Das Patriarchat – Die Geschichte von Tyrannei und Krieg

Aus dem Inhalt:

  • Die Entstehung des Patriarchats und der Eroberungen
  • Die Eroberungswellen der Indo-Europäer
  • Die Erfindung der ersten Vater-Götter vor ca. 5000 Jahren
  • Das Patriarchat hat die zivilisierende Macht der Mütter gebrochen und zunichte gemacht
  • So, wie es patriarchale Historiker propagieren, war es NICHT und schon gar nicht, ›schon immer‹!

Die Entstehung des Patriarchats und der Eroberungen

Bis vor wenigen Jahrzehnten wussten wir kaum etwas über die Entstehung des Patriarchats und von der kurzen Zeit seines Bestehens als Teil der Geschichte der Menschheit. Vielmehr wurde uns suggeriert, dass es nie eine andere Form als das von Männern dominierte Werte- und Gesellschaftssystem gegeben habe. Wer wusste schon etwas über die Hundertausenden Jahre  vor  der Erfindung der patriarchalen Ideologie, als die Menschen unter der natürlichen Autorität der Mütter, ohne Gewalt und Krieg, lebten? (s. ›Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege‹) Wir haben uns derart an die Geschichtsklitterung der Historiker gewöhnt, dass uns der Mangel an Beweisen, die Einseitigkeit, die Verzerrungen und Verfälschungen nicht einmal mehr auffallen. Wir hinterfragen nicht mehr, zweifeln kaum mehr, haben uns längst mit dem Patriarchat als ›Selbstverständlichkeit‹ abgefunden. Wir glauben, so war es schon immer, Männer haben schon immer die Welt dominiert, die Frauen unterdrückt, Krieg geführt – und weil es immer so war, wird sich daran auch nie etwas ändern.
Die biologische Vaterschaft wurde vermutlich zwischen dem 6. und 4. Jahrtausend entdeckt oder wurde erstmals als männlicher Beitrag bei der Erzeugung von Nachwuchs von Männern als bedeutend, ja bestimmend, beurteilt. Damit begann die ›Herrschaft der Väter‹, das Patriarchat, das sich mit den Eroberungen seiner Erfinder, den aggressiven indoeuropäischen Rinder- und Pferdezüchtern der Steppen Südrusslands allmählich verbreitete. Die Indo-Europäer überfielen in drei großen kriegerischen Vorstößen zuerst Europa, später Mesopotamien und Ägypten. Wir verdanken es in erster Linie der bedeutenden Archäologin und Indo-Europäer Forscherin Marija Gimbutas, dass wir heute unseren Horizont erweitern können. Sie bezeichnet die Indo-Europäer aufgrund ihrer Grabhügel-Kultur (russisch Kurgan) als ›Kurgan-Leute‹.

Die Eroberungswellen der Indo-Europäer

 Marija Gimbutas beschreibt Chronologie und Auswirkungen der drei Invasionen
von den russischen Steppen nach Europa:

  • »Die erste Kurgan-Welle in das östliche Mitteleuropa um etwa 4400-4300 ist begleitet vom Aufkommen prominenter Kriegerbestattungen, von Witwentötung und Pferdekult.«  (Gimbutas ›Das Ende Alteuropas‹ 1994, S. 35 ff.) Die Witwentötung beim Tod des patriarchalen Oberhauptes, des Chefs oder Königs wurde später als Sati/Suttee nach den Invasionen in Ägypten und Mesopotamien ebenso angewandt, was allerdings erst etwas mehr als 1000 Jahre später geschah.
  • »Die zweite Welle um etwa 3500-3300 führte zur Transformation Mitteleuropas nach der Mitte des 4. Jahrtausends. Diese Transformation vollzog sich Hand in Hand mit einem Wandel in der Metallverarbeitung und dem Beginn der Bronzezeit.« (1994, s. 49 ff.)
  • »Die dritte Einwanderungswelle um etwa 3100-2900 war der Vorstoß der ›Jamna‹-Kurgan-Leute aus Südrussland nach Ostmitteleuropa. Er hatte massive Ausmaße und bewirkte drastische Veränderungen in der ethnischen Zusammensetzung Europas.« (1994, S. 89 ff) Diese Zeit entspricht der Errichtung des dynastischen Königtums Ägyptens, der sogenannten 0-Dynastie, der 1. und 2. Dynastie und dem Beginn des Alten Reiches. Es gibt zahllose Übereinstimmungen der Eroberung Alt-Europas, Mesopotamiens, Ägyptens und Palästinas.

Die Erfindung der ersten männlichen Götter vor ca. 5000 Jahren

In Unkenntnis der geschichtlichen Tatsache der späten Entstehung des Patriarchats wussten wir folgerichtig auch nichts von der späten Erfindung der ersten männlichen Götter. Von ihrem eigenen Beitrag, der ›großartigen Leistung‹ der Zeugung von Nachwuchs überwältigt, erfand die arische Priesterkaste – sie hatte ihre Heimat im Hochplateueau des Iran –, mit denen sich die kriegerischen Indo-Europäer verbündet hatten, die ersten männlichen Götter. Sie erkannten schnell, dass das Geschlecht der Gottheit eine wichtige Rolle bei der Machtnahme und Machterhaltung der eroberten – bis dahin ausschließlich matriarchalen – Welt spielte. Die arische Priesterkaste, welche die Raub- und Eroberungszüge ständig begleitete, erfand eine neue Religion, die sich um männliche Vater-, ›Schöpfer‹- und ›Ur-Götter‹ drehte.
Dann rechtfertigten sie ihre Raub- und Beutezüge mit Mythen, nach denen ihre Götter  ihnen diese befohlen hätten.
Wie die Große Göttin des Matriarchats als Schöpferin der Welt, der Menschen und des Kosmos verehrt wurde, statteten sie ihre neuen Götter mit Ur- und Schöpfungskräften aus. Später,  z.B.  im antiken Griechenland, erhielten diese auch noch verabscheuungswürdige Charakteristiken ihres primitiven kriegerischen Geschlechts, z.B. war  der indoeuropäische Göttervater Zeus bekannt als primitiver Verführer und Vergewaltiger der Frauen. Die indigenen matriarchalen Völker standen den neuen Göttern von Anfang an skeptisch und mit Abwehr gegenüber.
Wir wissen, dass nach der Eroberung Ägyptens zwei verschiedene Religionen nebeneinander existierten. Neben dem sogenannten Volksglauben der indigenen Bevölkerung schufen die Priester des Erobererclans eine patriarchale, solare Religion, die eine Königs-Religion der Elite war, während die Einheimischen bei ihrer eigenen Religion blieben. Das zeigt sich nicht zuletzt in den verschiedenen Begräbnisarten. Seit wir durch Ausgrabungen von der Bestattung der Toten Kenntnis haben, konnte beobachtet werden, dass diese bis zu den Eroberungen der Indo-Europäer ausnahmslos in embryonaler Stellung – im Glauben an die Wiedergeburt aus einer Frau des mütterlichen Blutclans – begraben wurden. Die patriarchalen Eroberer hingegen, wurden in Anlehnung an die Kurgane auf dem Rücken ausgestreckt bestattet – mit Blick zum Vater-Gott im Himmel und dem Glauben an ein ewiges Leben nach dem Tod.

Den indigenen Ackerbauern wurde eine ›gänzlich unkriegerische Natur‹ attestiert, doch nach der Invasion wurden sie zum Kriegsdienst gezwungen. Die Politik der Herrscher des Alten Reiches zwang sie auch zur Mithilfe am ›Ausrottungs-Imperialismus‹ gegen Nubien im Süden und zum Eroberungskampf des Deltas, der als ›Reichseinigung‹ bemäntelt wird. Ägypten musste nicht ›ver- oder ge-einigt‹ werden, es war vor der Eroberung gar nicht getrennt; es gab damals weltweit keine Grenzen. Besitztum und Grenzen sind eine Innovation des Patriarchats, um ihr Macht-Territorium zu markieren und abzugrenzen. Die Göttinnen-Trinität stützt die These von der Einheit Ägyptens in der matriarchalen Zeit. Im Norden war die Göttin Neith im Delta angesiedelt, Ombos im mittleren Teil Ägyptens war der Hauptkultort der Göttin Iset/Isis und im Süden ist die Todes- und Wiedergeburtsgöttin Nekhbet beheimatet. Die Trinität galt für ganz Ägypten. Nachdem die Eroberer im Süden eingedrungen waren und die Stadt Nekhen (Hierakopolis) unterworfen hatten, führten sie ihren Eroberungszug Richtung Norden fort. Was als ›Reichseinigung‹ gerühmt wird, ist der Kampf den die Invasoren nach der erfolgreichen Unterwerfung Ober-Ägyptens mit dem Ziel führten, ganz Ägyptens zu beherrschen. Es war eine Zeit geprägt von Brutalität und Blutvergiessen, was sich u.a. auch darin zeigt, dass in den Kriegen über die Anzahl der Toten und Gefangenen exakt Buch geführt wurde. Den gefesselten Gefangenen schlug man Hände oder Phallus ab, die dann von den Schreibern gezählt wurden. (D. Wolf 2009 ›Die pharaonische Schreckensherrschaft‹ S. 150–181)
»Durch den ›göttlichen‹ Befehl ihrer Könige und durch erbarmungslosen militärischen Zwang hatten die Menschen Tod, Traumatisierung, Verkrüppelung und schreckliche Armut und Zwangsarbeit zu ertragen«, schreibt Lewis Mumford. Dies alles um Machtausweitung, Leben und Wohlstand für den göttlichen oder halbgöttlichen Herrscher und dessen Hofstaat zu sichern.

SO, wie es patriarchale Historiker propagieren, war es NICHT
und schon gar nicht, ›seit jeher‹!

Das Patriarchat begann seinen tödlichen Siegeszug wahrscheinlich mit einem einzelnen Rädelsführer und einigen Kumpanen und unterstützt von einer arisch-iranischen Priesterkaste. Ein einzelner Mann, der nach Macht und Beute giert genügt – wie die Geschichte von unzähligen schwer psychopathischen Männern zeigt – um einen Überfall einen Krieg oder ein Massaker loszutreten.

Frauenforscherinnen, Geschichtsforscherinnen, Urgeschichtsforscherinnen, Religionsforscherinnen haben sich unter heftigsten Anfeindungen konservativer und religiöser Kreise daran gemacht, ›die andere Geschichte‹ zu erforschen, zu interpretieren und zu publizieren. Es ist die Geschichte der Vergessenen, der Unterdrückten, der Marginalisierten, der Verachteten. Sie zeigen auf und klagen an, was das Patriarchat den Menschen und ›Mutter Erde‹ angetan und die Welt an den Rand des Untergangs gebracht haben.
Nachdem die Welt während 98 Prozent seiner Geschichte in Frieden, Prosperität und Lebensfreude gelebt hat, was dank den Millionen von urgeschichtlichen Felszeichnungen bewiesen wird, bescherte das von den patriarchalen Historikern verherrlichte Patriarchat der Welt in nur 5000 Jahren, ein Leben in ständiger Angst und keinen Tag ohne Kriege.

Das Patriarchat hat die zivilisierende Macht der Mütter gebrochen
und zunichte gemacht

Patriarchale Väter übernahmen die Macht und erziehen besonders ihre Söhne statt der Liebe, mit Härte, Gewalt und der Forderung nach Gehorsam, Unterwerfung und Ehrerbietung. Die Wut der derart von ihren Vätern gedemütigten und geschundenen Kinder werden zu jungen Männern und oft zu fanatisierten, hasserfüllten Terroristen. »Terrorismus ist eine universelle Krankheit, egal, ob es sich um islamische Fundamentalisten handelt, um jüdische oder katholische. Sie alle zeichnet ein krankes Verhältnis zum Körper aus«, führt Kamel Daoud aus. »Weil die Frau diejenige ist, die das Leben schenkt und Terroristen das Leben nicht lieben, hassen sie die Frau.« Sie hassen in den Frauen ihre Mütter, die sie vor den barbarischen Männern, der ihre Väter sind, nicht beschützt haben, bzw. nicht beschützen konnten. http://www.dw.com/de/autor-kamel-daoud-über-die-kölner-silvesternacht-wer-ist-der-arabische-mann/a-19115793
In ihrem verbotenen, unbewusst gehaltenen Hass gegen den eigenen Vater wenden sie sich einem überirdischen ›Vater‹ zu, von dem sie glauben, dass er sie liebt, wenn sie sich für ihn in Kriege werfen, ›für ihn‹ zerstören, niederbrennen, vergewaltigen und töten und ›ihm‹ ihr eigenes Leben ›opfern‹. Sie tun dies ohne jedes Gefühl. Mitleidlos schlagen sie – von ihnen als unwert oder sündig eingestuften Menschen – die Köpfe ab und präsentieren sich damit eiskalt vor der Kamera. Fanatischer Glaube und Hass sind nicht rational erklärbar, es sind rein emotionale Reaktionen, geboren aus dem Hass der Demütigungen der Kindheit.
Es gibt (vermutlich) keinen ›angeborenen Tötungswillen‹ und kein aggressives Gen. Es gibt sie nicht, die ›männliche Natur‹, die Lust am Töten hat. Die männliche Aggression wird gemacht! Es gab sie nicht in der vor-patriarchalen Zeit als Mütter ihre Söhne zu friedlichen, liebevollen Menschen erzogen. Bis vor 5000 Jahren.
Aber es gibt eine den Söhnen patriarchal anerzogene Aggressivität. Diese kaputt gemachten Existenzen folgen den fundamentalistischen Rattenfängern, weil sie in den Krieg führen, wo sie sich endlich rächen können; Gewalt ohne jede Hemmung ausüben, quälen und töten dürfen, so wie sie selber gequält wurden, als patriarchale Väter das Beste in ihnen töteten: Liebe, Mitgefühl und Lebensfreude.
Hass, Wut und Rache werden von den Söhnen nach außen abgeleitet, die unterdrückten Frauen, die entmündigten Mütter richten sie eher nach innen. Gewalt und Depression in patriarchalen Ländern sind die zwei Seiten der gleichen Medaille.

Alle drei patriarchalen ›Vater‹-Religionen, Judentum, Christentum und Islam basieren auf der Zerstörung der matriarchalen Kultur und der Entwertung der Frau. Durch die Invasionen der patriarchalen Indo-Europäer und die Vernichtung der Religion der Großen Göttin, nach der Jahrtausende anhaltenden Verfolgung der als ›Heiden‹ und ›Götzenanbeter‹ verschrienen Menschen, welche die Göttin verehrten und nach der mythischen Ermordung der Mutter-Göttin entstand das Unheil der letzten 5000 Jahre. Die drei monotheistischen Religionen, die alle auf dem Mutter-Mord basieren, können sich offensichtlich nicht von den Untaten der Vergangenheit befreien.
Der verheimlichte Muttermord wird von den Söhnen des Patriarchats grausam gerächt.

Und noch etwas sagt Kamel Daoud: »Dort, wo ein Land ein gesundes Verhältnis zur Frau hat, geht es auch dem Land gut. Dort, wo es ein krankes Verhältnis zur Frau hat, geht es dem Land schlecht.«
http://www.dw.com/de/autor-kamel-daoud-über-die-kölner-silvesternacht-wer-ist-der-arabische-mann/a-19115793

 

 

 


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