Der Göttinnen-Mord im Patriarchat

Aus dem Inhalt:

  • Die monotheistischen Religionen basieren auf der Ermordung der Ur-Mutter-Göttin
  • Der mythische Drachen symbolisiert die dämonisierte Göttin und die alte ›heidnische‹ Religion
  • Die Vernichtung beginnt mit der Diskriminierung der Großen Göttin
  • Der Kampf gegen die heiligen Tiere der Großen Göttin
  • Schlange und Drache – Symbole des Urweiblichen
    und der Schöpfungsmächtigkeit der Frau
  • Der Göttinnen-Mord in den altägyptischen Mythen
  • Der Göttinnen-Mord im Iran und im alt-iranischen Elam
  • Die Dämonisierung und Ermordung der Muttergöttin in Anatolien
  • Die Ermordung der Großen Göttin im eroberten Mesopotamien
  • Die Ermordung der Großen Göttin Babyloniens
  • Der Göttinnen-Mord im mesopotamisch-irakischen Chafadschi
  • Der Göttinnen-Mord im Antiken Griechenland
  • Die Vernichtung der Großen Göttin durch Jahwe in der Bibel
  • Die Göttin und die Frau im verleumderischen Paradiesmythos
  • Die Ermordung der Göttin im Christentum
  • In Arabien befahl Mohammed die Ermordung der Göttin

 

Eines ist auffallend: KEINER der Gründer monotheistischer Religionen, ob Zarathustra, die Jahvisten, die christliche Kirche oder Mohammed  fand mit seinen Ideen Anklang bei den AnhängerInnen toleranter Religionen; nicht bei den VerehrerInnen der Göttinnen-Trinität des Matriarchats, noch den polytheistischen Religionen der späteren Zeit. Humane Religionen wurden als ›Götzenanbeterei‹ verteufelt, verfolgt, bekämpft und schlussendlich durch die Statthalter des rigiden patriarchalen Monotheismus mit Gewalt eliminiert.

Die monotheistischen Religionen basieren auf der Ermordung der Ur-Mutter-Göttin

Die letzte Station auf dem Wege zum Sieg des Patriarchats ist der Mutter­mord,
die endgültige Abschaffung der Großen Göttin.‹ (Gerda Weiler)

Nach den plötzlichen Überfällen und der Machtnahme in Mesopotamien durch  indoeuropäische Kriegerhorden aus dem Norden und den mit ihnen verbündeten arischen Priesterkasten werden in späterer Zeit die engen Beziehungen der Hebräer, bzw. ihre Identität mit den Indo-Europäern und Ariern deutlich. Indoeuropäische, iranisch/arische, indisch-brahmanische, he­bräische, arabische und christli­che My­then bezeugen alle den Kampf gegen die matriarchale Ur-Ahne, die Große Göttin und die Frau, die seit Beginn der Menschheit verehrt wurde und ihre Ermordung. Der Psychoana­lyti­ker Carl Gu­staf Jung rechtfertigte den Muttermord als die »weltschöpferische Befreiungstat des männli­chen Lo­gos.« (Gerda Wei­ler Der enteignete Mythos‹1991, S. 44) Im Mord an der Schöpfergöttin durch unreife männliche Krieger-Götter will ein anderer Autor den »Initialakt der Schöpfung des Kosmos aus dem Chaos« sehen (John A. Phillips  ›Eva – Von der Göttin zur Dämonin‹ 1987, S. 15). Die Tatsache, dass es bei der Diskriminierung der Göttin, vor allem bei den Mythen, die um das Töten von Drachen und Schlangen kreisen, um den Mord an der Großen Göttin geht, wollen patriarchale Wissenschaftler – und die Kleriker von heute schon gar nicht – sehen. Doch der Religionspädagoge Siegfried Vierzig klärt uns mit einer treffenden Analyse auf, warum die Frau im Patriarchat zur Schuldigen und zum Bösen schlechthin gemacht wird:

»Hier drückt sich die Angst, das schlechte Gewissen, der sich formierenden patriarchalischen Gesellschaft aus, die unter hohem Legitimationsdruck steht…
Die früheren matriarchalischen Verhältnisse werden umgewandelt in patriarchale Herrschaftsverhältnisse. Dieser Umwandlungsprozess hat offensichtlich Ängste in der Männergesellschaft ausgelöst, die sich vor allem auf die sexuelle Rolle der Frau beziehen, ihre sexuelle Potenz, ihre Fruchtbarkeit, bedrohen die Grundlagen der Männerherrschaft. Die kollektive Projektion, mit der die patriarchale Gesellschaft dieses Problem lösen will, ist die Diffamierung der Frau.«
(Siegfried Vierzig »Das Böse« 1984, S. 23 f.)

Der mythische Drachen symbolisiert die dämonisierte Göttin und die alte ›heidnische‹ Religion

Es gibt eine auffallend große Anzahl der diffamierenden Legenden, Sagen, Mythen und Heiligengeschichten von heldenhaften Schlangen- und Drachentötern und auffallend ist die Rolle, die sie in den patriarchalen Religionen spielen. Riane Eisler informiert uns über die Schlange und macht einige weitere Zusammenhänge klar: »Symbole für die Zerschlagung der alten Ordnung sind auch in den zahlreichen Schlangentötungen zu sehen, über die die griechische Legende berichtet. Zeus tötet die Schlange Syphon, Apollo die Schlange Python, Herakles erschlägt die Schlange Ladon, die Hüterin des heiligen Hains, den einst die Göttin Gaia der Hera zur Hochzeit geschenkt hatte und in dem die Äpfel der Hesperiden wachsen.« (Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft‹ 1989)

image002Links: Herakles und die vielköpfige Ladon (Antonio Pollaiuolo, 3. Drittel 15. Jh., Öl auf Tafel, Studie für den Stadtpalast der Medici in Florenz, Wikipedia)

Und weiter schreibt die Autorin: »Ähnliche Mythen finden wir auch im Fruchtbaren Halbmond, zum Beispiel die Legende des Baal (der inzwischen der Gott des Sturms und der Bruder-Gefährte der Göttin ist). Baal bezwingt die Schlange Lotan (Lat bedeutet in der Sprache der Kanaaniter bezeichnenderweise Göttin). Auch die kanaanitische Göttin Ashtoreth oder Astarte wird mit der Schlange dargestellt. In einem sumerischen Basrelief aus der Zeit um 2500, das den Titel ›Die Göttin des Lebensbaums‹ trägt, finden wir die Schlange unmittelbar neben zwei Darstellungen der Göttin. [Eisler ibd. S. 162] Aus Anatolien stammt die Geschichte von der Tötung des Drachens Illuyankas durch den indoeuropäischen Hethiter-Gott. In der jüdischen Legende ist überliefert – und in Hiob 41.1 sowie in Psalm 74 nachzulesen – wie Jehova die Schlange Leviathan tötet, die inzwischen zum furchterregenden, vielköpfigen Seeungeheuer wurde. Aus den Kommentaren zur Darthmouth-Bibel erfahren wir jedoch, dass zur gleichen Zeit das heiligste Symbol der jüdischen Religion, die Bundeslade, wahrscheinlich nicht die zehn Gebote enthielt. Vielmehr befand sich darin eine Bronzeschlange. Es handelte sich dabei um jene ›eherne Schlange‹, die im 2. Buch der Könige, Kapitel 18, erwähnt ist… Ebenfalls aus der Bibel erfahren wir, dass die eherne Schlange, die angeblich in der Wüste von Moses persönlich als Beweis für Jehovas Macht erschaffen worden war, erst gegen 700 v.u.Z. im Verlaufe der großen religiösen Verfolgungen unter König Hiskia aus dem Tempel entfernt und vernichtet wurde. Den erstaunlichsten Beleg für die Fortdauer der Macht der Schlange liefert jedoch die Geschichte von der Vertreibung Evas und Adams aus dem Paradies. Denn hier rät die Schlange Eva, Jehovas Gebot zu missachten und vom Baum der Erkenntnis zu essen. Bis auf den heutigen Tag heißt es, dass dieser Ratschlag die Menschheit zur ewigen Verdammnis bestimmt habe… Dass der mächtige göttliche Emporkömmling Jehova Eva verbot, Früchte von einem heiligen Baum (der Erkenntnis, der göttlichen Weishheit oder des Lebens) zu essen, musste aus der Perspektive jener früheren Realität nicht nur völlig unnatürlich, sondern geradezu als ein Sakrileg erscheinen… Die Umwandlung des alten Symbols der prophetischen Weisheit in ein Symbol des satanisch Bösen und die Beschuldigung der Frau, für alles menschliche Ungemach verantwortlich zu sein, waren politische Notwendigkeiten. Es waren bewusste Umkehrungen früherer Realitätsvorstellungen.« (Eisler ibd. S. 162 – 165 passim.) LeserInnen die sich für die verzerrten biblischen Mythen interessieren, finden sie im  bewusstseinserweiternden Kapitel über ›Die Metamorphosen des Mythos‹ bei Riane Eisler ab S. 159).

Das außerordentlich beliebte, sadistische Thema der heldenhaften Muttergöttinnen-Mörder, die Propaganda der patriarchalen Priesterkasten gegen die Göttin, findet sich extrem häufig in den frühesten indoeuropäisch/arischen Mythen, sei es im ari­schen Iran, wo der erste er­schaffene Mann, ›Gayo Mareta‹, zum Mörder der Kuh- bzw. der Muttergöttin wird oder im patriarchalisierten babylonischen Mythos von der Ermordung der Göttin Tiamat durch den Emporkömmling Marduk, dem Stadtgott von Babylon, zur Zeit Hammurabis im 18. Jahrhundert, als eine indoeuropäisch/arische Erobererschicht die Stadtstaaten (u.a. Isin, Mary und Babylon) beherrschte und kontrollierte, die alle um die Vorherrschaft Mesopotamiens kämpften. (Als Mesopotamien »wird das Zweistromland, die Kulturlandschaft in Vorderasien bezeichnet, die durch die großen Flusssysteme des Euphrat und Tigris geprägt wird. Zusammen mit Anatolien, der Levante im engeren Sinne und dem Industal gehört es zu den wichtigen kulturellen Entwicklungszentren des Alten Orients… Wenn von Mesopotamien gesprochen wird, meint man heute meist die gesamte Region, von der Südosttürkei bis zum Persischen Golf.« Wikipedia)
Im 18. Jahrhundert wurde der Samen der patriarchalen, monotheistischen Religionen nach dem Leitbild des indoeuropäisch/arischen Alleinherrschers und  des religiösen ›Vaters der Völker‹ gesetzt. Hammurabi und Abraham, die beiden Figuren dürften identisch sein; sie verbinden seltsame Auffälligkeiten. Brahman gilt wie Abraham als Stammvater der Menschheit und der Name der Gattin Brahmas Sara-Svati, liegt tatsächlich nahe bei Sara, der Gattin Abrahams. Es sind bedeutungsvolle Parallelen, welche die patriarchalen Religionen, deren Stammvater Abraham ist, verbinden. Deren wichtigstes Charakteristikum ist die Abwertung der Frau – unverkennbar patriarchal und indoeuropäisch/arisch!
Von Abraham bis Mohammed gehören ein kriegerischer Teil des mächtigen Stammes der indoeuropäischen Hurriter/Horiter/Churriter/Qurai und die mit ihm verbündete arische Priesterkaste zusammen. Und seit Abraham – und bis und mit Mohammed – erfand die arische Priesterkaste patriarchale Götter und patriarchale Vatergott-Ideologien, die mit Gewalt gegen die matriarchale Religion durchgesetzt wurden. Muslimische Gelehrte sind stolz darauf den Stammbaum Mohammeds auf Abraham zurückzuführen. (s. www: ›Der Stammbaum Mohammeds‹, ›Der Stammbaum der Quraisch‹)

Das oberste Ziel aller drei monotheistischen Religionsstifter war, den Glauben an die Uralt-Göttin und ihre Verehrung auszulöschen. Das Patriarchat sollte vom matriarchalen Glauben an die Wiedergeburt und damit aus der vermaledeiten Abhängigkeit vom Körper einer Frau unabhängig gemacht werden. Stattdessen ersannen die arischen Priesterkasten männliche Schöpfer und ›Gebärer‹, einen utopischen Jenseitsglauben und ein ›ewiges Leben‹ nach dem Tod.
Die patriarchalen Maximen wurden von den indoeuropäischen Invasoren – den neuen Machthabern der Alten Welt – und den sie stets begleitenden patriarchalen Priesterkasten, mit den Mitteln der Gewalt, der Verfolgung und Unterdrückung, der Ausbeutung, der Freiheitsberaubung und mittels Mord erzwungen und durchgesetzt. Die Ideologien der Aggressoren dienten der Verschleierung und Rechtfertigung der neu geschaffenen Machtverhältnisse und wurden begründet mit behaupteten Weisungen, Befehlen und Botschaften irgendeines von den Priestern phantasierten, männlichen Gottes und mussten befolgt und akzeptiert werden.
Darüber, wie die Invasionen und grausamen Massenmorde aussahen, braucht nicht spekuliert zu werden, sie wurden in der Bibel vielfach aufgezeichnet, z.B. im Buch der Richter, im 18. Kapitel. Lucie Stapenhorst schreibt dazu: »Die zitierten Bibelstellen widerlegen die These von der sanften geschichtlichen und geistigen Evolution. Sie liefern uns ein erschütterndes Beispiel für die patriarchale Besetzung des Landes und der Frauen und für die gnadenlose Ausrottung matriarchaler Kulturen und ihrer Göttinnenkulte durch den patriarchalen Gott und seine Anhänger. Solcher Beispiele gibt es zu viele, als dass wir sie als einmalige Entgleisung abtun können. Es ist keine Entgleisung, es ist das Programm des Patriarchats.« (Lucie Stapenhorst ›Die Drächin und der Held – Vom Kampf gegen die weibliche Ur-Macht in Mythen, Märchen und Tiefenpsychologie‹ 1993, S. 92)

Die patriarchalen Priester sind die Verleumder und Mörder der Muttergöttin 

Frauenverachtung ist charakteristisch für religiöse, eifersüchtige, neurotische, gewaltbereite Männer, was Siegfried Vierzig so begründet: »Die kindhafte Unsicherheit des Menschen [des Mannes! DW] gebiert die Projektion eines autoritären Vatergottes, von dem der Mensch abhängig ist, der ihn aus dem Paradies vertreibt und ihn mit dem Tod bestraft. Damit ist der Ungehorsam der Menschen zum Grund des Bösen erhoben… Diese Gottesvorstellung selbst ist die Projektion des Menschen [des Mannes!], der mit sich und der Welt nicht zurechtkommt.« (Vierzig ibd. S. 25) … Und sich dafür an der Frau rächt!

»Die alttestamentlichen Schöpfungsmythen sind vom Kulturkampf des einsetzenden Patriarchats gegen die matriarchale Kultur Kanaans geprägt.« (Siegfried Vierzig ›Sehnsucht nach den Müttern‹ 1991, S. 93)

Die Vernichtung beginnt mit der Diskriminierung der Großen Göttin

Mit den aggressiven Überfällen der indoeuropäischen Eroberer, die aus den Steppen des südlichen Russland über den Norden des Zweistromlandes nach Mesopotamien eindrangen, wurde die hochstehende Kultur der indigenen Völker des Südens verwüstet, ihre Religion der Großen Göttin diffamiert, bekämpft und allmählich gänzlich zerstört. Die Invasoren erfanden hartpatriarchale Ideologien, lügnerische patriarchale Mythen, den Mann überhöhende patriarchale Kulte, unantastbare patriarchale Dogmen, unendlich viele die Freiheit einschränkende patriarchale Gesetze und zahllose patriarchale Götter, die zum Teil zu Staatsgöttern, zu Ur- Schöpfer- und Vatergöttern erhoben wurden, von denen bis heute behauptet wird: ›sie waren schon immer da‹.
Mit einer harten patriarchalen Erziehung wurden Kinder gedrillt. Aus Babylon liest man von den Leiden eines jungen Schreiber-Lehrlings, »den Schlägen, die er zur Strafe bekommt, dass er nicht (die zu erlernende Sprache) Sumerisch gesprochen, einen Fehler in der Abschrift gemacht, unerlaubt den Unterricht versäumt oder geschwänzt hat.« (Michael Jursa ›Die Babylonier‹ 2008. S. 94).

Die primitiven Hirten und Rinderzüchter aus den Steppen Südrusslands, Indo-Europäer und die mit ihnen verbündete Arier aus dem iranischen Hochland, schufen eine dekadente, kriegerische Staatsideologie, eine der männlichen Eitelkeit schmeichelnde Überhöhung des Mannes zulasten der Frau, die nur mit Gewalt erzwungen werden konnte. Die bisher durch ihre natürliche Autorität und Klugheit dominierende Führungsposition der Frau, der Mütter und Matriarchinnen, wurde durch das Streben nach narzisstischer Omnipotenz des patriarchalen, herrischen, rücksichtslosen Mannes abgelöst. Die fantastische Mystifizierung männlicher Fähigkeiten, Tugenden und Talente erklärt den Triumphzug, aber auch das grandiose Scheitern der patriarchalen Ideologie, der Politik und der patriarchalen Religionen, die alle auf diesem irrealen Konstrukt gründen und unsere Welt in die heutige Katastrophe führten.

Die Große Göttin I-Set (ISIS) wird vermännlicht, zum verachteten Sethtier, zum Drachen Apophis, zum Ungeheuer Typhon, zum Teufel und Satan der Christen und Muslime.

Mit der Machtnahme der Indo-Europäer/Arier wurde die Große urzeitliche Mutter- und Schöpfer-Göttin auf die Stufe einer Gattin, Schwester oder Tochter der neu erfundenen männlichen Götter hinabgestuft, um diese zu legitimieren und ihnen einen Platz in der Religion der Indigenen zu verschaffen. Dann folgten sukzessive Diskrimierung, Verleumdung, Entrechtung, Verfolgung, Ächtung, Vermännlichung und zum Schluss ihre Ermordung und die Übernahme ihrer positiven Attribute der Verehrung und Würdigung für die Zwecke der Usurpatoren. Doch die vermännlichte Schlangengöttin wehrt sich: In ihrer dämonisierten Form als Apophis, der Verkörperung von Auflösung, Finsternis und Chaos ist sie die große Widersacherin des arischen Sonnengottes Ra. Jede Nacht greift sie die Sonnenbarke des Sonnengottes während der Reise durch die Unterwelt an. (Während in den heissen Zonen der Erde der Mond und die Sterne verehrt werden, ist es bei den kühleren nördlichen Völkern die Sonne.)

ISIS/I-Set wurde in ihrer vermännlichten Form als Seth zum Gott des Bösen, des Übels und des Unheils und die Eroberer befahlen seine/Ihre Kultschreine zu zerstören.

Während der meisten Zeit repräsentierte Seth in der ägyptischen Mythologie ›das Böse‹. ›Er‹ spielte eine wesentliche Rolle in Opposition zu den ›guten‹ patriarchalen Göttern; »in dieser Rolle wurde er bekämpft, sogar verstümmelt, aber er wurde nie getötet oder eliminiert, seine Macht war zu gross.« (Robert A. Armour ›Gods and Myths of Ancient Egypt‹ 1989, S. 53)
Nach 3000 Jahren Indoktrinierung und Verfolgung, un­gefähr an der Wende in unser Zeitalter, hatten die Intrigen und Diskriminierungen der indoeuropäischen Priesterkaste gegen die Große Göttin I-Seth und ihre Verteufelung zum ›bösen‹ Seth ihr Ziel erreicht. Die Hirnwäsche durch die frommen Lügenmythen war gelungen. Von Plutarch, dem griechi­schen Historiker, hören wir im 1. Jahrhundert unserer Zeit, dass die Ägypter Seth der größten Verachtung preisga­ben und alles taten, um ›ihn‹ zu verteufeln oder zu vernichten. Jedoch, ISIS überlebte, bis sie von den Christen in Rom den Todesstoss erlitt.

Der Kampf gegen die heiligen Tiere der Großen Göttin

›Die Kobra-Göttin ist die ursprüngliche Schöpferin der Welt‹

»An schillernder Vieldeutigkeit übertrifft die Schlange jedes andere Tier der ägyptischen Mythologie… Im Bild der Schlange verkörpert sich ein Symbolgehalt, dessen Tiefe und dessen Vieldeutigkeit keine Grenzen kennen.« (Hornung StG, Studium Generale ›Die Bedeutung des Tieres im Alten Ägypten‹ 20, 1967, S. 81) »Sie ist die Weltenschlange die sich um den Kosmos spannt, die Urschlange, die sich in den chaotischen Weltenwassern tummelt und darum unten im Meer, wie oben am Firmament erscheinen kann«, schreibt Hans Egli in seinem Buch ›Das Schlangensymbol‹. Doch die beiden Autoren, sowohl Hornung wie Egli, unterlassen es, darauf hinzuweisen, dass die ›schillernde Vieldeutigkeit‹ der ›Weltenschlange‹ weiblich und ein Symbol der Großen Göttin ist.
»In der altägyptischen Mythologie ist die Kobra-Göttin Ua Zit [Isis] die ursprüngliche Schöpferin der Welt.« (Riane Eisler ibd., S. 162) Eisler berichtet von der wechselnden Bedeutung der Schlange in den Mythen aus aller Welt und  erklärt damit auch sehr genau, was in Ägypten geschah: »Die Schlange war ein zu wichtiges, zu heiliges und dabei zu allgegenwärtiges Symbol der Göttin, um einfach ignoriert zu werden. Wenn das alte Bewusstsein den Erfordernissen des neuen Systems angepasst werden sollte, so musste letzteres sich entweder der Schlange bemächtigen und sie zu einem Symbol der neuen herrschenden Klasse machen, oder aber die Schlange musste besiegt, diskreditiert und ihrer ursprünglichen symbolischen Bedeutung beraubt werden. In der griechischen Mythologie wird die Schlange somit an der Seite des Olympiers Zeus zu einem Symbol der neuen Macht. Auf dem Schild der Athene, die nach ihrer Metamorphose nicht nur Göttin der Weisheit, sondern auch des Krieges ist, findet sich eine Schlange. Und im Erechtheion, einem Gebäude neben dem Athene-Tempel auf der Akropolis, wurde sogar eine lebendige Schlange gehalten. Die Aneignung der Schlange durch Griechenlands neue indoeuropäische Herren dient höchst diesseitigen politischen Zielen. Sie half den neuen Herrschern, ihre Macht zu legitimieren. Die Tatsache, dass sich plötzlich ein machtvolles Symbol, welches einst der Göttin gehört hatte, in fremden Händen befand, nahm den Menschen die Orientierung und wirkte somit als ständige Erinnerung daran, dass die gewalttätigen und kriegerischen Götter der Eroberer die Göttin besiegt hatten.« (Riane Eisler ibd. S. 162) Dies entspricht exakt dem was wir auch auf der ägyptischen Schlangen-Stele sehen. Die Schlangengöttin wurde vom horitischen Gott der Eroberer, Horus, gekappt. (s. ›Gab es einen ›König Schlange‹?‹ Von all dem weiß der Autor des Wikipedia-Eintrages nichts. (›Uräusschlange‹ (Symbol) Der Autor des Eintrages ›Schlangen‹ hat sich etwas ausgiebiger mit dem Symbol der Schlangen befasst, er schreibt: »Im vordynastischen Ägypten wurde die ›Schlangenmutter‹ Wadjet (auch Wa Zit) angebetet. Ihr Symbol war der Uräus… Im Vorderen Orient, in der Levante, im Bereich des Goldenen Halbmondes, in der Mykenischen Kultur und vielen anderen Kulturräumen Westasiens besaßen Schlangenkulte in Epipaläolithikum und Jungsteinzeit große Bedeutung. Jede Gottheit stand in Verbindung mit Schlangendarstellungen besonders auf Reliefs und Keramiken.« (Wikipedia ›Schlangen‹)

Die Ächtung, Verfolgung, Überwältigung und Ermordung der vom Patriarchat verhassten Großen Göttin der Urzeit wird in den alten Mythen vom Kampf gegen Schlangen und Drachen, die in den indoeuropäischen Religionen so sehr hervorstechen, frenetisch gefeiert. In Ägypten bekämpft der Gott der indoeuropäisch/arischen Eroberer, der Sonnengott Ra, der ›Herr des Lichtes‹, täglich die Schlange der Dunkelheit, Seth, die vermännlichte, ursprüngliche Große Göttin Ua Zit/Wa Zit/I-Seth/ISIS. Ihre Vernichtung ist das ausdrückliche Thema des sogenannten Apophisbuches. Apophis wird zur Verkörperung von Finsternis und Chaos, zum dämonisierten Weiblichen. Sie ist die große und gefürchtete matriarchale Widersacherin des patriarchalen Ra und das Ziel ständiger priesterlicher Angriffe. »An einer Stelle wurde eine schwar­ze Sau, die mit Seth assoziiert wurde, auf einem Sandaltar am Flussufer brutal in Stücke gehauen. Ein anderes Mal war es eine Schlange, die zerstückelt wurde. An einem Festival wurden Fische und Vögel ge­fangen, die den Gott [die vermännlichte Göttin DW] repräsentierten und zertrampelten, während sie sangen: ›Du wirst in Stücke gehackt, und alle deine Glieder sollen auseinander­gerissen werden, und jeder wird den anderen auffressen: denn Re triumphiert über all seine Fein­de‹.« (Armour ibd. 1989, S. 53) Die indoarische Barbarei hatte sich zu dieser Zeit in Oberägypten durchgesetzt.

Seth, die vermännlichte und verteufelte Göttin Isis/I-Set, wurde zum personifizierten Teufel aller patriarchalen Religionen. Die Satanisierung der Göttin ist das niederträchtigste Werk patriarchaler Priester.

Mit welcher Bösartigkeit wird die Ächtung der Göttin und der Frau in den späteren Religionen fortgesetzt. Die patriarchalen monotheistischen Religionen basieren auf dem Kampf gegen die Frau und auf der Eliminierung der Großen Göttin. Die indoeuropäischen Priesterkasten, welche die Eroberer aus dem Norden begleiteten und mit ihren Göttinnen-feindlichen Mythen unterstützten, betrogen die Gläubigen, mordeten die Mutter-Göttin und  machten sie spirituell zu mutterlosen Kindern. Die pathologische Frauenfeindlichkeit aller monotheistischen Religionen stellt die Frau in irgendeiner Verbindung mit dem Teufel dar, als Teufel selbst, als ›Satansweib‹, als ›Einfallstor des Teufels‹.

Schlange und Drache – Symbole des Urweiblichen
und der Schöpfungsmächtigkeit der Frau

Die Mörder der Muttergöttin werden in der patriarchalen Religion und Mythologie als Helden verehrt und im Christentum geheiligt. Die furchtlosen Drachentöter und Lichtbringer des Patriarchats brachten nicht das Licht, sondern Gewalt und Krieg und die Ermordung der Großen Göttin. Sie er­schlugen den Drachen bzw. die Schlangengöttin in ei­nem ›mutigen‹ Kampf und errichteten auf diesem Muttermord das ›göttliche‹ Königtum des Patriarchats.
Die aus Persien, d.h. von der arischen Priesterkaste stammende Legende vom Kampf des Erzengels Michael gegen die Große Göttin erzählt:

›Da entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Auch der Drache und seine Engel kämpften, doch konnten sie sich nicht behaupten und verloren ihren Platz im Himmel. Gestürzt wurde der große Drache, die alte Schlange, genannt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt.‹ (Offenbarung 12,7-9)

Pastor Uwe Steffen kommentierte den Kampf gegen die Göttin: »Dieser jüdische Mythos vom Engelssturz gehört zu den zahlreichen Mythen von einer geistigen Ur-Katastrophe im Himmel und im Kosmos, vom Drachenkampf, vom Kampf des Lichtes gegen die Finsternis, von der Besiegung eines chaotischen dunklen Urweiblichen und vom Eingreifen einer rettenden Macht, die das Chaos überwindet.« (Stapebhorst ›Drachenkampf‹ 1984, S. 100). A. Rosenberg »nennt diese Gewalttat die Ur- und Grundsituation der Heilsgeschichte – das Urdrama der Welt, das bewusst oder unbewusst allen Dramen der Völker, insbesondere aber denen der abendländischen, zum Vorbild gedient hat. Diese Heilsgeschichte, dieses Urdrama, die Vernichtung des ›chaotischen dunklen Urweiblichen‹, findet seine Fortsetzung zu Beginn der Neuzeit in den Hexenverbrennungen!« (Lucie Stapenhorst ibd., S. 15 f., Hvhb. DW). Als chaotisches Dunkel wird das Urweibliche diffamiert; die rettende heile Macht soll vom Männlichen gekommen sein. Leider zeigt die Realität ein völlig anderes Bild. »Was dieses Gleichnis in Wirklichkeit beschreibt, ist der Kampf des Patriarchats gegen das Matriarchat, gegen das Urweibliche, das teuflisch und satanisch genannt wurde. Mit welcher Arroganz… Rigorosität und mit welcher Überheblichkeit wird die Unterwerfung der Muttergottheit… als Sieg gefeiert!« (Lucie Stapenhorst ibd. 1933,  S. 15).

›Nicht die Götter haben die Menschen erfunden, sondern die Menschen
[die Männer!] die Götter‹ (Homer)

Die männliche Vorstellung des patriarchalen Gottes ging von der Realität des Herrenmenschen, des Alleinherrschers, den Diktatoren und Königen aus, die sich selbst als unbesiegbare überirdische Wesen und unschlagbare, all­mächtige Übermenschen sahen. Wie die indoeuropäischen Eroberer beanspruchen die neuen männlichen Götter für sich und ihre patriarchale Religion die Schöpfung der Welt und die volle Verfügungsgewalt über die physische und geistige Welt der Menschen und ihre Unterwerfung. Dazu schreibt Freud: »Es ist interessant, dass dieser Weltschöpfer immer nur einer ist, auch wo an viele Götter geglaubt wird. Ebenso, dass es zumeist ein Mann ist, obwohl es keineswegs an Andeutungen weiblicher Gottheiten fehlt und manche Mythologien die Weltschöpfung gerade damit beginnen lassen, dass ein Manngott eine weibliche Gottheit, die zum Ungeheuer erniedrigt ist, beseitigt.« (Freud Vorlesungen ›Über eine WeltanschauungHvhb. DW)

Auch andere heilige Tiere entgehen der Verfolgung nicht

Alle Kulttiere der Göttin wurden von den neuen Herrschern und ihrem Gefolge zu ›Feinden‹ erklärt, gehetzt, gejagt und abgeschlachtet. Neben Schlangen gehörten dazu insbesondere: Nilpferd, Krokodil, das Wild der Wüste, Löwen und Panther, Gazellen und Antilopen, Esel, Schweine und sogar Fische, Vögel und Schildkröten. Der Ägyptologe Hermann Kees stellte fest: »Bei der Kultpropaganda gegen die Krokodile und Nilpferde, besonders die oberägyptischen, sehen wir die Herkunft des Angriffs deutlich. Sie wird getragen von den Falken-Kultorten; in den uns erhaltenen Quellen steht Edfu voran, aber die gleichen Begründungen haben sicherlich auch Kus im Gau von Koptos und andere Orte benutzt.« (Kees ›Der Götterglaube im Alten Ägypten‹ 1987, S. 133) Kees weist darauf hin, dass diese Propaganda in Verbindung mit dem Königtum bzw. mit dem ›Gottkönigtum‹ stand und deshalb besonders gefährlich war.

Die Verfolgung der Kulttiere und damit der Göttin wird in den Mythen der patriarchalen Er­oberer verzerrt dargestellt. Die Propaganda erfindet Mythen vom Kampf gegen ›das Böse‹, z.B. das Nilpferd.

(Links: Das Speeren des Nilpferdes im Tempel von Edfu)

»Die Nilpferdjagd gehörte im Alten Ägypten zu den wichtigsten kultischen und gesellschaftlichen  Ereignissen. Diese spezielle Form der rituellen Jagd ist seit der Frühdynastik Ägyptens belegt und war von jeher dem König (dem Pharao) und seiner Elite vorbehalten. Von Hor-Den (1. Dynastie) sind Darstellungen des Herrschers während des Harpunierens des Nilpferds auf Elfenbeintäfelchen und Steinvasen erhalten und ab dem Alten Reich sind Reliefs mit der Darstellung einer Nilpferdjagd belegt. Das Nilpferd galt bei den Invasoren bereits in früher Zeit als Repräsentation des Chaos, der König triumphierte mit der Erlegung des Nilpferds symbolisch über das Böse.« (Wikipedia)

Der Göttinnen-Mord in den altägyptischen Mythen

Die Ägyptologie befasst sich beinahe ausschließlich mit der Zeit der Dynastien, dem Pharaonentum; die Zeit davor, die Urgeschichte wird ausgeblendet, ist unbeliebt oder wird als chaotisch, primitiv und uninteressant abgetan. Wie das dynastische Königstum entstanden ist, wird heute kaum mehr erörtert, die Isolationisten bestehen auf einer selbstverständlichen ›Entwicklung‹, einem inneren ›Fortschritt‹ und das Thema wird nicht mehr hinterfragt. Jedoch machten sich die frühen ÄgyptologInnen und ArchäologInnen (die noch nicht vom Faschismus verseucht waren!) Gedanken über den Umbruch in der Zeit um 3000,  der aber – mindestens bis vor kurzem – als ›veraltet‹ gemieden wurde. Jetzt scheint man sich eines besseren zu besinnen (s. ›His Masters Voice: Die Diffamierungen des Thomas Schneider‹). Für die ›Veralteten‹ war klar, dass die Geschichte Ägyptens mit der Eroberung durch eine fremde ›Rasse‹ beginnt; und wie Gisela Weber in ihrer Rezension meines Buches schreibt: »Eroberungen konnten/können nur stattfinden, wenn es bereits vorhandene Kulturen gab/gibt.« Die Analyse des Übergangs von der Ur-Geschichte in die ›Hochkultur‹ ist allerdings brisant; sie bringt eine verdrängte Realität ans Licht, die lieber im Dunkeln belassen würde. Es geht um die Geschichte des urgeschichtlichen Matriarchats und um die Verehrung der ›Grossen Göttin‹. (s. ›Das matriarchale Königinnentum Ägyptens‹)

Horus, der Gott der horitischen Eroberer wird der Göttin
als Sohn unterschoben und ermordet seine Mutter

In einem der Mythen wird der Göttinnen-Mord solcher Art dramatisiert, dass dessen eigentliches Kernstück – die Ent­hauptung der ISIS durch das ihr von den horitischen Eroberern unterschobene Kukuksei, den ›Sohn‹ Hor-us –, gerechtfertigt wird. Vor der Eroberung durch die patriarchalen Indo-Europäer/Arier hatte die Große Göttin weder einen Sohn noch war sie ›Gattin‹. Sie war die Schöpferin und Gebärerin der Menschen, ohne von einem Sohn oder Manngott ›befruchtet‹ worden zu sein. Dies ahmte der patriarchale monotheistische Gott nach, indem er Menschen ohne Zutun eines weiblichen Anteils schuf. Der ISIS zugeteilte Osiris als Bruder und Gatte ist der fremde, arische Gott As-Ari, der dadurch einen Platz im Kult der Göttin erhält.

Erst durch den frevlerischen Mord an der Großen Göttin ist es den Eroberern und ihren Göttern schliesslich möglich, einen Platz im ägyptischen Pantheon einzuneh­men.

»Als Mutter ISIS in einem Anfall von Mitleid ihrem Bruder Seth zu Hilfe kommt, schlägt Horus ihr rasch entschlossen den Kopf ab. Am Recht darf kein Tüttelchen geän­dert werden«, denn »empfindlich ist das Recht, empfindlich auch gegen falsche Ge­fühle«, schreibt die Ägyptologin (Emma Brunner-Traut ›Altägyptische Märchen‹ 1989, S. 308) Es ist aufschlussreich, dass die Ägyptologin das ›Recht‹ auf Mutter­mord dem Recht auf Mitleid über­ord­net. Eine Bestrafung des Göttinnen-Mordes findet nicht statt. (Schlichting LÄ, VI, S. 85) Auch eine Ächtung des Verbrechens durch die heuti­gen WissenschaftlerInnen erfolgt nicht, im Gegen­teil. In der ganzen Literatur lassen sich keine ÄgyptologInnen fin­den, die sich daran stören, dass der Sohn seine Mutter enthauptet (in ei­nem anderen Mythos vergewaltigt er sie), und dass er dafür nicht einmal zur Re­chenschaft gezogen wird; und es scheint auch niemanden der Ägyptologengilde zu schockieren, dass dieser Mut­termörder zum ersten männ­li­chen Gott Ägyptens aufgestie­gen ist. Niemanden scheint zu interessieren, dass dieser mythische Muttermord die Zerstörung des urgeschichtli­chen Matriarchates und die Ver­fol­gung der Religion der Großen Göttin thematisiert. Verbrechen gegen die Menschenrechte der Frau werden von nun an zu inferioren Delikten. Die historischen Mörder der Muttergöttin und ihrer VerehrerInnen wurden zu Ägyptens be­rühmten Pharaonen.

Die Nichtbestrafung des Muttergöttinen-Mordes bezweckt,
den Frauen die Lektion zu erteilen, dass es sinnlos ist,
sich der patriarchalen Macht in den Weg zu stellen.

Die indigenen ÄgypterInnen wollten sich nicht zu den männlichen Göttern der Invasoren bekehren lassen und konnten während langer Zeit dagegen standhalten. So blieb die Religion der patriarchalen Eroberer in Ägypten eine der matriarchalen ›Volksreligion‹ übergestülpte Religion der Elite, eine sogenannte ›Königs- und Staatsreligion‹.

In Wissenschaft und Religion gibt es wenig Offenheit und Aufrichtigkeit was den Göttinnen-Mord betrifft. Davon wollen WissenschaftlerInnen, TheologInnen und Gläubige nichts wissen, sie bleiben ihrer Überzeugung vom ›liebenden‹, ›allmächtigen‹ Vatergott treu! Mutig und wahrheitsgetreu berichtet dagegen der Ägyptologe Fekri Hassan – was kein anderer Wissenschaftler zugeben würde, was stets verschleiert, geschönt und geleugnet wird, und nicht nur für Ägypten Gültigkeit hat, – er schreibt:

»Die Mythen zeigen, dass das, was sich in Ägypten zu der uns bekannten altägyptischen Religion entwickelte, auf einen Vernichtungskampf der Eroberer gegen die Religion der Urgöttin und ihrer VerehrerInnen richtete. Könige wurden göttlich, indem sie die heilige Macht weiblicher Gottheiten assimilierten.« (Fekri Hassan)

Es sei »die Ordnungsidee der dynastischen Religion, die das vorzeitliche Chaos überwindet«, behauptet dagegen der Ägyptologe Walter Wolf (›Kulturgeschichte des Alten Ägypten‹ 1977, S. 67). Eine der üblichen Unwahrheiten! Und sein Fachkollege Helmut Brunner: »In Ägypten, das bei der Schöpfung von Gott aus dem Chaos ausgegrenzt und mit dem fruchtbaren Nil versehen, den Menschen zuliebe ›geschaffen‹ wurde, ist jede Tat, die dem Chaos ein weiteres Stück abringt und der Ordnung zuschlägt, eine Fortsetzung der Schöpfung. Der Kampf richtet sich ebenso gegen die Wüstentiere… wie gegen die ›wilden‹ Völker um Ägypten.« (Brunner ›Altägyptische Religion‹ 1989, S. 67) Der Altorientalist Wolfgang Röllig behauptet in seiner Festschrift für die Ägyptologin Emma Brunner-Traut (1992, S. 284) geradezu Aberwitziges: »Es gibt einen entscheidenden Schritt in der Geschichte des Menschen, der auch sein Verhältnis zu den Göttern maßgeblich bestimmt, nämlich die Schaffung einer eigentlichen, einer menschlichen Kultur, die sich abgrenzt gegenüber der ungeordneten, vorzivilisatorischen Welt. Dabei ist es sicher kein Zufall, dass das Königtum, das vom Himmel herabkam, als Erstes von einem Manne bekleidet wird, der danach wieder zum Himmel hinaufsteigt.« (s. ›Das patriarchale Königtum, das ›vom Himmel kam‹).

Die patriarchalen Religionen mach(t)en Männer nicht zu umgänglichen,
liebevollen Menschen, im Gegenteil, viele wurden zu größenwahnsinnigen,
unerträglichen
Diktatoren und Mördern. 

Der Göttinnen-Mord im Iran und im alt-iranischen Elam

Der Iranologe Walther Hinz schreibt in seinem Buch ›The Lost World fo Elam‹ 1973 (›Das Reich von Elam‹): »Ein stolzer Platz in dieser Welt wurde von einer Göttin eingenommen – und das ist typisch für Elam… Sie war offensichtlich die ›Große Mutter der Götter‹ für die Elamiter. Allein schon die Tatsache, dass der Vorrang einer Göttin gegeben wurde, die über und fern von anderen elamitischen Göttern stand, weist bei den Anhängern dieser Religion auf einen matriarchalen Zugang hin.« (zit. von (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war – Die Geschichte der Ur-Religion unserer Kulturen‹ 1988, S. 55). Dann beschreibt Hinz exakt den Verlauf der Patriarchalisierung und den Kampf gegen die Göttin, wie sie in verschiedenen Zentren des elamitischen Territoriums bekannt war: »Im dritten Jahrtausend herrschte diese ›Große Mutter der Götter‹ uneingeschränkt auf dem Gipfel des elamitischen Pantheons, aber im Verlauf des zweiten Jahrtausends kam es zu einer Veränderung. Ebenso wie einst das uralte Matriarchat von Elam angesichts einer schrittweisen Hebung des männlichen Status zurückgewichen war, so fanden auch unter den Göttern entsprechende Neuordnungen statt… Während des dritten Jahrtausends nahm er (Humban, der Liebhaber der Göttin) noch immer den dritten Platz ein, aber seit der Mitte des zweiten Jahrtausends stand er an der Spitze des Pantheons.« (zit. von Stone ibd.)

Der Verlauf der Geschichte zeigt die kontinuierliche Entwertung der Göttin
und parallel dazu, die Aufwertung der indoeuropäisch/arischen Götter der Eroberer.

Ahura MazdaDer persische Gott Ahura Mazda, Relief in Persepolis (CC Ziegler 175)

Ahu-Ra-Mazda, der Gott der Arier, ist der von Zarathustra geschaffene Schöpfergott im alten Persien. Zarathustra »predigte den Monotheismus, fand aber kein Gehör in seiner Gemeinde. Er wanderte daraufhin nach Osten und fand alsbald bei Kavi (König) Vishtaspa Anerkennung, der sich von der alten Naturreligion lossagte und Anhänger des Glaubens an einen einzigen Gott wurde… Zarathustra erzählt aber, dass andere Kavis seiner Lehre ablehnend gegenüberstanden«. (Jahansha Derakhshani ›Geschichte und Kultur des Alten Ostiran‹ 1995, S. 18). Zarathustra war tatsächlich nicht der einzige Religionsgründer, dem dieses Schicksal widerfuhr.
Über Kyros II, den König von Persien, er regierte von 559 bis 530, schreibt Derakhshani, sein lebhaftes Interesse für die Wiederherstellung des Tempels zu Jerusalem werde »dadurch einleuchtend, dass er dem zarathustrischen Glauben anhing, welcher dem mosaischen Monotheismus näher stand, als irgendeine der vorchristlichen Religionen. Kyros als Verehrer Ahura Mazdas musste sich zu jenem wahren Kultus des allmächtigen Gottes hingezogen fühlen, dessen Zentrum der Tempel zu Jerusalem war.« Derakhshani ›Grundzüge der Vor- und Frühgeschichte Irans‹ 1995, S. 74)
Unter den Eroberern gab es ständig Kämpfe. Noch der persische König Xerxes, er regierte von 486 bis 465 v.u.Z. sagte: ›Als ich König wurde, herrschten in diesen Ländern Unruhen. Danach gab mir Ahuramazda Beistand; nach Ahuramazdas Willen schlug ich diese Länder… in diesen Ländern gab es eine Stelle, wo zuvor die Daivas verehrt worden sind. Ich zerstörte nach Ahuramazdas Willen dies ›Daiva-Nest‹ und gebot: Die Daivas sollen nicht verehrt werden. Wo die Daivas verehrt worden waren, dort verehrte ich Ahuramazda.‹ Während in Indien die Asuras dämonisiert wurden, blieben im Iran nach dem Kampf der beiden gegnerischen Kräfte die Ahuras siegreich und die Daevas (den indischen Devas entsprechend) wurden als Dämonen nebengeordnet. Wie wir immer wieder sehen können, sind Dämonen die dämonisierte, verteufelte Göttin.
»Am interessantesten ist die iranische Figur Gajo Mareta, der erste erschaffene Mann. Vielleicht war Gajo Mareta einstmals dieselbe Figur im Iran wie Indra in Indien… In den Pahlavibüchern aus der Zeit um 400 v.u.Z. heißt es: ›Aus Gajo Mareta bildete Ahura die Familie der arischen Länder, den Samen der arischen Länder‹. Später scheint eine Renaissance der Göttin-Religion im Iran stattgefunden zu haben, wie wir aus einem späteren Zusatz zur iranischen Mythologie entnehmen können. Iranischen Texten aus dem 4. Jahrhundert zufolge hatte die Göttin Anahita für das Universum zu sorgen. Dort wird mitgeteilt: ›Ahura Mazda hat ihr die Aufgabe gegeben, über die ganze Schöpfung zu wachen‹. ›Gaui‹ oder ›gavi‹ bedeuted im arischen Sanskrit Kuh. ›Mritju‹ bedeutet im Sanskrit Tod oder Mord… insofern scheint der Name Gajo Mareta ›Kuhmörder‹ zu bedeuten.

Kuhgoettin ElamEbenso wie Danu als die Kuhgöttin symbolisch dargestellt wurde, deren Verehrung am besten aus Ägypten bekannt ist, und Indra als Ihr Mörder, so hat Gajo Mareta vielleicht einstmals diese Funktion im Iran übernommen.« (Merlin Stone ibd. 1988, S. 114 ff.)

Abbildung: Kuhgöttin aus Elam/Iran 10,6 cm hoch Metropolitan Museum of Art, NY

Zur Abbildung der wunderschön Kuhgöttin schreibt die Autorin des Buches ›Frauen und Schlangen – Die geheimnisvolle Kultur der Elamer in Alt-Iran‹, Heidemarie Koch, den unsäglichen Text:

»Silberfigur eines Stieres der in menschlicher Weise kniet und einen Rock trägt

Patriarchale Männer und Frauen versuchen immer wieder dem Stier eine Bedeutung zu geben, die er in matriarchaler Zeit, als die Vaterschaft noch nicht bekannt oder unwichtig war, einfach nicht hatte. Mit dem Stier soll dem Mann, dem ›Erzeuger‹, seiner Potenz und Männlichkeit ein Platz im Kampf gegen die Göttin gegeben werden. Den gleichen Zweck hat auch die Deutung des Rinderkopfes als Stierkopf; der Rinderkopf, auch Bukranion, ist ein Symbol des Uterus, und damit können Stiere nun mal nicht identifiziert werden. Heidemarie Koch, die – aus nicht einsehbaren Gründen – sich betont als ›christliche Archäologin‹ bezeichnende Autorin, legt auch keinen Wert auf die Wahrnehmung und Erforschung der Religion der Großen Göttin und der matriarchalen Zeit Elams und Alt-Irans; viel mehr liegt ihr an der Betonung der männlichen Götter. Auch bei Koch sehen wir eines der vielen Beispiele, wie das selbständige Denken schwindet und die klare Sicht, je nach Nähe zu einer der monotheistischen Religionen, getrübt wird. Bei den Themen ›Matriarchat‹ oder ›Göttin‹ scheint der Glaube als Wahrnehmungsfilter gegen nicht-patriarchale Tatsachen zu dienen. Frei und unabhängig zu denken und zu schreiben scheint religiösen AutorInnen schwer zu fallen. Wahrscheinlich ist es die unbewusste Verankerung im patriarchalen Denken und Glauben – was die christliche Religion ja zweifelsohne ist – die eine objektive Wissenschaftlichkeit negativ beeinflusst und dadurch fragwürdig macht.

Die Dämonisierung und Ermordung der Muttergöttin in Anatolien

800px-Museum_of_Anatolian_Civilizations082_kopie1jpgDie Ermordung der Grossen Göttin in Anatolien: Der Kampf des indoeuropäisch-hurritischen Sturmgottes Teschup gegen seine Gemahlin, die dämonisierte Muttergöttin Hepat in Gestalt des Drachen Illujanka‹ (Kalkstein-Relief, 1050-850 v.u.Z., Museum of Anatolian Civilizations, Ankara, Turkey)

Die Ermordung der Großen Göttin im eroberten Mesopotamien

Mit der Geschichtsschreibung Mesopotamiens, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, verhält es sich wie mit der Geschichtsschreibung Ägyptens. ›Geschichte beginnt mit Sumer‹ schreibt Samuel Noah Kramer, d.h. auch hier wird es für die Fachleute erst mit dem Konstrukt einer ›Hochkultur‹, dem ersten Erscheinen von männlichen Göttern und einer Abfolge von männlichen Dynastien, die ebenfalls um 3000 ihren Anfang nehmen, interessant und einer Beschäftigung würdig. Wie in Ägypten wird die Urgeschichte hier bis auf wenige Ausnahmen aufgeschlossener – früherer – Archäologen gemieden. Und wie in Ägypten ist die Urgeschichte brisant und enttarnt die gängige Meinung von den eingewanderten Sumerern, die eine große Kultur geschaffen haben sollen, als Blendwerk und Täuschung. (s. ›Das matriarchale Königinnentum Mesopotamiens‹) Die matriarchale Hochkultur ging – wie in Ägypten – der kriegerischen Eroberung durch die aggressiven Indo-Europäer/Arier um mindestens 1000 Jahre voraus. Die Schrift wurde lange vor den Sumerern erfunden:

Kriegerische Eroberer schaffen keine Hochkulturen, sondern usurpieren und/oder zerstören sie.

Im bekanntesten sumerischen Mythos enthauptet der arrogante Gilgamesch die vermännlichte und verteufelte Schlangengöttin Chumbaba (auch Humbaba/Chuwawa/Huwawa). »Er zog mit fünfzig Helden, die keine Familie hatten [aggressiven Junggesellen!], über sieben gefährliche Gebirge gegen Chuwawa und erschlug ihn... In einer anderen Dichtung wird zuerst erzählt, wie Gilgamesch eine riesige Schlange tötet die Inannas heiligen Baum besetzt hatte.« (Wolfram von Soden Sumer, Babylon und Hethiter‹ Propyläen Weltgeschichte 1961, S. 563, Hvhb. DW) Die Herkunft des Paradiesmythos aus dem arischen Persien (Iran) ist hier klar erkennbar.
»Gilgameš und Enkidu planen, gemeinsam eine Heldentat zu vollbringen und Ḫumbaba zu töten, um im Wald der Inanna Zedern zu fällen. Nach langem Kampf, unterstützt von Šamaš, töten sie Ḫumbaba und fällen die Zedern… Wir machten den Wald zur Einöde‘. Über den Kampf liegen mehrere sich unterscheidende Versionen vor.« (Wikipedia) In den Epen scheint die vermännlichte Göttin noch durch. Die hochgewachsene Zeder im Epos soll ein Symbol der Plazenta sein (Ralph Frenken ›Pränatalpsychologie der Kunst‹) Die Plazenta ist bekanntlich weiblich! Was man nicht sehen und erkennen will, hat mit unserer heutigen Zivilisation und den monotheistischen Religionen zu tun, die eine Göttin völlig ausblenden und aus unserem Gedächtnis gelöscht haben.

›Gilgamesch‹ ist er seit dem Tage, da er geboren, mit Namen genannt.
Zwei Drittel an ihm sind Gott, doch sein (drittes) Drittel, das ist der Mensch.‹
(Gilgamesch Epos, erste Tafel, um 2000)

Samuel Noah Kramer erklärt den Mythos vom Töten des Drachens: »Der ›Herr‹ Gilgamesch sieht ein, dass er wie alle Sterblichen früher oder später sterben muss, und ist folglich ent­schlossen, sich wenigstens ›einen Namen zu machen‹, bevor ihn sein vorbestimmtes Ende erreicht.« (›Geschichte beginnt mit Sumer‹ 1959, S. 134) Gilgamesch, der heldenhafte ›Drachentöter‹, hat sich einen Namen gemacht: Er geht als Schlächter der Großen Göt­tin in die Geschichte der mesopotamischen Mythologie und als viel gerühmter Held in unsere Geschichtsschreibung ein:

»Die Herrscher erkannten schon früh den Nutzen, den die Verbindung von Politik und Religion eintrug…

Sobald dieser Kunstgriff des Regierens allgemeine Verbreitung fand, mehrte sich die Zahl der Götter, und jede Stadt, jeder Staat und jede menschliche Tätigkeit erhielt irgendein anfeuerndes und ordnendes himmlisches Wesen.« (Will Durant ›Kulturgeschichte der Menschheit – Der alte Orient und Indien‹ 1935, S. 125)

Die Ermordung der Großen Göttin Babyloniens

Das babylonische Reich im Süden Mesopotamiens löste das Sumerische etwa 1000 Jahre nach den Eroberungen durch die indoeuropäisch/arischen Sumerer ab; begann also etwa an der Zeitenwende um das Jahr 2000. Im 18. Jahrhundert, zur Zeit Hammurabis (und nicht ganz zufällig auch die Zeit Abrahams), war der Kampf gegen die Große Göttin und die Patriarchalisierung Mesopotamiens schon weit fortgeschritten. Wie in Ägypten gab es nun zahlreiche männliche Götter, von denen jeder zum Weltengott aufsteigen wollte. Jetzt vernehmen wir vom Mythos der Ermordung der Großen Göttin, die auf brutale Weise vom indoeuropäischen Sonnengott Marduk getötet wird.

Die Ermordung Tiamats

Marduk, der ›Sohn der Sonne‹ ermordet die Göttin Tiamat

Der entscheidende Schritt in Marduks Aufstieg zum Herrn des babylonischen Pantheons gelang ihm durch die Verdrängung und Ermordung der alten sumerischen Muttergöttin Tiamat, die als ›bedrohende Chaosmacht‹ verunglimpft wird. Marduk wird zum ›rettenden Helden‹ mit einem einzigen Ziel, seiner Verherrlichung; damit erhält er die Herrschaft über die Götter und die Welt.

›Er schoss einen Pfeil ab, zerriss ihr den Bauch, ihr Inneres zer­fetzte er und durchbohrte ihr Herz. Als er sie bezwungen hatte, setzte er ihrem Leben ein Ende.‹ Mit einer Keule zertrümmert er den Schädel der Göttin, schneidet sie in zwei Hälften und macht sich zum ›Herrn der vier Weltgegenden‹.

Im babylonischen Weltschöpfungs-Mythos ›Enuma Elish‹, der ebenfalls in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends entstand und dann für die Bibel bedeutungsvoll wurde, steigt Marduk, der Mörder der Muttergöttin, durch eine seltsame, mündliche Prüfung zum Hauptgott Babylons auf. (s. ›Marduks Schöpfung durch das Wort‹ auf der Seite ›So wurden Götter erfunden und Mythen gemacht‹)
»Der biblische Mythos beginnt dort, wo der babylonische endet. Die Oberherrschaft eines männlichen Gottes ist errichtet, und von der früheren matriarchalischen Stufe ist kaum noch eine Spur geblieben. Marduks ›Prüfung‹ ist zum Hauptthema der biblischen Schöpfungsgeschichte geworden. Gott erschafft die Welt durch sein Wort; die Frau und ihre schöpferischen Kräfte sind nicht mehr notwendig. Selbst der natürliche Verlauf, dass die Frau Männer gebiert, ist umgekehrt. Eva wird aus Adams Rippe geschaffen:

»Der biblische Mythos ist ein Triumphgesang über die besiegte Frau;
er leugnet, dass die Frau den Mann gebiert und verkehrt die
natürlichen Beziehungen ins Gegenteil.«
(Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 127)

Die Feindseligkeit gegen die Frau nehmen in der babylonischen Zeit mit der Erfindung zahlreicher bösartiger Dämonen zu: »Ardat lili, ein weiblicher Dämon, der als zu normaler Sexualität unfähig geschildert wird und dieses Manko durch Aggression gegen junge Männer kompensiert.« (Michael Jursa ›Die Babylonier‹ 2008. S. 83) Ob hinter dem Erfinder vielleicht ein impotenter Mann steckt, der seine narzisstische Kränkung durch Aggression an den Frauen kompensiert? Oder handelte es sich beim ›bösartigen weiblichen Dämon Ardat lili‹ vielleicht um eine ihre Sexualität selbst bestimmende Frau? Aus der Sicht des Mannes brachte eine sexuell aktive Frau Unglück. (Jursa ibd. S. 107)
In dieser Zeit der fortgeschrittenen patriarchalen Machtnahme und der Erfindung unterstützender Mythen, lebte etwas weiter westlich, in Harran, der Erzvater und Patriarch Abraham, (falls er tatsächlich eine geschichtliche Persönlichkeit war). Die arischen Priester von Harran konnten von diesen frauenfeindlichen Mythen Kenntnis haben und für ihre Zwecke weiterverwenden. (s. ›So wurden Götter erfunden und Mythen gemacht‹)

Der Göttinnen-Mord im mesopotamisch-irakischen Chafadschi

Auf dem Bild von Chafadschi bohrt ein patriarchaler Gott, »sein Schwert einem zyklopischen Urwesen in den Leib«, schreibt der Theologe Jörg Zink und übersieht dabei, dass es sich um ein göttlich weibliches Urwesen handelt, mit weiblichen Brüsten, den Symbolen einer flammenden Sonne und dem Auge der Weisheit. »Der Mythos spricht hier von der Ablösung einer Generation von Gottesbildern durch eine jüngere, geistigere,« schreibt Zink weiter. Doch was ist am Göttinnen-Mord ›geistig, Herr Zink? (›Tief ist der Brunnen der Vergangenheit‹ 1988, S. 64)
Abb. Stele aus Chafadschi bei Bagdad, Anfang des 2. Jt., Iraq Museum)
Das Abwerten und Negieren von tatsächlichen Überlieferungen, sei es in Worten oder Bildern, ist bei religiösen, insbesondere bei christlichen TheologInnen, immer wieder zu beobachten. Offensichtlich deformiert die Loyalität zum patriarchalen Glauben, der auf dem Muttermord basiert, das Denken der gläubigen WissenschaftlerInnen. Gläubige können und wollen sich nun einmal nicht von ihren Illusionen und den Märchengestalten trennen, auch nicht von ihrem Wunschbild, dass es einen sie persönlich liebenden Gott gibt, der sich wie ein guter Papa, für sie interessiert und sich um sie sorgt.

Der Göttinnen-Mord im Antiken Griechenland

»Das seit alters größte hellenische Heiligtum von Delphi, dem Apollon geweiht, war zuvor die besondere Kultstätte der Göttin Gaia. Um es für sich zu gewinnen, mußte Apollon die große Schlange Python der Gaia töten. Die Schlange galt vorzeitlichem Glauben wie der Mond als Symbol der stetigen Wiedergeburt und so auch als Allegorie für das Mütterliche und für die Klugheit.« (Richard Fester ›Weib und Macht‹ 1979, S. 40) Die Ermordung der Göttin wird in Griechenland auch durch die Enthauptung der schwangeren Medusa durch Perseus dargestellt; Zeus tötet die Schlange Syphon, Herakles erschlägt die Schlange Ladon/Lat. (Lat bedeutet in den indoeuropäischen Sprachen ›Göttin‹). Als Lotan erscheint sie wieder in der Bibel, wo sie von Baal bezwungen wird.

Die Verteufelung, Verfolgung und Ermordung der Ur-Göttin, in ihrer Gestalt als Große Schlange, ist in den indoeuropäischen Schlangen- und Drachenmythen verbrieft. Ihr Einfluss auf die Bibel, das Geschichts- und Legendenbuch des Patriarchats, kann gar nicht überschätzt werden. 

Die Vernichtung der Großen Göttin durch Jahwe in der Bibel

Die in Kanaan verehrte Große Göttin Astarte/Aschera wurde nach der ›Landnahme‹ und dem Aufkommen Jahwes zu seiner Gattin hinabgestuft. ›Gottes geschiedene Frau heißt Aschera‹, titelt Die Welt den Artikel zum Polytheismus und dem Verstossen von Jahwes Gattin Aschera: »Als Gott seiner Ehefrau müde geworden war, tat er, was Männer heute in der gleichen Situation auch tun würden: Er nahm sich einen Anwalt. Der Anwalt hieß Hosea und er lebte im 8. Jahrhundert vor Christus in Israel, dem nördlichen der beiden hebräischen Königreiche. Der Scheidebrief, den Hosea im Namen seines mächtigen Mandanten ausstellte, ist in den Prophetenbüchern der Bibel überliefert:

›Sprecht das Urteil über eure Mutter.
Sie sei nicht mein Weib und ich will sie nicht [mehr!] haben‹

Die Göttin selbst wird zur Hure gemacht,
doch ›die Kinder Israels wollten ihr Mutter nicht verklagen und verstoßen‹.

(Hosea 2,3). In der modernen katholischen Einheitsübersetzung heißt es: ›Verklagt eure Mutter, verklagt sie! Denn sie ist nicht meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann.‹ Und der Kommentar der ›Jerusalemer Bibel‹ ergänzt: ›Diese Wendungen sind für Mesopotamien als juristische Ehescheidungsformeln bezeugt; wahrscheinlich waren sie ebenso in Israel gebräuchlich‹. Zweieinhalb Jahrtausende lang haben die Ausleger der Bibel diesen Text als ein bloßes rhetorisches Bild interpretiert. Gott, so sagen sie, mache seinem untreu gewordenen Volk Israel den Prozess, weil es wieder einmal Götzendienst und Hurerei betreibe.
Wir wissen, schreibt der Alttestamentler Othmar Keel: »Ganz allein war JHWH nicht… An über 40 Stellen wird im Alten Testament polemisch eine Göttin namens Aschera genannt, die sich bis zur Reform des Königs Joschija 622. v. Chr. offensichtlich großer Beliebtheit erfreute. Seit 1975 sind Inschriften aus der Zeit um 800 v.Chr. bekannt, die ›JHWH und seine Aschera‹ nennen. Verschiedene Bibelstellen berichten von einem anthropomorphen Kultbild der Aschera im Tempel von Jerusalem. Speziell beauftragte Frauen woben für diese Schleier oder Baldachine (2. König 21,7; 23,6f). Die Säulenfiguren waren wohl Kopien dieses Kultbildes.

»Ein strenger Eingottglaube auf Kosten der Göttin hat sich in Jerusalem und Juda erst am Ende des 7. Jahrhunderts durchgesetzt.« (O. Keel ›Bibel + Orient im Original‹ 2007, S, 43)

Die ›polemische‹ Nennung der Aschera, macht Marie-Theres Wacker, römisch-katholische, feministische Theologin, in ihren Studien ›Von Göttinnen, Göttern und dem einzigen Gott: Studien zum biblischen Monotheismus aus feministisch-theologischer Sicht‹ deutlicher. Sie schreibt:

»Aschera, das feminine Wort wird in der Bibel 40 mal erwähnt, meist jedoch in der grammatisch maskulinen Form Ascheren. Dabei geht es immer um etwas Abscheuliches, Abzulehnendes; nirgendwo wird das Wort Aschera neutral oder positiv gebraucht.« (s. 2. Mose 34.13; Richter 6.25 ff.; Könige 14.15)

Bernhard Lang, der Autor von ›Jahwe –  Der biblische Gott‹ bemerkt: »Israels Religion entstand in einer Welt des Polytheismus, und ihre früheste erkennbare Gestalt ist durch die Verehrung von vielen Gottheiten – Göttern und Göttinnen – gekennzeichnet. Diese frühe Phase der israelitischen Religion hat in der Bibel noch mancherlei Spuren hinterlassen, obgleich die Heilige Schrift alles zu unterdrücken pflegt, was der etablierten Lehre widerspricht.

In seinem Kampf gegen die Schlangengöttin heißt es von Jahwe in Psalm 74 ganz ähnlich wie bei Marduk:

Mit Deiner Macht hast du das Meer zerspalten,
Die Häupter der Drachen über den Wassern zerschmettert.
Du hast die Köpfe des Leviathan zermalmt,
ihn zum Fraß gegeben den Ungeuheuern der See.

»Die biblischen Beschreibungen von Jahwes Sieg über die Urschlange waren vielleicht nur eine weitere Version des inzwischen vertrauten Kampfes der indoeuropäischen männlichen Gottheit mit der Schlange der Finsternis, der Göttin.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988, S. 157 d.) (s. ›Das Matriarchat und die Patriarchalisierung des Alten Israel‹)
Die Lage der Frauen veränderte sich dramatisch. »Unter den kanaanitischen Ammonitern, mit denen die Hebräer immer wieder kämpften, hatten Frauen öffentliche Ämter inne. Der Archäologe G. Landes schrieb 1961 von der ›überlegenen Position von Frauen, die mit der nomadischen Lebensweise in Einklang steht‹. Er wies darauf hin, dass Königinnen wie zum Beispiel die Königin von Scheba (um 950 v.u.Z.) zeitweise arabische Staaten oder Stämme anführten und dass das auch für das achte und siebente vorchristliche Jahrhundert bezeugt ist. Im Gegensatz zu der ökonomischen, rechtlichen und sozialen Position der Frauen im ganzen Umkreis, zeigt die Stellung der israelischen Frauen die Wirkungen einer fast vollständigen Übernahme der männlichen Gottheit Jahwe und der dazugehörigen patriarchalischen Gesellschaft. Der Bibel zufolge stammen die israelitischen Gesetze aus der Zeit des Moses (etwa 1300–1250). Obwohl man dafür noch keine archäologischen Beweise gefunden hat… Durch intensives Bibelstudium kam der Archäologe und Priester Roland de Vaux zu folgenden Beobachtungen über hebräische Frauen (›Ancient Israel‹ 1965): Die soziale und rechtliche Stellung einer israelitischen Gattin lag unter der Stellung, die eine Ehefrau in allen großen Ländern im Umkreis einnahm… Alle Texte zeigen, dass sich die Israeliten vor allem Söhne wünschten, um den [väterlichen] Stammbaum und den Besitz zu verewigen und das Erbe der Ahnen zu erhalten… Ein Ehemann konnte sich von seiner Gattin scheiden lassen… Frauen konnten umgekehrt die Scheidung nicht einreichen… die Gattin nannte ihren Ehemann ›ba’al‹ oder ›Meister‹, sie nannte ihn auch ›adon‹, d.h. ›Herr‹; sie sprach ihn wirklich so an, wie ein Sklave seinen Herrn oder ein Untertan seinen König.« (Merlin Stone 1988, S. 92 f.)
»Doch warum entstand schließlich in Israel und Juda eine Bewegung, die nur noch einen einzigen Gott verehren wollte? Wahrscheinlich steckt dahinter ursprünglich ein Kriegsbrauch«, schreibt Bernhard Lang. »Im Buch der Richter wird erzählt, wie die Hebräer sich während einer Bedrohung durch die Ammoniter ihrer sonstigen Götter entledigten: ›Sie entfernten die fremden Götter aus ihrer Mitte und dienten Jahwe. Da konnte er das Elend Israels nicht länger ertragen.‹ Doch Bernhard Lang ist sich sicher: Solche Pflicht zur Alleinverehrung galt nur für die Zeit des Krieges – danach durfte man sich wieder an die anderen Götter wenden. Es war gewissermaßen ein Trick, mit dem man vom launischen Jahwe das Kriegsglück erzwingen wollte.« (M. Heine, Die Welt, 23.12.12) Auffallend ist jedoch, dass die Götter nach dem Muster aggressiver, kriegerischer Diktatoren (Könige, Pharaonen) erfunden wurden, Alleinherrscher mit unumschränkter Macht – nicht nur in Kriegszeiten – auch in Friedenszeiten, die waren allerdings rar.

»Erst König Josia, der von 639-609 über das südliche Hebräer-Königreich Juda herrschte, beseitigte mit einer großen religiösen Reform alle Kulte, die nicht Jahwe huldigten.« (M. Heine, Die Welt, 23.12.12)

Schließlich bringt Gott die Göttin um und macht sich so zum monotheistischen Hauptgott. »Du sollst dir keinen Holzpfahl als Ascherabild errichten‹, dröhnt es aus dem fünften Buch Mose, ›das hasst der Herr.‹ Bis 586 v.u.Z. stand ihr Kultbaum im Jerusalemer Tempel. Doch gegen dieses Abbild liefen die Propheten Sturm. In ihren Augen war es ein lästerlicher Götze heidnischer Geilheit.« (Matthias Schulz, Der Spiegel 52/2006, S. 113, 115, 116) Die matriarchalen Kanaanäer erschienen den patriarchalen, sexuell unterdrückten Israeliten als ›sittlich minderwertig und verkommen, als lüstern und haltlos, als schamlos und pervers‹. Gott ist wütend und eifersüchtig auf die Verehrung seiner libertinen Gattin: Er tötet seine Frau und die Mutter ihrer Kinder, kaltblütig. Astarte oder die Aschera kommt 40 Mal in der Bibel vor, als Name oder als Kultpfahl eines stilisierten Lebensbaumes. Das ›Götzenverbot‹ in der Bibel verbietet die Anbetung der Bilder oder Figuren der Aschera: »Damit ihr euch nicht von eurem Herzen noch von euren Augen verführen lasst«, heißt es im 4. Buch Mose 15,39. Die patriarchale Beziehungsebene ist voll und ganz auf Unterwerfung und Gehorsam aus. Die IsraelitInnen mussten der Verehrung der Großen Astarte abschwören. Der Mord wird verschwiegen, aber er tönt in den Klagepsalmen immer wieder an.

Die Göttin und die Frau im verleumderischen Paradiesmythos

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Michelangelo 1475 bis 1564 ›Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies‹. Sixtinische Kapelle, Rom

Im Paradiesmythos wird die Schlangenöttin zur Verführerin. Der patriarchale Gott warnt die Menschen vom Baum der Weisheit und der Erkenntnis der Schlangengöttin zu essen. Er will verhindern, dass sie unterscheiden können zwischen Gut und Böse; dazu hat er als Verursacher allen Übels guten Grund, denn das verbotene Wissen könnte Zweifel an seiner Weisheit, Allmacht und Güte wecken. Die Erzählung und insbesondere der Baum (der Lebensbaum der Göttin und Baum der Weisheit) sei, so bekennt der evangelische Alttestamentler Andreas Schüle seine exegetische Ratlosigkeit ›ein letztlich nicht lösbares Rätsel‹. Ein anderer Alttestamentler meint: »Entscheidend für das Verständnis ist die Deutung des Paradies-Gartens bzw. symbolisch des Paradies-Heiligtums als ›Urbild des Tempels‹ in dessen Mitte der verbotene Baum steht.« Diese unglaublich hilflosen Aussagen zeugen von der verinnerlichten Weisung Gottes, die noch nach mehr als 2000 Jahren ihre Wirkung bei den Gläubigen tut: ›Du sollst nicht vom Baum der Erkenntnis essen.‹
Die Legende vom Paradies und der verteufelten Schlange kommt in nahezu allen patriarchalisierten Ländern  vor – »in Ägypten, Indien, Tibet, Babylon, Persien, Griechenland (vgl. Platons ›Symposion‹), Polynesien, Mexiko usw. In den meisten [der patriarchal verzerrten] Geschichten dieser himmlischen Gärten wuchsen verbotene Bäume, und es hausten Schlangen und Drachen an diesen Orten, die den Menschen die Unsterblichkeit stahlen oder auf irgendeine Weise das Paradies vergifteten… In der Mehrzahl dieser Geschichten vom Abfall des Menschen von Gott war die Frau das reizvoll-böse Werkzeug der Schlange oder des Teufels, sei es als Eva, als Pandora oder als die Poo See der chinesischen Legende. In Umkehrung der Tatsachen steht im Shi-Ching: ›Alle Dinge waren zuerst dem Manne unterworfen, aber eine Frau brachte uns in die Sklaverei. Unser Elend kam nicht vom Himmel, sondern von der Frau; sie ward der menschlichen Rasse zum Verhängnis‹.« (Will Durant ›Der Alte Orient und Indien‹ 1935, S. 293) Derart schändliche, die Wahrheit entstellende, geistliche Rechtsverdrehungen der die Frauen diffamierenden Legenden sind die Basis sämtlicher patriarchaler Mono-Religionen. (s. ›Der Kampf gegen die Religion der Großen Göttin‹)

Die Ermordung der Göttin im Christentum

Das Lamm Gottes

Das ›Lamm Gottes‹, oder ›Agnus Dei‹, als Symbol für Jesus Christus,
er kämpft und tötet das heilige Tier, den Drachen der Göttin ISIS.
(CC-BY-SA 4.0, Foto: Bernd Schwabe)

»Dieser Rest eines Tympanon aus der um das Jahr 796 errichteten ersten Hallenkirche (an Stelle der heutigen St. Alexandri-Kirche) in Eldagsen zeigt ein Motiv aus der in der Bibel niedergeschriebenen Offenbarung des Johannes: Das Lamm Gottes bezwingt (überwindet) einen geflügelten Lindwurm, die ›Hure Babylons‹, Sinnbild für das Böse. Außerhalb des strickförmigen Ringes, der das Lamm und den Lindwurm umrandet, sind beiderseits Bäume angeordnet, die für den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis stehen.« (CC-BY-SA 4.0)

›Ich bin gekommen, das Werk des Weibes zu zerstören‹

Der Religionsgeschichtler und Ägyptologe Hans Bonnet schreibt über den Kampf gegen die Verehrung der Großen Göttin: »Der Isis-Kult hatte sich über die ganzen Mittelmeerländer ausgebreitet und überspann schließlich das ganze Römische Reich. In den 50er-Jahren nach Christi Geburt ließ der römische Senat die Heiligtümer der Göttin zerstören und Tiberius [römischer Kaiser von 14 – 37 u. Z.] hat dann vollends die ISIS-Gemeinde mit blutiger Strenge verfolgt.« (Bonnet) Interessant ist, dass die Verfolgung damit begründet wurde, »dass man den ISIS-Gläubigen Unsittlichkeit vorwarf. Wir haben kaum Anlass, diese Vorwürfe sonderlich ernst zu nehmen«, schreibt Bonnet weiter. »Sie blieben bekanntlich auch dem Christentum nicht erspart und werden zudem von unseren Gewährsmännern ausdrücklich auf alle Tempel ausgedehnt, in denen Frauen verkehrten.« (Bonnet ›Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte‹, 1971, S. 330 f.)
Der Vorwurf der Unsittlichkeit und der sexuellen Ausschweifung zum Zweck der Herabsetzung der AnhängerInnen der vorhergehenden Religion war auch bei der Verfolgung der keltischen Göttinnen-Verehrung nicht neu. Die Methode schien Erfolg zu haben: »Es wurde in der altchristlichen Literatur und bei den Kirchenvätern später geradezu üblich, den Andersgläubigen alle möglichen sittlichen Verfehlungen pauschal zuzuweisen und alle Schlechtigkeit auf ihnen zu vereinigen«, – besonders natürlich den Frauen. (Heinz-Werner Kubitza ›Der Jesuswahn – Wie die Christen sich ihren Gott erschufen – Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung‹ 2011, S. 52).

Bei der Geburt Christi hatte das Patriarchat schon 3000 Jahre gegen das Matriarchat und die Göttin gewütet. Wie wir wissen, liess Cheops um etwa 2600 in einer hasserfüllten Kampagne gegen die Göttin ihre Heiligtümer schließen, was das indigene Volk der ÄgypterInnen in tiefste Verzweiflung stürzte. Doch:

Erst den Christen gelang der Todesstoss
und die endgültige Eliminierung der Göttin im Römischen Reich

 In Arabien befahl Mohammed die Ermordung der Göttin

Die Ermordung der-Al-Uzza

Links: ›Im Auftrag Mohammeds schlägt Khalid die al-‚Uzza geweihte Akazie um, bevor er die Göttin selbst tötet.‹ (Türkische Buchmalerei, ›Venus, Maria, Fatima. Wie die Lust zum Teufel ging‹ E. und G. Rotter 1999) (s. ›Das Matriarchat und die Patriarchalisierung Arabiens‹

 

Das Fazit: Ohne die zivilisierende Kraft der Mutter-Göttin und der entwerteten und diskriminierten Mütter versinkt die patriarchale Welt in männlicher Gewalt, in Diktatur, Terror und unendlichen Kriegen.

Der Göttinnen-Mord hat Auswirkungen bis in unsere Gegenwart.
Die Verdrängung und Leugnung des Göttinnen-Mordes durch das Patriarchat führte unsere Gesellschaft in religiöse Neurosen und Psychosen,
in männlichen Wahn und Terror, der unsere Gesellschaft heute in erschreckendem Maß heimsucht.
Es ist eine Illusion zu glauben, auf dem Muttergöttinnen-Mord könne eine friedliche patriarchale Eingott-Religion nachhaltig aufgebaut werden.
Doch das ist auch gar nicht die Absicht des Patriarchats;
das Patriarchat ist kriegerisch und strebt einzig und allein
nach MACHT und Reichtum, nach Unterwerfung und Gehorsam.

(s. D. Wolf 2009, KAPITEL 9 : Der Kampf gegen die Religion der Großen Göttin. Zu den indoeuropäischen Drachen-Mythen und der Ermordung der Großen Göttin die Seiten: Drache/Drachenmythen/Drachentöter/Drachenkampf: 266,  271, 273, 274, 275, 288, 289)

 

 


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