Die grausamen Folgen für Kinder und Frauen: Sexuelle Gewalt im Patriarchat

Aus dem Inhalt:

  • Jede patriarchale Religion ist politisch und frauenfeindlich
  • Sexuelle Gewalt gegen Kinder
  • Patriarchale Zwangsprostitution
  • Die Armeen sind die größten Zuhälter
  • Vom grausamen Schicksal der vergewaltigten Frauen im Krieg
  • Prostitution ist eine Erfindung des Patriarchats
  • Die pädokriminelle Gewalt der Indo-Arier in Indien
  • Die hässliche Fratze des Patriarchats nicht nur in Indien

»Am Ende der 1. Dynastie beseitigte König Uruka­gina von Sumer die Polyandrie
und damit den Zu­stand des Matriar­chats, und die Stel­lung der Frau verschlechterte sich zu­sehends.«
(›Reallexikon der Assyriologie‹, ›Frau‹)

Jede patriarchale Religion ist politisch und frauenfeindlich

Jede patriarchale Religion nimmt sich das Recht, die Freiheit der Frauen auf ihre eigene Sexualität einzuschränken und zu kontrollieren. Urukagina erließ seine Gesetze auf Geheiß des Stadtgottes von Lagasch ›Ningirsu‹. Von da an wurden Frauen, die zwei Männer nahmen, zu To­de ge­steinigt und jenen, die zu einem Mann Worte sagten, die sie nicht sagen sollten, die Zähne herausgeschlagen (Samuel N. Kramer ›The Sumerians1963, S. 83). Vor der Schlussfolgerung, dass Frauen einst mehr als einen Gatten genommen hatten, schreckten Forscher zurück, »sie vermuteten, dass nur auf die Wiederverheiratung einer Witwe Bezug genommen wurde, aber der Wortlaut des sumerischen Textes unterstützt diese Ansicht nicht.« (H.F.W. Saggs ›The Greatness that was Babylon‹ 1968) Der Historiker Will Durant glaubt, in Urukagina (möglicherweise Ari-ka-gina) von Lagasch einen ›wahrhaft königlichen Reformator‹ zu erkennen, der ›den ältesten und gerechtesten Gesetzeskodex der Geschichte‹ schuf. Doch das war er für Frauen ganz offensichtlich nicht. Ab diesem Zeitpunkt erliessen die patriarchalen Herrscher ihre frauenfeindlichen Gesetze im Namen irgendeines Gottes, wie auch der 3. König von Ur, Ur-engur, der sein Gesetzbuch im Namen des Gottes Schamasch propagierte.

›Die Herrscher erkannten schon früh den Nutzen,
den die Verbindung von Politik und Religion eintrug.‹
(Will Durant)

»Sobald dieser Kunstgriff des Regierens allgemeine Verbreitung fand, mehrte sich die Zahl der Götter, und jede Stadt, jeder Staat und jede menschliche Tätigkeit erhielt irgendein anfeuerndes und ordnendes himmlisches Wesen.« (Will Durant ›Kulturgeschichte der Menschheit – Der alte Orient und Indien‹ 1935, S. 125) Bis heute nutzen Tyrannen und Diktatoren die Vorteile, die aus dem Einsatz von Religion in der Politik zu ziehen sind; Religion ist politisch. Die Erziehung zum Glauben an ein höheres Wesen, dem es sich zu unterwerfen gilt, wird auf seine Stellvertreter auf Erden übertragen, denen man sich durch Gehorsam zu fügen hat. »Gehorsam ist in hierarchisierten Gesellschaften, in denen eine Klasse von Menschen über andere Klassen herrscht, die oberste Tugend«. (Marilyn French)
Durchgesetzt wurden Gehorsam und Unterwerfung durch eine Unzahl von Gesetzen, Verboten und Geboten, mit Härte, autoritärer Gewalt, Unterdrückung, Entrechtung, Hirnwäsche, Folter und Mord. Die Freiheit der Menschen wurde aufgehoben; die Machthaber hatten bis in den privatesten Bereich die absolute Verfügungsgewalt über ihre Untertanen. Legitimiert und unterstützt von der mit ihnen verbündeten arischen Priesterkaste, verbreiteten die indoeuropäischen Eroberer Mesopotamiens den politisch-religiösen Trick. Nach der babylonischen Gefangenschaft wurden unzählige der dort eingeführten Gesetze, von der Priesterkaste, den Leviten kopiert, von den Juden übernommen und ausgeweitet.

›Kinder gebären zu können, war in der alten Ordnung eine wundersame
heilige Fähigkeit der Frauen gewesen.‹
(Marilyn French

Die Bibelschreiber erschufen die Frau aus dem Körper eines Mannes aus Rücksicht auf die Eifersucht des Mannes, denn:

»In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst, während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der Begattung beschränkt ist, zur bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der Männerwelt geführt haben.« (O. Keel/S. Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 11)

Der Kunstgriff, der der patriarchalen Politik und den patriarchalen Religionen Vorteile und Macht verschafft, spannt den Bogen bis zu heutigen Regierungen und wirkt in leicht verschleierter Form auch in den sogenannten Demokratien westlicher Prägung auf ganz raffinierte Art weiter.

»Die Gewalt unserer patriarchalischen Kultur hat mehr Verfolgung, Aggression und Mißhandlung erzeugt als jede andere, und dies alles begann im Privatbereich. Die christlichen Kleriker forderten Männer von der Kanzel aus auf, ihre Frauen zu schlagen. Den Frauen befahlen sie, den Stab zu küssen, der sie schlug.« Barbara G. Walker ›Göttin ohne Gott – Der Herr des Himmels wird entthront‹ 1999, 67 f.)

Sexuelle Gewalt gegen Kinder

Noch immer ist das Sprechen über den weit verbreitete Inzest in der Familie durch Väter, Brüder, Onkel und Nahestende ein Tabu. Geschlechtsverkehr mit Mädchen ab ›drei Jahren und einem Tag‹ wird jedoch im Talmud ausdrücklich erlaubt (s. ›Die ›pharaonische Beschneidung‹) und wird bis heute von allen patriarchalen Religionen mit Stillschweigen geduldet und gedeckt. (s. Florence Rush ›Das bestgehütete Geheimnis – Sexueller Kindesmissbrauch‹). Sexuelle Gewalt in Familien sei viel verbreiterter als jener an Knaben in kirchlichen Institutionen behaupten kirchliche Sprecher. Aber:

Die Kirche deckt die Täter aus ihren eigenen Reihen und die Väter, die ihre Kinder missbrauchen. Hat sie diese Verbrechen je angeprangert und verurteilt? Wenig wurde zugegeben und das Wenige erst unter massivem Zwang und Druck der Öffentlichkeit.

Nicht nur die Religiösen, selbst der berühmte Psychoanalytiker Sigmund Freud schönte die Väter. Seine »Weigerung, den sexuellen Missbrauch von Frauen anzuerkennen, ist seiner eigenen Subjektivität zuzuschreiben… Freud hat Väter nie wirklich beschuldigt; er hat sie nie öffentlich als sexuelle Missbraucher bezeichnet und es lieber auf sich genommen, Informationen zu fälschen, um sie zu schützen… Mit der Beseitigung der Verführungstheorie und der Einführung des Ödipuskomplexes bei Frauen hatte sich Freud um 180° gewendet. Die Verführungstheorie belastete inzestuöse Väter, während die ödipale Theorie die Verführung als Phantasie, als Erfindung, nicht als Tatsache hinstellte – und Töchter belastete.« (Rush ibd. S. 154+156).
Während der Skandal des Missbrauchs von Kindern, vor allem von Knaben, durch katholische Kleriker unterdessen aus der Dunkelzone ins Licht kam und die Informationen darüber allen zugänglich sind, wird der Missbrauch in der Familie noch immer heuchlerisch unter dem Deckmäntelchen der ›heiligen‹ Familie gehalten. Bei von Männern begangen Verbrechen, insbesondere sexueller Gewalt gegen Kinder und Frauen schweigt die patriarchale Kirche. Die katholische Kirche predigt viel lieber gegen Sexualität vor der Ehe, gegen den Gebrauch von Kondomen und wettert gegen Homosexualität; die von Franziskus veröffentlichte ›Amoris laetitia‹ ist eine Neuauflage der alten kirchlichen Dogmen. Sprechen wir deshalb von weniger offenen Geheimnissen:

Patriarchale Zwangsprostitution

Die katholische Kirche: »Superreich durch Prostitution. Es gab Päpste und Bischöfe, die sich durch Prostitution bereicherten und dafür eigene Bordelle betrieben.
– Zu Zeiten des Papstes Klemens VI. (1342-1352) waren die Prostituierten so zahlreich, dass Papst Klemens ihnen eine Steuer auferlegte. Der Historiker Joseph McCabe stöberte gar eine Urkunde auf, aus der hervorgeht, dass päpstliche Beamte »ein schönes, neues, ansehnliches Bordell« von der Witwe eines Arztes kauften. Die Urkunde verzeichnet fromm, der Ankauf sei »im Namen Unseres Herrn Jesus Christus« erfolgt.
– In Deutschland hatte sich eine neue Form der Tempelprostitution entwickelt. Im Straßburger Münster trieben sich Prostituierte herum. Was man dazu wissen sollte: Der Bischof von Straßburg leitete ein Bordell.
– Der Dekan des Würzburger Doms soll den gesetzlichen Anspruch besessen haben, jedes Jahr aus jedem Dorf der Diözese ein Pferd, eine Mahlzeit und ein junges Mädchen zu erhalten.
– Eine direktere Form der Tempelprostitution wurde im dreizehnten Jahrhundert in Rom wiedereingeführt. Alle ortsansässigen Huren wurden zusammengetrieben und in der unterirdischen Kapelle der Kirche Santa Maria an die Arbeit geschickt, umgeben von einigen der heiligsten Gegenstände der Christenheit.
– Papst Julius II. verfügte am 2. Juli 1510 in einer päpstlichen Bulle die Einrichtung eines Bordells, in dem junge Frauen ihrem Gewerbe nachgehen durften.
– Die nachfolgenden Päpste Leo X. und Klemens VII. duldeten dieses Etablissement ebenfalls unter der Bedingung, dass ein Viertel der gesamten Habe der dort arbeitenden Frauen nach ihrem Tod in den Besitz der Nonnen von Sainte-Marie-Madeleine übergeht.« (http://www.freie-christen.com/reichtum_der_kirche_ist_blutgeld.html#GOLD)

Aus der Geschichte des indoeuropäisierten Griechenland ist klar erkennbar, dass es der Mangel an Gleichberechtigung in Athen war, der die Prostitution förderte. »Denn da den athenischen Mädchen vorehelicher Verkehr unter Androhung schwerster Strafen verboten war [vergleichbar mit der Bestrafung muslimischer Mädchen in archaisch hartpatriarchalen Familien heute], blieb den unverheirateten Männern nichts anderes übrig [? DW] als Päderastie, Verführung verheirateter Frauen, Verkehr mit den Frauen und Töchtern der Metöken oder Verkehr mit Prostituierten. Die gleichen Auswege suchten aber auch die verheirateten Athener, weil sie im Verkehr mit ihren zu Gebärmaschinen und Dienstmägden erniedrigten Gattinnen keine Befriedigung finden konnten. Die Behauptung, dass die ersten Bordelle in Athen eingerichtet worden seien, um ausländische Seeleute und andere Fremde davon abzuhalten, sich an athenischen Frauen zu vergehen, beruht deshalb auf dem nachträglichen Versuch der Bereinigung eigener Motive. Dass um 600 v.u.Z. tatsächlich ein außerordentlicher Zustrom fremder Händler und Schifffahrer stattgefunden hat, steht jedoch außer Zweifel. Von Herodot (490/480 bis 424 v.u.Z.) wissen wir auch, dass mit Berufung auf die Göttin der Liebe Frauen zur Prostitution gezwungen wurden:

»Jedes Weib des Landes muss einmal in ihrem Leben bei dem Tempel der Aphrodite sich niedersetzen und von einem Fremden beschlafen lassen… Und mitten zwischen den Weibern durch gehen schnurgerade Gassen nach allen Richtungen. Da gehen dann die Fremden und suchen sich eine aus. Und wenn ein Weib hier einmal sitzt, so darf sie nicht eher wieder nach Hause, als bis ein Fremder ihr Geld in den Schoss geworfen und sie außerhalb des Heiligtums beschlafen hat. Wenn er das Geld hinwirft, so muss er sprechen: ›Im Namen der Göttin Mylitta‹. Mylitta heißt nämlich bei den Assyrern (und Babyloniern) Aphrodite (eine Form Ishtars). Das Geld mag nun soviel sein wie es will, sie darf es nicht verschmähen: das ist verboten, denn es ist geweihtes Geld. Und mit dem ersten besten, der ihr Geld hinwirft, mit dem muss sie gehen und darf keinen abweisen.« (Herodot, I. Buch S. 199)

Die von Herodot beschriebene und für Frauen entwürdigende Tempelprostitution wurde in der assyrisch-babylonischen Zeit in Mesopotamien eingeführt, als die Gesetze, die die Frauen entmündigten von indoarischen Herrschern angeordnet wurden. Die sumerischen Tempel wurden u.a. durch die verordnete Tempelprostitution reich und durch den patriarchalen Erlass konnten die Männer – ›im Namen der Göttin‹ – über die gefügig gemachten Frauen verfügen. Hesiod sagte, die sinnliche Magie der heiligen Huren oder Horae ›mildere das Benehmen der Männer‹. Die ›Milderung der Männer‹ wurde erst im Patriarchat notwendig. Die katholische Kirche, die sich gewaltig in die Sexualität der Menschen einmischte und für die selbst Geschlechtsverkehr in der Ehe als Sünde galt, begann in ganz Europa Bordelle einzurichten und zu konzessionieren, hatte somit auch die Prostitution unter ihrer Kontrolle und verdiente damit gutes Geld. Ohne Berufung auf Gott oder eine Göttin zwangen Menschenhändler, Herrschende und vor allem Kriegstreiber Frauen in die Prostitution.

Armeen sind die größten Zuhälter

»Neben der Kampfbereitschaft erzeugt die Sexualunterdrückung den autoritären Charakter und damit die Voraussetzung für die strikte Einordnung des Soldaten in die streng hierarchische Autoritätsstruktur des militärischen Herrschaftsapparates.«
(Dietrich Haensch ›Repressive Familienpolitik – Sexualunterdrückung als Mittel der Politik‹ 1969, S. 67)

Der 1897 geborene Psychiater, Sexualforscher und Soziologe Wilhelm Reich erlebte schon den 1. Weltkrieg, später auch den Zweiten und zog daraus seine Schlüsse. Er schreibt: »Die im Krieg notwendige Aggressivität, Brutalität und Neigung zum Sadismus ist dadurch zu erhalten, dass die libidinösen Energien vom Sexualtrieb abgelenkt und damit zum Destruktions- und Aggressionstrieb hingelenkt werden (Wilhelm Reich 1934a, ›Massenpsychologie des Faschismus‹ S. 53). Und: »Wir müssen annehmen, dass ebenso wie beim Individuum auch in der Masse die Verbildung der Liebesfähigkeit bei der Entfaltung der Grausamkeit hervorragend beteiligt ist. Die Brutalität des Weltkrieges (und vielleicht er selbst) wäre unmöglich gewesen, hatte nicht das Machtbedürfnis weniger Führer den Anschluss an die latente Grausamkeit des Einzelnen gefunden‹ (Reich ›Die Funktion des Orgasmus‹ 1927, S. 144, zit. bei Haensch S. 67)

›Krieg ist immer auch ein Krieg gegen die Frauen‹ sagte eine Helferin im Kongo. In allen Kriegen, sogar in den Konzentrationslagern der Nazis wurden Männer mit dem Besuch gewaltsam gefügig gemachter Jüdinnen belohnt.

Vom grausamen Schicksal der Frauen:
›Sexsklavinnen des 2. Weltkriegs – Die ›Trostfrauen‹ der Philippinen‹

»Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden tausende Frauen in Asien von japanischen Soldaten in die Prostitution gezwungen. Von ihren Peinigern ›ianfu‹ – ›Trostfrauen‹ genannt, wurden sie vergewaltigt, geschlagen und schwer misshandelt. Manche von ihnen waren minderjährig, fast noch Kinder. Nach dem Krieg rangen sie ohne Unterstützung oder Anerkennung ihres Schicksals mit den erlittenen Wunden – den physischen wie den psychischen. Die Überlebenden versuchten oft ihre Vergangenheit zu verstecken – man schämte sich für das erlittene Leid. Nach über einem halben Jahrhundert des Schweigens begannen nun viele ihre Geschichte zu erzählen. Bis heute warten sie auf eine offizielle Anerkennung ihres Schicksals als Kriegsverbrechen und der damit einhergehenden Entschädigung. Erst 1993 wurde sexuelle Gewalt gegen Frauen im Krieg erstmals international thematisiert. Die Regierung in Tokio wurde später von offizieller Stelle dazu aufgefordert, die moralische und rechtliche Verantwortung für die an den Frauen verübten Menschenrechtsverletzungen zu übernehmen, sich bei ihnen offiziell zu entschuldigen, sie finanziell zu entschädigen und diejenigen vor Gericht zu stellen, die Frauen zwangsrekrutiert und misshandelt hatten. Die japanische Regierung widersprach dem. In der Dokumentation gewähren neun dieser ehemaligen ›Trostfrauen‹ einen intimen Einblick in ihr Leben, ihre Vergangenheit und ihren Kampf um Anerkennung.« (2.08.2015 auf ORF 3)

Der eigentliche Skandal aber ist, dass dies in einem Land passieren konnte, wo die katholische Kirche eine außergewöhnliche Macht hat und nichts für die Frauen tat. Die Philippinen sind mit über 80 % das katholischste Land Asiens.

Nicht zu überbieten ist der zynische Kommentar eines japanischen Rechtspopulisten: »Toru Hashimoto, der Bürgermeister der Metropole Osaka, verteidigte die erzwungene Prostitution. Die ›Trostfrauen‹ aus den besetzen Ländern seien für die Moral der Soldaten ›notwendig‹ gewesen, sagte der 43-jährige Nationalist, der als möglicher künftiger Ministerpräsident gehandelt wird.
Die japanische Regierung hat sich für die Verbrechen gegen Frauen entschuldigt, eine Verantwortung des Staates bislang aber abgelehnt. Die noch lebenden ›Trostfrauen‹ warten bis heute vergeblich auf eine Entschädigung. Hashimoto ging nun einen Schritt weiter: Das System der Militärbordelle sei notwendig gewesen, um den um ihr Leben kämpfenden Soldaten ein Ventil zu bieten und schlimmere Vergehen zu verhindern, erklärte der für seine Provokationen bekannte Co-Vorsitzende der Partei Versammlung zur Erneuerung Japans.« Und er doppelte nach: »Es gebe keine Beweise, dass die Frauen eingeschüchtert oder gewaltsam entführt wurden. Die Armeen anderer Länder hätten ähnliche Einrichtungen gehabt, doch nur Japan werde an den Pranger gestellt. Tatsächlich unterhielten andere Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg Bordelle, doch nirgends fand eine derart ausgedehnte und organisierte Sexsklaverei statt.« http://www.20min.ch/ausland/news/story/-Sexsklavinnen-waren-noetig-fuer-die-Soldaten–26458735)

Über Grausamkeiten – auch gegen dem Militär angehörende Frauen – hörten wir unter anderem auch aus dem Irak: »Nach den Folterbildern von Abu Ghraib, dem aufgetauchten Video aus Afghanistan, auf dem US-Marines auf getötete Taliban urinieren, zeigt nun ein Dokumentarfilm, dass es auch in den eigenen Reihen viele Opfer zu beklagen gibt. Soldatinnen berichten, dass sexuelle Belästigung und Vergewaltigung in der Truppe auf der Tagesordnung stehen.« (Merle Wuttke http://www.frauenzimmer.de/cms/stars-news/vergewaltigung-ist-jede-dritte-us-soldatin-opfer-1e269-9f8b-18-997228.html)
Zur sexuellen Gewalt in der US-Armee s. den Dokumentarfilm «Der unsichtbare Krieg» von Kirby Dick und Amy Ziering, der die erschütternden Geschichten von betroffenen Frauen und Männern in der US-Armee erzählt: »Allein 2011 wurden in der US-Armee 3200 sexuelle Übergriffe gemeldet! Selbst der US-Verteidigungsminister rechnet mit einer vielfach höheren Dunkelziffer. Der Film zeigt: Über 20 Prozent der Frauen in der US-Armee werden von Soldaten der eigenen Abteilung vergewaltigt – mit Alkohol abgefüllt, im Schlaf übermannt, mit einer Waffe überwältigt. Einige einmal, andere über Wochen.

Das Problem ist bekannt, aber keiner der Verantwortlichen tut etwas dagegen; das Militärgericht ist an der Aufklärung und Bestrafung der Täter nicht interessiert. Im Gegenteil, die Frauen, die klagen, riskieren verspottet, gedemütigt, bedroht und degradiert zu werden.

Prostitution ist eine Erfindung des Patriarchats

»Die Prostitution entstand mit der Geldwirtschaft… Man mag die Ausweitung der ‚Prostitution‘ mit den Notwendigkeiten des männlichen Sexualtriebes erklären. Man kann sich aber auch fragen, ob nicht andersherum der männliche Sexualtrieb als Produkt des Finanzkapitalismus zu begreifen ist.« (Christina von Braun ›Das rote Blut des Kapitals‹)

Im Matriarchat waren sowohl Männer wie Frauen völlig frei ihre Sexualität zu leben und es gab keine Gesetze, keine Kriege und keine Armut, die Frauen in die Prostitution zwang. Das Patriarchat, das sexuelle Freiheit – die im Matriarchat gleichberechtigt auch für Frauen galt –  beseitigte und heute von moralisierenden Historikern, Klerikern und andern patriarchal Hirngewaschenen gerne als unmoralisch, als Unzucht und Schwelgerei verkannt wird, erfand erst die amoralische Zwangsprostitution. Mehr als eine Million deutsche Männer benutzen den sexuellen Service täglich – in andern Ländern ist es wohl kaum anders. Verachtet werden aber nur die Prostituierten; nicht die Freier – schöne, heile, verlogene Männerwelt.

Patriarchale Väter, die ihre Töchter zwangsweise mit einem mehr oder weniger gut bekannten Mann verheiraten, haben keine Ahnung und kein Gefühl für das, was sie ihren Kindern (manchmal auch den Söhnen) damit antun. Für ein Mädchen, das dazu noch Jungfrau sein muss, ist die Hochzeitsnacht bei einer Zwangsheirat eine politisch und religiös legalisierte brutale Vergewaltigung. Die Ehe gibt dem Mann das Recht über den Körper seiner Frau zu verfügen, wann er will und wie er will; die Frau ist nur ein Objekt und sein Besitz.

Wie die geschätzten Zahlen der Besuche von Männern bei Prostituierten zeigen, finden Männer nichts dabei, Frauen gerne und mit Genuss wie ›ein Stück Fleisch mit Loch‹ oder eine lebendige Latrine zu benutzen.

›Das Sexualleben des Kulturmenschen ist doch schwer geschädigt…‹ (Sigmund Freud)

Viele durch sexuelle männliche Gewalt seelisch schwer verletzte Frauen landen in Psychiatrischen Kliniken oder in der ›freiwilligen‹ Prostitution. Lilly Lindner, in ihrer Kindheit und Jugend schwerer sexueller Gewalt ausgeliefert, machte ›Ana, Mia (Anorexie und Bulimie) und Rasierklingen zu ihren Freundinnen und arbeitete eine Zeitlang als freiwillige Prostituierte. In ihrem Buch ›Splitterfasernackt‹ (2011) schreibt sie über ihr unsagbares Leid, von dem ihre Eltern nichts bemerkt haben oder nichts bemerkt haben wollen. (s. ›Wir wissen die Wahrheit. Und die Kunden wissen sie auch‹, http://www.emma.de/artikel/prostitution-wir-wissen-die-wahrheit-265863)

Die pädokriminelle Gewalt der Indo-Arier in Indien

Im (patriarchalen) indischen Bundesstaat Andhra Pradesh gibt es zur Zeit noch immer 25’000 Tempelprostituierte. Die Mädchen werden mit sechs Jahren der Göttin geweiht und werden gezwungen ab 13 Jahren Männern sexuell zu Diensten zu sein. (Aus dem Dokufilm: ›Indische Frauen verändern ihre Welt‹).

Die befremdliche Neigung unzähliger weißer Männer für kleine Mädchen und Knaben ist nicht erst ein Merkmal unserer Zeit. Nicht grundlos warnte Ptah-Hotep im Alten Reich Ägyptens vor sexuellen Beziehungen älterer Männer mit kleinen Jungen, beschönigend ›Knabenliebe‹ genannt, womit vorgetäuscht wird, es handle sich dabei um Spiele zwischen Kindern. Diese Perversion brachten die Eroberer nach Ägypten (s. ›Sexuell missbrauchte Töchter: der pharaonische Inzest‹ im Buch S. 239-245 und ›Wer war Echnaton‹)
Die pädokriminellen Praktiken waren ebenfalls ein Merkmal der indoarischen Eroberer Indiens. In Indien lassen sich die barbarischen Methoden der damaligen Eroberer noch am besten erkennen, denn sie wurden von der weißen arischen Herrenschicht, der Priesterkaste der Brahmanen, die sich ›ganz bescheiden‹ ›Erdgötter‹ nennen, politisch gebilligt und bis heute als heiliges ›religiöses Recht‹ in Anspruch genommen. Abbe Dubois, der im 19. Jahrhundert in Indien lebte, schreibt in seinem Buch ›Hindu Manners, Customs and Ceremonies‹ von »der seltsamen Vorliebe, welche die Brahmanen für Kinder von ganz zartem Alter hegen«. (zit. von Katherine Mayo ›Mutter Indien‹ 1929, S. 91)

Die pädokriminelle Perversion unreifer, schmutziger alter Männer führte in Indien zu den staatlich und religiös erlaubten ›Kinderehen‹; eine Bezeichnung, die vortäuscht, es handle sich dabei um die Verheiratung von kleinen Mädchen mit kleinen Jungen. Doch dem ist nicht so, es sind kleine Mädchen unter zehn Jahren, die von Vätern gegen Bezahlung an beträchtlich ältere Männer verschachert werden. Der indische Dichter Rabindranath Tagore preist in einem Essay die Kinderehe zynisch als »das indische Ehe-Ideal, als Blüte des sublimierten Geistes, als Sieg über Sexualität und Materialismus, den begeistertes Verständnis für die eugenische Hebung der Rasse davongetragen hat«. (Tagore zit. von Mayo ibd. 1929, S. 55 f.) Im Jahre 1891 wurde in der indischen Gesetzgebung das Mindestalter für die Ehe erörtert. Ärztinnen unterbreiteten dem Vizekönig ein Gesuch zur Erleichterung der Lage der unglücklichen Kinder und nannten Beispiele für den Zustand, in dem solche kleinen Mädchen nach der Hochzeit in Spitalpflege gebracht oder auf Händen und Knien ins Spital gekrochen kamen: Unfähig aufrecht zu stehen, mit verrenkten Hüften, gebrochenen Becken, mit in Fetzen herunterhängendem Fleisch, blutend, manchmal so furchtbar zugerichtet, dass ärztliche Hilfe ohnmächtig war. Manche starben unter Qualen. (Mayo ibd. 1929, S. 67) Im Jahre 1922 befasste sich die indische Nationalversammlung – immerhin unter britischer Kolonialherrschaft – nochmals mit dem Problem, das nach all den Jahren nichts von seiner Gültigkeit verloren hatte. Doch die männlichen Abgeordneten der Regierung wehrten sich vehement gegen die Einschränkung ihres ›religiösen Rechts‹, kleine Mädchen zu ›ehelichen‹.

Die hässliche Fratze des Patriarchats in Indien

Es gab viele Pressebeiträge und Kommentare zu lesen und zu hören, in denen des Langen und des Breiten von der Vergewaltigung und dem Tod einer jungen Frau berichtet wurde und was man davon zu halten hat. Doch arte-TV hat für seine kritische Sendung ›28 Minuten‹ eine indische Journalistin eingeladen, die nicht nur von der Tat sondern auch vom Ursprung der Frauenfeindlichkeit, den Ursachen der barbarischen Grausamkeit gesprochen hat, die zu diesem entsetzlichen Verbrechen geführt hat. Was hier niemand sieht, weiß, ausspricht oder zur Kenntnis nehmen will:

Es sind Auswirkungen des menschenverachtenden Patriarchats und seiner Besonderheit, der patriarchalen Frauenfeindlichkeit.

Die vorherrschende Ideologie der männlichen Überlegenheit kam mit der Eroberung des  matriarchalen Indien durch Weiße, Indo-Europäer, (Arier, Arya, Har, Harya, Harios) ursprünglich aus dem ostiranischen Hochplateau und dann aus den zentralasiatischen Steppen zu Beginn des 2. Jahrtausends.
Als indoeuropäische Viehzüchter vor nur wenigen Tausend Jahren den männlichen Beitrag bei der Zeugung, die biologische Vaterschaft, erkannten, wurden sie hochmütig und verstiegen sich in die Hybris, Väter seien die eigentlichen Urheber der Schöpfung und hätten deshalb Anrecht auf Macht über Frau und Kind.

Das Patriarchat: Die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte

›Frauen stehen der Hierarchie skeptisch gegenüber‹. (Gerhard Schwarz)

Das Patriarchat, d.h. ›die Herrschaft der Väter‹ schafft mit den ›Hier-archien‹ die ›heilige Ordnung der Männer‹ (Gerhard Schwarz). Patriarchale Männer wollen Macht – viel Macht, alleinige Macht – über andere Menschen, streben Besitz und Reichtum an, sind schamlos korrupt, extrem aggressiv und grausam (kriegerisch, militaristisch, rücksichtslos und egoistisch), haben ein geradezu krankhaftes Verhältnis zur Sexualität, sind frauenfeindlich (betrachten den Körper der Frau als ›Acker‹ des Mannes: ›nimm sie wann du willst und wie du willst‹ im Islam), ersetzten die zivilisierend-zivilisatorische Erziehung der Mütter durch die Gewalt der Väter, erfanden erste männliche Götter, die durch eine männliche Priesterkaste propagiert und verbreitet wurden; sie zerstören mit ihrer ›heiligen Ordnung‹ die Menschen und unsere Erde. Patriarchale Männer an der Macht, kämpfen nur für ihre eigenen Interessen, sie haben keine ›mütterlichen› Anteile, wie hegen, pflegen, sorgen, schützen, Verantwortung tragen, solidarisch sein, teilen usw., wie das nicht-patriarchale Männer haben.

In Indien tritt ›die heilige Ordnung der Männer‹ im hierarchisch-rassistischen Kastensystem des Hinduismus besonders krass zu Tage. Diese ›heilige Ordnung‹, die nicht einmal von Gandhi hinterfragt und bekämpft wurde, weil er ihr nahe stand, unterteilt die Menschen in Höhere und Niedere, an deren Spitze sich die arischen Brahmanen setzten. Die neuen Herren, indo-arische Eroberer, versklaven die indigenen Völker, die ›Schwarzköpfigen‹, beuten sie aus bis zum heutigen Tag und verachten sie als ›unrein‹; eine Diffamierung, die alle monotheistisch-patriarchalen Religionen gegen die Kaste der Frauen übernommen haben, die noch weiter unten stehen als die Männer der niedrigsten Kaste. Frauen in Indien sind eine eigene minderwertige Kaste.
Das phallokratische Patriarchat ist ein 5000 Jahre währender Albtraum, das seinen Schrecken noch nicht verloren hat. Im Gegenteil. Die männliche Verrohung – verursacht durch die Diffamierung und damit verbunden, der Verlust der Achtung und Wertschätzung der Frau – wird immer krasser. Was sich Männer gegenüber Frauen an Bevormundung, Beleidigungen, Missachtungen, Diskriminierungen, körperlichen Übergriffen und sexueller Gewalt erlauben, übersteigt jedes vorstellbare Maß und geht bis zur massenhafter Ermordung. Von den bekannt gewordenen weltweiten Vergewaltigungen und Frauenmorden, den grausamen Verbrechen, die an Frauen verübt werden, ist die tödliche Vergewaltigung in Indien eines der erbarmungslosesten Beispiele.

Das Patriarchat bezieht seine Macht aus dem Schweigen und Dulden der unterdrückten und eingeschüchterten, nicht-patriarchalen Frauen und Männer!

 Protokoll des Beitrages bei arte TV 28 Minuten über ›Die Vergewaltigung, die Indien wachrüttelte‹:

Zu Gast im Studio ist die Korrespondentin der indischen Zeitung ›The Hindu‹ Vaiju Naravane. Unter der Leitung von Elisabeth Quin (kurz: EQ) diskutieren Nadia Daam (kurz: ND), Renaud Dély (kurz: RD) mit ihr (kurz: VN) über das Geschehen in Indien.
Am 16. Dezember wurde eine Studentin in Neu-Dehli in einem Bus von einer Gruppe junger Männer vergewaltigt, misshandelt, gefoltert und verletzt. Zwölf Tage nach der Tat starb die 23-jährige Inderin an Organversagen. Laut dem Freund der Frau, der ebenfalls schwer misshandelt wurde, sind ihnen, als sie auf die Strasse geworfen wurden, weder Polizei noch Passanten zu Hilfe gekommen.
Der Staatsanwaltschaft zufolge gibt es klare Beweise gegen fünf mutmaßliche Täter.
Die Vergewaltigung hat in Indien eine Diskussion über sexuelle Gewalt ausgelöst und zu heftigen Protesten geführt. Die indische Regierung kündigte an, Gewalt gegen Frauen stärker zu bekämpfen, doch die Regierung Indiens ist zutiefst patriarchal und frauenfeindlich. Jede patriarchale Regierung bekämpft Auflehnung und Widerstand gegen das Regime mit Waffengewalt.

Endlich spricht man offen über Gewalt gegen Frauen

Das Drama ging um die Welt und offenbarte ein altes Problem: Neu-Delhi liegt mit der Zahl der Vergewaltigungen weltweit an der Spitze. Alle 20 Minuten wird in Indien ein Fall gemeldet. Feministinnen demonstrieren nun nicht nur für Sicherheit, sondern für Freiheit.
›Es ist zutiefst schockierend‹, sagt eine Frau. ›Die Polizei geht gegen Demonstrationen vor, aber bei Vergewaltigungen bleibt sie untätig.‹ Wer hier bei Vergewaltigung Anzeige erstattet, wird von Polizei und Justiz oft nicht ernst genommen oder gar als schuldig angenommen. Nun sind Selbstverteidigungskurse in Neu-Delhi sehr gefragt. ›Vorsichtig waren wir Frauen schon immer, aber seit diesem Vorfall, strömen die jungen Frauen in diese Kurse, sie wollen selbst für ihre Sicherheit sorgen können, unabhängig von dem was die Regierung tun müsste, nämlich, Lösungen einer Gesellschaft, die ihre Frauen missachtet zu suchen‹, sagt eine Studentin,

Elisabeth Quin: Kein Einzelfall, aber Gewalt gegen Frauen ist ein Tabu in dieser patriarchalen Gesellschaft. Frauen werden nicht als vollwertige Bürger gesehen. Doch dieses Tabu ist seit dem grausamen Foltertod der jungen Frau gefallen.
Vaiju Naravane: Das ist richtig. Indien ist ein großes Paradox: Die Lebensumstände von Frauen sind extrem unterschiedlich. Es gibt Frauen in hohen Positionen als Managerinnen, Direktorinnen, Journalistinnen. Es gibt Frauen, die als Beamtinnen im öffentlichen Dienst arbeiten. Aber wenn eine Frau heute in Indien unberührbar und arm ist, kann man ihr Schicksal wirklich nur beklagen. Die Polizei nimmt ihre Anzeige nicht auf. Es herrscht völlige Gleichgültigkeit vonseiten des indischen Staates. Und das ist unentschuldbar.
EQ: Also die Polizei registriert die Anzeigen nicht. In den letzten 40 Jahren sind die gemeldeten Vergewaltigungen, wenn sie denn aufgenommen oder – wenn junge Frauen es wagen – diese überhaupt anzuzeigen, um 678% angestiegen. Das heißt, dass Vergewaltigungen ein wachsendes Problem sind.

(Im Bild die Aufschrift: ›En Inde, les violeurs se sentent libres de céder à leurs pulsion‹).

VN: Ja, und zwar viel mehr im Norden als im Süden des Landes. Dafür gibt es einen Grund. Der Norden Indiens hat viele Invasionen erlebt. Und zwar immer wieder, regelmäßig. Die Eroberer kamen immer von außen. Der Süden hingegen war durch die Berge viel geschützter. Daher ist die Kultur im Süden seit Jahrhunderten unverändert, seit Jahrhunderten und Jahrtausenden. Der Unterschied zwischen Nord und Süd ist gewaltig. Außerdem ist Neu-Delhi inzwischen die Hochburg aller Arten von illegalem Handel und von…
EQ
: Auch des Handels mit jungen Frauen, denn es gibt zu wenig Frauen. Ist dieses demografische Problem mit ein Grund dafür, dass Vergewaltigung als Kavaliersdelikt gilt?
VN: Das ist einer der Gründe dafür, dass Vergewaltigungen im Norden so häufig vorkommen. Im nordindischen Bundesstaat Harjana (!). Zum Beispiel liegt landesweit das Verhältnis von Frauen zu Männern bei 914 Frauen zu 1000 Männern; in Harjana sind es 770 Frauen auf 1000 Männer.
ED: Auf drei Viertel der Anzeigen folgt keinerlei Verurteilung?
VN: Nein, keinerlei Verurteilung.
ED: Wie kommt das?
VN: Das liegt am Chauvinismus der Männer in Indien. Das liegt auch daran, dass die Polizei oft behauptet, die Frau sei selbst schuld an der Vergewaltigung, dass sie sie selber provoziert habe, etwa weil sie aufreizende Kleidung trug.
ED: Man gibt der Frau die Schuld.
VN: Ja. Man gibt ihr die Schuld. Einer Frau aus der Mittelschicht ist das peinlich, wenn jeder erfährt, dass sie vergewaltigt wurde, heiratet sie vielleicht niemand mehr. Also zieht sie es vor zu schweigen.
ND: Mich würde interessieren, warum dann gerade diese Vergewaltigung soviel Aufsehen erregt?
VN: Es gab nicht nur diesen Fall. Es gab auch den Fall einer jungen Frau namens Mathura. Das sind rund 15 Jahre her. Sie stammte aus einem indigenen Volk. Und schon da gingen die Feministinnen auf die Straße. Und erst im vergangenen Juni wurde eine junge Frau in Assam öffentlich gedemütigt. Man riss ihr die Kleider vom Leib und begrapschte sie. Es kam nur nicht zur Penetration. Wo beginnt also die Vergewaltigung?
ED: Aber warum kochten diesmal die Emotionen so hoch?
VN: Seit Juni wird unter Frauen und in der Gesellschaft darüber geredet, da gibt es eine große Debatte.
EQ: Das ist wunderbar. Die Frauen gehen auf die Straße und verkünden: Wir trauen uns. Wir gehen Risiken ein. Wir kleiden uns, wie wir wollen. Aber diese Emanzipationserklärung könnte auch einen gegenteiligen Effekt haben. Im Namen der Sicherheit könnten Frauen in manchen Regionen oder Klassen noch stärker kontrolliert werden.
VN: Ja, natürlich. Es kam auch schon vor, dass emanzipierte Frauen eine Feier in einem Hotelsaal besuchten, der von Freunden angemietet worden waren. Und dann kamen die Aufpasser der Moralpolizei. Die kamen ins Hotel marschiert, rissen die Frauen an den Haaren und beschimpften sie als Huren. Dabei war es eine rein private Feier. Teile der indischen Gesellschaft sind immer noch patriarchalisch.
EQ: Fast archaisch.
VN: Die Frau wird unterdrückt, sie gilt wie eh und je zuerst als Eigentum des Vaters, dann als Eigentum des Ehemannes. Und nach dem Tod des Mannes als Eigentum ihres ältesten Sohnes. Deswegen haben die Söhne eine solche Bedeutung.
EQ: Nadia, wie war die Reaktion in den sozialen Netzwerken – in den indischen?
ND: Es wurde viel diskutiert. So wurde ja die Welt darauf aufmerksam. Sie haben sehr viel Wut und Empörung gezeigt. Im Internet. Man fühlt die Wut der Inder. Die Wut richtete sich zunächst gegen die Vergewaltiger. Nach wenigen Stunden war das häufigste Hashtag ›hangtherapists‹, Hängt die Vergewaltiger. Das wurde auch auf den Straßen gerufen. Dann gab es ein nächstes Hashtag. ›Theek hai‹, ist alles in Ordnung? alles richtig? Das geht auf einen Patzer des Premierministers im Fernsehen zurück. Er rief wohlformuliert zur Besonnenheit auf. Er machte das gut. Aber am Ende seiner Rede, als er glaubte, nicht mehr gehört zu werden, sagte er zum Techniker: ›Wie war ich, Theek hai, ist alles in Ordnung?‹ Das hat im Netz erneut für Empörung gesorgt. Sie dachten, das ist Phrasendreschen. Der denkt nur an sein Image! Ein User twitterte – im Netz haben sich viele Männer zu Wort gemeldet – er schrieb: Nein, Herr Premierminister, das ist nicht in Ordnung. So fing es an. Jetzt richtet sich die Wut gegen die Gesellschaft selbst.
Der Vater hat den Namen der Toten publik gemacht. Das ist gesetzlich verboten, viele Zeitungen drucken ihn nicht. Aber jetzt kann man den Namen im Netz finden. Seither diskutiert man über die Frage der Kaste: Man fragt sich, ob die niedrigere Kaste der Täter ein Grund für die große Empörung ist. Können Sie nachvollziehen, dass das Thema ins Spiel kommt?
VN: Ja, es gibt eine politische Diskussion, aber die Kaste hat damit nichts zu tun. Das war nur ein Zufall, dass dieser Bus mit den sechs Männern, die sturzbetrunken waren, darunter zwei Brüder, die bekannte Gewalttäter sind, gerade diese beiden Studenten aufnahm. Diese sechs Männer, die aus einem dörflichen Umfeld mit dörflichen Regeln kommen, fragten das Mädchen als Erstes: „Was machst du mit einem jungen Mann um halb zehn Uhr abends in einem Bus?
ED: Wir haben gerade gehört, dass jetzt immer mehr Frauen Selbstverteidigung lernen. Frauen müssen kämpfen lernen?
VN: Ja, das sagen sie selbst. Ich glaube, einen positiven Effekt wird dieser Fall immerhin haben, und das wäre toll. Angenommen man wird im Bus begrabscht. Man dreht sich um: Da stehen fünf Männer. Jeder grinst nur spöttisch. Also wer ist es gewesen?
ED: Sie halten zusammen.
VN: Ja, sie halten zusammen.
ED: Und heute?
VN: Man muss anfangen zu brüllen. Die Frauen sollten sprechen anstatt zu schweigen. Und die Männer die ringsherum stehen, sollten nicht länger feige den Mund halten. Sie sollten nicht für sondern gegen die Täter handeln.
EQ: Wird sich diese neue feministische Bewegung durchsetzen können? Trotz dem Patriarchat, trotz der frauenfeindlichen Gesellschaft, wo Mädchen abgetrieben werden und noch so einiges andere?
VN: Diese feministische Bewegung gibt es schon lange. Der erste Kampf der Feministinnen richtete sich gegen die Praxis, Mädchen wegen der Mitgift zu verbrennen. Das war in den 80er Jahren. Ich machte damals selbst eine Radiosendung, die 1981 weltweit für Aufsehen sorgte. Das ist also nicht neu. Wir haben in Theaterstücken auf der Straße nachgespielt, wie die Saris junger Frauen angezündet wurden, um das Ganze als Unfall darzustellen. Die Feministinnen werden also weiterkämpfen.
EQ. Danke Vaiju Naravane

Patriarchale Männer schlagen zurück

Schlag auf Schlag folgen in Indien seit dem Bekanntwerden und den Demonstrationen öffentlicher Empörung gegen die tödliche Massenvergewaltigung vom 16.12.12 weitere Massenvergewaltigungen. Der Backlash demonstriert brutale Männerherrschaft, die sich dagegen wehrt, die Privilegien der Macht über den weiblichen Körper aufzugeben und das Recht auf die traditionell verankerte Ausbeutung und Unterdrückung der Frauen zu verlieren. Die körperliche und psychische Gewalt schüchtert nicht nur Mädchen und Frauen ein, sondern auch ihre Begleiter, Eltern und Ehemänner; ein Großteil der Bevölkerung reagiert gelähmt, hilf- und wehrlos. Die Angst wirkt sich systemstabilisierend aus und verweist die Frauen wieder auf ihren traditionellen Platz der Fügsamkeit und Unterwerfung unter die Gewalt der phallokratischen Männer. Der patriarchalen indischen Regierung, der politischen Klasse, der korrupten Polizei und Justiz, die scheinbar hilflos, sich meistens stumm und taub stellt und dem bestialischen Treiben tatenlos zuschaut – kann dies nur Recht sein; die Vergewaltiger besiegeln patriarchale Männermacht, ohne dass sich die Männer an der Schalthebeln der Macht die Hände in der Öffentlichkeit schmutzig machen müssen. Der Fluch des Patriarchats tut seine Wirkung!

Aber es gibt sie selbstverständlich, die Nicht-patriarchal-vergifteten-Männer:

Der afghanische Sänger Farhad Darya sagt in einem Interview: »Alles woran Frauen leiden, wird ihnen von Männern zugefügt. Wir Männer sind es, die ihnen ständig Gewalt antun«.

(s. auch: ›Arundhati Roy – Gandhis vergiftetes Erbe‹ (DIE ZEIT Nº 40/2014 17. Oktober 2014  Interview von Jan Roß)

 


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