Wie der Krieg in der Altsteinzeit erfunden wurde

Aus dem Inhalt:

  • Der jungpaläolithische Friedhof 117 von Jebel Sahaba in Nubien
  • Der Irrtum mit den Pfeilspitzen
  • Die Besiedlung Europas war friedlich
  • Es gab kriminelle Handlungen aber keinen Krieg
  • Die ersten Kriege kamen mit den Indo-Europäer/Ariern
    vor 5500 Jahren in die Welt
  • Das Patriarchat – Massengrab für Millionen

 Der jungpaläolithische Friedhof 117 von Jebel Sahaba in Nubien

In dem als Cemetery 117 berühmt gewordenen Friedhof von Jebel (Gebel) Sahaba, nördlich von Wadi Halfa, fand der Anthropologe Fred Wendorf 1964 bei seinen Grabungen 59 Bestattungen; davon 24 Frauen, 19 Männer, 13 Kinder – vom Kleinkind bis 15 Jahre – und Fragmente von drei Personen bei denen Alter und Geschlecht nicht ermittelt werden konnten. Die Bestattungen stammen aus dem Jungpaläolithikum und sind 13’000 bis 14’000 Jahre alt.

 

Jebel-Sahaba-Friedhof

Der Friedhof 117 von Jebel Sahaba mit der Lage und Position der sorgfältig bestatteten Toten (Fig. 3 nach Fred Wendorf ›THE PREHISTORY OF NUBIA‹ II, 1968, S. 956)

Wir können annehmen, dass es sich hier um einen durchschnittlichen Friedhof jener Zeit handelt; mit einer durchschnittlichen Anzahl von bestatteten Frauen, Männern und Kindern. Die Gräber der Jungsteinzeit zeigen keine Altersunterschiede bei der Sterblichkeit zwischen Frauen und Männern. Es gibt keine Hinweise für eine hohe Mortalität der Frauen im Kindbett, auch nicht für eine hohe Kindersterblichkeit. In diesem Fried­hof fand man unter 52 Be­erdigten nur ein Kleinkind un­ter sechs Monaten, ein Kind zwischen drei und fünf und zwei zwischen sechs und sieben Jahren (Michael A. Hoffman ›Egypt before the Pharaos‹ 1980, S. 92). Weil die Frauen viel von Heil­kunde verstan­den, war die Kinder­sterblichkeit vermutlich gering. Hier herrscht friedvolle Friedhofsruhe, kein Chaos, nichts was auf ein feindliches Geschehen, ein Massaker, geschweige denn einen Krieg hindeuten würde, umso erstaunlicher ist, dass der Anthropologe Fred Wendorf, der Ausgräber des Friedhofs, genau dies in den Fund von Jebel Sahaba hineininterpretiert. Bei der Betrachtung der Details stellt man jedoch fest, dass es sich dabei um eine durch nichts aufrecht zu erhaltendes Konstrukt handelt.

Bei etwa 40 % der Bestatteten fand man 1 bis 27 Steinartefakte (die meisten aus Silex/Feuerstein), die zum Teil gar nicht, nur minimal oder mehr oder weniger stark bearbeitetet waren. Wendorf glaubt, dass es sich bei den insgesamt 110 Artefakten nicht um Grabbeigaben handle. Seine Interpretation lautet, dass es ›Material‹, Werkzeug, sei, das den Toten mitgegeben wurde, weil sie es im Jenseits brauchten; ein Gedanke, der aber erst in der Zeit des dynastischen Ägyptens, aufgrund des patriarchalen Glaubens an ein ewiges Leben im Jenseits, auftrat.

Jebel-Sahaba-Artefakte

Diese Abbildung zeigt einen Teil aller abgebildeten Artefakte aus Jebel Sahaba, von einfachen Abschlägen bis zu kunstvoll retouchierten Exemplaren in der untersten Linie, von s bis v. (Fig. 33  Wendorf, 1968 S. 986)

Für die Interpretation der Steinsammlung sei der Fund von großer Bedeutung, schreibt Wendorf, wobei das Auffälligste die große Zahl unbearbeiteten Abschlagmaterials sei, das man normalerweise nicht als Werkzeuge, sondern als nicht verwertbare Abfälle klassifizieren würde. Wendorf behauptet jedoch, bei diesen handle es sich um Teile von Geschossen und anderen Waffen, die für ein Massaker, wenn nicht gar für einen Krieg verwendet wurden, die mit dem Tod der Individuen im Zusammenhang standen. Viele der Mikrolithen seien an Stellen der Körper gefunden worden, die ihre Verwendung als Waffen unwiderlegbar beweisen [!] und eine andere Erklärung unangemessen, nicht plausibel, erscheine. Dabei handelt es sich um insgesamt fünf Steinabschläge, die in Knochen und zwei in Schädeln von vier Skeletten gefunden wurden. Die Knochen mit den darin befindlichen Mikrolithen sind bei Wendorf abgebildet, leider ist auf den Fotos nicht auszumachen, von welcher Form und Größe diese sind (›Artifacts imbedded in bone fragments from several skeletons‹, S. 989). Erstaunlich ist jedoch, dass nicht nur die in den Knochen gefundenen Artefakte, sondern auch die neben dem Skelett liegenden Exemplare von Wendorf als Waffen interpretiert wurden. Er ist überzeugt, dass die meisten als Waffen betrachtet werden müssen, und dass diese für den unmittelbaren Tod der Bestatteten verantwortlich waren. Nach seiner Interpretation starb beinahe die Hälfte der Population eines gewaltsamen Todes. Immerhin meint er, dass einige der Abschläge wohl keine Waffen, sondern Schaber oder Stichel waren, die zufällig in Positionen lagen, wo ihre Funktion nicht klar sei, und dass Beschädigungen bei einigen der Bestatteten, auch der fragmentierten Skelette, auf die Aushebung neuer Gruben zurückgeführt werden könne. Nur bei wenigen Exemplaren ist die Kunst der Steinbearbeitung bereits fortgeschrittener, wie wir sie aus dem ägyptischen Neolithikum kennen (s. Abb. 33, unterste Zeile, s – v). Dieser Unterschied dürfte darauf hinweisen, dass der Friedhof über lange Zeit, möglicherweise über viele Jahrunderte, wenn nicht Jahrtausende, belegt wurde. Wendorfs Interpretationen stellen auch die Frage nach der relativen Chronologie. Wahrscheinlich waren die wenig bearbeiteten Steine typisch für das Ende des Jungpaläolithikums und für die Menschen, die hier bestattet wurden. Und möglicherweise stammen die 60 % der Gräber ohne Grabbeigaben aus einer sehr frühen, jene 40 % mit Beigaben aus einer späteren Zeit.
Auch der Prähistoriker Hermann Parzinger nimmt zu Jebel Sahab Stellung und frönt aufgrund der Steinpitzen ebenfalls der Idee vom Krieg. Er schreibt: »Das steinerne Gerätematerial ist mikrolithisch geprägt, im Fundmaterial besonders zahlreich sind kleine Pfeispitzen, die ganz offensichtlich auch zur Bewehrung von Speeren dienten, die für den Fischfang verwendet wurden… Seit dem Jungpaläolithikum sind aus Nubien und dem Zentralsudan auch Gräberfelder bekannt, die von langer Sesshaftigkeit zeugen. Am Jebel Sahab konnte eine stattliche Nekropole mit über 40 Bestatteten freigelegt werden, die durchgehend in linker Hockerlage mit dem Kopf im Südosten gebettet waren. Auffallend sind Mehrfachgräber mit Erwachsenen und Kindern, Viele der Individuen weisen offenbar durch Silexpfeilspitzen verursachte Schädelverletzungen auf, was auf kriegerische Auseinandersetzungen schließen lässt.« (›Die Kinder des Prometheus – Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift‹, 2014, S. 278)

 Es gibt viele bisher unbeantwortete Fragen. So sollte vielleicht auch einmal die Gewalteinwirkung durch den tonnenschweren Camion hinterfragt und untersucht werden, mit dem die Forscher den Friedhof unbeabsichtigt überfuhren und über den darunterliegenden Gräbern parkierten. Die porösen Knochenskelette, die wegen der Erosion der Oberfläche manchmal unmittelbar oder nur zwischen 10 und 35 Zentimetern unterhalb der Erdoberfläche lagen, könnten sehr wohl durch die Schwere der Lastwagen eingedrückt worden sein und die mysteriösen Steinsplitter in den Knochen und die Kratzer auf den Knochen erklären.

Und – wer hat die Toten bestattet?

Wendorf glaubt, dass alle Männer, Frauen und Kinder in einen einzigen Kampf miteinbezogen waren. Doch dann stellt sich die Frage, wer nach dem Massaker die schwere Arbeit machte, die Gruben aushob und die Toten – trotz der scheinbar chaotischen Situation, die mit einem Massaker einhergeht ­– in der damals üblichen Embryonalstellung mit angezogenen Beinen und den Händen vor dem Gesicht – sorgfältig und noch vor dem Eintreten der Totenstarre, die nach 1 bis 2 Stunden beginnt, bestattet hat?

Jebel-Sahaba-Camion

»Site 117 looking north in the early phase of the excavation in February 1965. The burial area extended under the parked vehicle.« (Wendorf Fig. 5, 1968, S. 958)

Wendorf schliesst mit einer fatalen Deutung, einem Fehlschluss mit katastrophalen Folgen für die Geschichtsschreibung der Menschheit. Obwohl keine seiner Waffengewalt- und Kriegsthesen überzeugt, weil alle auf der irrigen Prämisse basieren, die Silex-Artefakte von Jebel Sahaba wären keine Grabbeigaben sondern Waffen, wurde seine Interpretation für jene, die nicht wahrhaben wollen, dass es einmal eine Welt ohne Waffen, ohne Krieg und Gewalt gab zum Triumph. So wurde Wendorf, was wohl nicht seine Absicht war, zum Erfinder des Krieges in der Altsteinzeit.

Die Silex-Steinspitzen werden irrtümlich als Geschossspitzen interpretiert; dies sind jedoch keine Waffen, sondern Symbole für Leben!  (s. ›Der Irrtum mit den ›Pfeilspitzen‹).

Der Archäologe Henri Frankfort, der die Symbolik der ›Pfeil- und Speerspitzen‹ kannte, weist auf die signifikante Tatsache hin, dass es in den tausenden von urgeschichtlichen Gräbern, die in Ägypten gefunden wurden, kein einziges Anzeichen gibt, das durch Größe oder Ausstattung auf einen ›großen Chef‹ hingewiesen hätte (Frankfort ›The Birth of Civilization in the Near East‹ 1951, S. 43f.). Charakteristisch für ›große Chefs‹ sind ab den Metallzeiten Waffen aus Kupfer, Bronze und später aus Eisen als Grabbeigaben!

Jebel Sahaba und die völlig überdrehten, kriegerischen Phantasien – die der Ausgräber Wendorf ausgelöst hat – wurden zum wichtigsten Argument der Vertreter vom Krieg, den es ›schon-immer‹ gegeben haben soll. So behauptet ein Autor im Internet: »Das Kriegshandwerk zählt nicht von ungefähr zu den ältesten Professionen des Menschen, denn seit jeher wird die Entwicklung des Homo sapiens von blutigen Verteilungs- und Machtkämpfen begleitet.« (›Die Kunst des Krieges – Von der Antike bis zur Moderne‹ Hvhb. DW).
Nach der Veröffentlichung von Wendorfs Grabungsbericht fiel es Militärhistorikern, Waffennarren und Kriegsfanatikern leicht, die in Jebel Sahaba vorgefundenen Mikrolithen zu ›Pfeil-und-Bogen‹ und zum ›wichtigsten Kampfmittel‹ der Alststeinzeit zu machen. In den Toten sahen sie viele ›Kampfopfer‹  die durch ›Pfeil- oder -Speerspitzen‹ umgekommen seien (›Ancient Military History‹  http://www.ancientmilitary.com/). Lawrence H. Keeley behauptet in seinem Buch: ›War Before Civilization: The Myth of the peaceful Savage‹ 1996: »demonstrates convincingly  that prehistoric warfare was in fact more deadly, more frequent, and more ruthless than modern war.«

Neben diesen und andern unredlichen Spekulationen meint ein Autor, es handle sich vielleicht eher um den Beweis eines Mordens durch Eindringlinge als um einen Kampf. Jedoch sei der Kampf um beschränktes Farmland der Auslöser für Kämpfe zwischen Banden und später zwischen Dörfern gewesen, bei denen vielfältige primitive Waffen eingesetzt wurden. Je fortgeschrittener – zivilisierter – die Gemeinschaften wurden, so spekuliert der Erfinder weiter, desto fortschrittlicher sei auch die Komplexität der Kriegsführung geworden!

Immerhin schreibt Raymond C. Kelly (http://en.wikipedia.org/wiki/Prehistoric_warfare#cite_ref-Kelly_5-0:):

»Warfare originated independently in other parts of the world as late as 4’000 years ago.«

Diese wichtige Bemerkung – sie ist zwar nicht ganz korrekt – die kriegerischen Eroberungen der Indo-Europäer begannen vor  5700 – 5500 Jahren in Nordostmesopotamien, bzw.im Norden Syriens in Hamoukar und Tell Brak  –, sie kommt aber der Wahrheit am nächsten und könnte den fatalen Hirngespinsten über den Krieg in der Altsteinzeit ein Ende setzen. (s. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹)

 Der Irrtum mit den Pfeilspitzen

Bei Wendorf sind alle 110 Silex-Mikrolithen abgebildet und überprüfbar; darunter gibt es keine einzige ›Pfeilspitze‹. Diese tauchen im Nahen Osten erst im frühen (präkeramischen) Neolithikum, ab ca. 9’600 auf.  Die irrige These vom Krieg, den es ›schon-immer‹ gab und die genau so katastrophal falsche Behauptung von den ›frühen Jägern‹ führte zur folgenschwersten Fehldeutung der Urgeschichte: Es handle sich bei den Silexpfeilen um ›Geschossspitzen‹ für die Jagd oder den Krieg; doch diese Artefakte sind keine Tötungswaffen, keine Pfeil- oder Speerspitzen und keine Dolchklingen sondern (ebenfalls) matriarchale Symbole. Sie bedeuten nichts weniger als ›Leben‹! (s. auch ›Die Mobile Kunst der Steinzeit und die Verehrung der Vulva‹)

Wendorf berichtet in seiner ›Summary of Nubian Prehistory‹ (S. 1041-1059), dass die Masse des Datenmaterials der beinahe hundert sorgfältig durchgeführten Ausgrabungen und von Hunderten von Gutachten, die einen Zeitraum von vielleicht Hunderttausend Jahren umspannen, überwältigend sei. Jedoch gab es nirgends Anzeichen von Gewalt, wie Wendorf sie in Jebel Sahaba festgestellt haben will. Es handelt sich ganz offensichtlich um Wendorfs ganz persönliche Interpretation, womit er den patriarchalen Historikern ein verheerendes Interpretationsmodell geliefert hat.
Für die phallokratischen Vertreter der Theorie ›Krieg-hat-es-schon-immer-gegeben‹ war Wendorfs These ein absoluter Glücksfall. Endlich hatte man ihnen ›den Beweis‹, dass es Gewalt und Krieg ›schon-immer‹ gegeben habe, geliefert und bestätigte damit auch jene, die behaupten ›der Mensch sei von Anfang an als Killer geboren‹, wobei hier nur der Mann gemeint sein kann! Gefallen findet bei den Rassisten auch die mit Wendorfs These entstandene Überzeugung der Krieg hätte seinen Anfang in Afrika genommen. Das bestärkte den Glauben an die wilden, primitiven Schwarzen und die Überlegenheit des weißen Mannes.
Was bei Wendorf besonders auffällt, ist, dass er keineswegs erstaunt war über den Fund von frühen Waffen und Krieg in Nubien, das für die sprichwörtliche Friedfertigkeit seiner Menschen bis in die dynastische Zeit Ägyptens bekannt war. Er stellt zwar fest, eine derartige Häufung von Gewalt sei eine abnorme Erscheinung und es gebe auch keine direkten Hinweise auf die Umstände, die dafür verantwortlich seien. Paradoxerweise schreibt er trotzdem, dass Gewalt in dieser Zeit sehr verbreitet gewesen sein müsse. Natürlich kann diese Interpretation nur aufrecht erhalten werden, ›wenn wir den Friedhof von Jebel Sahaba als typisch‹ annehmen (S. 992). Das sollten wir allerdings nicht tun, sondern entweder den Friedhof mit seinen ›durch Gewalteinwirkung‹ Verstorbenen als Ausnahme oder als Fehlinterpretation eines Wissenschaftlers betrachten, der davon ausgeht, dass es Krieg und Gewalt ›schon-immer‹ gegeben haben muss! Weil doch nicht sein darf, dass Krieg und Gewalt als Mittel von Eroberung, Unterdrückung, Versklavung und Kontrolle ausgerechnet in der Zeit der vielbejubelten patriarchalen ›Hochkulturen‹ und dem Beginn der patriarchalen ›Hochreligionen‹ in die Welt kamen. Wendorf bleibt bei seiner Überzeugung, dass in Jebel Sahab ein Massaker stattgefunden habe. Trotz der beinahe 100 ganz normalen urzeitlichen Friedhöfe mit Hunderten von Bestattungen und Tausenden von Silex-Artefakten, die seine Deutung ad absurdum führen. Bei keiner einzigen Ausgrabung wäre eine Interpretation von Waffengewalt, ja von Krieg, angemessen. (Quelle: Fred Wendorf, ›Site 117: A Nubian Final Paleolithic Graveyard near Jebel Sahaba, Sudan‹. In: Fred Wendorf, The Prehistory of Nubia, Southern Methodist University, Dallas 1968, pp. 954–995)

Die frühe Besiedlung Europas war friedlich

Skelett Griechenland»Sesshaftigkeit, Ackerbau und Tierhaltung haben sich bereits vor 10.000 Jahren in einer Gegend entwickelt, in der heute die Türkei, Syrien, Iran und Irak aneinander grenzen, dem sogenannten Fruchtbaren Halbmond. Zuzana Hofmanová, neben Susanne Kreutzer die Erstautorin der neuen Studie, führt dazu aus: »Ob die ersten Ackerbauern letztendlich aus dieser Gegend kamen, ist noch nicht bewiesen. Aber mit Sicherheit konnten wir feststellen, dass sie samt ihrer revolutionären neolithischen Kultur weite Teile Europas über die nördliche Ägäis in nur kurzer Zeit besiedelt haben.« (www.archaeologie-online.de)

Abb. Menschliches Skelett von einer Ausgrabung im nördlichen Griechenland. (Foto/©: K. Kotsakis und P. Halstead, Paliambela Excavation Project Archive)

Die embryonale Körperhaltung weist auf den matriarchalen Wiedergeburtsglauben hin, mit den Überfällen und Eroberungen der Indo-Europäer veränderte sich die Art der Totenbestattungen  (s. ›Seite an Seite zwei verschiedene Bestattungsarten‹).

Weiter lesen wir, und das ist jetzt wichtig, für das was später in Europa passiert:
»Es sollte nicht die letzte große Migration nach Europa sein: Vor ca. 5.000 Jahren erreichten Bewohner der osteuropäischen Steppe Mitteleuropa und gingen in den Gesellschaften ehemaliger Jäger und Sammler und früher Bauern auf. Mehrheitlich aus einer Mischung dieser drei Gruppen entstanden die heutigen Bevölkerungen Europas.« (Zuzana Hofmanová, Susanne Kreutzer et al. ›Early farmers from across Europe directly descended from Neolithic Aegeans‹ Proceedings of the National Academy of Sciences) 18.6.2016 (https://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/erste-jungsteinzeitliche-bauern-europas-stammen-aus-der-aegaeis-40288/)

(Das von den ›Jägern und Sammlern‹ ist ein alter Schmäh. s. ›Die Mär von den ›Großen Jägern‹ der Steinzeit‹)

Die ersten Kriege kamen mit den Indo-Europäer/Ariern vor 5500 Jahren, um 3500 in die Welt

Die frühesten Beweise von kriegerischer Aggression sind auf Rollsiegeln aus dem Norden Mesopotamiens festgehalten (s. P. AmietLa glyptique mésopotamienne archaique‹ Paris  1980. s. ›Die patriarchale Lüge vom Krieg, den es ›schon immer‹ gegeben hat‹)

Erstaunlich ist, dass keiner der sich als zuständig für die frühe ›Kriegskunst‹ haltenden Autoren, das 5000 Jahre alte Bild vom ägyptischen Hierakonpolis erwähnt, das beweist, dass es sich dabei um ein Dokument handelt, das unzweifelhaft eine Eroberung und ein Massaker darstellt. Vielleicht ist neben Unwissenheit auch eine gewisse Verleugnung anzunehmen, denn hier wird das Morden der schwarzen Bevölkerung Oberägyptens durch weiße Eroberer glaubhaft abgebildet. (s. ›Hierakonpolis und ein irritierendes Grab‹)

»Der HERR ist der rechte ›Kriegsmann‹. HERR ist sein Name« (Exodus 15.3)

Das Patriarchat als ›zivilisatorische Errungenschaft der Männer‹ zu deklarieren, spricht der Tatsache Hohn, dass mit dem Patriarchat der Krieg – die todbringende Geißel – in die Welt kam.

Die patriarchalisierten Indo-Europäer ließen sich ihre Überfalle und Massaker von ihren neu geschaffenen männlichen Göttern legitimieren. Mit den kriegerischen Eroberungen verbreiteten sie ihre patriarchale Politik und Religion, die auf Gewalt und Gehorsam beruhenden Zwillinge der patriarchalen Ideologie, wie ein Höllenfeuer (s. die Bibel, das furchtbare Geschichts- und Propagandabuch des Patriarchats und der Koran).

Es gab kriminelle Handlungen aber keinen Krieg

Kriege gab es nicht, und Mord und Totschlag waren nicht alltäglich. Es gab in Europa vereinzelte Überfalle und Massaker durch gewalttätige Individuen oder barbarische Horden, die die Menschen völlig unvorbereitet trafen und für sie umso überraschender waren. Wie der gut dokumentierte Fund des Massakers in der Ofnet-Höhle von Talheim (Baden-Württemberg) zeigt, wurden hier vor 7000 Jahren sieben Frauen, neun Männern und sechzehn Kindern und Jugendlichen der Schädel eingeschlagen. In Eulau in Sachsen-Anhalt kamen vor 44oo Jahren drei Frauen, zwei Männer und acht Kinder zu Tode (s. ›Eulau‹, Wikipedia und den Film ›Tatort Eulau‹ Terra X – ZDF Mediathek). Immerhin wurden die Toten sorgfältig in Embryo-Haltung bestattet. Die Untersuchungen der Ursachen des Todes, die laut der Archäologin für Ur- und Frühgeschichte Heidi Peter-Röcher auch durch ein Unglück verursacht sein können, sind noch nicht abgeschlossen.
Ebenfalls vor 6000-7000 Jahren wurde ein jungsteinzeitliches Dorf in der Nähe des niederösterreichischen Asparn an der Zaya (Schletz) durch ein Massaker brutal ausgelöscht. 67 Personen (anderen Berichten zufolge mehr als hundert Bewohner, Frauen, Männer und Kinder) wurden erschlagen. Sie blieben offenbar während längerer Zeit unbeerdigt liegen, wie die Spuren von Tierzähnen zeigen. Auffallenderweise fehlen hier Skelette von Mädchen und jungen Frauen.
Im Juni 2016 berichtete das SPEKTRUM von einem Massaker, das ebenfalls vor etwa 6000 Jahren im elsässischen Achenheim bei Straßburg stattgefunden hat. Die Skelette von fünf Männern und einem Heranwachsenden waren brutal zugerichtet, übereinander geworfen. Sie hatten Knochenbrüche an den Händen, Armen, Beinen, Füßen, dem Schädel und dem Kiefer, die ihnen nach ihrem Ableben mit Steinbeilen zugefügt worden waren.
Dem reißerischen Journalismus der vom ›Mythos des friedlichen Neolithikums‹, bzw. vom ›Krieg im Neoli­thikum‹ und von ›Kannibalismus in der Steinzeit‹ berichtet oder behauptet, in der Jungsteinzeit ›flossen Ströme von Blut‹, setzt Heidi Peter-Röcher, Professorin am Lehrstuhl für Vor- und Frühge­schichtliche Archäologie an der Universität von Würzburg mehr Sachlichkeit und Verstand entgegen. Sie beurteilt die sensationsgierigen Berichte über ›Krieg im Neoli­thikum‹ weitaus unaufgeregter, differenzierter und vorsichtiger. Zum Beispiel würden die Funde der Ausgrabungen von Herxheim – nicht wie berichtet – auf Kannibalismus hinweisen, sondern eher auf einen Kultplatz. Statt von Kannibalismus  zu sprechen, weist die Urgeschichtlerin auf natürliche Ursachen hin, z.B. dass Brandspuren an den ausgegrabenen Knochen nicht auf Menschenfresser zurückgehen, sondern vom Dynamit stammen, mit dem die Ausgrabungen vorgenommen wurden. Zerbrochene Knochen wie in der Jungfernhöhle bei Tiefenellern wurden durch Tierverbiss und nicht durch Kannibalen verursacht. (s. auch ›Die Mär von den Großen Jägern der Steinzeit‹)
In einem Interview sagt die Wissenschaftlerin: »Ein Beispiel von organisierter Gewalt mit vielen Toten macht noch keinen Krieg. Dieser ist erst für hierarchische Gesellschaf­ten charakteristisch, also für einen Staat, bei dem ein Herrscher die Macht und die Befehls­gewalt über eine Truppe von Kriegern oder Söldnern ausübt. Diese Strukturen tauchen je­doch laut der Würzburger Professorin in Mitteleuropa erst ab der Bronzezeit auf. »Staaten können erobern, in die Sklaverei führen und ihre Untertanen be­herrschen. Aber dieser Apparat musste sich erst mal entwickeln, ebenso die Ideologie, die dahintersteckt.« Deshalb widerspricht sie, wenn es heißt: »Der Mensch [der Mann!] war schon immer gierig, wollte Beute machen, und wenn er nichts hatte, ist er zum Nachbarn gegangen und hat ihn umgebracht, um an seine Vorräte zu kommen.« Das würde nur einmal funktionieren – dann wäre es mit der Nachbarschaft vorbei. Und wäre der Mensch tatsächlich nur so veranlagt, dann ge­be es ihn heute nicht mehr. Frau Peter-Röcher will damit nicht andeuten, dass der Homo sapiens überwiegend friedliebend ist. »Er ist alles zugleich, brutal, egoistisch, alt­ruistisch. Wie er sich verhält, das liegt an den gesellschaftlichen Strukturen, in denen er lebt.« (Interview Christine Jeske, Pressespiegel, http://www.vfg.uni-wuerzburg.de/presse_galerie/detailansicht/artikel/was-knoche/)
Sensationsjournalisten und eher vereinzelt eben auch Wissenschaftler beschwören aufgrund der bisher seltenen Funde von Überfallen und Massakern eine allgemeine, weit verbreitete Gewalt im Neolithikum. Die Behauptung hat einen einfachen Grund. Die Funde sollen die außer Rand und Band geratene heutige, scheinbar zivilisierte patriarchale ›Kriegskultur‹ mit der Unterstellung rechtfertigen und reinwaschen: ›Kriege und Massaker gab es schon-immer‹. Tatsache ist jedoch, dass das Patriarchat – also die letzten 6–7000 Jahre der etwa 2 Millionen dauernden Menschheitsgeschichte – die bluttriefendste, grausamste, mörderischste Epoche und unsere Zeit, das 20. und 21. Jahrhundert, am allerschlimmsten war und ist.
Die Altsteinzeit war eine friedliche Zeit, dies bestätigt Harald Meller, Halle, Landesarchäologe (s.Der erste Krieg der Weltgeschichte‹)

 ›Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keinen Krieg!‹

Der Frieden, der bis zu den kriegerischen Eroberungen der Indo-Europäer zu Beginn der Bronzezeit gewahrt wurde, ist eine Leistung der Frauen, der Mütter des Matriarchats, die ihre Söhne zu friedfertigen Männern erzogen.

Das Patriarchat – Massengrab für Millionen

Wenn man neben der ungeheuerlichen Zahl von Kriegstoten auch noch die Zahl der Toten der Massaker der ›zivilisierten‹ patriarchalen Neuzeit bedenkt, etwa Srebrenica, Nanking, My Lai, Sabra und Schatila usw. usw., ist klar, dass die Massaker in der Altsteinzeit Ausnahmen sind. Sie werden aber gerne als Alibi instrumentalisiert, um zu behaupten, die Zeit vor der patriarchalen Machtnahme seien nicht ›ausschließlich‹ friedlich gewesen. Wenn man in Betracht zieht, mit welcher Häufigkeit patriarchale Männer – meist freiwillig – einer Mordlust folgend oder verführt durch die Propaganda für Gott, Vaterland und Heldentum in den Krieg ziehen, töten, plündern, morden, foltern und vergewaltigen, sind die frühen Ausnahme-Vorkommnisse geradezu der Beweis für die unglaublich lange Zeit des Friedens.

›Der Krieg ist darin schlimm, dass er mehr böse Menschen macht,
als er deren weg nimmt.‹
(Immanuel Kant)

Patriarchale alte Männer machen aus jungen Männern Mörder für ihre Kriege. Das Patriarchat schürt männliche Zerstörungs- und todbringende Kriegslust; denn die Kriegstreiber ziehen daraus Profit und befriedigen damit noch zusätzlich ihren Menschenhass, ihren Neid und ihre unersättliche Habgier!

 


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