II. Das Patriarchat – Eine Erfindung aus Neid, Gier, Hass und Rachsucht

Aus dem Inhalt:

  • Das Schicksal der matriarchalen Urgeschichte in der patriarchalen Forschung
  • Das unglaubliche Leugnen der indoeuropäischen Eroberungen
  • Fragwürdige Hypothesen zur Erfindung des Patriarchats

Das Schicksal der matriarchalen Urgeschichte in der patriarchalen Forschung

»Die ägyptische Vorge­schichtsfor­schung war und ist nicht popu­lär«, stellte die Literaturhistorikerin Heide Streiter-Buscher lakonisch fest. Der Ägyptologe und Urgeschichtsforscher Michael A. Hoffman bedauerte, feststellen zu müssen, dass zwar zahl­reiche archäologische Funde aus dem Niltal zur Verfügung stehen, jedoch noch keine um­fassende Darstel­lung der Urgeschichte erarbeitet worden ist (Hoffman 1980, S. xiii). Im 6-bändi­gen ›Lexikon der Ägyptologie‹ von 1977 sind der ›Vor- und Frühge­schich­te‹ von insge­samt 7838 Sei­ten ganze sie­beneinhalb Seiten gewid­met. Dazu steht im Vorwort: »Wenn auf der einen Seite die Vorge­schichte nicht überse­hen werden durfte, konnte sie auf der an­deren nicht so aus­führlich be­handelt wer­den, wie es ihr als Teil einer mensch­heitsge­schichtlichen Epoche zu­kommt.« (LÄ, I,V) Eine Begründung fehlt. Daran hat sich in der Ägyptologie bis heute nichts geändert. Mit meinem Buch ›Was war vor den Pharaonen? Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹, das ich 1994 veröffentlichte, überschritt ich das mir damals unbekannte Tabu der Erforschung der Urgeschichte Ägyptens. Die Folge war  ein hasserfüllter Rundumschlag, ein wahrer Rufmord (s. Wolf ›Der Backlash – His Masters Voice‹).

»Nirgendwo in der Geschichte finden wir einen Anfang, sondern immer eine Folge.
Wie können wir aber das Ende verstehen, wenn der Anfang ein Geheimnis bleibt?«,
schrieb Johann Jakob Bachofen 1861 in seinem Buch: Das Mutterrecht.

Das Geheimnis, das der Schweizer Rechtshistoriker, Altertumsforscher und Anthropologe J.J. Bachofen lüftete, war die Zeit der Mütter, des Matriarchats, des Friedens, eine Zeit unbeschwerten Lebens in Wohlstand und Freiheit. Eine Zeit, die sich u.a. in regen künstlerischen Aktivitäten, z.B. in den Höhlenmalereien und Felsbildern ausdrückte (s. Wolf ›Die Kulturbeiträge der Frauen – der Ursprung der Kultur‹). Die 20 Millionen Felsbilder aus 40’000 Jahren, welche die Leichtigkeit des damaligen Lebens bezeugen, werden fälschlicherweise als Jagdbilder interpretiert, die Lebensfreude, die darin zum Ausdruck kommt, geflissentlich ›übersehen‹. Tänzer werden als Jäger, einsaitige Streichinstrumente als Pfeil und Bogen interpretiert. (s. Das Kapitel ›Die Mär von den grossen Jägern der Steinzeit‹)
Seit Bachofen 1861 die Grundlage der modernen Matriarchatsforschung ›Das Mutterrecht‹ veröffentlichte, wurde das Thema von der patriarchalen Wissenschaft vernachlässigt. Historiker, Prähistoriker und Kleriker scheuen sich das Matriarchat und die einstmals verehrte Grosse Göttin zum Thema ihrer Forschungen zu machen. Diese Zeit wird sogar auffallend gemieden, geleugnet, oder bagatellisiert und lächerlich gemacht.
Erst als Frauen in den 1970er Jahren selbst zu forschen begannen, wurden die Studien wieder aufgenommen und brachten tatsächlich Erstaunliches über die weit fortgeschrittene Kultur des Matriarchats zu Tage. Dabei kommen zahlreichen Forscherinnen und Forschern wie Marija Gimbutas, Merlin Stone, Gerda Weiler, Gerda Lerner, Riane Eisler u.a. und aufgeschlossenen Archäologen wie Flinders Petrie, W.B. Emery, James Mellaart und vielen anderen, große Verdienste zu. Ihre gründlichen, wissenschaftlich hervorragend dokumentierten Arbeiten stehen uns heutigen Forscherinnen dankenswerterweise als Basis der Weiterarbeit zur Verfügung.
Auffallend ist der allgemeine Wohlstand der matriarchalen Zeit, der durch den Austausch von Gütern über die ausgedehnten Handelsnetze entstand, die die ganze damals bekannte Welt umspannen. Zu den bedeutendsten Kulturleistungen des Matriarchats gehört die Erfindung der Schrift. Bemerkenswert ist auch die ausgesprochene Kunstfertigkeit, die die matriarchalen Gesellschaften auszeichnet. (s. Wolf ›Das matriarchale Königinnentum Ägyptens‹) Dies bestätigt der Ägyptologe Dietrich Wildung, allerdings wohl eher unabsichtlich. Er stellte fest:

»Als das Alte Ägypten um das Jahr 3000 in das Licht der Geschichte tritt, ist alles,
was für die kommenden drei Jahrtausende bis zum
Beginn unserer Zeitrechnung
den unverwechselbaren Charakter
dieser frühen Hochkultur prägen wird,
bereits angelegt.«
(Dietrich Wildung 1981, S. 8)

Nicht nur angelegt, alles war bereits da. Eine grossartige, weit fortgeschrittene Kultur, geschaffen unter der Leitung von matriarchalen Königinnen und weisen Frauen während Jahrtausenden des Friedens, der Freiheit und Egalität. Diese Kultur, vor allem das Kunstschaffen wurde von den Eroberern usurpiert und für ihre eigenen Interessen eingesetzt. Dies betrifft die grossartigen Werke der indigenen KünstlerInnen in der Malerei, Bildhauerei, der Artefakte und des Schmucks. Diese Kultur wird irrtümlicherweise von den Ägyptologen als Meisterleistung der frühen Könige angesehen und zu ihrer „Hochkultur“ gemacht. Doch kriegerische Eroberer haben kaum Künstler in ihren Reihen.
Mehr Forschung auf dem Gebiet der Ur- und Frühzeit der ältesten Kulturen, neben Ägypten und Mesopotamien auch aus dem Iran und dem Industal, wie es Marija Gimbutas beispielhaft für Alt-Europa tat, könnte wesentlich dazu beitragen, das Bild unserer matriarchalen Urgeschichte zu verdeutlichen und auszuweiten.
Die Türkei ging diesem Anliegen beispielhaft voraus. Es mag erstaunen, dass 1994 die Grosse Göttin Anat und die Frauen Anatoliens mit einer beeindruckenden  Ausstellung im Topkapi Serail Museum in Istanbul unter dem Titel ›9000 Jahre der Anatolischen Frau‹ geehrt wurden. »Wir sind ein Muttervolk«, sagte der Chef-Archäologe der Türkei in einem persönlichen Gespräch nicht ohne Stolz! Und ein alter Türke lachte, ›ohne Frauen wären die Männer nichts. Sie machen die Männer glücklich‹. Auf so ein Bekenntnis eines Ägypters, etwa von Zahi Hawass, müssen wir voraussichtlich noch lange warten.
Von den altbäuerlichen Gesellschaften Anatoliens hörten wir durch die Ausgrabungen von James Mellaart in Çatal Hüyük und Haçilar. Von beiden Städten berichten die Forscher von über Jahr­tau­sende hin­weg stabilen und kontinuierlich gewachsenen Zivi­li­sa­tionen. Nichts weist darauf hin, dass in den Jahren, in de­nen Çatal Hüyük be­standen hatte, jemals ein Krieg oder Mas­saker stattgefunden hat. Unter den Hunderten von Skeletten gab es keine Spuren ei­nes gewaltsamen Todes; auch wurden weder Waffen noch Befesti­gungen gefunden. Mellaart stellte bei den Ausgrabungen von 100 Häusern nicht weni­ger als 50 Kultschreine fest, die sich jedoch nicht von den übrigen Wohnräumen unterschieden. Das Religiöse war im Alltag integriert. Es gab offensichtlich keine prunkvollen Heiligtümer zu Ehren ihrer Auftraggeber. Die etwa 150 entdeckten Gemälde zeigen keine Gewaltszenen, sondern bemalte Gipsreliefs von Tieren. Die aus Lehm geformten Rinderköpfe mit echten Hörnern, sogenannte Bukranien, symbolisieren den Uterus, weisen also auf einen kultischen Aspekt seiner Verehrung hin. ( s. Doris Wolf  2009, S. 193)

Eines der charakteristischen Merkmale der neolithischen Siedlungen ist die zentrale Rolle der Mutter in der sozialen Struktur und Religion. (Erich Fromm)

image002 Aus der Zeit um 6500 wurden zahlreiche weibliche Statuet­ten gefunden. Mel­laart erklärt dazu: »Die Statuen erlauben uns, die Hauptgottheit zu er­kennen, die von den neolithischen Menschen von Çatal Hüyük ver­ehrt wur­de. Sie war weib­lich und wird in ihren drei Aspek­ten gezeigt, als junge Frau, als ge­bärende Mutter oder als alte Frau« (zit. von Stone 1988, S. 44).

Links: Sitzende Göttin aus Catal Hüyük, 1. Hälfte des 6. Jahrtausends (Museum of Anatolien Civilization, Ankara)

Die Mutter-Göttin von Çatal Hüyük ist manchmal von Leopardinnen beglei­tet, mit einem Leopar­denfell bekleidet oder symbolisch von Leopardinnen darge­stellt. Das Leopardenfell der Göttin ist ein spirituelles Machtsymbol, dem man auch im  späteren Ägypten begegnet – allerdings tragen es hier die Sem-Priester, die es offensichtlich für sich usurpiert haben! Man fand in den jün­ge­ren Schichten Çatal Hüyüks acht männliche Skulpturen. Sie sind »praktisch alle in ihrer Bezie­hung zur Göttin zu verstehen, teilweise als ihre Söhne, teilweise als ihre Gatten. In ei­ner älte­ren Schicht wur­den ausschließlich Figurinen der Göttin ge­fun­den« (Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 139).
Das unbewaffnete und unbefestigte Çatal Hüyük wurde um 5790 nach rund 1300 Jahren friedlichen Bestehens unter nicht geklärten Umständen verlassen. Damit verschwand ei­ne der großen Zivilisa­tionen voll­ständig. Mel­laart weist darauf hin, dass zwischen dem Ende von Çatal Hüyük und dem Entstehen der Hochkulturen von Sumer und Ägypten weite­re zweitausend Jahre ver­gehen.
Auch Haçilar en­dete um 5600 in einer Katastrophe. Ab 5400 ent­stand hier wie­der eine Siedlung, »die gegen 5000, offen­bar infolge einer In­vasion, gebrand­schatzt, zer­trümmert und gänz­lich aufgegeben wurde« (Alkim 1968,73). (s. Wolf ›Im Land der Göttin Anat: Die friedliche Urkultur Anatoliens‹)
Der Ausstellung von 1994 ging eine für die Archäologie dramatische Szene voraus. Die Kulturhistorikerin Riane Eisler schreibt dazu: »Informationsunterdrückung liegt in der Dynamik der dominatorischen Gesellschaft. Dies zeigen zahlreiche Beispiele aus jener Wissenschaft, der wir die Funde und Erkenntnisse großenteils verdanken: der Archäologie. Ein besonders drastischer Fall war die Einstellung der Arbeiten an der neolithischen Fundstätte Haçilar. Obwohl die tiefsten und frühesten Schichten noch nicht erreicht waren, wurde James Mellaart das Weitergraben untersagt, und zwar mit der Begründung, dass ›weitere Arbeiten an dieser Stelle lediglich repetitive Ergebnisse ohne großen wissenschaftlichen Wert erbrächten.« (Mellaart ›Excavations at Haçilar‹, 1970, zit. von Eisler ›Von der Herrschaft zur Partnerschaft‹ 1987, S. 146)
Wie Riane Eisler richtig vermutete, waren die patriarchalen Wissenschaftler, Politiker, Geldgeber und Kleriker beunruhigt, denn sie ahnten längst, dass die ältesten Schichten ausschließlich weibliche Attribute an den Tag bringen würden, die die Verehrung einer Grossen Göttin bezeugen. Mellaart protestierte und bezeichnete die Entscheidung »eines der tragischsten Kapitel in der Geschichte der Archäologie«. Aus dem gleichen Grund, der Angst vor unliebsamen Entdeckungen wurde ohne Zweifel auch die Erforschung der Ur- und Frühgeschichte Ägyptens unterbunden und vernachlässigt:

Christliche, muslimische und jüdische Urgeschichtsforscher, Archäologen, Altorientalisten, Anthropologen etc., die patriarchalen Kirchen und Gläubige befürchten alle, was sie unter keinen Umständen wahr haben wollen: Je tiefer wir in die urgeschichtliche Zeit zurückgehen, desto eindeutiger ist die alleinige Verehrung einer Göttin. Die urgeschichtlichen Kulturen kannten keine männlichen Götter.

Das von konservativen Wissenschaftlern unbeliebte und gemiedene Terrain der matriarchalen Urgeschichte könnte ohne grosse Schwierigkeiten erforscht werden. Wie Michael Hoffman schrieb, sind zahlreiche archäologische Funde vorhanden. Hilfreich  wäre dabei auch der Einbezug der Indo-Europäer- und Arier-Forschung, Fachgebiete, wie sie Marija Gimbutas, Jan Haudry und der Sanskrit- Sprach- und  Arierforscher Jahanshah Derakhshani erarbeitet haben. In der Ägyptologie geht es zudem um die Frage der Ethnie, der Zugehörigkeit zu einer weissen oder schwarzen Rasse, nachdem die Herrscher zu Beginn der geschichtlichen Zeit, der sogenannten dynastischen Dynastien, offensichtlich europäisch aussehende Männer sind. Doch stellte der Ägyptologe Alexander Scharff fest:

Ȁgypten lag immer und liegt noch heute in Afrika.
Skelettfunde aus Gräbern der [vor-dynastischen] Badari- undNagada-I-Zeit haben in der Tat ergeben,
dass jene Bevölkerung afrikanischen Ursprungs war.« (Alexander Scharff)

Scharff schreibt weiter: »Eine tiefergehende Beeinflussung Ägyptens durch die sumerische Kultur und eine unbestreitbare zeitliche Verklammerung der späten Nagada II-Kultur samt der frühen 1. Dynastie auf der ägyptischen und der Djemdet-Nasr-Kultur auf der mesopotamischen Seite, darf unter keinen Umständen zeitlich auseinandergerissen werden.« (Scharff 1950, S. 13, 14, 17) Wie wir wissen, waren auch die Sumerer Eroberer. Der eminente Altorientalist und Sumerologe Samuel Noah Kramer (1897–1990) vermutete, dass Mesopotamien etwa zur gleichen Zeit wie Ägypten ebenfalls von kriegerischen Horden, aus einer unbekannten Gegend im Norden, möglicherweise des Transkaukasus oder den transkaspischen Gegenden überfallen und erobert wurde.

E.A. Wallis Budge schrieb schon 1925: »Über die Rasse derje­nigen Ägypter, die uns durch Mumien und Statuen bekannt sind, und ihre Charakteristiken gibt es über­haupt keinen Zweifel: Sie waren Kaukasier, und es scheint, dass sie von ih­rer ursprüngli­chen Heimat in [Vorder-]Asien nach Ägyp­ten gekom­men sind.« (E.A. Wallis Budge ›The Mummy‹ 1989/1925, S. 1 f.)

Das unglaubliche Leugnen der indoeuropäischen Eroberungen

Für die frühen Archäologen und Ägyptologen wie Flinders Petrie, E. A. Wallis Budge, Walter B. Emery, Elise J. Baumgartel, Alexander Scharff, James H. Breasted u.a. war klar, vor etwas mehr als 5000 Jahren drangen über die bekannten Handelswege erstmals aggressive weiße Männerhorden in das schwarzafrikanische Ägypten ein. Schliesslich wurde das Land von dieser fremden Rasse erobert, die die Macht an sich riss. Es gibt heute unter den ÄgyptologInnen jedoch einige sogenannte Isolationisten und Rassisten, welche die Tatsache der Eroberung Ägyptens durch Horden weißer Männer aus dem Norden leugnen. Sie erklären die Anwesenheit von Weißen in Ägypten damit, die gesamte Bevölkerung Ägyptens sei nicht schwarz sondern weiß gewesen. Die meisten ÄgyptologInnen gehen gar nicht auf das Problem der auffallend Weißen Oberschicht und einer möglichen Eroberung des Landes ein. Isolationisten lassen sich von den Hinterlassenschaften wie den lebensgroßen Statuen mit europäiden Gesichtszügen täuschen. Sie realisieren nicht, dass nicht von indigenen ÄgypterInnen, sondern ausschließlich von den Invasoren, Angehörigen der Oberschicht, Statuen angefertigt wurden, die ihre europäische Herkunft auch eindeutig beweisen. (s. Wolf ›Die Eroberer aus dem Norden‹)
Die schwarz-afrikanische Ethnie der indigenen ÄgypterInnen wird, wie Scharff schrieb, auch durch die Sprache bestätigt. Das indigene Volk Ägyptens sprach eine afrikanische Sprache. Diese Sprache wurde dann von der (indoeuropäischen) Sprache der Eroberer überlagert; den Einheimischen wurde die Sprache der Eroberer aufgezwungen. Allen kolonisierten Völkern widerfuhr dieses Schicksal; das Ziel war, sie ihre Kultur und Identität vergessen zu machen und diese zu zerstören. Das Vorgehen hielt sich noch bis ins letzte Jahrhundert, als barbarische europäische Kolonialisten und fanatische christliche Missionare die Völker ›zivilisierten‹ und ihnen nicht nur ihre Sprache, sondern auch ihre Kultur, ihre Werte und ihre Religion raubten. Die ägyptische Sprache der geschichtlichen, d.d. der dynastischen Zeit, ist eine ›afroasiatische‹ Mischsprache. Das sind auch jene ihrer Nachbarn, der andern Völker der im Nahen und Mittleren Osten eroberten Länder, z.B. auch Arabisch und Hebräisch. Selbstverständlich waren auch das urgeschichtliche Arabien und das Land Kanaan, das heutige Israel, matriarchal und hatten ihre eigenen Sprachen. Zu afroasiatisch sprachigen Ländern wurde der Nahe und Mittlere Ostens erst durch die indoeuropäischen Eroberungen. Welch wichtigen und hochinteressanten Beitrag die Sprachforschung zur Aufklärung der frühesten Eroberungen, der ersten Kolonisierung fremder Völker und zur Erfindung des Patriarchats vor tausenden Jahren leisten kann, zeigt der indoeuropäische Begriff ›Vater‹, Athotis, der in der 1. Dynastie Ägyptens erstmals auftaucht und den Namen der ersten Könige als Ehrentitel beigefügt wurde. (s. das 1. Kapitel und  Wolf ›Ultimative Beweise für die indoeuropäisch/arische Herrscher- und Priesterkaste Ägyptens‹)

Etwas völlig Unbekanntes, noch nie Dagewesenes geschah:
»Eine soziale Revolution ging vor sich, die die Jahrmillionen der Gleichheit beendete,
ein gesellschaftlicher Umsturz, der mit der Erfindung der Sichel und der Reibmühle
begonnen hatte und dessen Grundlagen in den Jahrtausenden von Mureybet
bis Obeid entstanden waren.«
 (Burchard Brentjes 1981, S. 53)

Die absurdeste Erklärung romantisiert den Umsturz in Ägypten, der auf die Invasion folgte, in ein märchenhaftes Geschehen und stammt von der Ägyptologin Emma Brunner-Traut. Sie schreibt in geradezu kindlicher Naivität:

»Ägyptens Hochkultur sprang aus der Vorgeschichte wie das Küken
aus dem Ei,
ausgestattet mit sämtlichen Potenzen.«

Dieser Absurdität stimmt die französische Archäologin Beatrix Midant-Reynes zu, indem sie behauptet, es würde keinen archäologischen Hinweis dafür geben, dass die auffallenden Veränderungen in Ägypten gewaltsam geschehen seien. Jedoch von den Funden aus der Zeit der Eroberung Ägyptens zeigt die Narmer-Palette das grausame Massaker an der Bevölkerung und die stolze Machtnahme des Landes durch Narmer (s. Doris Wolf 2009, S. 141)

Die Narmer-Palette ist ein brutales Dokument vom Beginn phallischer Männermacht; das erste und wichtigste Dokument der Eroberer. Die Palette wird jedoch von den Ägyptologen nicht als Indiz erbarmungsloser Grausamkeit interpretiert, sondern meist als Zeichen des Triumphes bewundert. (s. D. Wolf 1994 + 2009 + 2019) Außer jener von Narmer bezeugen auch andere Paletten die Unmenschlichkeit und Grausamkeit der Eroberer.

Das Massaker auf der ›Schlachtfeld-Palette‹ schreibt der Ägyptologie Erik Hornung einfach den indigenen Ägyptern zu. Er schreibt: »Wie der vorgeschichtliche Ägypter das Verhältnis von Tier und Mensch gesehen hat, zeigt wohl am deutlichsten die Schlachtfeld-Palette… sie zeigt ein Schlachtfeld, das mit den verrenkten Körpern besiegter Feinde bedeckt ist; ohne Kleider und ohne Waffen, bietet die unterlegene Partei – in menschlicher Gestalt! – ein Bild völliger Wehrlosigkeit. Die Sieger, denen sie hilflos preisgegeben ist, erscheinen als tiergestaltige Mächte: Löwe, Raubvögel…« (Hornung ›Der Eine und die Vielen‹ 1971, S. 94 ff).  Hornung erkennt die Sieger, die Eroberer und wahren Feinde, nicht.

Links: Die Schlachtfeld-Palette (nach Hornung 1971, S. 95)

Rechts: Zum Fragment der sogenannten Tjehnu- oder Städte-Palette« schreibt Alan Gardiner, »nicht weil sie in künstlerischer Hinsicht die andern überträfe, habe er sie herausgegriffen, »es gibt viel schönere Stücke –, sondern weil ihr Sinngehalt klarer hervortritt«: Der ›Sinngehalt‹ ist die Zerstörung der Städte Ägyptens:
»Die Oberseite zeigt sieben befestigte Rechtecke, die offensichtlich besiegte Städte darstellen, zu denen sich symbolische Wesen mit einer Hacke Zugang verschaffen. In den Rechtecken stehen Hieroglyphen, meist eine allein, die offensichtlich die Namen der Orte angeben sollen. Man hat den Angreifern (Falke, Löwe, Skorpion usw.) ein und denselben siegreichen Anführer in verschiedener Gestalt sehen wollen, doch liegt sicher die Annahme näher, dass sie verschiedene Provinzen repräsentieren, die sich zum gemeinsamen Kampf zusammengeschlossen hatten.« (Gardiner 1965, S. 437 f). Auch ein Irrtum, sie hatten sich nicht ›zusammengeschlossen‹, die Städte wurden alle von den Invasoren überfallen und zerstört.

Auffallend sind auch andere Darstellungen von Gewalt, die aber selten gezeigt werden.
Auf einem Stein-Fragment des Hor.Aha aus Abydos wird einem gefesselten Mann ein Dolch in die Brust gestossen und möglicherweise bei lebendigem Leib das Herz herausgeschnitten.  (Petrie 1901,III.6)

Die gleiche Mordszene findet sich auch als Teil eines Holztäfelchens des Hor-Zer, des indoeuropäischen Zaren, aus Sakkara (Emery 1964, S. 54)

 

Die Gefangennahme und Entführung der Königin aus ihrer Residenz

Die Entführung von zwei gefangenen Frauen in Sänften, vermutlich der Königin und ihrer Tochter, der Thronerbin, die Ermordung des Königs und der Raub ihrer Habe (Holztäfelchen aus der Zeit des Hor-Djer/Zer, Emery 1964, S. 54)

Auf dem Holztäfelchen aus Sakkara werden offensichtlich zwei ranghohe Damen auf Sänften entführt und ihre Habe geraubt und weggetragen. Bei einer der Damen handelt es sich mit grosser Sicherheit um die Königin, bei der anderen um ihre Tochter, die Thronerbin. Die Königin wird hier (noch nicht umgebracht sie wird) noch gebraucht, denn als Throninhaberin ist sie die ›Königsmacherin.‹ Nur durch die (in diesem Fall erzwungene) Heirat mit der Königin wird der Anführer der Eroberer zum König. Beim Mann, der in der rechten oberen Ecke des Bildes ermordet wird, handelt es sich wahrscheinlich um den König, den Mann der Königin. (s. Doris Wolf 2009, S. 190)
Nachdem sich das männliche Königtum etabliert hat, werden die Königinnen, samt ihrem Hofstaat, umgebracht. (S. Wolf Sati – Die Ermordung der matriarchalen Königinnen)

Die Fortsetzung der Machtnahme, festgehalten  auf dem Keulenkopf des Narmer

Keulenkopf des Narmer. Die gefangene Königin wird vor den thronenden Häuptling gebracht, der sich bereits die rote Krone Ägyptens aufgesetzt hat (s. Doris Wolf 2009, S. 189)

Die Residenzen der Königinnen wurden irrtümlicherweise als ihr Grab interpretiert

Rekonsstruktion der monumentalen Anlage der Königin Merit-Neith in Sakkara (Zeichnung Jean-Philippe Lauer 1988. S. 90f)

Die beeindruckenden Lehmziegelbauten in Nischen-Architektur zeigen eine weit fortgeschrittene Baukunst. Diese beeindruckenden Bauten waren jedoch keine Gräber, sondern Residenz der Königin und gleichzeitig Regierungssitz, Wirtschafts- Kultur- und religiöses Zentrum. Offensichtlich konnte sich keiner der durch und durch patriarchalen Wissenschaftler eine Königin an der Spitze eines Landes vorstellen. Bis 2009 übernahm ich noch die falsche Annahme, dass es sich bei diesen Bauten um Gräber der Königinnen handelte. Doch meine späteren Forschungen bewiesen, dass die Königinnen in Abydos begraben waren und dass es sich bei den prachtvollen Bauten um den Regierungssitz der Königinnen handeln dürfte. Bestätigt wurde ich durch die gleiche Art von Bauten in Mesopotamien (s. Doris Wolf 2019, S. 88 ff) und durch Bilder von der brutalen Machtnahme der Eroberer des mesopotamischen Uruk und des iranischen Susa. Die Gefangennahme und Ermordung der Frauen wurde mittels Gravuren auf feinen Stein-Täfelchen dargestellt (s. M.P. Amiet ›La Glyptique mésopotamienne archaïque‹ 1980 in Doris Wolf 2019, S. 104 ff).

Weitere Indizien der Eroberung Ägyptens

Zu den Hinterlassenschaften, die für eine Invasion sprechen, kommt eine neue, ägyptenfremde Begräbnisart abseits der Nekropolen der Einheimischen. (s. Wolf ›Seite an Seite zwei verschiedene Bestattungsarten‹)
Höchst aufschlussreich ist auch das Bild von Hierakonpolis (s.Wolf ›Das irritierende Wandbild von Hierakonpolis› und Doris Wolf 2009) Diese Indizien und das berühmte Messer von Gebel el-Arak sind »für die Erforschung der Anfänge der altägyptischen Hochkultur von höchster Bedeutung«, schrieb 1975 auch Wolfgang Helck (LÄ, IV, S. 654. Doch fanden die Beweise für die indoeuropäische Eroberung bis zum heutigen Tag keine InteressentInnen. Die vorliegenden unmissverständlichen Fakten werden von den heutigen  ÄgyptologInnen nicht mehr erwähnt und nicht anerkannt. Die Brutalität der lebendigen Darstellungen wird nicht als Invasion zur Kenntnis genommen. Wenn überhaupt auf die auffallenden Veränderungen hingewiesen wird, was selten geschieht, wird auf eine innerägyptische ›kulturelle Weiterentwicklung‹, die Schaffung einer Hochkultur, geschlossen.
Es gibt tatsächlich noch mehr unumstössliche Gegenbeweise für den brutalen Umsturz und diese betreffen das matriarchale Königinnentum, das während mindestens zwei Jahrtausenden die Gesellschaftsform Ägyptens vor den Pharaonen war. (s.  Doris Wolf ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019)
Die irrwitzigen Erklärungen, Behauptungen, Leugnungen und Beschönigungen einerseits und auch das feige, gängige Verschweigen der Tatsache einer Eroberung auf der anderen Seite, schaden dem Ruf und der Glaubwürdigkeit der Ägyptologie als Wissenschaft mehr denn je.

Das Leugnen der Eroberung Ägyptens ist ein wissenschaftlicher Skandal

Der Grund des Leugnens der indoeuropäischen Eroberungen und der Machtnahme des gesamten Nahen und Mittleren Ostens war mir in seinen ganzen Ausmassen lange nicht klar. Nicht nur für die Ägyptologie könnte das Anerkennen der geschichtlichen Tatsache unerwünscht-entlarvende Konsequenzen haben. Auch für das heute in aller Welt herrschende politische Patriarchat könnte die Anerkennung des Ausmasses der damals beginnenden Gewalt und seine ungebrochene Fortsetzung bis heute unerwünschte Folgen haben. Das Erkennen und Bewusstwerden der heute noch herrschenden Politik der männlichen Gewalt und der ständigen Kriege könnte zu Protesten und Revolten, insbesondere unter den Jugendlichen und von immer mehr Frauen führen. Am schlimmsten aber hätte der Männerklerus und die patriarchalen Religionen Konsequenzen zu befürchten. Die  Wahrheit würde vor allem die monotheistischen Religionen betreffen, das Judentum, das Christentum und den Islam. Das Aufdecken der geschichtlichen Realität, der Lügen und Mythen auf denen die Macht des Klerus aufgebaut ist, würde seine Herrschaft als untolerierbar verurteilen und zusammenbrechen lassen wie ein Kartenhaus. Sobald die Erfindung der ersten männlichen Götter durch die Invasoren bekannt würde, würden sie entthront und ihre Macht über die Menschen allmählich verlieren. Es würde ans Licht bringen, dass die patriarchalen Götter und Religionen vor nur 5000 Jahren von arischen Priesterkasten im Auftrag der  Könige erfunden wurden. Schon der griechische Dichter Homer durchschaute den lügnerischen Trick und schrieb:

»Nicht die Götter haben die Menschen geschaffen, sondern die Menschen (Männer) die Götter.«
Bis vor 5000 Jahren gab es tatsächlich keinen einzigen männlichen Gott.

Erwiesenermassen waren auch Arabien und Kanaan, das heutige Israel – die Staaten die heute zu den religiös und politisch aggressivsten, frauenfeindlichsten und gewaltfreudigsten patriarchalen Länder im Nahen Osten zählen – ursprünglich friedliche matriarchale Länder, deren Völker die Grosse Göttin verehrten. Auch sie wurden von Indo-Europäern erobert und von ihnen beherrscht und unterdrückt; genau so, wie es ihren grösseren Nachbarn Ägypten und Mesopotamien bereits vor ihnen geschehen war. Die sogenannte ›Landnahme‹ Kanaans – des Landes, das den Eroberern von ihrem selbst erfundenen Gott versprochen worden sein soll – ist eine der üblichen dreisten Lügenmythen und sprachlichen Beschönigungen der herrschenden religiösen und politischen Oberschicht zur Rechtfertigung der brutalen Eroberungen. Die indoeuropäischen Hebräer, die aus Ägypten fliehen mussten oder vertrieben wurden, überfielen das matriarchale Land Kanaan, massakrierten die Bevölkerung und zerstörten ihre Häuser, ihre Gärten und ihre Bäume. (s. ›Wer waren Echnaton und Moses?‹) Das patriarchale Geschichts- und Legendenbuch, die Bibel, kündet stolz, ohne jede Scham und Schuldgefühle vom Horror und den unsäglichen Massakern, die die indoeuropäischen Hebräer bei der verharmlosten Landnahme Kanaans anrichteten. Genau so, wie die heutige Regierung Israels noch heute die Besetzung der Ländereien Palästinas beschönigt und mit Gott rechtfertigt. Eine unglaubliche Taktik, die nicht in Frage gestellt wird, weil sie als religiös verbrämt wird einerseits, aus Pietät und Rücksicht auf das schrecklicke Verbrechen, das den Juden im Holocaust angetan wurde anderseits (s. Doris Wolf ›Es reicht  5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019, S. 198 ff) Die Eroberer Kanaans durften, ja mussten das tun, denn ihr junger, von ihrer patriarchalen arischen Priesterkaste gerade erfundener Gott, Jahwe, hat ihnen das Land ja versprochen und er feuert sie auch immer wieder zu Gewalt, Rücksichtslosigkeit und neuen Massakern an. Dieses beschönigte, ja, in frommen Kreisen bis heute gutgeheissene Horror-und Lügen-Narrativ führte zum noch immer aktuellen Leugnen, Übersehen und Beschönigen der Machtnahme der Eroberer. Noch immer sind es indoeuropäischen Nachfolger der damaligen Eroberer, die als Regierende an der Spitze der Länder des Nahen Ostens stehen. Sie halten sich mit Gewalt und den von westlichen Produzenten gelieferten Waffen an der Macht.

Isolationisten, die Leugner der indoeuropäischen Eroberungen sind offensichtlich Gläubige, Christen und Anhänger der anderen monotheistischen Götter, fromme Bibelleser, die Massaker und Blutrausch übersehen und sich berufen fühlen, den Irrsinn männlicher Götter und göttlicher Männer zu rechtfertigen und zu verteidigen. Leugner unter den Ägyptologen sind vor allem in Deutschland während der Nazizeit aufgefallen. Zu ihnen gehören etwa der Ägyptologe und frömmlerische Alt-Nazi Helmut Brunner, seine Frau Emma Brunner-Traut und der gleichgesinnte Freund des Ehepaares, der Ägyptologe Erik Hornung, der in Basel Professor wurde. Hornung tritt besonders wegen seiner vehementen Leugnung der einzigartigen, uranfänglichen Verehrung der Großen Göttin auf. Seiner patriarchalen Gläubigkeit gibt er Ausdruck indem er etwa schreibt: »Der Vorstellung einer universalen ›Göttermutter‹ entspricht die Vorstellung eines ›Göttervaters‹, dem alle andern Gottheiten ihre Entstehung verdanken.« (Hornung 1971, S. 139) Das ist eines informierten Ägyptologen unwürdig. Helmut Brunner glaubt nicht nur an den patriarchalen Gott, sondern auch an die Göttlichkeit der Pharaonen und als Anhänger Hitlers auch an jene des Führers. Schwärmerisch doziert er seine Sicht, die die ägyptische Gewaltherrschaft krass beschönigt: »Dem König als dem Sohn Gottes [!] obliegt die richtige Durchführung des Kultes, wie eine hinreichende Versorgung des Volkes [!], eine gerechte Rechtsprechung [!], wie die »Erweiterung der Grenzen‹[!] Dabei kommen nur einem Europäer des 20. Jahrhunderts Worte wie ›Imperialismus‹ oder gar ›Kolonialismus‹ in den Sinn. Aber in Ägypten, das bei der Schöpfung von Gott aus dem Chaos ausgegrenzt und mit dem fruchtbaren Nil versehen, den Menschen zuliebe ›geschaffen‹ wurde, ist jede Tat die dem Chaos ein weiteres Stück abringt und der Ordnung zuschlägt, eine Fortsetzung der Schöpfung.« (Brunner 1989, S. 67) Amen.
Das Leugnen der brutalen Eroberungen der matriarchalen Länder, der Zerstörung der matriarchalen Kultur und Werte und der ursprünglich weltweiten alleinigen Verehrung der Grossen Göttin und der Mütter generierte in unserer Zeit neben den Kriegen und Lügen eine weitere Katastrophe: den religiösen Terror durch fundamentalistische Fanatiker.

Die Erfindung des Patriarchats und seine Aufrechterhaltung bis heute ist die größte aller Katastrophen,
welche die Menschheit je erlebt hat. 
Das Patriarchat ist eine Diktatur der herrschenden weißen Männer,
ein Krieg gegen die Natur und die Menschen. Es ist, was die Forscherin Gerda Weiler alles in Allem
»eine gigantische Krankheit« nannte.

Wir leben im Patriarchat! Es ist wesentlich, sich diese Tatsache bewusst zu machen, denn es bestimmt unser Leben von der Entstehung im Leib unserer Mutter bis in den Tod. Aber davor bestimmt die Herrschaft der Väter, die unser aller Dasein beherrscht, das Leben unserer Mütter ganz enorm, denn die dominierenden Männer greifen extrem in das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ein. Männer bestimmen ob Geburten erwünscht und gefördert oder vermieden werden, denn die erwünschte Anzahl von Geburten hat ausschließlich ihren Interessen, ihren möglichen  Kriegsplänen und finanziellen Profiten zu dienen.
Bis vor wenigen Jahrzehnten wussten wir kaum etwas über die Entstehung des Patriarchats und von seiner kurzen Dauer als Teil der Menschheitsgeschichte. Wenn Urgeschichtsforscher, Anthropologen und andere Wissenschaftler, davon ausgehen, dass die heutige Form der Menschen seit etwa 300’000 Jahren besteht, stellen die meisten von uns doch etwas erstaunt fest, dass das Patriarchat lediglich die letzten 5000 Jahre davon ausmacht. Wurde uns in der Schule nicht immer gelehrt, oder unterschwellig suggeriert, dass es nie eine andere Form als das von Männern dominierte Werte- und Gesellschaftssystem, eben das Patriarchat gegeben habe und dieses System normal und quasi ohne Alternative sei? Wer hatte schon etwas davon gehört, dass es bis vor 5000 Jahren keine Kriege und keine einzige männliche Gottheit gab? Dass die Menschen in Frieden lebten, keinen männlichen Herrscher und keine männliche Ideologie, kein Patriarchat kannten. Und wer wusste, dass vor dem Patriarchat eine Gesellschaftsform existierte, in der die Menschen unter der natürlichen Autorität der Mütter, in Freiheit und Wohlstand gleichberechtigt und in Frieden lebten?
Im Geschichtsunterricht der Schulen und Universitäten wurden wir eines anderen belehrt. Besonders wir Frauen interessieren uns jedoch kaum mehr für die öde, patriarchale Geschichtsschreibung der Schulwissenschaft –  die eigentlich nichts anderes als eine ununterbrochene Reihenfolge von Kriegsberichterstattungen ist, in der das weibliche Geschlecht auch gar nicht vorkommt. Die patriarchale Propaganda der Historiker und Kleriker, ihre patriarchalen Ansichten, Behauptungen,  Beschönigungen, ihre Glorifizierung der Macht und der ›Kriegskunst‹, ihre falschen Versprechen, Verfälschungen und Verzerrungen, ihre Halbwahrheiten, Lügen und Spekulationen, ihr Verheimlichen der ganzen Epoche der frühen Menschheitsgeschichte, konnten wir zwar mangels anderer Quellen nicht durchschauen und nicht verifizieren, aber viele von uns ahnten doch, dass das, was man(n) uns als absolute Wahrheit diktierte, nicht die ganze Wahrheit sein kann. Doch die meisten von uns denken und hinterfragen nicht mehr; wir haben uns mit dem Patriarchat als Normalität abgefunden. Wir wollen in Ruhe gelassen werden, akzeptieren deshalb die Behauptung, dass es eben ›schon-immer‹ so war: dass Männer schon immer oder doch schon sehr, sehr lange – und wie die Bibel sagt – zu recht, die Welt dominiert, die Natur untertan, die Menschen ausgebeutet, die Frauen unterdrückt und ständig Kriege geführt haben und, dass Gott schon immer ein Mann war.

Fragwürdige Hypothesen zur Erfindung des Patriarchats

Es gibt zahlreiche Hypothesen, wie, warum und wann das Patriarchat entstanden ist, die aber bisher lediglich mehr Fragen als überzeugende Antworten brachten. Es sind Vermutungen, Interpretationen und Spekulationen, die den Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat entweder als natürliche Evolution bagatellisieren oder zu erklären versuchen. Einen gewaltsamen Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat will man nicht erkennen und nicht akzeptieren. Stattdessen berufen sich patriarchale Wissenschaftler, Regierende und Vertreter der patriarchalen Religionen gern auf Naturkatastrophen, die eine radikale Veränderung der Gesellschaft notwendig gemacht haben sollen. Man will unter keinen Umständen wahrhaben, dass das Patriarchat durch Überfälle, Eroberungskriege, Beutezüge und Massaker von kriminellen Männerbanden geschaffen und nach diesem Muster der Gewalt bis heute erhalten wurde. Die unbewiesenen Hypothsen reichen von Bachofen (›Das Mutterrecht‹ 1861), der eine höhere Entwicklungsstufe vom Körperlich-Weiblichen zum Geistig-Männlichen phantasierte, bis zum Geologen James DeMeo, der die Entstehung des Patriarchats mit einem Klimawandel begründete (›Saharasia‹ 2006). Es scheint, dass für den radikalen Umbruch, der ins Patriarchat führte, viel zu oft eine Klimaveränderung angenommen wird. ›Aus der Klimageschichte lernen‹ titelt die Max-Planck-Gesellschaft ihren Beitrag vom 24. März 2021: »Erkenntnisse, wie sich Gesellschaften in früheren Zeiten an klimatische Veränderungen anpassten, können bei den aktuellen Herausforderungen helfen. Klimaveränderungen im Laufe der Geschichte, wie die Kleine Eiszeit während des 13. bis 19. Jahrhunderts, werden häufig mit Hungersnöten, Krisen und Kriegen in Verbindung gebracht. Doch es gibt auch viele Beispiele, wie Bevölkerung und Politik die veränderten Bedingungen zu ihrem Vorteil nutzen oder zumindest Stabilität wahren konnten. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte hat einen neuen Ansatz entwickelt, der die gesellschaftliche Resilienz in den Mittelpunkt stellt und dabei einen sorgfältigeren Umgang mit Klimadaten und historischen Fakten sicherstellt, als das bisher oft der Fall war.« (s. Klima Sozialwissenschaften).
Eine beliebte andere Begründung für die Erfindung des Patriarchats ist ein postulierter später Beginn der Sesshaftigkeit. Sesshaftigkeit war jedoch an geeigneten Orten Normalität. Die Gesellschaft organisierte sich um die Mütter. Sie wurde von den Frauen bestimmt, durch Schwangerschaft, Still- und Erholungszeit der Mütter und die Rücksicht auf kleine Kinder, Alte und Kranke. Weil Frauen und ihre Lebenschöpfende und Lebenerhaltende Wichtigkeit von patriarchalen Wissenschaftlern gerne vergessen wird, übersehen sie, dass die allgemeine Sesshaftigkeit normal nicht erst vor 10-12‘000 Jahren erfolgte. Die Erfindung des Pfluges, so wird ebenfalls vermutet, soll verantwortlich gewesen sein für die Wende von der grossartigen Zeit des Jagens zum mühsamen Ackerbau. Seltsamerweise, soll damit die fröhliche Zeit der abenteuerlichen Jägerei mit der schweißtreibenden Arbeit des Bauern hinter dem Joch freiwillig eingetauscht worden sein. Es soll jedoch diese schwere Arbeit hinter dem Pflug gewesen sein, die Männer mit neuen Rechten belohnt habe. Andere wiederum glauben, in der äußerst dünn besiedelten Welt von damals, hätte die Schlichtung von Streit um Weideland männliche ›Führernaturen‹ hervorgebracht, oder dass die Bewältigung von Hungerkrisen die Machtübernahme der Männer forderte. Manche behaupten, verdichtete Siedlungen hätten automatisch zu hierarchischen, von Männern dominierten Gesellschaftsformen geführt. Einige insistieren schlichtweg, es habe nie eine andere Gesellschaftsordnung als das Patriarchat gegeben, oder die Patriarchalisierung sei eine äußerst komplexe Entwicklung gewesen, die sich bis zur heutigen Form über viele tausend Jahre abgespielt habe und eigentlich nicht rekonstruierbar sei.

Entgegen allen Hypothesen und bisherigen Widerständen, stellt sich die eigentlich naheliegende Frage:

Gab die Entdeckung der biologischen Vaterschaft den Anstoss zum
Patriarchat, der ›Herrschaft der Väter‹?

Nach der Entdeckung der biologischen Vaterschaft fand ein Umsturz statt, der in den Köpfen einiger Männer begann. Die Entdeckung  des bis dahin unbekannten oder unwichtigen Anteils des Mannes bei der Entstehung eines Kindes, dürfte bei einigen eingeschlagen haben wie Blitz und Donner. Die Neuigkeit kann ein neues Selbstbewusstsein, ein Gefühl von Stolz und einen Anspruch von Macht erzeugt haben. Und es ist sehr wohl möglich, dass dies zu einem aggressiven Verhalten, einer Wut auf die Mütter führte, die ihren Söhnen und Männern diesen für sie jetzt so außerordentlich wichtig gewordenen Beitrag vermeintlich verschwiegen hätten. Es ist anzunehmen, dass manche Frauen, wie Hebammen und Heilerinnen, davon wussten, was jedoch für niemanden von Bedeutung war; wichtig war nur die sichtbare Tatsache, das Kind entsteht und kommt aus dem Schoss der Mutter, es ist ihr Kind.
Wenn wir ernsthaft die Frage stellen, warum all das nicht erforscht und diskutiert wird, gibt uns der Altorientalist Gebhard J. Selz eine nüchterne Antwort:

»In Europa waren die orientalistischen Fächer allgemein und die Altorientalistik
im Besonderen lange eingebunden in die christlich-theologischen Disziplinen.«
(G. J. Selz)

Das sind sie noch immer. Kaum ein Wissenschaftler und schon gar keine Wissenschaftlerin wagt es die monotheistischen Religionen in Frage zu stellen oder zu kritisieren. Die mittelalterliche Drohung der Blasphemie und des Kirchenbannes schüchtert die Männer ein und den Frauen sitzen die Hexenverbrennungen ihrer Ahninnen noch in den Knochen.
Mit welcher Dreistigkeit wurde die Eroberung Kanaans durch die indoeuropäischen Stämme schon in der Bibel geschönt und gerechtfertigt. Und niemand wagt es bis heute diese Invasion und den Landraub zu kritisieren. Wenn wir diesen Landraub und die Massaker vergleichen mit der 3000 Jahre späteren, ebenso skandalösen Invasion der USA und seinen skrupellosen Verbündeten in den Irak, stellen wir kaum einen Unterschied fest. Auch dieses Verbrechen wurde kaum kritisiert. Eine Million Tote verursachten diese Kriegsverbrecher, dazu bombten sie das Land in Grund und Boden. Kriege werden noch immer geschönt und mit Lügen und dem sich Berufen auf Gott gerechtfertigt. Dass diese kriegerischen Brutalitäten, die vor tausenden Jahren bis heute straffrei geschehen dürfen und in konservativen Kreisen akzeptiert werden, dafür sorgt die patriarchale kirchliche und politische Staatsgewalt und die schönfärbende und bagatellisierende Propaganda. Die dreckige Politik des Patriarchats und die Wahrheit über ihrer schmutzigen Aktionen bleiben geheim. Ihre ungeheuren Verbrechen gegen die Menschlichkeit dürfen von niemandem aufgedeckt werden, sonst droht ihnen das, was Julian Assange angetan wird: die totale physische und psychische Vernichtung durch die Staatsgewalt jener Regierungen, die die Verbrechen angeordnet haben.
Es ist eindeutig, dass die Lobby des milliardenschweren patriarchalen Klerus und seiner Anhänger der Grund ist, warum die Urgeschichte von der patriarchalen Wissenschaft kaum erforscht wird, denn diese führt unvermeidlich zurück in die Zeit des Matriarchats und die Verehrung der Großen Göttin. Verständlich, dass die patriarchalen, monotheistisch jüdischen, die islamischen und christlichen Gelehrten davon nichts wissen wollen. Das Patriarchat wurde zur ideologischen und religiösen Grundlage des Gesellschafts-, Werte- und Wirtschaftssystem von heute. Es wurde vor 5000 Jahren zuerst in Ägypten und in Mesopotamien institutionalisiert und spätestens mit den muslimischen Eroberungskriegen und den christlichen Kolonialisten und Missionaren über die ganze Welt verbreitet.
Das Patriarchat ist keine ›evolutionäre Entwicklungsgeschichte‹, ist nicht ›logischerweise‹ oder ›zufällig entstanden‹, sondern wurde von aggressiven Männern bewusst und aktiv ausgedacht, strategisch geplant, systematisiert und mittels Gewalt und immer raffinierteren, tödlichen Waffen in den letzten 5000 Jahren weltweit durchgesetzt. Skrupellos, mit einem irrsinnigen Hass und einer pathologischen Lust am Wüten, Verwüsten, Zerstören und Töten überfielen indoeuropäische Männerhorden aus den eurasischen Steppen die friedlichen, unbewaffneten und ungeschützten Siedlungen, Dörfer und Städte der damals bekannten, matriarchalen Welt. Allmählich war der ganze Osten vom Kriegsgeschrei aus dem Norden betroffen und in Angst und Schrecken versetzt.

Der vorderasiatische Archäologe Burchard Brentjes ist einer der seltenen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Altorientalistik, der in der Beschreibung des Beginns der patriarchalen Zeit eine menschliche Seite, Betroffenheit und Entsetzen zeigt. Brentjes erkennt die Tragik, den gewaltsamen Umbruch in der Gesellschaft, beschreibt die Katastrophe, die sich damals in Mesopotamien nach dem Einfall der Sumerer abspielte und lässt sich berühren. Erschüttert beschreibt er, was damals geschah:

»Eine soziale Revolution ging vor sich, die die Jahrmillionen der Gleichheit beendete,
ein gesellschaftlicher Umsturz, der mit der Erfindung der Sichel und der Reibmühle
begonnen hatte und dessen Grundlagen in den Jahrtausenden von Mureybet
bis Obeid entstanden waren.«
(Brentjes 1981, S. 53)

Brentjes betont, dass obwohl noch viele Fragen offen sind, der Übergang von der Urgesellschaft zum Staat in mehreren Regionen nachgezeichnet werden könne, und dass dieser Prozess die Einrichtung eines Zwangsapparates in der Gesellschaft, einer Armee und anderer Gewaltmittel im Dienst einer herrschenden Klasse« zur Folge hatte. Die frühen Matriarchinnen setzten ihre Macht dafür ein, sich verantwortungsvoll für das Wohl ihrer Kinder, das Volk und das Land zu sorgen und männlichen Aggressionen und gefährlichem Egoismus und Übermut Grenzen zu setzen. Das Patriarchat hat gezeigt, wenn Männern von Frauen keine Grenzen gesetzt werden, verrohen sie, begehen jedes erdenkliche Verbrechen zum Schaden anderer und entgehen oft einer angebrachten Strafe für ihre Untaten. So wie die Kirchenoberen  jahrzehntelang die sexuelle Gewalt von Priestern an Kindern ungestraft vertuschen konnten. Mit dreisten Lügen ›legitimieren‹ Staatsoberhäupter Kriege, in denen Soldaten rauben, plündern, zerstören, foltern, vergewaltigen und Unschuldige morden (dürfen)! Kriege entpuppen sich als die Pest des Patriarchats. Der Krieg öffnet alle Schleusen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Begeisterung für Gewalt, für Krieg und Waffen, schürt die Lust am Foltern und Töten und macht aus Männern Monster.

»Wenn nicht sorgfältiges Training die natürlichen Triebe in Grenzen halten,
genießen Männer z.B. die Jagd und das Töten. In den meisten Kulturen werden Folter
und Leiden zum Vergnügen aller zum öffentlichen Spektakel gemacht.«
(S.L Washburn und V. Avis ›Evolution of Human Behavior‹ 1958, S. 433 f)

Der ›natürliche Trieb zu Töten‹ wird durch die patriarchale Erziehung zur Gewalt anerzogen und gefördert. Kriege und andere Verbrechen konnten matriarchale Mütter verhindern, indem sie ihren Söhnen Grenzen setzten, sie mit Liebe, Fürsorge und Geduld zu Solidarität und Mitgefühl erzogen. Dies war möglich, weil Mütter die Macht dazu hatten, die ihnen dann von patriarchalen Männern, zum Schaden der ganzen Menschheit, mit Gewalt entrissen wurde. Das Patriarchat regiert und erzieht nicht mit Intelligenz und Liebe, sondern mit physischer und psychischer Gewalt. Patriarchale Männer können mit Macht nicht umgehen. Die nur 5000 Jahre an der Macht scheinen für sie viel zu wenig Zeit, um etwas aus ihren Fehlern zu lernen, weil sie ihre Fehlleistungen gar nicht erkennen, sie im Gegenteil bestreiten und beschönigen. Sie sind leicht verführ- und korrumpierbar und nutzen Macht ausschließlich zur Durchsetzung ihrer eigenen egoistischen Interessen, zur Befriedigung ihrer Eitelkeit, ihrer Gier nach Beute, Profit und Prestige. Macht schürt ihren Narzissmus, ihre Habsucht und ihre Skrupellosigkeit.

»Der Umsturz des Mutterrechts war die weltgeschichtliche
Niederlage des weiblichen Geschlechts.« (Friedrich Engels)

Das Ungeheuerliche des Umsturzes in Ägypten – obwohl durch ›Das irritierende Wandbild von Hierakonpolis‹, die Paletten und das berühmte Messer von Gebel el-Arak dokumentiert, die »für die Erforschung der Anfänge der altägyptischen Hochkultur von höchster Bedeutung« seien (Helck LÄ, IV, S. 654), wird von den ÄgyptologInnen nicht anerkannt, die Brutalität der lebendigen Darstellungen nicht als Invasion zur Kenntnis genommen.

Zum Vermächtnis der matriarchalen Steinzeit und dem kriegerischen Umsturz ins Patriarchat, der sich auf die gleiche Weise sukzessive in der ganzen damals bekannten Welt abspielte, fasst Marija Gimbutas das Geschehen im Alten Europa zusammen:

»Als die beiden Weltsichten mit ihren unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen aufeinanderprallten, führte das zu einem dramatischen Wandel im Alten Europa. Die Veränderungen drückten sich im Übergang von der matrilinearen zur vaterrechtlichen Gesellschaftsordnung aus, von der auf Wissen basierenden Theakratie zu einem militanten Patriarchat, von einer auf der Gleichberechtigung der Geschlechter beruhenden Gesellschaft zur hierarchischen Männerherrschaft, und von einer erdverwurzelten Göttinnenreligion zum indoeuropäischen, auf den Himmel ausgerichteten Götterpantheon.« (Gimbutas 1996, S. 401)

Sie denken vielleicht, dass diese längst verflossene Epoche, deren Zerstörung vor tausenden Jahren begann, nichts mit uns und unserer modernen Zeit zu tun habe. Doch das ist ein gewaltiger Irrtum. Im Gegenteil! Der Umsturz von der friedlichen Epoche des Matriarchats in die kriegerische Zeit des Patriarchats in der wir heute leben, beeinflusst, ja bestimmt unser Leben auf allen Ebenen, politisch, sozial und religiös.

Es geht um die Zukunft der Welt, jener unserer Kinder und Enkel. Wir sind durch 5000 Jahre patriarchaler Herrschaft, durch ideologische und patriarchal-religiöse Indoktrinierung in unglaublichem Ausmass betrogen und belogen, psychisch, moralisch und intellektuell vergiftet worden. Zudem macht der durch Ausbeutung der Drittweltländer im Westen erreichte Wohlstand viele von uns blind und gefühllos für Not und Elend, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeiten in der übrigen patriarchalen Welt. Wir können uns jedoch von den Ketten der Männerherrschaft, die uns desensibilisiert hat, befreien, die männergemachte Armut, den Hunger, das Elend , die exzessive Waffenproduktion und die Kriege stoppen. Wir können uns von der Last des Patriarchats befreien, indem wir uns aus der uns anästhesierende Komfortzone der Bequemlichkeit und des Egoismus befreien und handeln. Vorbilder und Gelegenheiten dazu haben wir genug. Unzählige Frauen und Männer, allein oder in Gruppen haben sich längst auf den Weg des Widerstands gemacht gegen die politische und religiöse Vereinnahmung, gegen die patriarchale Propaganda, die Beeinflussung, die Unterdrückung, die Ausbeutung, die Armut, gegen die unmenschliche Politik und Machtausübung der Herrschenden, gegen den Rassismus und den Frauenhass. Diesen Gruppen können wir uns anschliessen, mitdenken, mitarbeiten an einer besseren, friedlicheren, zukünftigen Welt. »Wir müssen als Zivilisation nichts neues lernen, um in Zukunft zu überleben, sondern uns nur an etwas Vergessenes erinnern«, schreibt Marija Gimbutas.

»Der Einfluss der Invasionen einer aggressiven männlich dominierten Kultur wirkt bis heute nach, und wir fangen gerade erst an, die Jahrtausende lange Entfremdung von unserem ureigenen europäischen Erbe, einer gylanischen, [mutterzentrierten], nicht gewalttätigen, erdgebundenen Kultur zu entdecken.« (Marija Gimbutas ›Die Sprache der Göttin‹ 1995, S. XXI)

 

Das Patriarchat hat das kostbare matriarchale Erbe verschleudert und zerstört.

 


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