›Der Mythos vom Matriarchat‹, der kein Mythos ist

Aus dem Inhalt:

  • ›Der Mythos vom Matriarchat‹, der kein Mythos ist
  • Die Stellung der Großen Göttin und der Frau im Matriarchat
  • Aus den religiösen Symbolen des altsteinzeitlichen Matriarchats
    entwickelten sich die Schriftzeichen des Neolithikums
  • Nachhaltige Kulturleistungen sind nur in Zeiten des Friedens möglich
  • Die Katastrophe kam vor 5500 Jahren aus dem Norden
  • Der Einfall indoeuropäisch/arischer Kriegerhorden: Die ›Sumerer‹
  • Die Invasoren begründen die ersten männlichen Königsdynastien Mesopotamiens –
    analog zur Dynastien-Gründung in Ägypten
  • Die Stellung der Frauen verschlechterte sich zunehmend
  • ›Amargi‹ – Der Schrei nach Freiheit
  • Der biblische Garten Eden lag im babylonischen Mesopotamien,
    in den von den Indo-Europäern unterworfenen einstigen Matriarchaten
  • Die Große Göttin des Matriarchats wird nach der Eroberung Kanaans allmählich eliminiert
  • Wahrzeichen der matriarchalen Zeit sind Frieden und Prosperität
  • Fazit

›Der Mythos vom Matriarchat‹, der kein Mythos ist

Der Titel des Buches des Rechtshistorikers Uwe Wesel ›Der Mythos vom Matriarchat‹ ist irreführend.
Denn er schreibt:

›Es waren »segmentäre Gesellschaften, ohne Herrschaft und ohne Staat,
die im wahren Sinn des Wortes egalitär gewesen sind, in denen Egalität
nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen meinte. In ihnen standen
die Frauen sogar im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Ordnung:
durch Matrilinearität und Matrifokalität‹.

(Uwe Wesel ›Der Mythos vom Matriarchat‹ 1980, S. 144)

Wesel gestand zu dieser Zeit den Ur-Gesellschaften lediglich Matrilinearität und Matrifokalität, doch noch keine soziale, wirtschaftliche und politische Macht zu. Doch erfreulicherweise lernte Wesel dazu; 30 Jahre später schreibt er:

›Das Matriarchat ist ein erstes Kapitel der Kulturgeschichte, das sich bei allen
Völkern vor dem Übergang zum Patriarchat findet. Das Patriarchat hat diese
Phase nur verdeckt und vergessen gemacht, ganz so, als wäre die
patriarchalische Familie der Ursprung aller Gesellschaft.‹
(Uwe Wesel ›Im Reich der Mütter‹ Zeit online 2011/19)

Der irreführende Titel seines Buches geht wohl auf Wesels kritische Auseinandersetzung mit Bachofens Lehre vom Matriarchat zurück, die heute tatsächlich zum Teil ein Mythos und überholt ist (J.J. Bachofen ›Das Mutterrecht‹ 1975/1861). Zum Beispiel meinte Bachofen noch, »die Menschheit habe zunächst unter der Herrschaft des weiblich-stofflichen Prinzips gelebt, das dann – Gott sei Dank, daran lässt der Autor keinen Zweifel – durch das männlich-geistige überwunden und abgelöst wurde. An die Stelle der weiblichen Herrschaft sei allmählich die Herrschaft der Männer getreten, triumphal schließlich in der späten Zeit, mit der »römischen Paternität«, der unumschränkten Herrschaft des Vaters über seine Familie, und der Staatsidee der Römer, ihr männliches »Imperium«. (Wesel ibd.) Wesel zollt dem Basler Pionier der Matriarchatsforschung jedoch auch Anerkennung und Respekt für seine Leistung. Er schreibt, »Bachofen hat eine große Entdeckung gemacht:

»Die Herrschaft des Mannes über die Familie ist nicht gottgegeben«,

und die Familie hat eine Geschichte. Er ist der Gründer der Familienforschung, sein Mutterrechtsbuch blieb bis heute im Gespräch, stets mit viel Zustimmung oder Ablehnung zitiert. Ablehnung durch Historiker, Ethnologen und Juristen, Zustimmung bei Psychologen, Dichtern und Philosophen – von Freud über Rilke und Thomas Mann bis zu Max Horkheimer. Vernichtende Kritik kam allerdings von Ernst Bloch, der meinte, die Geschichte werde durch solch romantische Weibszentrierungen erotisiert.« Immer haben patriarchale Männer Angst vor der weiblichen Erotik! Auch – und vielleicht besonders Männer des jüdischen ›Ur-Patriarchats‹, zu dem auch Ernst Bloch gehört.
Die historische Tatsache des Matriarchats wird von breiten Teilen patriarchaler Männer und Frauen entweder völlig abgelehnt oder man propagiert die Überzeugung, es könne sich dabei nur um eine primitive, bösartige, männerfeindliche ›Weiber-HERR-schaft‹ gehandelt haben – um eine Analogie zum heutigen Patriarchat – sozusagen um die weibliche Ausgabe einer ausbeuterischen und totalitären Unterdrückungsgesellschaft. Diese Auslegung des Begriffs Matriarchat ist effektiv kein Mythos, sondern ein Irrtum, das gab es tatsächlich nie. Jedoch fördert der Buchtitel:›Der Mythos vom Matriarchat‹– weniger der Inhalt – das Vorurteil der Matriarchats-BekämpferInnen, denen allein der Titel genügt, um sich zu bestätigen, dass das Matriarchat ein Mythos sei. Doch seit Bestehen der Menschheit, sind es die Mütter, die für den Fortbestand der Menschheit sorgen. Sie sind nun mal die – oft beneideten und noch öfter diffamierten – Gebärerinnen, Ernährerinnen und Hüterinnen der Kinder, sowohl der weiblichen als auch der männlichen, die sie unter normalen Umständen lieben und um die sie sich kümmern. Das tun auch Säugetier-Mütter, die in Freiheit leben; Freiheit ist eine wichtige Voraussetzung für eine glückliche Gesellschaft. Mütter haben aus diesem Grund eine natürliche und akzeptierte Autorität, die auf Liebe, Bindung, Anerkennung und Respekt beruht und keineswegs repressiv oder herrsch-süchtig ist. Da die damaligen Liebhaber der Frauen – ihre Sexualpartner und die unbekannten Väter ihrer Kinder – nicht zusammen mit den Frauen im Mutterclan lebten und so die wichtige symbiotische Phase zwischen Mutter und Kleinkind, beispielsweise durch eifersüchtige Ansprüche des Partners, nicht gestört wurde, gab es logischerweise keinen Anlass und keine Möglichkeit, Männer oder Frauen zu unterdrücken. Männer und Frauen waren gleichberechtigt und frei. Frauen haben im Patriarchat, vor allem aufgrund der rigiden Patrilokalität, die sie von  ihrer Ursprungsfamilie und deren Geborgenheit und Schutz trennt, nicht mehr die Freiheit über sich und ihren Körper selbst zu bestimmen. Im Patriarchat wird die Frau zum Objekt, zum Besitz, erst des Vaters und ihrer Brüder, später ihres Mannes. Der patriarchale Zwang zu unerwünschten Schwangerschaften tut den Frauen­ und den unerwünschten und deshalb oft ungeliebten und vernachlässigten Kindern Gewalt an, was sich später in Sucht, Depression, Gewalt oder einfach asozialem Verhalten äußert. All das will die patriarchale Wissenschaft nicht sehen.

Die Arbeit von Ernest Borneman, seine Erforschung des griechischen und römischen Patriarchats, ist sehr hilfreich, wenn es darum geht, Zeugnisse aus den schriftlich festgehaltenen Tatsachen, zu Rate zu ziehen, wenn solche aus dem schriftlosen Neolithikum bestritten, als nicht zuverlässig oder als ›nicht wissenschaftlich‹ abgewertet werden. Er schreibt beispielsweise zum Übergang der matrilinearen zu den patrilinearen Sippen:

»Die bürgerliche Altertumswissenschaft hat immer wieder versucht,
sich dem überwältigenden Gewicht der kaum bestreitbaren Fakten zu entziehen,
indem sie die Bedeutung matrilinearer Sippen in der griechischen Geschichte
herabzusetzen gesucht hat.

Anfangs hieß es, die These matrilinearer Sippen- und Stammesverbände sei ein Hirngespinst, später beschränkte man sich darauf, zu bestreiten, dass es bei den Griechen jemals solche Organisationsformen gegeben habe. Aber auch das brach zusammen, als George Thomson, damals Professor für Altertumswissenschaften an der Universität Birmingham und Fellow vom Kings’s College, Oxford, den unwiderlegbaren Beweis des matrilinearen Ursprungs der gene, der griechischen Sippen, erbrachte… Alles was mit der Sippe, der Bruderschaft und dem Stamm zusammenhängt, bezeichnet sowohl bei den Griechen wie bei den Römern nicht etwa organisatorische, verwaltungstechnische Einheiten, sondern blutsverwandtschaftliche Grade, ursprünglich in mütterlicher, später in väterlicher Abstammungsfolge.« (Ernest Borneman ›Das Patriarchat‹ 1979, S. 124)

Die ursprünglichste Gesellschaft beschränkte sich nicht auf Matrilinearität (»die Weitergabe und Vererbung von sozialen Eigenschaften und Besitz ausschließlich über die weibliche Linie von Müttern an Töchter« Wikipedia) und Matrilokalität (das Verbleiben aller Mitglieder des Blutclans bei der Mutter). Frauen hatten effektiv Macht und Einfluss auf das, was wir heute Politik nennen; die Urvölker waren echt und in vollem Umfang matriarchal. Daran kann es gar keinen Zweifel mehr geben. Der beste Beweis ihrer Macht war: Frauen duldeten keine Gewalt und keinen Krieg. Dass Frauen einmal Macht hatten, dass ihre Kultur prosperierte, dass Männer im Matriarchat stark und mutig waren, die Frauen unterstützten und dass sie keine Kriege führten, missfällt Phallokraten und Militaristen, sie mögen die Tatsache nicht und leugnen sie.

Die Stellung der Großen Göttin und der Frau im Matriarchat

Patriarchale Gott-gläubige Frauen und Männer fordern Zeugnisse, Beweise für die einstige matriarchale Gesellschaftsform und die Verehrung der Großen Göttin, obwohl sie selbst keinen einzigen Beweis für die Existenz des von ihnen verehrten Gottes haben. »Zwar werden Ursache und Wirkung zwischen der matrilinearen Abstammung, der hohen Stellung der Frauen und der Verehrung der Göttin oft verwechselt, aber dass die Religion der Göttin und ein weibliches Verwandtschaftswesen in vielen Teilen des Nahen Ostens eng verflochten waren, ist angesichts der immer wiederkehrenden Zeugnisse unübersehbar. Ein Großteil der Daten bezieht sich dabei auf die Königshäuser, dennoch gibt es genügend Hinweise darauf, dass die matrilinearen Bräuche in vielen Gebieten auch von der allgemeinen Bevölkerung gepflegt wurden. Wenn wir den Übergang von der Religion der Göttin zur Verehrung einer männlichen höchsten Gottheit und die entsprechenden Wirkungen auf die Stellung der Frauen betrachten, werden bestimmte Muster deutlich.« (Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war – Die Geschichte der Ur-Religionen unserer Kulturen‹ S. 96)
Der britische Assyriologe Henry W. F. Saggs untersuchte die Stellung der Frau in Sumer zwischen 3000 und 1800, also nach der frühen Invasion der Indo-Europäer und dem Einsatz der von ihren Priesterkasten erfundenen ersten männlichen Götter. Saggs, der auch Theologie studiert hatte, stellte weltoffen fest:

»Der Status der Frau war im frühen sumerischen Stadtstaat
sicherlich viel höher als in späterer Zeit…

…Es gibt Hinweise darauf, dass die Frauen in den Anfängen der sumerischen Gesellschaft [noch] einen viel höheren Status hatten als in der Blütezeit der sumerischen Kultur: Dies ergibt sich hauptsächlich aus der Tatsache, dass in der frühen sumerischen Religion eine hervorragende Stellung von Göttinnen eingenommen wurde, die später so gut wie verschwanden, wenn sie nicht zu Gattinnen bestimmter Götter wurden. Nur Ishtar bildet dabei eine Ausnahme. Selbst die Unterwelt stand unter der alleinigen Herrschaft einer Göttin, denn ein Mythos erklärt, wie sie schließlich, einen Gemahl nahm. Auch spielten Göttinnen eine Rolle in der göttlichen Ratsversammlung der Mythen. Es gibt sogar einen deutlichen Hinweis darauf, dass zu einer bestimmten Zeit auch Polyandrie praktiziert wurde, denn die Urukaginareformen erwähnen Frauen, die mehr als einen Gatten genommen hatten. Einige Forscher schreckten vor dieser Schlussfolgerung zurück, sie vermuteten, dass nur auf die Wiederverheiratung einer Witwe Bezug genommen wurde, aber der Wortlaut des sumerischen Textes unterstützt diese Ansicht nicht.« (Saggs zit. von Merlin Stone 1988, S. 72)
Wie sehr wir patriarchal geprägt sind, zeigt die erschreckte Reaktion der von Saggs erwähnten Forschung. Obwohl rein biologisch gesehen die Frau ungleich besser für Sexualität mit mehr als einem Partner ausgestattet ist, als ein Mann mit seiner fragilen Potenz für mehrere Frauen! Erst im Patriarchat wurde die Frau zum sexuellen Objekt und zum domestizierten und alleinigen Besitz des Mannes.
König Uruka­gina be­endet mit der Beseitigung der Polyandrie (Vielmännerei) den Zu­stand des Matriar­chats, und die Stel­lung der Frau verschlechtert sich zu­sehends (Reallexikon der Assyriologie‹, ›Frau‹). Frauen, die zwei Männer nahmen, wurden zu To­de ge­steinigt und jenen, die zu einem Mann Worte sagten, die sie nicht sagen sollten, die Zähne herausgeschlagen (Kramer  ›The Sumerians1963, S. 83).

Aus den religiösen Symbolen des altsteinzeitlichen Matriarchats
entwickelten sich die Schriftzeichen des Neolithikums

Die Kunstfertigkeit im Matriarchat hatte ein später nie mehr erreichtes unübertroffenes Niveau. Ägypten, Nubien, Mesopotamien, der Iran, Elam und das Industal hinterließen eine frühe Töpferkunst von seltener Qualität und Schönheit. Der Orientalist Carel J. Du Ry schreibt: »Die Verzierungen auf Ton waren die Vorläufer der ältesten Bilderschrift. Schon bald entstanden hieraus die ersten Schriftzeichen« (›Völker des Alten Orient‹ in ›Enzyklopädie der Weltkunst‹ 1977, S. 289). Die Keramik, die Symbole und die Erfindung der Schrift sind Zeugnisse der außergewöhnlichen Kreativität der Menschen im Matriarchat.
Die ersten Schriftgelehrten waren Frauen. So war beispielsweise die erste Abbildung eines Schreibers auf der Narmer-Pakettr eine Frau. »Die amtliche Schreiberin im sumerischen Himmel war ebenfalls eine Frau. Am bedeutsamsten waren die archäologischen Beweise der frühesten Beispiele geschriebener Sprache, die man bis 1988 entdeckt hat. Auch sie stammen aus Sumer, aus dem Tempel der Himmelskönigin in Erech, sie wurden vor mehr als fünftausend Jahren geschrieben. Meistens hört man, dass der Mensch die Schrift erfunden hat, aber aus der Gemeinsamkeit der Hinweise ergibt sich mit großer Wahrscheinlichkeit die Folgerung, dass es vielleicht wirklich Frauen waren, die diese ersten bedeutungsvollen Zeichen in den feuchten Ton drückten.« (Stone 1988, S. 28) Seit Merlin Stones Buch ›Als Gott eine Frau war‹ (1976 in englischer, 1988 in deutscher Sprache) hat die Forschung weitere Fortschritte gemacht. So berichtet die eminente Archäologin Marija Gimbutas, dass auch in Alteuropa Schriftzeichen erfunden wurden, nur sind sie schon viel früher belegt. »Die Sumerer gelten im allgemeinen zwar als die Erfinder der Schriftsprache, aber in Ostmitteleuropa entwickelte sich eine Schrift, die etwa zweitausend Jahre früher entstanden ist als alle bisher bekannten Schriften… Dass vor mehr als achttausend Jahren bereits eine Schrift erfunden wurde, erschien bisher so undenkbar, dass die Möglichkeit gar nicht in Erwägung gezogen und den Beweisen für ihre Existenz kaum Beachtung geschenkt wurde… Bei dieser Schrift des Alten Europa handelt es sich zweifellos nicht um eine indoeuropäische Schrift, ebenso wenig wie bei den kretischen Hieroglyphen, der Linear A und der kyprominoischen Schrift.« (Marija Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. 308) (s. auch ›Symbole schreiben Urgeschichte‹)
Als Erfinder der Schrift werden sowohl die Sumerer als auch die Ägypter genannt. Doch, wer immer von der Wissenschaft als ihre Urheber und damit als ›Schöpfer der Hochkulturen‹ gehalten wird, die Erfindung der Symbole und der Bilderschrift sind Meisterleistungen des Matriarchats und bestanden schon längst als patriarchale Indo-Europäer mit Eroberungen und Kriegen vor 5500 Jahren begannen Alt-Europa, Mesopotamien und Ägypten zu überfallen. Eroberungen und Kriege haben noch nie eine Kultur geschaffen, sondern die bestehenden Kulturgüter zerstört (s. in den letzten Jahren im Irak und Syrien). Die Wissenschaftler machten die Sumerer irrtümlich zu ›Kulturbringern‹ – wie sollten denn unzivilisierte Hirtennomaden große Kulturen geschaffen haben? Sie schufen auch keine ›blühende Kultur‹, wie viele glauben, sondern zerstörten jene der indigenen Völker, die viele Jahrtausende vor den Eroberungen der Arier blühten. Alle wirklichen Kulturen, friedliche, menschliche, zivilisierte Lebensgemeinschaften waren matriarchal; sie entstanden an den großen Flüssen: am Nil, am Euphrat und Tigris und im Industal. (s. auch ›Das matriarchale Königinnentum Ägyptens‹)

Nachhaltige Kulturleistungen sind nur in Zeiten des Friedens möglich

Die neolithischen Siedlungen, von denen uns die meisten Funde zugänglich sind, besaßen keine Waffen, keine Mauern und keine Verteidigungsanlagen. Archäologische Zeugnisse bestätigen, dass die ältesten mesopotamischen Städte nachweisbar nicht durch Mauern geschützt waren. Was der Archäo­loge Le­onard Woolley feststell­te, ist für den ganzen Vorderen Orient charakteristisch, er schreibt:

»Seltsamerweise gab es nie irgend­welche Waf­fen, man fand in keiner der alten Städte
des Nahen Ostens ir­gendein Anzeichen für menschlichen Streit oder mensch­li­che
Gewalt­tätigkeiten«.

Die Katastrophe kam vor 5500 aus dem Norden mit dem Einfall indoeuropäisch/arischer Kriegerhorden

Der ganze Osten war in Aufruhr. Die Städte und Siedlungen der friedlichen matriarchalen Völker waren unbewaffnet und unbefestigt und wurden zu einer leichten Beute der Eroberer, den kriegerischen Indo-Europäer/Ariern aus dem Norden. Der amerikanische Sumerologe Samuel Noah Kramer stellte in seinem bekanntesten Werk ›Die Geschichte beginnt mit Sumer‹ 1959 fest, dass in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends primitive ›sumerische‹ Kriegerhorden in Mesopotamien einfielen. Sie unterwarfen die ältere Bevölkerung, deren »Kultur weit fortgeschrittener war, als die der Sumerer« (Kramer ibd. S. 163).
Und der britische, vorderaisatische Archäologe Max E.L. Mallowan, bekannt wegen seiner Heirat mit Agatha Christie, wies nach, dass verursacht durch die Invasion der ›Sumerer‹ die im Norden Mesopotamiens gelegene neolithische »Halaf-Periode mit einer gewaltsamen Zerstörung der Siedlungen endete« (Sibylle von Reden ›Ugarit und seine Welt‹ 1992, S. 40). Dem Einmarsch der ›Sumerer‹ folgte eine »Zeit der Stagnation, des Rückschrittes und des Zusammenbruchs der früheren fort­geschritteneren Kultur« (Kramer ibd. S. 163).

»In diesen Jahrhunderten, die in dem sumerischen Heldenzeitalter gipfelten,
waren es die kul­turell unrei­fen und psy­chologisch unstabilen sumerischen
Kriegsher­ren mit ih­rer indivi­dualistischen und raubgierigen Veranlagung,
welche die geplünderten Städte und niederge­brannten Dörfer des besieg­ten
mesopotamischen Reiches beherrschten«
(Kramer 1959, S. 166).

Die Invasoren begründeten die ersten männlichen Königsdynastien
in Mesopotamiens und in Ägypten etwa gleichzeitig

Die Wissenschaftler schreiben den indoeuropäischen Eroberern, die sich zu Herren Mesopotamiens und Ägyptens machten – deren Anführer sich zu den despotischen Königen dieser Länder aufschwangen –, die Schaffung von ›Hochkulturen‹ zu. Natürlich haben etliche Forscher zwar von den kriegerischen Indo-Europäern gehört, erkennen aber nicht ihre Rolle in den unbeschreiblich grausamen Umbrüchen in den beiden Staaten ab der Mitte des 4. Jahrtausends. Sie müssten wissen, was die Geschichte immer wieder gezeigt hat: Eroberer schaffen keine Kultur; im Gegenteil sie zerstören Kultur und bringen höchstens kriegerische, hierarchisch abgestufte, militaristische, tyrannische Dikaturen, ›Un-Kulturen‹, hervor.
Die Darstellung von gefesselten Gefangenen und bewaffneten Männern (in Susa und Uruk) bezeugen die Katastrophe.  Die Gewaltszenen, die P. Amiet 1980 (La glyptique mésopotamienne archaique‹) veröffentlichte, zeugen vom brutalen Umbruch ins Patriarchat: (s. ›Die Eroberer aus dem Norden‹). Die wiederholte Abbildung eines Indo-Europäers, eines bärtigen Mannes in langem Mantel mit Bart und einer ausgeprägten Kopfbedeckung, der die gewalttätigen Aktionen begleitet und überwacht, zeigt offensichtlich seine männlich dominierte Autorität. In Ägypten kennen wir ihn von den kämpferischen Geschehnissen auf dem Messer von Gebel el-Arak. Interessanterweise sehen wir diesen bärtigen Indo-Europäer mit Breitrandkappe noch mehr als 1000 Jahre später, im 17. Jahrhundert v.u.Z. auf  einer babylonischen Terrakottaplatte. Die als ›guter Hirte‹ bekannte Figur, hat ein sogenanntes Sühnezicklein auf dem Arm, ein Motiv, das wir aus der Bibel kennen (s. Sammlung Bibel + Orient der Universität Fribourg). Ein eindeutiger Hinweis auf die Herkunft der indoeuropäischen Schafhirten. Sie wurden zu den Religionsstiftern des Patriarchats und den Erfindern der ersten männlichen Götter!
In der Geschichte des Altertums hören wir immer wieder von Über­fäl­len der indoeuropäischen Berg- und Steppen-No­ma­den auf die friedlichen Stadt- und Bauernge­meinden im Süden. Sie er­obern diese Gebiete und set­zen sich als fremde Herr­scher über die unter­worfenen Völker. Der Altorien­talist Manfried Dietrich bemerkt, es sei eine »schlichte Tatsache, dass die Basis für die Herr­schaftsstruktur und das hierarchische System des Alten Orients laut schriftlicher Aussagen und archäo­lo­gischer Rekonstruktio­nen En­de des 4. und An­fang des 3. Jahrtausends in der Städtekultur Südme­sopo­tamiens liegt« (Manfried Dietrich in: Schmitz Bettina/ Steffgen Ute (Hrsg.) ›Waren sie nur schön?‹ 1989, S. 131).

Die Stellung der Frauen verschlechterte sich zunehmend

W. Boscawen berichtete in ›Egypt and Chaldea‹: »Die Freiheit, die den Frauen in Babylonien gewährt [sic!] wurde, erlaubte es ihnen ihren eigenen Landbesitz zu halten und zu verwalten, und das war vor allem der Fall bei den Priesterinnen des Tempels, die einen ausgedehnten Handel trieben.« Dies zeugt von einem Volk, das  noch das ursprüngliche Gesetz der matriarchalen Abstammung bewahren konnte. »Eines der interessantesten und charakteristischsten Merkmale der frühen Zivilisation der südmesopotamischen Babylonier war die hohe Position der Frauen«, schreibt Merlin Stone (›Als Gott eine Frau war‹1988. S. 76-78 passim). »Die Mutter wird hier immer durch ein Zeichen dargestellt, welches ›Göttin des Hauses‹ bedeutet. Jegliche Zurückweisung der Mutter wurde durch Verbannung aus der Gemeinschaft bestraft.« Während die Frauen in babylonischer Zeit noch Handel trieben und sich scheiden lassen konnten – kurz noch immer Menschenrechte hatten, die aus der matriarchalen Epoche stammten – wurden diese mit der zunehmenden Patriarchalisierung massiv beschnitten. Nach und nach verloren die Frauen an Freiheit und Macht, »und dieser Verlust ging Hand in Hand mit der steigenden Rangstellung von männlichen Gottheiten wie Marduk, der im Mythos die Schöpfergöttin Tiamat ermordete, um ihre Position zu erobern.« [Marduk wurde von Sidney Smith als eine Form von Asar/Ashur/Osiris identifiziert, JEA 8, 1922, S. 42-44, und Griffiths LÄ, IV, S. 624].
»In den Gesetzen des späteren Babylonien, die aus der Zeit um das Jahr 1000 stammen, wird festgelegt, dass eine verheiratete Frau keine Geschäfte mehr betreiben durfte, wenn sie nicht von ihrem Gatten Sohn oder Schwager geleitet wurden. Wenn jemand in eine Geschäftsbeziehung mit ihr trat, musste er als Krimineller behandelt werden, selbst wenn er darauf beharrte, dass er von ihrer Ehe nichts wusste.« (Stone ibd. S 78)

 ›Amargi‹ – Der Schrei nach Freiheit

Auf einem Dokument aus dem sumerischen Lagash findet sich zum er­sten Mal in der Ge­schichte der Menschheit das Wort für Freiheit: ›amargi‹. Die wörtliche Überset­zung von amargi heißt sinni­ger­weise ›zurück zur Mutter‹ (Kramer ibd. S. 79) und dürfte die Sehnsucht der Menschen nach dem alten Mutterrecht ausdrücken, das sie in Freiheit und Würde leben ließ. Nachdem die Welt buch­stäblich auf den Kopf gestellt worden war, verteufelte man das Weibliche zum ›Chaos‹ – eine Bezeichnung für die uterine Urmutterflüssigkeit der kosmischen Göttin – zur Anarchie und Unordnung, während man für das Männliche die sogenannte ›Ordnung‹ reklamierte. Das arabische Wort für ›Freiheit‹. al-hurriya, ist bis auf den heutigen Tag in der arabischen Welt ein Synonym für Unordnung. Nicht das immer wieder von patriarchalen Wissenschaftlern und Klerikern beschworene ›Chaos‹ des Matriarchats entsprach den Tatsachen: »Gute gesetzliche Ordnung, Besonnenheit und Frieden bildete den hervorragenden Charakterzug der von Weibern regierten Staaten.« (Bachofen 1975, S. 286)
Der patriarchale Ari-stoteles meinte, »Ausschweifungen und übermäßiger Luxus führen zu ›Weiberherrschaft‹, verweichlichen die Männer, führen zum Übermut der Frauen. Von Tyrannen würde diese Gynaikokratie sogar noch begünstigt, das erleichtere ihnen das Geschäft«. (Pol. 1313)

 

 Wahrzeichen der matriarchalen Zeit waren Frieden und Prosperität

Bis vor 5500 Jahren gab es keine Kriege,
trotz allen widersprechenden Behauptungen.

Kriege werden seit 5500 Jahren – mit oder ohne ›göttlichen Auftrag‹ – unaufhörlich geführt; sie sind der Fluch des Patriarchats, das seit 5500 Jahren die Welt mit eiserner Faust im Griff des Unglücks, des Verderbens und des Todes hält. (s. Die patriarchale Lüge vom Krieg, den es ›schon-immer‹ gegeben hat)

Fazit:

  • Es sind die Mütter, die die Sippen am Leben erhalten. Somit ist das Matriarchat die natürliche und längste menschheitsgeschichtliche Epoche; bestehend seit dem Beginn der Menschheit.
  • Das Patriarchat, die ersten männlichen Götter und die patriarchalen Religionen entstanden erst vor 5–6000 Jahren aufgrund der Beobachtung der Rolle der Stiere bei der Zeugung neuen Lebens durch die indoeuropäisch/arischen Rinderzüchter.
  • Die gewaltsamen Eroberungen der Indo-Europäer/Arier verursachten einen brutalen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat.
  • Weder die ›Sumerer‹ noch die Eroberer Ägyptens, die ›Shemsu-Hor‹, waren Kulturbringer sondern primitive Kulturzerstörer. Die Hochkulturen wurden in der Zeit des Matriarchats geschaffen. Sie wurden von den Eroberern  usurpiert und von der heutigen Wissenschaft als Kulturleistungen der patriarchalen Könige missverstanden oder absichtlich falsch interpretiert.

»Durch logische Argumente kann die falsche Meinung eines Menschen,
die er niemals durch logisches Argumentieren gewonnen hat, nicht korrigiert werden.«
(Bacon)

Es scheint bei den Sumerologen und Assyriologen nicht anders zu sein als bei den Ägyptologen und den Theologen: die patriarchalen Wissenschaftler wollen nicht wahr haben, dass weder das Patriarchat – die Herr-schaft der Väter, noch die patriarchalen Religionen, die Herr-schaft männlicher Götter – ›schon-immer‹ – die ursprüngliche Gesellschaftsordnung und Religion waren. Wie hätte sich aus dem Patriarchat ein Matriarchat entwickeln können? Sie leugnen oder ›übersehen‹, dass sowohl die männlich dominierten Königsdynastien Mesopotamiens wie jene Ägyptens durch die Invasionen ›der Asiaten‹, verursacht wurde. Das Unglück wird im alten Ägyptern in den ›Gesängen des Nil‹ beklagt:

Alles Glück ist dahin,
die Welt ist ins Elend gestoßen durch jene,
die sich mästen, die Asiaten, die das Land durchziehen.
Aufruhr ist im Osten entstanden.
Die Asiaten sind nach Ägypten gekommen.
(Gesänge vom Nil)


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