Der erste Krieg der Weltgeschichte

Aus dem Inhalt:

    • Der erste ›Krieg‹ der Weltgeschichte hat eine Geburtsurkunde:
      Hamoukar in Nordsyrien um 3500
    • Hamoukar beweist: Krieg hat es nicht-schon-immer gegeben!
    • Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege!
    • Die Welt zeigt kaum Interesse für die Entdeckung
    • Die Zerstörer kamen aus dem Norden!
    • So war es damals – und heute ?
    • Kriegspolitik – für Gott und Vaterland?

 

»Das erste, die Kriegführung betreffende Zeugnis stammt aus dem späten 4. Jahrtausend;

in Uruk und Susa gefundene Siegelabdrücke zeigen Kampfszenen und Gefangene«, schreibt der Vorderasiatische Archäologe Michael D. Roaf und er schliesst daraus: »Freigelegte Überreste von Befestigungsmauern früherer Epochen belegen, dass bewaffnete Auseinandersetzungen auch in prähistorischen Zeiten weit verbreitet waren.« (Weltatlas der Alten Kulturen ›Mesopotamien‹ 1991, S. 194) Doch ›bewaffnete Auseinandersetzungen‹ waren keineswegs weit verbreitet:

 Der erste ›Krieg‹ der Weltgeschichte hat eine Geburtsurkunde:
HAMOUKAR im Nordosten Syriens um 3500

Was die Ausgräber von Hamoukar ›den ersten Krieg der Weltgeschichte‹ nennen, trifft nach der Definition für ›Krieg‹ nicht zu: ›Kämpfe, an denen zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte beteiligt sind‹. Hamoukar war unbewaffnet, es handelt es sich also um einen feindlichen Überfall, ein Massaker, ein Beutezug und um die Zerstörung der Stadt.

In seinem Artikel ›Wie das Pferd den Krieg revolutionierte‹ zitiert Florian Stark den Berliner Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski, der in seinem Buch ›Räume der Gewalt‹ den Krieg zum ›anthropologischen Grundbestand des Homo sapiens‹ erklärte: »Warum Menschen einander Gewalt antun, darauf gibt es eine ganz einfache Antwort: Weil sie es können. Sie müssen es nicht, aber sie können es. Und manchmal dürfen sie es und manchmal müssen sie es.« (Die Welt vom 6.11.15) Der flapsige Spruch Baberowskis zeigt den zynischen Umgang einiger Historiker mit der grössten von Männern verursachten Katastrophe, die die Menschheit je heimgesucht hat und die seit 5500 Jahren – aber nicht davor – bis heute mit aller Grausamkeit andauert. Verräterisch ist es immer, wenn Autoren geschlechtsneutralisierend vom ›Menschen‹ sprechen, wenn sie eigentlich vom ›Mann‹ reden müssten. Obwohl mehr als 90 % aller Gewalttaten von Männern begangen werden, behauptet der Historiker auch noch, Frauen seien genauso gewalttätig wie Männer. Er bedient sich damit des ›wir nicht – ihr auch‹ Stereotyps, das automatisch und reflexartig die Frauen in die gleiche Schublade steckt, wenn es um Gewalt geht. Das dient der Abwehr der männlichen Verantwortung.

›Der Krieg ist eine Angelegenheit der Männer, nicht der Menschen‹ (Margaret Mead, Ethnologin)

Die Zeiten im Nahen Osten waren keineswegs friedlich

Der Archäologe Hans J. Nissen berichtet von ersten ›Spannungen‹ in der Späturuk-Zeit, und dass das Ende eher ›unfriedlich‹ verlief. In Hamoukar fanden die Ausgräber einen ›Zerstörungshorizont‹ und den ›massenhaften Fund von Schleuderkugeln‹ (Nissen, ›Geschichte Alt-Vorderasiens‹ 1999, 2012, S. 51)

Wir haben eine genaue Geburtsurkunde für den ›ersten Krieg der Weltgeschichte‹. Es war ein Überfall von den aus dem südlichen Russland erstmals in den Norden Mesopotamiens und Syriens eindringenden patriarchalen Indo-Europäern. Um 3500 wurde die Stadt Hamoukar im Nordosten des heutigen Syrien von einer kriegerischen Horde eingenommen und zerstört. »Das ganze Gebiet unserer letzten Ausgrabung war eine Kriegszone. Ein gewaltiger Krieg zerstörte eine der ersten Städte der Welt um 3500.« (Homepage der Universität von Chicago vom 16.12.2005): ›The whole area of our most recent excavation was a war zone. A huge battle destroyed one of the world’s earliest cities at around 3500 B.C.‹ (http://www-news.uchicago.edu/releases/05/)
Im Jahr 2006 berichtete Science erstmals über Hamoukar: ›North Versus South, Mesopotamien Style‹ (9.6.2006, Vol 312, published by AAS). Der Artikel wird im Juni 2007 auch im ›Spektrum der Wissenschaft‹ veröffentlicht. Dabei wird erstmals das Gerücht in die Welt gesetzt, Hamoukar sei aus dem Süden angegriffen worden – daran gebe es wenig Zweifel. Initiant des Artikels ist der Archäologe Clemens Reichel vom Oriental Institute der University of Chicago und Co-Leiter der Syrian-American excavations in Tell Hamoukar. Reichel geht fälschlicherweise davon aus, es handle sich um einen Angriffskrieg aus den frühen Stadtstaaten im Süden. Eine absurde Idee und ohne jeden Beweis. Warum sollten die prosperierenden, friedlichen, südmesopotamischen Stadtstaaten, die ebenso prosperierenden, friedlichen, nordmesopotamischen Stadtstaaten, mit denen sie seit vielen Jahrhunderten sehr erfolgreich in ein weitverzweigtes Handelsnetz eingebunden waren, angreifen, zerstören und vernichten? Das macht keinen Sinn.
Reichel glaubt zu wissen, wie es zur Zerstörung Hamoukars kam: »Ein fremdes Monopol auf Herstellung und Vertrieb der wichtigen Obsidianwerkzeuge muss der Urukkultur als Bedrohung erschienen sein. Mit der Expansion nach Norden und Westen um 3500 dürfte sie daher den missliebigen Kontrahenten militärisch ausgeschaltet haben.« (Spektrum der Wissenschaft Juni, 2007, S. 22). Aber zur Zeit der Zerstörung Hamoukars gab es noch kein Patriarchat, kein Militär, keine Waffen, keine Kriege und keine Kontrahenten. Man vermutet ja, dass sich in Hamoukar erstmals eine kriegerische Eroberung, bzw. Zerstörung einer Stadt zugetragen habe. Die Bedrohung wurde schon etwa 200 Jahre früher, um 3700 erkannt. Damals wurden die ersten Stadtmauern gebaut; auch um Hamoukar. Hamoukar lag an einer schon längst begangenen Handelsstrasse, war reich und prosperierend. »In den eingestürzten Räumen fanden sich Relikte von einigen hundert Vorratsgefäßen, was auf Lagerung von Flüssigkeiten – vielleicht Wein oder Öl – sowie die Aufbewahrung von Handelsgütern hindeutet. Auch zahlreiche Kleinfunde sprechen für eine administrative Funktion dieser Komplexe. Dutzende von Stempelsiegeln in Tierformat und über 1300 Tonklumpen mit Siegelabdrücken, die einst Gefäße, Säcke, Körbe und Türen verschlossen, sind Zeugnisse eines gut organisierten Verwaltungsapparates.« (Reichel ibd.) Hamoukar wurde genau wie die Städte im Süden in dieser Zeit noch von Frauen geführt, organisiert und verwaltet. (s. ›Das matriarchale Königinnentum MESOPOTAMIENS‹ http://www.doriswolf.com/wp/?page_id=14941)

Die patriarchale Welt zeigt kaum Interesse für die Entdeckung

›Die Geschichte ist ein Dokument der Männermacht: Politische Entscheidungen werden mit Gewalt erzwungen, auch die Entscheidungen der institutionalisierten Religionen. Kulturelle Normen und ethische Weltbilder sind allenfalls der Vorwand, um der Lust am Töten freien Lauf zu lassen.‹ (Gerda Weiler)

Patriarchale Männer lieben den Krieg auf allen Ebenen und sie lieben Waffen. Jedoch tun sie sich schwer, wenn es um das Zugeben und Akzeptieren dieser Lust am Krieg, den Waffen und dem Morden geht. Unmenschlichkeit und Schuld weisen sie weit von sich, damit wollen die oft religiösen, konservativen Saubermänner und Militaristen nichts zu tun haben.

›Frieden beginnt mit der Wahrheit‹ (Amos Gitai, israelischer Filmemacher)

Stets wird behauptet, Krieg habe es ›schon-immer‹ gegeben. (s. ›Die Lüge vom Krieg, den es ›schon-immer‹ gegeben hat‹) Ein Selbstschutz! Patriarchale Männer wollen nicht wahr haben, dass eine Welt ohne Krieg möglich ist und tatsächlich einmal Wirklichkeit war. Die Behauptung wird von allen möglichen Wissenschaftskreisen unterstützt, z.B. von Archäologen: so etwa von Fred Wendorf (s. ›Wie der Krieg in der Altsteinzeit erfunden wurde‹). Der Krieg ist eine Neuerscheinung, eine Perversion des Patriarchats, dessen Ursprung indoeuropäisch ist.

›Der Krieg unterminiert die Macht der Frauen und ist ein Phänomen von strikt männlich dominierten Gesellschaften‹. (Barbara G. Walker)

 ›Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keinen Krieg!‹

Eine Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle: ›Krieg – eine archäologische Spurensuche‹, ging der Frage nach: ›Warum gibt es Kriege?‹ (6.11.2015 bis 22.5.2016) Darüber berichtet Die Welt vom 6.11.15 und behauptet:
»Für die Hallenser Ausstellungsmacher ist tödliche Gewalt zwischen Gruppen eine anthropologische Konstante. Für sie ist der Hominide, dem vor rund 430.000 Jahren im spanischen Sima de los Huesos der Schädel eingeschlagen wurde, das erste bekannt gewordene K r i e g s o p f e r.« (Florian Stark, Hvhb. DW)
Ein einziger Schädel, der Zeichen einer tödlichen Verletzung hat, soll Zeuge für einen  K r i e g  sein?

Nur 14 Tage nach Erscheinen der Publikation in der Welt berichtigt der Ausstellungsleiter, der Landesarchäologe Harald Meller in der 3sat Sendung mit Gert Scobel die ›anthropologische Konstante‹ und die Zeit der Kriege. Er sagt, und dieses Eingeständnis ist nun wirklich eine sensationelle ›Weltpremiere‹:

›Während 98% der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege‹! 

Das heisst, bis vor etwa 5000 Jahren war die Welt friedlich! Es ist für patriarchale Geschichtsschreiber eine unbequeme Wahrheit, dass es Kriege nicht ›schon-immer‹ gegeben hat. Da genügt ihnen ein einziger Mord, ein einziger eingeschlagener Schädel, um zu behaupten, dass es Krieg eben ›schon-immer‹ gegeben habe.
Auffallend ist, dass Wissenschaftler und Berichterstatter die Steinzeit immer wieder mit der Brille des heutigen patriarchalen Mannes betrachten. Sie sehen überall Waffen, Krieg, Konkurrenz, Neid, Gier und Rivalitäten, doch dies sind typisch patriarchale Charakteristiken unserer – also der längst patriarchalen Zeit!

Die Entdeckung des ersten ›Krieges‹ der Menschheitsgeschichte vor ca. 5500 Jahren stieß weder bei den Wissenschaftlern des Alten Orient, noch bei der Presse im deutschsprachigen Raum oder der Weltpresse auf großes Interesse. Man kann darüber nur staunen! Es ist leider so, wie Riane Eisler schreibt:

›Informationsunterdrückung liegt in der Dynamik der dominatorischen Gesellschaft‹ (Riane Eisler)

Eine lobenswerte Ausnahme im Bereich der deutschen Presse: Spiegel online brachte die Meldung am 17.1.2007: ›Der erste Krieg der Menschheit‹ – »Seit 1999 graben Archäologen in den Ruinen des alten Hamoukar im äußersten Nordosten Syriens, nur wenige Kilometer entfernt von der irakischen Grenze. Inzwischen sind sie sicher, dort auf die Spuren des vielleicht ersten organisierten Kriegs der Geschichte gestoßen zu sein – und auf neue Erkenntnisse über die Entwicklung der ersten Zivilisationen.« (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologie-der-erste-krieg-der-menschheit-a-460283.html)

Die Zerstörer kamen aus dem Norden!

image002Frühsumerischer Siegelzylinder aus dem Eanna-Heilitum der Göttin Inanna von Uruk
(ca. 2800, Lapislazuli, Vorderasiatisches Museum Berlin, nach J.C. Margueron ›Mesopotamien‹ 1970)

Wir erkennen die auffallende Gestalt des bärtigen Sumerers, der sich vor dem Emblem, den Schilfringbündeln, die die Göttin Inanna symbolisieren, noch bescheiden gibt und der Göttin huldigt. Das ändert sich rasch; die Übernahme der Macht und die Erfindung und der Einsatz männlicher Könige und Götter ist in vollem Gange. (s. ›Wer waren die Sumerer ?‹)

Es waren kriegerische indoeuropäisch/arische Horden, die aus dem Norden kommend, mit ihren Raub- und Mordzügen in den Süden begannen und sie innert wenigen Jahrzehnten sukzessive bis nach Ägypten fortsetzten. Aber von den Indo-Europäern wollen Altorientalisten nichts wissen. Das ist nicht ›ihr‹ Gebiet, weshalb sie es so gut wie möglich umgehen, indem sie es bisher auf die indoeuropäische Sprache reduzierten. Doch schreibt der Indo-Europäer Forscher Jean Haudry:

›Die Indo-Europäer waren kein ›linguistisches Phantom‹, keine Denkkonstruktion der Philologen, sondern eine reale ethnische Erscheinung, deren Traditionen nie aufgehört haben, in unseren Kulturen fortzuwirken.‹ (Jean Haudry ›Die Indo-Europäer‹ 1986)

Die Kunde von der Zerstörung Hamoukars und weiterer Städte im Norden musste sich damals wie ein Lauffeuer nach Süden ausgebreitet haben. Man war sich der Gefährlichkeit der Lage bewusst und baute Stadtmauern. Vergeblich! Es kam zur Katastrophe.

So war es damals – und später – und bis heute ?

Die Forschungen von Marija Gimbutas zeigen, ›dass wir als Zivilisation nichts Neues lernen müssen, um in Zukunft zu überleben, sondern uns nur an etwas Vergessenes zu erinnern brauchen.‹ (›Die Sprache der Göttin‹)

Warum wurde die Entdeckung von Hamoukar, eine Enthüllung von derartiger Wichtigkeit und Brisanz, im deutschsprachigen Raum kaum wahrgenommen? Ist es die preussisch-patriarchale Bildung, die faschistische Vergangenheit und Gegenwart, die patriarchale Hirnwäsche, die bereits in der Schule mit Schulbüchern – gespickt mit idiotischen Reden von siegreichen Schlachten und glorreichem Rittertum – in den Rekrutenschulen und Militärakademien beginnt?
500 Jahre lang beherrschten Reiterkrieger – bis heute als ruhmreiche Ritter – verherrlichte Krieger, durch rohe Gewalt das Schicksal Europas und verbreiteten Angst, Schrecken, Tod und Zerstörung. »Die Rittergesellschaft war eine ganz brutale Männergesellschaft, die alles umgebracht hat, was nicht auf ihrer Seite war«, sagte der ehemalige Nato-General Klaus Reinhardt. Raubritter, ungehobelte Haudegen, auf der Suche nach Abenteuern, Macht, Ehre und Beute überfielen Dörfer, raubten die Bauern aus, schändeten die Frauen, zerstörten deren Hab und Gut und ihre Ernten.
Nach den Raubritter kamen die Kreuzritter, die mit unsäglicher Brutalität über die Länder fegten. ›Wer Räuber war, kann Ritter werden‹, rief Papst Urban 1095 Scharen roher Gesellen zum 1. Kreuzzug; mit seinem Segen, dem Ruf ›Gott will es‹ und dem Versprechen, dass jene die zu Tode kämen, direkt im Paradies landen würden. Man könnte sehr gut die Parallele zwischen einem Kreuzritter und einem Dschihadisten ziehen. Viele Berichte und Chroniken weisen darauf hin, dass die Ritter gegen die ›Ungläubigen‹ gezogen sind und auch überzeugt waren, dass das massenhafte Töten eine verdienstvolle, gottgefällige Aufgabe sei, so die Meinung des Kirchenhistorikers Thomas Prügl. Dschihadisten machen genau das, was das kriegssüchtige, militaristische Patriarchat ihnen seit seinen Anfängen vorgemacht hat: Sie verbreiten Hass, Krieg, Tod und unendliches Leid.
Die pure Lust an Gewalt und Mord wird jedoch von vielen Historikern als Heldentum geschönt. Sie schwärmen von der Schönheit des Kriegers, von maskulinen Körpern, zunehmendem Prestige und Selbstbewusstsein der Männer. (The Warrior’s Beauty: The Masculine Body and Self-Identity in Bronze-Age Europe – Journal of European Archaeology, 1995, Volume 3, Issue 1)
Mit solchem Müll werden unsere Kinder schon in der Schule gefüttert. Kriegerisches Heldentum wird hochgejubelt. Der Krieg mit all seinen Verbrechen, dem Morden, Vergewaltigen und Zerstören wird als ›Mannhaftigkeit‹, als Heldentum für Gott und Vaterland verherrlicht und sakralisiert; Waffen werden von Priestern gesegnet.
In patriarchalen Familien zu kurz gekommene Kinder lassen sich für die Terrororganisationen anwerben, wo sie zu Helden oder gefeierten Märtyrern werden können. Terror beginnt in Familien in denen die Diktatur anmaßender, grausamer Väter herrscht. Mütter wurden vom Patriarchat seelisch zerstört, unterwürfig und gefügig gemacht und zum Schweigen verurteilt. Es liegt aber eindeutig auch an der Politik. Die patriarchalen PolitikerInnen sind an der Heroisierung der Vergangenheit interessiert; die dunkle Seite der Geschichte soll so gut wie möglich im Verborgenen bleiben. Besonderen ›Ruhm und Ehre‹ zu erlangen, der Wunsch setzt sich bis heute fort im ›Raubtierkapitalismus‹, der skrupellosen Korruption, der Ausbeutung und Versklavung absichtlich arm gehaltener Menschen.

›Es ist ein großes Missverständnis, davon auszugehen, dass Kriegsführung ein Teil der menschlichen Natur ist. Umfangreiche Kämpfe und die Errichtung von Befestigungsanlagen gehörten tatsächlich zum Leben der meisten unserer direkten Vorfahren, von der Bronzezeit bis heute. In der Altsteinzeit und in der Jungsteinzeit war dies jedoch nicht der Fall. (Marija Gimbutas ›Die Sprache der Göttin‹ 1995)

Kriegspolitik – für Gott und Vaterland?

›Der Krieg ist eine Fehlentwicklung der männlich-menschlichen Kultur‹
(Carola Meier-Seethaler)

Das Patriarchat setzt seine Ideologie mit Drohung, Einschüchterung und roher Gewalt durch. Hinzu kommt das raffinierte Instrument der Erfindung patriarchaler Götter, mit deren Hilfe die Ideologie durchgesetzt wurde. Beide Wege zum Erfolg des Patriarchats, zur Durchsetzung patriarchaler Macht sind in der Bibel, dem Geschichts- und Legendenbuch der Entstehung des Patriarchats immer wieder drastisch dargestellt.
Politik und Religion tun sich seit den Überfällen und Eroberungen der patriarchalen Indo-Europäer und der sie begleitenden arischen Priesterkaste zusammen und verwandeln die Welt in ein Schlachthaus. Mit der Parole ›für Gott und Vaterland‹ wurde die Religion zum Werkzeug der patriarchalen Politiker. Die Tatsachen effektiv zur Kenntnis zu nehmen, würde bedeuten, die eigene Verteidigungs- bzw, Kriegspolitik, die gigantischen Kriegsbudgets unter die Lupe zu nehmen und die eigene Waffenproduktion und -Ausfuhr neu zu überdenken.

›Wer den Frieden will, muss den Krieg vorbereiten‹
(lautet ein zynisches lateinisches Sprichwort)

Wer jedoch den Krieg vorbereitet, sich aufrüstet mit immer mörderischeren Waffen, will den Krieg auch führen und die Waffen einsetzen/ausprobieren, damit ›spielen‹, als wären es Computergames. Dazu baut man ein Bedrohungsszenario auf durch ›Feinde‹, andere Ethnien, andere Religionen, usw. und heizt die Stimmung auf, funktioniert ganz prima, oder wolltet ihr den totalen Krieg vielleicht nicht?

Wer hat ein Interesse daran, dass nicht ans Licht kommt, dass es Krieg eben nicht ›schon immer‹ gegeben hat, dass Kriege nicht ein notwendiges Übel und nicht Schicksal sind? Warum schlug diese Entdeckung nicht wie ein Blitz ein, warum wurde sie nicht einmal zur Kenntnis genommen?! Wieviel Einfluss haben skrupellose Politiker, Waffenlobbyisten, Waffenhersteller, Waffenschieber und Kriegsgewinnler auf die Propaganda, die Medien und die Politik?

Das Waffengeschäft – im wörtlichen Sinn, ein Bombengeschäft – bringt neben dem Drogen- und dem Menschenhandel die höchsten Profite und gehört zu den einträglichsten Geschäftssegmenten des organisierten Verbrechens in den Händen der Führungseliten und superreichen Familien.

Wie die Kriege der Regierungen der USA u.a. gegen den Irak, von Assad gegen die syrische Bevölkerung, der israelischen Regierung gegen die Bevölkerung im Gazastreifen zeigen, setzt sich die Katastrophe effektiv bis heute in diesem Gebiet fort. Alle reden vom Frieden – besonders die Politiker – und alle sind an der Kriegstreiberei interessiert, beteiligen sich daran und profitieren davon. Israel hat sich einen riesigen Markt für ihre Kriegswaffen dadurch erobert, dass sie diese als im Krieg gegen Palästina ›getestet und für gut befunden‹ verkaufen kann.

Es geht patriarchalen Politikern nicht um das Wohl des Volkes; sie wollen gar keinen Frieden; denn mit Kriegen machen sie ihren Profit. Es geht ihnen um Macht! Macht und Gewinne, um riesige Summen. Deutschland ist der drittgrößte Waffenhersteller und -Exporteur der Welt! Es mutet doch etwas heuchlerisch an, wenn Frau Merkel beim Aufmarsch der russischen Truppen auf der Halbinsel Krim, an die Adresse Putins die Mahnung abgibt, man sollte doch heute Krisen nicht mit Waffen, sondern mit Diplomatie bewältigen. Wozu dann die Waffenlieferungen Deutschlands z.B. nach Mexiko und Saudi Arabien? Waffen töten, Frau Merkel und ›Du sollst nicht töten‹ ist eines der 10 Gebote. Haben Sie, die Pfarrerstochter, und alle deutschen Politiker, die sich ›christlich‹ nennen, das vergessen?

Einen unerhörten Skandal enthüllte Arnd Henze vom WDR, ARD-Hauptstadtstudio am 30.9.2013: ›Deutschland lieferte noch 2011 an Syrien‹: »Deutsche Firmen haben in weit größerem Umfang als bisher bekannt Chemikalien an Syrien geliefert, die auch für die Herstellung von Chemiewaffen nutzbar sind. Nach einer Aufstellung aus dem Bundeswirtschaftsministerium wurden noch im ersten Halbjahr 2011 Ausfuhrgenehmigungen für Substanzen erteilt, die sowohl zivile als auch militärische Verwendung finden können. Zu diesem Zeitpunkt ging das Assad-Regime bereits mit großer Gewalt gegen Demonstranten in Syrien vor. Darüber hinaus war bekannt, dass Syrien ein aktives Chemiewaffen-Programm betrieb und der UN-Chemiewaffenkonvention nicht beigetreten war. Insgesamt belaufen sich die Ausfuhrgenehmigungen zwischen 1998 und 2011 auf rund 350 Tonnen an chemischen Substanzen, die nach der ›Dual Use‹-Verordnung der Europäischen Union besonders genehmigungspflichtig sind.« (Der ganze Artikel auf: http://www.tagesschau.de/inland/chemikaliensyrien102.html)
Die Fortsetzung des einträglichen Geschäftes: ›Senfgas aus Syrien‹, titelt die NZZ am 3.7.2014 den Bericht über die Entsorgung von 460 Tonnen chemischer Kampfstoffe, beziehungsweise die Ausgangsstoffe zur Herstellung von chemischen Kampfstoffen, die im Juli 2014 Syrien verlassen, um unschädlich gemacht zu werden.
›Dabei handelt es sich nur um die letzte Ladung, die nach Angaben der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) etwa acht Prozent der deklarierten Bestände entsprach. Die übrigen 92 Prozent der Chemiewaffen aus Syrien waren bereits in den vergangenen Monaten verschifft worden.‹
»Wir leisten einen wesentlichen Beitrag, dass Waffen zerstört werden können, die unendliches Leid über das syrische Volk gebracht haben“, sagt Jörg Mascow, der Kapitän des deutschen Bundeswehrschiffes ›Augsburg‹ mit 100 Soldatinnen und Soldaten Besatzung, die zum Schutz des Vernichtungseinsatzes die Aktion begleiten. (Bild vom 13.7.2014)
Nun soll Gift-Müll auch in Deutschland entsorgt werden. Wussten die skrupellosen Lieferanten und jene, die den Export bewilligten nichts von der Gefährlichkeit ihrer Ware in das höllische Kriegsgebiet? Profitgier kennt keine Scham und hat kein Gewissen! Die Gier frisst den Verstand und die Menschlichkeit auf und macht Männer zu Drecksäcken, die bereit sind an den unmenschlichsten Kriegsverbrechern teilzuhaben. Jetzt verdienen sich die Kriegsgewinnler bei der Entsorgung der Giftstoffe nochmals eine goldene Nase! (s. auch den Doku-Film ›Chemiewaffen – Europas Geschäft mit dem Tod‹) Unsere Regierenden, die Hand bieten zu diesen Geschäften stinken nach dem Leichengeruch von Tausenden von Ermordeten.

Ein Ende der patriarchalen Diktaturen ist nicht abzusehen, weil die  ver-herr-lichten Gewaltherrscher versprechen, die Träume der Männer nach Reichtum, Ehre und Ruhm zu erfüllen.


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