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Höhlen – die frühesten Heiligtümer

Aus dem Inhalt:

  • Das Höhlenheiligtum von Lascaux
  • Höhlen – die älte­sten Heiligtümer der Göttin
  • Die früheste Kunst wurde zu Ehren der Göttin geschaffen
  • Hand- und Fußabdrücke der Künstlerinnen
  • Initiation der Mädchen im sakralen Raum der Göttin
  • Ein urgeschichtliches Höhlenheiligtum der Göttin im ›Tal der Königinnen‹
  • Die Göttinnen Groß-Skulptur am Eingang der heiligen Grotte
  • Die Rückkehr der Herrscher in den göttlichen Mutterschoß

›Die Höhlen und Spalten der Erde sind natürliche Manifestationen des ursprünglichen Schoßes der Mutter Erde. Diese Idee geht bis ins Paläolithikum zurück, als schmale Gänge, oval-geformte Areale, Klüfte und Spalten von Höhlen rot markiert oder bemalt wurden. Diese rote Farbe muss die Farbe des Regenerationsorgans der Frau symbolisiert haben.‹ (Marija Gimbutas)

Das Höhlenheiligtum von Lascaux

Der bekannte französische Paläoanthropologe und Ethnologe der Urgeschichts- und Höhlenforscher André Leroi-Gourhan wies darauf hin, dass die Höhle von Lascaux einen ›symbolisch weiblichen Charakter‹ hat. Die Anthropologin und Höhlen­for­scherin Doris F. Jonas stellte fest, dass »unser Wissen um die Präze­denz der Muttergöttin in chronologi­scher wie rangmäßiger Bedeu­tung vor den späteren und am Ende siegrei­chen männlichen Göt­tern, eine Bestätigung der Deutung von (paläolithischen) Höhlenmalereien als dem Wesen nach symbolische Darstellungen des urweiblichen Prinzips seien und nicht ›Jagdmagie‹, wie früher allzu bereitwillig geglaubt wurde« (Jonas et al. ›Weib und Macht‹ 1980). Gertrude Rachel Levy lässt keinen Zweifel daran, dass die Höhlen den Mutterleib darstellen (›The Gate of Horn‹ 1948).
Im Gegensatz zu den vielen Fotos anderer Fotografen sind die ausgeprägt sexuellen weiblichen Formen auf den Bildern des Schweizer Fotografen Hans Hinz unübersehbar und von großartiger Ästhetik und Schönheit (s. unten). Leroi-Gourhans Interpretation standen die andern, ausschließlich männlichen Forscher, die mit ihm zusammen als erste die Höhle untersuchten und interpretierten, äußerst ablehnend gegenüber. Zu den Meinungsmachern gehörte Abbé Henri Breuil (1877–1961), der ›Papst‹ der Urgeschichtsforschung. Dem zölibatär lebenden Mann muss die Ablehnung und damit die Verkennung dieser Tatsache nachgesehen werden. Er beschäftigte sich wenig mit der natürlichen Felsformation, der gegebenen ›Innenarchitektur‹ und der Symbolik der Raumgestaltung, die ihn möglicherweise sogar irritierte. So schenkten die ersten Forscher den Höhlenausformungen kaum Beachtung. Die wunderbaren Wandmalereien – nach Leroi-Gourhan sind es 1006 Bilder – boten genügend Faszination und Ablenkung von den eindeutig weiblichen Formen, für welche die Männer blind waren. Abbé Breuil akzeptierte die Hypothese des Grafen H. Bégouën, der, wie der damalige Adel, ein begeisterter Jäger gewesen sein dürfte, dass es sich bei den Bildern um ›Jagdmagie‹ handle und er entwickelte ein umfassendes religiöses Vokabular für den Kult dieses ›Jagdzaubers‹ und die Kultstätte, die er ›Heiligtum‹, ›Kathedrale‹ und ›Sixtinische Kapelle‹ nannte. Es ist verständlich, dass es dem Gott-Gläubigen Breuil, mit seinem patriarchal religiösen Hintergrund, leichter fiel, an ›Jagd-Zauber und Magie‹ zu glauben, als davon auszugehen, dass die Menschen der Eiszeit bereits ein religiöses System, eine frühe weibliche Religion hatten, in deren Mittelpunkt eine Göttin und nicht ein Gott stand.
Die Jagdzauber-Hypothese wurde während Jahrzehnten, neben andern Interpretationen, – es handle sich um ›L’Art-pour-l’Art‹, ›Schamanismus‹, ›Sympathiezauber‹, ›Totemismus‹ oder ›Fruchtbarkeitszauber‹ – akzeptiert und verbreitete sich Seite an Seite mit der Theorie vom ›Großen Jäger‹, z.B. in jüngster Zeit noch durch den Ausgräber von Göbekli Tepe, Klaus Schmidt und sein Credo, die Altsteinzeit sei eine »Zeit der eiszeitlichen, jägerischen Kulturen ca. 2′000′000 – 10′000 v. Chr.« (›Sie bauten die ersten Tempel – Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger‹ 2006, S. 271). Allerdings bedingt diese Theorie, dass der Beitrag der Sammlerinnen und die weibliche Symbolik in der paläolithischen Kunst völlig ignoriert und missdeutet wird.
Die damals von der patriarchalen Lehrmeinung bevorzugte Interpretation vom ›Jagdzauber‹ wurde über Jahrzehnte beibehalten und geistert noch immer als Mär von den Jägern, welche die Steinzeit dominiert haben sollen, durch die geistige Landschaft der Urgeschichtsforscher und Archäologen und beeinflusst die Auffassung einer männlich-patriarchalen Vergangenheit  bis heute.
Die Theorie, die Bilder der Höhlen seien Zeugnisse jagdmagischer Vorstellungen und Praktiken und stellten Tiere dar, die man in Zukunft zu erlegen hoffte, sei mit der Darstellungsart dieser Bilder schlechthin unvereinbar; »hier von einem Beweis für eine Bildmagie zu sprechen ist ganz und gar unbegründet«, schreibt der Urgeschichtsforscher Hermann Müller-Karpe (›Geschichte der Steinzeit‹ 1976, S. 266). Der Paläolinguist Richard Fester machte sich über ›Jagdmagie‹ und ›Jagdzauber‹ der Wissenschaftler lustig und nannte es »einen faulen Zauber«.
Einige Fehlinterpretationen haben überlebt. So kann man feststellen, dass viele der Tiere im Hauptsaal von Lascaux trächtig sind. Weil trächtige Tiere üblicherweise nicht gejagt werden, um ihren Bestand nicht zu gefährden, weichen die Forscher aus und bezeichnen die trächtigen Tiere ›mit dickem Bauch‹, ›mit Hängebauch‹, ›prallen Körpern‹ oder ›leicht angeschwollenen Bäuchen‹. Außer dieser Auffälligkeit, welche auf die Prävalenz weiblicher Tiere hinweist, wurden sie mehrheitlich geschlechtslos – z.B. ohne Euter oder männliche Geschlechtsteile – dargestellt; trotzdem wurde der eindrucksvollste Bereich der Höhle mit den schwangeren Muttertieren ›Saal der Stiere‹ genannt und die Bezeichnung bis heute beibehalten. Der Saal dürfte das Symbol für den schwangeren Uterus der Göttin sein, denn in den Höhlen wurde das Mysterium von Schwangerschaft, Geburt, Tod und Wiedergeburt zelebriert.
Heute gilt die Jagdtheorie bei den meisten UrgeschichtlerInnen als überholt. Am ehesten und stichhaltigsten ist die Hypothese, »dass die Höhlen mit ihren Bildern den Mythos der Regeneration darstellen; dann ist das pulsierende Leben der Tiere der zutreffende Ausdruck für die Wiedergeburt der Tiere«, schreibt Siegfried Vierzig (›Mythen der Steinzeit – Das religiöse Weltbild der frühen Menschen‹  2009, S. 60); doch eine Wiedergeburt war nicht (nur) für Tiere, sondern für die Menschen – aus der Frau und Mutter – vorgesehen.

Lascaux: Die Eingangs-Passage

 Nach einem ursprünglich engen ›vaginalen‹ Einstieg in die Unterwelt führt der Weg zwischen den weiblichen Schenkeln in den Mutterschoß der Großen Göttin. (Foto Hans Hinz)

Die Höhle hatte nach Ansicht des Forschers André Leroi-Gourhan insgesamt »symbolischen weiblichen Charakter«. Das macht deutlich, »mit welcher Sorgfalt die Verengungen, die ovalen Gänge, die Spalten und Grotten mit roter Farbe markiert und manchmal völlig ausgemalt worden sind«.

 Lascaux: Die Vulva-Passage

Die Vulva-Passage mit der deutlichen Klitoris führt durch die Öffnung der Vagina ins Innere des Göttinnen-Heiligtums (Foto Hans Hinz)

Höhlen – die älte­sten Heiligtümer der Göttin

»Seit der Zeit der Peking-Menschen vor etwa fünfhunderttausend Jahren haben Höhlen dem Menschen als Schoß und Grab der Kultur gedient. Höhlen und Grotten in allen Weltteilen galten als geheiligte Stätten für Zeremonien und Totenfeiern.« (Lewis Mumford)

Die Forscherin Barbara Walker berichtet, dass der griechische Philosoph Porphyrios (234–305) noch wusste, dass alle religiösen Riten, bevor es Tempel gab, in Höhlen stattfanden. Sie waren zu allen Zeiten eng ver­bunden mit dem Archetyp der Großen Mutter und weltweit mit dem Leib der Erdgöttin identifiziert, dem sym­boli­schen Ort für Geburt und Wiedergeburt, der Quelle des Lebens und primärer Urquell jedes schöpferi­schen Pro­zesses. Als Einstieg zur Unterwelt wurden die Höhlen immer mit dem yonischen Tor der Großen Mutter in Verbindung gebracht.
Schon die Eingänge zu den Höhlen sind symbolhaft, haben eine Dreiecksform, oft eine deutliche Vulva, eine enge Spalte oder ein aus dem Fels gemeißeltes rundes Loch. »Die Engstelle vor dem eigentlichen Inneren der Höhle sieht einem Muttermund, wie ich ihn aus anatomischen Büchern kenne, so ähnlich, dass sich der Vergleich förmlich aufdrängt«, schreibt Gerda Weiler nach ihrem Besuch der Höhle von Niaux (›Der aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine feministische Anthropologie 1994, S. 25). »Neben der Höhle, dem Gefäß-Leib, ist das Tor als Eingang und Schoß eines der ursprünglichsten Symbole der Großen Mutter« (Erich Neumann ›Die Große Mutter‹ 1974, S. 155).
In Lascaux ist es ein 6 Meter tiefer Schacht, der die vaginale Öffnung in den weiblichen Körper symbolisiert. Danach öffnen sich die ›Schenkel‹ der ersten Passage und die ›Vulva‹ des nächsten Durchgangs lädt zum Betreten des heiligen Schoßes, den Ort der Wiedergeburt ein. »Überall, wo wir dem Symbol der Wiedergeburt begegnen, handelt es sich um ein matriarchales Wandlungsmysterium, und zwar auch dann, wenn seine Symbolik oder Interpretation patriarchal getarnt ist« (Neumann ibd. 1974, S. 68).
Das Sans­krit­wort für Heiligtum ›gharbha-grha‹ ist identisch mit dem Wort für ›Schoß‹. Das sumerische Wort für Heilige Höhle, Grab, Un­ter­welt und Schoß war ›matu‹, gebildet aus der glei­chen Wur­zel wie ›Mutter‹. Höhle, Sargraum, Sarg und Grab haben alle die gleiche Bedeutung: ›Mutterschoß der Großen Göttin‹. Höhlen und Grotten waren zu allen Zeiten eng ver­bunden mit der Großen Mutter und weltweit mit dem Leib der Göttin identifiziert. Sie waren der sym­boli­sche Ort für Geburt und Wiedergeburt, der Quelle des Lebens und primärer Urquell jedes schöpferi­schen Pro­zesses. (Barbara G. Walker ›Das geheime Wissen der Frauen‹ 1993, S. 403-406 passim)
Schon Erich Neumann schrieb: »Der früheste heilige Bezirk der Urzeit ist wahrscheinlich der, in dem die Frauen geboren haben. Er ist der Ort, an dem die ›Große weibliche Göttin‹ herrscht und von dem – wie noch in den späten weiblichen Mysterien – alles Männliche ausgeschlossen ist. Nicht nur, dass überall – bis in die Moderne hinein, von den Ur- und Frühkulturen ganz zu schweigen – der Geburtsort ein Sakralort des weiblichen Lebens war, es ist auch evident, dass er im Mittelpunkt aller Kulte stehen muss, die der großen weiblichen Göttin als Herrin der Geburt, der Fruchtbarkeit ­und des Todes geweiht sind… wobei die Symbolik der Wiedergeburt stets auf die Geburt zurückgreift.« (Neumann ibd. 1974, S. 157)

»Höhle und Mutterleib sind Orte der Geborgenheit und gelten als Sinnbild der kosmischen Dimension der Göttin und ihrer umfassenden Kraft.« (Gerda Weiler)

Höhlen waren den – vom Patriarchat als gottlos und ungläubig diskriminierten ›heidnischen‹ – Völkern heilig und Sinnbild der Göttin, bis sie im Laufe der zunehmend aggressiven Patriarchalisierung durch Mythen und Legenden vereinnahmt, diskriminiert, vermännlicht oder zu Wohnstätten böser Geister, Dämonen oder gefährlicher Drachen wurden. In der Antike hatten »die griechischen Göttinnen Demeter, Persephone-Kore, Gaia, Chtonia und Hekate ihren Sitz in Höhlen und Klüften… Und noch lange waren Höhlen, Klüfte und Felsspalten dem antiken Menschen heilig, wie die Drachenschlucht im heiligen Bezirk von Delphi, der Erdspalte der Pythia oder die sibyllinischen Grotten, in denen vor allem Todesorakel gesprochen wurden und die als Eingänge in die Unterwelt galten« (Gisela Graichen ›Das Kultplatzbuch. Ein Führer zu den alten Opferplätzen, Heiligtümern und Kultstätten in Deutschland‹ 1988, S. 64). Das gleiche gilt sogar noch für die frühchristliche Epoche, als die meisten heidnischen Mysterienkulte ihre heiligsten Riten in Höhlen oder unterirdischen Räumen feierten. »Trotz aller Anstrengungen der Kirche, sie zu unterdrücken, wurden die alten Gottheiten auch weiterhin in heiligen Höhlen noch viele Jahrhunderte verehrt« (Walker ibd. 1993, S. 403).
Leroi-Gourhan, der wichtige Beiträge zu den Kunststilen des Jungpaläolithikums leistete, wagte – trotz der Abwehr seiner christlich geprägten Fachkollegen – die These, dass den Höhlenzeichnungen ein religiöses Konzept zugrunde liege, und dass in den Bildern eine sexuelle Komponente gesehen werden könne. »Er beachtet die Vielzahl weiblicher Symbole, die in keiner Höhle fehlen. Er sieht in den Höhlen die natürlichen Formen von Vulva und Uterus gestaltet. Doch äußert er sich eher vage, legt sich nicht fest und argumentiert am eigentlichen Problem vorbei« (Gerda Weiler ›Der aufrechte Gang der Menschenfrau‹ 1994, S. 159). Trotz seiner Vorsicht stieß seine Meinung bei Abbé Breuil auf heftigen Widerstand. Die These wurde von ihm als ›plump sexuelle Deutung‹ missverstanden und brachte Leroi-Gourhan von Seiten Breuils’ den Vorwurf einer ›sexuellen Obsession‹ ein. Vom katholischen Theologen Breuil ist jedoch bekannt, dass er Vorbehalte gegenüber dieser Interpretation und »im allgemeinen eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber weiblicher Präsenz« hatte (Helmut Uhlig ›Am Anfang war Gott eine Göttin – Eine Weltreligion des Weiblichen‹ 1995, S. 53).
Wie wir dem Disput zwischen Abbé Breuil und André Leroi-Gourhan entnehmen können und bei patriarchalen Wissenschaftlern wiederholt feststellen, übten klerikale Männer und patriarchale Professoren jener Lehren, die sich mit der Urgeschichte befassen, bei der Erforschung der Urgeschichte gerne ihre moralisierende Zensur aus und schüchterten damit ihre KollegInnen ein. Auf diese Weise beeinflussten sie deren Interpretationen ganz gewaltig im patriarchalen Sinne; dies ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Wir wissen heute, dass viele der Höhlen in Europa während Tausenden von Jahren genutzt wurden. Nicht nur in den Gegenden, wo die ältesten Höhlen Europas gefunden wurden – in Südfrankreich und Nordspanien – überall in der steinzeitlichen Welt wurde in Höhlen der Kult der Göttin gefeiert. Dem Dichter und Mythologen Robert Graves zufolge hatte…

»Das ganze neolithische Europa – den übriggebliebenen Fundstücken und Mythen nach zu urteilen – ein bemerkenswert homogenes System von religiösen Vorstellungen, die auf der Muttergöttin mit ihren vielen Titeln beruhten, die auch in Syrien und Libyen bekannt war. Die Große Göttin wurde als unsterblich, unveränderlich, allmächtig betrachtet, und der Begriff der Vaterschaft war noch nicht ins religiöse Denken eingeführt worden.« (zit. v. Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988, S. 53)

»Und noch früher existierte die im großen und ganzen gleiche Religion, von der Graves spricht, in Gegenden, die man heute als Irak, Iran, Indien, Saudi-Arabien, Libanon, Jordanien, Israel, Palästina, Ägypten, Sinai, Libyen, Syrien, Türkei, Griechenland und Italien kennt, wie auch auf den großen Inselkulturen von Kreta, Zypern, Malta, Sizilien und Sardinien. Es gab Beispiele für denselben Kult in den neolithischen Zeiten Europas.« (Stone ibd.). Es ist auffallend, in jenen Ländern, in denen Frauen heute aufgrund der gewalttätigen Patriarchalisierung nichts mehr zu sagen haben, unterdrückt und entwertet sind, keine intellektuellen oder künstlerischen Beiträge mehr zustande kommen und – falls diese Länder keine Ölquellen haben, völlig verarmt sind.

»Jede Gesellschaft in der die Hälfte der Bevölkerung weniger Rechte hat als die andere, wird unweigerlich verkümmern und sterben.«
(Muslimischer Philosoph in Andalusien)

Ein anderes Charakteristikum dieser Länder sind die patriarchalen islamistischen Faschisten die Menschen in einem Ausmaß terrorisieren, wie es die Welt davor noch nie gesehen hat.

Ein ›Schlachthaus der Religionen‹

nannte der britische Schriftsteller Aldous Huxley den unaufhörlichen Kampf der Gläubigen. Frauen schufen Kultur und Zivilisation – ohne ihre Mitsprache versinkt die Welt in Chaos und monströse Barbarei. ›Weltordnung verzweifelt gesucht‹, titelte die ›Zeit‹ einen Artikel von Matthias Nass am 29.10.14: »Ein neuer Kalter Krieg droht nicht. Aber wegen der vielen Krisen breiten sich Erschöpfung und Mutlosigkeit aus, wie das Treffen der International Crisis Group zeigt. Viele hatten in den zurückliegenden Monaten dieses beklemmende Gefühl: Die Welt ist aus den Fugen! Gaza, Ukraine, Nord-Irak, Syrien, Ebola – es waren einfach zu viele Krisen und Konflikte, und sie breiteten sich einfach zu schnell aus. Die Menschen begannen zu frösteln, mitten im Sommer. Und während Politik und Diplomatie noch immer versuchen, die akuten Krisenherde einzudämmen, wird längst die Frage diskutiert: Wie konnte es dazu kommen? Und wie müsste eine Weltordnung aussehen, in der es nicht ständig und überall brennt?« Es ist das Patriarchat, das hier seine monströse Fratze zeigt; es ist Zeit aus diesem Albtraum zu erwachen.

Die früheste Kunst wurde zu Ehren der Göttin geschaffen

»Wahrscheinlich war die Zeit, in der Kunst entstand, zugleich die Zeit der Entfaltung, vielleicht auch schon der Formulierung von Religion. Damit stünden Religion und Kunst als Begleiterscheinungen an der Wiege des menschlichen Bewusstseins. Religion war in dieser ersten Stunde vor allem Reaktion auf das Erlebnis von Geburt und Tod.« (Helmut Uhlig ›Die Mutter Europas – Ursprünge abendländischer Kultur in Alt-Anatolien‹ 1991, S. 17) Der religiöse Hintergrund war die Frau als Gebärerin.
Unzweifelhaft gehört(e) der künstlerische Ausdruck zu den Grundbedürfnissen der menschlichen Zivilisation und Kultur und dieses Bedürfnis musste schon viele Jahrtausende in der Kunst zur Ehre der Göttin eingesetzt worden sein, als sie nach Jahrtausenden der Menschwerdung mit einem Schlag in den prachtvollen Höhlen in Südfrankreich und Nordspanien für uns sichtbar wird. Die KünstlerInnen der Epoche der Eiszeit waren keine AnfängerInnen. Sie beherrschten bereits die Perspektive und das künstlerische Auge war außerordentlich geübt und entwickelt. Ganz offensichtlich wurden bei der Bemalung der Höhlen jene Stellen bevorzugt ausgewählt, bei welchen eine weibliche Symbolik nicht zu übersehen ist. Immer spielte die Wahl der natürlichen Steinsformationen eine wichtige Rolle: Felsreliefs, Felsüberhänge, Vorsprünge, Gänge und Spalten wurden genutzt und meisterhaft in die oft dreidimensional und perspektivisch wirkende Gestaltung mit einbezogen.
»Der Großteil der Höhlen des Jungpaläolithikums hat eine bestimmte Form, der Zugang erfolgt durch einen engen, schlauchförmigen Gang und häufig öffnet sich die Höhle dann zu einem Raum, der bemalt ist mit Tieren und geometrischen Formen. Verengungen, Spalten, Ovale und Grotten sind oftmals mit rotem Ocker markiert. Da verschiedene Formen vorgefunden wurden, die eine Vulvagestalt aufweisen und mit rotem Ocker markiert sind, geht man davon aus, dass die Höhlen generell mit einer Vulva oder dem Eingang in die Gebärmutter assoziiert wurden. Aus der Altsteinzeit sind zudem einige Darstellungen von Frauen in den Höhlen erhalten, im Jungpaläolithikum häufen sich diese Darstellungen, gleichzeitig gibt es eine große Anzahl von stilisierten (oft gravierten) Vulvendarstellungen. Darüber hinausgehend waren viele Frauenfigurinen ursprünglich mit rotem Ocker eingefärbt. Da roter Ocker auch später noch kultisch verwendet wurde, kann man annehmen, dass dies auch im Jungpaläolithikum schon eine Rolle spielte. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Symbolik, die späteren vielfältig vorkommenden Initiationsriten verwandt ist, in denen eine Neugeburt durch eine Rückkehr in den Uterus stattfindet. Die Darstellung von Tieren in den Höhlen könnte in diesem Zusammenhang darauf hindeuten, dass auch die Tiere, die in der Natur zyklisch verschwinden und wiederkehren in die Höhle eingehen, um dort neugeboren zu werden. (Wikipedia »Religion im Paläolithikum«, J. Leopold, A. Vierzig, S. Vierzig: »Kult und Religion in der Steinzeit. Feier des Lebens. Gravierte Höhlen im Pariser Becken« 2001, S. 32–35, 40)

Neueste Forschungen zeigen: Die frühesten Künstler waren Frauen

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»Ich schätze, es würde dir nicht im Traum einfallen, dass auch eine Höhlenfrau das gezeichnet haben könnte!«

Louis-René Nougier, erster Lehrstuhlinhaber für Frühgeschichte in Frankreich, stellte anhand der Fußspuren in den künstlerisch gestalteten Höhlen von Südfrankreich fest, dass diese auf Menschen mit einer Körpergröße zwischen 1,40 und 1,60 Meter hinweisen. 1929 vermutete er noch, es könnte sich dabei um die Fußabdrücke von Jugendlichen handeln, die hier einem Initiationsritus unterzogen wurden! Jedoch widersprach ihm Abbé A. Lemozi (›La Grotte-temple du Pech-Merle‹, Paris 1929, Anm. 41): Die Fußspur »muss einer Frau gehören, darauf weist die Feinheit der Fersenform hin«. Der Abbé denkt an eine »Künstlerin oder Priesterin, die für eine Zeremonie hierher gekommen ist«. Doch Nougier wehrt ab, »warum eine ›Priesterin‹, gute Götter?« Professor Henri-V. Vallois bestätigt jedoch, dass es sich um Fußspuren einer ca. 1,63 Meter großen Frau handelt. Leroi-Gourhan bekräftigte diese Vermutung und auch, dass »die meist kleinen Hände von Frauen stammen dürften. Daher hätten sie als ›weibliche Symbole‹ zu gelten… Sie könnten das Signum der Künstlerin sein, welche die Bildwerke geschaffen hat. Sie hat ihr Werk ›unterschrieben‹, sie benutzt den Abdruck ihrer Hand, wie schriftlose Menschen ein Dokument durch Fingerabdruck signieren.« (Weiler ibd. 1994, S. 159)
1974 hatte Nougier seine Meinung offensichtlich geändert und vertritt nun ebenfalls die Meinung, dass die Vermutung, die Eiszeithöhlen seien häufig von Kindern und Frauen aufgesucht worden, dadurch größere Plausibilität erhält, dass die Handabdrücke von Gargas und Cabrerets von Frauen, aber auch von Kindern stammen, sie seien ›sans doute féminin‹ (s. Hans Peter Duerr ›Sedna oder die Liebe zum Leben‹ 1984, S. 56).

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Hand- und Fußabdrücke der Künstlerinnen

Forscher wollen in neuen Studien herausgefunden haben, dass die meisten Handabdrücke an den Höhlenwänden von weiblichen Händen stammen. Die Resultate sind eine Herausforderung für das archäologische Dogma, das davon ausgeht, Jäger hätten in den Höhlen ihre Jagdbeute gefeiert.
Nun sollen neue Studien gezeigt haben, dass es vorwiegend weibliche Hände waren, die die Höhlenkunst schufen. Lange glaubte man, dass Jäger hier ihre Kunstfertigkeiten zeigten, doch diese Ansicht muss korrigiert werden. (http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2451442/Earliest-artists-women-claim-researchers-study-cave-paintings-reveal-majority-prints-female-hands.html)

Initiation der Mädchen im sakralen Raum der Göttin

Mit Sicherheit waren Höhlen sakrale Kulträume und es ist anzunehmen, dass hier auch ein Initiationsritual der ersten Monatsblutung junger Mädchen und ihre Aufnahme in die Gruppe der erwachsenen, gebärfähigen Lebensschöpferinnen gefeiert wurde.
Mit der Entstehung des Patriarchats usurpierten Männer das Ritual. Sie beneideten die Schöpfungskraft der Frau, um derentwillen sie verehrt – ja, ihre Urmutter sogar vergöttlicht wurde. Als Männer gewahr wurden, dass die weibliche Blutung mit der Entstehung neuen Lebens in Beziehung steht, beschnitt der erste Patriarch, Abraham, sein Sexualorgan, um wenigstens einmal an seinem Genital zu bluten wie eine Frau. Die Beschneidung der Knaben, am 8. Tag bei den Juden und etwa im 8. Jahr bei den Muslimen, wurde zum Gebot Gottes, um sie so früh wie möglich rituell aus dem Bann der Mütter in die patriarchale Welt der Männer einzuführen. (s. ›Die Beschneidung von Knaben‹ https://www.doriswolf.com/wp/?page_id=310)

 Die urgeschichtliche Grotte im ›Tal der Königinnen‹

Ägypten: Die weithin sichtbare Felsgrotte im Tal der Königinnen war während Jahrtausenden
vor den Pharaonen ein Uterus-Heiligtum der Großen Göttin (s. D. Wolf, 2009 S. 74
)

ÄgyptologInnen und ArchäologInnen hielten sich merkwürdig zurück, als die prominente Archäologin Christiane Desroches Noblecourt 1990 das Ergebnis ihrer vier Jahre dauernden Erforschung der Felsgrotte am Ende des Tales veröffentlichte, denn was die französische Ägyptologin hier entdeckt hatte, war eigentlich eine ›Sensation‹; ein Ausdruck, der in der Archäologie für jede Bagatelle verwendet wird; aber erstaunlicherweise nicht bei dieser Veröffentlichung! Desroches Noblecourt kam nämlich zum Schluss: Dieses ›kosmische Sanktuar‹ diente religiösen Zwecken und muss schon Tausende Jahre vor der pharaonischen Zeit benutzt worden sein.
Die prähi­storischen Felszeich­nun­gen lassen erkennen, dass es bereits in der vor-pharaonischen Zeit als Ute­rus-Heilig­tum benutzt wurde und von außerordentli­cher religiöser Wichtigkeit gewe­sen sein muss. (Christiane Desroches Noblecourt, ›Le Message de la Grotte sacrée‹, ›Les Dossiers d‘Archéologie‹, Nr. 149–150 / Mai–Juin 1990, S. 4–17; D. Wolf 2009, S. 74–76). Das Heiligtum liegt im ›Tal des Großen Wasserfalles‹, was sowohl auf das einst tropische Klima mit kräftigen Regengüssen, als auch symbolisch auf das Platzen der Fruchtblase, die Ankündigung der unmittelbar bevorstehenden Geburt, hinweist.
Die Archäologin nannte die Grotte die ›Felskathedrale‹ einer Göttin, bei der es sich um die symbolische Darstellung des giganti­schen Ute­rus der göttli­chen Himmelskuh han­dle und sie stellte fest, dass die große Felsspalte die Vulva der Göttin repräsentiere, durch die sie jeden Morgen zur Zeit des Sonnenaufgangs die Menschen geboren hat.
Die heilige weibliche Spalte wird durch die Göttin Nut repräsentiert; sie symbolisiert das natürliche Tor ins Leben und ist ein Teilaspekt der Ur- und Schöpfergöttin Neith, der ›Weisen alten Urgöttin‹. Zur gleichen Zeit wie die Göttin Nut im Tal der Königinnen verehrt wurde, schmückte sie die Deckengewölbe der Höhlengräber im ›Tal der Könige‹ und die Innenseite der Sarkophage, wo sie die Toten liebevoll aufnahm.
Das Heiligtum liegt am Fuße des Pyramidenberges el-Qurn. Pyramiden und pyramidenförmige Berge sind weltweit Sitz der Göttin und Symbol ihres schwangeren Leibes. El-Qurn, ›das Horn‹, heißt der Berg der Schlangengöttin Meret-Seger (auch Meresger), einer Form der Göttin Isis. Die Bezeichnung el-Qurn weist auf die wunderbare Gebärmacht der Göttin hin, die aus dem sakralen Füllhorn ihres schwangeren Leibes die Menschen in ständigem Kreislauf gebiert und wieder gebiert.
Hier wurde im ›Tal der Königinnen‹ ein Höhlenheiligtum – von dem wir nicht wissen, aus welcher Zeit die Anfänge seiner Benutzung stammen – entdeckt. In beinahe 100 Gräbern wurden in diesem kleinen Tal Angehörige des königlichen Hofes, vor allem Frauen und Kinder des Neuen Reiches (den ca. 500 Jahren zwischen 1550 und 1070) bestattet. Das berühmteste Grab ist das der Königin Nefert-Ari; der ›Schönen Arierin‹, der Großen Königlichen Gemahlin Ramses des II. (19. Dynastie).
Erstaunlicherweise fand die Entdeckung kaum Beachtung, die ›Ägyptomanie‹ der ArchäologInnen und ÄgyptologInnen interessiert sich ausschließlich für die typisch pharaonischen Hinterlassenschaften. Unbeachtet blieb auch eine andere ›Sensation‹:

Die Göttinnen–Groß-Skulptur am Eingang der heiligen Grotte

Christiane Desroches-Noblecourt entdeckte das Höhlenheiligtum im ›Tal der Königinnen‹, bemerkte aber die riesige, ca. 10–12 Meter große, weibliche Figur am Eingang nicht. Ihre Aufmerksamkeit galt der Grotte in der zerklüfteten Bergspalte des sakralen Pyramiden-Berges el-Qurn. (s. D. Wolf 2009, S. 75 f.)
Das heute stark verwitterte Gestein war vor 3000 Jahren wohl noch in einem besseren Zustand, so dass die Figur der Göttinnenskulptur schon aus weiter Entfernung zu erkennen war. Dass Königin Nefertari die Nähe der Grotte für ihr Grab ausgewählt hatte, bestätigt die außerordentliche Wichtigkeit des Heiligtums, denn immer wurde der Wahl des Begräbnisplatzes größte Sorgfalt zuteil. Hier wollte die Königin begraben werden, in der Nähe der von ihr verehrten Göttin; dieser Ort schien ihr offenbar bedeutungsvoller zu sein als ein Platz im Tal der Könige, wo auch etliche Königinnen begraben wurden. Man kann davon ausgehen, dass es sich hier um einen Pilgerort von besonderer Bedeutung gehandelt haben muss, zu dem die Menschen aus der weiten Umgebung strömten, so wie heute Millionen von Menschen zu den unzähligen Wallfahrtsorten der Göttin in aller Welt pilgern, etwa zur Muttergöttin von Lourdes und Fatima; zum Marienheiligtum von Guadalupe in Mexico; zur ursprünglichen Göttin, die in Mekka verehrt wurde, an die noch immer eine meterhohe silberne Vulva an der Kaaba erinnert (s. ›Das Matriarchat in Arabien‹); zur schwarzen Göttin von Einsiedeln in der Schweiz; zum patriarchalisierten Pilgerort der Göttin Brigid im nordspanischen Compostela, der von den Christen usurpiert und einem San-Tiago (deutsch: heiliger Jakob) unterschoben wurde. Ihr Symbol war die Muschel, das Synonym der Vulva, die zur ›Jakobsmuschel‹ gewandelt wurde, derer sich übrigens auch Papst Benedikt in seinem Wappen bediente. (s. ›Auf dem Pilgerweg nach Compostela‹)

Links: Groß-Skulptur der Göttin am Eingang des Uterus-Heiligtums im Tal der Königinnen (Foto D. Wolf) Rechts: Die Göttin von Laussel, die Dame mit dem Horn, ca. 25’000 Jahre alt, 50 cm groß, Kalkstein, rot bemalt. (Dordogne, Wikimedia commons:  pho›‹tographie de l’original conservé au Musée d’Aquitaine à Bordeaux)

Die Skulptur im Tal der Königinnen war während Tausenden von Jahren der Witterung ausgesetzt und deshalb stark erodiert. Ob­wohl der Kalk­felsen durch Hitze und Regen hoffnungslos brüchig ist, kann man bei der verwitterten Figur den Kopf, den rechten Arm, den Ansatz der Oberschenkel und das betonte Schoßdreieck noch gut erken­nen. Möglicherweise hatte die Figur – wie jene von Laussel – ein Horn in der rechten Hand, das zwar nur noch andeutungsweise vorhanden ist. Das Horn der Göttin von Laussel ist ein Symbol der Mondgöttin, ein Füllhorn, das mit 13 Einkerbungen versehen ist. Die Zahl symbolisiert die jährliche Anzahl der Mondphasen und der weiblichen Menstruations-Zyklen, was bestärkt wird durch die symbolhafte Bemalung mit rotem Ocker (oder Blut?). Das ›Füllhorn‹ dürfte das Lebensblut der Göttin enthalten; möglicherweise wurden in der vor-keramischen Zeit Bukranien-Hörner von den Frauen zum Auffangen des Menstruationsblutes benutzt, so wie Keramiktöpfchen später verwendet wurden (s. ›Symbole schreiben Urgeschichte – Das Isisblut Da-t – Symbol für das heilige Menstruationsblut).
Die linke Hand der Göttin von Laussel liegt als Geste ihrer Schöpfungskraft auf dem Bauch oder der ›Gebär-Mutter‹. Die Skulptur und die in den noch früheren Schichten entdeckten Steine mit eingeritzten Vulven können als »Kennzeichen für die Kontinuität der weiblichen Präsenz über Jahrtausende [gelten], wodurch Laussel als uraltes Mutterheiligtum erkennbar wird.« (Helmut Uhlig ›Am Anfang war Gott eine Göttin‹ 1992, S. 51) Die hier aus dem Fels ge­meißelte Groß-Skulptur scheint – wie die Göttin von Laussel – über dem Boden zu schweben und ebenfalls wie in Laussel wurde eine natürliche figurale Gesteinsformation genutzt und zusätzlich von Hand ausgestaltet. Die Große Mutter ist nicht die simple Vorstellung einer primitiven Religion, sondern eine Idee innerhalb einer komplexen Mythologie, die das Männliche als das begrenzte und vergängliche Prinzip begreift, das weibliche dagegen als das unbegrenzte, ewige und umfassende (William  I. Thompson, irischer Philosoph und Kulturhistoriker). Natürlich wäre es interessant, zu wissen, wie Ägypten aussah, als die Göttin von Laussel in Europa verehrt wurde. Warum sollte dieses Höhlenheiligtum im Tal der Königinnen, das wie Desroches Noblecourt herausfand, schon viele Jahrtausende vor dem dynastischen Ägypten benutzt wurde, nicht genau so alt sein wie jenes in Südfrankreich? Warum interessiert sich dafür niemand? Heide Streiter-Buscher stellte lakonisch fest:
›Die ägyptische Vorgeschichtsforschung war und ist nicht populär‹ (Rudolf Pörtner Hrsg. ›Jahrtausende zwischen Strom und Wüste – Alte Kulturen ans Licht gebracht‹, 1989, S. 148) Der britische Prähistoriker und Ausgräber von Çatal Hüyük (Türkei), James Mellaart, sagt es deutlich: »Urgeschichtsforschung ist die größte Heraus­forde­rung für die ägyptische Archäologie der Zukunft.«
Mellaart betont zu recht, es sei »schwer zu glauben, dass das fruchtbare Niltal keine Rolle in der Zeit zwischen 9500 und 4500 ge­spielt haben sollte, in einer Zeit also, die so viele si­gni­fikante Entwicklungen bei den östlichen und west­lichen Nach­barn zeigte.« (Mellaart ›The Neolithic of the Near East‹ 1975, S. 271). Damals wusste man noch nichts vom vor-dynastischen Uterus-Heiligtum; jedoch wird Mellaarts scharfsinnige Überzeugung durch die Arbeit von Christiane Desroches Noblecourt vortrefflich bestätigt.

Die Rückkehr der Herrscher in den göttlichen Mutterschoß

El Qurn Drower

El-Qurn – der kosmische Pyramidenberg der Göttin
(nach Margaret S. Drower ›Flinders Petrie – A life in Archaeology 1985, Abb. 20, die Fotografie stammt aus dem Jahr 1886. s. auch D. Wolf 2009, S. 77 f.)

Die Königinnen und Könige im ›Tal der Könige‹ wollten im Schutz der mächtigen Bergpyramide der Göttin begraben sein. Das zerklüftete Gebirge im Westen von Theben (Luxor) war offensichtlich der bevorzugte, ›ideale‹ Ort für die Grabanlagen der Herrscher des Neuen Reiches. Die WissenschaftlerInnen wollen uns glauben machen, die Könige von der 18. bis zur 20. Dynastie (ca. 1500–1000) hätten ihre Gräber so tief in den Berg graben lassen, um sie vor Grabräubern zu schützen und die Eingänge seien so gewählt worden, weil man die Spalten als praktische Eingänge nutzen konnte. Doch das hatte andere Gründe, das tiefe Innere des Berges wurde offensichtlich als Mutterschoss, als Uterus der Göttin betrachtet. Bestätigt wird diese These dadurch, dass der Eingang zu den Gräbern vorzugsweise unter einer markanten Vulva-Fels-Spalte an der Berg-Flanke des kosmischen Pyramidenberges el-Qurn angelegt wurde. Der Berg symbolisierte den so genannten ›Urhügel‹, aus dem die Toten durch die Vulva der Göttin, bzw. der Mütter wiedergeboren wurden. Nicht zufällig hat Berg den gleichen Wortstamm wie bergen, gebären und geborgen sein.

 Vulva-Felsspalten, wie sie als Eingang zu den Gräbern genutzt wurden. Rechts: Der Eingang  zum Grab der Königin Hatschepsut im ›Tal der Könige‹ (Fotos Doris Wolf)

Durch die ›Nut‹, das ›yonische Tor‹, gelangten die Toten durch einen langen schmalen Gang, den ›Geburtskanal‹, tief in die künstlich geschaffene Höhle des Berges, den regenerativen heiligen Bergschoß der Muttergöttin, wo sie in ihrem Sarkophag – oft aus symbolträchtigem rosa Marmor in Uterusform – von den Göttinnen Isis, Nephtis, Selket und Neith/Nut aufgenommen wurden. Von ihnen wurden sie empfangen, beschützt und auf ihrer Reise durch die Unterwelt in die Wiedergeburt begleitet. Der Tod wurde als Heimkehr in die Geborgenheit des Schoßes der Großen Göttin verstanden und war nie mit Angst oder Panik verbunden, wie dies in den monotheistischen Gott-Religionen üblich ist. Die ›Schrecken des Todes‹, wie sie aufgrund der drohenden Jenseitsvorstellungen von einem ›Jüngsten Gericht‹, von Hölle und Teufel in den monotheistischen Religionen gepredigt werden, kannten sie nicht; auch nicht, dass ein Gott oder ein Mensch für ihre Sünden geopfert werden musste. Menschenopfer sind eine ganz und gar patriarchale Erfindung, die – möglicherweise – aus dem Schuldbewusstsein des Göttinnen-Mordes entstanden ist (s. ›Der Göttinnen-Mord in den patriarchalen Religionen‹ https://www.doriswolf.com/wp/?page_id=147). Die Menschen erlebten aus eigener Anschauung die Freude und das Glück bei dem überwältigenden Ereignis der Geburt eines Kindes aus dem Körper der Mutter. Auf dieser Freude am Leben basierte ihr Glauben an eine Wiedergeburt. Deshalb hielt man die Alten in Ehren und liebte die Kinder. Die Große Göttin galt nicht nur als die Urzeitliche, die alleinige Schöpferin und Allesgebärerin, die alles Leben aus ihrem göttlichen Schoß hervorbrachte, sondern auch alles Leben, wenn es vollendet war, wieder fürsorglich aufnahm. Der Untergang der Sonne symbolisierte das Ende des Tages und des Lebens; deshalb die nach Westen gewandte Fötus-Haltung der Toten im uterusförmigen Grab der Urzeit.
Mit den indoeuropäischen Eroberern veränderte sich die Stellung der Toten. Die neuen Herrscher brachten aus dem kühlen Norden ihre Sonnengötter mit. Diesen Himmelsgöttern zugewandt, begruben sie ihre Toten dementsprechend auf dem Rücken liegend. Einige Aspekte des matriarchalen Glaubens an die Göttin wurden bekämpft und verschwanden, andere blieben erhalten. Zum Beispiel das matriarchale Wissen, dass das neue Leben im Fruchtwasser der Gebärmutter schwimmend entsteht, behielt als Symbol der Lebenserneuerung noch in der pharaonischen Zeit seine Bedeutung. Schwimmend wie sie im Mutterleib entstanden, wurden die toten Königinnen und Könige in einem Boot von der Ostseite des Nils in den Westen gerudert, den Ort der Toten und der Vorbereitung auf die Wiedergeburt mit dem Sonnenaufgang im Osten.
In den Gräbern im Tal der Könige war das beliebteste Motiv das der Himmelsgöttin Nut, die am Abend die Sonne, bzw. die Toten empfängt und am Morgen wieder gebiert. Die indoeuropäische Elite übernahm diesen Teil der matriarchalen Wiedergeburtsreligion und der Göttinnen-Verehrung der indigenen Bevölkerung. Anderseits kreierten sie ihre ›Königsreligion‹ mit neu erfundenen Vater- und Ur-Göttern und einem ›Ewigen Leben‹ im Jenseits – das sich die Könige so sehr wünschten.
Aus der frühdynastischen Zeit ist bekannt, was auch noch für die späteren Perioden gilt, dass in Ägypten zwei Religionen nebeneinander existierten. Doch bis die Pyramidentexte publiziert wurden, hatten die frühen Ägyptologen keine Ahnung davon, dass es in Ägypten mehr als eine Religion gab (Budge 1988, S. 51 f.). Heutige Ägyptologen sprechen beim Nebeneinander und der Vermischung der beiden Religionen gern von ›Synkretismus‹, um zu beschreiben, dass Aspekte unterschiedlicher Religionen in Ägypten zu etwas Neuem zusammen gemischt wurden; nur sagen sie dabei nicht, dass Aspekte der Religion der Urgöttin usurpiert und andere durch die Priester der indoeuropäischen Religion mit ihren männlichen Göttern bekämpft und vernichtet wurden.

Hans Peter Duerr kontert patriarchale Gegenstimmen

Gegen die Interpretation der Höhle als Gebärmutter und von Eingängen als Vulva ist geltend gemacht worden, dass »derartige Deutungen eher der etwas überhitzten Phantasie von nach den Müttern suchenden Stubengelehrten der Jahrhundertwende entstammten als der Realität. Doch renommierte Wissenschaftler, wie D.A. MacKenzie, 1926; B. Bettelheim, 1962, L.R. Nougier, 1975, C. Barrière, 1982 und A. Leroi-Gourhan 1971 haben gleichermaßen die Vermutung ausgesprochen, dass die Eiszeithöhlen ›weiblich‹ waren. Leroi-Gourhan hat dies dahingehend präzisiert, dass zumindest einzelne Teile der Höhlen als Schoß der Erde betrachtet wurden, und er denkt dabei an Spalten (Niaux), ovale Nischen (Font-de-Gaume), die Stalaktiten-Brüste von Le Combel usw.« (Duerr ›Sedna oder die Liebe zum Leben‹ 1984, S. 56 und 291 f.)

Gravierung-von-Schwangeren-Duerr

Fünf schwangere Frauen. Einzelne Figuren von übereinander gezeichneten Graffitis auf einem Sandsteinplättchen aus der Höhle von ›Les Trois Frères‹ (nach H.P. Duerr 1984, Abb. 18, S. 57)

»Fast unwillkürlich« schreibt Duerr, »haben wir bei der bisherigen Interpretation einen Jäger-, d.h. einen Männerstandpunkt eingenommen, von dem aus es beinahe natürlich erscheinen mag, dass männliche Schamanen die weibliche Höhle betraten, um hier durch, sagen wir es vorsichtig: kopulationsartige Handlungen die Wiedergeburt der Jagdtiere einzuleiten. Eine ebenso große Plausibilität kann eine andere Deutung beanspruchen. Ziehen wir zum Vergleich einen Höhlenkult heutiger Jäger und Sammlerinnen heran, nämlich der Frauen der australischen Pitjantjatjara. In dem Wüsten-Felsmassiv Ayers Rock befindet sich eine Höhle, die Gebärmutter einer Traumzeitfrau namens Bulari. Heute noch wird dieser Felsenuterus durch die Felsenvulva von schwangeren Frauen betreten, die hierher kommen, um zu gebären, d.h. das zu tun, was die Bulari in illo tempore tut. In einer anderen Höhle von Ayers Rock hängen die Klitoris weiterer Traumzeitwesen, der Mala-Frauen, und man kann wohl sagen, dass die ›Stalaktitenbrüste‹ von Le Combel sich zwanglos in gleicher Weise als Klitoris deuten lassen, wenn man im Eingang zur Felskammer die Vagina und in der Kammer selbst den Uterus erblickt. So ist es denkbar, dass die Frauen der Eiszeitjäger genauso wie die Frauen der australischen Wildbeuter diese Höhlen betraten, um hier ihre Kinder zur Welt zu bringen, vielleicht auch, um durch den Akt der Geburt die Geburt der Tiere aus dem Schoß der Erde anzuregen… nichts spricht dagegen… dass Eiszeithöhlen als Geburtshöhlen gedient haben könnten.« (H.P. Duerr, ibd. S. 54 f.)
Auch Gerda Weiler wehrte sich gegen die männliche Interpretation. »Es erscheint absurd, wenn Wissenschaftler heute behaupten, die Kultbilder in den Höhlen seien von Männern geschaffen worden. Diese Höhlen waren Heiligtümer der Frauen. In keiner Höhle fehlt das Symbol der Vulva. Es erscheint mir sehr fraglich«, schreibt sie, »ob Männer zu diesen prähistorischen Tempeln überhaupt Zutritt hatten. Schon Doris Jonas hat immerhin die Möglichkeit erwogen, dass Höhlenkunst zum Teil oder ganz von Frauen ausgeführt wurde.« (Weiler ibd. 1994, S. 175)
»Bis heute postulieren Wissenschaftler, dass für die Kunst der Altsteinzeit ausschließlich der prähistorische Mann verantwortlich gewesen sei. Dafür gibt es keinerlei handfeste Beweise; die Behauptung ist vielmehr das Resultat gelehrter Vorurteile, die im krassen Widerspruch zu Forschungsergebnissen stehen wie etwa der Entdeckung, dass bei den heutigen Vedda in Sri Lanka Wandmalereien von den Frauen und nicht von den Männern geschaffen werden.« (Riane Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft‹ 1989, S. 36)

Heute ist man sich weitestgehend einig, dass die berühmten Höhlen in Südfrankreich und Nordspanien eine sakrale Bedeutung hatten. Aus den Höhlen und gleichermaßen aus den Gräbern des Neolithikums – von den eiförmigen Gruben, in denen die Toten in Embryonalstellung begraben wurden, bis zu den Pharaonengräbern tief im Innern des mütterlichen Berges von Qurna auf der Westbank von Luxor – kann abgeleitet werden, dass dies eindeutige Hinweise auf eine weibliche Religion und die Verehrung einer Göttin sind. Doch die patriarchale Wissenschaft kann/will die Zeichen nicht sehen. Christliche und jüdische WissenschaftlerInnen – die an eine patriarchale Ur-Religion und einen patriarchalen Ur-Gott glauben wollen – wehren die Zeichen ab, die in den Höhlen Südfrankreichs zweifellos feststellbar sind. Eine weibliche Religion wird nicht einmal im Entferntesten in Betracht gezogen. Siegfried Vierzig beklagt, »dass der immense Aufwand der jahrzehntelangen Forschungsarbeit nicht zu viel mehr als einer dokumentarischen Aufnahme aller ausgemalten Höhlen geführt hat, was natürlich von hohem Wert ist, aber die Frage nach dem inhaltlichen Verständnis der Höhlenmalerei von vornherein als unbeantwortbar deklariert.« (Siegfried Vierzig ›Mythen der Steinzeit – Das religiöse Weltbild der frühen Menschen‹ 2009, S. 49 f.)

Die Schein-Heiligen: ›LebensschützerInnen‹

Es gehe um den Schutz des Ungeborenen, um sein Leben.
Aber für was für ein Leben? Dies ist die Frage, die nicht gestellt wird.

Die Welt ist in unserer ›zivilisierten‹ patriarchalen Gesellschaft für unerwünschte, ungeliebte, nicht gewollte oder vernachlässigte Kinder und Jugendliche oft eine Schreckliche. Sie werden häufig ohne Liebe und ohne jeden Respekt behandelt, körperlich und seelisch vernachlässigt, allein gelassen, gedemütigt, verspottet, ausgestoßen, geschlagen, misshandelt, emotional und sexuell missbraucht. Kinder, die ungeplant, zum falschen Zeitpunkt oder im falschen Geschlecht geboren wurden – für einen patriarchalen Vater kann dies ein Angriff auf seinen Mannesstolz sein – leiden oft ein Leben lang an unerklärlichen Schuldgefühlen, Depressionen und Gefühlen von Wertlosigkeit.
Der Abbruch einer unerwünschten Schwangerschaft wird von einer mehr oder weniger restriktiven patriarchalen Familienpolitik erschwert, tabuisiert, verboten und kriminalisiert. Die Behörden und Institutionen täten gut daran, dem ›Zwang zur Schwangerschaft‹ mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um die Probleme zu vermeiden, die daraus entstehen.
Mitverantwortlich für das schwere Schicksale unerwünscht Geborener ist nicht nur die patriarchale Politik, sondern auch die Verlogenheit und Heuchelei der Kirche und der ›LebensschützerInnen‹, die vorgeben, es handle sich bei einem Schwangerschaftsabbruch um Mord, weshalb sie aus religiösen Gründen dagegen seien. Lassen wir uns nichts vormachen, es geht um Macht, um patriarchale Männermacht, ob in der Politik oder in der Kirche. Den sich als Lebensschützer tarnenden Machtmenschen ist der Schutz und die Würde der Frauen und die an illegalen Abtreibungen verblutenden Frauen egal. Im Gegenteil, eine sadistische Anhängerin dieser morbiden Gesellschaft meinte lachend, ›Abtreibungen sollen schmerzen, das ist richtig‹. Und sterben dürfen sie daran auch. Laut der WHO kommen jährlich ca. 47 000 Frauen an illegalen Abtreibungen zu Tode. Die in der heuchlerischen christlichen Sexualmoral gefangenen Gläubigen, die gegen das Recht auf Selbstbestimmung der Frauen kämpfen, nehmen ohne Skrupel und Mitleid schwere psychische Belastungen, gesundheitliche Risiken und selbst den Tod der Frauen durch illegale Schwangerschaftsabbrüche in Hinterhöfen in Kauf.

Zwangsschwangerschaften verursachen Kriminalität

Unerwünschte, ungeliebte, abgelehnte Kinder landen oft in der Psychiatrie, nach einem Suizid auf dem Friedhof oder im Gefängnis – die Gefängnisse sind voll von unglücklichen Lebensläufen. Manchmal werden Säuglinge ausgesetzt, sogar auf dem Müll ›entsorgt‹. Wie können Mütter nur so etwas tun, ist die anklagende Frage. Die repressiven patriarchalen Gesetze von patriarchalen Kirchenmännern und christlichen Politikern, ihr Desinteresse, die fehlende Anteilnahme am Schicksal der Mütter und der unerwünschten Kinder, eine fehlende materielle Unterstützung, das offensichtliche Versagen, werden nicht hinterfragt. Stattdessen wird den Müttern geraten, ihre Kinder zur Adoption freizugeben, das zahlt sich finanziell aus.
Die Devise vieler dieser nicht willkommenen Kinder als Jugendliche ist: wenn ich schon nicht erwünscht bin, ihr mich nicht liebt, nicht haben wollt und nicht beachtet, werde ich mir Beachtung verschaffen, indem ich euch das Fürchten lehre. Misshandelte Opfer werden  als Erwachsene oft zu TäterInnen, denen ebenfalls jegliches Mitgefühl für die Leiden der Menschen, denen sie Schaden zufügen, abgeht. Beate Zschäpe, deutsche Rechtsextremistin und mutmaßliches Mitglied der neonazistischen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) war so ein unerwünschtes, ungeliebtes Kind, um das sich die Mutter nie gekümmert haben soll! Beate Zschäpe war gewaltbereit, eiskalt und gewalttätig und wird verdächtigt, »sich an der Ermordung von acht Mitbürgern türkischer und einem Mitbürger griechischer Herkunft, dem Mordanschlag auf zwei Polizeibeamte in Heilbronn sowie an den versuchten Morden durch die Sprengstoffanschläge des NSU in der Kölner Altstadt und in Köln-Mülheim beteiligt zu haben«. (Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof). Ihre unglückliche Kindheit rechtfertigt die Morde keineswegs; es geht aber um das Verstehen solcher Lebensläufe. Ein anderes Beispiel, das die These vom Unglück ungewollter und ungeliebter Kinder veranschaulicht, ist der Fall Rumänien. Unter Ceausescu wurde die Abtreibung strikte verboten. Rumänien wurde ein Paradies für Lebensschützer. Frauen wurden gezwungen, Kinder auszutragen, die sie nicht wollten und nicht ernähren konnten. Die Kinder landeten in staatlichen Kinderheimen und vegetierten dort unter den miserabelsten Umständen dahin – wir erinnern alle die schrecklichen Bilder.
Oft ist Drogen-, Medikamenten- oder Alkoholsucht der erwachsen gewordenen Opfer die einzige Möglichkeit dem Schmerz des Ungeliebt- und Unerwünschtseins für kurze Zeit zu entkommen.

»Abtreibung verhindert Kriminalität«

In den USA machte das Buch des US-amerikanischen Ökonomen Steven Levitt Furore. Er schreibt, dass dort ein auffallend massiver Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen ist, was auf das gesetzlich verfügte Recht der Frauen auf Abtreibung zurückzuführen sei. Der Journalist Juan Gomez ergänzte den Bericht damit, dass in Amerika viele Kommunen aufgrund der Wirtschaftskrise gezwungen sind, die Ausgaben für die Sicherheit von Personen und Sachen zu reduzieren. Tausende von Polizisten wurden arbeitslos. Es ist nun interessant festzustellen, dass trotz der Reduktion von Polizeikräften und trotz rasant steigenden Waffenverkäufen die Kriminalität in den USA sinkt. Seit 40 Jahren gab es nicht so wenige Gewaltverbrechen und seit 50 Jahren nicht so wenige Morde. Keiner kann das Phänomen erklären. Doch die Theorie des Ökonomen, Steven Levitt wird am meisten zur Erklärung herangezogen. Er schreibt, dass die Abtreibung Kriminalität verhindere. Ungewollte Kinder würden leichter kriminell. Die Abtreibung wurde in den USA Mitte der 70er Jahre legalisiert. Für Levitt ist es logisch, dass es zwei, drei Jahrzehnte später weniger Kriminelle gibt. Die Theorie erscheint absurd, meint Gomez; aber viele Amerikaner sind von Levitts These überzeugt. Die Bücher von Steven Levitt verkaufen sich millionenfach. Die braven Männer und Frauen der Riege der Lebensschützer schweigen vorerst betreten! (Donohue, John J. and Levitt, Steven D. ›The Impact of Legalized Abortion on Crime‹ 2000).

Auch das Gegenteil, staatlich verfügte Zwangsabtreibungen verursachen Kriminalität, z.B. in China als Folge der Einmischung des Staates mit ihrer Einkindpolitik. In Asien fehlen 200 Millionen Frauen durch die sich wiederholenden Eingriffe von patriarchaler Regierungen in die Kompetenz und Freiheit von Frauen, selbst über ihre Schöpfungsfähigkeit zu verfügen. Die Kriminalitätsrate ist durch das Fehlen von Frauen bei Männern im heiratsfähigen Alter dramatisch angestiegen.

LebensschützerInnen‹ verursachen Kindesmisshandlung und Kindstod

›Ein trauriger Rekord‹ titelte die Schweizer Presse im Januar 2011 die neueste Erhebung des Zürcher Kinderspitals, das 2010 eine Zunahme von Kindesmisshandlungen dokumentierte. Von den 487 von Gewalt betroffenen Kindern sind 63 Prozent Mädchen. Am deutlichsten angestiegen sind sexuelle Übergriffe auf Mädchen und junge Frauen. Verbale, physische und psychische Gewalt nehmen überall ständig zu. »Die größte Gefahr für die Kinder geht aus der eigenen Familie hervor«, denn Eltern seien für Kinder oft die gefährlichsten Personen, sagt die deutsche Gerichtsärztin Saskia Guddat. Anfang 2012 wurde ein neues Bundeskinderschutzgesetz erlassen. Das sollte dafür sorgen, dass Kinder besser vor Verwahrlosung, Gewalt und sexuellem Missbrauch geschützt werden. Doch inzwischen gibt es viel Kritik an dem Gesetz. Es habe nicht viel bewirkt, sagen Experten. In Deutschland werden jährlich etwa 3800 Kinder schwer misshandelt; die Dunkelziffer wird aber auf mehr als 200’000 geschätzt. An den Folgen sterben nach offizieller Statistik pro Jahr mindestens 160 Kinder deutschlandweit, (die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich doppelt so hoch: bei 320 000). Jede Woche werden 70 Kinder krankenhausreif geprügelt; drei von ihnen sterben wöchentlich an den Folgen.

Nicht geboren worden zu sein, hätte diesen Kindern ihr Martyrium erspart.

Die Berliner Rechtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos haben zahlreiche Misshandlungsopfer begutachtet und dabei zu Tode Gekommene obduziert. Sie mussten immer wieder feststellen, dass Sozialarbeiter und Ärzte auch bei erkennbaren Misshandlungsfällen oft nicht reagierten. Auch deshalb versage der Kinderschutz in Deutschland immer noch. Michael Tsokos: »Seit 20 Jahren höre ich von den Ämtern ›Wir haben nichts falsch gemacht.‹ »Da frage ich mich: Wenn niemand etwas falsch gemacht hat, warum liegt das tote Kind vor mir?« Das erschütternde Buch der beiden Rechtsmediziner heisst:

›Deutschland misshandelt seine Kinder.‹

Dass der Tod von Kindern verhindert werden könnte, wenn der politische Rahmen besser wäre, klingt unglaublich. Es gibt sie zwar, die engagierten Sozialarbeiter in Jugendämtern, doch müssen die gegen Aktenberge, lasche Gesetze und knappe Kassen kämpfen. Täglich! »Der Fehler«, so Tsokos »liegt im System«. Verantwortliche müssen Entscheidungen treffen, ohne die umfassende Kindessituation zu kennen. Deshalb fragen wir: »Wer kontrolliert die Kontrolleure?« Wieder sind es untätige patriarchale Männer an der Macht, die eine effiziente Kontrolle verhindern und korrigierende Massnahmen an die Hand nehmen.
Zwei Monate nach dem Auftreten von Saskia Guddat und Michael Tsokos bei Markus Lanz und der Publikation des Buches, berichten sie, dass sie massiv bedroht und angegriffen wurden, – nicht etwa von Eltern – nein: von Kinderärzten, vom Kinderschutzbund, von Sozialarbeitern, von all jenen, die bei Misshandlungen nicht eingeschritten sind und weggeschaut haben und von Interessenverbänden, z.B. auch ›LebensschützerInnen‹, freien Trägern, die damit Geld verdienen. Die Probleme dürften in vielen Ländern nicht viel anders sein.

Frauen bringen Kinder zur Welt, ziehen sie auf und Männer töten sie millionenfach in unzähligen Kriegen. Das können sich auch christliche Kleriker, die Waffen segnen, und christliche ›LebensschützerInnen‹, die vom lukrativen Waffenexport ihres Landes profitieren, merken!

Vom Schicksal zwangsgeborener Kinder auf den stockkatholischen Philippinen berichtet das Auslandjournal vom 5.9.18 im ZDF. Hier ist es üblich geworden, dass arme Eltern ihre Kinder pädokriminellen Touristen aus dem Westen für Nacktfotos – und mehr – anbieten. Unicef schätzt, dass mindestens 60 000 Kinder sexuell missbraucht werden. »Ich werde Touristen ins Land holen und ihnen Jungfrauen anbieten«, scherzte der Präsident der Philippinen. Pater Shay Culler, der sich jährlich um etwa 100 Kinder kümmert, die er aus Bordellen befreit, empören derart vulgäre Scherze. Der investigative Journalist Peter Dupont, der dem Schicksal verkaufter und missbrauchter Kinder nachgeht, berichtet über die skandalöse Tatsache, dass sich Regierungen weder hier noch dort, um das entsetzliche Leid dieser Kinder kümmern. Viele der traumatisierten Kinder flüchten sich als Erwachsene in die Drogen. Ihnen gegenüber hat der Präsident seine eigene niederträchtige ›Therapie‹: er lässt Drogenabhängige jagen und ermorden.

Warum kämpfen LebenschützerInnen nicht für das geborene Leben,
für den Schutz lebender Kinder und gegen den Kinderseelen-Mord?

Woher kommt dieses unbarmherzige Verurteilen von Frauen, die ihre unerwünschten Schwangerschaften, aus Not und im vollen Bewusstsein der Verantwortung beenden? Warum diese Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit, warum diese Arroganz und Unmenschlichkeit? Es ist schlussendlich der Hass religiös versklavter Menschen auf jene Frauen, die ihre Sexualität frei und selbstbestimmt leben und selbst über ihren Bauch, ihre Gebärmutter und die Konsequenzen sexueller Liebe entscheiden. Es geht um Macht, Kontrolle und Herrschaft. Dafür braucht die Wirtschaft immer wieder billige Arbeitstiere, die Kirche nachwachsende abgabenpflichtige Gläubige und das Militär junges Kanonenfutter für seine Kriege.
Als Geiseln der patriarchalen Institutionen, der Universitäten und Kirchen, nach Jahrtausenden der ständigen patriarchalen Propaganda, Beeinflussung, Indoktrinierung und Hirnwäsche kämpfen heute auch viele gläubige Frauen für patriarchale Ideologien und die patriarchalen Götter des Monotheismus. Patriarchatskompatible WissenschaftlerInnen im Dienste des misogynen Patriarchats, die sich vernetzen, sich gegenseitig unterstützen und ständig gegenseitig zitieren, beschneiden geradezu masochistisch ihre weibliche Identität und ihre Wurzeln, die bis in die Urkultur reichen. Da hat die vergiftende patriarchale Propaganda ganze Arbeit geleistet! Die Patriarchatsforscherin Gerda Lerner führt dies auf die Benachteiligung der Frauen im Bildungswesen und die androzentrische Verzerrung der Geschichte mit der Marginalisierung der Frau zurück.

»Diese doppelte Deprivation hat die weibliche Psyche über die Jahrhunderte so zugerichtet, dass die Frauen an der Herausbildung des Systems, das sie unterdrückt, mitwirken und an dessen ständiger Bestätigung und Verfestigung in der Folge immer neuer Generationen weiter mitgewirkt haben und noch immer mitwirken.« (Gerda Lerner ›Die Entstehung des feministischen Bewusstseins – vom Mittelalter bis zur Ersten Frauenbewegung‹ 1993, S. 20).

Wo wart ihr ›LebensschützerInnen‹ damals?

Nie wieder‹, heißt eine der Parolen der christlichen Lebensschützer, doch wo waren sie damals, wo war die christliche Kirche, die christlichen Politiker und all die frommen und braven Christen, wo der Papst, wo die unzähligen Kardinäle, Bischöfe und Priester in aller Welt als Millionen jüdischer Kinder und Ungeborene im Mutterleib in den Gaskammern ermordet wurden? Ist das Leben jüdischer Kinder und Föten und das Leben der schwangeren jüdischen Mütter weniger schützenswert als das ›christlicher Föten‹ und christlicher Mütter? Unzählige schwangere jüdische Frauen und ihre Kinder wurden – im faschistischen Deutschland der heuchlerischen christlichen Parteien – ermordet.
(s. auch: https://www.students.ch/magazin/details/41873/Eine-kleine-Geschichte-der-Verhuetung)

Wo ist der Schutz und die Hilfe für die Mütter?

Frauen, darunter ungewollt schwanger gewordene Mütter, werden als Alleinerziehende nicht nur stigmatisiert, sie werden auch finanziell im Stich gelassen. Sie leben mit ihren Kindern in Armut oder hart an der Grenze davon. Sie sind dem patriarchalen Staat nichts wert, erhalten kaum Unterstützung. Frauen sind in jedem Fall die Verlierer, ob sie bei den egoistischen Machtspielen patriarchaler Männer ungerwerfen, gar davon profitieren, oder nicht. Im westlichen Europa wird die Ungerechtigkeit, die Verachtung der Menschenrechte, der Ausbeutung und Diskriminierung der ausser Haus arbeitenden Frauen deutlich an den Lohnunterschieden. Patriarchale Regierungen lassen es zu, dass Arbeitgeber Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger für gleichwertige Arbeit bezahlen, ohne eine Bestrafung zu riskieren, obwohl die Gleichberechtigung in den Gesetzen verankert ist.

Ob mit oder ohne Abtreibungsverbot werden Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen.

Dorothy Nortman, die Statistikerin vom Washingtoner Population Reference Bureau, einer Privatorganisation, die seit einem halben Jahrhundert Bevölkerungstrends beobachtet, stellte fest: »Etwa jedes dritte Paar im reproduktionsfähigen Alter kontrolliert gegenwärtig seine Fruchtbarkeit – ein nie zuvor in der Menschheitsgeschichte erreichter Grad von Vorsorge… Nur mehr acht Prozent aller Menschen leben in Ländern, deren Bevölkerungspolitik planlos ist oder gar auf Geburtenzuwachs abzielt. Zur Gruppe der Rückständigsten gehören zumeist schwarzafrikanische Staaten, in denen traditionell Kinderreichtum als Altersvorsorge gilt, in denen aber auch die Sterbe- wie die Geburtenraten besonders hoch sind… Der Anteil der Paare, die zeitliche Folge und Zahl ihrer Kinder planen, liegt verständlicherweise in den Industriestaaten am höchsten. Er betrug bereits um 1970 etwa 60 Prozent und stieg seither noch auf rund 70 Prozent… Soll die Baby-Bremse wirklich greifen, erklärt Dorothy Nortman, muß allerdings neben der Kontrazeption die Abtreibung freigegeben werden. Denn von jeweils 100 Paaren, die relativ zuverlässige Verhütungsmittel wie Pessar oder Kondom benutzen, müssen 80 mit einer ungewollten Schwangerschaft rechnen; bei denen, die eine der heute sichersten Methoden — Pille oder Intrauterinpessar — anwenden, summiert sich das geringe Restrisiko, über ihre Lebenszeit gerechnet, auf immerhin noch 30 ungewollte Schwangerschaften je 100 Paare.« (DER SPIEGEL 37/1977)

Die Geschichte der Diskriminierung und Unterdrückung der Frau

Der Kampf gegen die Selbstbestimmung der Frau

Im Matriarchat bestimmten die Frauen selbstverständlich selbst über ihren Körper und ihre Sexualität. Sie kannten Mittel der Verhütung und Abtreibung unerwünschter Schwangerschaften und regelten so den Zeitpunkt und die Anzahl der erwünschten Kinder, für die sie sorgen konnten. Seit den Eroberungen und der Machtnahme der Indo-Europäer erlauben sich patriarchale Männer – heute weltweit – Gesetze zu erlassen, die den Frauen das Recht absprechen, selbst über ihren Körper und ihre Fähigkeit der Reproduktion‹ zu bestimmen. Frauen wurden entmündigt, haben keinen oder kaum Einfluss auf die patriarchalen Gesetze, sie sind lediglich da, den Interessen patriarchaler Männer zu dienen, denen es ausschliesslich um Macht geht. Als »Ursprung der Macht begriff man ehemals die Geburt, also die Macht der Mutter über ihr Kind«, schreibt der italienische Historiker Roberto Zapperi (1984).
Neben patriarchalen Herrschern waren es die patriarchalen Priesterkasten, die begannen die Frauen zu bevormunden. Selbstherrlich lamentier(t)en sie regelmässig gegen Abtreibung, droh(t)en den Frauen mit Hölle, Teufel und sogar mit dem Tod. Griechische Philosophen gingen noch einen Schritt weiter:

»Mit dem Aufstieg der patriarchalen Religionen – vor allem unter den Griechen – entwickelte sich der Glaube, dass der väterliche Samen dem Fötus die Seele verleiht. Die Männer waren überzeugt, das Sperma sei eine Erweiterung der männlichen Seele und sie befürchteten, dass mit der Abtreibung ein Teil ihrer selbst zerstört würde.« (Barbara G. Walker 1993, S. 7)

Aristoteles gehört zu den Missgünstigen, er schreibt der Mutter lediglich die Lieferung des körperlichen Aufbaustoffes zu und meint: »Der Mann ist infolge seiner ›Samkraft‹ der Kreator des Leibes« und, was für die Auslegung der Texte Thomas von Aquins (1224–1274) wichtig wird, auch der Seele. Es war eine logische Fortführung dieser Meinung, dass die Seele des Fötus vom Mann kommt und Abtreibung durch patriarchale Gesetze bestraft werden muss, weil sie in der magischen Vorstellung für die Männer gefährlich sind.« (Zur ›Geschichte der Abtreibung‹ s. die ausführliche Dokumentation im Wikipedia)
Seit patriarchale Philosophen religiöse Moralisten
und Kleriker davon ausgehen, der Embryo sei durch das Spermium des Mannes ›beseelt‹, behaupten sie, Abtreibung sei Mord. Hingegen scheinen weder die griechischen Philosophen noch katholische Priester moralische Bedenken oder Hemmungen zu haben, die Seele, insbesondere von kleinen Knaben schwer und nachhaltig durch sexuelle Gewalt zu verletzen; s

Wann ist ein Mensch ein Mensch?

»Ein drei Tage alter menschlicher Embryo ist eine Blastozyste, eine Ansammlung von hundertfünfzig Zellen. Ordnungshalber sei gesagt, dass das Gehirn der Fliege aus über hunderttausend Zellen besteht… Aber lass uns einmal annehmen, dass jeder drei Tage alte menschliche Embryo eine Seele besäße, der unsere moralischen Bedenken gelten müssten. Embryonen teilen sich in diesem Stadium gelegentlich zu einzelnen Individuen (identische Zwillinge). Teilt sich in diesem Fall eine einzelne Seele zu zwei Seelen?… Die naive Vorstellung von Seelen, die in einer Petrischale schwimmen, ist intellektuell schlicht unhaltbar. Aber sie ist auch moralisch unhaltbar, wenn man bedenkt, dass sie inzwischen einem der vielversprechendsten Forschungsbereiche in der Medizingeschichte im Wege steht… Die moralische Wahrheit liegt offen zutage: Wer findet, dass die Interessen einer Blastozyste die Interessen eines Kindes mit einer Wirbelsäulenverletzung überwiegen, der hat sich seinen Sinn für Moral von religiöser Metaphysik trüben lassen. Der Zusammenhang zwischen Religion und ›Moral‹ – der so unentwegt proklamiert und so selten demonstriert wird – wurde somit als eine Schimäre enttarnt, die überall dort auftritt, wo ein Glaubensdogma moralisch-logisches Denken und aufrichtiges Mitgefühl verdrängt.« (Sam Harris 2008)
Sogenannte ›LebenschützerInnen‹ wollen Frauen zum Gebären zwingen – ›im Namen Gottes‹. Sie  diffamieren, kriminalisieren, stigmatisieren Frauen mit unglaublichen Vorwürfen und schlimmsten Drohungen, schüchtern sie ein und
demütigen sie mit unhaltbaren Vergleichen. Kirchenangehörige und Gläubige betätigen sich als Rufmörder und Hassprediger, wie etwa der deutsche Kardinal Meisner, der Abtreibung mit den Verbrechen der Massenmörder Hitler und Stalin vergleicht. Kardinal Walter Mixa, gegen den laut einem Medienbericht die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch eingeleitet hat (›Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Mixa‹ NZZ 7.5.2010) verhöhnte Frauen als ›Gebärmaschinen‹; Erzbischof Johannes Dyba bezeichnete Abtreibung als ›Kinder-Holocaust‹. »Das sind keine vereinzelten Entgleisungen unbelehrbarer Kirchenmänner. Es ist Ausdruck der offiziellen Haltung des Vatikans, in dem die ultrakonservativen Kräfte immer noch genauso lebendig sind wie im Mittelalter.« (›Chronik eines Skandals‹ Brigitte 20.10.2009) Wahrscheinlich wünschen sich Kirchenmänner, assyrische Gesetze zurück, welche die Abtreibung zum ersten Mal erwähnen: Frauen wurden dafür mit dem Tode bestraft!

Sexueller Missbrauch ist Seelenmord

Christliche Eunuchen spielen sich als ›Fachmänner‹ in Sachen Biologie, Sexualität, Gynäkologie und allen Frauen- und Famielenfragen‹ auf. In Sachen männliche Sexualität sind sie aber offenbar nicht auf dem Laufenden. Wie wäre es sonst möglich, dass sie die Verbrechen in den eigenen Reihen, die an Kindern begangen wurden, nicht bemerkt oder wahrgenommen haben, nicht dagegen angegangen sind, nicht gesehen haben wollen, wieviel sexuelle Perversität es gerade unter den schein-heiligen Klerikern und in der Familie gibt? 

In Deutschland spricht der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig von 100’000 Fällen pro Jahr (2013)! Gesamthaft gibt es da schätzungsweise 9 Millionen dauerhaft geschädigte Seelen sexueller Gewalt.

Nachdem an einer Pressekonferenz zur Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche in Fulda vom 25.9.2018 über den Missbrauch im Zeitraum von 1946 bis 2014 sexuelle Vergehen an 3677 überwiegend männlichen Minderjährigen durch 1670 Priester informiert wurde, die ›nur die Spitze des Eisbergs‹ seien, hätte man erwarten dürfen, die Herren Kleriker würden angesichts der Verbrechen tausender Kirchenmänner in der ganzen katholisch dominierten Welt die zehntausenden Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt angetan hatten, weniger selbstherrliche Arroganz an den Tag legen und etwas leiser in ihrer Verurteilung der Frauen geworden sein. Aber man täuschte sich. Während Papst Franziskus Ende August im einst streng katholischen Irland noch bat: »Wir bitten um Entschuldigung für die Misshandlungen in Irland, den Missbrauch von Macht und Vertrauen, sexuellen Missbrauch durch offizielle Mitglieder der Kirche«, verurteilte Franziskus kaum ein paar Tage nach der Pressekonferenz (am 10.10.18) Abtreibungen und damit die betroffenen Frauen aufs gröbste mit den Worten: »Einen Menschen zu beseitigen, ist wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein kleines Problem zu lösen.« Der Papst hat offensichtlich vergessen, dass die Kirche immer auf der Seite der staatlichen Auftragsmörder gestanden hat, die Berufsmörder ausbilden, Soldaten, die gegen Sold nicht nur andere Soldaten im Namen Gottes umbringen, sondern auch in Kauf nehmen, dass Geborene: Frauen, Männer, Kinder und Säuglinge getötet werden.
Auch ist es für den Papst offensichtlich einfacher, die Frauen als Mörderinnen zu diffamieren, als den Verbrechen der pädokriminellen Männer in den eigenen Reihen Einhalt zu gebieten, welche die Seelen Tausender Kinder durch sexuelle Gewalt mordeten. Anlässlich der Pressekonferenz zur Untersuchung dieser Gewalt sagte Kardinal Marx zu Recht beschämt über den Vertuschungsskandal zum Schutz der Täter und der Kirche: »Wir haben den Opfern nicht zugehört.« Die Kirchenmänner haben auch den Frauen nie zugehört. Sie wissen nichts von der Not einer Frau, die unerwünscht schwanger wurde – , wissen nichts von der Gewalt, der Verachtung, der unmenschlichen Behandlung der Frauen durch das Patriarchat, den patriarchalen Klerus, wissen nicht was ihnen durch das Schweigegebot angetan wurde. Auch das ist beschämend und arrogant. Und was tut die Kirche um die Sorgen jener Frauen zu lindern, ihnen das Leben zu erleichtern, die ihr Kind trotz Armut und Not zur Welt bringen? NICHTS!

Frauen, die sich nicht nach den patriarchalen Dogmen asketischer Eunuchen richten und Sexualität in Freiheit leben, sind für die Kirche bekanntlich Sünderinnen. Nachdem der weltfremde Papst Verhütungsmittel, Kondome und die Anti-Baby-Pille verboten hatte, um damit den Frauen so viele Schwangerschaften und Geburten wie möglich abzuringen – sollen jene KatholikInnen, die keine Kinder zeugen wollen, sexuell abstinent leben. Selber schuld – wer sich nicht an die Dogmen der Kirche hält, muss eben die Konsequenzen einer unerwünschten Schwangerschaft eines ungeliebten Kindes austragen, und das tun bekanntlich Frauen, nicht Männer!

Der biblische Gott flucht gebärenden Frauen

Der frauenfeindliche, von Gebärneid getriebene, patriarchale Gott fluchte den Frauen indem er zum Weibe sprach: »Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.« (1. Mose 3, 16).