Archive for the ‘Uncategorized’ Category.

Rezensionen und Leserbriefe – alle Bücher von Doris Wolf

Zum Problem der umfassenden historischen Lücken, dem Ausblenden, Streichen und Löschen wichtiger Daten z.B. aus den biblischen Quellen und dem Exodus

schreibt Bruno Antonio Buike, dass beispielsweise unter Thutmosis III, dem 6. ägyptischen König der 18. Dynastie (er regierte von 1479 bis 1425) Israel ein tributpflichtiges ägyptisches Vasallengebiet war, so dass also Moses bloss innerhalb der Machtsphäre Ägyptens umgezogen ist, aber keineswegs (total) aus Ägypten heraus gegangen ist.
Buik vermerkt dazu: »Siehe und vgl. Wolf Doris: ›Wer war Echnaton‹ (https://www.doriswolf.com/wp/neu-wer-war-echnaton/) Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Autorin Doris Wolf umstritten ist, so dass ihre alternative und frauenakzentuierte Ägyptologie oft schon ›unten durch ist‹ bevor ihr wissenschaftlicher Gehalt geprüft wurde, der beachtlich sein könnte! Auch hier gilt: Audiatur et altera pars (›die Gegenseite muss angehört werden!‹) und wenn ›Audiatur et altera pars‹ nicht mehr gelten soll, dann können wir uns ja gleich von jeder Wissenschaft verabschieden und dem zujubeln der am lautesten brüllt.« (Buike ›Viel mehr als bloss Medaillen: Encounters zwischen Physik und Philosophie…‹ 2019, Anmerkung 50)

 

Was war vor den Pharaonen?

Von Walter J. Langbein vom 4. Juli 2019 mit einem Link zur Originalseite

http://www.ein-buch-lesen.de/2019/07/was-war-vor-den-pharaonen.html

Die Medien melden Sensationelles aus Ägypten: »4000 Jahre alte Pyramide erstmals für Touristen geöffnet«.

Zu den Fakten: Bereits im 19. Jahrhundert haben Archäologen die Pyramide von Lahun entdeckt. Von Grabräubern abgesehen, erkundete kein ungebetener Gast das Innere der aus Lehmziegeln gebauten Pyramide. »4000 Jahre lang durfte kein Besucher das Innere des Grabmahls besuchen.« vermelden die Medien. Nun als Touristenattraktion war keine der ägyptischen Pyramiden gedacht.

Besonders attraktiv ist das äußere Erscheinungsbild der Lahun-Pyramide freilich nicht. Aus der Distanz betrachtet sieht sie wie ein natürlicher Felsen aus, der sich erst aus der Nähe als künstliches Bauwerk erweist.

Die Medien melden Sensationelles aus Ägypten. Wirkliche Neuigkeiten werden freilich keine geboten. Sensationell indes ist nach wie vor das packende Sachbuch »Was war vor den Pharaonen?«, verfasst von Doris Wolf. Der Untertitel des brisanten Werkes verrät, worum es im unbedingt lesenswerten Buch geht: »Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens«.

»Was war vor den Pharaonen?« fragt die Autorin. Die Antwort: die Göttin(nen)! Es ist geradezu beschämend für die Ägyptologie, dass der vielleicht wichtigste Teil der ägyptischen »Vorgeschichte« bis heute verschwiegen und geleugnet wird!

Doris Wolf bietet eine Fülle von Fakten, die zum Umdenken zwingen. Jede Seite von »Was war vor den Pharaonen?« bietet Spannendes, Fakten, die die klassische Schulwissenschaft Archäologie einfach nicht zur Kenntnis nehmen will. Ist man zu feige auf den Elfenbeintürmen der Archäologie, oder ist man einfach nur zu bequem? »Was war vor den Pharaonen?« ist ein einzigartiges Kompendium des Wissens. Es wird ein weiter, weiter Bogen gespannt: von der beklagenswerten »Verharmlosung der Vergangenheit« bis hin zum machtpolitischen »Mord an der Großen Göttin«.
Die Pyramide von Lahun beflügelt den Tourismus. Was sehr viel wichtiger, faszinierender und spannender ist: Doris Wolf weist anhand bedeutender Fundstücke nach, dass es vor den Pharaonen im Land am Nil eine matriarchalische Kultur gab. Bislang wurden und werden Fundstücke aus der Zeit vor den Pharaonen leider bis heute missachtet und verschwiegen.
Mein Fazit: Doris Wolf hat das vielleicht wichtigste Buch über die vorpharaonische Zeit verfasst. Die alt-ägyptische Geschichte muss neu geschrieben werden!

Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens

»Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens« war und ist ein Meilenstein in der Erforschung Ägyptens. Bis heute scheint die Zeit vor den Pharaonen für die Ägyptologen so etwas wie ein Tabuthema zu sein. »Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens« ist sehr viel mehr als eine Neuauflage von »Was war vor den Pharaonen«. Doris Wolf hat ihren Klassiker nicht nur überarbeitet, sondern auch deutlich erweitert. Sie hat intensiv die frühesten Anfänge der Kultur im Reich der Pharaonen und Pyramiden erforscht. Sie hat wie kaum eine andere Expertin Reiserlebnisse und erstaunliches Wissen über die vorgeschichtlichen Muttergottheiten zu einem wirklich packenden Sachbuch verarbeitet, das die Vorgeschichtsforschung zum Umdenken veranlassen müsste. Der Untertitel »Eine Kriminalgeschichte« ist durchaus berechtigt.

Geschichte wird immer von den Gewinnern geschrieben. Die große Verliererin der Geschichte war mit dem brutalen Siegeszug des Patriarchats die »Große Göttin«. Indes: Wer sucht, der findet. Das gilt natürlich auch für die Erforschung des mutterrechtlichen Göttinnenkults. Wer Spuren der uralten Urkultur finden möchte, der wird auch fündig werden. Unübersehbar sind die Spuren eines wichtigen Teils der menschlichen Geschichte, die bis heute leider in der Forschung konsequent bewusst missinterpretiert, geleugnet und verdrängt werden.

Doris Wolf provoziert, aber nicht der Provokation wegen. Sie muss provozieren, weil das ihre einzige Chance ist, die verkrusteten Strukturen der Erforschung nicht nur des prä-pharaonischen Ägyptens aufzureißen. Studiert man die gängigen (wissenschaftlichen wie populärwissenschaftlichen) Werke über Ägypten, so spielt darin die Frau eine untergeordnete Rolle. Die frühe Geschichte, nicht nur Ägyptens, scheint von Männern und nur von Männern dominiert worden zu sein. Dieser Eindruck kann aber nur vermittelt werden, wenn einseitig geforscht, einseitig interpretiert und voreingenommen publiziert wird. Es geht offenbar der klassischen Archäologie weitestgehend nur darum, vorgefasste Bilder von der Vergangenheit zu bestätigen.

Doris Wolf hat Enormes geleistet. Gerade weil sie nicht der eingeschworenen Zunft der Ägyptologen angehört ist sie keiner »Schule« verpflichtet und kann – und das mit erfreulicher Sorgfalt und Liebe zur sauberen wissenschaftlichen Arbeit – das nach wie vor von patriarchalischem Denken geprägte Bild von der Vorzeit nicht nur Ägyptens zum Teil ad absurdum führen. Erschüttert stellt man lesend fest, wie unseriös doch manchmal etablierte Wissenschaft arbeitet, nur um bislang bewährte Sichtweisen nicht revidieren zu müssen!

»Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens« ist ein Buch von immenser Bedeutung, dem keine Rezension wirklich gerecht werden kann. Es thematisiert die Zerstörung der matriarchalen Urkultur Ägyptens, ja überhaupt des einst real existierenden Matriarchats. Doris Wolf verdeutlicht gern geleugnete Zusammenhänge zwischen Religion (Patriarchat! Monotheismus) und Gewalt. Es geht um die fatale Liaison zwischen männlichem Machtanspruch einerseits und theologischer Legitimation und Verherrlichung der angeblich gottgewollten Dominanz des Mannes über die Frau andererseits.

Doris Wolf hat ein im besten Sinne aufklärerisches Werk von höchster Wichtigkeit verfasst, dem weite Verbreitung  und möglichst großer Einfluss zu wünschen ist. Falsche Ideen sterben in der Regel erst aus, wenn ihre Verfechter von der Bühne des Lebens verschwinden. Es ist zu hoffen, dass Doris Wolf mit ihrem Gesamtwerk ein längst überfälliges, radikales Umdenken begünstigt und einläutet!

Meine Empfehlung? Unbedingt lesen!“ (Walter J. Langbein)

Doris Wolf: »Was war vor den Pharaonen/ Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens«, Kreuz Verlag, Zürich 1994, Hardcover, 240 Seiten, Eu 17.91 (bei amazon)
Doris Wolf: »Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens«, DEWE Verlag,  Zürich 2009, Broschur, 350 Seiten, Eu 25,00 (bei amazon)

 

Ergänzung von mir: Ein PDF des längst vergriffenen Buches „Was war vor den Pharaonen…“
erhalten InteressentInnen ksotenlos bei mir: doriswolfatdewe-verlagdotcom
 ***************

1. Buch: ›Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹ 1994

Ein paar der vielen persönlichen Schreiben auf das Buch (unvorstellbar, damals gab es noch kein Inernet und kein mail! )

*Ich fing Ihr Buch gestern an zu durchblicken, denn ich bin wieder am Schreiben. Aber ich merkte, dass ich immer wieder zu Ihrem Text zurückkommen musste. Der Ausmass dieser Gewalt und ihrer Verleugnung deprimiert und rüttelte. Ich musste Ihr Buch in einem ›Schluck‹ zu Ende lesen.
Ich glaube es ist eine äusserst wichtige Arbeit. Ich wünschte ich hätte davon gewusst beim Schreiben meine letzten Buches. Danke nochmals… für Ihr Buch und dafür, dass es Sie gibt.
21.2. 1998 ♂ Arno Gruen

*Das Lesen hat mir ein neues Gebiet erschlossen:
Umgang mit Zorn und Trauer als Aufklärung. Ich wusste das nicht. ♀

*Ich bin begeistert ♀ C.M.

*Wenn ich sage: ›ich gratuliere Dir!‹ dann drückt das weder die Achtung, noch den Respekt aus, den ich beim Lesen gefühlt habe.
…Das ist der Hammer. Vieles habe ich intuitiv erfaßt, die letzten 18 Jahre, doch konnte ich die vielen Puzzleteile nicht zusammenbringen, einfach weil mir Dein Wissen gefehlt hat. Ich danke Dir, dass Du diese gigantische Aufgabe auf Dich genommen hast, zu Forschen und Deine Erkenntnisse zwischen zwei ›Buchdeckel‹ in die Welt zu tragen. Ich schätze Deine klare Sprache und Deinen Mut, Dinge beim Namen zu nennen. Nochmals, in Gedanken ziehe ich meinen Hut, vor Dir und vor Deiner Arbeit.  A.A. ♀

*Bücher sind eingetroffen… ein paar Sätze und ich lese gebannt, als ob alles neu für mich wäre…. Dein Wissen…. Dein Mut, Deine Sprache… die ironische Art, hier schreibt eine Frau mit allen Facetten… ich werde kein Wort auslassen, um ja nichts zu versäumen… in alter Bewunderung H.M. ♀

*Besten Dank für Ihre eindrückliche Dokumentation der häßlichen Gewalt vieler Männer gegen unzählige Frauen. Wenn ich in der Rekonstruktion einzelner Dokumente mit Ihnen auch nicht einig bin, so ist das Anliegen doch mehr als berechtigt. ♂ O.K.

*Es hat mir große Freude gemacht, Dein neues Werk zu lesen. Und ganz ehrlich: ich bewundere Deine Ausdauer – und nicht allein das. Du hast tatsächlich eine rein sachliche – sehr gut aufgebaute und zügig durchgeführte – Arbeit verfaßt. Ich weiß, wie viel Mühe, Konzentration und Arbeit das gekostet haben muß. Es ist gut geworden, maximal! … Ich lobe Dich nicht aus Freundschaft, sondern nur, wenn ich etwas wirklich gut finde. Und das gilt für Dein Werk.
Es enthält so viele Erkenntnisse und so sorgfältige Recherchen, dass es sich durchsetzen wird.
Nach Deiner Arbeit kann niemand mehr das vor-pharaonische Ägypten einfach ausklammern, um dann das pharaonische so unrealistisch – und bösartig zu preisen. Danke dafür. Wenn ich selbst an dieser Stelle meiner Arbeit angekommen sein werde, brauch ich nur noch Verweise zu machen auf das was Du recherchiert hast. ♀ V.A.

*Ich lese jeden Abend in Ihrem Buch und lerne viel dabei. Aber meine Hoffnung, dass sich zu meinen Lebzeiten durch die Aufdeckung der Lügen noch etwas verändert, schwindet, je älter ich werde. Herzliche Grüße von ♀  A.M.

*Leider war ich die letzten Tage zu beschäftigt, um Dir zu schreiben wie super gut ich Dein Buch fand. Zugegeben, es ist voll Mord und Totschlag und voll von ›schlechten Nachrichten‹ und daher wird sicher nicht jedefrau und jedermann es fantastisch‹ finden … aber das ist es!  ♂  R.C.C

*Ihr Werk ergänzt die Frauengeschichte höchst relevant; ein umfassendes, hoch
engagiertes Buch, das wichtig ist, hoffentlich auch Eingang findet in die
Frauenhistorie – in die Medien und die Vorlesungen.
Sie haben hier ein Stück Herstory aufgearbeitet, für das ich Ihnen im Namen
der Frauen danken will.
Ich habe Ihr Buch zur Empfehlung monatelang aufgelegt. ♀ S. A. B.

*gestern habe ich das buch erhalten… ich bin erst auf seite 57, aber schon die ersten paar seiten strömten eine ganz spezielle energie auf mich aus. ganz, na wie soll ich es schreiben, beeindruckt mit einem leichten nervösen unterton, da ich es nicht lassen konnte, zwischendurch querzulesen, ahne ich bereits, was man uns frauen genommen hat. beeindruckt bin ich, dass sie sich der ganzen patriarchalen welt entgegenstellen. ich werde das buch minuziös lesen. ich verstehe aber jetzt bereits, was sie meinten, als sie schrieben, dass sie es für uns frauen geschrieben haben. ich spürte während des lesens diese urkraft meiner eigenen gemalten bilder! ich wünsche ihnen großen erfolg mit diesem tollen buch, das mich sicher lange begleiten wird. In diesem sinne möchte ich mich nochmals herzlichst bedanken. ♀ F.H.

*Ihr Buch ist wohlbehalten angekommen, und ich lese es mit großer Spannung! Ich bin zwar eine Laiin auf diesem Gebiet, habe aber schon viele Bücher von Matriarchatsforscherinnen gelesen. Bitte forschen Sie weiter. Es ist so schön, eine Geschichte zu haben, in der ich aufrecht gegangen bin! J.B.Z

Überall wird Dein Buch als  d a s  Buch – ich möchte mal sagen, gefeiert, begrüßt, erwähnt, was auch immer. Dein Buch wird noch viele, viele Jahre d a s Buch sein bzw. nach und nach werden. ♀ U.M.

*IHR Buch! Ich lese seitdem ich es erhalten habe jeden Abend darin. Ich bin jetzt beim vierten oder fünften Durchlauf. Es hat mein ganzes Weltbild und mein Lebensgefühl verändert – zum Positiven und hin zu einer unglaublichen kritischen Wut. Zu mehr Verständnis meiner Selbst: dessen, was ich eigentlich tue – in meinem Leben, mit meinen Kindern. ♀ I. A.

*Ihr Buch ist – ja entsetzlich, notwendig, wichtig und braucht Milliarden Leser. Zufällig habe ich vor dem Lesen gerade einen Essay über die Machos geschrieben, ich bin ja Maler und Theaterfritze und kein Wissenschaftler, habe auch nicht die Geduld. Ich schicke Ihnen das auf Deutsch im Anhang…
Vielen Dank für Ihre Arbeit ♂ G.L.

*Angeregt und nachdenklich
Sehr geehrte Frau Wolf, vielen Dank für die elektronische Übermittlung Ihres ersten Ägyptenbuches: ›Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹ 1994
Die Lektüre war äußerst interessant. Ein sehr elegantes Buch.
In jedem Absatz konnte ich mich an Ihrer begeisterten, gut fundierten und belegten  Recherche erfreuen.  Die Lektüre erfordert einigen Mut.
Das sich ergebende Gesamtbild ist erschreckend. Obwohl ich durch die Lektüre von zwei Büchern der Maria Gimbutas von der vermuteten kaukasischen Invasion wußte, ist die genaue Schilderung der Religionsneukonstruktion, der Gewalt, der Lügen erschütternd und im Hinblick auf die gegenwärtigen Gräueltaten an Frauen und Kindern noch schwerwiegender.
Ihr Buch trägt zu einem wesentlich klareren Blick auf die weibliche Geschichte bei. Kann uns gelingen, unsere „prähistorische“ Geschichte vollständig zu erhellen und für unseren hoffentlich noch offenen weiteren Weg zu nutzen?
Mail von ♀ A.S. vom 4.1.17

 

2. Buch: ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹ 2009  Rezensionen bei Amazon

*5,0 von 5 Sternen
Aufklärend und engagiert

Von Dr. Harald Specht am 13. August 2016
Rezension zum Sachbuch: „Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens“ von Doris Wolf
Bereits 1994 war Wolfs Sachbuch „Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens“ erschienen, das 15 Jahre später auch in einer überarbeiteten und erweiterten Fassung im DEWE Verlag Zürich unter dem Titel „Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens“ zurecht eine Renaissance erlebte. Reiseerlebnisse und Arbeiten über die prähistorischen Muttergottheiten im Nahen Osten (z.B. M. Stones „When God Was a Woman“) führten die Autorin zu eigenen intensiven Untersuchungen über die frühen Anfänge der Nilkultur und die Ursprünge der Frauenrolle in einer genuin weiblichen Kulturphase. Als Resultat jahrzehntelanger Forschungen legt die Autorin mit ihrem Buch eine tiefgründige Analyse der ägyptischen Geschichte und Gesellschaftsstruktur vor, die vor allem den Übergang zu den sogenannten „Hochkulturen“ und speziell den „Pharaonenreichen“ Altägyptens markiert. Das im Untertitel bescheiden als „eine Kriminalgeschichte“ charakterisierte Werk ist aber mehr als ein historischer Abriss und oft ganz anders, als man es von vielen anderen Ägyptenbüchern, Pyramidenbeschreibungen oder prachtvoll bunten Fotobänden der klassischen Ägyptologie kennt. Es ist auch die detaillierte Abrechnung mit dem so oft gepriesenen zivilisatorischen Aufschwung, der verfälschend als „männliche Kulturleistung“ von der patriarchal geprägten Wissenschaft und Theologie vereinnahmt wurde und bis heute auch von zahlreichen Experten so beschrieben wird. Wolfs historischer „Kriminalbericht“ verdeutlicht daher auch detailreich, wie es zur Unterdrückung des Matriarchats kam, was Gewalt und menschenfeindliche Theologie bewirkten und wie bis heute tradierte Mythen die historisch wahren Sachverhalte beschönigen. Wolfs Buch ist daher in erster Linie ein beeindruckendes Plädoyer für die Anerkennung „weiblichen Wirkens, weiblicher Politik, weiblicher Wissenschaft, weiblicher Spiritualität, Religion und Kunst“ (Klappentext), stellenweise im Stil einer erfrischend offensiven Argumentation gegen die einseitigen Darstellungen der patriarchal verengten Geschichtsschreibung. Dennoch ist Wolfs Darstellung nicht etwa ein Rundumschlag im Stile des modernen Pseudofeminismus, sondern umfassende Literaturrecherche, exakte Analyse und ergebnisreiche Zusammenführung zahlreicher Einzelfakten zu schlüssigen Thesen. Dass das Resultat eingefleischten Nur-Ägyptologen nicht immer gefällt, zeigen die teils fragwürdigen Kritiken einiger Experten (vgl. z.B.: öffentliche Diskussion mit Thomas Schneider, Weltwoche 1994)*. Ein ähnliches Schicksal traf aber auch andere prominente Ägyptologie-Außenseiter und Autodidakten wie etwa R. Bauval (Orion-Korrelations-Theorie), den Geologen J. A. West (Erosions-Hypothese) oder R. Gantenbrink (Pyramidenschächte). Derartige Kritik sollte die Autorin also nicht stören, ist doch ihr Buch dadurch auch ein Beitrag gegen Wissenschafts- und Autoritätsgläubigkeit sowie ein Plädoyer für die Redlichkeit und die Unbefangenheit der Forschung.
In 10 Kapiteln untersucht Wolf umfassend und sachkundig den Werdegang von der matriarchalen Kultur der Alten Welt über die Eliminierung der Frau aus der Geschichtsschreibung und Verklärung der ägyptischen Geschichte hin zur vollkommen männlich dominierten modernen Gesellschaft und deren Historienschreibung. Dabei gelingt es der Verfasserin meisterhaft, aus archäologischen Einzelbefunden und ungezählten Fakten ein komplexes Bild der Gesellschaftsentwicklung aufzuzeigen und immer wieder auch wichtige zivilisatorische Fragen zu verallgemeinern. Dies betrifft etwa die Themen von Krieg und Frieden, die Unterdrückung in frühen Sklavenhaltergesellschaften oder die destruktive Rolle von Priestertum und Theologie. Wolfs Buch ist deshalb neben dem Sachbuch mit seinen fachlichen Aspekten gleichermaßen ein Ausweis gegen die Menschenfeindlichkeit der antagonistischen Klassengesellschaft. Engagiert in der Formulierung und mutig in der Wort-wahl sind Wolfs Schlussfolgerungen daher immer auch von persönlicher Betroffenheit und einem klaren humanistischen Standpunkt geprägt. Gegenüber vielen Sach- und Fachbüchern des Mainstreams wirken Sprache und Klarheit der Aussagen geradezu erfrischend. Wolfs Feststellungen sind eindeutig formuliert, geradlinig in ihrer Absicht und konsequent bis ins Detail. Kompromisslos daher auch ihre Schlussfolgerungen.
Eine ihrer wichtigsten Ergebnisse betrifft die Epoche vor den Pharaonenreichen. Eindeutig identifiziert sie die indigenen Ägypter als Afrikaner, deren Mutterland durch Einwanderer und vor allem Eroberer zu jenem Reich der patriarchalen Machtstrukturen und Pharaonendynastien wurde, deren Geschichte heute fälschlich unter den Begriffen Zivilisation und Hochkultur subsummiert werden. Besonders brisant ist hierbei die immer wieder diskutierte Frage, ob sich diese „Hochkultur“ plötzlich und unvermittelt ohne äußere Einflüsse im Niltal entwickelte (These der Isolationisten) oder Menschen aus der zentralasiatischen Steppe des Ostens durch Handel, friedliche Infiltration oder vor allem durch Eroberung und Unterdrückung diesen auffälligen Kulturwandel hervorriefen. Wolf Ergebnisse zu dieser Frage sind eindeutig. Ohne den spannenden Exkurs ihres Buches hier auszubreiten und die Resultate vorwegzunehmen, sei der Leser hier auf eine besonders anregende Lektüre eingestimmt. Mittlerweile hat sich auch die klassische Fachelite dazu durchringen können, einer „engen Vernetzung Altägyptens“ mit Nachbarkulturen zuzustimmen, wodurch das „früher verbreitete isolationistische Modell“ mehr und mehr obsolet wurde. Fakten dafür bringt Wolf zuhauf, wie allein die überzeugenden Beispiele zum Sachverhalt „Aratta“ belegen. (So gleicht ein Teil der in Stein geschnittenen Gebrauchs- und Kunstge-genstände, die im Nilland ausgegraben wurden, in Fertigungstechnik und Dekor iranischen Funden, obwohl die Steinschneidekunst in Ägypten zu dieser Zeit nicht bekannt gewesen sein dürfte.)
Besonders interessant sind dabei auch zahlreiche etymologische Beispiele (z.B. für Osiris, Ari, Nut oder Chef), die uns Erklärungen sowohl für verhängnisvolle Falschinterpretationen als auch für das Verständnis der wirklichen Zusammenhänge geben können. Neben den naturgemäßen Auswirkungen der Sprachentwicklung (wie etwa des Lambdazismus = L-R-Wandel) sorgten aber auch immer Expertendeutungen, bewusste Uminterpretationen oder schlicht Missverständnisse für philologisch-linguistische Fehldeutungen.
Wie es zum Umbruch in Ägypten kam, welche Rolle die Wirtschaftsform (Sammler, Jäger, Viehzüchter) und das Verhältnis von Mann und Frau sowie die Religion dabei spielten, wird in den folgenden Kapiteln eingehend untersucht. Die Auswirkungen des rassistischen Klassensystems, der religiösen Doktrin des göttlichen Königtums sowie der Versklavung und Militärgewalt werden dabei ausführlich behandelt. Zahlreiche Abbildungen unterstützen die Argumentationen der Autorin dabei. (Dass einzelne Bilddeutungen durch den Leser nicht immer in gleichem Maße nachvollziehbar sind, liegt vermutlich einerseits am Zustand der oft prähistorischen Malereien und andererseits an fehlendem Kontext oder mangelnder Sachkenntnis des Lesers.)
Die zweite Hälfte des Buches (etwa ab Kapitel 6) ist vor allem der Herausbildung der Pharaonenherrschaft und deren Kampf gegen die Reste matriarchaler Kultur vorbehalten. Ausführlich untersucht Wolf hier die drastischen Folgen der patriarchalen Herrschaft für die Frauen in ihren gesellschaftlichen Positionen sowie die Auswirkungen des Patriarchats auf Ehe und Nachkommenschaft (so etwa auf die Zurückdrängung der Königinnen-Rolle oder die Zunahme der grausamen Sati-Morde).
Der Kampf gegen die Religion der Großen Göttin als Prozess der Mythenbildung bis hin zur Herausbildung des Christentums und dessen schändlicher Verfolgung der Frau (Beispiel Hexenverbrennung) sowie ein Kapitel über die Rolle der religiösen Mythen im Zuge der patriarchalen Machtnahme schließen Wolfs interessante Betrachtungen über den Kampf gegen die Weisheit der matriarchalen Urkultur ab.
Ein Anhang samt Rückbetrachtung zur Rezeption des Wolfschen Forschungsgegenstandes, ausführlichem Register (Verzeichnis der Abkürzungen sowie Literatur-und Quellenliste) und Zeittafel runden das informative Werk aus dem DEWE Verlag ab, das jedem zu empfehlen ist, der sich für Archäologie, Geschichte, Religionsphilosophie, Soziologie und Ethnologie interessiert und den „Rückgriff auf den Matriarchatsbegriff“ nicht als ungeeignetes Mittel „für die Erforschung von sozialen Systemen“ (Wikipedia) ablehnt.
H.S. 8/2016

 

*5,0 von 5 Sternen
Von Rapunzel am 28. August 2016

Autonome Geschichtsschreibung ohne Maulkorb

Ihre Position außerhalb der etablierten Geschichtswissenschaften versetzt Doris Wolf in die Lage, den bei Spezialisten häufig vorkommenden Tunnelblick auf ihr begrenztes Fachgebiet zu vermeiden und stattdessen vielfältige Forschungsergebnisse unterschiedlichster Disziplinen miteinander zu kombinieren und interessante wie neuartige Hypothesen daraus abzuleiten. Als unabhängige Querdenkerin hält sie sich nicht an vorgegebene Denk- und Interpretationsverbote wie beispielsweise die jahrzehntelange „verordnete“ Gimbutas-Ächtung, wobei ja neuere und neueste Forschungsergebnisse in weiten Teilen Gimbutas‘ Theorien wieder stützen.
Nebenbei deckt Doris Wolf in ihrem Ägypten-Buch Vorgehensweisen und Machenschaften der hierarchisch strukturierten und interessengebunden agierenden Geschichtswissenschaften an konkreten Beispielen auf. Ihre autonom gewonnenen und sehr gut nachvollziehbar dargestellten Schlussfolgerungen im Bezug auf das Leben im Ägypten vor den Pharaonen bereichern – auch bei unterschiedlichen Positionen in Detailfragen- auf jeden Fall die Palette der Diskussionsansätze und liefern mögliche Erklärungen zu bislang offenen Fragestellungen. Letztere sollten Einzug halten in populärwissenschaftliche Fernsehsendungen zum Thema sowie in den Geschichtsunterricht.

 

*5,0 von 5 Sternen
Vonkogam 27. August 2016

Spannend wie ein Krimi

Ich hatte dieses Buch schon früher (vor Angebot bei Amazon) bestellt. Der Inhalt ist, obwohl nach Durchstudieren des Gilgamesch Epos die Rolle der Frau als Macht- und Kulturfaktor nicht ganz neu rüberkommt, in seinem Detailreichtum mehr als nützlich. Gerade jetzt, wo die Spannungen zwischen den Geschlechtern durch Ideologie und Religionen immer weiter verstärkt werden, kann ein Blick in die Vergangenheit notwendig werden. Für jeden, der politischen Feminismus auf der einen und fundamentalen Islam distanziert betrachtet, ein wichtiges Buch

 

*5,0 von 5 Sternen
Von Gisela Weber am 26. August 2016

Geschichte wird wieder vom Kopf auf die Füße gestellt

Wie schon die Vor-RezensentInnen, möchte ich mich auch der positiven Bewertung des Buches „Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens“, anschließen.
Es wird eine zwingend-erforderliche Äquivalenz zur herkömmlichen patriarchalen Geschichtsschreibung hergestellt, die für mich von existenzieller Bedeutung ist im Hinblick auf die derzeitigen weltweiten Negativ-Auswirkungen patriarchaler Direktiven.
Als Laie habe ich Geschichte einerseits, im Wesentlichen, als Blutspur von Kriegen und Eroberungen und andererseits, als Demonstration patriarchaler Gigantomanie erfahren und eine regelrechte Aversion gegen Geschichte entwickelt. Das Buch von Doris Wolf hingegen bedeutet eine wahre Erlösung aus den Zwängen patriarchaler Geschichtstheorien und Geschichtsschreibung, weil Doris Wolf nach Urkulturen forscht und nicht nach Eroberungskulturen.
Das heißt, sie stellt Geschichte wieder vom Kopf auf die Füße. Denn Eroberungen konnten/können nur stattfinden, wenn es bereits vorhandene Kulturen gab/gibt.
Mit akribischer und wissenschaftlicher Genauigkeit wird die Patriarchal-Historie aufgearbeitet, mit einer Vielzahl von Beweisen, Quellen und Abbildungen archäologischer Befunde korrigiert und Geschichte wird auch, selbst einem Laien, verständlich und zugänglich gemacht.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen und meiner Meinung nach, gehört ein solches Buch in den Schulunterricht und sollte Gegenstand historischer Bildung sein.

Buch erhältlich bei: doriswolfatdewe-verlagdotcom

 

*5,0 von 5 Sternen
Von Gudrun Sahlender-Wulf am 21. August 2016
„Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriachalen Urkultur Ägyptens“ von Doris Wolf, DEWE Verlag.

Auf dieses Buch habe ich lange gewartet – es ist überfällig, sich mit diesem, im wahrsten Sinne des Wortes „not – wendigen“ Thema zu befassen.
Es ist zu offensichtlich, dass wir nun im (hoffentlich) auslaufenden Patriachat leben. HJ Maaz schrieb „Die narzistische Gesellschaft“, vor ihm sprachen Alfred Adler von der neurotischen – und Fritz Riemann sogar von der schizoiden Gesellschaft. An den Börsen zocken Machthaber ohne jegliches Verantwortungsgefühl und ohne persönliche Konsequenzen zu übernehmen. Früher gab es noch ein Verursacherprinzip –
Und in der Politik werden wieder die Kriegstrommeln gerührt.
Von „Zehnjährige aller Altersstufen“ hatte Max Frisch gesprochen.
Ich bin 75 Jahre alt, KInder- und JugendlichenPsychotherapeutin – die Not ist so gross, wie die langen Wartezeiten zeigen. Man kann überhaupt nicht mehr dagegenan therapieren – ein Paradigmenwechsel steht an.
Angst wird wieder geschürt – und Menschen, die Angst haben, sind leicht zu manipulieren, ist das gewollt ? Es tobt ein „child-care-war“ in der heftigen Diskussion um die Rolle der Mütter und Väter. Viel Geld ist plötzlich da für die gesetzlich verordnete Krippenerziehung der unter Dreijährigen. Arno Gruen sieht in seinem letztem Buch „Wider den Terrorismus“ als einzige Möglichkeit die Stärkung der frühen Bindung:
„Nur so können demokratische Gesellschaften Bestand haben: indem sie die wahren Bedürfnisse von Menschen erkennen und ernst nehmen, indem sie Kindern eine wahre Kindheit ermöglichen, die sich an eigenen empathischen Wahrnehmungen und Bedürfnissen orientiert. Das ist die Rettung für die Menschheit. Die Zeit drängt.“
Um nach vorne zu gucken, müssen wir erst einmal den Blick zurück wenden, zu unseren Wurzeln, um gemeinsam mit echten, beziehungsfähigen Männern eine neue Kultur zu entwickeln. Hans-Joachim Maaz hat dazu gerade eine Stiftung gegründet mit dem schönen Titel „Beziehungskultur“
Es gibt viel zu tun und zu entdecken – und es macht Freude!
Gudrun Sahlender – Wulf, Ki-Ju-Psychotherapeutin in Oldenburg

 

Brief einer Leserin: »Ihr Buch ist eine Offenbarung , eine geballte Ladung Wahrheit über den unsäglichen Schmerz aller Frauen der Welt und auch der Großen Mutter, der Natur, deren Kapital die Männer noch heute reich macht und zu wenige dankbar wie respektvoll damit umgehen.
Ihr Buch ist eine mutige Arbeit, die klare Wahrheit vermittelt und das Puzzle zusammensetzt wie solche Gewalt überhaupt auf der Welt geschehen konnte. Dennoch ist es ein Pionierposten die Frauenwahrheiten und Frauenheilung zu veröffentlichen und die schreckliche Wahrheit dahinter, ohne in Männerhass umzuschwenken. Denn auch der Mann wurde von den Priestern manipuliert. Seine Rolle war natürlich sicherer. Aber auch er hatte Zwänge und durfte er aufrichtig lieben?
Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit und werde Ihr Buch weitergeben, um dazu beizutragen, dass die Wahrheit sich offenbart. Möge die Große Mutter Sie segnen und schützen in Ihrem Wirken in der Welt. Alles in Liebe« M.F. 28.4.2017

 

*5,0 von 5 Sternen
 Von Amazon Kunde am 15. August 2016

Die Urgeschichte erhellt das Heute

Doris Wolfs Buch « Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens» ist unbedingt lesenswert.
Ich als Laie bin froh, eine andere Geschichte lesen zu dürfen, als diejenigen, welche ich in der Schule vorgesetzt bekommen und als wahr geglaubt habe. Das Buch hat mir die Augen geöffnet und mir erlaubt, auch die heutige Welt mit wachen Blick als das zu sehen, was sie immer noch ist: eine patriarchale Welt, in der patriarchale Männer (und Frauen) das Sagen haben – nichts gelernt in den letzten paar tausend Jahren.
Darum ist das Buch so wertvoll: es zeigt eine Gesellschaft, welche einst anders war, fähig in Frieden miteinander zu leben. Das gibt Hoffnung, dass es auch heute anders sein könnte.
Das Buch ist aber kein Märchen. Es ist bestens recherchiert und dokumentiert und tief fundiert. Sehr dichte Sprache, jeder Satz enthält Information. Die Bilder helfen zum Verständnis, und wenn man bereit ist, richtig hinzuschauen, ergeben sich plötzlich andere Erkenntnisse und andere Blickwinkel.
Es hat Spass gemacht das Buch zu lesen. Nicht der Inhalt – der ist tiefernst und oft nur in kleinen Happen verdaubar. Nein, Spass gemacht, weil es auch für Laien gut verständlich geschrieben und absolut fesselnd zu lesen ist.
Das Buch ist ein Muss. Zudem ist es in ganz Europa erhältlich unter doriswolfatdewe-verlagdotcom. Es kostet 25 Fr./Euro inkl. Porto und Verpackung bei doriswolfatdewe-verlagdotcom  (doriswolfatdewe-verlagdotcom)  .

 

*Rezension von Thomas Schroedter
Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Paderborn, Radio Paderborn 04.01.10, 16:13 Uhr.
http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=31147

Doris Wolf und die alten Ägypter

Schon 1994 räumte Doris Wolf in einem Buch mit dem Mythos auf, unsere neuzeitliche ›Hochkultur‹ sei durch die Vorherrschaft des Patriarchats erst möglich geworden. In ihrem Werk stößt Doris Wolf die heroisierten Ägyptischen Dynastien von ihrem Sockel und wirft einen frischen Blick auf die gar nicht so isolationistische Geschichte Ägyptens. In dieser Besprechung ihres neuen Buches ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹ werden ihre Forschungsergebnisse vorgestellt, wie die patriarchale Ignoranz der etablierten Forschergemeinde vielerlei Funden gegenüber.
Hallo die Buchvorstellung für den Dezember 2009 führt uns nach Ägypten. In eine Zeit als die Pharaonen die Macht übernahmen. Es ist keine Belletristik die wir heute vorstellen obwohl es zum Teil schauriger als ein Krimi ist und blutiger als mancher Kriegsroman. Doris Wolf heißt die Autorin und Thomas Schroedter hat ihr Buch ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹ für Sie gelesen.
Seit Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz der menschlichen Natur eine angeborene Aggressivität anhefteten und Genforscher diese im Erbgut des Homo Sapiens ausfindig machen wollen, scheint klar: Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Darüber hinaus hält sich immer noch das Bild des keulenschwingenden Urmenschen in den Köpfen vieler, obwohl dies Bild dankenswerter Weise aus den Kinder- und Jugendbüchern seit den 90ern verschwunden ist. Der griechische Philosoph Herakilit von Ephesus der im fünften vorchristlichen Jahrhundert den Krieg zum Vater aller Dinge erklärte unterstrich dabei vielleicht ungewollt die Verkettung von Patriarchat und Krieg.
Ein Bild hält sich bis heute hartnäckig in Wissenschaft und Alltagsverständnis: Erst das Patriarchat sei in der Lage gewesen, sogenannte Hochkulturen zu schaffen. Die Menschen wären vielleicht ohne Krieg und Steuern ausgekommen, aber dafür hätten sie auch auf alle Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten müssen. Doris Wolf hat bereits mit ihrem Buch ›Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹ mit diesem Mythos 1994 aufgeräumt. Der Aufschrei der Ägyptologen, die sich in der Regel mit dieser Zeit überhaupt nicht beschäftigen, war groß. Dies lag wohl daran, dass der Angriff auf diesen Mythos ihr Geschichtsbild ins Wanken brachte, aber wohl auch an der Tatsache, dass Doris Wolf nicht über einen formalen Abschluss als Ägyptologin verfügt.
Nun hat die Autorin nachgelegt. ›Der Kampf gegen die Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹. Dies ist nicht nur eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage ihrer früheren Forschungsarbeit, sondern auch eine gekonnte Abrechnung mit ihren Kritikern. Auf über 300 Seiten werden Forschungsergebnisse lesbar präsentiert und durch reichhaltig Illustrationen veranschaulicht. Dabei rücken zum Beispiel die Frauen als Heilkundige, als Schreiberin oder Künstlerin in den Mittelpunkt. Die Jagd als Macho-Pläsier und die Feldzüge und Massaker der Eroberer, die nicht nur ungeheure Menschenopfer forderten, sondern ziemlich erfolgreich die vorangegangenen Kulturen ausradierten, sind die andere Seite dieses Blickwinkels auf die Ursprünge auch unserer Kultur.
Die Urgeschichte Ägyptens wird insgesamt von dem größten Teil der Ägyptologen vernachlässigt, was Doris Wolf auf die Fixierung der von Männern dominierten Forschung auf die patriarchalen Gesellschaften zurückführt. An einem Mangel an Funden kann es – trotz der Zerstörungswut der patriarchalen Herrscher – auf keinen Fall liegen. Allerdings spielen die schriftlichen Zeugnisse bei dieser Forschung eine wesentliche Rolle. Unsere auf der buchhalterischen Schrift Mesepotamiens basierende Schrift, hat zu den Symbolen früherer Zeugnisse, die Marija Gimbutas seit Mitte der 70er Jahre zu entschlüsseln sucht, keine Beziehung. Diese fehlende Beziehung macht es den Forschenden leicht, solche Kulturgüter zu ignorieren. Ein wesentlicher Teil der Funde, die aus den 3000 Jahren vor den Dynastien der Pharaonen liegen und die etwa um 3100 vor unserer Zeitrechnung begann, sind Frauenfiguren aus verschiedensten steinernen Materialien. Doris Wolfs Darstellung wie sich die männliche Forschungsgemeinde darum herumwindet, dass es sich bei diesen Figuren um verehrungswürdige Symbole handelt, scheint ihr in der These patriarchaler Ignoranz recht zu geben. Es gehört zu den amüsantesten Passagen des Buches, wie sie renommierte Forscher zitiert, die aus diesen Figuren Tänzerinnen, Kinderspielzeug, oder gar sexuelle Gespielinnen für die toten Männer machen. Sicherlich entbehrt ihr Umkehrschluss, dass es sich bei der figürlichen Darstellung des Herrn Jesus auf Särgen für Forscherinnen in 5000 Jahren um ein Sexualobjekt für die beerdigten Damen handeln würde, nicht einer unwissenschaftlichen Ironie. Angesichts der angeführten Interpretationsversuche der Ägyptologen, drängt sich allerdings eine solche Sichtweise geradezu auf. Ob die Figuren wirklich Göttinen darstellen, ist dabei nebensächlich. In dieser Interpretation folgt sie den bekanntesten Forscherinnen. Auch wenn es möglich ist, dass das Konstrukt Gott/Göttin erst in einer späteren historischen Epoche geschaffen wurde, deuten diese Figurbeigaben auch in der Häufigkeit, in der sie gefunden wurden, eindeutig darauf hin, dass Frauen insbesondere als Mutter und Ahnin verehrt wurden.
Zu den Kritikpunkten an der früheren Forschungsarbeit von Doris Wolf gehört ihr Nachweis, dass die ägyptische ›frühe Hochkultur‹ kein isoliertes Ergebnis regionaler Entwicklung entlang des Nils war. Bereits für die Zeit vor der Pharaonenherrschaft sind mittlerweile vielfältige Beziehungen vor allem nach Nordosten nachgewiesen. Im Osten des goldenen Halbmonds, der von der syrischen Mittelmeerküste bis hin an die Mündung des Tigris reicht, erstreckt sich das südwestiranische Hochplateau. Dort stießen Archäologen nach einer Überschwemmung im Jahre 2000 auf die Reste einer Stadt aus dem 3. vorchristlichen Jahrtausend. Die Funde dort bestätigen Wolfs Sichtweise. Heute gehen die Forscherinnen und Forscher davon aus, dass es sich bei den Funden der Grabungen, die bis heute nicht abgeschlossen sind, um die mythische Stadt Aratta handelt. Von dort aus gelangten Produkte bis nach Ägypten. Davon zeugen viele Steinarbeiten für die in Ägypten zu dieser Zeit keine Werkstätten nachgewiesen werden können. »Die Steinschneidekunst war in Ägypten in dieser frühen Zeit noch nicht bekannt.« (S.46) Das Geschirr, die Vasen und ähnliche Objekte die in großer Zahl entlang des Nils gefunden wurden, gleichen in der Fertigungstechnik, genau wie bei den dargestellten Motiven den iranischen Funden und sind ebenso als ›Kunst aus Aratta‹ anzusehen. Dennoch bezieht die vergleichende Urgeschichtsforschung Vorderasiens Ägypten bis heute kaum in ihre Untersuchungen ein. Auch der Ägyptologe Thomas Schneider bezichtigte die Forscherin in den Neunzigern der Scharlatanerie, um ihr 10 Jahre später zumindest in einem Punkte zuzustimmen. So resümiert Thomas Schneider 2004: »Die Wahrnehmung einer engen Vernetzung Altägyptens mit den benachbarten Kulturen Südwestasiens, Nordostafrikas und der Ägäis löst seit einiger Zeit das früher verbreitete isolationistische Modell ab, wonach die ägyptische Zivilisation im Wesentlichen eine nach außen abgeschirmte kulturelle Entwicklung durchlaufen hätte.«
Doch das ist nur ein Punkt unter vielen, bei denen Doris Wolf sich mit der etablierten Ägyptologie anlegt. Die meisten von uns haben ja in der Schule gelernt, wie erhaben die Pharaonen waren und von welch unerschöpflichen Wert ihre Kunstwerke sind. Seit einigen Jahren weisen Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass zumindest die Sphinx, aber auch die sogenannte Cheopspyramide aus einer Zeit vor den ersten Pharaonen stammen. Wie ignorant die bisherigen Forschungen gegenüber den Kulturen waren, die nicht zu den Pharao Kulturen gehörten macht die Autorin deutlich an der Rettungsaktion für die Tempel von Abu Simbel. Bei der Flutung des Nasser Sees hinter dem neuen Assuan-Staudamm wären die Tempel unter den aufgestauten Fluten begraben worden. Mit erheblichem finanziellen Aufwand wurden zwei Tempel zersägt und an den Ufern des Nasser Sees wieder aufgebaut. Die nubischen Kulturgüter, die heute unter dem See verrotten sind demgegenüber nicht einmal erfasst worden.
Einmal kommen im geschichtlichen Alltagsbewusstsein von uns christlich Erzogenen die Pharaonen doch schlecht weg. Als sie nämlich Moses und seine Anhänger verfolgen lassen, um sie zu töten. Dass aber die Pharaonenherrschaft von Beginn der Invasion Ägyptens, bis zur Herrschaft der Griechen im vierten vorchristlichen Jahrhundert geprägt war von Feldzügen, Sklaverei und Massenmord, weist Doris Wolf in ihrer Arbeit detailreich und durch viele Quellen nach. Dünner ist die Quellenlage bei der Beweisführung, dass die matriarchale Gesellschaft, die vor der Eroberung die Nillandschaft geprägt hat, in der sozialromantischen Form stattgefunden hat, wie sie im Buch beschrieben wird. Denn ob zum Beispiel die Königinnen, die den Übergang zum harten Patriarchat in der ersten Dynastie (also so um 3000 vor unserer Zeitrechnung) so viel netter zu ihrem Volk waren sei einmal dahingestellt. Allerdings ist ihr zuzustimmen, wenn sie sagt. Dass »der Übergang von der urgeschichtlichen in die geschichtliche Zeit ein ›kultureller Fortschritt‹ gewesen sei, wie einige Leute beteuern, tönt wie blanker Hohn angesichts der Barbarei der vergotteten Tyrannen. Jene Wissenschaftler, die diese Neuerungen unkritisch und idealisierend als »zivilisatorische Evolution« , nicht aber die damit verbundene Zerstörung der alten Kultur und des egalitären sozialen Gefüges sehen wollen, hüten und verteidigen diesen »Fortschritt« eifersüchtig als ›äyptische‹ Errungenschaft. Nur durch das Verharmlosen der störenden Beweise der brutalen Gewaltherrschaft ist es möglich , das so populäre, aber gefälschte Bild der heilen Welt des pharaonischen Ägyptens aufrechtzuerhalten. (S.177)
In der populärwissenschaftlichen Literatur Europas hat eine solch kritische Sichtweise von daher wenig Platz. »Im Jahre 2007 veröffentlichte der baltische Ägyptologe Sergei Stadnikow seine Arbeit über ›die Bedeutung des Alten Orients für deutsches Denken – Skizzen aus dem Zeitraum 1871 – 1945‹. Durch den Verweis auf diese Quelle macht die Autorin deutlich, dass es sich bei ihrer Arbeit nicht nur um ein Zurechtrücken patriarchaler Geschichtsmythen handelt, sondern, dass die Inhalte dieser Geschichtsmythen bis in die jüngste Vergangenheit und – ich denke – bis heute dazu dienen, die kulturelle Überlegenheit des Patriarchats in den Köpfen festzuschreiben.
Befremdend wirkt auch, wie die Morde an den Frauen der verstorbenen Pharaonen von den Ägyptologen entweder verschwiegen, oder verharmlost werden. Oder sie werden wie von Joseph Campbell als Ergebnisses eines ›altehrwürdigen Brauches des Menschenopfers‹ bezeichnet. Das auch das Entfernen der Klitoris als Unterwerfung der Frau unter die Männerherrschaft in der Tradition der indogermanischen Eroberer steht, wie die Ermordung der Witwe wundert nicht, wenn die Leserin oder der Leser auf den hinteren Seiten des Buches angelangt ist. Ebenso akribisch wie mit zunehmender Wut beschreibt Doris Wolf diese Vorgänge. Das bei einer solch arbeitsaufwendigen Untersuchung angesichts der Verdrehungen von eindeutig zu interpretierenden Funden (zum Beispiel Skelette von gefesselten und ermordeten Kindern) Verleugnungen, der Forscherin in ihren Ausführungen eine kühle Distanziertheit fehlt, ist nicht nur erklärlich, sondern macht den Stil des Buches geradezu sympathisch und doppelt lesenswert.
Lediglich in den letzten Kapiteln, in denen es um die Wurzeln des Christentums geht, nimmt die Polemik gegenüber den Fakten ein wenig überhand.
Bemerkenswert ist an dem Buch von Doris Wolf, dass sie den Übergang zum Patriarchat als eine Entwicklung der Gesellschaft beschreibt, die auf verschiedenen Interessen unterschiedlicher Akteure und Akteurinnen basiert. Während einer der Schüler Wilhelm Reichs, der Geograph James DeMeo die Verwüstung großer fruchtbarer Gebiete, als wesentlichen Grund für die Durchsetzung des aggressiven Patriarchats nennt, macht Wolf die Eroberungszüge der Indogermanen, die im Kaukasus die Fortschritte in der Metallurgie und die Domestizierung des Pferdes zum kriegstauglichen Zug und Reittier miteinander verbunden hatten, zum Ausgangspunkt dieser Entwicklung. Die Thesen von Doris Wolf werden sicherlich weiter die Diskussion bei Historikerinnen und Historikern herausfordern. Die Auseinandersetzung mit der ›Saharasias These‹, die die Veränderung der Sahara, der arabischen Halbinsel und Teile Asiens zu Wüsten, zum Ausgangspunkt der Entwicklung des Patriarchats in Ägypten macht, sollte ebenso in die Diskussion einfließen. Angesichts einer Verquickung von Macht und Klimadebatte in der derzeitigen Diskussion, kann eine solche ›historische Debatte‹ auch für die aktuellen Auseinandersetzungen fruchtbar gemacht werden.
›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹
Erschienen im DEWE Verlag:Bestellen bei: neuesbuchatdewe-verlagdotcom
Creative-Commons
Nichtkommerziell, Bearbeitung erlaubt, Weitergabe unter gleicher Lizenz erwünscht. 14.12.2009/19:24

A digital primate views the world – from a tiny hamlet on Crete

Rufus Camphausen Village Views: Saturday, October 31, 2009
Let’s hope you read German …
… so I can recommend this new and amazing book:
›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹
DEWE Verlag, Zurich, 2009.  350 pages, illustrated
Swiss author Doris Wolf has all the details about how the patriarchy replaced the matriarchy … not only in Egypt but more or less everywhere.
Here’s my translation of the title: The Fight against Wisdom and Might of Egypts Primary, Matriarchal Culture – A Criminal History
In this second book by the author, Doris Wolf succeeds in dismantling the myth so many other Egyptologists proclaim; namely that ancient Egypt was a highly developed culture. Rather, her study shows that this so-called culture was not so very different from its contemporaries and neighbors.
All of these, including Egypt, were aggressive agents of change, a change that destroyed matriarchy and its religions focused on a female deity – the Goddess in Her many guises – and helped establish patriarchy.
In describing and showing us this process, the author also makes evident what we all should know about these two forms of social cohesion. In matriarchy, a given society is centered on one or more female deities, and it is guided rather than ruled by the archetype of the wise old woman. In patriarchy, a society is not guided but ruled by the local alpha-males with the pathological need to dominate all others: men, women, animals – the whole of nature.
Note: These are not the author’s words but mine – Mrs. Wolf is much more detailed and discriminating in her more than 300 pages of most interesting text. Although her focus is on ancient Egypt, it is delightful to see her connect ancient facts with the present situation of the world we all live in.
The book can be ordered from this website: Dewe Verlag
For you by Rufucius on Saturday, October 31, 2009 Labels: aryan invasion, books, Doris Wolf, Egypt, gender studies, german, goddess, matriarchy, patriarchy, women

Rufus Camphausen verstarb leider im Mai 2013 an einem Herzinfarkt. Sad, sad, sad!

 

24.6.2011 von Dr. Christa Mulack
Doris Wolf: Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens. Eine Kriminalgeschichte, Zürich 2009

Vor 15 Jahren beeindruckte uns Doris Wolf mit einem Buch, in dem sie die Frage stellte: „Was war vor den Pharaonen?“ Damit hatte sie ein Tabu berührt, an dessen Aufrechterhaltung die Zunft der Ägyptologen bis heute ein vitales Interesse hat.
Doch genau an diesem Tabu setzte die Autorin an und räumte auf mit den verherrlichenden Darstellungen ägyptischer Pharaonenreiche. Sie kippte die üblichen Idealisierungen der alt-ägyptischen Kultur mit ihren eigenen Recherchen und konfrontierte sie mit deren eigenen Verdrängungen, hinter denen sie eine ganz andere Sprache zum Vorschein kommen ließ. Forscher standen Kopf und disavouierten ihre Erkenntnisse – um sie sich letztendlich Jahre später einzuverleiben.Inzwischen hat Doris Wolf nun einen Folgeband vorgelegt, in dem sie weitere Ergebnisse ihrer akribischen Recherchen jenseits des Mainstreams vorstellt. Das wirklich Neue – und besonders für Frauen Interessante ist -, genau wie beim ersten Buch, der konsequent patriarchatskritische Blick, den die Autorin auf Ereignisse, Bildmaterial, Texte und deren Interpretationen sowie auf patriarchatsimmanente Forschungsergebnisse ihrer Kollegen richtet.Dabei bekennt sie sich – weitaus weniger anmaßend als jene – zu einer „subjektiv-weiblichen Sicht“, aus der heraus sie feststellt, dass etwas ganz Wesentliches in diesen Forschungen fehlt: „Die Beiträge von Frauen, das, was von ihnen seit der neolithischen Zeit geschaffen wurde, fand keinen Eingang in die Geschichtsschreibung. Es wurde von den Historikern entweder ausgeblendet oder der ‚Hochkultur‘ zugeschlagen.“ (14)Dieses gravierende Manko wohnt allen patriarchalen Wissenschaften inne und macht sie für Frauen so ärgerlich unvollständig und verkehrt; fehlt ihnen doch damit etwas Wesentliches, ohne das sie sich nicht „Wissenschaft“ nennen dürften, beschränken sie sich doch auf das, was dem männlichen Blick interessant und folglich erwähnenswert erscheint. Und das sind vorrangig die kolossalen Bauten und Grabmäler mit ihren üppigen Ausstattungen sowie die zahllosen Kriege und Eroberungen, derer sich die Pharaonen rühmten.Nicht hier entdeckt Doris Wolf das Faszinierende. Sie richtet ihren Blick auf das, was hinter den Dingen zum Vorschein kommt und konzentriert sich dabei auf jenes Material, das bislang übergangen wurde, da es als unspektakulär – also: unbedeutend – eingestuft. Vielleicht aber gefiel den Wissenschaftlern auch einfach nicht, was sie dort sahen oder hätten sehen können, weil es mit ihrem Interesse an Machtdemonstrationen und Gebietserweiterungen kollidierte. Wie Doris Wolf bemerkt, sind sich diese Forscher darin einig, dass politische und religiöse Propaganda weitaus interessanter ist als die Kehrseite pharaonischen Prunks: die notleidende Bevölkerung jenseits der Herrscherschichten, die der Polizei- und Beamtenwillkür, der Folter, Tyrannei und Unterdrückung ausgeliefert war.Hier stellt sie fest: „Frauen entgingen dem männlichen Sadismus der Herrscherschicht zu keiner Zeit der ägyptischen Geschichte.“ (226) Doch zeigt sie uns nicht nur die Kehrseite des pharaonischen Herrschertums, sondern sie verlässt auch die favorisierten herrschenden Klassen der von Ägyptologen bevorzugten Epoche und Überschreitet zeitliche Grenzen in die sog. „vor“-geschichtliche Vergangenheit. Damit verweigert sie sich dem von Ägyptologen und Historikern ausgeübten Anpassungsdruck und geht ganz selbstverständlich davon aus, dass den Herrschaftsstrukturen der Pharaonen ein Matriarchat vorauf ging, das keinerlei soziale Ungerechtigkeit, kriegerische Ambitionen und Gewalt aufwies. Hier hat sie ForscherInnen wie Marija Gimbutas, Heide Göttner-Abendroth, Riane Eisler und James Mellaart hinter sich, die ebenfalls über diese friedliche, von Frauen dominierte Vor-Zeit geschrieben haben. Es ist direkt wohltuend, an dieser Stelle nicht mit den ansonsten üblichen Zweifeln und Begriffsverwirrungen konfrontiert zu werden, sondern weitere Details zu erhalten über die vordynastische Epoche, die noch keine Männerherrschaft kannte, und über sie ohne Wenn und Aber als historisch gesicherte matriarchale Kulturepoche zu lesen. Damit reiht sich Doris Wolf ein in die neuere Matriarchatsforschung, auch wenn sie sich – aus nicht näher benannten Gründen – von ihr abgrenzt.
Die Überschreitung von Zeitgrenzen kommt in diesem Buch auch darin zum Ausdruck, dass Wolf immer wieder Bezüge zur Gegenwart herstellt und aktuelle Zusammenhänge aufzeigt. Dabei wird zum Beispiel deutlich, dass die Versuche, den weiblichen Körper durch Verunglimpfung unter männliche Kontrolle zu bringen, kein spezifisch christliches Erbe darstellen, sondern bis weit in die Bronzezeit zu den frühen Pharaonen und ihrer Priesterschaft zurückreichen und schon damals eine unerträgliche Doppelmoral hervorgebracht haben.
Ihr Fazit: „Die Fortsetzung der 5000 Jahre alten indoeuropäischen Praktiken zeigen heute die unendlichen Debatten zu den Abtreibungsgesetzen. Männer erlassen politische Gesetze und religiöse Dogmen über den Kopf der Frauen hinweg. Den Frauen wird eingehämmert, das Leben des Fötus sei ‚heiliger‘, wichtiger als ihr eigenes Leben.“ (224)Den Weg der Umwertung weiblicher Heiligkeit führt über männliche Vereinnahmung bis hin zur Diffamierung weiblicher Sexualität. Ihn beschreitet Wolf, indem sie nicht nur zeitliche sondern auch geografische Grenzen Überschreitet und dabei zeigt, wie sich deren Legitimierung aus reiner Fiktion nährt. Da ist zunächst der babylonische Sonnengott Marduk, von dem es bei Walter Beltz (1982) heißt: „Der Gott, der keine nennenswerte Vergangenheit hat, weil er ein junger Gott von Eroberern ist, erhält eine Heldenvergangenheit. Die heilige Geschichte ersetzt den notwendigen Machterweis.“ (zit. 299)
Noch Aufschlussreiches aber ist von den Aborigines in Australien zu vernehmen. Sie wissen noch, was sie Frauen einmal angetan haben und worauf ihre gegenwärtige Macht basiert, erzählt doch einer ihrer Schöpfungsmythen von der Beraubung der Frauen, die einst von Männern ihrer Kultgegenstände und damit ihrer magischen Eigenschaften beraubt wurden. Dazu erklären sie heute: „Wir haben den Frauen alles gestohlen, was ihnen gehört hat. Wir Männer haben nichts wirklich Besonderes zu vollbringen, außer zu kopulieren. Alles gehört den Frauen, das Kind, das Blut, die Tänze. Dies alles betrifft die Frauen. Wir mussten sie überlisten, denn am Anfang hatten wir nichts. Wir haben den Frauen alles weggenommen.“ (zit. 315) – Und genau daran erinnert uns Doris Wolf mit ihrer Kriminalgeschichte.

3. Buch ›Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist‹ 2017

*5,0 von 5 Sternen 30. Januar 2019

VULVA ODER PFEILSPITZE

Doris Wolf schreibt die Urgeschichte völlig neu auf eine Art, wie es die meisten Menschen noch nie gehört haben. Statt Mammut- und Büffeljägern sieht sie in den Artefakten Zeugen einer friedlichen Kultur von Vegetariern und Fischessern, was interessanterweise genau das ist, was Ärzte uns heute als gesund empfehlen. Sie stellt unser Weltbild auf den Kopf (oder auf die Füße?). Sie dreht die Pfeilspitzen und Faustkeile um 180 Grad um und sieht darin Kultgegenstände in Form der Vulva, die Amulette waren, die die große Göttin verkörperten. Ebenso sieht sie in Kreisen + Dreiecken die Vulva, auch in den großen Pyramiden in Ägypten, die die 3 Formen der Göttin symbolisieren und weit vor dem Patriarchat gebaut wurden, genau am Scheitelpunkt des Nildeltas, das ebenfalls Vulvaform hat.
Ja darf sie denn das, wo uns seit 200 Jahren der Glaube an die großen Jäger als Treiber der Geschichte eingeimpft wurde?
Sie darf. Es ist völlig legitim, dass sie die Geschichte aus Sicht der Frauen interpretiert. Wenn die Historiker dagegen protestieren, darf man sie daran erinnern, dass sie seit 200 Jahren eine völlig männliche Theorie behaupten (Es waren ja alles Männer, die ihre Sicht in die Vergangenheit projizierten.) Allein dass es diese Alternativtheorie gibt, zeigt endlich auf, dass das eine so unbewiesen ist wie das andere. Wir wissen es nicht. Drum ist es Zeit, die Alternativen wissenschaftlich zu überprüfen (Wissenschaft gibt es nur, wenn es 2 Alternativhypothesen gibt, die überprüft werden , sodass sich eine als wahrscheinlicher herausstellt als die andere). So gesehen hat die Urgeschichte bis jetzt die Empirie gescheut wie der Teufel das Weihwasser, indem es die weibliche Theorie von den Universitäten verbannt hat.
Dabei ist die Überprüfung ganz einfach. Wenn man auf den „Pfeilspitzen“ menschliches Blut findet (Menstruationsblut), dann sind es kultische Vulven, wenn man darauf Mammutblut oder anderes Tierblut findet, dann sind es Jagdwaffen. Überprüfen müsste man es halt und nicht einfach Theorien belächeln, weil sie von „Feministinnen“ stammen. Mit demselben Recht lache ich dann auch über alle Jagdtheorien der „Virilisten“.
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „Die Königin von Kreta: Stierspringer“

 

*4 von 5 Sternen

Engagierte Einführung in die bedeutende Rolle der Frau in der Urgeschichte der Menschheit

Von Lady d’Arbanville am 18. August 2017
Das Buch der Matriarchatsforscherin Doris Wolf vermittelt einen engagierten Überblick über das weite Feld der Matriarchatsforschung mit ihren berühmten Vertreterinnen wie Marija Gimbutas, Heide Göttner-Abendroth, Carola Meier-Seethaler und etlichen anderen. Wolf hat zu ihrer Forschung eigene Bücher veröffentlicht, so „Was war vor den Pharaonen – die Entdeckung der Urmütter Ägyptens“ von 1994 und „Der Kampf gegen die Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens“ von 2009.
Das neue Buch gibt eine sehr kenntnisreiche Zusammenfassung der verschie-denen Befunde der Matriarchatsforschung. Seine zentrale Aussage lautet: es gab über viele Jahrtausende in der Steinzeit bis weit in das Neolithikum hinein eine „Zivilisation der Großen Göttin“, wie Marija Gimbutas es formuliert hat.
Diese wurde in einem zivilisatorischen Umbruch in einem größeren Zeitraum um das Jahr 5000 vor Christus durch eine patriarchale Kultur abgelöst. Ein wesentlicher Grund für diesen kulturellen Umsturz oder Mentalitätswandel wird in dem Einbruch südrussischer patriarchal orientierter Viehzüchtervölker gesehen, die militärisch gut organisiert waren und deshalb die matriarchal organisierten Gesellschaften in Mesopotamien, in der Levante und in Ägypten „einfach“ überrollen und beherrschen konnten, indem sie ihnen ihre patriarchale Orientierung und Organisation aufzwangen.
Aus diesem Umsturz gingen die bekannten Gottkönige in Mesopotamien, Persien und Ägypten hervor wie ebenso die drei monotheistischen Religionen, die gewissermaßen auch das Jenseits mit der Inthronisierung männlicher Führungsgötter patriarchal durchstrukturierten.
Diese Veränderungen beinhalteten aber auch, wie Wolf darlegt, die weitgehende Vernichtung der matriarchalen Strukturen in Gesellschaft und im Mythos. Wesentlich in diesem Umwandlungsprozess waren aber zudem Übernahmen oder Usurpa-tionen weiblicher Symbole, wie dies Carola Meier-Seethaler in ihrem Buch „Von der göttlichen Löwin zum Wahrzeichen männlicher Macht“ überzeugend und extensiv dargelegt hat. So wurde aus der Löwin, dem Begleittier der Großen Göttin, der Löwe als Wappentier der Könige und Herrscher, oder die weibliche Urfarbe rot schmückte die Samtroben der Kaiser und Kardinäle, usw.. Überbleibsel der matriarchalen Urkultur lebten in den großen Göttinen Demeter, Ischtar und Isis noch weiter , die aber mit der weiteren Durchsetzung der patriarchalen Strukturen mit Ausnahme der Jungfrau Maria an Bedeutung verloren. Dominant sind in dem neuen Jenseits männliche Götter wie Zeus, Jupiter, Marduk, Re oder später auch Jahwe und Allah. All diese Vorgänge von männlicher Bemächtigung haben eben die Wirklichkeit der religiösen Welt vor dem Patriarchat verdeckt und dem Vergessen anheim gegeben. Dseshalb war die Wiederentdeckung dieser Kulturschicht die große Tat von Johann Jakob Bachofen, wie er sie in seinem Buch „Das Mutterrecht – eine Untersuchung über die Gynäkokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur“ von 1861 darlegte.
Ein Problem dabei war, dass er das Matriarchat als eine Frauenherrschaft nach dem Modell der Männerherrschaft des Patriarchats ansah. Das verkennt aber die Struktur der matriarchalen Gesellschaften, die eben gerade nicht durch männliche Machtstrukturen gekennzeichnet waren, sondern durch einen Bezug der Gesamtgruppe auf die mythische Präsenz der Großen Göttin und ihrer irdischen Repräsentanten, was diesen Gesellschaften nach allen Hinweisen ein recht friedliches Zusammenleben ermöglichte, vermutlich durch eine gemeinsame Einbindung auf das magische höhere Mutterwesen, wie es in den tausenden von Mutterstatuetten repräsentiert ist. Das Werk Backofens war zwar bekannt, fand aber in seiner Bedeutung keinen Eingang in die allgemeinen Kultur- und Geschichtswissenschaften, die die Geschichte mit den alten Griechen und alten Römern beginnen ließen, wozu dann später auch noch die der Babylonier und Ägypter kamen. Eigentlich erst eigentlich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entwickelte sich die breitere Matriarchatsforschung, die in diesem Buch thematisiert wird.
Weil wir alle noch in der „klassischen“ Weise des Horizontes der patriarchalen Kulturen sozialisiert sind, ist der Einstieg in die Ergebnisse dieser Forschung nicht einfach. Doris Wolf kann in vielen Beispielen eindrücklich zeigen, wie die akademische Forschung im Bann der patriarchalen Orientierung steht: die steinzeit-lichen weiblichen Statuetten werden unter dem Label „Venus“ kategorisiert und man vermutet „pornographische Motive“ für deren Herstellung, die bekannten Steinzeithöhlen dienen selbstverständlich männlichen Jagdritualen unter Verkennung aller Hinweise, dass es sich um Gebärhöhlen handeln könnte, usw.. Die unendlichen Beispiele dieses Buches lösen, wenn man sich auf die Lektüre einlässt, den Schleier patriarchaler Vorurteile auf und ermöglichen einen bewegenden Blick in die weibliche Dimension unserer frühen Geschichte und Kulturbildung, auf der alles Spätere aufbaut.
Gerade die unglaublichen Schattenseiten der patriarchalen Struktur der Gesellschaften mit ihren unentwegten abgründig grausamen Kriegen, Ketzerverbrennungen, Hexenverbrennungen, Judenpogromen, Vernichtungen der indianischen Bevölkerung Nord- und Südamerikas, Völkermorden usw. sind die erschreckende Seite einer solch einseitigen Orientierung an relativ primitiven instinktiv vorgegebenen Verhaltensstrukturen von männlicher Rivalität und Dominanz und sind eigentlich ein zwingendes Motiv, sich mit den Friedenspotenzialen dieser frühen Kulturen auseinanderzusetzen. Eine Weiterbetreibung des „Schlachthauses der Geschichte“ kann keine Option sein. Für eine Korrektur des augenblicklichen Kurses „immer so weiter“ der augenblicklichen machtorientierten Politik kann dieses Buch eine bedeutsame Ressource sein. Gerade im Zusammenhang mit der Emanzipation der Frauen kann eine Wiedervergegenwär-tigung dieser kulturgeschichtlichen Bedeutung der weiblichen Dimension des Lebens eine wertvolle Ressource sein und in den Frauen eine Kraft mobilisieren und stärken, die sie eigentlich haben, die aber durch die kulturelle Unterdrückung in den patriarchalen Kulturen, für die dieses Buch auch unendliche Beispiele liefert, verlegt und unzugänglich gemacht wurde.
Neben diesen positiven Einschätzungen besteht ein größeres Problem des Buches darin, dass die Autorin ihr Buch aus der Wut dieser Unterdrückungsgeschichte, die in ihrem ganzen Ausmaß vielleicht heute erst bewusst werden kann, schreibt. Das führt auf der einen Seite zu einem scharfen Blick für die dunkle Seite des Patriarchats und deren Fortwirkungen in unserem sogenannten Alltagsbewusstsein. Aber nicht nur dort gibt es diese Einseitigkeiten, sondern wie die Autorin scharf analysiert, weitläufig im akademischen Bereich mit entsprechenden Wissenschaftseinschränkungen. Mit oberflächlichen Einschätzungen und falschen Vorannahmen, es ginge in der Matriarchatsforschung um die Annahme einer Frauenherrschaft als Spiegelbild der Männerherrschaft, die so eben historisch eben nicht nachweisbar sei, wird eine Wahrnehmung der wirklichen Inhalte dieser Forschung im Bewusstsein der Fachgelehrten vermieden, was es erlaubt, sie zu marginalisieren.
Die genannte Wut der Autorin hat aber auch die andere Seite, dass sehr weitgehende Behauptungen ohne weitere Diskussion ausformuliert werden. Solche einseitigen Verallgemeinerungen sind keine Einzelfälle, sondern es gibt viele Beispiele im Buch. So ist die Rede von 8 Millionen Opfern bei den Hexenverbrennungen, ohne dass die anderen bekannten Resultate, die etwa 20000 bis 40.000 Opfer annehmen, auch nur erwähnt, geschweige denn diskutiert würden. Solche Einseitigkeiten können es leicht machen, das Buch abzuwerten. Das wäre jedoch kurzschlüssig, denn es besitzt, wie oben ausgeführt, ein großes Potenzial und eine große aufklärerische Wichtigkeit in Bezug auf die latenten patriarchalen Denkstrukturen, Verleugnungen und Meinungen, die wir alle und eben auch die sogenannten Fachwissenschaftler unbemerkt mitführen.
Ich möchte noch einen Aspekt aus meinem pränatal-psychologischen Arbeitsschwerpunkt erwähnen: in der Pränatalen Psychologie geht es auch um die Bedeutung der Erlebnisdimension der primär weiblichen Dimension des Lebens, die in der gleichen Weise wie die Matriarchatsforschung trotz großer Evidenz auf verschiedenen methodischen Ebenen in der akademischen Welt sowieso, aber auch im allgemeinen Bewusstsein weitgehend marginalisiert wird. Dabei haben die Befunde der Pränatalen Psychologie, wie ebenso der Psychohistorie, nicht nur diese große Evidenz, sondern auch größte praktische gesundheitspolitische und kulturpolitische Bedeutung. Insofern gibt es eine natürliche Verbindung zwischen Matriarchatsforschung und Pränataler Psychologie, weil es beiden Forschungsfeldern gegenüber eine durch unsere patriarchal bestimmte Geschichte eine Reserve und Marginalisierung gibt. Diese ht ihren Grund in der durch die patriarchale Mentalität bedingte Verleugnung der elementaren Bedeutung der weiblichen Dimension des Lebens. Insofern bieten sich hier Möglichkeiten zu einer fruchtbaren Kooperation und Diskussion an.
Ein Thema einer solchen Diskussion könnten insbesondere die Begründungen für den Kulturwandel vom Matriarchat zum Patriarchat sein. Hier folgt die Autorin recht einlinig der Perspektive eines Geschlechterkampfes der Männer gegen die Frauen, der gewissermaßen von den Männern sehr bewusst geführt wird, um Frauen zu unterdrücken. Das verkennt aber, dass Männer wie Frauen in weitere und größere Dynamiken in der kulturellen Entwicklung eingebunden sind, deren Wirkkräften sie folgen, ohne dass hier individuelle Planungen oder Planungen von Gruppen vorliegen. Eine Diskussion dieser weiteren Aspekte, die die kulturelle Evolution bestimmen, würde jedoch den Rahmen einer Rezension überschreiten, sie können darum hier nur angedeutet werden. Und zwar sind wesentliche Aspekte der Besonderheiten des Homo sapiens zwei biopsychologische Fehlpassungen, zum einen die sogenannte „physiologische Frühgeburtlichkeit“, deren Folge das für den Menschen so charakteristische magische Erleben ist, das auch einen wesentlichen Hintergrund der „Zivilisation der Großen Göttin“ bildet, und zum anderen das Leben in anonymen Großgruppen als Folge der neolithischen Revolution, für das wir mit unserer Jäger-Sammler-Mentalität nicht geeignet sind. Es scheint so, dass die ordnungspolitischen Möglichkeiten eines matriarchalen Systems hierfür nicht ausreichten, sondern dass die Gewaltstrukturen patriarchaler Ordnungssysteme, wie sie exemplarisch in großen Teilen des Alten Testamentes dokumentiert sind, ordnungspolitisch erfolgreicher sind, trotz ihrer unglaublichen Kollateral-schäden. Darum bleibt die menschliche Geschichte trotz ihrer erstaunlichen kreativen Entwicklungen auch eine Unglücksgeschichte.
Zum Abschluss noch ein Hinweis für die Annahme der Matriarchatsforschung, dass es die patriarchal orientierten aggressiven Viehzüchtervölker kulturbestimmend wirklich gegeben hat. In der homerischen Ilias wird ihnen nämlich ein epochales Denkmal gesetzt: in einem sinnfreien Krieg, in dem es nur um Rivalität und Dominanz von Männern geht, die ihre Heldennatur und ihren Ruhm dadurch erlangen, dass sie eine große Zahl von anderen Männern erschlagen und insbesondere auch ganze Städte zerstören. „Städtezerstörer“ ist der wichtigste Ehrentitel der größten Helden. Dass die Inhalte dieses Werks ohne Realisierung der abgründigen Grausamkeit und makabren Heroisierung einer männlichen Dominanz, die sich im Töten erweist, in humanistischen Gymnasien andächtig als kulturelles Monument gelesen wird, ist ein markanter Beleg dafür, dass wir alle noch in den Nebeln patriarchaler Denk- und Wahrnehmungsstrukturen befangen sind. Man könnte vielleicht sagen, großartig ist die Darstellung aber eben schrecklich sind die Inhalte. Letzteres nicht wahrzunehmen gehört zu den genannten Nebeln. Diese gilt es zu lüften und dafür kann das Buch von Doris Wolf eine große Hilfe sein.Ludwig Janus, Dossenheim

 

*5,0 von 5 Sternen
VonMetanoia am 7. September 2017

Eine Pflichtlektüre für alle, die Geschichte und Gegenwart verstehen wollen

Erst vergleichsweise spät begann ich, mich mit der Matriarchatsforschung zu beschäftigen. Die Bücher von Doris Wolf betrachte ich als Schatztruhen des Wissens in diesem Bereich. Die „Mutterwunde“, der „Gebärneid“ der Männer, Freud’s einseitige und m.E. fatale Penisneidtheorie u.v.a.m. bedürfen der Heilung bzw. Korrektur, wenn wir ein friedliches Zusammenleben auf dieser Erde anstreben. Doris Wolf veranschaulicht in diesem Werk sowie in „der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens“ für Laien und Fachleute gleichermaßen, wie Krieg und Terror ihren Ursprung nahmen, wie die Einflüsse männerdominierter Wissenschaft jahrtausendelang das Potenzial des weiblichen Göttinnenaspekts vertuschten und klein zu halten versuchten. Es wird Zeit, dass die verbindende, erhaltende weibliche Kraft zurückkehrt! Testosterongesteuerte patriarchale Systeme verhindern Heilung, denn sie stützen sich auf Ideologien und Dogmen sowie auf das Herrscher-Sklave-Prinzip. Das Ergebnis davon ist offenkundig – seit Jahrtausenden. Und es wird auch Zeit, dass die „Ordnung der Männer“ und die der unglückseligen monotheistischen Religionen abgelöst werden durch die lebendige Kraft der Göttin, damit das Weltengehirn und der Planet heilen können – und damit auch alle Wesen, Männer wie Frauen. Die Bücher von Doris Wolf gehören m.E. auf den Lehrplan und zwar spätestens ab der 10. Schulklasse!

 

*5,0 von 5 Sternen
Von Gisela Weber am 12. September 2017

Eine wahre Offenbarung

Eine wahre Offenbarung ist das Buch von Doris Wolf „Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit“ und was daraus geworden ist. Es ist an Komplexität und Informationsdichte kaum zu überbieten.
Neben zahlreichen Abbildungen archäologischer Befunde, prähistorischer Zeichnungen, Höhlenmalereien und paläolithischer Skulpturen finden wir Zitate aus über 250 Veröffentlichungen namhafter ForscherInnen und WissenschaftlerInnen, die die Erkenntnis über die matriarchale Urkultur der Steinzeit bestätigen und Gegenaussagen werden von Doris Wolf stichhaltig und stringent widerlegt. Unter anderem unterzieht sie die patriarchale Geschichtsschreibung einer Korrektur, indem sie die matriarchalen Kultur- und Schöpfungsleistungen nachdrücklich exponiert.
Die Überproportionalität weiblicher Artefakte und Darstellungen weiblicher Körperlichkeit – in den Stadien der Schwangerschaft und des Gebärens – deutet auf eine zentrale Wertschätzung und Verehrung der Frau und Mutter hin und gleichzeitig auf die künstlerischen Leistungen von Frauen in der Steinzeit. Die zahlreichen Quellen, die Doris Wolf anführt, verdichten und verifizieren ihre Beweisführung über die matriarchalen Urkulturen der Steinzeit.
Die künstlerische Gestaltungsfähigkeit prähistorischer Menschen lässt auf einen tiefen emotionalen Bezug zur irdischen Realität, auf die Fähigkeit Erfahrungen symbolisch auszudrücken und auf eine Spiritualität schließen. Eine Spiritualität, die in eine Religion der Göttin als Urmutter übergeht, in der sie als Schöpferin allen Lebens verehrt wird. Es war eine Religion, die auf Fürsorge, Verantwortung und Liebe zum Leben basierte und der Arterhaltung diente.
Wohingegen mit der Patriarchalisierung vor 6000 – 5000 Jahren die Verantwortung dem patriarchalen Narzissmus und den damit verbundenen, Theorien und Spekulationen geopfert wurde. Mit der Erfindung der männlichen Götter wurde die matriarchale irdische Verbundenheit mit dem Leben, der Natur und der Erde diskriminiert und durch eine Gläubigkeit an patriarchale Omnipotenz, an Machbarkeitsideologien und utopische Superlative ersetzt. Eine Gläubigkeit, die in ihren fanatischen und exzessiven Ausprägungen das Leben, die Natur und die Menschen, besonders die Frauen, missachtet, entseelt und zerstört. Denn mit der Erfindung der patriarchalen Götter wurde auch gleichzeitig der Krieg erfunden.
An die Stelle des matriarchalen Wissens durch Erfahrbarkeit und Intuition trat eine patriarchale Wissenschaft durch Abstraktion von der irdischen Erfahrung, Spekulation und Aufoktroyieren utopischer Theorien. Das patriarchale System missachtet die existenziellen und sich ergänzenden matriarchalen Lebenszusammenhänge, indem es die Welt in Gegensätze aufspaltet und mittels matriarchaler Ressourcen unilaterale patriarchale Überlegenheits-Ansprüche stellt.
Mit der Patriarchalisierung der Welt geht die Zerstörung der Welt einher!
Es ist höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel, wenn wir der Zerstörung der Welt Einhalt gebieten wollen und wir das „wunderbare Vermächtnis der Steinzeit“ erhalten und verwirklichen wollen. Dieses Buch von Doris Wolf trägt zur Wiederherstellung der Vollständigkeit des humanen Bewusstseins bei und ergänzt es durch die unverzichtbare, regenerierende, matriarchale Komponente.

 

*5,0 von 5 Sternen
Von Amazon Kunde am 8. September 2017

Neueste Erkenntnisse in der Matriarchatsforschung

Nachdem ich in kürzester Zeit die zwei bisher erschienenen Bücher geradezu verschlungen habe, war ich schon sehr gespannt auf die neueste Ausgabe. Sofort bestellte ich sie mir und wiederum kann ich mich kaum davon trennen. Ich bin genau wie die Autorin der Meinung, dass das Patriarchat die Wurzel allen Übels ist. Frau Wolf bestätigt mir genau meine Intuition bez.der Kindererziehung (Tragen des Säuglings, Neid der Männer auf stillende Mütter usw.) Auch meine Vermutungen über die Entstehung der Pyramiden, die Bedeutung der dreieckigen Yoni Symbole usw. bestätigt sie mir in diesem Buch. Ich freue mich, in Frau Wolf endlich eine Fachfrau gefunden zu haben, die meine Leidenschaft teilt. Es tut mir unendlich gut zu erleben, dass sich in der Matriarchatsforschung nun etwas bewegt. Eine erfreute und faszinierte Leserin.

Web-Leserin
erstmal ein herzliches Dankeschön und meinen größten Respekt für Ihre wundervolle und so essentielle Arbeit! Ich lese seit Wochen alle Ihre online zugänglichen Texte und entdecke wertvollste Puzzleteile, welche mir schon seit Jahren persönlich und beruflich fehlten…. Sie haben das unaussprechliche niedergeschrieben, die Zusammenhänge sichtbar gemacht und das beinahe ganz in Vergessenheit geratene für die Nachwelt bis ins letzte Detail ausgegraben, analysiert und für die zukünftigen Generationen  perfekt konserviert. SNB  19.12.2018

Buchbestellerin:

Ich möchte Ihnen einen großen Respekt zu Ihrer grandiosen Arbeit aussprechen. Bin durch „Zufall“ darauf gestoßen und recherchiere selbst sehr viel in diesen Themen. In dieser unglaublichen Fülle, Direktheit und Klarheit habe ich es noch nie gelesen. Großes Kompliment!! B.L. 22.12.18

 

4. Buch: Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug

Inhalt: Es es enthält neue, unglaubliche Beweise für eine matriarchale Hochkultur, die mindestens 1000 Jahre vor den Eroberungen der Indo-Europäer blühte und absolut friedfertig war. Es gab bis in die Zeit der Pharaonen und Sumerer keine Kriege in dieser Welt! Es war die Zeit des Matriarchats!

Buchempfehlung
Doris Wolf, hat sich eingehend mit der Matriarchatsforschung, insbesondere in Ägypten, auseinandergesetzt und gründlich mit dem Mythos der Sammler und Jäger des Neolithikums aufgeräumt (s. www. ›Die Mär von den Groen Jägern der Steinzeit‹) Und von wegen: Kriege hat es schon immer gegeben! Oder: Die Hochkultur Ägyptens beginnt mit den Pharaonen. Doris Wolf zeigt in ihren sehr lesenswerten Büchern auf, dass uns die patriarchale „Wissenschaft“ betrogen hat und dass die matriarchalen Kulturen friedlich lebten, sich hauptsächlich von Pflanzen und Fischen ernährten, keine Pfeile herstellten zum Töten von Menschen und Tieren, sondern kleine Göttinnenfigurien der Großen Mutter. Sie ehrten Mutter Erde und das Leben auf ihr. Sie hatten außerordentliche Kenntnisse in Astronomie und Medizin sowie in der Baukunst. Sie waren sehr schöpferisch und trieben Austausch und Handel in der gesamten damals bekannten Welt.
Vor 5000 Jahren wurde dem ein Ende gesetzt durch die blutige Unterjochung einfallender indoeuropäischer Horden (und Arier!). Sie eroberten die Länder der indigenen Völker und machten sie zu Sklaven. Die außerordentliche Gewalt, die sie anwendeten setzt sich in der Etablierung der monotheistischen Religionen fort und besteht bis heute in den Kriegen der Gegenwart. Auf etlichen Darstellungen ist deutlich zu sehen, dass die Pharaonen  hellhäutig sind, während die indigene Bevölkerung dunkelhäutig ist. Dies nur als Beispiele. Die Belege, die Doris Wolf in ihren Büchern bringt, sind eindeutig. Es liest sich wie ein Krimi und trägt zu unser aller Bewusstseinsbildung bei, gerade heute.
Über ihr Buch Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist habe ich eine Rezension geschrieben:

https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/RPW1HQSC6GPJT/ref=cm_cr_arp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=3744840298

Ich freue mich auf ihr neustes Werk.
Ich bin froh, dass es Ihre Bücher gibt: Seit Jahren gehe ich durch Museen mit ägyptischen usw. Sammlungen mit dem Gefühl, dass da etwas nicht stimmt, dass ich etwas anderes sehe als die Wissenschaft mir erklärt, und ich trotzdem meiner Sichtweise, oder vielleicht besser meinem Zweifel mehr vertraue als den wissenschaftlichen Ergebnissen. Ihre Bücher bestärken diese Beobachtungen und sind unschätzbar wichtig eine andere Geschichte faktisch untermauert zu erzählen. Dafür herzlichen Dank!
M.S. Mai 2019

Starker Auftritt – Klare Botschaft
Herausragend in der Erscheinung
Mein erster Eindruck  ( H.P.W)

17.6.19 Danke für das Buch, Frau Wolf.
Es hat mich tief zum Nachdenke angeregt. Bin zwar Historiker, und einiges war mir bewusst. Habe mich aber trotzdem immer gefragt, warum ununterbrochen Krieg ist. Verstehe nun das Prizip des Matriarchates viel besser.
Freundlich grüsst  ♂ O. S.

19.6.19 Liebe Frau Wolf,
ich bin schon auf den letzten Seiten Ihres Buches angelangt und habe den Eindruck, dass Sie sich selbst übertroffen haben. Da ich eine gewisse Vorbildung bzgl. kritische Patriarchatsforschung habe (vor allem durch Claudia Werlhof und dann natürlich auch über Ihre zwei bisherigen Bücher) weiß ich, wie wertvoll Ihr Beitrag ist. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.
♂ Dr. K.R.

27.6.19 Ihre Sprache die so genau  die Sachverhalte trifft und ihre Recherchen begeistern mich, daher möchte ich auch ihr neues Buch bestellen. Sie bestärken die Frauen in ihrer Wahrnehmung und ihrer Ablehnung der Kriege und der Spaltung unserer Gesellschaft und die Männer gleichermaßen, wenn sie nur ihre Blickrichtung ändern wollten.Dr. E.M

23.6. Herzlichen Dank für Ihr wunderbares Buch «Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug». Ich bin so sehr dankbar, dass Sie eine derart grosse Arbeit vollbracht haben und nun endlich einmal alles in Ihrem Buch geschrieben steht, was die Wahrheit der letzten 5000 Jahre ist. Vielen herzlichen Dank für Ihre einzigartig grosse Arbeit und beste Grüsse
♀ J.H.D.

23.6. Ich möchte mich bei Ihnen herzlich bedanken, für die grosse Arbeit, die sie auf sich genommen haben, um den Irrglauben des Patriarchats in der Menschheitsgeschichte aufzudecken. Gestern habe ich an einem Meditationsworkshop teilgenommen und habe von ihrem Buch erfahren und Textstelle aus ihrem wichtigen und wunderbaren Buch gehört. Es hat mich schockiert zu erfahren, wie gezielt die Weiblichkeit vernichtet wurde. Es war mir nicht bewusst, wir weit das Patriarchat zurückgeht. So ist es umso beschämender und fast nicht zum Glauben, dass in der heutigen Zeit die Religionen immer noch solch eine Macht ausführen.
Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen ihr Buch lesen, damit eine Wandlung auf der Welt stattfinden kann und die Weiblichkeit wieder gewürdigt wird.
♀  V.D.

27.6. Das Buch 5000 Jahre … ist für mich sehr lehrreich. Ich bewundere auch Ihren grossen Mut betreffend ungeschminkte Kritik an der verheerenden Männerherrschaft der Gegenwart.
♂ O. S.

  1. Juni 2019 Sehr verehrte Doris Wolf!
    Vor einigen Jahren stellte ich mir die Frage, was dem Selbstzerstörungswahn der Menschen zugrunde liegen könnte. Denn mir wurde klar, die Spezies Mensch vernichtet ihren Lebensraum unaufhaltsam. Das führte zu den Anfängen unserer Kultur, vermeintlich dem Beginn der Geschichte. Über die Urgeschichte und die damals verbreiteten Matriarchate wusste ich sehr wenig.

„Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug“ beantwortet im Grunde all die Fragen in diesem Zusammenhang. In detaillierten Beschreibungen der Vorgänge in Ägypten und Mesopotamien, den vielen Erwähnungen von Wissenschaftlern aus den Gebieten Sprachwissenschaft, Psychologie und Archäologie, lassen sie kaum Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Ergebnisse. So verstörend und erschütternd diese auch sein mögen.
Sie spannen den Bogen insofern bis in die Gegenwart, als sie die patriarchalen Erziehungsmethoden beschreiben, die gnadenlose Unterdrückung der Frauen und der Sexualität mit all ihren Folgen. Gerade diese Mechanismen waren mir auch zuvor klar, aber in den direkten Zusammenhang gebracht, erscheinen sie als System der Kirche und aller Mächtigen noch schlüssiger.
Die monotheistische Kirche wird als sadistische Organisation entlarvt, der für die Durchsetzung ihrer Machtansprüche offensichtlich jedes Mittel recht war.
Wenn man nun bedenkt, unsere Kultur, unsere Lebensweise, gründet sich auf jene der griechischen Antike und des römischen Reiches, deren extrem frauenfeindlicher, patriarchaler Philosophie, dann wird verständlich, dass mit dem Einfall der Indogermanen aus Asien die zivilisierte Menschheit einen fatalen, todbringen Irrweg eingeschlagen hatte.
Besonders gefreut hat mich an Ihren Darstellungen der ausgiebige Bezug auf Ernest Bornemann, besonders was die Verhältnisse in der Antike betrifft. Selbstverständlich habe ich „Das Patriarchat“ damals, Anfang der 80er Jahre, gelesen und auch noch einige andere Werke von ihm im Regal stehen. Er gehörte zu den Gallionsfiguren der 68iger Bewegung, wird aber heute völlig ignoriert.
Er selbst, so sehe ich das, hatte mit dem Trauma zu kämpfen, keinen universitären Abschluss vorweisen zu können, was er immer mit den Wirren des Krieges begründete.
Im Vorjahr habe ich auch den Reisebericht von Ricardo Coler gelesen, den ich höchst amüsant und lehrreich gefunden habe. Auch Erich Fromm habe ich zuletzt wieder hervorgekramt, dessen Bedeutung nicht hoch genug einzuschätzen ist.
Wenn ihre umfassende Arbeit überhaupt noch Fragen offen lässt, dann ist es immer noch die Theorie, warum eine Gemeinschaft, die nach den Vorstellungen der Matriarchatsforscherinnen in zufriedenen Verhältnissen lebt, derart mutieren konnte. Womit die asiatischen Indogermanen gemeint sind.
Warum haben sich die Männer derart aggressiv gegen ihre Mütter und die Frauen gewendet? Die Erkenntnis der Beteiligung der Männer an der Zeugung scheint mir nicht recht stichhaltig. Woher kommt die zerstörerische Aggression? So eine Reaktion würde eher passen, wenn sie unterdrückt worden wären, diskriminiert, was ja nicht der Fall gewesen sein sollte. War die Zucht und der erhöhte Konsum von Rindfleisch für diese überbordende Aggression mitverantwortlich? Die durch klimatische Verhältnisse hervorgerufenen Nöte, die sie zum Aufsuchen fruchtbarer Regionen zwang und damit zu Raubzügen? Am Ende kommt dieser Frage jedoch keine entscheidende Bedeutung zu.
Am Ende danke ich Ihnen für ihre sehr umfassende Arbeit, die mir die Welt ein gutes Stück besser verständlich machte! Leider kann ich Ihren, am Schluss angedeuteten, Optimismus nicht teilen. Ich meine, gegen diese Art von Krebsgeschwür, das mit einer Leukämie vergleichbar wäre, gibt es in diesem Stadium keine erfolgreiche Therapie. Höchstens gedacht und theoretisch, ohne praktische Möglichkeit der Umsetzung.
Ihr sehr beeindruckter Richard Geisler

 

2.7.19 Alle Ihre Bücher sind wundervoll! ♂ W.J. L.

2.7. Die Bücher sind angekommen und machen mir größte Freude. Ich werde „Was war vor den Pharaonen“ wohl in einem Zug lesen, so toll ist es. Wahnsinn, dass ihre Pionierarbeit auch nach 25 Jahren noch ins Eck gestellt wird! Werden Sie auf Kongresse geladen? Greifen Historiker die Implikationen Ihrer Theorie auf? Wenn nicht, wäre es höchste Zeit. ♂ Dr. R.O.

 

4.7. FRIEDEN IST KEINE UTOPIE
Wie langweilig Geschichte angeblich ist, das scheint so manche Lehrkraft im Schuldienst beweisen zu wollen. Dass Geschichte extrem spannend ist, das beweist Doris Wolf wieder mit ihrem neuesten, brandaktuellen und packenden Werk »Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug.« Ihr bislang bestes Buch bietet einen Parforceritt durch fünf Jahrtausende.

Ich möchte das neue Werk von Doris Wolf jedem historisch interessierten ans Herz legen. Und wer sich bislang nicht für die Geschichte der Menschheit interessiert hat, der sollte es erst recht lesen. Ihn wird »Es reicht« von Seite zu Seite mehr faszinieren, mehr fesseln.
Die Themenvielfalt ist verblüffend. Um nur einige Stichworte zu nennen: »Keine Gräber sondern Residenz und Regierungssitz der Königinnen«, »Mesopotamien vor den Sumerern«, »Religiöse Erziehung und Gewalt«, »Der Göttinnenmord«, »5000 Jahre Patriarchat = 5000 Jahre Krieg« und »Frieden ist keine Utopie«.
Ich habe seit 1994 alle Bücher von Doris Wolf gelesen, nein verschlungen: Mit »Was war vor den Pharaonen« hat es angefangen. Von Anfang an war ich fasziniert. »Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug« ist das magnum opus der forschenden Autorin Doris Wolf geworden. Es bietet erschütternde Erkenntnisse zum leider tragischen Verlauf der Geschichte seit fünf Jahrtausenden. Und es bietet Hoffnung: »Frieden ist keine Utopie«. Freilich ist, nach fünf kriegerischen Jahrtausenden radikales Umdenken erforderlich, was vielen Zeitgenossen schwer fallen wird. Die Mächtigen, die auf Bomben für den »Frieden» setzen, werden sie sich zum Umdenken durchringen? Oder müssen die Vertreter des Weltmilitarismus erst von der Bühne der Welt verschwunden sein, damit Andersdenkende mit neuer Methodik den Frieden anstreben können? Neue Methodik? Nein, sie ist uralt, älter als fünf Jahrtausende!«  Walter J. Langbein

Höhlen – die frühesten Heiligtümer

Aus dem Inhalt:

  • Das Höhlenheiligtum von Lascaux
  • Höhlen – die älte­sten Heiligtümer der Göttin
  • Die früheste Kunst wurde zu Ehren der Göttin geschaffen
  • Hand- und Fußabdrücke der Künstlerinnen
  • Initiation der Mädchen im sakralen Raum der Göttin
  • Ein urgeschichtliches Höhlenheiligtum der Göttin im ›Tal der Königinnen‹
  • Die Göttinnen Groß-Skulptur am Eingang der heiligen Grotte
  • Die Rückkehr der Herrscher in den göttlichen Mutterschoß

›Die Höhlen und Spalten der Erde sind natürliche Manifestationen des ursprünglichen Schoßes der Mutter Erde. Diese Idee geht bis ins Paläolithikum zurück, als schmale Gänge, oval-geformte Areale, Klüfte und Spalten von Höhlen rot markiert oder bemalt wurden. Diese rote Farbe muss die Farbe des Regenerationsorgans der Frau symbolisiert haben.‹ (Marija Gimbutas)

Das Höhlenheiligtum von Lascaux

Der bekannte französische Paläoanthropologe und Ethnologe der Urgeschichts- und Höhlenforscher André Leroi-Gourhan wies darauf hin, dass die Höhle von Lascaux einen ›symbolisch weiblichen Charakter‹ hat. Die Anthropologin und Höhlen­for­scherin Doris F. Jonas stellte fest, dass »unser Wissen um die Präze­denz der Muttergöttin in chronologi­scher wie rangmäßiger Bedeu­tung vor den späteren und am Ende siegrei­chen männlichen Göt­tern, eine Bestätigung der Deutung von (paläolithischen) Höhlenmalereien als dem Wesen nach symbolische Darstellungen des urweiblichen Prinzips seien und nicht ›Jagdmagie‹, wie früher allzu bereitwillig geglaubt wurde« (Jonas et al. ›Weib und Macht‹ 1980). Gertrude Rachel Levy lässt keinen Zweifel daran, dass die Höhlen den Mutterleib darstellen (›The Gate of Horn‹ 1948).
Im Gegensatz zu den vielen Fotos anderer Fotografen sind die ausgeprägt sexuellen weiblichen Formen auf den Bildern des Schweizer Fotografen Hans Hinz unübersehbar und von großartiger Ästhetik und Schönheit (s. unten). Leroi-Gourhans Interpretation standen die andern, ausschließlich männlichen Forscher, die mit ihm zusammen als erste die Höhle untersuchten und interpretierten, äußerst ablehnend gegenüber. Zu den Meinungsmachern gehörte Abbé Henri Breuil (1877–1961), der ›Papst‹ der Urgeschichtsforschung. Dem zölibatär lebenden Mann muss die Ablehnung und damit die Verkennung dieser Tatsache nachgesehen werden. Er beschäftigte sich wenig mit der natürlichen Felsformation, der gegebenen ›Innenarchitektur‹ und der Symbolik der Raumgestaltung, die ihn möglicherweise sogar irritierte. So schenkten die ersten Forscher den Höhlenausformungen kaum Beachtung. Die wunderbaren Wandmalereien – nach Leroi-Gourhan sind es 1006 Bilder – boten genügend Faszination und Ablenkung von den eindeutig weiblichen Formen, für welche die Männer blind waren. Abbé Breuil akzeptierte die Hypothese des Grafen H. Bégouën, der, wie der damalige Adel, ein begeisterter Jäger gewesen sein dürfte, dass es sich bei den Bildern um ›Jagdmagie‹ handle und er entwickelte ein umfassendes religiöses Vokabular für den Kult dieses ›Jagdzaubers‹ und die Kultstätte, die er ›Heiligtum‹, ›Kathedrale‹ und ›Sixtinische Kapelle‹ nannte. Es ist verständlich, dass es dem Gott-Gläubigen Breuil, mit seinem patriarchal religiösen Hintergrund, leichter fiel, an ›Jagd-Zauber und Magie‹ zu glauben, als davon auszugehen, dass die Menschen der Eiszeit bereits ein religiöses System, eine frühe weibliche Religion hatten, in deren Mittelpunkt eine Göttin und nicht ein Gott stand.
Die Jagdzauber-Hypothese wurde während Jahrzehnten, neben andern Interpretationen, – es handle sich um ›L’Art-pour-l’Art‹, ›Schamanismus‹, ›Sympathiezauber‹, ›Totemismus‹ oder ›Fruchtbarkeitszauber‹ – akzeptiert und verbreitete sich Seite an Seite mit der Theorie vom ›Großen Jäger‹, z.B. in jüngster Zeit noch durch den Ausgräber von Göbekli Tepe, Klaus Schmidt und sein Credo, die Altsteinzeit sei eine »Zeit der eiszeitlichen, jägerischen Kulturen ca. 2′000′000 – 10′000 v. Chr.« (›Sie bauten die ersten Tempel – Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger‹ 2006, S. 271). Allerdings bedingt diese Theorie, dass der Beitrag der Sammlerinnen und die weibliche Symbolik in der paläolithischen Kunst völlig ignoriert und missdeutet wird.
Die damals von der patriarchalen Lehrmeinung bevorzugte Interpretation vom ›Jagdzauber‹ wurde über Jahrzehnte beibehalten und geistert noch immer als Mär von den Jägern, welche die Steinzeit dominiert haben sollen, durch die geistige Landschaft der Urgeschichtsforscher und Archäologen und beeinflusst die Auffassung einer männlich-patriarchalen Vergangenheit  bis heute.
Die Theorie, die Bilder der Höhlen seien Zeugnisse jagdmagischer Vorstellungen und Praktiken und stellten Tiere dar, die man in Zukunft zu erlegen hoffte, sei mit der Darstellungsart dieser Bilder schlechthin unvereinbar; »hier von einem Beweis für eine Bildmagie zu sprechen ist ganz und gar unbegründet«, schreibt der Urgeschichtsforscher Hermann Müller-Karpe (›Geschichte der Steinzeit‹ 1976, S. 266). Der Paläolinguist Richard Fester machte sich über ›Jagdmagie‹ und ›Jagdzauber‹ der Wissenschaftler lustig und nannte es »einen faulen Zauber«.
Einige Fehlinterpretationen haben überlebt. So kann man feststellen, dass viele der Tiere im Hauptsaal von Lascaux trächtig sind. Weil trächtige Tiere üblicherweise nicht gejagt werden, um ihren Bestand nicht zu gefährden, weichen die Forscher aus und bezeichnen die trächtigen Tiere ›mit dickem Bauch‹, ›mit Hängebauch‹, ›prallen Körpern‹ oder ›leicht angeschwollenen Bäuchen‹. Außer dieser Auffälligkeit, welche auf die Prävalenz weiblicher Tiere hinweist, wurden sie mehrheitlich geschlechtslos – z.B. ohne Euter oder männliche Geschlechtsteile – dargestellt; trotzdem wurde der eindrucksvollste Bereich der Höhle mit den schwangeren Muttertieren ›Saal der Stiere‹ genannt und die Bezeichnung bis heute beibehalten. Der Saal dürfte das Symbol für den schwangeren Uterus der Göttin sein, denn in den Höhlen wurde das Mysterium von Schwangerschaft, Geburt, Tod und Wiedergeburt zelebriert.
Heute gilt die Jagdtheorie bei den meisten UrgeschichtlerInnen als überholt. Am ehesten und stichhaltigsten ist die Hypothese, »dass die Höhlen mit ihren Bildern den Mythos der Regeneration darstellen; dann ist das pulsierende Leben der Tiere der zutreffende Ausdruck für die Wiedergeburt der Tiere«, schreibt Siegfried Vierzig (›Mythen der Steinzeit – Das religiöse Weltbild der frühen Menschen‹  2009, S. 60); doch eine Wiedergeburt war nicht (nur) für Tiere, sondern für die Menschen – aus der Frau und Mutter – vorgesehen.

Lascaux: Die Eingangs-Passage

 Nach einem ursprünglich engen ›vaginalen‹ Einstieg in die Unterwelt führt der Weg zwischen den weiblichen Schenkeln in den Mutterschoß der Großen Göttin. (Foto Hans Hinz)

Die Höhle hatte nach Ansicht des Forschers André Leroi-Gourhan insgesamt »symbolischen weiblichen Charakter«. Das macht deutlich, »mit welcher Sorgfalt die Verengungen, die ovalen Gänge, die Spalten und Grotten mit roter Farbe markiert und manchmal völlig ausgemalt worden sind«.

 Lascaux: Die Vulva-Passage

Die Vulva-Passage mit der deutlichen Klitoris führt durch die Öffnung der Vagina ins Innere des Göttinnen-Heiligtums (Foto Hans Hinz)

Höhlen – die älte­sten Heiligtümer der Göttin

»Seit der Zeit der Peking-Menschen vor etwa fünfhunderttausend Jahren haben Höhlen dem Menschen als Schoß und Grab der Kultur gedient. Höhlen und Grotten in allen Weltteilen galten als geheiligte Stätten für Zeremonien und Totenfeiern.« (Lewis Mumford)

Die Forscherin Barbara Walker berichtet, dass der griechische Philosoph Porphyrios (234–305) noch wusste, dass alle religiösen Riten, bevor es Tempel gab, in Höhlen stattfanden. Sie waren zu allen Zeiten eng ver­bunden mit dem Archetyp der Großen Mutter und weltweit mit dem Leib der Erdgöttin identifiziert, dem sym­boli­schen Ort für Geburt und Wiedergeburt, der Quelle des Lebens und primärer Urquell jedes schöpferi­schen Pro­zesses. Als Einstieg zur Unterwelt wurden die Höhlen immer mit dem yonischen Tor der Großen Mutter in Verbindung gebracht.
Schon die Eingänge zu den Höhlen sind symbolhaft, haben eine Dreiecksform, oft eine deutliche Vulva, eine enge Spalte oder ein aus dem Fels gemeißeltes rundes Loch. »Die Engstelle vor dem eigentlichen Inneren der Höhle sieht einem Muttermund, wie ich ihn aus anatomischen Büchern kenne, so ähnlich, dass sich der Vergleich förmlich aufdrängt«, schreibt Gerda Weiler nach ihrem Besuch der Höhle von Niaux (›Der aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine feministische Anthropologie 1994, S. 25). »Neben der Höhle, dem Gefäß-Leib, ist das Tor als Eingang und Schoß eines der ursprünglichsten Symbole der Großen Mutter« (Erich Neumann ›Die Große Mutter‹ 1974, S. 155).
In Lascaux ist es ein 6 Meter tiefer Schacht, der die vaginale Öffnung in den weiblichen Körper symbolisiert. Danach öffnen sich die ›Schenkel‹ der ersten Passage und die ›Vulva‹ des nächsten Durchgangs lädt zum Betreten des heiligen Schoßes, den Ort der Wiedergeburt ein. »Überall, wo wir dem Symbol der Wiedergeburt begegnen, handelt es sich um ein matriarchales Wandlungsmysterium, und zwar auch dann, wenn seine Symbolik oder Interpretation patriarchal getarnt ist« (Neumann ibd. 1974, S. 68).
Das Sans­krit­wort für Heiligtum ›gharbha-grha‹ ist identisch mit dem Wort für ›Schoß‹. Das sumerische Wort für Heilige Höhle, Grab, Un­ter­welt und Schoß war ›matu‹, gebildet aus der glei­chen Wur­zel wie ›Mutter‹. Höhle, Sargraum, Sarg und Grab haben alle die gleiche Bedeutung: ›Mutterschoß der Großen Göttin‹. Höhlen und Grotten waren zu allen Zeiten eng ver­bunden mit der Großen Mutter und weltweit mit dem Leib der Göttin identifiziert. Sie waren der sym­boli­sche Ort für Geburt und Wiedergeburt, der Quelle des Lebens und primärer Urquell jedes schöpferi­schen Pro­zesses. (Barbara G. Walker ›Das geheime Wissen der Frauen‹ 1993, S. 403-406 passim)
Schon Erich Neumann schrieb: »Der früheste heilige Bezirk der Urzeit ist wahrscheinlich der, in dem die Frauen geboren haben. Er ist der Ort, an dem die ›Große weibliche Göttin‹ herrscht und von dem – wie noch in den späten weiblichen Mysterien – alles Männliche ausgeschlossen ist. Nicht nur, dass überall – bis in die Moderne hinein, von den Ur- und Frühkulturen ganz zu schweigen – der Geburtsort ein Sakralort des weiblichen Lebens war, es ist auch evident, dass er im Mittelpunkt aller Kulte stehen muss, die der großen weiblichen Göttin als Herrin der Geburt, der Fruchtbarkeit ­und des Todes geweiht sind… wobei die Symbolik der Wiedergeburt stets auf die Geburt zurückgreift.« (Neumann ibd. 1974, S. 157)

»Höhle und Mutterleib sind Orte der Geborgenheit und gelten als Sinnbild der kosmischen Dimension der Göttin und ihrer umfassenden Kraft.« (Gerda Weiler)

Höhlen waren den – vom Patriarchat als gottlos und ungläubig diskriminierten ›heidnischen‹ – Völkern heilig und Sinnbild der Göttin, bis sie im Laufe der zunehmend aggressiven Patriarchalisierung durch Mythen und Legenden vereinnahmt, diskriminiert, vermännlicht oder zu Wohnstätten böser Geister, Dämonen oder gefährlicher Drachen wurden. In der Antike hatten »die griechischen Göttinnen Demeter, Persephone-Kore, Gaia, Chtonia und Hekate ihren Sitz in Höhlen und Klüften… Und noch lange waren Höhlen, Klüfte und Felsspalten dem antiken Menschen heilig, wie die Drachenschlucht im heiligen Bezirk von Delphi, der Erdspalte der Pythia oder die sibyllinischen Grotten, in denen vor allem Todesorakel gesprochen wurden und die als Eingänge in die Unterwelt galten« (Gisela Graichen ›Das Kultplatzbuch. Ein Führer zu den alten Opferplätzen, Heiligtümern und Kultstätten in Deutschland‹ 1988, S. 64). Das gleiche gilt sogar noch für die frühchristliche Epoche, als die meisten heidnischen Mysterienkulte ihre heiligsten Riten in Höhlen oder unterirdischen Räumen feierten. »Trotz aller Anstrengungen der Kirche, sie zu unterdrücken, wurden die alten Gottheiten auch weiterhin in heiligen Höhlen noch viele Jahrhunderte verehrt« (Walker ibd. 1993, S. 403).
Leroi-Gourhan, der wichtige Beiträge zu den Kunststilen des Jungpaläolithikums leistete, wagte – trotz der Abwehr seiner christlich geprägten Fachkollegen – die These, dass den Höhlenzeichnungen ein religiöses Konzept zugrunde liege, und dass in den Bildern eine sexuelle Komponente gesehen werden könne. »Er beachtet die Vielzahl weiblicher Symbole, die in keiner Höhle fehlen. Er sieht in den Höhlen die natürlichen Formen von Vulva und Uterus gestaltet. Doch äußert er sich eher vage, legt sich nicht fest und argumentiert am eigentlichen Problem vorbei« (Gerda Weiler ›Der aufrechte Gang der Menschenfrau‹ 1994, S. 159). Trotz seiner Vorsicht stieß seine Meinung bei Abbé Breuil auf heftigen Widerstand. Die These wurde von ihm als ›plump sexuelle Deutung‹ missverstanden und brachte Leroi-Gourhan von Seiten Breuils’ den Vorwurf einer ›sexuellen Obsession‹ ein. Vom katholischen Theologen Breuil ist jedoch bekannt, dass er Vorbehalte gegenüber dieser Interpretation und »im allgemeinen eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber weiblicher Präsenz« hatte (Helmut Uhlig ›Am Anfang war Gott eine Göttin – Eine Weltreligion des Weiblichen‹ 1995, S. 53).
Wie wir dem Disput zwischen Abbé Breuil und André Leroi-Gourhan entnehmen können und bei patriarchalen Wissenschaftlern wiederholt feststellen, übten klerikale Männer und patriarchale Professoren jener Lehren, die sich mit der Urgeschichte befassen, bei der Erforschung der Urgeschichte gerne ihre moralisierende Zensur aus und schüchterten damit ihre KollegInnen ein. Auf diese Weise beeinflussten sie deren Interpretationen ganz gewaltig im patriarchalen Sinne; dies ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Wir wissen heute, dass viele der Höhlen in Europa während Tausenden von Jahren genutzt wurden. Nicht nur in den Gegenden, wo die ältesten Höhlen Europas gefunden wurden – in Südfrankreich und Nordspanien – überall in der steinzeitlichen Welt wurde in Höhlen der Kult der Göttin gefeiert. Dem Dichter und Mythologen Robert Graves zufolge hatte…

»Das ganze neolithische Europa – den übriggebliebenen Fundstücken und Mythen nach zu urteilen – ein bemerkenswert homogenes System von religiösen Vorstellungen, die auf der Muttergöttin mit ihren vielen Titeln beruhten, die auch in Syrien und Libyen bekannt war. Die Große Göttin wurde als unsterblich, unveränderlich, allmächtig betrachtet, und der Begriff der Vaterschaft war noch nicht ins religiöse Denken eingeführt worden.« (zit. v. Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988, S. 53)

»Und noch früher existierte die im großen und ganzen gleiche Religion, von der Graves spricht, in Gegenden, die man heute als Irak, Iran, Indien, Saudi-Arabien, Libanon, Jordanien, Israel, Palästina, Ägypten, Sinai, Libyen, Syrien, Türkei, Griechenland und Italien kennt, wie auch auf den großen Inselkulturen von Kreta, Zypern, Malta, Sizilien und Sardinien. Es gab Beispiele für denselben Kult in den neolithischen Zeiten Europas.« (Stone ibd.). Es ist auffallend, in jenen Ländern, in denen Frauen heute aufgrund der gewalttätigen Patriarchalisierung nichts mehr zu sagen haben, unterdrückt und entwertet sind, keine intellektuellen oder künstlerischen Beiträge mehr zustande kommen und – falls diese Länder keine Ölquellen haben, völlig verarmt sind.

»Jede Gesellschaft in der die Hälfte der Bevölkerung weniger Rechte hat als die andere, wird unweigerlich verkümmern und sterben.«
(Muslimischer Philosoph in Andalusien)

Ein anderes Charakteristikum dieser Länder sind die patriarchalen islamistischen Faschisten die Menschen in einem Ausmaß terrorisieren, wie es die Welt davor noch nie gesehen hat.

Ein ›Schlachthaus der Religionen‹

nannte der britische Schriftsteller Aldous Huxley den unaufhörlichen Kampf der Gläubigen. Frauen schufen Kultur und Zivilisation – ohne ihre Mitsprache versinkt die Welt in Chaos und monströse Barbarei. ›Weltordnung verzweifelt gesucht‹, titelte die ›Zeit‹ einen Artikel von Matthias Nass am 29.10.14: »Ein neuer Kalter Krieg droht nicht. Aber wegen der vielen Krisen breiten sich Erschöpfung und Mutlosigkeit aus, wie das Treffen der International Crisis Group zeigt. Viele hatten in den zurückliegenden Monaten dieses beklemmende Gefühl: Die Welt ist aus den Fugen! Gaza, Ukraine, Nord-Irak, Syrien, Ebola – es waren einfach zu viele Krisen und Konflikte, und sie breiteten sich einfach zu schnell aus. Die Menschen begannen zu frösteln, mitten im Sommer. Und während Politik und Diplomatie noch immer versuchen, die akuten Krisenherde einzudämmen, wird längst die Frage diskutiert: Wie konnte es dazu kommen? Und wie müsste eine Weltordnung aussehen, in der es nicht ständig und überall brennt?« Es ist das Patriarchat, das hier seine monströse Fratze zeigt; es ist Zeit aus diesem Albtraum zu erwachen.

Die früheste Kunst wurde zu Ehren der Göttin geschaffen

»Wahrscheinlich war die Zeit, in der Kunst entstand, zugleich die Zeit der Entfaltung, vielleicht auch schon der Formulierung von Religion. Damit stünden Religion und Kunst als Begleiterscheinungen an der Wiege des menschlichen Bewusstseins. Religion war in dieser ersten Stunde vor allem Reaktion auf das Erlebnis von Geburt und Tod.« (Helmut Uhlig ›Die Mutter Europas – Ursprünge abendländischer Kultur in Alt-Anatolien‹ 1991, S. 17) Der religiöse Hintergrund war die Frau als Gebärerin.
Unzweifelhaft gehört(e) der künstlerische Ausdruck zu den Grundbedürfnissen der menschlichen Zivilisation und Kultur und dieses Bedürfnis musste schon viele Jahrtausende in der Kunst zur Ehre der Göttin eingesetzt worden sein, als sie nach Jahrtausenden der Menschwerdung mit einem Schlag in den prachtvollen Höhlen in Südfrankreich und Nordspanien für uns sichtbar wird. Die KünstlerInnen der Epoche der Eiszeit waren keine AnfängerInnen. Sie beherrschten bereits die Perspektive und das künstlerische Auge war außerordentlich geübt und entwickelt. Ganz offensichtlich wurden bei der Bemalung der Höhlen jene Stellen bevorzugt ausgewählt, bei welchen eine weibliche Symbolik nicht zu übersehen ist. Immer spielte die Wahl der natürlichen Steinsformationen eine wichtige Rolle: Felsreliefs, Felsüberhänge, Vorsprünge, Gänge und Spalten wurden genutzt und meisterhaft in die oft dreidimensional und perspektivisch wirkende Gestaltung mit einbezogen.
»Der Großteil der Höhlen des Jungpaläolithikums hat eine bestimmte Form, der Zugang erfolgt durch einen engen, schlauchförmigen Gang und häufig öffnet sich die Höhle dann zu einem Raum, der bemalt ist mit Tieren und geometrischen Formen. Verengungen, Spalten, Ovale und Grotten sind oftmals mit rotem Ocker markiert. Da verschiedene Formen vorgefunden wurden, die eine Vulvagestalt aufweisen und mit rotem Ocker markiert sind, geht man davon aus, dass die Höhlen generell mit einer Vulva oder dem Eingang in die Gebärmutter assoziiert wurden. Aus der Altsteinzeit sind zudem einige Darstellungen von Frauen in den Höhlen erhalten, im Jungpaläolithikum häufen sich diese Darstellungen, gleichzeitig gibt es eine große Anzahl von stilisierten (oft gravierten) Vulvendarstellungen. Darüber hinausgehend waren viele Frauenfigurinen ursprünglich mit rotem Ocker eingefärbt. Da roter Ocker auch später noch kultisch verwendet wurde, kann man annehmen, dass dies auch im Jungpaläolithikum schon eine Rolle spielte. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Symbolik, die späteren vielfältig vorkommenden Initiationsriten verwandt ist, in denen eine Neugeburt durch eine Rückkehr in den Uterus stattfindet. Die Darstellung von Tieren in den Höhlen könnte in diesem Zusammenhang darauf hindeuten, dass auch die Tiere, die in der Natur zyklisch verschwinden und wiederkehren in die Höhle eingehen, um dort neugeboren zu werden. (Wikipedia »Religion im Paläolithikum«, J. Leopold, A. Vierzig, S. Vierzig: »Kult und Religion in der Steinzeit. Feier des Lebens. Gravierte Höhlen im Pariser Becken« 2001, S. 32–35, 40)

Neueste Forschungen zeigen: Die frühesten Künstler waren Frauen

image002

»Ich schätze, es würde dir nicht im Traum einfallen, dass auch eine Höhlenfrau das gezeichnet haben könnte!«

Louis-René Nougier, erster Lehrstuhlinhaber für Frühgeschichte in Frankreich, stellte anhand der Fußspuren in den künstlerisch gestalteten Höhlen von Südfrankreich fest, dass diese auf Menschen mit einer Körpergröße zwischen 1,40 und 1,60 Meter hinweisen. 1929 vermutete er noch, es könnte sich dabei um die Fußabdrücke von Jugendlichen handeln, die hier einem Initiationsritus unterzogen wurden! Jedoch widersprach ihm Abbé A. Lemozi (›La Grotte-temple du Pech-Merle‹, Paris 1929, Anm. 41): Die Fußspur »muss einer Frau gehören, darauf weist die Feinheit der Fersenform hin«. Der Abbé denkt an eine »Künstlerin oder Priesterin, die für eine Zeremonie hierher gekommen ist«. Doch Nougier wehrt ab, »warum eine ›Priesterin‹, gute Götter?« Professor Henri-V. Vallois bestätigt jedoch, dass es sich um Fußspuren einer ca. 1,63 Meter großen Frau handelt. Leroi-Gourhan bekräftigte diese Vermutung und auch, dass »die meist kleinen Hände von Frauen stammen dürften. Daher hätten sie als ›weibliche Symbole‹ zu gelten… Sie könnten das Signum der Künstlerin sein, welche die Bildwerke geschaffen hat. Sie hat ihr Werk ›unterschrieben‹, sie benutzt den Abdruck ihrer Hand, wie schriftlose Menschen ein Dokument durch Fingerabdruck signieren.« (Weiler ibd. 1994, S. 159)
1974 hatte Nougier seine Meinung offensichtlich geändert und vertritt nun ebenfalls die Meinung, dass die Vermutung, die Eiszeithöhlen seien häufig von Kindern und Frauen aufgesucht worden, dadurch größere Plausibilität erhält, dass die Handabdrücke von Gargas und Cabrerets von Frauen, aber auch von Kindern stammen, sie seien ›sans doute féminin‹ (s. Hans Peter Duerr ›Sedna oder die Liebe zum Leben‹ 1984, S. 56).

Bildschirmfoto 2013-10-19 um 15.44.06

Hand- und Fußabdrücke der Künstlerinnen

Forscher wollen in neuen Studien herausgefunden haben, dass die meisten Handabdrücke an den Höhlenwänden von weiblichen Händen stammen. Die Resultate sind eine Herausforderung für das archäologische Dogma, das davon ausgeht, Jäger hätten in den Höhlen ihre Jagdbeute gefeiert.
Nun sollen neue Studien gezeigt haben, dass es vorwiegend weibliche Hände waren, die die Höhlenkunst schufen. Lange glaubte man, dass Jäger hier ihre Kunstfertigkeiten zeigten, doch diese Ansicht muss korrigiert werden. (http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2451442/Earliest-artists-women-claim-researchers-study-cave-paintings-reveal-majority-prints-female-hands.html)

Initiation der Mädchen im sakralen Raum der Göttin

Mit Sicherheit waren Höhlen sakrale Kulträume und es ist anzunehmen, dass hier auch ein Initiationsritual der ersten Monatsblutung junger Mädchen und ihre Aufnahme in die Gruppe der erwachsenen, gebärfähigen Lebensschöpferinnen gefeiert wurde.
Mit der Entstehung des Patriarchats usurpierten Männer das Ritual. Sie beneideten die Schöpfungskraft der Frau, um derentwillen sie verehrt – ja, ihre Urmutter sogar vergöttlicht wurde. Als Männer gewahr wurden, dass die weibliche Blutung mit der Entstehung neuen Lebens in Beziehung steht, beschnitt der erste Patriarch, Abraham, sein Sexualorgan, um wenigstens einmal an seinem Genital zu bluten wie eine Frau. Die Beschneidung der Knaben, am 8. Tag bei den Juden und etwa im 8. Jahr bei den Muslimen, wurde zum Gebot Gottes, um sie so früh wie möglich rituell aus dem Bann der Mütter in die patriarchale Welt der Männer einzuführen. (s. ›Die Beschneidung von Knaben‹ https://www.doriswolf.com/wp/?page_id=310)

 Die urgeschichtliche Grotte im ›Tal der Königinnen‹

Ägypten: Die weithin sichtbare Felsgrotte im Tal der Königinnen war während Jahrtausenden
vor den Pharaonen ein Uterus-Heiligtum der Großen Göttin (s. D. Wolf, 2009 S. 74
)

ÄgyptologInnen und ArchäologInnen hielten sich merkwürdig zurück, als die prominente Archäologin Christiane Desroches Noblecourt 1990 das Ergebnis ihrer vier Jahre dauernden Erforschung der Felsgrotte am Ende des Tales veröffentlichte, denn was die französische Ägyptologin hier entdeckt hatte, war eigentlich eine ›Sensation‹; ein Ausdruck, der in der Archäologie für jede Bagatelle verwendet wird; aber erstaunlicherweise nicht bei dieser Veröffentlichung! Desroches Noblecourt kam nämlich zum Schluss: Dieses ›kosmische Sanktuar‹ diente religiösen Zwecken und muss schon Tausende Jahre vor der pharaonischen Zeit benutzt worden sein.
Die prähi­storischen Felszeich­nun­gen lassen erkennen, dass es bereits in der vor-pharaonischen Zeit als Ute­rus-Heilig­tum benutzt wurde und von außerordentli­cher religiöser Wichtigkeit gewe­sen sein muss. (Christiane Desroches Noblecourt, ›Le Message de la Grotte sacrée‹, ›Les Dossiers d‘Archéologie‹, Nr. 149–150 / Mai–Juin 1990, S. 4–17; D. Wolf 2009, S. 74–76). Das Heiligtum liegt im ›Tal des Großen Wasserfalles‹, was sowohl auf das einst tropische Klima mit kräftigen Regengüssen, als auch symbolisch auf das Platzen der Fruchtblase, die Ankündigung der unmittelbar bevorstehenden Geburt, hinweist.
Die Archäologin nannte die Grotte die ›Felskathedrale‹ einer Göttin, bei der es sich um die symbolische Darstellung des giganti­schen Ute­rus der göttli­chen Himmelskuh han­dle und sie stellte fest, dass die große Felsspalte die Vulva der Göttin repräsentiere, durch die sie jeden Morgen zur Zeit des Sonnenaufgangs die Menschen geboren hat.
Die heilige weibliche Spalte wird durch die Göttin Nut repräsentiert; sie symbolisiert das natürliche Tor ins Leben und ist ein Teilaspekt der Ur- und Schöpfergöttin Neith, der ›Weisen alten Urgöttin‹. Zur gleichen Zeit wie die Göttin Nut im Tal der Königinnen verehrt wurde, schmückte sie die Deckengewölbe der Höhlengräber im ›Tal der Könige‹ und die Innenseite der Sarkophage, wo sie die Toten liebevoll aufnahm.
Das Heiligtum liegt am Fuße des Pyramidenberges el-Qurn. Pyramiden und pyramidenförmige Berge sind weltweit Sitz der Göttin und Symbol ihres schwangeren Leibes. El-Qurn, ›das Horn‹, heißt der Berg der Schlangengöttin Meret-Seger (auch Meresger), einer Form der Göttin Isis. Die Bezeichnung el-Qurn weist auf die wunderbare Gebärmacht der Göttin hin, die aus dem sakralen Füllhorn ihres schwangeren Leibes die Menschen in ständigem Kreislauf gebiert und wieder gebiert.
Hier wurde im ›Tal der Königinnen‹ ein Höhlenheiligtum – von dem wir nicht wissen, aus welcher Zeit die Anfänge seiner Benutzung stammen – entdeckt. In beinahe 100 Gräbern wurden in diesem kleinen Tal Angehörige des königlichen Hofes, vor allem Frauen und Kinder des Neuen Reiches (den ca. 500 Jahren zwischen 1550 und 1070) bestattet. Das berühmteste Grab ist das der Königin Nefert-Ari; der ›Schönen Arierin‹, der Großen Königlichen Gemahlin Ramses des II. (19. Dynastie).
Erstaunlicherweise fand die Entdeckung kaum Beachtung, die ›Ägyptomanie‹ der ArchäologInnen und ÄgyptologInnen interessiert sich ausschließlich für die typisch pharaonischen Hinterlassenschaften. Unbeachtet blieb auch eine andere ›Sensation‹:

Die Göttinnen–Groß-Skulptur am Eingang der heiligen Grotte

Christiane Desroches-Noblecourt entdeckte das Höhlenheiligtum im ›Tal der Königinnen‹, bemerkte aber die riesige, ca. 10–12 Meter große, weibliche Figur am Eingang nicht. Ihre Aufmerksamkeit galt der Grotte in der zerklüfteten Bergspalte des sakralen Pyramiden-Berges el-Qurn. (s. D. Wolf 2009, S. 75 f.)
Das heute stark verwitterte Gestein war vor 3000 Jahren wohl noch in einem besseren Zustand, so dass die Figur der Göttinnenskulptur schon aus weiter Entfernung zu erkennen war. Dass Königin Nefertari die Nähe der Grotte für ihr Grab ausgewählt hatte, bestätigt die außerordentliche Wichtigkeit des Heiligtums, denn immer wurde der Wahl des Begräbnisplatzes größte Sorgfalt zuteil. Hier wollte die Königin begraben werden, in der Nähe der von ihr verehrten Göttin; dieser Ort schien ihr offenbar bedeutungsvoller zu sein als ein Platz im Tal der Könige, wo auch etliche Königinnen begraben wurden. Man kann davon ausgehen, dass es sich hier um einen Pilgerort von besonderer Bedeutung gehandelt haben muss, zu dem die Menschen aus der weiten Umgebung strömten, so wie heute Millionen von Menschen zu den unzähligen Wallfahrtsorten der Göttin in aller Welt pilgern, etwa zur Muttergöttin von Lourdes und Fatima; zum Marienheiligtum von Guadalupe in Mexico; zur ursprünglichen Göttin, die in Mekka verehrt wurde, an die noch immer eine meterhohe silberne Vulva an der Kaaba erinnert (s. ›Das Matriarchat in Arabien‹); zur schwarzen Göttin von Einsiedeln in der Schweiz; zum patriarchalisierten Pilgerort der Göttin Brigid im nordspanischen Compostela, der von den Christen usurpiert und einem San-Tiago (deutsch: heiliger Jakob) unterschoben wurde. Ihr Symbol war die Muschel, das Synonym der Vulva, die zur ›Jakobsmuschel‹ gewandelt wurde, derer sich übrigens auch Papst Benedikt in seinem Wappen bediente. (s. ›Auf dem Pilgerweg nach Compostela‹)

Links: Groß-Skulptur der Göttin am Eingang des Uterus-Heiligtums im Tal der Königinnen (Foto D. Wolf) Rechts: Die Göttin von Laussel, die Dame mit dem Horn, ca. 25’000 Jahre alt, 50 cm groß, Kalkstein, rot bemalt. (Dordogne, Wikimedia commons:  pho›‹tographie de l’original conservé au Musée d’Aquitaine à Bordeaux)

Die Skulptur im Tal der Königinnen war während Tausenden von Jahren der Witterung ausgesetzt und deshalb stark erodiert. Ob­wohl der Kalk­felsen durch Hitze und Regen hoffnungslos brüchig ist, kann man bei der verwitterten Figur den Kopf, den rechten Arm, den Ansatz der Oberschenkel und das betonte Schoßdreieck noch gut erken­nen. Möglicherweise hatte die Figur – wie jene von Laussel – ein Horn in der rechten Hand, das zwar nur noch andeutungsweise vorhanden ist. Das Horn der Göttin von Laussel ist ein Symbol der Mondgöttin, ein Füllhorn, das mit 13 Einkerbungen versehen ist. Die Zahl symbolisiert die jährliche Anzahl der Mondphasen und der weiblichen Menstruations-Zyklen, was bestärkt wird durch die symbolhafte Bemalung mit rotem Ocker (oder Blut?). Das ›Füllhorn‹ dürfte das Lebensblut der Göttin enthalten; möglicherweise wurden in der vor-keramischen Zeit Bukranien-Hörner von den Frauen zum Auffangen des Menstruationsblutes benutzt, so wie Keramiktöpfchen später verwendet wurden (s. ›Symbole schreiben Urgeschichte – Das Isisblut Da-t – Symbol für das heilige Menstruationsblut).
Die linke Hand der Göttin von Laussel liegt als Geste ihrer Schöpfungskraft auf dem Bauch oder der ›Gebär-Mutter‹. Die Skulptur und die in den noch früheren Schichten entdeckten Steine mit eingeritzten Vulven können als »Kennzeichen für die Kontinuität der weiblichen Präsenz über Jahrtausende [gelten], wodurch Laussel als uraltes Mutterheiligtum erkennbar wird.« (Helmut Uhlig ›Am Anfang war Gott eine Göttin‹ 1992, S. 51) Die hier aus dem Fels ge­meißelte Groß-Skulptur scheint – wie die Göttin von Laussel – über dem Boden zu schweben und ebenfalls wie in Laussel wurde eine natürliche figurale Gesteinsformation genutzt und zusätzlich von Hand ausgestaltet. Die Große Mutter ist nicht die simple Vorstellung einer primitiven Religion, sondern eine Idee innerhalb einer komplexen Mythologie, die das Männliche als das begrenzte und vergängliche Prinzip begreift, das weibliche dagegen als das unbegrenzte, ewige und umfassende (William  I. Thompson, irischer Philosoph und Kulturhistoriker). Natürlich wäre es interessant, zu wissen, wie Ägypten aussah, als die Göttin von Laussel in Europa verehrt wurde. Warum sollte dieses Höhlenheiligtum im Tal der Königinnen, das wie Desroches Noblecourt herausfand, schon viele Jahrtausende vor dem dynastischen Ägypten benutzt wurde, nicht genau so alt sein wie jenes in Südfrankreich? Warum interessiert sich dafür niemand? Heide Streiter-Buscher stellte lakonisch fest:
›Die ägyptische Vorgeschichtsforschung war und ist nicht populär‹ (Rudolf Pörtner Hrsg. ›Jahrtausende zwischen Strom und Wüste – Alte Kulturen ans Licht gebracht‹, 1989, S. 148) Der britische Prähistoriker und Ausgräber von Çatal Hüyük (Türkei), James Mellaart, sagt es deutlich: »Urgeschichtsforschung ist die größte Heraus­forde­rung für die ägyptische Archäologie der Zukunft.«
Mellaart betont zu recht, es sei »schwer zu glauben, dass das fruchtbare Niltal keine Rolle in der Zeit zwischen 9500 und 4500 ge­spielt haben sollte, in einer Zeit also, die so viele si­gni­fikante Entwicklungen bei den östlichen und west­lichen Nach­barn zeigte.« (Mellaart ›The Neolithic of the Near East‹ 1975, S. 271). Damals wusste man noch nichts vom vor-dynastischen Uterus-Heiligtum; jedoch wird Mellaarts scharfsinnige Überzeugung durch die Arbeit von Christiane Desroches Noblecourt vortrefflich bestätigt.

Die Rückkehr der Herrscher in den göttlichen Mutterschoß

El Qurn Drower

El-Qurn – der kosmische Pyramidenberg der Göttin
(nach Margaret S. Drower ›Flinders Petrie – A life in Archaeology 1985, Abb. 20, die Fotografie stammt aus dem Jahr 1886. s. auch D. Wolf 2009, S. 77 f.)

Die Königinnen und Könige im ›Tal der Könige‹ wollten im Schutz der mächtigen Bergpyramide der Göttin begraben sein. Das zerklüftete Gebirge im Westen von Theben (Luxor) war offensichtlich der bevorzugte, ›ideale‹ Ort für die Grabanlagen der Herrscher des Neuen Reiches. Die WissenschaftlerInnen wollen uns glauben machen, die Könige von der 18. bis zur 20. Dynastie (ca. 1500–1000) hätten ihre Gräber so tief in den Berg graben lassen, um sie vor Grabräubern zu schützen und die Eingänge seien so gewählt worden, weil man die Spalten als praktische Eingänge nutzen konnte. Doch das hatte andere Gründe, das tiefe Innere des Berges wurde offensichtlich als Mutterschoss, als Uterus der Göttin betrachtet. Bestätigt wird diese These dadurch, dass der Eingang zu den Gräbern vorzugsweise unter einer markanten Vulva-Fels-Spalte an der Berg-Flanke des kosmischen Pyramidenberges el-Qurn angelegt wurde. Der Berg symbolisierte den so genannten ›Urhügel‹, aus dem die Toten durch die Vulva der Göttin, bzw. der Mütter wiedergeboren wurden. Nicht zufällig hat Berg den gleichen Wortstamm wie bergen, gebären und geborgen sein.

 Vulva-Felsspalten, wie sie als Eingang zu den Gräbern genutzt wurden. Rechts: Der Eingang  zum Grab der Königin Hatschepsut im ›Tal der Könige‹ (Fotos Doris Wolf)

Durch die ›Nut‹, das ›yonische Tor‹, gelangten die Toten durch einen langen schmalen Gang, den ›Geburtskanal‹, tief in die künstlich geschaffene Höhle des Berges, den regenerativen heiligen Bergschoß der Muttergöttin, wo sie in ihrem Sarkophag – oft aus symbolträchtigem rosa Marmor in Uterusform – von den Göttinnen Isis, Nephtis, Selket und Neith/Nut aufgenommen wurden. Von ihnen wurden sie empfangen, beschützt und auf ihrer Reise durch die Unterwelt in die Wiedergeburt begleitet. Der Tod wurde als Heimkehr in die Geborgenheit des Schoßes der Großen Göttin verstanden und war nie mit Angst oder Panik verbunden, wie dies in den monotheistischen Gott-Religionen üblich ist. Die ›Schrecken des Todes‹, wie sie aufgrund der drohenden Jenseitsvorstellungen von einem ›Jüngsten Gericht‹, von Hölle und Teufel in den monotheistischen Religionen gepredigt werden, kannten sie nicht; auch nicht, dass ein Gott oder ein Mensch für ihre Sünden geopfert werden musste. Menschenopfer sind eine ganz und gar patriarchale Erfindung, die – möglicherweise – aus dem Schuldbewusstsein des Göttinnen-Mordes entstanden ist (s. ›Der Göttinnen-Mord in den patriarchalen Religionen‹ https://www.doriswolf.com/wp/?page_id=147). Die Menschen erlebten aus eigener Anschauung die Freude und das Glück bei dem überwältigenden Ereignis der Geburt eines Kindes aus dem Körper der Mutter. Auf dieser Freude am Leben basierte ihr Glauben an eine Wiedergeburt. Deshalb hielt man die Alten in Ehren und liebte die Kinder. Die Große Göttin galt nicht nur als die Urzeitliche, die alleinige Schöpferin und Allesgebärerin, die alles Leben aus ihrem göttlichen Schoß hervorbrachte, sondern auch alles Leben, wenn es vollendet war, wieder fürsorglich aufnahm. Der Untergang der Sonne symbolisierte das Ende des Tages und des Lebens; deshalb die nach Westen gewandte Fötus-Haltung der Toten im uterusförmigen Grab der Urzeit.
Mit den indoeuropäischen Eroberern veränderte sich die Stellung der Toten. Die neuen Herrscher brachten aus dem kühlen Norden ihre Sonnengötter mit. Diesen Himmelsgöttern zugewandt, begruben sie ihre Toten dementsprechend auf dem Rücken liegend. Einige Aspekte des matriarchalen Glaubens an die Göttin wurden bekämpft und verschwanden, andere blieben erhalten. Zum Beispiel das matriarchale Wissen, dass das neue Leben im Fruchtwasser der Gebärmutter schwimmend entsteht, behielt als Symbol der Lebenserneuerung noch in der pharaonischen Zeit seine Bedeutung. Schwimmend wie sie im Mutterleib entstanden, wurden die toten Königinnen und Könige in einem Boot von der Ostseite des Nils in den Westen gerudert, den Ort der Toten und der Vorbereitung auf die Wiedergeburt mit dem Sonnenaufgang im Osten.
In den Gräbern im Tal der Könige war das beliebteste Motiv das der Himmelsgöttin Nut, die am Abend die Sonne, bzw. die Toten empfängt und am Morgen wieder gebiert. Die indoeuropäische Elite übernahm diesen Teil der matriarchalen Wiedergeburtsreligion und der Göttinnen-Verehrung der indigenen Bevölkerung. Anderseits kreierten sie ihre ›Königsreligion‹ mit neu erfundenen Vater- und Ur-Göttern und einem ›Ewigen Leben‹ im Jenseits – das sich die Könige so sehr wünschten.
Aus der frühdynastischen Zeit ist bekannt, was auch noch für die späteren Perioden gilt, dass in Ägypten zwei Religionen nebeneinander existierten. Doch bis die Pyramidentexte publiziert wurden, hatten die frühen Ägyptologen keine Ahnung davon, dass es in Ägypten mehr als eine Religion gab (Budge 1988, S. 51 f.). Heutige Ägyptologen sprechen beim Nebeneinander und der Vermischung der beiden Religionen gern von ›Synkretismus‹, um zu beschreiben, dass Aspekte unterschiedlicher Religionen in Ägypten zu etwas Neuem zusammen gemischt wurden; nur sagen sie dabei nicht, dass Aspekte der Religion der Urgöttin usurpiert und andere durch die Priester der indoeuropäischen Religion mit ihren männlichen Göttern bekämpft und vernichtet wurden.

Hans Peter Duerr kontert patriarchale Gegenstimmen

Gegen die Interpretation der Höhle als Gebärmutter und von Eingängen als Vulva ist geltend gemacht worden, dass »derartige Deutungen eher der etwas überhitzten Phantasie von nach den Müttern suchenden Stubengelehrten der Jahrhundertwende entstammten als der Realität. Doch renommierte Wissenschaftler, wie D.A. MacKenzie, 1926; B. Bettelheim, 1962, L.R. Nougier, 1975, C. Barrière, 1982 und A. Leroi-Gourhan 1971 haben gleichermaßen die Vermutung ausgesprochen, dass die Eiszeithöhlen ›weiblich‹ waren. Leroi-Gourhan hat dies dahingehend präzisiert, dass zumindest einzelne Teile der Höhlen als Schoß der Erde betrachtet wurden, und er denkt dabei an Spalten (Niaux), ovale Nischen (Font-de-Gaume), die Stalaktiten-Brüste von Le Combel usw.« (Duerr ›Sedna oder die Liebe zum Leben‹ 1984, S. 56 und 291 f.)

Gravierung-von-Schwangeren-Duerr

Fünf schwangere Frauen. Einzelne Figuren von übereinander gezeichneten Graffitis auf einem Sandsteinplättchen aus der Höhle von ›Les Trois Frères‹ (nach H.P. Duerr 1984, Abb. 18, S. 57)

»Fast unwillkürlich« schreibt Duerr, »haben wir bei der bisherigen Interpretation einen Jäger-, d.h. einen Männerstandpunkt eingenommen, von dem aus es beinahe natürlich erscheinen mag, dass männliche Schamanen die weibliche Höhle betraten, um hier durch, sagen wir es vorsichtig: kopulationsartige Handlungen die Wiedergeburt der Jagdtiere einzuleiten. Eine ebenso große Plausibilität kann eine andere Deutung beanspruchen. Ziehen wir zum Vergleich einen Höhlenkult heutiger Jäger und Sammlerinnen heran, nämlich der Frauen der australischen Pitjantjatjara. In dem Wüsten-Felsmassiv Ayers Rock befindet sich eine Höhle, die Gebärmutter einer Traumzeitfrau namens Bulari. Heute noch wird dieser Felsenuterus durch die Felsenvulva von schwangeren Frauen betreten, die hierher kommen, um zu gebären, d.h. das zu tun, was die Bulari in illo tempore tut. In einer anderen Höhle von Ayers Rock hängen die Klitoris weiterer Traumzeitwesen, der Mala-Frauen, und man kann wohl sagen, dass die ›Stalaktitenbrüste‹ von Le Combel sich zwanglos in gleicher Weise als Klitoris deuten lassen, wenn man im Eingang zur Felskammer die Vagina und in der Kammer selbst den Uterus erblickt. So ist es denkbar, dass die Frauen der Eiszeitjäger genauso wie die Frauen der australischen Wildbeuter diese Höhlen betraten, um hier ihre Kinder zur Welt zu bringen, vielleicht auch, um durch den Akt der Geburt die Geburt der Tiere aus dem Schoß der Erde anzuregen… nichts spricht dagegen… dass Eiszeithöhlen als Geburtshöhlen gedient haben könnten.« (H.P. Duerr, ibd. S. 54 f.)
Auch Gerda Weiler wehrte sich gegen die männliche Interpretation. »Es erscheint absurd, wenn Wissenschaftler heute behaupten, die Kultbilder in den Höhlen seien von Männern geschaffen worden. Diese Höhlen waren Heiligtümer der Frauen. In keiner Höhle fehlt das Symbol der Vulva. Es erscheint mir sehr fraglich«, schreibt sie, »ob Männer zu diesen prähistorischen Tempeln überhaupt Zutritt hatten. Schon Doris Jonas hat immerhin die Möglichkeit erwogen, dass Höhlenkunst zum Teil oder ganz von Frauen ausgeführt wurde.« (Weiler ibd. 1994, S. 175)
»Bis heute postulieren Wissenschaftler, dass für die Kunst der Altsteinzeit ausschließlich der prähistorische Mann verantwortlich gewesen sei. Dafür gibt es keinerlei handfeste Beweise; die Behauptung ist vielmehr das Resultat gelehrter Vorurteile, die im krassen Widerspruch zu Forschungsergebnissen stehen wie etwa der Entdeckung, dass bei den heutigen Vedda in Sri Lanka Wandmalereien von den Frauen und nicht von den Männern geschaffen werden.« (Riane Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft‹ 1989, S. 36)

Heute ist man sich weitestgehend einig, dass die berühmten Höhlen in Südfrankreich und Nordspanien eine sakrale Bedeutung hatten. Aus den Höhlen und gleichermaßen aus den Gräbern des Neolithikums – von den eiförmigen Gruben, in denen die Toten in Embryonalstellung begraben wurden, bis zu den Pharaonengräbern tief im Innern des mütterlichen Berges von Qurna auf der Westbank von Luxor – kann abgeleitet werden, dass dies eindeutige Hinweise auf eine weibliche Religion und die Verehrung einer Göttin sind. Doch die patriarchale Wissenschaft kann/will die Zeichen nicht sehen. Christliche und jüdische WissenschaftlerInnen – die an eine patriarchale Ur-Religion und einen patriarchalen Ur-Gott glauben wollen – wehren die Zeichen ab, die in den Höhlen Südfrankreichs zweifellos feststellbar sind. Eine weibliche Religion wird nicht einmal im Entferntesten in Betracht gezogen. Siegfried Vierzig beklagt, »dass der immense Aufwand der jahrzehntelangen Forschungsarbeit nicht zu viel mehr als einer dokumentarischen Aufnahme aller ausgemalten Höhlen geführt hat, was natürlich von hohem Wert ist, aber die Frage nach dem inhaltlichen Verständnis der Höhlenmalerei von vornherein als unbeantwortbar deklariert.« (Siegfried Vierzig ›Mythen der Steinzeit – Das religiöse Weltbild der frühen Menschen‹ 2009, S. 49 f.)

Die Schein-Heiligen: ›LebensschützerInnen‹

Es gehe um den Schutz des Ungeborenen, um sein Leben.
Aber für was für ein Leben? Dies ist die Frage, die nicht gestellt wird.

Die Welt ist in unserer ›zivilisierten‹ patriarchalen Gesellschaft für unerwünschte, ungeliebte, nicht gewollte oder vernachlässigte Kinder und Jugendliche oft eine Schreckliche. Sie werden häufig ohne Liebe und ohne jeden Respekt behandelt, körperlich und seelisch vernachlässigt, allein gelassen, gedemütigt, verspottet, ausgestoßen, geschlagen, misshandelt, emotional und sexuell missbraucht. Kinder, die ungeplant, zum falschen Zeitpunkt oder im falschen Geschlecht geboren wurden – für einen patriarchalen Vater kann dies ein Angriff auf seinen Mannesstolz sein – leiden oft ein Leben lang an unerklärlichen Schuldgefühlen, Depressionen und Gefühlen von Wertlosigkeit.
Der Abbruch einer unerwünschten Schwangerschaft wird von einer mehr oder weniger restriktiven patriarchalen Familienpolitik erschwert, tabuisiert, verboten und kriminalisiert. Die Behörden und Institutionen täten gut daran, dem ›Zwang zur Schwangerschaft‹ mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um die Probleme zu vermeiden, die daraus entstehen.
Mitverantwortlich für das schwere Schicksale unerwünscht Geborener ist nicht nur die patriarchale Politik, sondern auch die Verlogenheit und Heuchelei der Kirche und der ›LebensschützerInnen‹, die vorgeben, es handle sich bei einem Schwangerschaftsabbruch um Mord, weshalb sie aus religiösen Gründen dagegen seien. Lassen wir uns nichts vormachen, es geht um Macht, um patriarchale Männermacht, ob in der Politik oder in der Kirche. Den sich als Lebensschützer tarnenden Machtmenschen ist der Schutz und die Würde der Frauen und die an illegalen Abtreibungen verblutenden Frauen egal. Im Gegenteil, eine sadistische Anhängerin dieser morbiden Gesellschaft meinte lachend, ›Abtreibungen sollen schmerzen, das ist richtig‹. Und sterben dürfen sie daran auch. Laut der WHO kommen jährlich ca. 47 000 Frauen an illegalen Abtreibungen zu Tode. Die in der heuchlerischen christlichen Sexualmoral gefangenen Gläubigen, die gegen das Recht auf Selbstbestimmung der Frauen kämpfen, nehmen ohne Skrupel und Mitleid schwere psychische Belastungen, gesundheitliche Risiken und selbst den Tod der Frauen durch illegale Schwangerschaftsabbrüche in Hinterhöfen in Kauf.

Zwangsschwangerschaften verursachen Kriminalität

Unerwünschte, ungeliebte, abgelehnte Kinder landen oft in der Psychiatrie, nach einem Suizid auf dem Friedhof oder im Gefängnis – die Gefängnisse sind voll von unglücklichen Lebensläufen. Manchmal werden Säuglinge ausgesetzt, sogar auf dem Müll ›entsorgt‹. Wie können Mütter nur so etwas tun, ist die anklagende Frage. Die repressiven patriarchalen Gesetze von patriarchalen Kirchenmännern und christlichen Politikern, ihr Desinteresse, die fehlende Anteilnahme am Schicksal der Mütter und der unerwünschten Kinder, eine fehlende materielle Unterstützung, das offensichtliche Versagen, werden nicht hinterfragt. Stattdessen wird den Müttern geraten, ihre Kinder zur Adoption freizugeben, das zahlt sich finanziell aus.
Die Devise vieler dieser nicht willkommenen Kinder als Jugendliche ist: wenn ich schon nicht erwünscht bin, ihr mich nicht liebt, nicht haben wollt und nicht beachtet, werde ich mir Beachtung verschaffen, indem ich euch das Fürchten lehre. Misshandelte Opfer werden  als Erwachsene oft zu TäterInnen, denen ebenfalls jegliches Mitgefühl für die Leiden der Menschen, denen sie Schaden zufügen, abgeht. Beate Zschäpe, deutsche Rechtsextremistin und mutmaßliches Mitglied der neonazistischen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) war so ein unerwünschtes, ungeliebtes Kind, um das sich die Mutter nie gekümmert haben soll! Beate Zschäpe war gewaltbereit, eiskalt und gewalttätig und wird verdächtigt, »sich an der Ermordung von acht Mitbürgern türkischer und einem Mitbürger griechischer Herkunft, dem Mordanschlag auf zwei Polizeibeamte in Heilbronn sowie an den versuchten Morden durch die Sprengstoffanschläge des NSU in der Kölner Altstadt und in Köln-Mülheim beteiligt zu haben«. (Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof). Ihre unglückliche Kindheit rechtfertigt die Morde keineswegs; es geht aber um das Verstehen solcher Lebensläufe. Ein anderes Beispiel, das die These vom Unglück ungewollter und ungeliebter Kinder veranschaulicht, ist der Fall Rumänien. Unter Ceausescu wurde die Abtreibung strikte verboten. Rumänien wurde ein Paradies für Lebensschützer. Frauen wurden gezwungen, Kinder auszutragen, die sie nicht wollten und nicht ernähren konnten. Die Kinder landeten in staatlichen Kinderheimen und vegetierten dort unter den miserabelsten Umständen dahin – wir erinnern alle die schrecklichen Bilder.
Oft ist Drogen-, Medikamenten- oder Alkoholsucht der erwachsen gewordenen Opfer die einzige Möglichkeit dem Schmerz des Ungeliebt- und Unerwünschtseins für kurze Zeit zu entkommen.

»Abtreibung verhindert Kriminalität«

In den USA machte das Buch des US-amerikanischen Ökonomen Steven Levitt Furore. Er schreibt, dass dort ein auffallend massiver Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen ist, was auf das gesetzlich verfügte Recht der Frauen auf Abtreibung zurückzuführen sei. Der Journalist Juan Gomez ergänzte den Bericht damit, dass in Amerika viele Kommunen aufgrund der Wirtschaftskrise gezwungen sind, die Ausgaben für die Sicherheit von Personen und Sachen zu reduzieren. Tausende von Polizisten wurden arbeitslos. Es ist nun interessant festzustellen, dass trotz der Reduktion von Polizeikräften und trotz rasant steigenden Waffenverkäufen die Kriminalität in den USA sinkt. Seit 40 Jahren gab es nicht so wenige Gewaltverbrechen und seit 50 Jahren nicht so wenige Morde. Keiner kann das Phänomen erklären. Doch die Theorie des Ökonomen, Steven Levitt wird am meisten zur Erklärung herangezogen. Er schreibt, dass die Abtreibung Kriminalität verhindere. Ungewollte Kinder würden leichter kriminell. Die Abtreibung wurde in den USA Mitte der 70er Jahre legalisiert. Für Levitt ist es logisch, dass es zwei, drei Jahrzehnte später weniger Kriminelle gibt. Die Theorie erscheint absurd, meint Gomez; aber viele Amerikaner sind von Levitts These überzeugt. Die Bücher von Steven Levitt verkaufen sich millionenfach. Die braven Männer und Frauen der Riege der Lebensschützer schweigen vorerst betreten! (Donohue, John J. and Levitt, Steven D. ›The Impact of Legalized Abortion on Crime‹ 2000).

Auch das Gegenteil, staatlich verfügte Zwangsabtreibungen verursachen Kriminalität, z.B. in China als Folge der Einmischung des Staates mit ihrer Einkindpolitik. In Asien fehlen 200 Millionen Frauen durch die sich wiederholenden Eingriffe von patriarchaler Regierungen in die Kompetenz und Freiheit von Frauen, selbst über ihre Schöpfungsfähigkeit zu verfügen. Die Kriminalitätsrate ist durch das Fehlen von Frauen bei Männern im heiratsfähigen Alter dramatisch angestiegen.

LebensschützerInnen‹ verursachen Kindesmisshandlung und Kindstod

›Ein trauriger Rekord‹ titelte die Schweizer Presse im Januar 2011 die neueste Erhebung des Zürcher Kinderspitals, das 2010 eine Zunahme von Kindesmisshandlungen dokumentierte. Von den 487 von Gewalt betroffenen Kindern sind 63 Prozent Mädchen. Am deutlichsten angestiegen sind sexuelle Übergriffe auf Mädchen und junge Frauen. Verbale, physische und psychische Gewalt nehmen überall ständig zu. »Die größte Gefahr für die Kinder geht aus der eigenen Familie hervor«, denn Eltern seien für Kinder oft die gefährlichsten Personen, sagt die deutsche Gerichtsärztin Saskia Guddat. Anfang 2012 wurde ein neues Bundeskinderschutzgesetz erlassen. Das sollte dafür sorgen, dass Kinder besser vor Verwahrlosung, Gewalt und sexuellem Missbrauch geschützt werden. Doch inzwischen gibt es viel Kritik an dem Gesetz. Es habe nicht viel bewirkt, sagen Experten. In Deutschland werden jährlich etwa 3800 Kinder schwer misshandelt; die Dunkelziffer wird aber auf mehr als 200’000 geschätzt. An den Folgen sterben nach offizieller Statistik pro Jahr mindestens 160 Kinder deutschlandweit, (die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich doppelt so hoch: bei 320 000). Jede Woche werden 70 Kinder krankenhausreif geprügelt; drei von ihnen sterben wöchentlich an den Folgen.

Nicht geboren worden zu sein, hätte diesen Kindern ihr Martyrium erspart.

Die Berliner Rechtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos haben zahlreiche Misshandlungsopfer begutachtet und dabei zu Tode Gekommene obduziert. Sie mussten immer wieder feststellen, dass Sozialarbeiter und Ärzte auch bei erkennbaren Misshandlungsfällen oft nicht reagierten. Auch deshalb versage der Kinderschutz in Deutschland immer noch. Michael Tsokos: »Seit 20 Jahren höre ich von den Ämtern ›Wir haben nichts falsch gemacht.‹ »Da frage ich mich: Wenn niemand etwas falsch gemacht hat, warum liegt das tote Kind vor mir?« Das erschütternde Buch der beiden Rechtsmediziner heisst:

›Deutschland misshandelt seine Kinder.‹

Dass der Tod von Kindern verhindert werden könnte, wenn der politische Rahmen besser wäre, klingt unglaublich. Es gibt sie zwar, die engagierten Sozialarbeiter in Jugendämtern, doch müssen die gegen Aktenberge, lasche Gesetze und knappe Kassen kämpfen. Täglich! »Der Fehler«, so Tsokos »liegt im System«. Verantwortliche müssen Entscheidungen treffen, ohne die umfassende Kindessituation zu kennen. Deshalb fragen wir: »Wer kontrolliert die Kontrolleure?« Wieder sind es untätige patriarchale Männer an der Macht, die eine effiziente Kontrolle verhindern und korrigierende Massnahmen an die Hand nehmen.
Zwei Monate nach dem Auftreten von Saskia Guddat und Michael Tsokos bei Markus Lanz und der Publikation des Buches, berichten sie, dass sie massiv bedroht und angegriffen wurden, – nicht etwa von Eltern – nein: von Kinderärzten, vom Kinderschutzbund, von Sozialarbeitern, von all jenen, die bei Misshandlungen nicht eingeschritten sind und weggeschaut haben und von Interessenverbänden, z.B. auch ›LebensschützerInnen‹, freien Trägern, die damit Geld verdienen. Die Probleme dürften in vielen Ländern nicht viel anders sein.

Frauen bringen Kinder zur Welt, ziehen sie auf und Männer töten sie millionenfach in unzähligen Kriegen. Das können sich auch christliche Kleriker, die Waffen segnen, und christliche ›LebensschützerInnen‹, die vom lukrativen Waffenexport ihres Landes profitieren, merken!

Vom Schicksal zwangsgeborener Kinder auf den stockkatholischen Philippinen berichtet das Auslandjournal vom 5.9.18 im ZDF. Hier ist es üblich geworden, dass arme Eltern ihre Kinder pädokriminellen Touristen aus dem Westen für Nacktfotos – und mehr – anbieten. Unicef schätzt, dass mindestens 60 000 Kinder sexuell missbraucht werden. »Ich werde Touristen ins Land holen und ihnen Jungfrauen anbieten«, scherzte der Präsident der Philippinen. Pater Shay Culler, der sich jährlich um etwa 100 Kinder kümmert, die er aus Bordellen befreit, empören derart vulgäre Scherze. Der investigative Journalist Peter Dupont, der dem Schicksal verkaufter und missbrauchter Kinder nachgeht, berichtet über die skandalöse Tatsache, dass sich Regierungen weder hier noch dort, um das entsetzliche Leid dieser Kinder kümmern. Viele der traumatisierten Kinder flüchten sich als Erwachsene in die Drogen. Ihnen gegenüber hat der Präsident seine eigene niederträchtige ›Therapie‹: er lässt Drogenabhängige jagen und ermorden.

Warum kämpfen LebenschützerInnen nicht für das geborene Leben,
für den Schutz lebender Kinder und gegen den Kinderseelen-Mord?

Woher kommt dieses unbarmherzige Verurteilen von Frauen, die ihre unerwünschten Schwangerschaften, aus Not und im vollen Bewusstsein der Verantwortung beenden? Warum diese Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit, warum diese Arroganz und Unmenschlichkeit? Es ist schlussendlich der Hass religiös versklavter Menschen auf jene Frauen, die ihre Sexualität frei und selbstbestimmt leben und selbst über ihren Bauch, ihre Gebärmutter und die Konsequenzen sexueller Liebe entscheiden. Es geht um Macht, Kontrolle und Herrschaft. Dafür braucht die Wirtschaft immer wieder billige Arbeitstiere, die Kirche nachwachsende abgabenpflichtige Gläubige und das Militär junges Kanonenfutter für seine Kriege.
Als Geiseln der patriarchalen Institutionen, der Universitäten und Kirchen, nach Jahrtausenden der ständigen patriarchalen Propaganda, Beeinflussung, Indoktrinierung und Hirnwäsche kämpfen heute auch viele gläubige Frauen für patriarchale Ideologien und die patriarchalen Götter des Monotheismus. Patriarchatskompatible WissenschaftlerInnen im Dienste des misogynen Patriarchats, die sich vernetzen, sich gegenseitig unterstützen und ständig gegenseitig zitieren, beschneiden geradezu masochistisch ihre weibliche Identität und ihre Wurzeln, die bis in die Urkultur reichen. Da hat die vergiftende patriarchale Propaganda ganze Arbeit geleistet! Die Patriarchatsforscherin Gerda Lerner führt dies auf die Benachteiligung der Frauen im Bildungswesen und die androzentrische Verzerrung der Geschichte mit der Marginalisierung der Frau zurück.

»Diese doppelte Deprivation hat die weibliche Psyche über die Jahrhunderte so zugerichtet, dass die Frauen an der Herausbildung des Systems, das sie unterdrückt, mitwirken und an dessen ständiger Bestätigung und Verfestigung in der Folge immer neuer Generationen weiter mitgewirkt haben und noch immer mitwirken.« (Gerda Lerner ›Die Entstehung des feministischen Bewusstseins – vom Mittelalter bis zur Ersten Frauenbewegung‹ 1993, S. 20).

Wo wart ihr ›LebensschützerInnen‹ damals?

Nie wieder‹, heißt eine der Parolen der christlichen Lebensschützer, doch wo waren sie damals, wo war die christliche Kirche, die christlichen Politiker und all die frommen und braven Christen, wo der Papst, wo die unzähligen Kardinäle, Bischöfe und Priester in aller Welt als Millionen jüdischer Kinder und Ungeborene im Mutterleib in den Gaskammern ermordet wurden? Ist das Leben jüdischer Kinder und Föten und das Leben der schwangeren jüdischen Mütter weniger schützenswert als das ›christlicher Föten‹ und christlicher Mütter? Unzählige schwangere jüdische Frauen und ihre Kinder wurden – im faschistischen Deutschland der heuchlerischen christlichen Parteien – ermordet.
(s. auch: https://www.students.ch/magazin/details/41873/Eine-kleine-Geschichte-der-Verhuetung)

Wo ist der Schutz und die Hilfe für die Mütter?

Frauen, darunter ungewollt schwanger gewordene Mütter, werden als Alleinerziehende nicht nur stigmatisiert, sie werden auch finanziell im Stich gelassen. Sie leben mit ihren Kindern in Armut oder hart an der Grenze davon. Sie sind dem patriarchalen Staat nichts wert, erhalten kaum Unterstützung. Frauen sind in jedem Fall die Verlierer, ob sie bei den egoistischen Machtspielen patriarchaler Männer ungerwerfen, gar davon profitieren, oder nicht. Im westlichen Europa wird die Ungerechtigkeit, die Verachtung der Menschenrechte, der Ausbeutung und Diskriminierung der ausser Haus arbeitenden Frauen deutlich an den Lohnunterschieden. Patriarchale Regierungen lassen es zu, dass Arbeitgeber Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger für gleichwertige Arbeit bezahlen, ohne eine Bestrafung zu riskieren, obwohl die Gleichberechtigung in den Gesetzen verankert ist.

Ob mit oder ohne Abtreibungsverbot werden Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen.

Dorothy Nortman, die Statistikerin vom Washingtoner Population Reference Bureau, einer Privatorganisation, die seit einem halben Jahrhundert Bevölkerungstrends beobachtet, stellte fest: »Etwa jedes dritte Paar im reproduktionsfähigen Alter kontrolliert gegenwärtig seine Fruchtbarkeit – ein nie zuvor in der Menschheitsgeschichte erreichter Grad von Vorsorge… Nur mehr acht Prozent aller Menschen leben in Ländern, deren Bevölkerungspolitik planlos ist oder gar auf Geburtenzuwachs abzielt. Zur Gruppe der Rückständigsten gehören zumeist schwarzafrikanische Staaten, in denen traditionell Kinderreichtum als Altersvorsorge gilt, in denen aber auch die Sterbe- wie die Geburtenraten besonders hoch sind… Der Anteil der Paare, die zeitliche Folge und Zahl ihrer Kinder planen, liegt verständlicherweise in den Industriestaaten am höchsten. Er betrug bereits um 1970 etwa 60 Prozent und stieg seither noch auf rund 70 Prozent… Soll die Baby-Bremse wirklich greifen, erklärt Dorothy Nortman, muß allerdings neben der Kontrazeption die Abtreibung freigegeben werden. Denn von jeweils 100 Paaren, die relativ zuverlässige Verhütungsmittel wie Pessar oder Kondom benutzen, müssen 80 mit einer ungewollten Schwangerschaft rechnen; bei denen, die eine der heute sichersten Methoden — Pille oder Intrauterinpessar — anwenden, summiert sich das geringe Restrisiko, über ihre Lebenszeit gerechnet, auf immerhin noch 30 ungewollte Schwangerschaften je 100 Paare.« (DER SPIEGEL 37/1977)

Die Geschichte der Diskriminierung und Unterdrückung der Frau

Der Kampf gegen die Selbstbestimmung der Frau

Im Matriarchat bestimmten die Frauen selbstverständlich selbst über ihren Körper und ihre Sexualität. Sie kannten Mittel der Verhütung und Abtreibung unerwünschter Schwangerschaften und regelten so den Zeitpunkt und die Anzahl der erwünschten Kinder, für die sie sorgen konnten. Seit den Eroberungen und der Machtnahme der Indo-Europäer erlauben sich patriarchale Männer – heute weltweit – Gesetze zu erlassen, die den Frauen das Recht absprechen, selbst über ihren Körper und ihre Fähigkeit der Reproduktion‹ zu bestimmen. Frauen wurden entmündigt, haben keinen oder kaum Einfluss auf die patriarchalen Gesetze, sie sind lediglich da, den Interessen patriarchaler Männer zu dienen, denen es ausschliesslich um Macht geht. Als »Ursprung der Macht begriff man ehemals die Geburt, also die Macht der Mutter über ihr Kind«, schreibt der italienische Historiker Roberto Zapperi (1984).
Neben patriarchalen Herrschern waren es die patriarchalen Priesterkasten, die begannen die Frauen zu bevormunden. Selbstherrlich lamentier(t)en sie regelmässig gegen Abtreibung, droh(t)en den Frauen mit Hölle, Teufel und sogar mit dem Tod. Griechische Philosophen gingen noch einen Schritt weiter:

»Mit dem Aufstieg der patriarchalen Religionen – vor allem unter den Griechen – entwickelte sich der Glaube, dass der väterliche Samen dem Fötus die Seele verleiht. Die Männer waren überzeugt, das Sperma sei eine Erweiterung der männlichen Seele und sie befürchteten, dass mit der Abtreibung ein Teil ihrer selbst zerstört würde.« (Barbara G. Walker 1993, S. 7)

Aristoteles gehört zu den Missgünstigen, er schreibt der Mutter lediglich die Lieferung des körperlichen Aufbaustoffes zu und meint: »Der Mann ist infolge seiner ›Samkraft‹ der Kreator des Leibes« und, was für die Auslegung der Texte Thomas von Aquins (1224–1274) wichtig wird, auch der Seele. Es war eine logische Fortführung dieser Meinung, dass die Seele des Fötus vom Mann kommt und Abtreibung durch patriarchale Gesetze bestraft werden muss, weil sie in der magischen Vorstellung für die Männer gefährlich sind.« (Zur ›Geschichte der Abtreibung‹ s. die ausführliche Dokumentation im Wikipedia)
Seit patriarchale Philosophen religiöse Moralisten
und Kleriker davon ausgehen, der Embryo sei durch das Spermium des Mannes ›beseelt‹, behaupten sie, Abtreibung sei Mord. Hingegen scheinen weder die griechischen Philosophen noch katholische Priester moralische Bedenken oder Hemmungen zu haben, die Seele, insbesondere von kleinen Knaben schwer und nachhaltig durch sexuelle Gewalt zu verletzen; s

Wann ist ein Mensch ein Mensch?

»Ein drei Tage alter menschlicher Embryo ist eine Blastozyste, eine Ansammlung von hundertfünfzig Zellen. Ordnungshalber sei gesagt, dass das Gehirn der Fliege aus über hunderttausend Zellen besteht… Aber lass uns einmal annehmen, dass jeder drei Tage alte menschliche Embryo eine Seele besäße, der unsere moralischen Bedenken gelten müssten. Embryonen teilen sich in diesem Stadium gelegentlich zu einzelnen Individuen (identische Zwillinge). Teilt sich in diesem Fall eine einzelne Seele zu zwei Seelen?… Die naive Vorstellung von Seelen, die in einer Petrischale schwimmen, ist intellektuell schlicht unhaltbar. Aber sie ist auch moralisch unhaltbar, wenn man bedenkt, dass sie inzwischen einem der vielversprechendsten Forschungsbereiche in der Medizingeschichte im Wege steht… Die moralische Wahrheit liegt offen zutage: Wer findet, dass die Interessen einer Blastozyste die Interessen eines Kindes mit einer Wirbelsäulenverletzung überwiegen, der hat sich seinen Sinn für Moral von religiöser Metaphysik trüben lassen. Der Zusammenhang zwischen Religion und ›Moral‹ – der so unentwegt proklamiert und so selten demonstriert wird – wurde somit als eine Schimäre enttarnt, die überall dort auftritt, wo ein Glaubensdogma moralisch-logisches Denken und aufrichtiges Mitgefühl verdrängt.« (Sam Harris 2008)
Sogenannte ›LebenschützerInnen‹ wollen Frauen zum Gebären zwingen – ›im Namen Gottes‹. Sie  diffamieren, kriminalisieren, stigmatisieren Frauen mit unglaublichen Vorwürfen und schlimmsten Drohungen, schüchtern sie ein und
demütigen sie mit unhaltbaren Vergleichen. Kirchenangehörige und Gläubige betätigen sich als Rufmörder und Hassprediger, wie etwa der deutsche Kardinal Meisner, der Abtreibung mit den Verbrechen der Massenmörder Hitler und Stalin vergleicht. Kardinal Walter Mixa, gegen den laut einem Medienbericht die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch eingeleitet hat (›Missbrauchsvorwürfe gegen Bischof Mixa‹ NZZ 7.5.2010) verhöhnte Frauen als ›Gebärmaschinen‹; Erzbischof Johannes Dyba bezeichnete Abtreibung als ›Kinder-Holocaust‹. »Das sind keine vereinzelten Entgleisungen unbelehrbarer Kirchenmänner. Es ist Ausdruck der offiziellen Haltung des Vatikans, in dem die ultrakonservativen Kräfte immer noch genauso lebendig sind wie im Mittelalter.« (›Chronik eines Skandals‹ Brigitte 20.10.2009) Wahrscheinlich wünschen sich Kirchenmänner, assyrische Gesetze zurück, welche die Abtreibung zum ersten Mal erwähnen: Frauen wurden dafür mit dem Tode bestraft!

Sexueller Missbrauch ist Seelenmord

Christliche Eunuchen spielen sich als ›Fachmänner‹ in Sachen Biologie, Sexualität, Gynäkologie und allen Frauen- und Famielenfragen‹ auf. In Sachen männliche Sexualität sind sie aber offenbar nicht auf dem Laufenden. Wie wäre es sonst möglich, dass sie die Verbrechen in den eigenen Reihen, die an Kindern begangen wurden, nicht bemerkt oder wahrgenommen haben, nicht dagegen angegangen sind, nicht gesehen haben wollen, wieviel sexuelle Perversität es gerade unter den schein-heiligen Klerikern und in der Familie gibt? 

In Deutschland spricht der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig von 100’000 Fällen pro Jahr (2013)! Gesamthaft gibt es da schätzungsweise 9 Millionen dauerhaft geschädigte Seelen sexueller Gewalt.

Nachdem an einer Pressekonferenz zur Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche in Fulda vom 25.9.2018 über den Missbrauch im Zeitraum von 1946 bis 2014 sexuelle Vergehen an 3677 überwiegend männlichen Minderjährigen durch 1670 Priester informiert wurde, die ›nur die Spitze des Eisbergs‹ seien, hätte man erwarten dürfen, die Herren Kleriker würden angesichts der Verbrechen tausender Kirchenmänner in der ganzen katholisch dominierten Welt die zehntausenden Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt angetan hatten, weniger selbstherrliche Arroganz an den Tag legen und etwas leiser in ihrer Verurteilung der Frauen geworden sein. Aber man täuschte sich. Während Papst Franziskus Ende August im einst streng katholischen Irland noch bat: »Wir bitten um Entschuldigung für die Misshandlungen in Irland, den Missbrauch von Macht und Vertrauen, sexuellen Missbrauch durch offizielle Mitglieder der Kirche«, verurteilte Franziskus kaum ein paar Tage nach der Pressekonferenz (am 10.10.18) Abtreibungen und damit die betroffenen Frauen aufs gröbste mit den Worten: »Einen Menschen zu beseitigen, ist wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein kleines Problem zu lösen.« Der Papst hat offensichtlich vergessen, dass die Kirche immer auf der Seite der staatlichen Auftragsmörder gestanden hat, die Berufsmörder ausbilden, Soldaten, die gegen Sold nicht nur andere Soldaten im Namen Gottes umbringen, sondern auch in Kauf nehmen, dass Geborene: Frauen, Männer, Kinder und Säuglinge getötet werden.
Auch ist es für den Papst offensichtlich einfacher, die Frauen als Mörderinnen zu diffamieren, als den Verbrechen der pädokriminellen Männer in den eigenen Reihen Einhalt zu gebieten, welche die Seelen Tausender Kinder durch sexuelle Gewalt mordeten. Anlässlich der Pressekonferenz zur Untersuchung dieser Gewalt sagte Kardinal Marx zu Recht beschämt über den Vertuschungsskandal zum Schutz der Täter und der Kirche: »Wir haben den Opfern nicht zugehört.« Die Kirchenmänner haben auch den Frauen nie zugehört. Sie wissen nichts von der Not einer Frau, die unerwünscht schwanger wurde – , wissen nichts von der Gewalt, der Verachtung, der unmenschlichen Behandlung der Frauen durch das Patriarchat, den patriarchalen Klerus, wissen nicht was ihnen durch das Schweigegebot angetan wurde. Auch das ist beschämend und arrogant. Und was tut die Kirche um die Sorgen jener Frauen zu lindern, ihnen das Leben zu erleichtern, die ihr Kind trotz Armut und Not zur Welt bringen? NICHTS!

Frauen, die sich nicht nach den patriarchalen Dogmen asketischer Eunuchen richten und Sexualität in Freiheit leben, sind für die Kirche bekanntlich Sünderinnen. Nachdem der weltfremde Papst Verhütungsmittel, Kondome und die Anti-Baby-Pille verboten hatte, um damit den Frauen so viele Schwangerschaften und Geburten wie möglich abzuringen – sollen jene KatholikInnen, die keine Kinder zeugen wollen, sexuell abstinent leben. Selber schuld – wer sich nicht an die Dogmen der Kirche hält, muss eben die Konsequenzen einer unerwünschten Schwangerschaft eines ungeliebten Kindes austragen, und das tun bekanntlich Frauen, nicht Männer!

Der biblische Gott flucht gebärenden Frauen

Der frauenfeindliche, von Gebärneid getriebene, patriarchale Gott fluchte den Frauen indem er zum Weibe sprach: »Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.« (1. Mose 3, 16).