Wer war ECHNATON?

Eine etwas andere Sicht auf den weltberühmten ›ersten Monotheisten‹

Aus dem Inhalt:

War Echnaton gar kein Ägypter und seine Muttersprache auch nicht ägyptisch,
sondern akkadisch oder horitisch/hurritisch?
Gibt es Hinweise für eine indoeuropäisch/arische Herkunft?
War er ein ›falscher Prophet‹, wie Nicolas Reeves ihn nennt?
War er ein vergeistigter ›Gottsucher‹, ein größenwahnsinniger Machtmensch, ein narzisstischer Egomane oder nur ein einst ungeliebtes Kind, das als Sohn von (s)einem Vater geliebt sein wollte?
War er ein Kinderschänder? Ein inzestuöser Vater, der am Tod einer seiner Töchter schuld war?
War Echnaton ein hartherziger Ausbeuter der Arbeiter von Amarna?
Wurde Echnaton gehasst und verfolgt, weil er nicht nur die Priester in Karnak, die dortigen Götter, sondern auch die verehrten und geliebten Göttinnen eliminierte?
Wurde so auch die indoeuropäische Mutter-Göttin ›Mut‹ durch Echnatons Hass aus dem Weg geräumt?
Warum verschwand Nofretete, die Mutter von 6 Töchtern, während dem 14. Regierungsjahr?
Wurde sie zu prominent, forderte sie eine Muttergöttin neben dem Vatergott?
Wurde sie vom Hof verbannt oder starb die noch sehr junge Frau, wurde sie ermordet und wenn ja, von wem?
Wurde Echnaton gehasst und verfolgt und musste er nach seiner 17 Jahre dauernden Herrschaft mit den 50’000 Bewohnern Amarna fluchtartig verlassen?
Waren die 50’000 flüchtenden Bewohner Amarnas Teil des Exodus ?
War Echnaton identisch mit Aaron, dem Bruder von Moses?
War er, der sich als Sohn des Vatergottes Aton ausgab, der religiöse Begleiter des Exodus?
Hat der Sonnenhymnus Echnatons Eingang in die Psalmen gefunden?
Wurde Echnatons Sonnengott Aton zum Adôn, dem Herrn der Bibel?

Vorwort: Es geht hier nicht darum, der riesigen Zahl von Arbeiten zu Echnaton eine Variante mit kleinen Änderungen beizufügen, sondern eine These zu entwickeln, die so noch nicht gedacht wurde. Ich werde deshalb aus dem was bereits über Echnaton geschrieben wurde, meine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

Echnaton ist eine geheimnisvolle Figur, schon seine Herkunft bleibt seltsam dunkel und befremdend. Und noch befremdender ist die Idealisierung Echnatons durch die patriarchale Wissenschaft als erstem Monotheisten‹, bzw. seine Erfindung eines henotheistischen, höchsten und allen anderen Göttern überlegenen Gottes. (Der Henotheismus schließt im Unterschied zum Monotheismus der abrahamitischen Religionen die Verehrung anderer untergeordneter Götter nicht prinzipiell aus. Wikipedia ›Henotheismus‹, s. auch ›Monolaterie‹).

Die familiäre Herkunft

Echnatons Vater war Amenhotep/Amenophis III. (er regierte etwa von 1388 – 1350), der Name seiner Mutter war Teje. Echnatons Herkunft ist allerdings nicht gesichert. Echnaton (Amenophis IV.) wird nie als Sohn von Amenophis III. aufgeführt. »Sein Name ist auf den vielen Inschriften Amenophis III. nie erwähnt, obwohl man dies für einen [möglichen] Erbprinzen erwarten würde. Er und sein Vater sind auf den Flachreliefs nie zusammen dargestellt.« (Immanuel Velikovsky ›Oedipus and Akhnaton – Myth and History‹ 1960 S. 51 f.) Dies wird von einem seiner ›Biographen‹, Arthur Weigall, bestätigt: »Wir haben keinen Beweis für das Vorhandensein Echnatons bis in die späteren Jahre der Regierungszeit (Amenophis III.), als seine Heirat mit Taduchipa (Taduhepa) Nofretete von Mitanni vereinbart wurde. Auf den Kolossen von Medinet Habu erschienen drei Töchter der Tiy (Teje), aber noch immer kein Sohn.« (Arthur Weigall ›Echnaton – König von Ägypten und seine Zeit‹ 1923, S. VIII) Anderseits erwähnte Echnaton auch seinen Vater Amenophis III. auf keinem seiner Monumente.

Die Beziehungen der 18. Dynastie Ägyptens zu den Indo-Europäern/Ariern im Norden Syriens

»Den Ariern Kleinasiens gelang es Ende des 16. Jahrhunderts eine eigenes starkes Reich im Osten Kleinasiens zu gründen, welches sie Mitanni nannten. Alle Könige dieses Reiches trugen arische Thronnamen. Sie waren mit den Arier Dynastien Syriens und Palästinas ethnisch und kulturell eng verbunden. (Jahanshah Derakhshani ›Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends« 1999, S. 172) Der Gründer der königlichen Dynastie von Mitanni, Kirta, hatte einen indo-arischen Namen, viele Namen der Mitanni-Könige hatten zu tun mit Pferden und Streitwagen. (W.F. Albright) Auch der Name von Echnatons Zweitfrau Kija ist lt. Derakhshani arisch.

Arier-mit-Pferd-und-Streitwagen

»Arische Tributbringer mit Pferd und Streitwagen 15. Jh.« (Derakhshani 1999, S. 178, Abb. 26)

Die 18. Dynastie Ägyptens dauerte rund 250 Jahre von 1550 bis 1300. Die Pharaonen dieser Zeit pflegten auffallend enge Beziehungen zu den indoarischen Herrschern im Norden Syriens, dem Reich der Mitanni-Hurriter. Sie waren wahrscheinlich nicht nur durch die Heirat mit den Töchtern der arischen Mitanni-Herrscher eng mit ihnen verwandt, sondern waren selbst Prinzen aus Mitanni. »Die Könige von Mitanni (16. bis 13. Jahrhundert) tragen ausschließlich arische Namen. Die Namen der Fürsten Syriens und Palästinas der Amarna-Periode (15. bis 14. Jahrhundert) sind zum größten Teil arisch.« (Derakhshani ibd.  1999, S. 152)
In seinem 10. Regierungsjahr zu Beginn des 14. Jahrhunderts schickte Suttarna II. von Mitanni eine seiner Töchter, Kelu-Hepat, in den Harem von Amenophis III. Diese traf als erste mit einem Gefolge von 317 Frauen in Ägypten ein. Ihr folgte Prinzessin Tadu-Hepat, die ebenfalls nach Ägypten verkuppelt wurde. Es wird vermutet, dass es sich bei Kelu-Hepat um Nofretete handelte; beide Frauen wurden nach der indoarisch-hethitisch-hurritischen Sonnengöttin Hepat benannt. Nofretetes Name wird übersetzt mit ›die Schöne ist gekommen‹. Schon Flinders Petrie vermutete, sie sei eine der mitannischen Prinzessinnen indoarisch-hethitisch-hurritischer Herkunft. (Dossier d’Archéologie 160, Mai 1991) Dietrich Wildung setzt dagegen, die DNS-Analyse habe ergeben, dass Nofretete eine Cousine Echnatons war und vermutlich 1371 vor Christus geboren wurde. Doch dieser Befund könnte die Herkunft der Beiden aus Mitanni eher bestätigen als widerlegen.
»Die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Mitanni und Ägypten manifestieren sich u.a. auch darin, dass Suttarna auf die Nachricht von einer Krankheit des Pharaos hin diesem das heilkräftige Standbild der Göttin Ishtar«, hurritisch Sawuska (Schawuschka) aus dem hurritisch-mitannischen Ninive nach Ägypten schickte (Gernot Wilhelm ›Grundzüge der Geschichte und Kultur der Hurriter‹ 1982. S. 40).
Ein nicht zu unterschätzender Vorgang, der verschiedene interessante Komponenten hat. Es zeigt die engen Beziehungen zu den Mitanni; man hält eine ›fremde Göttin, aus einem fremden Land‹ für die Heilungschancen des Herrschers als hilfreicher – wahrscheinlich aber eher als vertrauter – als eine der ägyptischen Göttinnen oder Götter, denen man ebenfalls magische Heilkraft zuschrieb.

»Wir treffen nahezu überall auf indoeuropäische Dynastien, die über einzelne Fremdvölker herrschen, wie die arischen Mitanni-Herrscher.«
(Jean Haudry ›Die Indo-Europäer‹ 1986, S. 160)

Mitanni-Karte2

Das zu Syrien gehörende Reich der Mitanni »hatte eine hurritsch-sprachige Bevölkerungskomponente, der vor allem die Oberschicht einschließlich der Herrscher angehörte.« (Gernot Wilhelm ›Grundzüge der Geschichte und Kultur der Hurriter‹)

»Die Mitanni-Sprache und Hurritisch sind miteinander identisch.« (Albrecht Götze ›Hethiter, Churriter, Assyrer‹)

»Der Hurritologe Igor Diakonoff von der Akademie der Wissenschaften in Leningrad meint, heute noch existierende nordostkaukasische Sprachen zeigten verwandte Züge mit der Sprachgruppe« des Urartäischen. (Gernot Wilhelm ›Die Hurriter‹ bild der wissenschaft 1-1979)

Echnatons Königsname und Titulatur sind ägyptisch

Doch: Es war der Ägyptologe E.A. Wallis Budge, der auf der größten und am deutlichsten geschriebenen Keilschrifttafel der Amarna-Briefe den Adressaten Amenophis III., den Vater Echnatons, als Nibmu-Ariya, einer eindeutigen Bezeichnung für ›Arier‹, entzifferte (s. Nicholas Reeves ›Echnaton – Ägyptens falscher Prophet‹ 2002, S. 73). Echnaton selbst wird in den an ihn adressierten Briefen ebenfalls mit arischen Namen angeschrieben, mit Nibmu-Ariya, Nap-Hurria oder Nap-Haria. Dies scheint auch so bei den indo-europäischen Hethiter-Königen gehandhabt zu werden. »Ihre Namen folgen zwar der einheimischen Herrschertradition, doch dies sind nur Thron-Namen, die sie bei Regierungsantritt annahmen. Ihre persönlichen Namen waren dagegen hurritisch. Vermutungen gehen deshalb dahin, dass die Königs-Dynastie des hethitischen Großreichs hurritischer Herkunft war.« (Gernot Wilhelm ›Die Hurriter‹ bild der wissenschaft 1–1979, S. 77) Erstaunlicherweise, oder wahrscheinlich eher, um Echnatons arisch-hurritisch/horitische Herkunft zu verschleiern, »ziehen es  die Ägyptologen jedoch vor, die hieroglyphischen Namensfassungen in der ihnen üblichen Aussprache als ›Nebmaatre‹ und ›Nefercheprure‹ wiederzugeben.« (David Rohl ›Pharaonen und Propheten‹ – Das Alte Testament auf dem Prüfstand‹ 1996, S. 193)

Amarna-BriefAbbildung: Sogenannter Amarna-Brief. Tontafel der Amarna-Korrespondenz um 1350, vom Jerusalemer Kleinfürsten Abdi-Hepat an den ägyptischen Pharao.

Jerichos arischer Name war Ari-ha. Die Häufigkeit der männlichen Vornamens ›Ari‹ und ›Uri‹ in Israel ist auffallend. Das ist kein Zufall.

William Foxwell Albright, US-amerikanischer Archäologe und Philologe altorientalischer Sprachen betont, die Analyse von Personen- und Ortsnamen sei ein wichtiges Mittel zur Identifizierung verschiedener ethnischer Elemente. (›The Cambridge Ancient History I‹ 1970, I, S. 128)

Hepat, die Große Göttin des mächtigen indoarischen Volkes der Horiter wird schon in den Pyramidentexten des Pepi I im Alten Reich erwähnt.

Die Göttin Hepat bezeugt, dass die Indo-Europäer/Arier zwar die Erfinder der ersten männlichen Götter waren, doch war die wichtigste Gottheit, Hepat, weiblich, d.h. die Indo-Europäer waren  eindeutig nicht ›schon-immer‹ patriarchal.

 War Echnaton ein indoarischer Mitanni-Prinz?

Die beinahe 400 auf Ton geschriebenen Amarna-Briefe enthalten die Korrespondenz mit den Herrschern der damals mächtigsten Staaten, wie dem Reich der Hethiter in Anatolien, des südlich davon gelegenen Mitanni und des Baylonischen Reiches in Mesopotamien. Auffallend aber ist, dass die meisten der Briefe von den Herrschern der kanaanäischen Stadtstaaten stammen, die zu jener Zeit ägyptische Vasallen waren. Die Korrespondenz war größtenteils in Akkadisch geschrieben. Es handelte sich um Mitanni-Akkadisch die zeitweise die Sprache der internationalen Korrespondenz in Vorderasien war. Dass dies die ›Lingua Franca‹ jener Zeit gewesen sei, ist für diese Briefe eine zu dünne Erklärung; schon die Etikette würde verlangen, dass der Herrscher eines Landes, insbesondere von seinen Vasallen, in seiner eigenen Sprache angesprochen wird. Die Amarna Briefe verraten seine indoarische Herkunft als Mitanni-Hurriter (Horiter/Churriter) und seine Sprache als Mitanni-Akkadisch. Der britische Assyriologe Henry W. F. Saggs erklärte:

»Die Könige von Mitanni trugen keine churritischen, sondern indoeuropäische Namen, gleichzeitig wurden auch alte indische Götter [indoarische Naturgötter, Derakhshani] wie Mithra, Varuna und Indra verehrt. Dies alles verweist auf die Präsenz einer arischen Kriegerkaste, die über eine  größtenteils nichtarische Bevölkerung herrschte.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988,  S. 117)

Echnaton war nicht der Schöpfer des Sonnengottes, aber er überhöhte ihn schwärmerisch, nannte sich seinen ›einzigen Sohn‹

Re oder Ra als Sonnengott mit der Sonnenscheibe

Re oder Ra als Sonnengott mit der Sonnenscheibe

Die indoeuropäischen Eroberer aus dem kalten Norden waren Sonnenanbeter, sie erfanden verständlicherweise einen Sonnenkult mit weiblichen und männlichen Sonnengottheiten, die sie bei ihren Eroberungen mit in die südlicheren Länder brachten. In den tropischen und subtropischen Zonen, wo die erbarmungslose Glut der Sonne lebensgefährlich sein kann, war es eine Mond- und Sternengöttin, die Schönheit und die Kühle der Nacht, die aus ebenso einsichtigen Gründen verehrt wurde.
Erst Echnaton machte den nordischen Sonnengott zum Vatergott zu einem henotheistischen, höchsten und allen anderen Göttern überlegenen Gott. Wie schon Echnatons Vater Ame­nophis III. und sein Großvater Thutmosis IV. förderte Echnaton den zweifellos indoeuropäischen Sonnenkult aus dem Norden, aber er hat ihn nicht erfunden. »Re (auch Ra), ist der altägyptische Sonnengott. Das heißt, die Sonne selbst ist der Gott und nicht ein göttliches Wesen, das die Sonne erschuf.« (Wikipedia) Und ab der 4. Dynastie bezeichnet sich der König als ›Sohn des Re‹, als ›Sohn Gottes‹. Auffallend ist, wie inbrünstig Aton von Echnaton angebetet wird. Immer wieder beschwört er ihn als ›seinen Vater Aton‹, sich selbst als ›seinen einzigen Sohn‹. Ist die Nähe zum christlichen Glauben mit dem Vatergott und Jesus als seinem einzigen Sohn nicht erstaunlich?

Auf einer Felsinschrift in Amarna ist festgehalten: ›Es war Aton, mein Vater, der mich herführte‹, oder ›Ich baue den Tempel für Aton, meinen Vater in Achet-Aton‹. Aton ist kein ägyptischer Name, sondern die indoeuropäische Bezeichnung für Vater. Wir kennen At, Ata, Ati, Aton, Atum, den hurritischen Attai und den urartäischen Ate, Atatürk, den Vater der Türken, aber auch den mittelhochdeutschen Atte, den althochdeutschen Atto, den schweizerdeutschen ›Ätti‹; sie gehören alle zum indoeuropäischen Sprachgut.

Echnaton mit Familie unter der Aton-Sonne

Echnaton mit Familie unter der Aton-Sonne

Es muss mit der Kindheits-Biographie Echnatons zusammenhängen, wahrscheinlich mit Verletzungen und Traumata, dass er seinen biologischen Vater durch einen phantasierten, überirdischen, allmächtigen göttlichen Vater, einen zugewandten, idealen Traumvater voller Liebe und Güte ersetzte und ihn grandios überhöhte, mit dem er sich alle seine Kinderwünsche und Sehnsüchte nach dem ›guten‹ Vater erfüllte. Wie alle Götter war auch Aton ein Phantom infantiler Projektionen. Diesem überdimensionalen Vater-Gott-Wesen konnte er alle jene positiven Attribute zuschreiben, die sein eigener offenbar nicht hatte. Es scheint, dass Priester, die sich einer Vatergott-Religion verschreiben, im Allgemeinen ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater haben. Echnaton phantasierte sich als des göttlichen Vaters Aton – zu dem nur er Zugang hatte – bevorzugten Sohn, als der von ihm ›Auserwählte‹. Wie Echnaton reklamierte dann auch Moses ›Auserwähltsein‹ für sich und ›sein‹ Volk, später auch Jesus und alle seine Nachfolger, die fest davon überzeugt sind, von Gott persönlich auserwählt und ›berufen‹ worden zu sein.
Eine Parallele Echnatons zum heutigen Priesteramt, ja, sogar zum Papsttum ist: Wie die Päpste sich als ›Stellvertreter Christi‹ sehen, sah sich schon Echnaton »nicht nur in der Rolle eines Gottessohnes, sondern als ausschließlichen Mittler, ja geradezu als Spender des Lebens für die Menschen und als Stellvertreter für den fernen Gott. Kein Pharao vor oder nach ihm hat Ähnliches von sich gelehrt.« (Emma Brunner-Traut und Hellmut Brunner, ›Osiris Kreuz und Halbmond‹ 1984. S. 82) Immer wieder begegnen wir bei überspannt narzisstischen Männern der Behauptung, Männer und männliche Götter könnten Kinder gebären: Echnaton ist Gottes Sohn: ›der aus deinem Leibe kam‹, heisst es im Hymnus an die Sonne.

»Der Gott von Echnatons ›Religion‹ ist Echnaton selbst.« (J. P. Allen)
»Die Aton-Religion war in Wahrheit nichts anderes als ein pragmatisches Element der politischen Kontrolle.« (Nicholas Reeves)

Echnaton ein inzestuöser Kinderschänder

Es ist auffallend, sexuelle Gewalt ist eine Tragödie, die ohne Zweifel mit den patriarchalen Indo-Europäern, den patriarchalen Religionen und ihren patriarchalen Göttern in die Welt gekommen ist. Inzest war offenbar auch für Echnaton eine Selbstverständlichkeit. Die Entmachtung und Entwertung der Mütter im Patriarchat führte zum Machtmissbrauch der Väter. Die heutige, geradezu epidemische sexuelle Gewalt gegen Kinder, vor allem von Priestern, in religiösen Sekten und Familien ist eine Folge der gestrigen Machtüberschreitungen der Väter. Für patriarchale Väter sind Kinder ihr Besitz über den sie ganz selbstverständlich verfügen können wie über Sklaven.
Der inzestuös-pädokriminelle Vater – der »große Mystiker« (Bonnet), ein »Prophet wie Je­sus« (Breasted), »mit dem das Sin­gen der Vögel, die Stimmen der Kinder und der Duft der Blumen kommt« (Weigall), »das Genie«, »der Welt erster Idealist« (Weigall), »der fleischgewordene Gott« (Aldred) – schwän­gerte seine eigenen Töch­ter. Die älteste Toch­ter Meryt-Aton gebar ihm ein Mädchen, die neunjährige Maket-Aton be­zahlte den Frevel ihres Vaters mit dem Leben und die dritte Tocher, Anche­senpa-Aton, brachte ei­nen Jungen zur Welt. (s. ›Sexuell missbrauchte Töchter‹ im Buch 2009, S. 239-245,  Abb. S. 240)

Echnatons TrauerNofretete und Echnaton bei der Trauerzeremonie ihrer neunjährigen Tochter,
die bei der Geburt des vom eigenen Vater gezeugten Kindes starb.

Immerhin verminderte »die Entdeckung dieser Tatsache den Beifallschor, den man in wis­sen­schaftli­chen Kreisen, Laien- und religiösen Zirkeln hörte, wann immer der Name des Reformers und Mo­nothei­sten ausge­sprochen wurde.« (Immanuel Velikovsky ›Oedipus and Akhnaton‹ 1960, S. 109) Dazu schreibt Peter H. Schulze: »So groß war die ehrliche Entrüstung mancher Ägypto­logen über diese of­fensichtliche Verkom­menheit der Pha­raonen, dass sie derartige Texte oder Hinweise dar­auf tunlichst in Fachzeitschriften versteck­ten, die nur wenige Kol­le­gen lasen, die ohnehin Bescheid wussten.« (›Frauen im Alten Ägypten‹ 1988, S. 181)

Damit blieben die Ägyptologinnen und Ägyptologen mit dem unrühmlichen Ge­heimnis un­ter sich, und man konnte vor der Welt die Propa­ganda von der heilen, sittlich-moralisch hochstehenden Welt der verHERRlichten Pharao­nen perpetuieren.

Die Frage ist berechtigt, ob die Aton-Religion der Ursprung aller drei patriarchalen Vaterreligionen war? Und ob die monotheistischen Weltreligionen, – die »ein ungeheures Gewaltpotenzial entbunden haben« (Jan Assmann) –, einst von einem Sohn aus Frustration, Enttäuschung, aus Wut, Hass und Rache auf seinen irdischen patriarchalen Vater geschaffen wurden?
Echnaton-geschlechtslosOft werden Kinder, die macht- und hilflose Opfer der Willkür, Härte, Lieblosigkeit, dem körperlichen und seelischen Missbrauch und der Vernachlässigung ausgeliefert waren, als Erwachsene zu Tätern, zu Machtmenschen, zu narzisstischen, größenwahnsinnigen Psychopathen und/oder zu religiösen Eiferern, Fanatikern, Propheten und Hasspredigern. Das dürfte bei Echnaton, wie bei so vielen politischen und religiösen Führern, der Fall gewesen sein. »Die Wut, mit der Echnaton die alten Götter, vor allem die von Theben, verfolgt hat, sucht ihresgleichen in der Geschichte des Fanatismus.« (Adolf Erman ›Die Religion der Ägypter‹ 1984, S. 298) Der Fanatismus ist vergleichbar mit den barbarischen Zerstörungen der bärtigen IS-Islamisten in Syrien und im Irak!

(Links: Echnaton Museum Kairo)
Aber auch Hass auf die Mutter muss eine Rolle gespielt haben. Echnaton versetzte der Muttergöttin ›Mut‹ den Todesstoß. Nicht nur der Name des Gottes Amun/Amen musste ausgemerzt werden: »schlimmer war es, dass auch die Göttin Mut, die Gemahlin des Amon, verpönt war, denn das Unglück wollte ja, dass ihr Name ge­nau so geschrieben wurde, wie das gewöhn­liche [indoeuropäische!] Wort für  Mutter. Da blieb nichts anderes übrig, als dass wer seinen Hass gegen die Göttin von Theben beweisen wollte, das Wort ›Mutter‹ von jetzt ab in anderer Weise schrieb.« (Erman ibd.) Echnaton übernahm von der aus dem Weg geräumten Muttergöttin die weibliche Schöpfungskraft. Seine nackten, gechlechtslosen Statuen, denen der Penis fehlt, die weiblichen Hüften, die angedeuteten weiblichen Brüste und der dezent schwangere Bauch machen es deutlich: Echnaton, dieser neurotische Narziss, eignete sich weibliche Schöpfungsmächtigkeit an; er will schwanger, Spender des Lebens, will Frau, selbst Mutter und Gebärer sein.

›Als Ursprung der Macht begriff man ehemals die Geburt‹ (Roberto Zapperi)

Amarna und das plötzliche Ende einer Stadt

Im 5./6. Jahr seiner Regierung baute sich Echnaton fernab von der Stätte der Amun-Verehrung und der mächtigen und reichen Priesterschaft in Theben seine eigene Stadt, Achet-Aton, wo 50’000 Menschen gelebt haben. In Amarna machten sich Echnaton und seine Frau Nofretete zum Zentrum der Anbetung. Im 17. Regierungsjahr Echnatons soll er im Jahr 1334 nicht einmal 40 jährig gestorben sein. Sein Tod soll der Grund für das schlagartige Ende von Amarna gewesen sein, worauf die Stadt plötzlich und vollständig verlassen wurde; so wird es uns jedenfalls übermittelt. Jedoch ist Echnatons Tod eine unbewiesene Annahme, er verschwand einfach. Auch Nofretete, die nordische Schönheit aus Mitanni – die ›Königin von edler Blässe‹ – entschwand auf mysteriöse Weise, ihre Mumie wurde nie gefunden, konnte nie zweifelsfrei identifiziert werden.

War das Verlassen Amarnas eine Flucht?

Ohne Zweifel wurde Echnaton aufgrund seiner radikalen Entmachtung und Enteignung der übermächtigen Priesterschaft von Karnak, wegen seinem harten Vorgehen gegen die Amun-Religion, der Absetzung der während mehr als tausend Jahren verehrten Göttinnen und Götter und der barbarischen Schändung der religiösen Monumente gehasst und verfolgt. Es gibt keinen andern Grund dafür, warum die Stadt derart überstürzt verlassen werden musste; vor allem nicht für die Sage vom Tod Echnatons und Nofretetes. Interessant ist, dass Toby Wilkinson, der rührige Vielschreiber, der ausführlich über Amarna berichtete, das Ende der Stadt nicht kommentierte; interessant ist, was er hier nicht schreibt. Er erwähnte lediglich das Ende der Königslinie der Thutmosiden und den Tod von Tutanchamun. Tuts trauernde Witwe schrieb einen Brief an den hethitischen König, den Wilkinson völlig unrealistisch damit begründete, dass sie »das schreckliche Schicksal, das der Hof für sie bereit hielt, kannte«. (Wilkinson ›Aufstieg und Fall des Alten Ägypten 2010, S. 378) Der Grund war wohl ein völlig anderer. Sie wollte einen Mann aus ihrer eigenen Herkunftssippe, der Sippe der indoeuropäisch/arischen Thutmosiden. Als ›Königin von Ägypten‹ bat sie um einen der Söhne des indoeuropäischen Hethiter-Königs, den sie zu ihrem Gatten und zum König Ägyptens machen wolle. Sie wollte keinen Ägypter, keinen ihrer ›Diener‹ wie sie diese bezeichnete, heiraten. Die Indo-Europäer betrachteten, wie schon bei der Gründung des dynastischen Königtums, Ägypter als ihre Untertanen. Aber es zeigt auch, dass Thronerbin noch immer die Königin war, die den Mann durch Heirat zum König machte, oder wie Wilkinson es ausdrückt, ihm »gewissermaßen den Schemel zum Thron« anbot.

 Der Exodus

Die große Frage, die bisher niemand gestellt hat: Wohin gingen die ›Auswanderer‹, die Flüchtigen oder Flüchtlinge Amarnas? 50’000 Menschen können nicht einfach so, ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwinden und nirgends wieder auftauchen.
An keinem Ort wird in Ägypten ihr Erscheinen erwähnt, weder trafen sie in einer der Städte ein, noch gibt es Spuren dieser Menschenmassen auf dem Land. Wo sind die 50’000 Menschen geblieben? Blieben sie gar nicht in Ägypten, wanderten sie aus? Moses, der Anführer des Exodus, war ein ›vornehmer‹ Ägypter. Er gehörte zur Herrscherklasse, zu den indoeuropäisch/arischen Herrenmenschen, die seit mehr als 1500 Jahren Ägypten beherrschten. Ausser der Legende, dass er in einem Körbchen auf dem Nil ausgesetzt und von einer Königstochter aufgezogen wurde, wissen wir von seiner Kindheit und Jugend nichts. Sicher dürfte sein, dass Moses am Hofe des Pharao aufgezogen wurde und zur Kaste der Eroberer, Herrscher und Priester gehörte. Es ist ein Charakteristikum der indoeuropäischen Eroberer, dass sie sich immer von einer Priesterkaste begleiten ließen. Diese hatten nicht nur die ersten männlichen Götter erfunden, die sie den matriarchalen Völkern und ihrem Glauben an eine Große Göttin überstülpten und aufzwangen; sie hatten mit ihren Mythen und Märchen auch die grausamen Eroberungen und Unterwerfungen der indigenen Völker als ›Befehl der Götter‹ zu rechtfertigen. Was konnte man schon gegen diese kriegerischen Invasoren machen, die behaupteten, sie hätten Gott auf ihrer Seite? Mit dem gleichen esoterischen Trick eroberten indoeuropäisch/arische Invasoren auch Kanaan und setzten sich als Herrscher über das Jahrtausende alte matriarchale Kulturvolk. Gott habe ihnen das Land versprochen, geschenkt, behaupteten die Priester der indoeuropäisch-arischen Kaste der Leviten (Luwier/Luvians), zu denen die Anführer gehörten. Mit welchen Mitteln das ›Gottesgeschenk‹ erkämpft, welche grausamen Massaker durchgeführt wurden, das ist alles im ›heiligen‹ Buch der patriarchalen Machtnahme, zu einem großen Teil, sogar prahlerisch, dargestellt, die typisch sind für Invasoren und ihre siegreichen Eroberungen.

Es gibt keinen archäologischen Beweis für den Exodus, aber es gibt keinen Zweifel am fluchtartigen Verlassen der Stadt Amarna. Und keine Spur davon, wohin diese Leute geflüchtet sind.

Nochmals stellt sich die Frage: Haben die 50’000 Menschen, die Amarna plötzlich und schlagartig, ohne eine Spur in Ägypten zu hinterlassen etwas mit dem Exodus zu tun? Trafen sie sich in Au-Aris (der Stadt der Arier!) mit den dort als Zwangsarbeiter versklavten Kanaanitern, verließen sie zusammen Ägypten, und war Echnaton ihr religiöser Anführer?

 War Echnaton der Bruder von Moses und mit Aaron identisch?

Die Frage ist nicht etwa verrückter, als das was uns in der Bibel, der ›heiligen‹ Schrift, welche das Propagandabuch der patriarchalen Ideologie ist, erzählt wird! Der biblische Aaron wird erst in 2. Mose 4,14 das erste Mal erwähnt, doch wo war er vorher? (Aar ist eine der Bezeichnungen für Arier.) Von Aar-on, dem älteren Bruder Moses‘, dem Hohepriester und Begleiter auf dem Weg nach Kanaan, wissen wir wenig, bzw. gar nichts. Teilte er das Schicksal eines unbekannten Aufenthaltes in seiner Kindheit und Jugend mit Echnaton? Wurde er von seinem Bruder getrennt und verbrachten die beiden ihre Kindheit in verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sprachen? Wir wissen, dass Moses, als er von Gott den Auftrag zur Befreiung Israels aus Ägypten erhalten haben soll, sich mit den Worten entschuldigte, dass er ›schwer von Mund und schwer von Zunge‹ sei. Was wohl bedeutete, dass die Sprache nicht seine eigene war, die er nicht beherrschte. Der Herr erklärte, dass sein Bruder Aaron, der auf dem Weg war, um mit ihm zusammen zu treffen, gut sprechen könne und sein Redner sein sollte. Woher kam Aar-on? Kam er aus Amarna? War er auf der Flucht und auf dem Weg zu Moses, der im nördlichen Delta Ägyptens Bauarbeiten beaufsichtigte? Interessant ist auch, dass sowohl Echnaton wie später Moses behaupteten, ihr Gott habe zu ihnen gesprochen. Immer sind es ›fromme Männer‹ die behaupten, Gottes Stimme zu hören, Aufträge, Anweisungen, Gebote, Verbote und Gesetze von ›ihm‹ erhalten zu haben. In der Psychiatrie ist dieses Phänomen als Schizophrenie bekannt. Die Gottgläubigen nennen es ›Religion‹. Die Behauptung ist nicht zu übertreffen und nicht zu verifizieren, daran zu zweifeln kann jedoch gefährlich sein.

 War Aar-on ein Arier?

Die Bezeichnungen für Arier, wie wir sie auch für Echnaton aus den Amarna-Briefen kennen, sind zahlreich. Der britische Universalgelehrte Arzt, Sumerologe und Philologe L.A. Waddell (1854 – 1938) studierte Sumerisch und Sanskrit und widmete sich nach 1917 dem ausschließlichen  Studium der Arier. Er schrieb: »Arier sind die Arios, Harios oder Harri Mediens, die Arya und Airya (auch Haraiva) des alten Persien, die Arya Indiens und die Hara der späteren Su­merer (Waddell ›The makers of Civilization in Race and History‹ 1929, S. 6).
In verschiedenen geografischen Gebieten und unterschiedlichen Sprachen und ihren Dialekten heißen Arier auch Ar, Aar, Ara, Ari, Arij, Ariya; aus dem altpersischen Ariya wurde das mittelpersische Eran und der neupersische Iran. Ra ist der arische Sonnengott par excellence, er ist auch Re/Rex, der Königliche, der ›hocherhabene‹, der adelige Vater‹ der Götter. Mit Beginn der 4. Dynastie nennt sich der König in Ägypten ›Sohn des Sonnengottes Ra‹; so wie sich später auch Echnaton als Sohn seines Vater- und Sonnengottes Aton bezeichnete.

Meine Hypothese: Echnaton, der schon in den Amarna Briefen als Arier angesprochen wurde, gab nach seiner Flucht aus Amarna und seinem Zusammentreffen und Bündnis mit seinem Bruder Moses seine königlichen Namen und seine königliche Titulatur, den Thronnamen, den er bei Regierungsantritt angenommen hatte, auf. Adolf Erman schreibt, dass Echnaton schon vorher einmal einen alten Titel, ›der mit den hohen Federn (Gekrönte)‹ ablegte, da diese von den Göttern Min und Amon hergenommen waren. (Erman ibd. S. 116). Als Hoher Priester und als religiöser Anführer des Exodus an der Seite des kriegerischen Moses könnte er dann einfach der Arier, ›Aar‹ (-on ist Endung) genannt worden sein.

 War das Ende von Amarna auch das Ende Atons, des Sonnen- und Lichtgottes?

 Waren die Menschen die aus Amarna flohen Teil der Menschen des Exodus, die, je nach Lesart, aus Ägypten auszogen oder vertrieben und davongejagt wurden? Nahmen sie ihren Gott Aton mit, der dann in Israel als Adôn (Vater, Herr) wieder in Erscheinung tritt, wo der Glaube an einen höchsten Gott Wurzeln schlägt und der wichtigste Bestandteil der Jahwe-Religion wird?
Flinders Petrie wies bereits 1896 auf die Zusammengehörigkeit von Aton und Adôn hin und dass dahinter doch ein gänzlich unägyptischer Einfluss steht, welcher keiner heliopolitanischen Quelle entstammt. Er schreibt, die Sonne, die als Aton verehrt wurde, scheine der Mittelpunkt der erobernden mesopotamischen Rasse und Religion in Heliopolis gewesen zu sein. Damit wird nicht widerlegt, dass der syrische Adôn etwas damit zu tun hatte, sondern weist nur darauf hin, dass die Sonne schon lange vorher als ‹Lord›, Adôn, verehrt wurde. Die alte Aton-Verehrung schließt den Einfluss von Adôn nicht aus, sondern ist dieselbe, bereit zu seinen fremden und unägyptischen Typus zurückzukehren, als eine neue Welle asiatischer Ideen hereinkam (s. Petrie 1896/1991, II, S. 212). Der Gleichklang von Aton und Adôn ist nicht nur eine zufällige und vernachlässigbare Assonanz, doch dies passt nicht ins künstliche Bild, das die Ägyptologen den ›reinrassigen‹ Pharaonen ägyptischer Herkunft verpasst haben. Auch der Sonnengesang Atons scheint im Alten Testament wieder auf; mit ihm hat Psalm 104 eine beachtliche Ähnlichkeit.
»Die Ähnlichkeit des um 1360 v. Chr. in Ägypten entstandenen Hymnus mit dem eventuell aus der nachexilischen Weisheitsschule (5. Jh. v. Chr.) stammenden Psalm 104 scheint sich aufzudrängen. Kann der Leser also von der gleichen Bildsprache auf ein analoges Gottesbild schließen? (https://geraldspitzner.wordpress.com/psalm-104/textvergleich-hymnus-des-echnaton-und-psalm-104/)

Auch Harald Specht ging dieser und vielen weiteren Fragen in diesem Zusammenhang nach. Er schreibt: »Schon im 19. Jahrhundert kam die Vermutung auf, dass der Begriff Jahwe aus dem Ägyptischen stammen könne« und dass auf der Insel Elephantine bei Assuan bis zum Jahr 410 v.Chr. auf dieser kleinen Insel mitten im Nil sogar ein Jahwe-Tempel der jüdischen Militärkolonie existierte… Ein altägyptisches Ortsregister aus der Zeit des Pharaos Amenhotep III. (1402 – 1363) mit dem Hinweis auf ›das Land der Schasu-JHW‹ fand sich im Amontempel von Soleb, einer antiken nubischen Tempelstadt… Ausserdem weist der Bibeltxt wiederholt darauf hin, dass Jahwe seinen Ursprung im Sinai hatte. ›Der Herr kam vom Sinai‹ (5 Mos, Vers 33.2) oder ›da bebte die Erde… vor Gott, dem Herrn vom Sinai, vor Israels Gott‹ (Psalter, 68.8 – 9) heißt es wiederholt in der heiligen Schrift.« (Harald Specht ›Das Erbe des Heidentums – Antike Quellen des christlichen Abendlandes‹ 2014, S. 74 f. passim) Und weiter schreibt Specht: »Unleugbare Textübereinstimmungen zwischen dem Sonnenhymnus König Echnatons und den biblischen Psalmen weisen durchaus auf Gemeinsamkeiten ägyptischer und israelitischer Religion hin. So sind Verse des biblischen Psalms 104 nahezu identisch mit Echnatons Lobgesang auf die Sonnenscheibe. Selbst einzelne Sprachbilder und Motive wie ›Nacht und Finsternis‹, ›Sonnenaufgang‹, ›Vielfalt der Schöpfung‹ oder Aussagen zur Weisheit Gottes oder der Schöpfungsvielfalt wurden mit gleichen Worten und sogar identischer Textabfolge nachweislich von den Verfassern der Heiligen Schrift übernommen.« (Harald Specht ibd. S. 73 f.)

»Im Sinne der ägyptischen Königsideologie versteht sich Echnaton selbst als den irdischen Repräsentanten der Leben-spendenden Gottheit: ›Du erhebst sie (die Geschöpfe) für deinen Sohn, der aus deinem Leibe gekommen ist, den König von Ober- und Unterägypten, der von der Ordnung lebt, Echnaton, und die große königliche Gemahlin Nofretete.« (geraldspitzner ibd.) Echnaton glaubt offenbar an einen gebärenden Gott aus dessen Leib er gekommen sei. (s. ›Von schwangeren Männern und göttlichen Gebärern‹)

 Ein skrupelloser Ausbeuter und Kindersklavenschinder

Echnaton war ein hartherziger Ausbeuter der Arbeiterschaft, das ist eindeutig so. Als der Archäologe Barry Kemp, der seit 30 Jahren in Amarna arbeitet, einen Friedhof der Arbeiter fand, stand ihm Jerry Rose mit bioarchäologischen Feldstudien zur Seite, um den Gesundheitszustand der dort Bestatteten zu erforschen. Rose stellte erstaunt fest, dass viele Jugendliche schwerste Knochenbrüche, Rückgratverletzungen und gestauchte Wirbel hatten, die vom Tragen zu schwerer Lasten herrührten, was auf schwere körperliche Arbeit bei sehr jungen Menschen hinweist, die hart und schwer arbeiten mussten. Hinzu kam, dass die Skelette, vor allem von Kindern eine extrem hohe Rate von Anämie, einer Blutarmut (Mangelerkrankung) und eine sehr hohe Sterblichkeitsrate aufwiesen, die durch ungenügende Ernährung verursacht worden war, was insbesondere bei Kindern zwischen 12 und 20 Jahren sehr ungewöhnlich ist. Im Durschnitt waren in Ägypten 18 % – 20 % der Menschen von Anämie betroffen, während es in Amarna laut Jerry Rose 60 % waren. Obwohl es einen Überfluss an Nahrung gab, wird deutlich, dass die Arbeiter, die Habenichtse und ihre Familien, vor allem die Kinder, hungerten. Barry Kemps Fazit: ›Die Knochen enthüllen die düstere Seite des Pharaonenkults‹. Einen ausführlichen Forschungsbericht veröffentlichte die britische Archäologin Mary Shepperson im Guardian vom 6.6.2017 (https://www.theguardian.com/science/2017/jun/06/did-children-build-the-ancient-egyptian-city-of-armana-). Der deutsche Ägyptologie und Vorderasiatische Archäologe Joachim Willeitner verfasste daraus einen ausgezeichneten Artikel, der am 29.06.2017 im Spektrum.de erschien (s. Altes Ägypten: ›Friedhof der Kindersklaven‹ http://www.spektrum.de/news/friedhof-der-kindersklaven/1478049).

Ein narzisstischer Egomane und größenwahnsinniger Machtmensch

»An dem ursprünglichen Antrieb zum Monotheismus war nichts Erhabenes: es war der Dünkel von Königen, die sich mit einem Gott gleichsetzten und die Macht dieses Gottes für sich beanspruchten.« (Barbara Walker)

Der Heidelberger Privatgelehrte Franz Maciejewski weist in seinem Buch ›Korrektur eines Mythos‹ nach, »dass die religionspolitische Revolution unter Echnaton nicht der Etablierung einer neuen Sonnentheologie mit Ausschließlichkeitsanspruch diente, sondern vielmehr auf Machtgewinn und Machterhalt einer bestimmten Familie zielte. Insofern war der neue Atonkult nur Mittel zum Zweck… Nicht Monotheismus, sondern Theokratie lautete das Schlüsselwort. Denn Echnaton gründete den ersten Gottesstaat der Weltgeschichte« (Rezension von Hans-Martin Lohmann ›Korrektur eines Mythos?‹  http://www.frankfurter-hefte.de/upload//2011-06_Lohmann_web.pdf)

Gottesstaat oder Theokratie heißt aber Diktatur, eine uneingeschränkte Konzentration der Macht, eine  menschenverachtende, autoritäre und totalitäre Herrschaft, »eine Herrschaftsform, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer (in der Sicht der Anhänger der Staatsreligion) göttlich erwählten Person (gottberufener Prophet, gottbegnadeter König usw.), einer Priesterschaft (Klerus) oder sakralen Institution (Hierokratie) auf der Grundlage religiöser Prinzipien ausgeübt wird.« (http://de.wikipedia.org/wiki/Theokratie)

Patriarchale ›Religionen‹ sind Ideologien, politische Konstrukte, die der Macht- und Besitzgier der herrschenden Männer dienen. Es sind VATER-Religionen, die die Frauen und die MUTTERgöttin ausschließen.

Echnaton mit Familie und Gefangene

Echnaton und seine Familie stehen auf gefesselten, gefangenen Frauen und Männern und werfen goldene Halsbänder hinab. (Gaston Maspero ›Ägypten und Assyrien‹ 1891, S. 120)

Echnatons-Gefangene

Hermann A. Schlögl zieht die von den störenden Gefangenen bereinigte Version des Bildes vor:

»Echnaton und Nofretete verleihen dem Gottesvater Eje und seiner Frau Tjj Ehrengold. Strichzeichnung nach einem Relief aus dem Grab des Eje in Amarna von N. de Garis Davies« (Hermann A. Schlögl ›Echnaton‹ 1986, S. 54)


Print page