II. Die Erfindung des Patriarchats und der Umsturz

Aus dem Inhalt:

  • Der Entdeckung der biologischen Vaterschaft folgte
    die Erfindung der Herrschaft der Väter: Das Patriarchat
  • Die Eroberungswellen indoeuropäischer Kriegerhorden
  • Von der matriarchalen Kultur des Friedens
    in die patriarchale Zeit der Kriege
  • Die Invasoren begründeten die ersten männlichen Königsdynastien
    etwa gleichzeitig in Mesopotamien und Ägypten
  • Seite an Seite zwei Religionen und zwei verschiedene Bestattungsarten
  • Mit dem Patriarchat kam die Lüge in die Welt…
  • Das Patriarchat – die Herrschaft der Väter
  • Was die meisten HistorikerInnen nicht sehen wollen
  • Was ÄgyptologInnen nicht sehen wollen
  • Sesshaftigkeit versus Nomadentum
  • Das Desinteresse der patriarchalen Wissenschaft

Der Entdeckung der biologischen Vaterschaft folgte
die Erfindung der Herrschaft der Väter: Das Patriarchat

 

Die Erfindung des Patriarchats und seine Aufrechterhaltung bis heute ist die  grösste aller Katastrophen, welche die Menschheit je erlebt hat; schlimmer als jede Pandemie, schlimmer als die Pest, schlimmer als jeder Krieg, schlimmer als jede Diktatur, schlimmer als jede Menschenrechtsverletzung. Das Patriarchat beinhaltet als das und hat all das erst geschaffen.

Bis vor wenigen Jahrzehnten wussten wir kaum etwas über die Entstehung des Patriarchats und von seiner kurzen Dauer als Teil der Geschichte der Menschheit. Wenn Anthropologen heute davon ausgehen, dass die heutige Form des Menschen seit etwa 300’000 Jahren besteht, stellen die meisten von uns doch etwas erstaunt fest, dass das Patriarchat lediglich die letzten 5000 Jahre davon ausmacht. Wurde uns in der Schule nicht immer gelehrt, oder unterschwellig suggeriert, dass es nie eine andere Form als das von Männern dominierte Werte- und Gesellschaftssystem, eben das Patriarchat gegeben habe? Wer hatte schon etwas davon gehört, dass vor dem Patriarchat eine Gesellschaftsform existierte, in der die Menschen während Hunderttausenden Jahren unter der natürlichen Autorität der Mütter, ohne Gewalt und Krieg, lebten? (s. ›Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege‹) Wir haben uns derart an die Geschichtsklitterung, die Verzerrungen, das absichtliche Verwirren und die Lügen, manchmal ungewollt, öfter absichtlich, der Historiker gewöhnt, dass uns der Mangel an Beweisen, die Einseitigkeit, die Verfälschungen, die Halbwahrheiten und das Verheimlichen der ganzen Wahrheit nicht einmal mehr auffallen. Wir hinterfragen nicht mehr, zweifeln kaum mehr, haben uns längst mit dem Patriarchat als ›Selbstverständlichkeit‹ abgefunden. Wir glauben, so war es ›schon-immer‹, Männer haben schon immer die Welt dominiert, die Menschen ausgebeutet und die Frauen unterdrückt, Krieg geführt – und weil es immer so war, wird sich daran auch nie etwas ändern.

Seit vor etwa sechseinhalbtausend Jahren vor heute von Rinderzüchtern die biologische Vaterschaft entdeckt wurde, begann – vielleicht initiiert von einem Einzelnen – der Kampf gegen die Macht, die Führung und Leitung der Mütter und für eine ›Herrschaft der Väter‹. Der patriarchale Machtanspruch verbreitete sich mit den erfolgreichen Eroberungen seiner Erfinder aus den Steppen Südrusslands mit rasanter Schnelligkeit. Die mit ersten Metallwaffen ausgestatteten Eroberer überfielen in drei großen kriegerischen Vorstößen zuerst Europa, dann Mesopotamien und Ägypten. Wir verdanken es in erster Linie der bedeutenden Archäologin und Indo-Europäer Forscherin Marija Gimbutas, dass wir heute unseren Horizont über unsere eigene, die europäische Vergangenheit, erweitern konnten.

Die Eroberungswellen indoeuropäischer Kriegerhorden

Marija Gimbutas beschreibt Chronologie und Auswirkungen der drei Invasionen von den russischen Steppen nach Europa. Sie bezeichnet die Indo-Europäer aufgrund ihrer Grabhügel-Kultur (russisch Kurgan) als ›Kurgan-Leute‹.

  • »Die erste Kurgan-Welle in das östliche Mitteleuropa um etwa 4400-4300 ist begleitet vom Aufkommen prominenter Kriegerbestattungen, von Witwentötung und Pferdekult.« (Gimbutas ›Das Ende Alteuropas‹ 1994, S. 35 ff.) [Die Witwentötung beim Tod des patriarchalen Oberhauptes, des Chefs oder Königs, wurde später als Sati/Suttee nach den Invasionen in Ägypten und Mesopotamien ebenso angewandt, was allerdings erst etwas mehr als 1000 Jahre später geschah.]
  • »Die zweite Welle um etwa 3500-3300 führte zur Transformation Mitteleuropas in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends. Diese Transformation vollzog sich Hand in Hand mit einem Wandel in der Metallverarbeitung und dem Beginn der Bronzezeit.« (Gimbutas ibd. 1994, S. 49 ff)
  • »Die dritte Einwanderungswelle um etwa 3100–2900 war der Vorstoß der ›Jamna‹-Kurgan-Leute aus Südrussland nach Ostmitteleuropa. Er hatte massive Ausmaße und bewirkte drastische Veränderungen in der ethnischen Zusammensetzung Europas.« (Gimbutas ibd. 1994, S. 89 ff)
    [Diese Zeit entspricht der Errichtung des dynastischen Königtums Ägyptens, der sogenannten 0-Dynastie, der 1. und 2. Dynastie und dem Beginn des Alten Reiches. Es gibt zahllose Übereinstimmungen der Eroberung Alt-Europas, Mesopotamiens, Ägyptens und Palästinas.]

Zum Vermächtnis der matriarchalen Steinzeit und dem kriegerischen Umsturz ins Patriarchat, der sich auf die gleiche Weise sukzessive in der ganzen damals bekannten Welt abspielte, fasst Marija Gimbutas das Geschehen im Alten Europa zusammen:

»Als die beiden Weltsichten mit ihren unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen aufeinander prallten, führte das zu einem dramatischen Wandel im Alten Europa. Die Veränderungen drückten sich im Übergang von der matrilinearen zur vaterrechtlichen Gesellschaftsordnung aus, von der auf Wissen basierenden Theakratie zu einem militanten Patriarchat, von einer auf der Gleichberechtigung der Geschlechter beruhenden Gesellschaft zur hierarchischen Männerherrschaft, und von einer erdverwurzelten Göttinnenreligion zum indoeuropäischen, auf den Himmel ausgerichteten Götterpantheon.« (Gimbutas 1996, S. 401)

Es gibt heute zahlreiche Hypothesen, wie, warum und wann das Patriarchat entstanden ist, die aber bisher lediglich mehr Fragen als überzeugende Antworten brachten. Es sind Vermutungen, Interpretationen und Spekulationen, die den Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat entweder als natürliche Evolution bagatellisieren oder zu erklären versuchen. Die unbewiesenen Annahmen reichen von Bachofen (›Das Mutterrecht‹ 1861), der eine höhere Entwicklungsstufe vom Körperlich-Weiblichen zum Geistig-Männlichen phantasierte, bis zum Geologen James DeMeo ›Saharasia‹ 2006), der die Entstehung des Patriarchats mit einem Klimawandel begründete. ›Aus der Klimageschichte lernen‹ titelt jedoch die Max-Planck-Gesellschaft ihren Beitrag vom 24. März 2021: »Erkenntnisse, wie sich Gesellschaften in früheren Zeiten an klimatische Veränderungen anpassten, können bei den aktuellen Herausforderungen helfen. Klimaveränderungen im Laufe der Geschichte, wie die Kleine Eiszeit während des 13. bis 19. Jahrhunderts, werden häufig mit Hungersnöten, Krisen und Kriegen in Verbindung gebracht. Doch es gibt auch viele Beispiele, wie Bevölkerung und Politik die veränderten Bedingungen zu ihrem Vorteil nutzen oder zumindest Stabilität wahren konnten. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte hat einen neuen Ansatz entwickelt, der die gesellschaftliche Resilienz in den Mittelpunkt stellt und dabei einen sorgfältigeren Umgang mit Klimadaten und historischen Fakten sicherstellt, als das bisher oft der Fall war.« (s. Klima Sozialwissenschaften).  

Von der matriarchalen Kultur des Friedens
in die patriarchale Zeit der Kriege

Patriarchale Männer an der Macht, ob in der Wissenschaft, der Regierung oder als Vertreter der patriarchalen Religionen berufen sich oft und gern auf Naturkatastrophen. Sie wollen unter keinen Umständen zugeben, dass das Patriarchat eine von weissen, kriminellen Männerbanden geschaffene Unkultur ist, die vor allem durch Krieg und Massaker durchgesetzt und bis heute erhalten wurde. Eine andere beliebte Begründung für die Erfindung des Patriarchats ist ein postulierter später Beginn der Sesshaftigkeit. Obwohl nur Viehzüchter in den Steppen Russlands – gezwungenermassen – Nomaden waren, und wie die Archäologie beweist, Sesshaftigkeit an geeigneten Orten Normalität war, glauben verschiedene Wissenschaftler noch immer, dass die allgemeine Sesshaftigkeit erst vor 10-12‘000 Jahren erfolgte. (s. unten: Sesshaftigkeit und Nomadentum) Einige vermuten, dass es die Erfindung des Pfluges war, der die Wende von der Zeit des Jagens und Sammelns brachte. Seltsamerweise, soll damit die fröhliche Zeit der abenteuerlichen Jägerei mit der schweißtreibenden Arbeit des Ackerbauern hinter dem Pflug freiwillig eingetauscht worden sein. Es soll jedoch diese schwere Arbeit gewesen sein, die Männer mit neuen Rechten belohnt habe. Andere wiederum glauben, die Schlichtung von Streit um Weideland hätten männliche ›Führernaturen‹ hervorgebracht, oder dass die Bewältigung von Hungerkrisen die Machtübernahme der Männer forderte. Manche glauben, verdichtete Siedlungen hätten zu hierarchischen, männerdominierten Gesellschaftsformen geführt. Einige insistieren schlichtweg darauf, es habe nie eine andere Gesellschaftsordnung als das Patriarchat gegeben.

Es scheint mir jedoch zwingend und logisch,
dass die Erfindung des Patriarchats, wie schon der Name sagt,
explizit etwas mit den Vätern und der Entdeckung der biologischen
Vaterschaft zu tun haben muss.

Doch es scheint: »Durch logische Argumente kann die falsche Meinung eines Menschen, die er niemals durch logisches Argumentieren gewonnen hat, nicht korrigiert werden.« (Bacon)

Die Erkenntnis der Teilhabe an der Schöpfung eines neuen Menschen muss bei Männern eingeschlagen haben wie eine Bombe. Nur diese Kraft konnte die patriarchale Ideologie von der Wichtigkeit des Mannes, des Vaters, durchsetzen. Jedoch konnte die Institutionalisierung nur mit Gewalt geschehen, das Volk wollte die Machtnahme der Männerväter, der Patriarchen nicht. Was folgte, war eine blutige Revolution, eine Katastrophe, welche die Welt bis in die Grundfesten erschütterte und grundsätzlich auf allen Ebenen veränderte. Skrupellos und mit äusserster Gewalt setzten sich die machtgierigen, kriegslüsternen Anführer aus dem Volk der Horiter/Hurriter/Hurri, die sich als weisse Herrenmenschen betrachteten durch. Zu ihnen gehörten die Vieh- und Pferdezüchter und die Schmiede, die sich nach ihrer erfolgreichen Machtnahme in den eroberten Ländern als Herrscher über die indigenen Völker setzten. (Von  den ›Hurri‹ stammen wohl die deutschen Bezeichnungen ›Herr‹, Herrscher und Herrschaft.) Begleitet wurden sie von persischen Ariern, die sie als Priesterkaste mit List und Lügen unterstützten. Es sind ohne Zweifel die Nachkommen dieser Verbündeten, die Mächtigen, die Herrscher und die Kleriker, die auf der ganzen Welt bis heute gnadenlos und skrupellos Macht und Geld in ihren Händen raffen, die die Welt kolonisier(t)en, ausraub(t)en und noch immer ausbeuten und beherrschen (s. Die Rolle der Horiter bei der Eroberung Ägyptens D. Wolf 2009, S. 96). Wenn wir uns fragen, warum wir all das eigentlich nicht wissen, gibt uns der Altorientalist Gebhard J. Selz eine nüchterne Antwort:

»In Europa waren die orientalistischen Fächer allgemein
und die Altorientalistik im Besonderen lange eingebunden
in die christlich-theologischen Disziplinen.«
(Gebhard J. Selz)

Es ist nur allzuklar, dass dies der Grund dafür ist, dass die Urgeschichte nicht erforscht wird: denn sie führt automatisch ins Matriarchat, von dem die christlich-theologischen Disziplinen nichts wissen wollen. Das Patriarchat wurde zur ideologischen Grundlage des Gesellschafts-, Werte- und Wirtschaftssystem, das vor 5000 Jahren in Ägypten und im Süden Mesopotamiens institutionalisiert wurde und bis heute die Welt prägt und dominiert. Das Patriarchat ist keine ›evolutionäre Entwicklungsgeschichte‹, ist nicht ›logischerweise‹ oder ›zufällig entstanden‹, sondern wurde einst von jenen indoeuropäischen Männern, den Vieh- und Pferdezüchtern in den eurasischen Steppen, bewusst und aktiv ausgedacht, strategisch geplant und mittels militärischer Gewalt und immer raffinierteren, tödlichen Waffen in den letzten 5000 Jahren weltweit durchgesetzt. Das damalige, jedoch heimlich das noch immer gleiche Motiv gilt bis heute: Neid und Hass auf die Frauen, die als Gebärerinnen neuen Lebens verehrt wurden. Patriarchale Männer sind beherrscht von Machthunger, Habgier und Herrschsucht und sie streben nach Prestige, Ehre, Ruhm und Reichtum. Mit absoluter Skrupellosigkeit und einer irrsinnigen Lust am Wüten, Verwüsten, Zerstören und Töten überfielen die Indoeuropäer die friedlichen, unbewaffneten und ungeschützten Siedlungen, Dörfer und Städte der damals bekannten Welt. Allmählich war der ganze Osten vom Kriegsgeschrei aus dem Norden betroffen und in Angst und Schrecken versetzt. Etwas völlig Unbekanntes, noch nie Dagewesenes geschah: Die Städte und Siedlungen der matriarchalen Völker wurden überfallen und zu einer leichten Beute der bewaffneten Eroberer. Der amerikanische Sumerologe Samuel Noah Kramer stellte in seinem bekanntesten Werk ›Die Geschichte beginnt mit Sumer‹ 1959 fest, dass in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends primitive ›sumerische‹ Kriegerhorden in Mesopotamien einfielen. Sie unterwarfen die ältere [indigene] Bevölkerung, deren »Kultur weit fortgeschrittener war, als die der Sumerer« (Kramer ibd. S. 163). Der britische, vorderasiatische Archäologe Max E.L. Mallowan wies nach, dass verursacht durch die Invasion der ›Sumerer‹ die im Norden Mesopotamiens gelegene neolithische »Halaf-Periode mit einer gewaltsamen Zerstörung der Siedlungen endete« (Sibylle von Reden 1992, S. 40). Dem Einmarsch der ›Sumerer‹ folgte eine »Zeit der Stagnation, des Rückschrittes und des Zusammenbruchs der früheren fort­geschritteneren Kultur« (Kramer ibd. S. 163).

»In diesen Jahrhunderten, die in dem sumerischen Heldenzeitalter gipfelten,
waren es die kul­turell unrei­fen und psy­chologisch unstabilen sumerischen
Kriegsher­ren mit ih­rer indivi­dualistischen und raubgierigen Veranlagung,
welche die geplünderten Städte und die niederge­brannten Dörfer des besieg­ten
mesopotamischen Reiches beherrschten«
(Kramer 1959, S. 166).

Die Invasoren gründeten die ersten männlichen Königsdynastien
etwa gleichzeitig in Mesopotamien und Ägypten

Das Ziel der indoeuropäischen Eroberer und ihrer Begleiter, der arischen Priesterkaste, war die Vernichtung der matriarchalen Gesellschaftsordnung, die Entmachtung und Eliminierung der matriarchalen Königinnen aus ihren führenden staatspolitischen, sozialen und religiösen Positionen, ihre Ermordung und die Usurpation und Übernahme der Macht. (s. ›Das matriarchale Königinnentum Ägyptens‹ und ›Das matriarchale Königinnentum Mesopotamiens‹).
Die frühen Wissenschaftler schreiben den indoeuropäischen Eroberern aus dem Norden, die sich zu Herren Mesopotamiens und Ägyptens machten – deren Anführer sich zu den despotischen Königen dieser Länder aufschwangen – die Schaffung von ›Hochkulturen‹ zu. Natürlich haben etliche heutige Forscher von den kriegerischen Indo-Europäern gehört, glauben aber noch immer an sie als ›Kulturbringer‹. Sie können deren Rolle nicht in den unbeschreiblich grausamen Ereignissen, den Massakern und Zerstörungen erkennen, die sie angerichtet haben. Die Umbrüche in den beiden Staaten gegen Ende des 4. Jahrtausends übersehen oder verharmlosen sie oft als kleine Streitereien, harmlose Auseinandersetzungen oder kleine Gefechte. Historiker müssten wissen, was die Geschichte immer wieder gezeigt hat: Eroberer, Invasoren und Kolonisatoren, sind keine harmlosen Gesellen, es sind Kriminelle. Die schaffen keine Kultur; im Gegenteil sie zerstören Kultur und bringen höchstens kriegerische, hierarchische, militaristische, tyrannische Dikaturen –  ›Un-Kulturen‹ – hervor. (s. ›Die Eroberer aus dem Norden‹)

Der Umsturz des Mutterrechts war die weltgeschichtliche
Niederlage des weiblichen Geschlechts. (Friedrich Engels)

Das Ungeheuerliche wurde sogar dokumentiert, nur kaum je zur Kenntnis genommen. Gegen Frauen, insbesondere gegen die  Weisen Frauen, die Ärztinnen, Lehrerinnen, Leiterinnen, Priesterinnen, die Mütter der Clans und Sippen und die Königinnen der Länder wurde ein erbarmungsloser Kampf durch physische und psychische Gewalt geführt.

Gewaltszenen von gefesselten Gefangenen (wahrscheinlich Frauen) und bewaffneten Männern (in Susa und Uruk von P. Amiet ›La glyptique mésopotamienne archaique‹ 1980)

Die Szenen zeugen von der Katastrophe, vom brutalen Umbruch vom Matriarchat ins Patriarchat. Der Altorien­talist Manfried Dietrich bemerkt, es sei eine »schlichte Tatsache, dass die Basis für die Herr­schaftsstruktur und das hierarchische System des Alten Orients laut schriftlicher Aussagen und archäo­lo­gischer Rekonstruktio­nen En­de des 4. und An­fang des 3. Jahrtausends in der Städtekultur Südme­sopo­tamiens liegt« (Manfried Dietrich 1989, S. 131).

Aus Residenz, Verwaltungsgebäude und Tempel werden die matriarchale Königin und ihre Helferinnen vertrieben,
entkleidet und ermordet. (Rollsiegel aus dem iranisch-elamischen Susa, aus der 2. Hälfte des 4., oder Anfang des 3. Jahrtausends. Nach M.P. Amiet 1980, Abb. 659)

Die Entmachtung der matriarchalen Frauen geschah durch Abwertung, Diskriminierung, Entwürdigung, Unterdrückung, Ausbeutung, Vergewaltigung, Entmenschlichung und schließlich durch Mord. Unterstützt und gerechtfertigt wurde dieser Kampf von einer die Eroberer unterstützenden arischen Priesterkaste und deren Erfindungen religiöser Mythen von der ›Minderwertigkeit‹ der Frau. Dies war die erste Inquisition, die erste Verfolgung von Frauen; geschürt von einem unsäglichen Hass und Neid auf die Verehrung der Frauen als den Gebärerinnen, Erhalterinnen und Ernährerinnen, die ihnen vom Volk zukam und auf die Macht der Matriarchinnen. Die brutale Geschichte der Verfolgung der Frauen hält seither an und spitze sich vom 12. bis 18. Jahrhundert unserer Zeit in Europa zu. Die Inquisition der katholischen Kirche folterte, mordete und verbrannte Millionen von Frauen, die sich gegen die patriarchale Herrschaft wehrten und sich nicht zur patriarchalen Männerreligion bekehren ließen.

Seite an Seite zwei verschiedene Religionen und Bestattungsarten

Aus der Zeit unmittelbar vor der 1. Dynastie wurde in einer Ecke des Friedhofs von Hierakonpolis eine Gruppe von fünf großen Gräbern gefunden, die an die reichen Gräber von Nagada aus der Zeit des Umbruchs erinnern, wo sich »eine Elite vermögender und mächtiger Bewohner von ihren Nachbarn getrennt hielten und versuchten, einen Teil ihres Reichtums mit sich in die andere Welt zu nehmen.« (Michael A. Hoffman 1980, S. 133 f)
Flinders Petrie, der die Friedhöfe der ersten beiden Dy­nastien in Oberägypten ausgegraben hat, schreibt, dass sich die Gräber der ›Neuen Rasse‹ von allen bisher bekannten vor-dynastischen Grä­bern unter­scheiden. Ihre Charakteristiken seien für Ägypten so unüb­lich, dass er und sein Grabungsteam während Wo­chen über diese Friedhöfe in Nagada gelau­fen seien, ohne die lei­seste Ahnung zu ha­ben, um was es sich handeln könnte.

Die Körperstellung der Toten ist maßgeblich für den Glauben.
Die Rückenlage zeugt vom Glauben an ein ewiges Leben beim Vatergott im Himmel

An­statt die Toten in embryonaler Seitenlage in ei­ner ovalen Grube zu bestatten, waren die typischen Gräber nun vertikale Kammern, in denen der Kör­per auf dem Rücken aus­gestreckt auf dem Boden lag. Petrie betont, dass es keine einzige Übereinstimmung in der Art der Begräbnisse bei den Ägyp­tern und der ›Neuen Rasse‹ gab.
Das gleiche Phänomen findet sich auch in Mesopotamien. In der früh­sumerischen Zeit tritt ein neuer Grabtyp mit gebauten Grab­kammern an die Stelle der einfachen Erdgruben. Zu ihnen ge­hören die berühmten Kö­nigsgräber von Ur und Kisch und bedeu­tende Privatgrä­ber. Auch die Grab­bei­gaben in den neuen Gräbern der Herrscher­schichten der vorderasiati­schen eroberten Kulturen sind die gleichen wie bei den frü­hesten Häupt­lingsgräbern der indoeuropäischen Kurganvölker und ausschließlich bei ihnen zu finden: Sie beinhalten Waffen, auch Schmuck, Nahrungsmit­tel und Geträn­ke, oft auch Tiere.
In der 1. Dynastie Ägyptens wurde die matriarchale Elite, die Königin, ihre Kinder, die weisen Frauen, die Priesterinnen der Göttin usw. beim Tod des Königs umgebracht und gleichzeitig mit ihm bestattet. (s. ›Sati‹ –Die Ermordung der Königin beim Tod der Könige der 1. Dynastie‹).

Nebengrab aus Abydos eines getöteten einheimischen Menschen.
Die meisten von ihnen waren Frauen

»Häufig umgaben mehrere hundert Nebengräber von Dienerinnen und Dienern, die beim Begräbnis des Königs geopfert worden waren, dessen Grabmal, um ihm auch im Jenseits dienstbar zu sein, mit Gerätschaft und Handwerkszeug, die sie im Diesseits benötigt hatten.« (Emery 1964, Abb. 15)
Bei den um die Hauptkammer angelegten (Sati-)Nebengräbern werden die Unterschiede der religiösen Vorstellungen der Einheimischen und der Eroberer deutlich. Die ersten Könige – und alle späteren Rädelsführer der indoeuropäischen Invasoren, Plünderer und Missionare – wurden in Rückenlage in der von den Indo-Europäern üblichen Stellung, mit dem Blick zu ihren Göttern im Himmel, beigesetzt. Sie glaub(t)en an ein ewiges Leben in einem utopischen Jenseits. Diesen Glauben haben alle monotheistischen Religionen, die auf Abraham zurückgehen und alle drei, die des gleichen indoeuropäisch/arischen Ursprungs sind, übernommen. Die ermordeten Einheimischen in den Nebengräbern wurden weiterhin in der Stellung eines Embryos begraben. Sie glaubten an eine irdische Wiedergeburt aus dem Körper einer Frau im Diesseits. Natürlich kann diese These nicht bewiesen werden, jedoch weisen die archäologischen Funde eindeutig darauf hin, dass die verstorbenen liebevoll rituell bestattet wurden, dass es einen Totenkult, eine Ahnenverehrung gab. Die in embryonaler Lage Bestatteten lässt auf den Glauben an eine Wiedergeburt schließen. Archäologie online berichtet am 5.5.21, dass das ›Älteste menschliche Begräbnis in Afrika gefunden wurde‹: »Die rund 78’000 Jahre alte Grabstätte wurde in der kenianischen Höhle Panga ya Saidi entdeckt. Ein internationales Forschungsteam berichtet in einer aktuellen Studie über die früheste Bestattung eines modernen Menschen in Afrika. Das zweieinhalb- bis dreijährige Kind wurde vor rund 78’000 Jahren in gebückter Haltung in einem flachen Grab direkt unter dem schützenden Felsüberhang am Eingang der Höhle begraben.« Ich habe ›in gebückter Haltung‹ hervorgehoben, weil der Hinweis auf die embryonale Lage immer wieder und schon seit langem von patriarchalen ArchäologInnen bekämpft und als ›Hockerhaltung‹ abgewertet wird.

Mit dem Patriarchat kam die Lüge in die Welt…

… und wird bis heute systematisch als Machtmittel, als politisches Instrument eingesetzt und für patriarchale Interessen genutzt. Patriarchale Priesterkasten erfanden Mythen und Legenden, welche die menschenfeindliche patriarchale Macht legitimierten. Zu den Mythenerfindern gehören heute zweifellos auch jene ÄgyptologInnen, die trotz der Grausamkeit der Artefakte, die aus der Zeit um 3000 stammen, behaupten, vor 5000 Jahren sei in Ägypten eine ›Hochkultur‹ geschaffen worden. Im Wikipedia finden wir u.a. folgende Merkmale, welche eine Hochkultur ausmachen sollen: »Eine geplante Landwirtschaft, die Existenz von Städten, politisch organisiert, mit einem zentralisierten Verwaltungssystem, anspruchsvolle künstlerische Leistungen (Schriftkultur, Musik, bildende Kunst, Architektur), die Entwicklung von Wissenschaften, ausgebaute Religion.« Was Geschichtswissenschaftler aber einer Hochkultur ebenfalls als zugehörig zuordnen: »Militärische Sicherheit, schlagkräftiges Militärwesen, Berufssoldaten.« Mit anderen Worten, die patriarchale Definition von Kultur ist eine auf Macht, Gewalt und religiösen patriarchalen Mythen basierende, waffenstrotzende, autokratische, absolute Männerherrschaft. Alle Merkmale, ausser jene der Staatsgewalt, die nicht zu einer zivilisierten Kultur gehören und vor dem Umsturz in den Matriarchaten nicht existierten, waren zur Zeit der Machtnahme der indoeuropäischen Eroberer vor 5000 Jahren in Ägypten und Mesopotamien schon seit mindestens 1000 Jahren archäologisch feststellbar. Der Ägyptologe Dietrich Wildung bestätigt dies, allerdings unabsichtlich. Er stellte fest:

»Als das Alte Ägypten um das Jahr 3000 in das Licht der Geschichte tritt, ist alles,
was für die kommenden drei Jahrtausende bis zum
Beginn unserer Zeitrechnung
den unverwechselbaren Charakter
dieser frühen Hochkultur prägen wird,
bereits angelegt.«
(Dietrich Wildung 1981, S. 8)

Unglaublich hingegen, was Erik Hornung beschreibt: »Wie der vorgeschichtliche Ägypter das Verhältnis von Tier und Mensch gesehen hat, zeigt wohl am deutlichsten die Schlachtfeld-Palette… sie zeigt ein Schlachtfeld, das mit den verrenkten Körpern besiegter Feinde bedeckt ist; ohne Kleider und ohne Waffen, bietet die unterlegene Partei – in menschlicher Gestalt! – ein Bild völliger Wehrlosigkeit. Die Sieger, denen sie hilflos preisgegeben ist, erscheinen als tiergegstaltige Mächte: Löwe, Raubvögel…« (Hornung 1971, S. 94 ff) Hornung erkennt nicht, dass es eine fremde Macht ist, welche die wehrlosen, nackten Einheimischen angreift und gefangennimt. Selbst die Standarte mit dem Falken der fremden Schemsu-Hor erkennt Hornung nicht als Ausweis der Invasoren, die diese brutale Schlacht gegen die indigenen Ägypter schlagen.

Die Schlachtfeld-Palette (nach Hornung 1971, S. 95)

Die fehlerhafte und beschönigende Beurteilung der Paletten aus der Zeit der Eroberer Kriege hat in der Ägyptologie System. Entweder werden die Grausamkeiten übersehen, verharmlost, falsch interpretiert oder sie werden den ›vorgeschichtlichen Ägyptern‹ unterstellt. So kann uns die Machtnahme und Grausamkeit des Narmer auf seiner Palette als Kraft, die Ordnung schafft und das vordynastische Chaos überwindet, aufgeschwatzt werden.
Der vorderasiatische Archäologe Burchard Brentjes ist einer der seltenen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Altorientalistik, der in der Beschreibung des Beginns der patriarchalen Zeit eine menschliche Seite zeigt. Brentjes erkennt die Tragik, den gewaltsamen Umbruch in der Gesellschaft, beschreibt die Katastrophe, die sich damals in Mesopotamien nach dem Einfall der Sumerer abspielte und lässt sich berühren. Erschüttert beschreibt er, was damals geschah:

»Eine soziale Revolution ging vor sich, die die Jahrmillionen der Gleichheit beendete, ein gesellschaftlicher Umsturz, der mit der Erfindung der Sichel und der Reibmühle begonnen hatte und dessen Grundlagen in den Jahrtausenden von Mureybet bis Obeid entstanden waren.« (Brentjes 1981, S. 53)

Brentjes betont, dass obwohl noch viele Fragen offen seien, der Übergang von der Urgesellschaft zum Staat in mehreren Regionen nachgezeichnet werden könne, und dass dieser Prozess die Einrichtung eines Zwangsapparates in der Gesellschaft, einer Armee und anderer Gewaltmittel im Dienst einer herrschenden Klasse« zur Folge hatte.
Während Mütter und die frühen Matriarchinnen ihre Macht dafür einsetzten, sich verantwortungsvoll für das Wohl ihrer Kinder und das Volk zu sorgen, männlichen Aggressionen Grenzen zu setzen und damit Kriege erfolgreich zu verhindern, setzen patriarchale Männer Macht ganz anders ein; sie können mit Macht nicht umgehen; Macht verführt und korrumpiert sie. Sie nutzen diese ausschließlich zur Durchsetzung ihrer eigenen egoistischen Interessen, zur Befriedigung ihrer Eitelkeit, ihrer Gier nach Beute, Profit und Prestige. Macht schürt ihren Narzissmus, ihre Habsucht und ihre Skrupellosigkeit. Sie begeistern sich für Waffen, haben Freude an Gewalt und Lust am Töten und verfallen in unzähligen Kriegen einem Blutrausch.
Systematisch werden heute Kriegsspiele für Jungen geschaffen, die den Krieg als Abenteuer, als Spiel, als Adrenalinkick propagieren und verharmlosen. So werden sie schon im Kinderzimmer an ihrem Computer zu rücksichtslosen Kriminellen und Killern gedrillt und für ihre digitale Anzahl von Siegen und Morden geehrt, belohnt und bejubelt. So werden heute tatsächlich moderne Kriege geführt, am Toystick, aus der Ferne mit Drohnen. Da wird ohne Hemmung und ohne Scham geschossen und getötet, wie uns das durch Wikileaks vor Augen geführt wurde. Danach werden nicht etwa die ruchlosen Mörder bestraft, sondern die Überbringer der Bilder der verbrecherischen Taten (s. die skandalöse Geschichte, wie die patriarchalen Regierungen mit Julian Assange umgehen).
Die patriarchalistische Weltanschauung, patriarchale Mythen, erste patriarchale Götter, autoritäre patriarchale Hierarchien, Unterdrückung, Ausbeutung, Sklaverei und Ungerechtigkeit, alles was uns bis zum heutigen Tag beherrscht, nahm mit dem Beginn patriarchaler Machtnahme vor 5000 Jahren seinen Anfang. Absurd ist, dass die Ausgebeuteten und Unterdrückten, denen die Mächtigen ihren Profit und ihre Macht verdanken, diese für ihren Reichtum auch noch bewundern und ihnen die Ehre erweisen.

Das Patriarchat – die Herrschaft der Väter

Der Kampf patriarchaler Männer gegen die indigenen Völker, insbesondere der Hass und der Kampf gegen die Frauen, der seit der Institutionalisierung des Patriarchats zu Beginn des 3. Jahrtausends andauert, führte schon damals bis zum Femizid, zur systematischen Ermordung der Königinnen, ihrer Familien und ihres Hofstaates, insgesamt etwa 1000 Menschen, die meisten von ihnen waren Frauen, wurden in der 1. Dynastie Ägyptens ermordet. Dasselbe passierte auch in Mesopotamien. Seit 5000 Jahren herrscht ein Krieg gegen die Frauen, insbesondere gegen jene, die sich dem patriarchalen System nicht unterwerfen. Der Kampf findet auf allen Ebenen statt, heute ist eines der üblichsten und übelsten Mittel, ihre Verunglimpfung und Bedrohung im Netz. Patriarchale Männer im Allgemeinen und jene, die die Macht in den patriarchalen Staaten haben, schauen dem widerlichen Treiben, weißer Männer zu, ohne einzugreifen; der Staatsapparat ist offensichtlich nicht daran interessiert die Frauen gegen männliche Aggressoren zu schützen. Naomi Klein erklärt dies in einem Interview bei arte ›28 Minuten‹ wie folgt:

»Es gibt eine Sichtweise, die einen Krieg gegen die Natur erlaubt. Es ist ein Krieg gegen alle Menschen, die als der Natur nahestehend angesehen werden. Im Patriarchat werden Frauen als der Natur näherstehend betrachtet. Sie gelten als wilde Lebewesen, die man zähmen muss. Das ist eine kolonistische Sichtweise. Man hat die Menschen hierarchisch eingeteilt. Wer nicht zur Christenheit zählt, steht der Tierwelt näher. Deshalb wird gegen Naturvölker immer Krieg geführt.« (Naomi Klein)

»Der patriarchale Mann will sich nicht als Teil der Natur,
sondern als ihr Herr fühlen.«
(Gerda Weiler)

Wenn man die zahllosen, unsäglichen Probleme der heutigen Welt betrachtet, sieht man, wozu uns pathologische Männer und das patriarchalistische System geführt haben. Nicht nur ist patriarchales Verhalten der Ursprung des heutigen Zustandes der Welt, sondern es zeigt auch den Irrwitz dieser unheilvollen, toxischen Doktrin und das totale Versagen der Männer an der Macht. Sie wollen dieses System mit aller Kraft aufrechterhalten, z.B. indem sie Frauen an der Teilnahme der Macht behindern, sei es in der Regierung, den Chefetagen der Multis oder der Kirche.

Das Patriarchat ist ein pathologisches, verdummendes und ausbeuterisches von Männer dominiertes Machtsystem. Skrupellose, patriarchalistische beschränkte,autoritäte Politiker beherrschen die meisten Völker dieser Welt.

Indem man Menschen ideell, politisch und religiös indoktriniert, werden sie psychisch abhängig gemacht und damit ausbeutbar und zu gehorsamen Untertanen gedrillt. Wir werden u.a. von Psychopathen regiert, kontrolliert und manipuliert. Der deutsche Kriminal- und Geheimdienstanalyst Mark T. Hofmann spricht von einem immer gleichen Muster. Während der psychopathologische Anteil in der Bevölkerung bei 1 % proportional vertreten ist, sind es bei Männern an der Macht, beispielsweise den Regierenden und Top-Managern zwischen schockierenden 2–8 Prozent. Ihre enorme Macht verführt sie nicht selten zu unmoralischem und kriminellem Tun.

Was die meisten HistorikerInnen nicht sehen wollen

Als Ursprung der Macht »begriff man ehemals das Gebären«, stellte der italienische Historiker Roberto Zapperi fest. (Zapperi ›Der schwangere Mann‹ 1984) Diese einzigartige Macht, Leben weiter zu geben, hatten nun einmal nur die Frauen; nur sie wurden in den Hunderttausenden Jahren der Menschheitsgeschichte verehrt und hatten Macht. Sie brauchten nicht für diese Macht zu kämpfen, sie hatten sie durch Geburt. An dieser Macht wollten eifersüchtige Männer nach der Entdeckung der biologischen Vaterschaft nicht nur teilhaben; sie wollten alleinige Macht. Ihr aggressives Machtstreben bezeugen die brutalen Reaktionen, die im Laufe der Zeit auf die Entdeckung folgten. (s. D. Wolf ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019, S. 295). Der Erfolg und die reiche Beute ihrer Überfälle und Eroberungen berauschte die Krieger, die gelungene Unterwerfung der unbewaffneten, matriarchalen Kulturen überwältigte sie förmlich. Die männliche Aggression wurde gefeiert. Mythen erzählen von Überlegenheitsphantasien, von Siegestrunkenheit und Triumphen. Die Herrschaftsansprüche steigerten sich zunehmend im grandiosen Anspruch alleiniger Schöpfungsmacht. Der Geltungsdrang der ersten patriarchalen Männer – beginnend bei den Anführern der indoeuropäischen Krieger, mündete ins erste männliche Königtum in Mesopotamien und Ägypten – artete aus in Größenwahn und beanspruchte für sich Göttlichkeit und All-Macht. Der Anspruch manifestiert sich heute in den Chefetagen der Regierenden, den Institutionen und Konzernen, den Multis und ihren Lobbyisten und Aktionären und bei den Mächtigen der monotheistischen Religionen.
Dem Patriarchat fehlen grundsätzlich der Respekt und die Würdigung der Frauen, ihrer Menschlichkeit und ihren Kulturleistungen.

Was ÄgyptologInnen nicht sehen wollen

Die ›Chefs› (Chefu-=Cheops, Chef-re), die Anführer der Eroberer, wurden durch die erzwungene Heirat (Vergewaltigung) mit der regierenden Königin zu Königen. Der Thron und die Thronfolge blieben jedoch trotzdem bis zum Ende des pharaonischen Ägyptens, 3000 Jahre später, in weiblicher Hand. In der 1. Dynastie Ägyptens wurden die Grundlagen unserer Zivilisation gelegt, nicht erst in Griechenland, wie ständig behauptet wird. Die matriarchale Elite, die Königin, ihre Kinder, die weisen Frauen, die Priesterinnen der Göttin usw. wurden beim Tod des Königs umgebracht und gleichzeitig mit ihm bestattet. (s. ›Sati‹ – Die Ermordung der Königin beim Tod der Könige der 1. Dynastie‹). (s. Kapitel III: „Sie erfanden die ersten männlichen Götter und die erste patriarchale Religion“)
Nachdem die Frauen entmachtet und zum Schweigen gebracht worden sind, mangelt es am sozialisierenden und zivilisierenden Einfluss der Mütter und der spirituellen Kraft der Mutter-Göttin. So versinkt die patriarchale Welt in männlicher Gewalt, Diktatur, Terror, Lügen und unendlichen Kriegen! Das Patriarchat schaufelte das Grab der Freiheit der Menschen. (s. Der Verlust der Freiheit und des irdischen Glücks im Patriarchat)

»Ägypten lag immer und liegt noch heute in Afrika.«
(Alexander Scharff)

Isolationistische Ägyptologen beharren darauf, Ägypten sei von Weissen bevölkert gewesen; Weisse waren jedoch lediglich die Angehörigen der Oberschicht. Damit soll die Eroberung des Landes durch weisse Indo-Europäer verleugnet werden. Alexander Scharff schrieb gegen die Fehlinterpretation der Isolationisten an. Er schreibt: »Eine tiefergehende Beeinflussung Ägyptens durch die sumerische Kultur und eine unbestreitbare zeitliche Verklammerung der späten Nagada II-Kultur samt der frühen 1. Dynastie auf der ägyptischen und der Djemdet-Nasr-Kultur auf der mesopotamischen Seite, darf unter keinen Umständen zeitlich auseinandergerissen werden.« (Scharff 1950, S. 13, 14, 17) Er begründet dies mit den archäologischen Ausgrabungen:

»Skelettfunde aus Gräbern der [vor-pharaonischen] Badari- und
Nagada-I-Zeit haben in der Tat ergeben, dass jene Bevölkerung
afrikanischen Ursprungs war.«
(Alexander Scharff)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen einige ÄgyptologInnen und ArchäologInnen, unter ihnen äußerst kompetente Frauen mit einer breiten interdisziplinären Bildung und Erfahrung, die tabuisierten Themen wieder auf. Helene J. Kantor, die von 1961-1978 im alt-iranischen Gebiet von Elam die Grabungen von Chogha Mish zusammen mit Pinhas Delougaz leitete, machte sich vor allem einen Namen als Keramikforscherin. Sie wies anhand ihrer Studien die frühen friedlichen Beziehungen Ägyptens mit Mesopotamien und Alt-Iran nach. Margaret A. Murray konnte nachweisen, dass in der Endphase der prädynastischen Kultur der Einfluss von Fremden eine immer bedeutendere Rolle spielte, und dass mehr oder weniger friedliche Infiltrationen schlielich in eine militärische Invasion mündeten. Elise J. Baumgartel dokumentierte mit ihren Arbeiten die Kultur der neolithischen (schwarzafrikanischen) Badari- und Nagada-I-Zeit (ca. 5500–3500). Sie konnte belegen, dass die anschließende Nagada-II-Zeit (ca. 3500–3100) derart verschieden war, dass sich die spätere nicht aus der früheren habe herausbilden können. Überzeugend argumentierte sie, es könne sich deshalb nicht um eine Weiterentwicklung gehandelt haben; vielmehr gehe es um eine völlig neue Kultur. Sie schreibt, es scheine, die Heimat der Eindringlinge sei nicht weit von jener der Sumerer gewesen, mit denen schon die Leute der Nagada-I-Zeit Handel getrieben hatten. (Elise J. Baumgartel 1955, S. 49) Und weiter betont sie:

»Der Umbruch in der Nagada-II-Zeit war eine Symbiose zweier Zivilisationen, einer afrikanischen und einer vorderasiatischen. Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis vom Anfang des dynastischen Ägypten, der kein kulturelles, sondern ein politisches Ereignis war.« (Elise J. Baumgartel 1960, S. 154)

»Der Einfluss dieser [indoeuropäischen] Invasionen einer aggressiven männlich dominierten Kultur wirkt bis heute nach, und wir fangen gerade erst an, die jahrtausendelange Entfremdung von unserem ureigenen europäischen Erbe einer gylanischen, [mutterentrierten], nicht gewalttätigen, erdgebundenen Kultur zu entdecken«, schreibt Marija Gimbutas (›Die Sprache der Göttin‹ 1995, S. XXI)

Doch das Thema der fremden Einwanderung in Ägypten wird von Unbelehrbaren, wie etwa Joachim Rehork – das war allerdings noch im Jahre 1990 – bestritten. Die französische Archäologin Béatrix Midant-Reynes vertritt jedoch noch 2013 die Meinung der Isolationisten und behauptete: »So stark auch die nahöstlichen Einflüsse in der Nagada-II-Periode waren, die meisten Ägyptologen sind sich darin einig – leider verrät uns BMR nicht, wer dazu gehören soll – , dass die Entstehung des ägyptischen Staates und der ägyptischen Kultur als Ergebnis innerer Entwicklungen anzusehen ist.« Die Ansicht ›der meisten‹ Isolationisten kann in Anbetracht der wissenschaftlich fundierten archäologischen und linguistischen Forschungsergebnisse längst nicht mehr aufrecht erhalten werden. Mit dem heutigen Wissen um die anderen großen urgeschichtlichen Kultu­ren kann Ägypten auch nicht als isoliertes Forschungsobjekt untersucht werden. Unzweifelhaft war die neolithische Geschichte Afrikas, Vorder- und Zentralasiens, mit den alten Ländern des heutigen Iran, Irak, von Syrien, Afghanistan, dem Industal/Pakistan und Indien eng verbunden. Die brisante Frage nach Ur­sprung und Herkunft der ersten Herrscher über Ägypten – von Flinders Petrie als weisse Rasse erkannt – wurde, jedoch aus der Diskussion ausgeklammert. Deshalb wird er und mit ihm die bedeutenden ArchäologInnen und ÄgyptologInnen – etwa von Thomas Schneider – überheblich als ›veraltet‹ abgetan (s. Doris Wolf ›His Masters Voice‹ und D. Wolf 2009, S. 322–327.

Die indoeuropäische Hierarchisierung

»Die hierarchische, indoeuropäische Kultur ist eine »patrilineare Gesellschaft mit einem Kriegerhäuptling als patriarchalischem Herrscher an der Spitze«, konstatierte Marija Gimbutas.Im Jahre 1938 er­kannte der französi­sche Religionswissenschaftler Georges Dumézil die menschenverachtende Ideologie des Dreiklassensystems zum ersten Mal in der primitiven Ge­sellschaft der Indo-Europäer.

»Dumézil stellte fest, dass die ›drei Funktio­nen‹ die
indoeuropäische Gesell­schaft von jeder anderen unter­scheiden.« 
(Eliade/Couliano 1991, S. 138)

Eine der nach­haltigsten Konse­quenzen der indoeuropäischen Eroberungen ist die Einführung eines hierarchisch gegliederten Klassen-, bzw. Kastensystems, sowohl in der politischen Struktur als auch in ihrer patriarchalen Religion. Marija Gimbutas bestätigt die Feststellung: »Die patrilineare und patriarchalische Struktur und das Dreiklassensystem von Herrschaft, Krieger-Adel und arbeitender Bevölkerung wird durch die aus dem Sprachvergleich stammende linguistische Evidenz als indoeuropäisch erwiesen. Diese Klassenstruktur ist auch in den Mythologien indoeuropäischer Völker reflektiert.« (Gimbutas ›Die Ethnogenese der europäischen Indogermanen‹ 1992, S. 8) »Überall stammt der König aus dem den zweiten Stand bildenden Kriegeradel«, schreibt der Indo-Europäer-Forscher und Sanskrit-Gelehrte Jean Haudry (›Die Indo-Europäer‹ 1986, S. 76).
Das indoeuropäische Kastensystem überlebte in dem von Indo-Ariern eroberten Indien bis heute. An seinen empörend rassistischen Auswirkungen sehen wir, wie es in Ägypten und Mesopotamien einmal gewesen sein dürfte. Die Propaganda des indoeuropäischen Klassensystems begegnet uns erstmals auf der Narmer-Palette. Narmer, verrät uns seine indoeuropäische Herkunft bereits mit seinem Namen, der unsinnigerweise mit ›Wels‹ übersetzt wird. ›Nar‹ bedeutet in indoeuropäischen Sprachen ganz einfach Mann, und bezeichnet einen Mann der herrschenden Schicht. (s. ›Wer war Narmer?) Sein Rang mani­festiert sich durch die Größe der Figuren auf der Palette. Der Ägyptologe Hermann Ranke hebt in sei­ner Be­schreibung der Palette hervor, dass die überein­ander gereih­ten Bil­der »die darge­stellten Vorgänge übersichtlich ordnen; die Hervor­hebung der Haupt­perso­nen durch ih­re Größe, welche die hohen Beamten über die einfachen Leute des Volkes, den König selbst aber weit über seine Würdenträger emporragen lässt.« (Ranke 1954, S. 354) Und Pierre Montet meint: »Die ägyptische Kunst lässt zu allen Zeiten das Nebenein­ander eines hochgezüchte­ten und eines ge­wöhnlichen Typs erken­nen.« (Montet 1975, S. 58) Die Diskriminierung der dunklen Bevölkerung als Folge des indoeuropäischen Kastensystems wird in den ägyptischen ›Weisheitslehren‹, in denen die Menschen nach Höhergestellten, Gleichrangigen und Niedrigeren einge­teilt werden, als ›göttlich‹ legiti­miert. Der Ägyptologe, Theologe und Alt-Nazi Siegfried Morenz findet daran nichts Anstößiges. Er begründet die menschenverachtende Ideologie damit, dass »der Schöpfergott nach sei­nem freien und unerforschlichen Willen die Ge­schöpfe qualitativ differenziert und die einen zu Niederen und die anderen zu Höhe­ren bildete.« (Siegfried Morenz, ZÄS 1959, S. 79) Aristoteles, Nachkomme der weissen eingewanderten arischen Herrenmenschen meint, die einen seien zu Höherem geboren, die andern dazu da, diesen zu dienen. Und er glaubt, nur der griechische Mann sei vernunftbegabt, Menschen, die sie zu Sklaven gemacht haben, seien dagegen Barbaren. Sie stehen in der sozialen Ordnung ganz unten. Solche Ideologien rechtfertig(t)en schon davor und in der Folge bis heute, die Ausbeutung von Menschen, den Rassismus, das Überfallen fremder Länder und den Kolonialismus. So schreibt etwa der deutsche Ägyptologe, ein glühender Anhänger Hitlers, Hellmut Brunner:

»Dem König als dem Sohn Gottes obliegt die richtige Durchführung des Kultes
wie eine hinreichende Versorgung des Volkes, eine gerechte Rechtsprechung wie die »Erweiterung der Grenzen.
Dabei kommen nur einem Europäer des 20. Jahrhunderts Worte wie ›Imperialismus‹ oder gar ›Kolonialismus‹ in den Sinn. Aber in Ägypten,
das bei der Schöpfung von Gott aus dem Chaos ausgegrenzt und mit dem fruchtbaren Nil versehen, den Menschen zuliebe ›geschaffen‹ wurde, ist jede Tat die dem Chaos ein weiteres Stück abringt und der Ordnung zuschlägt, eine Fortsetzung der Schöpfung«,
schreibt
 Hellmut Brunner 1989, S. 67)

Da fehlen wahrscheinlich nicht nur mir die Worte! Zum Nutzen der fremden Oberschicht wurden sowohl Kriegsgefangene als auch Einheimische ausgesondert und gegen das Volk einge­setzt. Dazu ge­hörten in erster Linie Steuer­eintreiber, die Polizei und eine Unzahl von Aufse­hern, die rücksichtslos, brutal und hart gegen ihre eigenen Landsleute vorzugehen hatten. In der Folge bleibt »die Sozialpyramide, die im sogenannten Pyramidenzeitalter in Ägypten und Mesopotamien entstanden war, weiterhin das Modell für jede zivilisierte Gesellschaft«, schreibt Lewis Mumford:

»An der Spitze stand eine von Stolz und Macht aufgeblähte Minderheit,
angeführt vom König und seinen Ministern, Adeligen, Kriegsherren
und Priestern… und einer breiten Basis von Arbeitern, die von der
auf ihnen liegenden Last erdrückt wurde.«
(Lewis Mumford) 

Nach der Eroberung Mesopotamiens und Ägyptens überfluteten weitere Invasionen aus dem Norden die gesamte damalige Welt. Die mit den persischen Ariern verbündeten Indo-Europäer zogen über den Hindukusch nach Indien; Hurriter, Hethiter, Mitanner, Luwier (Leviten) eroberten den Südwesten und später fielen die Dorer in Griechenland ein. Alle eroberten Länder lebten unter der fremder, indoeuropäischen Herrschaft, einer weißen Oberschicht von Despoten und der arischen Priesterkaste, die die ersten männlichen Götter erfunden hatte.
Es war eine entsetzliche Katastrophe, die vor 5500 mit dem Überfall und der vollständigen Zerstörung der nordsyrischen Stadt Hamoukar begann. Und diese Tragödie setzte sich seither fort, wurde nicht kleiner, sondern größer und hat heute einen Höhepunkt der kriegerischen Gewalt und dem damit verursachten Elend erreicht: Die Jahrtausend-Verbrechen, die beiden Weltkriege, die Ermordung von 6 Millionen Juden, der Einsatz von Atom- und Wasserstoffbomben, von mehr als 60 Millionen Flüchtlingen und Millionen von Hungertoten und lebendig verbrannten als Hexen verschrienen Frauen, usw. usw.
Mit den Eroberungen wurde die bis dahin im Frieden lebende Menschheit erstmals – und kontinuierlich bis heute – mit Gewalt, Krieg, Zerstörung, Ausbeutung, Armut und Versklavung überzogen. Immer raffiniertere Waffen in den Händen skrupelloser, kriegslüsterner, machtgeiler, brutaler, gefühlloser und habgieriger Psychopathen an der Macht dominieren und gefährden heute das Leben auf der ganzen Welt. Überall kämpfen und sterben die Menschen, um endlich in Freiheit zu leben. In Ägypten versuchen sie das Joch der Nachfolger der damaligen Eroberer und die von den ÄgyptologInnen frenetisch verherrlichte Pharaonenherrschaft abzuschütteln. Vergeblich! Diktatoren, Despoten, Terroristen, religiöse Fanatiker, Gauner und Lügner, beherrschen heute die Welt. Eine bittere Bilanz der patriarchalen Herrschaft nach 5000 Jahren.

Sesshaftigkeit versus Nomadentum

Sesshaft sollen die Menschen erst zwischen dem 12. und 10. Jahrtausend geworden sein, so wird behauptet. Diese früheste Sesshaftigkeit sei der Grund für Streitereien um ein Stück Weideland oder ein Stück Vieh gewesen, die schließlich zu den ersten Kriegen geführt haben sollen. Das ist absurd, denn Land gab es genug, die Welt war gross und noch wenig bevölkert.
Sesshaftigkeit war die normale Lebensweise. »In Ägypten lassen sich 2 Millionen Jahre alte menschliche Besiedlungen nachweisen. Lange bevor das Niltal, noch von regelmäßigen Hochwassern durchströmt, bewohnbar wurde, siedelten hoch an den Talrändern Menschen, deren Existenz in den von ihnen gefertigten und benutzten Feuersteingeräten nachweisbar ist.« (Nachgewiesen vom französischen Archäologen Fernand Debono, geschrieben von Dietrich Wildung 1981, S. 8). Forscher aus Westafrika berichten über ›Wiederholte Besiedelungen der afrikanischen Westküste während der Mittleren Steinzeit‹. »In einer im Journal of Archaeological Science Reports veröffentlichten Studie legen Forschende der Université Cheikh Anta Diop de Dakar in Senegal, des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte (MPI-SHH) und der Universität Sheffield Belege für Besiedelungen während der Mittleren Steinzeit an der afrikanischen Westküste dar. Mit einem Alter von 62’000 bis 25’000 Jahren dokumentieren die präzise datierten Fundsammlungen der Region knapp 40’000 Jahre technologische Kontinuität in Westafrika.« (archaeologie-online.de vom 21.11.2020)
Die Völker lebten sesshaft, in kleinen und größeren Siedlungen. Sie dürften, wie wir das heute noch tun, schöne Plätze am Wasser, an Flüssen und Seen bevorzugt haben; da gibt es Trinkwasser, Fische und Muscheln. Warum sollte man den Wohnort verlassen und weiterziehen, wenn der Ort angenehm zu leben war und genügend Nahrung bot? Das waren wohl wie heute auch kleine Gruppen von abenteuerlustigen und neugierigen Auswanderern. Wirkliche Nomaden waren ausschliesslich die Viehzüchter in den südlichen Steppen Russlands, die zur Suche nach immer wieder neuem Weideland gezwungen waren.

Das Desinteresse der patriarchalen Wissenschaft

Erstaunlicherweise wurden die Gründe, die zur Entstehung des Patriarchats führten und der gewaltige gesellschaftliche Umbruch vom Matriarchat ins Patriarchat, der zur Zeit der Eroberungen der Indo-Europäer stattfand, von der patriarchalen Wissenschaft nicht erkannt oder bewusst übergangen. Marija Gimbutas berichtet jedoch vom Zusammenprall zweier Ideologien, Gesellschaftssystemen und Wirtschaftsformen, von der Zerstörung des Matriarchats und von der kriegerischen Errichtung des Patriarchats, in dem wir heute noch leben. Sie schreibt von

»einer die kulturellen Grundfesten erschütternden Kollision«.

Außer Marija Gimbutas will niemand die Erfindung des Patriarchats durch die kriegerischen Indo-Europäer erkennen, obwohl der daraus resultierende tiefgreifende Wandel unübersehbar ist. Das Desinteresse der patriarchalen Wissenschaft an der Aufklärung der urgeschichtlichen Zeit, der Entdeckung der Vaterschaft, dem Umbruch vom Matriarchat ins Patriarchat, der Rolle der Frau und der Religion der Großen Göttin und die Erfindung der ersten männlichen Götter führten zu einer fatalen Unwissenheit und Geschichtsklitterung. Die Historikerin Gerda Lerner beobachtete bei ihren mesopotamischen Studien zum Patriarchat: »Die Veränderungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status der Frauen sind in den Untersuchungen über das alte Mesopotamien nur am Rande und vereinzelt berücksichtigt worden – ganz im Gegensatz zu der Vielzahl von Studien, in denen der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus und die damit einhergehende Verschiebung der hervorragenden Bedeutung von mächtigen Göttinnen auf einen einzigen männlichen Gott zum Gegenstand der Untersuchung gemacht worden sind. Dieses Thema ist unter den Aspekten der Theologie, Archäologie, Anthropologie und Literaturwissenschaften behandelt worden.« (Lerner 1991, S. 185) Lerner beraumt den einsetzenden Prozess der Patriarchalisierung auf den ziemlich genauen Zeitpunkt um etwa 3100 völlig richtig an und misst der Periode der Durchsetzung des Patriarchats etwa 2500 Jahre, von 3100 bis 600 v.u.Z. zu. Dennoch scheint sie davon auszugehen, dass das, was sich seit dem Ende des 4. Jahrtausends in Mesopotamien abspielte einfach die Fortsetzung, vielleicht eine Verstärkung und Dramatisierung von Zuständen war, die ›schon immer‹ so gewesen sind. Natürlich ist ihr bewusst, dass die ersten Bronzewaffen auftauchen, dass unzählige Siedlungen zerstört wurden und erstmals Städte mit kolossalen Schutzmauern umgeben wurden. Darf Lerner, die österreichische Jüdin, die 1939 vor den Nazis nach Amerika floh, vielleicht aus religiösen Gründen nicht wissen, dass erst in dieser Zeit im Vorderen Orient die ersten männlichen Götter von den patriarchalen Priesterkasten der Eroberer erfunden wurden und dass Jahwe ein später Gott ist?
Die patriarchale Wissenschaft und der patriarchale Klerus wollen die Fakten nicht sehen und nicht anerkennen. Sie propagieren die Veränderungen in Mesopotamien und Ägypten als ›Fortschritt der Menschheitsgeschichte‹, welcher die Menschen aus einer barbarischen Primitivität in die Hochkultur katapultiert haben soll. Die Behauptung, der Übergang von der urgeschichtlichen in die geschichtliche Zeit sei ein ›kultureller Fortschritt‹ gewesen, wie einige Leute beteuern, tönt wie blanker Hohn angesichts der Barbarei der vergotteten Tyrannen Mesopotamiens und Ägyptens. ÄgyptologInnen, die diese Neuerungen unkritisch und idealisierend als ›zivilisatorische Evolution‹, nicht aber die damit verbundene Zerstörung der alten Kultur und des egalitären sozialen Gefüges sehen wollen, hüten und verteidigen diesen ›Fortschritt‹ eifersüchtig als ›ägyptische‹ Errungenschaft. Nur durch das Verharmlosen, Verzerren und Weglassen der störenden Beweise der brutalen Gewaltherrschaft ist es möglich, das so populäre, aber gefälschte Bild der heilen Welt des pharaonischen Ägyptens aufrecht zu erhalten.

Mit Gewalt und Arroganz wurde die Herrschaft des Mannes,
das Patriarchat, in allen Kulturen durchgesetzt. Doch: 

»Gesellschaftsordnungen sind historisch, also nicht ewig.«
(frei nach Karl Marx)

 

 


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