FRAGEN, die an mich gerichtet wurden

1. Was hat Sie auf die Spurensuche der ägyptischen Geschichte gebracht und welche Zeitgeschichte hat sie am meisten interessiert

Ein kurzer Ferienaufenthalt in Ägypten weckte mein Interesse für die Geschichte dieses Landes, entzündete meine Neugier und meinen Forschergeist. Mir fehlten jedoch bald die hunderttausenden Jahre der Ur-Geschichte, denn schon bald stellte ich fest, dass sich die Ägyptologie (beinahe) ausschließlich für die Zeit des männlichen Königtums, also für die geschichtliche Zeit interessierte. Aber Ägypten existierte ja nicht erst seit den 5000 Jahren der geschichtlichen Zeit. Was war davor? Wie kam es plötzlich, „scheinbar wie aus dem Nichts“, wie eine Ägyptologin schrieb, zu einem männlichen Königtum in Ägypten? Diese Frage wurde nicht beantwortet.
Die Literaturhistorikerin Heide Streiter-Buscher stellte lakonisch fest: »Die ägyptische Vorge­schichtsfor­schung war und ist nicht popu­lär«. Warum ist das so, bis heute?
Mich beschäftigte, was war vor den berühmten Pharaonen, wie entstand diese Kultur, diese Macht, was hatte zum Umbruch geführt, der in die berühmte Geschichte Ägyptens mündete, wie wir sie alle aus der Schule und den Büchern kennen? Dieses Thema beschäftigte mich während Jahren. Ich schrieb über meine Erkenntnisse in meinem ersten Buch: „Was war vor den Pharaonen…“ (Es ist gratis unten auf dieser Seite abrufbar.)
Es ging mir keineswegs nur darum, etwas zu der mir schon damals in großen Zügen bekannten Gesellschaftsform des Matriarchats zu finden. Doch es ist unvermeidlich, sobald wir in die Erforschung der Vor- oder Urgeschichte eintauchen, stoßen wir auf der ganzen Welt auf matriarchale Gesellschaftsstrukturen.
Was mich interessierte war jedoch die Frage nach dem „warum“ des Umbruchs vom Matriarchat, das seit Menschengedenken die Welt bestimmte, ins Patriarchat. Alles was ich fand, das die eklatante Veränderung von der Urgeschichte in die geschichtliche Zeit erklären sollte, war die Aussage der angesehenen Ägyptologin Emma Brunner Traut. Sie meinte tatsächlich: »Ägyptens Hochkultur sprang aus der Vorgeschichte wie das Küken aus dem Ei, ausgestattet mit sämtlichen Potenzen.« Das schien mir dann doch eine etwas naive Erklärung.
Ich suchte weiter und fand aus der Zeit des Umbruchs Erschreckendes.
Die Archäologie hatte aus der Zeit des Umbruchs (mindestens 300 bis 400 Jahre) Artefakte von unglaublicher Brutalität und Gewalt an den Tag gebracht. Davon ist die Narmer-Palette das berühmteste Dokument. Auf den ersten Blick fällt auf, dass hier ein Mann mit europäischen Zügen – in einem immerhin schwarzafrikanischen Land – der sich als Anführer, als König darstellt, abgebildet wird. Und dass es dabei offensichtlich um ein von ihm befohlenes Massaker geht. Enthauptete, kastrierte Männer liegen aufgereiht vor ihm. Die kühle wissenschaftliche  Interpretation: Die ›Siegesfeier Narmers‹ (Wikipedia). (s. Wolf „Wer war Narmer?“)

  1. Was sind die Hauptqualitäten matriarchaler Strukturen?

Die Narmer-Palette ist meines Wissens das erste Dokument der Geschichte, das einen unglaublich brutalen Vorgang abbildet, ja sich geradezu mit Gewalt und Totschlag rühmt.
Für das Matriarchat gilt hingegen seine Friedfertigkeit. Charakteristisch für matriarchale Werte sind zudem, die Gleichstellung der Geschlechter, die sexuelle Autonomie der Frau, Matrilinearität, also die mütterliche Verwandtschaftslinie, das Leben und Verbeiben aller Kinder im mütterlichen Clan und die Verehrung der Grossen Göttin.
Die Archäologie hat bewiesen, „während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege“. Diese Feststellung des Landes-Archäologen von Sachsen-Anhalt, Harald Meller, interessiert bis heute keinen Politiker, keinen Wissenschaftler und keinen Kleriker, obwohl Politiker und alle drei monothestischen Religionen sich doch, wie sie vorgeben, für den Frieden und gegen den Krieg einsetzen. Mit dem Patriarchat, das sind nur die letzten 5000 Jahre, kam nicht nur der Krieg sondern auch die Lüge in die Welt. Erst seit den letzten 2 Prozent der Geschichte des Homo Sapiens, in der Zeit des Patriarchats, gibt es Kriege. Unsere Zeit ist die Zeit ständiger Kriege, Kriegen ohne Zahl, mit Abermillionen Toten und unbeschreiblichem Leid.

  1. Wie kam es, dass diese friedlichen Kulturen den meisten Menschen nicht einmal bekannt sind und größtenteils zerstört wurden?

Zerstört wurden die friedlichen, unbewaffnetent matriarchalen Kulturen durch die Eroberungskriege der Indo-Europäer und den arischen Priesterkasten, die sie begleiteten, die nach Macht, Land, Reichtum und Einfluss gierten und die Eroberten zu ausbeutbaren Sklaven machten. (s. Wolf: „Die Eroberer aus dem Norden“)

Wir leben heute im Patriarchat und die wenigsten wissen noch etwas vom Matriarchat, weil die Tatsachen von den patriarchalen Wissenschaftlern, jenen, die es wissen und jenen, die es eigentlich wissen müssten, verheimlicht werden. Die Geschichte wurde von den Siegern, den Mächtigen und dem patriarchalen Klerus geschrieben. Sie wollen uns glauben machen, dass die Welt schon immer patriarchal war, dass patriarchale Männer schon seit jeher die Welt regierten, dass das göttlich Verehrte schon immer ein männlicher Gott war und dass es Kriege gebe, seit die Welt besteht. Alles Lügen! Aber Lügen werden zu Wahrheiten, wenn sie oft und lange genug wiederholt werden. Darum steht es so in unseren Schulbüchern und so wird es unsere Lehrern gelehrt, die es also auch nicht besser wissen und das falsch Gelernte an SchülerInnen und StudentInnen wieder weitergeben.

  1. Sie schreiben, wenn wir etwas in dieser Welt verändern möchten, könnten, ja müssten, wir aus der Geschichte lernen. Dafür müssen wir sie aber erst einmal kennenlernen. Wir müssen die Vergangenheit erforschen, müssen uns weiterbilden, müssen uns Wissen aneignen, nicht einfach glauben, was man uns erzählt, und das heißt in erster Linie lesen und lernen.“ 

Wir wurden während 5000 Jahren patrarchalisiert, d.h. indoktriniert, reglementiert und kontrolliert. Die ganze Welt lebt heute im Patriarchat. In einer Welt patriarchaler Ideologie, die vor 5000 Jahren begann, als kriegerische Indo-Europäer die damals bekannte Welt überfielen, eroberten und die Macht an sich rissen. Wir haben uns so lange daran gewöhnt, dass wir in einer auf Krieg und Gewalt ausgerichteten Welt leben, dass wir der Lüge glauben, dass das normal und schon so sei, seit es Menschen gibt. Wir leben tatsächlich (erst) seit 5000 Jahren in den gleichen patriarchalen Strukturen, die uns von den Machthabern, den damaligen Eroberern und ihrer patriarchalen Priesterkaste aufoktroyiert wurden. Man denke nur an die unaufhörlichen Kriege, die bis heute andauernden Kolonisierungen und Missionierungen, an Unterdrückung und Ausbeutung durch Autokraten, Theokraten und  Diktatoren, an Sklaverei, die noch heute von mächtigen Konzernen weisser Männer zur Ausbeutung der Arbeitskräfte der Ärmsten der Armen ohne jede Scham- und Schuldgefühle gang und gäbe ist.

William Faulkner erkannte, „Die Vergangenheit ist nicht tot

  1. Was sind ihrer Meinung nach die Hauptursachen für den desaströsen zustand der westlichen Welt mit all den Kriegen, der Naturzerstörung, der Isolierung und den aktuellen totalitären Strukturen?

Auf den Punkt gebracht, es ist die ungeheure, gnadenlose, gefühllose, Menschen verachtende Macht des Patriarchats, die die Welt in ihren ideologischen, materiellen, unsozialen, religiösen unf Frauen feindlichen Ketten gefangen hält.
Aber die Mächtigen haben unterdessen grosse Angst, dass ihre Ideologie durchschaut und ihr Verhalten kritisiert wird und sie an Macht und Einfluss verlieren könnten.

6. Was wären praktische und umsetzbare Schritte, die Einzelpersonen und Gesellschaften machen könnten, um wieder zurück zu friedlicheren Zeiten zu finden?

Es geht um die Zukunft der Welt, jener unserer Kinder und Enkel. Wir sind durch 5000 Jahre patriarchaler Herrschaft, durch ideologische und patriarchal-religiöse Indoktrinierung in unglaublichem Ausmass betrogen und belogen, psychisch, moralisch und intellektuell vergiftet worden. Zudem macht der durch Ausbeutung der Drittweltländer im Westen erreichte Wohlstand viele von uns blind und gefühllos für Not und Elend, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeiten in der Welt. Wir können uns jedoch von den Ketten der Männerherrschaft, die uns desensibilisiert hat, befreien, die männergemachte Armut, den Hunger, das Elend, die exzessive Waffenproduktion und die Kriege stoppen. Wir können uns von der Macht und der Last des Patriarchats befreien, indem wir uns aus der uns anästhesierenden Komfortzone der Bequemlichkeit und des Egoismus befreien und handeln. Vorbilder und Gelegenheiten dazu haben wir genug. Unzählige Frauen und Männer, allein oder in Gruppen haben sich längst auf den Weg des Widerstands gemacht gegen die politische und religiöse Vereinnahmung, gegen die patriarchale Propaganda, die Beeinflussung, die Unterdrückung, die Ausbeutung, die Armut, gegen die unmenschliche Politik und Machtausübung der Herrschenden, gegen den Rassismus und den Frauenhass. Diesen Gruppen können wir uns anschliessen, mitdenken, mitarbeiten an einer besseren, friedlicheren, zukünftigen Welt.«

»Wir müssen als Zivilisation nichts neues lernen, um in Zukunft zu überleben, sondern uns nur an etwas Vergessenes erinnern.« (Marija Gimbutas)


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