Die gewaltsame Patriarchalisierung der Mütter

Aus dem Inhalt:

  • Eine dramatische Verschlechterung der Lebenserwartung der Frauen und unsägliche Begründungen
  • Die Verschleppung, Vergewaltigung und Versklavung der Frauen
  • Die matriarchale Zeit war ganz anders
  • Der bedeutsamste Wandel in unserer Entwicklungsgeschichte

Eine dramatische Verschlechterung der Lebenserwartung der Frauen und unsägliche Begründungen

Mit der Machtnahme der Eroberer setzt in Ägypten ein ›unerklärliches‹ Sterben von Frauen ein, vielleicht »hervorge­ru­fen durch die seit Beginn des Alten Reiches fest­zu­stellende Verengung des Beckens, die zu ge­fährlichen Komplikationen bei der Geburt eines Kindes führ­te« (Helck LÄ, II, S. 307). Diese unsin­nige Erklärung wird nur noch durch ihre Be­gründung übertroffen, die die angebliche Verengung des Beckens »auf Entwicklung und Folge einer Auslese aus Schönheits­gründen« zurückführt (M. Masali ›Population Biology of Ancient Egyptians‹ 1973, S. 161 ff.). Eine Schwächung der Robustheit der Frauen sei offensichtlich.

›Lasst sie leben, solange sie gebären –
mögen sie sich ruhig zu Tode tragen, das macht nichts, sie sind drum da.‹
(Martin Luther)

Alle Eroberungen vom 3. bis ins 1. Jahrtausend wurden von patriarchalen, weißen Männern, Indo-Europäern und den sie begleitenden patriarchalen Priesterkasten angeführt. Das war nicht anders in Elam, in Mesopotamien, im Industal, in Nordindien und bei der Eroberung Kanaans und Alt-Europas; darüber braucht nicht spekuliert zu werden. Wie wir aus dem theologisch verbrämten, mörderischen Geschichts- und Propagandabuch des Patriarchats, der Bibel wissen, wurden beim Überfall und der Eroberung der matriarchalen Siedlungen alle Menschen umgebracht, lediglich kleine Mädchen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten, wurden zur eigenen ›Benutzung‹ von den kriegerischen Männern verschont (Beispiel im Buch der Richter, 18. Kapitel). Die traumatisierten, vergewaltigten und viel zu jung geschwängerten Mädchen starben deshalb oft bei der Geburt, häufig zusammen mit dem Neugeborenen. Dies dürfte auch in Ägypten einer der Gründe für das ›rätselhafte‹ Frauensterben zu Beginn des Alten Reiches gewesen sein. Ein anderer Grund ist das Problem, das man auch in Asien während und nach den Kriegen in Vietnam, Kambodscha usw. beobachtete. Die zarten asiatischen Frauen, die von großen, grobknochigen Amerikanern geschwängert wurden, starben – wenn kein Kaiserschnitt gemacht wurde – oft bei der Geburt. Grund war das für den Geburtskanal der Asiatinnen zu große Köpfchen der Kinder. (s. zum unterschiedlichen Körperbau der indoeuropäischen Eroberer und der indigenen Frauen: ›Indo-europäisch/arische Pharaonen: Ultimative Beweise‹ http://www.doriswolf.com/wp/?page_id=3580)
Helck schreibt auch vom nächsten Verbrechen an den Frauen, auch dieses wird nur am Rande erwähnt.

Die Verschleppung und Versklavung der Frauen

In Ägypten endete das Frauensterben mit einem massiven Bevölkerungsschwund, der mit auf Kriegszügen erbeuteten Frauen wieder wettgemacht wurde. »Schon zu Be­ginn des Alten Reiches ist ein groß angelegter Sklaven­handel aus [Vorder-] Asien an­zuneh­men. Dabei ist auch die Zahl der eingeführten Frau­en höher als die der Män­ner« (Helck LÄ, II, S. 307).
Vergewaltigungen dürften zum Massensterben der Frauen in Ägypten beigetragen haben. Es ist, wie alle Eroberungskriege bis heute zeigen, sowohl bei den Eroberern als auch den ›Befreiern‹ Usus, Frauen und Kinder zu vergewaltigen. Die Folgen dieser Verbrechen sind häufig Selbstmord und Tod im Kindbett. Dass dieser ›finale Akt männlicher Dominanz‹ (Lerner) keine neuzeitliche Erfindung ist, schildert die Historikerin Gerda Lerner, die schreibt:

»Es gibt überzeugende historische Belege dafür, dass männliche Gefangene überwiegend getötet oder verstümmelt wurden, während weibliche Gefangene in der Regel versklavt und vergewaltigt wurden.« (Lerner ›Das Patriarchat‹ 1991, S.111 f.)

Von der gleichen Haltung zeugt der Aufruf zur Vergewaltigung der jungen Mädchen der Feinde Israels. Nach einer Schlacht gegen die Midianiter, in der die midianitischen Männer getötet wurden, erhielten die Israeliten von ihren levitischen Führern Mose und Aaron den Befehl:

›So tet nun alles, was männlich ist unter den Kindern und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.‹ (4. Mose 31,17.18)

Oder wie Luther es übersetzte: ›So erwürget nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Weiber, die Männer erkannt und beigelegen haben; 18 aber alle Kinder, die weiblich sind und nicht Männer erkannt haben, die lasst für euch leben. (Luther Bibel 1545)

Die Bibel zeichnet hier die Tatsache auf, dass Eroberer sehr junge, unberührte Mädchen, deren ganze Familie zuvor massakriert wurde, vergewaltigten; ein Vorgang, der sich ähnlich bereits in Ägypten zugetragen haben muss. Die Traumatisierung dieser Mädchen ist unvorstellbar! (Und erinnert an die Boko Haram in Nigeria! Auch in Nigeria blieb die Regierung untätig, bis es zu spät war!) Und das nehmen die frommen AnhängerInnen der Bibel hin… der Rest ist Schweigen. Die Schlacht gegen die Midianiter, ›Feinde Israels‹, ist umso erstaunlicher als Moses Frau Zippora eine Midianiterin und keine Hebräerin oder Jüdin ist.

In der Bibel wurde das Massensterben von Frauen, d.h. ihre Massentötung durch Moses oder Gott – oder beiden – verursacht. Mysteriös ist daran gar nichts! Und so war das wohl und ist es bis heute: In jedem Krieg gehen Eroberer, Militärs, Soldaten, in dieser Weise vor. Männer hinmetzeln, Frauen erst vergewaltigen und dann hinmetzeln, Mädchen vergewaltigen und entführen.

Eine interessante Erklärung für das Frauensterben hat der Religionspädagoge Siegfried Vierzig. Er stellt im Neolithikum folgenreiche Veränderungen im Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes in wirtschaftlicher, aber auch sozialer und religiöser Hinsicht fest, die er auf einen Klimawechsel, Sesshaftigkeit und Bevölkerungswachstum zurückführt. Auch hier wird ein dramatisch frühes Frauensterben beobachtet. Kriegerische Eroberungen und ihre Folgen sieht er nicht: Er schreibt: »Die sozialen Verhältnisse, auch wenn sie natürlich nur indirekt auszumachen sind, haben sich offenbar gegenüber dem Mesolithikum entscheidend verändert, besonders, was das Geschlechterverhältnis betrifft. Das drückt sich z.B. in der dramatischen Veränderung der Lebenserwartung von Frauen und Männern aus. Während noch im Mesolithikum die Lebenserwartung für die Geschlechter fast gleich war, sinkt die der Frauen mit der Neolithisierung drastisch ab. Frauen starben im Neolithikum ein Jahrzehnt früher als Männer.« (Siegfried Vierzig ›Das Böse‹ 2009, S. 98)
Es gibt viele Gründe und Möglichkeiten das Drama der Frauenmorde zu kaschieren, all das, um den brutalen Übergang vom Matriarchat ins Patriarchat und die damit verbundene Gewalt nicht wahrnehmen zu müssen und die Verbrechen der patriarchalen, indoeuropäischen Eroberer zu ignorieren.

Die matriarchale Zeit war ganz anders

Die Gräber der Jungsteinzeit zeigen keine Altersunterschiede bei der Sterblichkeit zwischen Frauen und Männern. Es gibt keine Hinweise für eine hohe Mortalität der Frauen im Kindbett, auch nicht für eine hohe Kindersterblichkeit. Im Fried­hof von Je­bel Sahaba aus der Zeit zwischen 14’000 und 13’000 beim nubischen Wadi Halfa fand man unter 52 Be­erdigten nur ein Kleinkind un­ter sechs Monaten, ein Kind zwischen drei und fünf und zwei zwischen sechs und sieben Jahren (Michael A. Hoffman ›Egypt before the Pharaos‹ 1980, S. 92). Weil die Frauen viel von Heil­kunde verstan­den, war die Kinder­sterblichkeit vermutlich gering.
Es gibt auch keine Anhaltspunkte für den im Patriarchat so oft postulierten Wunsch nach vielen Nachkommen. Die Ideologie des ›Kinderreichtums‹ stammt nicht von Frauen, sondern war nach der späten Entdeckung der Vaterschaft das Verlangen der Väter, sich in vielen Söhnen fortzupflanzen. Daraus erfolgte die Zwangsregulierung der Geburten beim Aufkommen des Patriarchats. Dass männlicher Machtwahn vor nichts zurückschreckt, geht aus einer Darstellung bei Rechmire hervor, die aufzeigt, dass »es eigene Sklavinnenhäuser gab, in denen Nachwuchs ›produziert‹ wurde« (Helck LÄ, V, S. 985). Auch der Papyrus Harris I. informiert darüber, dass es in der Ramessidenzeit im Tempel von Memphis eine spezielle Frauensiedlung gab, die der »serienmäßigen Produktion von Menschen« diente. Frauen wurden zum Gebären verpflichtet, ja gezwungen – wie es noch heute in hart-patriarchalen Gesellschaften, z.B. im orthodoxen Judentum und im Islam geschieht, wo die Frauen auf Gebärmaschinen entwürdigt werden!
Hitlers Lebensborn und die bosnischen Vergewaltigungslager sind, wie daraus ersichtlich ist, keineswegs neue Erfindungen. Viele Männer glauben, dass es nur dann zu einer Schwangerschaft kommen kann, wenn die Frau einen Orgasmus hatte, dass sie also auch bei einer Vergewaltigung Lust empfindet.
Wie in Nazideutschland kann man auch für Ägypten annehmen, dass die Väter in diesen Zuchtanstalten zur weißen, indoeuropäischen Erobererrasse gehörten, die hellhäutige Menschen ›züchteten‹, dem äußeren Zeichen der Zugehörigkeit zur überlegenen arischen  Herrenrasse und heute – zur christlichen Kultur.

›Seid fruchtbar und mehret euch! (1.Mose 1,28)

Der bedeutsamste Wandel in unserer Entwicklungsgeschichte

sieht der Archäologe und Neandertalerspezialist Gerd-Christian Weniger im »Wechsel vom Jagen und Sammeln zum Feldbau und zur Viehzucht«, was »direkte Auswirkungen auf das Zusammenleben der Frauen und Männer« hatte (›Projekt Menschwerdung‹ 2001, S. 147). Er meint, durch die Sesshaftigkeit seien auch die »Intervalle zwischen den Geburten der Kinder kürzer« geworden. »Das heutige demographische Problem der Menschheit hat hier seine Wurzeln«, schreibt er und weiter: »Wahrscheinlich haben Frauen diesen Wandel aktiv beeinflusst – waren vielleicht die Trägerinnen dieser Entwicklung. Mit Sicherheit hatten sie die Folgen zu tragen: Feldarbeit und mehr Kinder. Die starke Arbeitsbelastung der Frauen ist an den Grabbefunden abzulesen – ein hoher sozialer Status dagegen nicht. Das von Bachofen so bezeichnete ›goldene Zeitalter‹ der neolithischen Frauen war ein hartes Zeitalter.« Der Autor, der den Frauen offensichtlich die heutigen Probleme der Bevölkerung, bzw. Überbevölkerung unterstellen möchte, unterschätzt auch ihre Intelligenz. So einfältig waren Frauen nicht, dass sie sich ›aktiv‹ und freiwillig mehr Kinder und mehr Arbeit aufgebürdet hätten. Herr Weniger geht von falschen Prämissen aus. Es war auch nicht der »Wechsel vom Jagen und Sammeln zum Feldbau und zur Viehzucht«, der den geradezu dramatischen Wandel in unserer Geschichte auslöste, sondern die Wanderungen und Überfälle der patriarchalen Indo-Europäer und damit verbunden, der Kampf gegen die matriarchalen Gesellschaften und die gewaltsame Patriarchalisierung und Entrechtung der Frauen und ihr Weg in die ›politische Unmündigkeit‹.
Weniger erkennt, dass »in den europäischen Gesellschaften der ausgehenden Steinzeit und der frühen Metallzeit in Grabausstattung und Darstellung ein kriegerischer Habitus immer bedeutsamer wird.« Der »politische Spielraum von Frauen wurde offenbar immer weiter eingeschränkt. Je mehr sich gesellschaftliche Macht in kriegerischer Gewalt manifestierte, desto stärker wurden Frauen an den Rand gedrängt. Dieser generelle Trend scheint aus der europäischen Vorgeschichte bis in die Gegenwart hineinzureichen. Die Entwicklung staatlicher Systeme vollzog sich dann in der Regel ohne erkennbare weibliche Beteiligung. Komplexe politische Systeme wurden weitgehend zur Domäne der Männer.« (Weniger ibd. S. 148) Wie so viele seiner Kollegen sieht auch dieser Autor den Wandel nicht, der uns vom Matriarchat ins Patriarchat führte, unter dem die Welt heute die schlimmste Zeit seit seiner Entstehung durchmacht. Weniger meint  dann noch: »Unser demographisches Problem, das die Tragfähigkeit des Planeten bereits gefährdet, kann nur von den Frauen gelöst werden.« Frauen werden als Trümmerfrauen des Patriarchats gerufen und das sollen sie werden, mit Hilfe einer »qualifizierten Ausbildung, die zwangsläufig deren Rolle in allen Gesellschaften stärken wird.« Hat Herr Weniger nicht bemerkt, dass Frauen in Europa zum Teil längst gebildeter sind als Männer, aber die patriarchalen Männer an der Macht (Politik, Wirtschaft, Finanzen, Kirchen) hart gegen sie als gleichberechtigte Partnerinnen kämpfen?


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