auch.« Das ist eine ungeheuerliche Unterstellung, die Elbert noch mit der völlig verrückten Aussage toppt: »Die Untersuchungen steinzeitlicher Kulturen zeigen, dass die Hälfte aller Männer erschlagen worden ist.« Elbert schwätzt nach, was vor und mit ihm noch immer von patriarchalen Wissenschaftlern behauptet wird. Er begründet dies mit den Genen: »Von unserer genetischen Zusammensetzung sind wir nicht großartig anders als der Steinzeitmensch. Die Bereitschaft zu töten, war damals keine psychopathologische Variante, die selten auftritt. Es war die Regel!« (Interviewer Sami Skalli 18. 8. 2011 ZEITonline) Leider verrät uns Elbert nicht, womit er seine Behauptungen untermauern kann.

Die Behauptung, Krieg sei auf eine angeborene Ag­gres­sion des Menschen zurückzuführen, wurde von verschiedenen Wissenschaftlern hinreichend widerlegt. Erich Fromm berich­tigt das unhaltbare Vorurteil ebenfalls und stellt klar, die Urgeschichts­forschung habe bewiesen, dass die frühesten Menschen weniger de­struktiv waren als die sogenannt Weite­rentwickelten und dass »der Prototyp Mensch, wie er vor 50’000 Jahren auftauchte, auch nicht der Mörder war, den wir in den fortgeschritte­neren Stadien der Evo­lution antreffen« (Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 135). (s. auch ›Terror – die monströse Fratze des Patriarchats‹) Der patriarchale Mann meint:

»Wenn der zivili­sierte Mensch schon von so vielen Kriegen und ei­ner so starken De­struktivität heimgesucht ist, wie viel schlimmer muss dann der ›primi­tive‹ Mensch gewesen sein, der in der Entwick­lung zum Fortschritt hin so weit im Hintertreffen war.« (Erich Fromm)

Diese Vermutung entbehre jeder Grundlage schreibt Fromm weiter. (Fromm, ibd., S. 193 f.) Der Glaube an den zivilisierten Mann von heute ist im Kriegsfall eine Illusion. »Die Vorstellung von ständigem Krieg zwischen den ›wilden‹ Jägern und Sammlern seit dem vollen Auftauchen des ›modernen Menschen‹ um 40 000 oder 50 000 Jahren ist ein weit verbreitetes Klischee« (Fromm ibd. S. 18). Er weist die Annahme von Konrad Lorenz von ›40’000 Jahren organisierter Kriegsführung‹ zurück, die nichts weiter als das alte Klischee Hobbes‘ vom Krieg als dem natürlichen Zustand des Menschen sei (Thomas Hobbes ›Leviathan‹ 1651), »das hier als Argument dient, mit dem die angeborene menschliche Aggressivität bewiesen werden soll. Die logische Folgerung aus Lorenz‘ Annahme ist, dass der Mensch aggressiv ist, weil er aggressiv war, und dass er aggressiv war, weil er aggressiv ist.« (Fromm ibd. S. 18, Hvhb. DW) Doch Hobbes Theorie aus dem Jahr 1651, für die die Forschung keinerlei Grundlage erbrachte, feiert noch immer fröhliche Urstände. So weist Hania Luczak im GEO-Heft zur Aggressionsforschung, auf die Auffassung patriarchaler Wissenschaftler hin: »Aggression ist uns angeboren wie allen Lebewesen und moderne Evolutionsbiologen meinen, dass die Anlagen zum Krieg in unseren Erbanlagen gespeichert seien.« (Geo 27.5.1991) »Dies klingt geradezu wie eine Rechtfertigung für Kriege und lässt uns glauben, dass es friedliche Lösungen deshalb nicht geben kann, weil die gesamte ›Menschheit‹ auf Krieg programmiert ist«, empört sich Roswitha Baduva-Walch. (›Europa und 2000 Jahre Frieden‹ 1992) Doch wenn schon, meint sie, »dann sind diese ›aggressiven Erbanlagen‹ allerdings »auf männliche Lebewesen beschränkt, die deshalb auch in der Überzahl die Gefängnisse bevölkern.« (Baduva-Walche, ibd. 1992, S. 31)

»Terroristen fallen nicht vom Himmel. Sie werden in Familien gemacht.
Und da haben Frauen eine unglaublich wichtige Rolle.«
(Edith Schlaffer)

Fehlgeleitetes Ausleben von falsch verstandener Männlichkeit, Kriminalität und Terror entstanden erst im Patriarchat. Patriarchale Männer begannen vor wenigen Tausend Jahren die Mütter zu entrechten, entmündigten sie und rissen die Erziehung der Jungen, die sie als ihren Besitz betrachteten, an sich. (s. ›Die Entdeckung der Vaterschaft und die katastrophalen Folgen‹) Doch patriarchale Erziehung ist sadistisch ist autoritär, hart und demütigend: ›Wer seinen Sohn liebt, züchtigt ihn.‹ Daraus resultieren Hass und Gewalt der Jugendlichen. Seit die rechtlosen Mütter ihre männlichen Kinder nicht mehr zivilisieren und zur Gewaltlosigkeit erziehen (können/dürfen), zeigt sich die Fratze der patriarchalen Gewalt immer deutlicher. Doch diese Tatsache wird bestritten.

Gewaltlosigkeit ist eine Sache der Erziehung

Die meisten Kriege entstehen dort, wo Frauen nicht respektiert werden, wo sie nichts zu sagen haben (›die Frau schweige in der Gemeinde‹ und in der Familie). Wo Frauen schweigen müssen, nichts wert sind, ihre Söhne nicht zu ziviliserten, nicht zu gewaltlosen Männern erziehen können, werden sie von patriarchalen Männern, den Vätern, Erziehern, dem Militär und der Politik zu ›richtigen‹, d.h. harten Männern erzogen. So wurden bereits die Väter erzogen, zu Härte und Gefühllosigkeit.
Im Buch ›Lonely Cowboys‹ von Cheryl Benard und Edit Schlaffer plädieren die Autorinnen dafür die Jungen auf ihrem Weg durch die Pubertät nicht allein zu lassen. Anhand vieler anschaulicher Beispiele und konkreter Vorschläge zeigen sie, wie Eltern und LehrerInnen Jungen helfen können, sich aus festen Rollenzwängen zu befreien, eine selbstbewusste Identität zu finden und soziale Kompetenzen zu erwerben. Eine Leserin schreibt, einer der wertvollsten Tipps war für mich, mich gerade nicht aus der Erziehung meiner Söhne zurückzuziehen, wie das ja den Müttern oft empfohlen wird. »Ich glaube nicht, dass Väter a priori etwas besser oder schlechter können als Mütter.« (Edith Schlaffer) Die Sozialwissenschaftlerin und Feministin Edith Schlaffer erkannte, dass die Prävention die wichtigste Abhilfe gegen den Krieg ist. Es geht ihr vor allem darum, das Selbstbewusstsein der Frauen in hartpatriarchalen Ländern zu stützen. Mit ihrem Mann Ulrich Kropiunigg, Psychotherapeut und Professor für Medizinpsychologe an der Medizinischen Universität Wien bereist sie Länder der Dritten Welt und schult dort Frauen zu wehrhaften Müttern, weil es dort Frauen unendlich viel schlechter gehe als Frauen des Westens. Dies betrifft besonders die Gewalt gegen Frauen, in und ausserhalb der Ehe und Frauenrechte im allgemeinen. Edith Schlaffer und Cheryl Benard schrieben eine Reihe von Büchern zu feministischen Fragestellungen in Europa, darunter 1978 die soziologische Studie über ›häusliche Gewalt‹ und ›Vergewaltigung in der Ehe‹, was ebenfalls eine Folge der patriarchalen Ideologie und der Unterdrückung der Frau ist.

Krieg für Gott und Vaterland

›Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend… So kann ich Neues schaffen.‹ (Adolf Hitler)

Die faschistischen Hassprediger profitieren von Hitlers Hass und den Folgen und ernten die faschistische Saat. Klaus Theweleit schrieb in seinen ›Männerphantasien‹ über den faschistischen Typ, der seit den despotischen Pharaonen bis heute die Welt tyrannisiert, dass diese Männer durch erlittene Prügel und militärischen Drill, was ja (fast) ausschließlich von Vaterfiguren verursacht wird, einen Körperpanzer erworben haben, der sich u. a. durch eine Unfähigkeit zu menschlichen Beziehungen und Empathie, durch militärische Strammheit, Steifheit und Unterkühltheit charakterisieren lasse. (s. auch Wilhelm Reich’s Beschreibung der ›Charakterpanzerungen‹; Morton Schatzman ›Die Angst vor dem Vater‹; Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹, 1974).

»Die Begeisterung für den Krieg hatte 1914 in Deutschland auch die Kirchen, ihre Bischöfe und Theologen ergriffen, über die Konfessionen hinweg. In ganz Europa sahen die Vertreter der Christenheit, die doch eigentlich für den Frieden hätten eintreten sollen, bis auf wenige Ausnahmen den Kampf als gottgewollte Verteidigung von Heimat, Nation und Volk an. Ihre Predigten gaben den Regierungen und Oberbefehlshabern einen religiösen und ideologischen Überbau für den Krieg, ihre Militärgeistlichen stärkten den Kampfeswillen an der Front, in der Heimat versuchten Pfarrer, die Seelenlage der Bevölkerung zu stabilisieren. Wenn man sieht, wie viele Bücher Historiker der Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus gewidmet haben, ist dieses Kapitel des kirchlichen Versagens überraschend wenig aufgearbeitet.« (›Kirchen im Ersten Weltkrieg – Unser barmherziger Gott hat uns in den Krieg geschickt‹ Matthias Drobinski, SZ.de, 27.12,2015, der aufschlussreiche Artikel ist zu lesen unter: www.sueddeutsche.de/politik/kirchen-im-ersten-weltkrieg-unser-barmherziger-gott-hat-uns-in-den-krieg-geschickt-1.2788974)
Ein französischer Militärpriester wiederholt die gängige Phrase, Krieg habe es ›schon-immer‹ gegeben bedenkenlos. Noch krasser ist seine Behauptung: »Die Berufung zum Priester und zum Krieger ähneln sich insofern, als ja beide den Aspekt der Aufopferung teilen und Aufopferung gehört zum Christentum, denn Christus selbst hat sich aus Liebe zu den Menschen geopfert.« (arte, 28 Minuten) Welches Menschenbild vertritt dieser Mann? Was für eine beschämende Äußerung aus dem Mund eines christlichen Theologen, der die Gewalttäter zu Opfern macht, die sich wie Christus aufopfern. Er missbraucht Religion, genau wie die Islamisten, als Rechtfertigung für Gewalt und Krieg. Doch er ist nicht allein, mit seiner Kriegsbeschönigung: »Sie trösteten, segneten – und predigten die Schlacht: Warum sich die Geistlichen im Ersten Weltkrieg auf keiner Seite dem Morden entgegenstellten. Der Franzose ist falsch, der Russe unzivilisiert, der Engländer ein kalter Zyniker und Krämer – so tönte es tausendfach von den Kanzeln des Reiches. ›Welche Barmherzigkeit unseres Gottes, dass er diesen Krieg uns gesandt‹, schrieb ein Greifswalder Professor, sein bayrischer Kollege stimmte ins Lob des Kampfes ein: ›ein heiliger Krieg nach Anlass und Anfang fürwahr!‹ Pazifismus und Christentum, das schloss sich in den Augen der meisten Bischöfe und Theologen schlicht aus.« (Matthias Drobinski ibd.)

»Der Krieg gehört in die göttliche Weltordnung.« (General Helmuth von Moltke)

»Dieser Krieg«, das wusste Helmuth von Moltke schon am 1. August 1914, »wird sich zu einem Weltkrieg auswachsen… Wie das alles enden soll, ahnt heute niemand. Trotzdem konnte er kaum erwarten, dass es losgeht – und musste getröstet werden, als der Kaiser zwei Tage vor der Kriegserklärung an Russland einen Moment lang zögerte, das mit dem Zarenreich verbündete Frankreich wie geplant anzugreifen. Moltke, ein Neffe des legendären Feldmarschalls der Bismarckschen Einigungskriege, war Generalstabschef und einer der mächtigsten Männer im Reich. Nun glaubte er, man wolle ihm seinen Feldzug wegnehmen.« (Wikipedia) Sind das nicht-erwachsen gewordene pubertierende Buben, die gerne das grausame Spiel vom ›Krieg spielen‹, die ihre sadistische Gewalt romantisch verherrlichen oder ganz einfach psychopathische Männer, die Kriege auch noch als ›göttlich‹ rechtfertigen? Überhaupt spielt Gewalt und Krieg eine unrühmliche Rolle in den patriarchalen Religionen. (s. beispielsweise ›Religion heißt Frieden?‹ von Alexander Grau, IPG, 20.12.2015)

 Die Rechtfertigung von Gewalt und Krieg mit der Bibel

»Noahs Sohn Kusch erzeugte Nimrod; ›er war der erste Ge­walt­herrscher auf Er­den«
(1. Mo­se 10, 8–9)

Die mörderischen Überfälle von patriarchalen Männerhorden auf friedliche Siedlungen wurden in der Bibel vielfach aufgezeichnet, z.B. im 18. Kapitel im Buch der Richter. Immer wieder erteilt Gott, bzw. Moses, Massenmord, Massaker und Ausrottung. Die unfassbaren Gräuel, die Männer als kaltblütige Schlächter anrichten, die unsägliche Brutalität, die sie zu Monstern macht, zieht sich bis ins 21. Jahrhundert des christlichen Europas. Das 20. Jahrhundert ist das kriegerischste, mörderischste, blutigste Jahrhundert der Weltgeschichte.
Der 1. Weltkrieg forderte rund 17 Millionen Menschenleben. Für den 2. Weltkrieg reichen ›die Schätzungen, die Verbrechen und Kriegsfolgen einbeziehen, bis zu 80 Millionen Kriegstoten.‹ (Wikipedia) Davon waren mehr als 6 Millionen jüdische Frauen, Männer und Kinder.
Nach 70 Jahren seit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 spricht man anfangs des Jahres 2015 von 260 weiteren Kriegen und von 65 Millionen Flüchtlingen. Eben trifft die Meldung ein, Paris sei Opfer von mehreren terroristischen Anschlägen geworden mit bisher mehr als 120 Toten und einem Vielfachen von Verletzten und Schwerverletzten! 14.11.2015 im Namen Gottes. Das ist die stetig neu aufgehende Saat der patriarchalen Gewalt!

Der Mann lernt nichts aus der Vergangenheit,
weil er sie verdrängt, beschönigt und rechtfertigt.

Dazu beigetragen hat u.a. der Prähistoriker und Religionsarchäologe Hermann Müller-Karpe, ein betont gottgläubiger Christ und leidenschaftlicher Vertreter der patriarchalen Kriegstheorie. Er ist überzeugt, dass es sich bei den pfeilförmigen Feuerstein-Artefakten aus der Urzeit um Speere und dolchartige Waffen handelt, die eine »kriegerische Haltung und Gesinnung zum Ausdruck bringen« und »erstmalig eigens als Waffen für den Kampf Mensch gegen Mensch ersonnen« worden seien. (s. ›Der Irrtum mit den Silex-Pfeilspitzen‹) Seine kriegsverherrlichenden Ansichten gipfeln in der Behauptung, dass »mehr noch als die Jagd der Krieg das Heroische und seine Wertschätzung« weckte (1974, S. 36 und 146).

Noch immer werden Jagd, Schlachten und Krieg »mit einem unbegründeten und unerwünschten Glanz umgeben, um dem männlichen psychologischen Bedürfnis nach Bestätigung und Absicherung seiner Wichtigkeit entgegen zu kommen.« (Doris F. Jonas)

Kriege sind nicht Schicksal – Kriege werden gemacht

»Wir handeln nicht weitsichtig, weil wir die Geschichte nicht kennen.« (Oliver Stone)
Die Vergangenheit zu kennen, heißt die Gegenwart verstehen.

Der amerikanische Anthropologe S.L. Washburn »setzt die ›Psychologie des Fleischfressers‹ mit einem Trieb zum Töten und der Lust am Töten gleich. Der Mensch [der Mann! DW] hat Freude daran, andere Tiere zu jagen: Wenn diese natürlichen Triebe nicht durch eine sorgfältige Erziehung [!] überdeckt werden, haben diese Menschen Freude am Jagen und Töten. In den meisten Kulturen macht man aus Folterungen und Leiden ein öffentliches Schauspiel zur Volksbelustigung.« (S.L. Washburn und V. Avis. 1958, zit. von Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 116)
»In früheren Zeiten unterhielten König und Adel Parks, in denen sie dem Sport des Tötens zu ihrem Vergnügen nachgehen konnten, und heute [1968] gibt die Regierung der Vereinigten Staaten viele Millionen Dollar aus, um den Jägern Wild zur Verfügung zu stellen«, schreibt Washburn; er weist auch auf die Beliebtheit des Krieges hin: »Bis vor kurzem sah man den Krieg fast genauso an wie das Jagen. Andere Menschen waren einfach das gefährlichste Wild. Der Krieg war in der Menschheitsgeschichte [des Patriarchats!] viel zu wichtig,
als dass er für die daran beteiligen Männer nicht ein Vergnügen gewesen wäre. Erst in neuerer Zeit hat man durch die völlige Veränderung des Charakters und der Bedingungen des Krieges angefangen, gegen diese Institution zu protestieren und den Krieg als einen normalen Bestandteil der nationalen Politik und einen allgemein anerkannten Weg zum persönlichen sozialen Ruhm in Frage zu stellen.« Im Zusammenhang hiermit stellt Washburn fest: »Bis zu welchem Grade die biologischen Grundlagen des Tötens der menschlichen [männlichen!] Psychologie einverleibt sind, kann man daran ermessen, wie leicht man Jungen für das Fischen, das Kämpfen und für Kriegsspiele interessieren kann. Es ist nicht so, als ob diese Verhaltensweisen unvermeidlich wären, aber sie sind leicht zu erlernen, gewähren Befriedigung [welche?] und werden in den meisten Kulturen sozial honoriert. Die Geschicklichkeit im Töten und die Lust daran werden normalerweise im Spiel entwickelt, und die Verhaltensmuster des Spiels bereiten die Kinder [die Jungen!] für ihre Rolle als Erwachsene vor.« (Erich Fromm, ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 116) Fromm kommentiert: »Washburns Behauptung, viele Menschen hätten Freude am Töten und an der Grausamkeit, stimmt bis zu einem gewissen Grad, doch bedeutet es nichts weiter, als dass es sadistische Personen und sadistische Kulturen gibt; aber es gibt auch andere, die nicht sadistisch sind.« (Fromm ibd. S. 116 f.)
Die Jagd durch die Unterstützung von Regierungen zu fördern, ist dann nicht mehr notwendig, wenn Kriege in aller Welt angezettelt werden, wo kriegsbegeisterte junge Männer ihre Lust am Töten befriedigen können, wie z.B. jetzt in Syrien. Die französische Historikerin und Buchautorin Andrée Corvol (sie differenziert zwischen ›Menschen‹ und ›Männern‹ und zwischen ›Männern‹ und ›Bestien‹!) sagt in einem Interview (arte TV ›Der Blogger‹ vom 25.11.12):

»Historisch betrachtet ist die Jagd eine Übung für den Krieg. Die Männer führen gerne Krieg.
Sie bringen sich gerne gegenseitig um; wenn der Krieg vorbei ist, töten sie Tiere.«

Ruth Benedict, die Begründerin der kulturvergleichenden Anthropologie, setzte in ihrem Werk ›Patterns of Cultures‹, als wichtigste Grundannahme voraus, dass menschliches Verhalten hauptsächlich erlernt und nicht angeboren sei, und dass Kulturen deshalb dauerhafte soziale Muster ausbildeten. (Wikipedia) Sie schreibt: »Das Fehlen von Kriegen ist nichts so Ungewöhnliches, wie man nach den Äußerungen politischer Theoretiker über die Prähistorie des Krieges annehmen sollte… Es ist ein völliges Missverständnis, dieses Chaos [den Krieg] einem biologischen Bedürfnis des Menschen, in den Krieg zu ziehen, zuzuschreiben. Das Chaos ist Menschenwerk.« (s. ›Das Patriarchat – die Geschichte von Tyrannei und Gewalt‹). »Dass die modernen Historiker alle Beweise ignorieren, zeigt, wie nötig der zivilisierte Mensch [der Mann! DW] es hat, die böse Erinnerung zu unterdrücken, um sich seine Selbstachtung als vernünftiges Wesen, diese lebensrettende Illusion zu bewahren.« (Lewis Mumford ›Mythos der Maschine – Kultur, Technik Macht‹ 1974, S. 255)

Die Gewalt findet ihre einzige Zuflucht in der Lüge,
die Lüge ihre einzige Stütze in der Gewalt. (Solschenizyn)

 

Das Patriarchat ist der Vater des Krieges

 Seit dem Beginn des Patriarchats erlebte die Welt keinen Tag mehr ohne Krieg und Terror!

Verstockte Anhänger des Patriarchats wollen nicht wahrhaben, dass Krieg und Gewalt erst mit den frühesten Invasionen der patriarchalen Indo-Europäer vor 5 bis 6000 Jahren in die Welt kamen; dass der Mann nicht der Gewaltmensch und Verbrecher war, zu dem er in geschichtlicher, d.h. in der patriarchalen Zeit gemacht wurde, und dass auch die Männer bis in die Mitte des 4. Jahrtausends, als die Eroberungen der bewaffneten und berittenen Indo-Europäer begannen, friedlich waren und offensichtlich damals noch keine ›aggressive Erbanlagen‹ mitbrachten. Für die Menschen vor der Zeit der erobernden Indo-Europäer/Arier gilt, was Massingham über das gewaltlose, urge­schichtliche Alt-Europa schrieb: »Sie besa­ßen keine Grenzen, keine Festungen, keine Waf­fen und keine Krieger­klasse, denn sie brauchten keine.« (H. J. Massingham ›Downland Man‹1936, S. 217)

Die Archäologin Marija Gimbutas stellte aufgrund ihrer ausgedehnten Forschungen fest: »Kriegerische Auseinandersetzungen und der Bau von Befestigungen haben in der Tat zum Leben unserer Vorfahren von der Bronzezeit bis heute gehört. Nicht aber davor, im Paläolithikum und Neolithikum.« (Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. VIII) Sie widerspricht damit der immer wieder gehörten Behauptung, bewaffnete Auseinandersetzungen seien auch im Neolithikum bzw. in ›prähistorischen‹ Zeiten weitverbreitet gewesen. Für diese Behauptung gibt es keinen einzigen Beweis. Geradezu infam ist die Behauptung des Vorderasiatischen Archäologen Michael Roaf, wo er schreibt: »Freigelegte Überreste von Befestigungsanlagen früherer Epochen belegen, dass bewaffnete Auseinandersetzungen auch in prähistorischen Zeiten weit verbreitet waren.« (›Weltatlas der Alten Kulturen: Mesopotamien‹ 1991, S. 194). Eine empörende Aussage! Auch Roaf weiß natürlich (oder sollte es zumindest wissen), dass Städte und Siedlungen erst durch die Bedrohung der indoeuropäisch/arischen Invasionen befestigt wurden, um sich vor ihren bewaffneten Überfällen zu schützen! (s. ›Wie der Krieg in der Altsteinzeit erfunden wurde‹)
Kriege werden gemacht – von kaputten, pathologischen patriarchalen Männern, die sich für den Krieg begeistern, die fasziniert sind vom Töten, Plündern, Zerstören und Vergewaltigen. Die Freude am Krieg, an der Gewalt und am Töten ist eine der seltsamsten und unbegreiflichsten Faszinationen des männlichen Geschlechts. Irgendetwas muss die unfassbare Tötungslust im Gehirn von solchen Männern auslösen. Denn es ist offensichtlich, Patriarchat und Krieg machen Männer ver–rückt. Es wäre ein interessantes Feld für Hirnforscher! 5000 Jahre Patriarchat machen im Krieg aus ›ganz normalen‹ Männern – auch braven Gläubigen und netten Familienvätern – hemmungslose Verbrecher, Mörder, Folterer, Vergewaltiger und Zerstörer.
Die einen töten mit einem Gefühl des Genusses und der Macht; sie reden vom Adrenalinschub bei dem Gefühl, Herr zu sein über fremdes Leben; andere von sadistischer Lust, reden von ›abknallen‹, von Vergewaltigungen als ›flachlegen‹ und prahlen mit Begeisterung vom Bomben abwerfen: ›das prickelt so schön‹. Was sich diese ›ganz normalen‹ Männer, denen keine Grenzen gesetzt werden, an Unmenschlichkeiten im Krieg straffrei erlauben dürfen, davon bekommen wir ein Ahnung, wenn wir in geheim aufgenommenen Gesprächen unter Kriegsgefangenen von ihren Verbrechen erfahren: ›Soldaten. Protokolle vom Töten, Kämpfen und Sterben‹ von Sönke Neitzel und Harald Welzer, 2011. Im Film zum gleichen Thema: ›Wenn Soldaten zu Bestien werden‹ wird die Frage: ›Was macht Krieg mit den Menschen?‹ beantwortet. Offensichtlich macht er aus den meisten Männern Bestien, die im Blutrausch der Tötungslust und Zerstörungswut keine Gefühle, kein Unrechtsbewusstsein und keine Menschlichkeit mehr kennen. Viele junge Männer ziehen aus Abenteuerlust, aus innerer Leere, aus ökonomischer Not, aus Langeweile, aus Lust am Töten in den Krieg oder aus purer Faszination an der Macht, die ihnen die Waffen verleihen. Bei manchen mag eine mehr oder weniger bewusste Todessehnsucht eine Rolle spielen. Wenn im Krieg Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Plündern, Morden, Foltern und Vergewaltigen von Fremden, die einem nichts getan haben, die zu Feinden erklärt wurden, ohne dass die Familie zu Hause von ihren Gräueltaten erfährt, also heimlich, unhinterfragt und ungestraft möglich ist, dann plündern, morden und vergewaltigen diese Männer, was dann stolz als ›Arbeit‹, als ›Pflichterfüllung‹, als ›Gehorsam‹, als ›Dienst an Gott und Vaterland‹ bezeichnet wird. Der Berliner Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski, erklärt in seinem Buch ›Räume der Gewalt‹ den Krieg zum ›anthropologischen Grundbestand des Homo sapiens‹.« (Die Welt vom 6.11.15) Der flapsige Spruch Baberowskis zeigt den zynischen Umgang eines Historikers, der sich nie mit der Anthropologie der Urgeschichte befasst hat, jenen 98% der Menschheitsgeschichte, als Männer keine Gewalt ausübten, obwohl sie es konnten. Weder die Herkunft, eine humanistische oder akademische Bildung, noch die Zugehörigkeit zu einem ›zivilisierten Volk der Dichter und Denker‹ verhindert heute männliche Gewalt. Während 98% der Geschichte der Menschheit waren es die matriarchalen Werte der Mütter, die dem ›anthropologischen Grundbestand‹ ihrer Söhne Grenzen setzten und so eine Zivilisation des Friedens und der Prosperität geschaffen haben. Dagegen schuf das Patriarchat die grösste Katastrophe, die die Menschheit je heimgesucht hat und die seit 5500 Jahren bis heute mit aller Grausamkeit andauert; den Krieg. Verräterisch ist es immer, wenn Autoren geschlechtsneutral vom ›Menschen‹ sprechen, wenn sie eigentlich vom ›Mann‹ reden müssten.

»Der Krieg ist eine Angelegenheit der Männer, nicht der Menschen.« (Margaret Mead)

Patriarchale Männer sind auffallend unterwürfig und haben kaum Rückgrat. Dies sah man beispielhaft bei Eichmann anlässlich seines Prozesses in Jerusalem. Der Historiker Baberowski beschreibt diesen Typus Mann: »Menschen in militärischen Organisationen, die Uniform tragen und Dienstränge haben, sind sich gewohnt zu gehorchen, weil ihnen ihr Ehrbegriff am Gehorsam hängt«. (Baberowski, ›NZZ Standpunkte‹ 13.3.2016)
Soldaten ziehen die Uniform an und geben Verstand, Gewissen und Mitgefühl ab. Das Militär braucht Hohlköpfe, deren ›Ehrbegriff am Gehorsam hängt‹, dressierte, lenkbare Deppen, nützliche Idioten, von denen jeder Befehl unhinterfragt ausgeführt wird. Den Dienst ›anständig‹ zu verrichten, ist ihnen wichtig. Ihre Untaten sind gewünscht und erlaubt, gehören zur Kriegsstrategie. Sie wissen, dass sie dafür straffrei bleiben und, der wohl wichtigste Grund, meint Baberowski, ist, »dass niemand sah, was sie taten. Zeugen der Verbrechen der Deutschen waren Ukrainer, Weissrussen oder Russen, von denen sie wussten, die müssen es für sich behalten, jedenfalls würden sie es nicht in Deutschland erzählen können, und sie wussten, dass ihre Familien zu Hause nicht mitbekommen würden, was sie dort taten… Die Männer befanden sich in einem Kontext, in dem sie tun und lassen konnten, was sie wollten.« Heisst das aber, dass bei ›pflichterfüllenden Verbrechen‹ Verstand und Mitgefühl systematisch, mittels Hirnwäsche ausgeschaltet worden sind? Dann ist Pflichtgefühl, mindestens im militaristischen Sinn unmenschlich, ja barbarisch; Verbrechen pflichtgemäss ausgeführt von Gruppen domestizierter Vollidioten und rückgratloser Feiglinge, die sich ›nach Vorschrift‹ verhalten, legitimieren und akzeptieren patriarchale Staatsgewalt.

»Am Ende sind es die Gewaltunernehmer, die die Waffen verkaufen,
die eine großes Interesse daran haben, dass der Krieg nicht aufhört.« (Baberowski)

›Wirtschaftsmotor Krieg‹: Eine erschreckende Bilanz

›Über das lukrative Geschäft mit Gewalt‹ lernen wir bei Scobel (3sat, September 2012): »Dass es bei Kriegen und Gewalt um die Verteidigung von Menschenrechten und Demokratie geht, mag zum Teil stimmen. Tatsächlich ist Gewalt aber auch ein mächtiger Wirtschaftsfaktor und Kriege ein willkommener Konjunkturmotor. Beispiel Irakkrieg: 2003 greifen die USA und ihre Verbündeten den Irak an, weil Saddam Hussein angeblich Massenvernichtungswaffen besitze und damit die ganze Welt bedrohe. Der Krieg ist nach vier Monaten zu Ende, doch Massenvernichtungswaffen werden keine gefunden. Auffällig ist, dass die Amerikaner schon kurz nach der Eroberung Bagdads die Ölfelder sichern. Sie bauen 14 dauerhafte Militärbasen, die genau entlang der Ölpipeline liegen. Profiteur des Krieges ist der Konzern Halliburton, die größte Ölfeld-Dienstfirma der USA. Sie darf die zerstörten Förderanlagen auf den Ölfeldern exklusiv reparieren. US-Vizepräsident Dick Cheney stand vor seinem Amtsantritt der Firma als Geschäftsführer vor.«

»Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit« (Arthur Ponsonby)

Die Rüstungsindustrie als Kriegsprofiteur

Dann sind es noch die privaten Sicherheitsfirmen wie DynCorp oder Kellog Brown & Root, ein Zweig des Ölgiganten Halliburton, die Söldner als Sicherheitskräfte in die Region schicken. Es sind dieselben Firmen, die die Bush-Regierung im Wahlkampf finanziell unterstützten. Doch der größte Profiteur des Krieges ist Amerikas Rüstungsindustrie. Bereits beim ersten Einsatz in Bagdad feuern Bomber Raketen im Wert von je einer Million Dollar. Kampferprobt werden Bomben und Raketen nach dem Krieg erfolgreich exportiert. Die Großabnehmer sind die Krisenstaaten der Golfregion.
Es wird enorm in die Rüstung investiert. Die weltweiten Militärausgaben betragen bis 2010 rund 1,33 Billionen Euro. Mit einem Anteil von 41 Prozent stehen die USA an der Spitze. Deutschland gibt über rund 31 Milliarden Euro für Militär aus. Die Tod bringende Rüstungsindustrie ist das lukrativste Geschäft überhaupt. Für über 305,5 Milliarden Euro werden 2010 weltweit Rüstungsgüter gehandelt. Deutschland ist nach den USA und Russland der drittgrößte Exporteur. Vor allem deutsche Panzer sind ein Renner auf dem Weltmarkt. Der Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann beispielsweise macht 2010 einen Umsatz von 900 Millionen Euro.
Die deutsche Industrie profitiert vom Wettrüsten anderer Nationen. Und auch der Bürger kann am Rüstungsgeschäft verdienen. Denn einer Studie zufolge investieren Fonds Geld von Privatanlegern – direkt oder indirekt – auch bei Rüstungsfirmen. Frei nach dem Motto ›Gewalt bringt immer Gewinn!‹ Der Waffenhandel ist zudem eines der korruptesten Geschäftsfelder der Welt. Er wird durch Drogen, Prostitution und Kinderarbeit finanziert. Begünstigt durch die weltweiten Defizite bei Rüstungsexportkontrollen schürt er Konflikteskalationen und Gewalt vor allem in den armen Ländern. Denn trotz Embargos gelangen Tausende Waffen in Krisengebiete wie den Kongo oder den Sudan. Militante Truppen und repressive Regimes versorgen sich über schwarze Rüstungsmärkte mit Waffen und bringen Tod, Leid und Gewalt vor allem über die Zivilbevölkerung. Den Vereinten Nationen zufolge sterben jährlich bis 400’000 Menschen weltweit an den Folgen von Waffengewalt.« (3sat Scobel, September 2012 / T. Skalski)

Kriege zu führen ist kein Mittel um Konflikte zu lösen.
Jeder Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit;
ist ein Mangel an Intelligenz und Empathie.
Gewalt erzeugt Gegengewalt.


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