II. Die Erfindung des unheilvollen Patriarchats

Der Entdeckung der biologischen Vaterschaft folgte die Erfindung der Herrschaft der Väter:
Das Patriarchat:
Eine auf Macht, Gewalt und Mythen basierende, waffenstrotzende, menschenverachtende, verantwortungslose, autokratische, absolute Männerherrschaft.

Das Patriarchat ist nicht einfach ›entstanden‹, sondern wurde einst von bösartigen, psychopathischen Männern bewusst und aktiv erdacht und konsequent in den letzten 5000 Jahren durchgesetzt. Menschenverachtung, Frauenhass, Neid, Eifersucht, Habgier und Narzissmus führten zu Abwertung, Diskriminierung, Unterdrückung und Entmenschlichung der Welt, insbesondere der Frau. Der Kampf patriarchaler Männer gegen die Frau wird durch eine religiös erfundene ›Minderwertigkeit‹ gerechtfertigt. Seit der Institutionalisierung des Patriarchats zu Beginn des 3. Jahrtausends – und heute wieder – führte der Kampf bis zum Femizid, zum systematischen Mord von Frauen  (s. die Ermordung der matriarchalen Frauen der ersten Dynastie Ägyptens ›Sati‹). Wenn man die unsäglichen Probleme der heutigen Welt betrachtet, sieht man, wozu dieses patriarchale System geführt hat. Nicht nur ist es der Ursprung des heutigen Zustandes der Welt, sondern zeigt auch das totale Versagen dieser unheilvollen, toxischen Doktrin.
Das Patriarchat ist ein pathologisches, verdummendes und ausbeuterisches System von männerdominierten, menschenfeindlichen Werten, die einem Volk, einem Land, der Welt als einzig richtig, einzig möglich und absolut notwendig aufgedrückt wird, mit dem Ziel, den Absichten und Interessen der Mächtigen in politischer, wirtschaftlicher militärischer und sozialer Hinsicht zu dienen. Indem man Menschen ideell, politisch und religiös indoktriniert, werden sie psychisch abhängig und damit ausbeutbar und zu gehorsamen Untertanen gedrillt.

Zum Vermächtnis der matriarchalen Steinzeit und dem kriegerischen Umsturz ins Patriarchat Europas, der sich auf die gleiche Weise in der ganzen damals bekannten Welt abspielte, schreibt Marija Gimbutas:

»Als die beiden Weltsichten mit ihren unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen aufeinanderprallten, führte das zu einem dramatischen Wandel im Alten Europa. Die Veränderungen drückten sich im Übergang von der matrilinearen zur vaterrechtlichen Gesellschaftsordnung aus, von der auf Wissen basierenden Theakratie zu einem militanten Patriarchat, von einer auf der Gleichberechtigung der Geschlechter beruhenden Gesellschaft zur hierarchischen Männerherrschaft, und von einer erdverwurzelten Göttinnenreligion zum indoeuropäischen, auf den Himmel ausgerichteten Götterpantheon.« (Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. 401)

Die indoeuropäischen Eroberer rissen die Macht an sich und errichteten das Patriarchat, die ›Herrschaft der Väter‹. Mit der Eroberung Ägyptens, der Vergewaltigung der amtierenden Königin und der Institutionalisierung des Patriarchats zu Beginn des 3. Jahrtausend ging der Kampf gegen die matriarchale Leitung und die Verehrung der Mütter einher, der sich erst mittels Gewalt, später durch Propaganda rasch ausbreitete. Es gibt zahlreiche Hypothesen, wie, warum und wann das Patriarchat entstanden ist, die aber bisher lediglich mehr Fragen als überzeugende Antworten brachten. Es sind Vermutungen, Interpretationen und Spekulationen, die den Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat zu erklären versuchen. Sie reichen von Bachofen, der eine höhere Entwicklungsstufe vom Körperlich-Weiblichen zum Geistig-Männlichen phantasierte, bis zum Geologen James DeMeo, der die Entstehung des Patriarchats ausschließlich mit einem Klimawandel begründete. Obwohl nur Viehzüchter Nomaden waren und Sesshaftigkeit an geeigneten Orten längst Normalität war, glauben verschiedene Wissenschaftler, unter ihnen Evolutionsbiologen, es wäre ein angenommener später Beginn der allgemeinen Sesshaftigkeit (vor 10-12‘000 Jahren) und damit verbunden der Wechsel vom [unbewiesenen] Jagen, dem Sammeln und dem Übergang zum Ackerbau und der Erfindung des Pfluges, der eine Katastrophe verursachte, von der wir uns nie erholt hätten. Andere wiederum glauben, dass Hunger die Machtübernahme der Männer forderte, oder die Schlichtung von Streit um Weideland hätten männliche Führernaturen hervorgebracht. Manche glauben, verdichtete Siedlungen hätten zu hierarchischen Gesellschaftsformen geführt. Einige insistieren darauf, es hätte nie eine andere Gesellschaftsordnung als das Patriarchat gegeben.

»Und mir wurde klar, dass eine ganze Reihe von Individuen
hart daran gearbeitet haben und es auch heute noch tun, damit
es so aussieht, als sei das Patriarchat ein Naturgesetz,
so alt wie die Zeit.« (Carol Lee Flinders)

Es scheint mir jedoch zwingend, dass die Erfindung des Patriarchats, wie schon der Name sagt, explizit etwas mit den Vätern und der Entdeckung der biologischen Vaterschaft zu tun haben muss. (s. ›Die Entdeckung der biologischen Vaterschaft‹)
Die Durchsetzung des patriarchalen Systems war eine blutige Revolution, welche die Welt grundsätzlich veränderte. Skrupellos und mit äusserster Gewalt setz(t)en sich machtgierige, kriegslüsterne Anführer patriarchaler Männerhorden rücksichtslos durch und diese Art von patriarchalen weissen Männern hält bis heute Macht und Geld in ihren Händen. Der vorderasiatische Archäologe Burchard Brentjes ist einer der seltenen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Altorientalistik, der in der Beschreibung des Beginns der patriarchalen Zeit eine menschliche Seite zeigt. Brentjes erkennt die Tragik, den gewaltsamen Umbruch in der Gesellschaft, beschreibt die Katastrophe, die sich damals in Mesopotamien nach dem Einfall der Sumerer abspielte: »Eine soziale Revolution ging vor sich, die die Jahrmillionen der Gleichheit beendete, ein gesellschaftlicher Umsturz, der mit der Erfindung der Sichel und der Reibmühle begonnen hatte und dessen Grundlagen in den Jahrtausenden von Mureybet bis Obeid entstanden waren.« (Burchard Brentjes ›Völker an Euphrat und Tigris‹ 1981, S. 53) Brentjes betont, dass obwohl noch viele Fragen offen seien, der Übergang von der Urgesellschaft zum Staat in mehreren Regionen nachgezeichnet werden könne, und dass dieser Prozess die Einrichtung eines Zwangsapparates in der Gesellschaft, einer Armee und anderer Gewaltmittel im Dienst einer herrschenden Klasse« zur Folge hatte.
Matriarchale Frauen nutzten ihre Macht verantwortungsvoll und zum Wohle aller und setzten schon der möglicherweise latent vorhandenen Streitlust von Knaben Grenzen. Damit verhinderten sie spätere Kriege junger Männer. Bei patriarchalen Männern bewirkt Macht jedoch ganz eindeutig das Gegenteil. Sie schürt ihren Egoismus, ihre Habsucht und Machtgier. Die patriarchale Weltanschauung, erste patriarchale Götter, autoritäre patriarchale Hierarchien, Unterdrückung, Ausbeutung, Sklaverei und Ungerechtigkeit, alles was uns bis zum heutigen Tag beherrscht nahm damit seinen Anfang. Männer können mit Macht nicht umgehen; Macht korrumpiert sie. Sie nutzen diese ausschliesslich zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen, um Beute, Profit und Prestige.

Das Patriarchat hat die zivilisierende Macht der Mütter zerstört
und zunichte gemacht

Als Ursprung der Macht »begriff man ehemals das Gebären«, stellte der italienische Historiker Roberto Zapperi fest. (Zapperi ›Der schwangere Mann‹ 1984) Diese einzigartige Macht, Leben weiter zu geben, hatten nun einmal nur die Frauen; nur sie wurden bisher verehrt und hatten Macht. An dieser Macht wollten eifersüchtige Männer nicht nur teilhaben; sie wollten alleinige Macht. Ihr aggressives Machtstreben bezeugen die brutalen Reaktionen, die im Laufe der Zeit auf die Entdeckung der biologischen Vaterschaft folgten.  (s. D. Wolf ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019, S. 295). Der Erfolg und die reiche Beute ihrer Überfälle und Eroberungen berauschte die Krieger, die gelungene Unterwerfung der unbewaffneten, matriarchalen Kulturen überwältigte sie förmlich. Die männliche Aggression wurde gefeiert. Mythen erzählen von Überlegenheitsphantasien, von Siegestrunkenheit und Triumphen. Die Herrschaftsansprüche steigerten sich zunehmend im grandiosen Anspruch alleiniger Schöpfungsmacht. Der Geltungsdrang der ersten patriarchalen Männer – beginnend bei den Anführern der indoeuropäischen Krieger, mündete ins erste männliche Königtum in Mesopotamien und Ägypten – artete aus in Größenwahn und beanspruchte für sich Göttlichkeit und All-Macht. Damit versuchten sie ihren Minderwertigkeitskomplex als Väter, den sie aufgrund ihres minimalen Beitrages zum Erhalt der Menschheit erworben hatten, durch ›Göttlichkeit‹ zu kompensieren und ihren Hass zu rechtfertigen.

»Der weibliche, gebärende Schoß, ursprünglich das Heiligste,
wurde mit der Vergöttlichung der Zeugungsfähigkeit des Mannes
schließlich zum Sitz der Sünde schlechthin erklärt.«
(Eva-Maria Stark)

Dem Patriarchat fehlen grundsätzlich der Respekt und die Würdigung der Menschlichkeit und der Kulturleistungen der Frauen. Nachdem die Frauen entmachtet und zum Schweigen gebracht worden sind, mangelt es am sozialisierenden und zivilisierenden Einfluss der Mütter und der spirituellen Kraft der Mutter-Göttin. So versinkt die patriarchale Welt in männlicher Gewalt, Diktatur, Terror und unendlichen Kriegen! Das Patriarchat schaufelt das Grab der Freiheit der Menschen.

Das Patriarchat – Das Zeitalter der Metalle und der Kriege

Die Herrschaft der Väter wird mit Waffengewalt durchgesetzt und erhalten.

Für Jacques de Morgan, Bergbauingenieur, Geologe und Archäologe, der die Herkunft und Verarbeitung der Metalle im Ursprungsgebiet des Kaukasus und des Iran untersucht hatte, bestand kein Zweifel, dass die indoeuropäischen Invasoren Bronzewaffen einsetzten, die ihnen das Bezwingen der neolithischen Bevölkerung ermöglichte. (s.›Die Erfindung der Metallurgie – Eine Zufalls-Entdeckung?‹) Für ihn stand fest: Die Kenntnisse der Metallurgie kamen mit den Eroberern aus Zentralasien (de Morgan ›La préhistoire orientale‹ II, 1926, S. 216, 219, 233). Der Ägyptologe E.A. Walis Budge ist ebenso überzeugt, dass es die Metallwaffen der Eroberer waren, die zur Unterwerfung der eingeborenen Ägypter führten.

Die Metallurgie führte zu einer dramatischen Veränderung der Welt.
Die industrielle Herstellung von Waffen machten Kriege möglich.
Ohne Waffen kein Krieg!

Die Auswirkungen der Erfindung der Metallurgie führten zur Beendigung des Neolithikums und damit zu einer gewaltigen Wende in der Weltgeschichte: Die Herstellung und Bearbeitung der Metalle machten Männer zu Waffenschmieden und Kriegern. Leonard Woolley schreibt von »wilden Kriegern, die in den iranischen Bergen nördlich von Elam lebten.« (Woolley ›Mesopotamien und Vorderasien‹ 1961, S. 26) Es war die Effizienz und Überlegenheit dieser Waffen, die indoeuropäische Männer, Angehörige von Nomaden- und Halbnomadenstämmen aus Zentralasiens dazu verführt haben, diese gegen die unbewaffneten und unbefestigten Städte unter matriarchaler Leitung einzusetzen, diese zu erobern, auszurauben, diese schließlich zu übernehmen oder vollständig zu zerstören. Erstmals wurden nach der bisher ersten Waffe, der Keule – wir sehen sie auf der Narmer-Palette in der Hand des Eroberers in Aktion – massenhaft Metallwaffen hergestellt und gegen friedliche Menschen eingesetzt; erstmals wurden Länder im grossen Stil überfallen, erobert und ausgeraubt; erstmals wurden ganze indigene Völker unterworfen, versklavt und massakriert. Seither wurde während 5000 Jahren pausenlos Krieg geführt!

Die Eroberer Ägyptens: Indoeuropäische Waffenschmiede

Zu Beginn der Frühen Bronzezeit fallen kriegerische indoeuropäischen Horden in der Geschichte des Vorderen Orient auf. Leonard Woolley, der Ausgrä­ber von Ur ­nimmt an, dass die bewaffneten In­vaso­ren, die das südliche Mesopotamien überfielen und kolonisierten, aus Zentralasien kamen (Woolley Mesopotamien und Vorderasien‹ Kunst der Welt 1961, S. 15). Er schreibt:

»Es scheint, dass in einer Epo­che, die wir die Uruk-Zeit nennen,
aus den Bergen nörd­lich von Elam eine Infiltration von Menschen
stattfand, die sich schließlich zu Herren des­sen mach­ten,
was jetzt der sumeri­sche Staat war.«

Etwa gleichzeitig, gegen Ende des 4. Jahrtausends wurde Ägypten von der Schmiedekaste der indoeuropäischen Horiter, den  Shemsu-Hor‹ erobert. Die Bezeichnung ›Shemsu-Hor‹ wird übersetzt mit ›Anhänger/Begleiter des Horus‹ (des Eroberergottes in Falkengestalt), jedoch waren sie Waffenschmiede, die zum Falkenstamm der Horiter/Hurriter gehörten. Die Bezeichnungen ›SheMsu-Hor‹ und ›MeSniu/MeSnitu‹, das sumerische und hethitische ›SiMug‹, das deutsche ›SchMied‹, das altnordische SMiðr, das englische ›SMith‹, das horitische SeM-su und die SeM-Priester haben die gleiche Wort-Wurzel: ›SM‹ bzw. ›MS‹ und sind Teil der indoeuropäischen Sprachgruppe. Die SheMsu-Hor genossen großes Ansehen und gehörten zur privilegierten Schicht der Eroberer, die dem König ab dem Beginn des patriarchalen Königtums eng verbunden sind.
Damit begann die 5000 Jahre anhaltende Kolonisierung, Unterdrückung, Ausbeutung und patriarchal-religiöse Missionierung Afrikas, die bis in die Gegenwart andauert und ohne die Unterstützung durch die Priesterschaft und der Kirchen gar nicht möglich gewesen wäre. Die Priesterschaft stand immer auf der Seite der Mächtigen und die Mächtigen bedienten sich immer der Hilfe des patriarchalen Klerus (Donald Trump präsentiert sich mit der Bibel in der Hand!).
Die kriegerischen Indo-Europäer brachten nacheinander große Teile der damals bekannten Welt unter ihre Kontrolle: das Alte Europa, Anatolien, Syrien, Mesopotamien, den Fruchtbaren Halbmond bis und mit Arabien und Ägypten und setzten sich als despotische Herrscher über die autochthonen Völker. Der Indo-Europäer-Forscher und Sanskrit-Gelehrte Jan Haudry schreibt:

»Es gibt bei den Indo-Europäern eine Aristokratie
deren Hauptbeschäftigung der Krieg ist. Von den Dichtern besungen,
verhilft der Sieg dem Krieger zum ›unverwelklichen‹ Ruhm.«

»Die Dichter halten vor allem einzelne Großtaten fest, die den Helden über den Gemeinen erhöht und ihm den ›ewigen Ruhm‹ über den Gemeinen sichert… vor allem muss der Held der Gunst der Götter sicher sein; diese flössen ihm die ›kriegerische Wut‹, die Überspanntheit des ménos ein die die physische Kraft verzehnfacht… Aber die einzelnen Heldentaten reichen nie aus, um den Sieg zu sichern… Im Leben der indoeuropäischen Gesellschaft ist der Krieg ein normaler Zustand; es ist die gewohnte Beschäftigung des Adelsstandes… Krieg wird aus verschiedenen Gründen geführt: neue Gebiete erobern; den heimatlichen Boden verteidigen… eine Beleidigung rächen, die Vasallen an ihre Pflicht mahnen, Revolten unterdrücken.« Der Krieg sei vor allen Dingen ›ein Spiel‹, allerdings ein Spiel von Männern auf Kosten der Frauen und Kinder, als dessen Schiedsrichter die von ihnen erfundenen Götter fungierten. »Die Kriegsführung untersteht festen Regeln: Der Sieg soll den Widerstand brechen und nicht den Feind vernichten« d.h. versklaven, ausbeuten, missbrauchen aber nicht töten! (Haudry ›Die Indo-Europäer‹ 1968, S. 131 bis 135 passim)
›Unverwelklicher Ruhm‹, Kriege, die sie aufwerteten, überhöhten und glorifizierten war diesen Männern ungeheuer wichtig und musste durch Kriege ständig erneuert und erhalten werden. So war Frieden nie von langer Dauer. All diese Fakten wollen ÄgyptologInnen nicht sehen. Ihre These ist jene, der angesehenen Ägyptologin Emma Brunner-Traut:

»Ägyptens Hochkultur sprang aus der Vorgeschichte wie das Küken
aus dem Ei,
ausgestattet mit sämtlichen Potenzen.«
(Emma Brunner-Traut, 1987, S. 10).

Es sind diese IsolationistInnen, die nicht wahr haben wollen, dass Ägypten von indoeuropäischen Horiter Horden, aus den Sippen der Viehzüchter, der Waffenschmiede und Krieger aus dem Norden erobert wurde. (s. ›Die Eroberer aus dem Norden‹) Sie behaupten etwa, es würde keinen archäologischen Hinweis dafür geben, dass die aussergewöhnlich auffallenden Veränderungen in Ägypten gewaltsam geschehen seien. Die französische Archäologin Béatrix Midant-Reynes beispielsweise schliesst trotz des Massakers auf der Narmer-Palette lediglich auf eine kulturelle ›Weiterentwicklung‹. Selbst wenn uns als Indiz ausschließlich die Narmer-Palette zur Verfügung stehen würde, hätten wir den unumstösslichen Gegenbeweis für diese Theorie. (s. ›Das matriarchale Königinnentum Ägyptens‹)
»Eine Hochkultur entsteht nicht aus dem Nichts«, schreibt sie weiter, doch wieder verkennt sie die Lage, wenn sie die irrige Meinung vertritt: »Ein Amt wie das des Pharaos, der den Ägyptern als Garant weltlicher wie kosmischer Ordnung galt, setzt entsprechende Weltbilder und religiöse Vorstellungen voraus. Vermutete man zunächst den Vorderen Orient als Quelle all dieser Entwicklungen, gilt es inzwischen als sicher, dass die ägyptische Kultur etwa 3000 v. Chr. im Niltal selbst ihren Anfang nahm, als Landwirtschaft und Vorratshaltung eine immer stärker hierarchisch gegliederte Gesellschaft hervorbrachten. Als Erster stieß der britische Archäologe William Flinders Petrie Ende des 19. Jahrhunderts auf Zeugnisse der ägyptischen Vorgeschichte. Nahe dem oberägyptischen Ort Naqada legte er mehrere tausend Gräber frei, die einen unter Altertumsforschern damals noch wenig bekannten Bestattungsbrauch belegten:

Die Toten waren in Hockerhaltung beigesetzt worden,
in Seitenlage und mit eng an den Körper angewinkelten Knien;
zudem hatte man ihnen offenbar Gefäße mit ins Grab gegeben…

Petrie hatte den Beweis für eine nichtpharaonische Kultur im Niltal entdeckt, die offenkundig Jenseitsvorstellungen und ein geordnetes Gemeinwesen entwickelt hatte.« (Beatrix Midant-Reynes ›Geburt des Pharaonenstaates‹, Spektrum 13.12.2013)

Jedoch, die als ›Hockerhaltung‹ abgewertete Totenlage ist eine den Embryo im Mutterleib nachahmende Haltung in der die Toten begraben wurden. Und, die tausenden Gräber der ägyptischen Urgeschichte waren die Nekropolen der indigenen, schwarzen Bevölkerung Ägyptens der matriarchalen Zeit, die tatsächlich ›nicht-pharaonisch‹ war, sicher ›ein geordnetes Gemeinwesen entwickelt‹, aber keine ›Jenseitsvorstellungen‹ hatte, wie Midant-Reynes glaubt. Die embryonale Bestattungslage der Toten ist ein Charakteristikum aller indigenen Völker der Welt, die bis zu den Eroberungen matriarchal waren und an eine Wiedergeburt aus einer Frau ihres Clans glaubten. Die älteste bisher gefundene Bestattung ist die eines ca. 50jährigen Neandertalers, bekannt als ›der alte Mann von La Chapelle‹. Der rituell bestattete Tote war vor 60’000 Jahren sorgfältig in embryonaler Haltung begraben worden. (s. ›Seite an Seite zwei verschiedene Bestattungsarten‹ und D. Wolf 1994, S. 40–47)
Die Menschen der uralten schwarzen Kultur im Niltal bildeten schon mindestens tausend Jahre vor der Machtnahme der Indo-Europäer ein ›geordnetes Gemeinwesen‹, waren eine prosperierende, friedliche matriarchale Gesellschaft, die mit der ganzen damaligen Welt Handel trieb. Sie vertrauten ihrem Verstand und dem was sie sahen und erlebten: Frauen gebaren Kinder und garantierten damit das Weiterbestehen der Sippe, weshalb die Mütter und die Urahnin als Urmutter, als Göttin, verehrt wurden.
Die ›Chefs›, die Anführer der Eroberer, wurden durch die erzwungene Heirat (Vergewaltigung) mit der regierenden Königin zu Königen. Die Thronfolge blieb jedoch trotzdem bis zum Ende des pharaonischen Ägyptens, 3000 Jahre später, in weiblicher Hand.
Beim Tod der Könige der 1. Dynastie wurden mit Ausnahme der Königin oder ihrer Tochter, der Thronfolgerin, die königlichen Angehörigen und der ganze Hofstaat ermordet; vergiftet, erschlagen oder lebendig begraben. Die archäologisch erwiesene Tatsache, dass so an die 1000 Menschen  ermordet wurden – die meisten von ihnen waren Frauen – wird von den ÄgyptologInnen nur selten erwähnt oder dann nur verharmlosend als religiöse Menschenopfer. Das waren jedoch einfach ganz brutale Morde. (s. ›Die Ermordung der matriarchalen Königinnen – ›SATI‹, oder D. Wolf 1994, S. 146–154) Die Mörder, die Chefs der Eroberer, wurden so zu Ägyptens Königen, den berühmten Pharaonen.
Danach lebten die ehemaligen Rinder- und Pferdezüchter auf Kosten des versklavten und ausgebeuteten einheimischen Volkes wie die Maden im Speck. Verständlich, dass sie sich ein ewiges Leben in diesem Stil von Überfluss und Luxus wünschten und so erfanden die ihnen zu Diensten stehende arische Priesterkaste – erst ausschließlich für sie – die Fortsetzung eines ewig andauernden Lebens im Jenseits, mit den von Midant-Reynes erwähnten ›Jenseitsvorstellungen‹. Das widerständige Volk wurde zum ›Feind‹ des Königs erklärt und nicht nur mit Staatsgewalt von Polizei und Steuereintreibern, sondern auch noch nach dem Tod mit einem letzten Gericht und einer ewigen Hölle bedroht. Damit wurden die Untergebenen eingeschüchtert, bedroht und unter Kontrolle gehalten. Das Konstrukt eines ewigen Lebens im Jenseits wurde samt Hölle und Teufel (Apophis, Satan) – wie wir wissen – von den patriarchalen Mono-Religionen übernommen.

»Ägypten lag immer und liegt noch heute in Afrika.«

Alexander Scharff schrieb gegen die Fehlinterpretation der Isolationisten an, welche die Behauptung eines ›weißen Ägyptens‹ verbreiteten, um die Eroberer, die eindeutig Weiße waren, zu begründen. Er schreibt: »Eine tiefergehende Beeinflussung Ägyptens durch die sumerische Kultur und eine unbestreitbare zeitliche Verklammerung der späten Nagada II-Kultur samt der frühen 1. Dynastie auf der ägyptischen und der Djemdet-Nasr-Kultur auf der mesopotamischen Seite, darf unter keinen Umständen zeitlich auseinandergerissen werden.« (Scharff ›Geschichte Ägyptens – Von der Vorzeit bis zur Gründung Alexandreias‹ in ›Ägypten und Vorderasien im Altertum‹ 1950, S. 13, 14, 17)

»Skelettfunde aus Gräbern der [vor-pharaonischen] Badari- und
Nagada-I-Zeit haben in der Tat ergeben, dass jene Bevölkerung
afrikanischen Ursprungs war.«
(Alexander Scharff)

Erstaunlicherweise wurde die Forschung in dieser vielversprechenden Richtung nicht fortgesetzt. Scharffs Befund belegt den Unterschied: Die einheimische Bevölkerung war afrikanisch, die Eroberer hingegen waren Weiße, wie das die Standbilder beweisen (s. D. Wolf 2009, S. 97 ff) Obwohl Isolationisten wie Midant-Reynes die Erforschung des Übergangs von der schwarzafrikanischen Kultur ins dynastische Ägypten behinderten und die Tatsache des Umsturzes, die militärische Invasion der ›Dynastischen Rasse‹, bis heute bestreiten, nahmen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einige ÄgyptologInnen und ArchäologInnen, unter ihnen äußerst kompetente Frauen mit einer breiten interdisziplinären Bildung und Erfahrung, die tabuisierten Themen wieder auf. Helene J. Kantor die von 1961-1978 im alt-iranischen Gebiet von Elam die Grabungen von Chogha Mish zusammen mit Pinhas Delougaz leitete, machte sich vor allem einen Namen als Keramikforscherin. Sie wies anhand ihrer Studien die frühen friedlichen Beziehungen Ägyptens mit Mesopotamien und Alt-Iran nach. Margaret A. Murray konnte nachweisen, dass in der Endphase der prädynastischen Kultur der Einfluss von Fremden eine immer bedeutendere Rolle spielte, und dass mehr oder weniger friedliche Infiltrationen schliesslich in eine militärische Invasion mündeten. Elise J. Baumgartel dokumentierte mit ihren Arbeiten die Kultur der neolithischen (schwarzafrikanischen) Badari- und Nagada-I-Zeit (ca. 5500–3500). Sie konnte belegen, dass die anschließende Nagada-II-Zeit (ca. 3500–3100) derart verschieden war, dass sich die spätere nicht aus der früheren habe herausbilden können. Überzeugend argumentierte sie, es könne sich deshalb nicht um eine Weiterentwicklung gehandelt haben; vielmehr gehe es um eine völlig neue Kultur. Sie schreibt, es scheine, die Heimat der Eindringlinge sei nicht weit von jener der Sumerer gewesen, mit denen schon die Leute der Nagada-I-Zeit Handel getrieben hatten. (Elise J. Baumgartel ›The Cultures of Prehistoric Egypt‹ 1955, S. 49) Und weiter betont sie:

»Der Umbruch in der Nagada-II-Zeit war eine Symbiose zweier Zivilisationen, einer afrikanischen und einer vorderasiatischen. Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis vom Anfang des dynastischen Ägypten, der kein kulturelles, sondern ein politisches Ereignis war.« (Elise J. Baumgartel ›The Cultures of Prehistoric Egypt II‹ 1960, S. 154)

»Der Einfluss dieser [indoeuropäischen] Invasionen einer aggressiven männlich dominierten Kultur wirkt bis heute nach, und wir fangen gerade erst an, die jahrtausendelange Entfremdung von unserem ureigenen europäischen Erbe einer gylanischen, [mutterentrierten], nicht gewalttätigen, erdgebundenen Kultur zu entdecken.« (Marija Gimbutas ›Die Sprache der Göttin‹ 1995, S. XXI)

Doch das Thema der fremden Einwanderung wird von Unbelehrbaren, wie etwa Joachim Rehork – das war allerdings noch im Jahre 1990 – bestritten. Béatrix Midant-Reynes vertritt jedoch noch 2013 die Meinung der Isolationisten und behauptete: »So stark auch die nahöstlichen Einflüsse in der Nagada-II-Periode waren, die meisten Ägyptologen sind sich darin einig, dass die Entstehung des ägyptischen Staates und der ägyptischen Kultur als Ergebnis innerer Entwicklungen anzusehen ist.« Die Ansicht ›der meisten‹ Isolationisten kann in Anbetracht der wissenschaftlich fundierten archäologischen und linguistischen Forschungsergebnisse längst nicht mehr aufrecht erhalten werden. Mit dem heutigen Wissen um die anderen großen urgeschichtlichen Kultu­ren kann Ägypten auch nicht als isoliertes Forschungsobjekt untersucht werden. Unzweifelhaft war die neolithische Geschichte Afrikas, Vorder- und Zentralasiens, mit den alten Ländern des heutigen Iran, Irak, von Syrien, Afghanistan, dem Industal/Pakistan und Indien eng verbunden. Die brisante Frage nach Ur­sprung und Herkunft der ersten Herrscher über Ägypten wurde zwar von Flinders Petrie als weisse Rasse anerkannt, jedoch aus der Diskussion ausgeklammert. Mit ihm werden bedeutende ArchäologInnen und ÄgyptologInnen – etwa von Thomas Schneider – überheblich als ›veraltet‹ abgetan (s. Doris Wolf ›His Masters Voice‹ und D. Wolf 2009, S. 322–327.

»Die hierarchische, indoeuropäische Kultur ist eine »patrilineare
Gesellschaft mit einem  Kriegerhäuptling als patriarchalischem
Herrscher an der Spitze.«
(Marija Gimbutas)

»Überall stammt der König aus dem den zweiten Stand bildenden Kriegeradel«, schreibt Haudry (S. 76). Eine der nach­haltigsten Konse­quenzen der indoeuropäischen Eroberungen ist die Einführung eines hierarchisch gegliederten Klassen-, bzw. Kastensystems sowohl in der politischen Struktur als auch in ihrer patriarchalen Religion. Im Jahre 1938 er­kannte der französi­sche Religionswissenschaftler Georges Dumézil die menschenverachtende Ideologie des Dreiklassensystems zum ersten Mal in der primitiven Ge­sellschaft der Indo-Europäer.

»Dumézil stellt fest, dass die ›drei Funktio­nen‹ die
indoeuropäische Gesell­schaft von jeder anderen unter­scheiden.«
(Eliade/Couliano ›Handbuch der Religionen‹ 1991, S. 138)

Marija Gimbutas bestätigt die Feststellung: »Die patrilineare und patriarchalische Struktur und das Dreiklassensystem von Herrschaft, Krieger-Adel und arbeitender Bevölkerung wird durch die aus dem Sprachvergleich stammende linguistische Evidenz als indoeuropäisch erwiesen. Diese Klassenstruktur ist auch in den Mythologien indoeuropäischer Völker reflektiert.« (Gimbutas ›Die Ethnogenese der europäischen Indogermanen‹ 1992, S. 8) Das indoeuropäische Kastensystem überlebte in dem von Indo-Ariern eroberten Indien bis heute. An seinen empörend rassistischen Auswirkungen sehen wir, wie es in Ägypten und Mesopotamien einmal gewesen sein dürfte. Die Propaganda des indoeuropäischen Klassensystems begegnet uns erstmals auf der Narmer-Palette. Narmer, verrät uns seine Herkunft bereits mit seinem Namen, der unsinnigerweise mit ›Wels‹ übersetzt wird. ›Nar‹ bedeutet in indoeuropäischen Sprachen ganz einfach Mann, und bezeichnet einen Mann der herrschenden Schicht. (s. ›Wer war Narmer?) Sein Rang mani­festiert sich durch die Größe der Figuren auf der Palette. Der Ägyptologe Hermann Ranke hebt in sei­ner Be­schreibung der Palette hervor, dass die überein­ander gereih­ten Bil­der »die darge­stellten Vorgänge übersichtlich ordnen; die Hervor­hebung der Haupt­perso­nen durch ih­re Größe, welche die hohen Beamten über die einfachen Leute des Volkes, den König selbst aber weit über seine Würdenträger emporragen lässt.« (Ranke, Nachwort zu James Henry Breasted ›Geschichte Ägyptens‹ 1954, S. 354) Und Pierre Montet meint: »Die ägyptische Kunst lässt zu allen Zeiten das Nebenein­ander eines hochgezüchte­ten und eines ge­wöhnlichen Typs erken­nen.« (Montet ›Das Alte Ägypten‹ 1975, S. 58) Die Diskriminierung der dunklen Bevölkerung als Folge des indoeuropäischen Kastensystems wird in den ägyptischen ›Weisheitslehren‹, in denen die Menschen nach Höhergestellten, Gleichrangigen und Niedrigeren einge­teilt werden, als ›göttlich‹ legiti­miert. Der Ägyptologe, Theologe und Alt-Nazi Siegfried Morenz findet daran nichts Anstößiges. Er begründet die menschenverachtende Ideologie damit, dass »der Schöpfergott nach sei­nem freien und unerforschlichen Willen die Ge­schöpfe qualitativ differenziert und die einen zu Niederen und die anderen zu Höhe­ren bildete.« (ZÄS 1959, S. 79)
Zum Nutzen der fremden Oberschicht wurden Einheimische ausgesondert und gegen ihre eigenen Landsleute einge­setzt. Dazu ge­hörten in erster Linie Steuer­eintreiber, die Polizei und eine Unzahl von Aufse­hern, die rücksichtslos, brutal und hart gegen ihr eigenes Volk vorzugehen hatten. In der Folge bleibt »die Sozialpyramide, die im sogenannten Pyramidenzeitalter in Ägypten und Mesopotamien entstanden war, weiterhin das Modell für jede zivilisierte Gesellschaft«, schreibt Lewis Mumford:

»An der Spitze stand eine von Stolz und Macht aufgeblähte Minderheit,
angeführt vom König und seinen Ministern, Adeligen, Kriegsherren
und Priestern… und einer breiten Basis von Arbeitern, die von der auf
ihnen liegenden Last erdrückt wurde.«
(Lewis Mumford) 

Die Gewalt des Patriarchats manifestierte sich, beginnend mit den ersten Invasionen der Indo-Europäer, die die ganze damalige Welt überrollten, während den folgenden drei Jahrtausenden. Und in Anbetracht der Kolonial- und Religionskriege können wir behaupten, dass sie bis in unsere Tage andauert. Beispiele in großer Zahl liefert uns das Legenden- und Schreckensbuch des Patriarchats, die Bibel. Der evangelische Theologe Martin Noth schreibt in seiner ›Geschichte Israels‹, einer historisch-kritischen Forschung zum Alten Testament über die Hirten und Rinderzüchter:

»Je zahlreicher die Herdentiere mit der Zeit wurden, umso interessanter war es für eine Junggesellenbande, die Hirten zu überwältigen und sich der Tiere zu bemächtigen. Noch die Bibel berichtet von dem Zwiespalt zwischen Männerbande und Hirtenkönig. Um das Jahr 1000 v.u.Z. sammelte der junge David ›eine Schar abenteuernder Elemente um sich, mit denen er von allerlei Beutezügen lebte.« (Noth ›Geschichte Israels‹ 1956, S.166)

Das waren »unzufriedene und verwegene Gesellen, die irgendeinen Grund hatten, den heimatlichen Verhältnissen zu entweichen, und die, um einen Führer geschart, eine gefährliche Bande bildeten.« (Hertzberg 1973, S. 148) »Mit 400 bewaffneten Leuten bedrängt David die Hirten der Herde Nabals und zwingt am Ende Abigail, die Frau Nabals, sich ihm, David, zum Weib zu geben. Der Schutz, den Nabal und seine Männer gegen die David-Bande heranführen konnten, war zu schwach.« (zit. von Gerda Weiler ›Der aufrechte Gang der Menschenfrau – Eine feministische Anthropologie II‹ 1994, S. 282 f)

Die patriarchale Machtnahme ist die schlimmste und
nachhaltigste Katastrophe, die die Welt seit ihrem Bestehen
und bis in die Gegenwart erlebt hat.

Nach der Eroberung Mesopotamiens und Ägyptens überfluteten weitere Invasionen aus dem Norden die gesamte damalige Welt. Die mit den Ariern verbündeten Indo-Europäer zogen über den Hindukusch nach Indien; Hurriter, Hethiter, Mitanner, Luwier (Leviten) eroberten den Südwesten, die Kurgan-Völker Osteuropa und später fielen die Dorer in Griechenland ein. Alle eroberten Länder lebten unter der fremder, indoeuropäischen Herrschaft, einer weißen Oberschicht von Despoten und der arischen Priesterkaste, die die ersten männlichen Götter erfunden hatte.
Es war eine entsetzliche Katastrophe, die vor 5500 mit dem Überfall und der vollständigen Zerstörung der nordsyrischen Stadt Hamoukar begann. Und diese Tragödie setzte sich seither fort, wurde nicht kleiner, sondern größer und hat heute einen Höhepunkt der kriegerischen Gewalt und des damit verursachten Elends erreicht: Die Ermordung von 6 Millionen Juden, der Einsatz von Atom- und Wasserstoffbomben, von mehr als 60 Millionen Flüchtlingen und von Millionen von Hungertoten.
Mit den Eroberungen wurde die bis dahin im Frieden lebende Menschheit erstmals – und kontinuierlich bis heute – mit Gewalt, Krieg, Zerstörung, Ausbeutung, Armut und Versklavung überzogen. Immer raffiniertere Waffen in den Händen skrupelloser, kriegslüsterner, machtgeiler, brutaler, gefühlloser und habgieriger Psychopathen an der Macht dominieren und gefährden heute das Leben auf der ganzen Welt. Überall kämpfen und sterben die Menschen, um endlich in Freiheit zu leben. In Ägypten versuchen sie das Joch der Nachfolger der damaligen Eroberer und die von den ÄgyptologInnen frenetisch verherrlichte Pharaonenherrschaft abzuschütteln. Vergeblich! Diktatoren, Despoten, Terroristen, religiöse Fanatiker, Gauner und Lügner, beherrschen heute die Welt. Eine bittere Bilanz der patriarchalen Herrschaft der letzten 5000 Jahre.

Das Desinteresse der patriarchalen Wissenschaft

Erstaunlicherweise wurden die Gründe, die zur Entstehung des Patriarchats führten und der gewaltige gesellschaftliche Umbruch vom Matriarchat ins Patriarchat, der zur Zeit der Eroberungen der Indo-Europäer stattfand, von der patriarchalen Wissenschaft nicht erkannt oder bewusst übergangen. Marija Gimbutas berichtet jedoch vom Zusammenprall zweier Ideologien, Gesellschaftssystemen und Wirtschaftsformen, von der Zerstörung des Matriarchats und von der kriegerischen Errichtung des Patriarchats, in dem wir heute noch leben:

»Eine die kulturellen Grundfesten erschütternden Kollision«.

Außer Marija Gimbutas will niemand die Erfindung des Patriarchats durch die kriegerischen Indo-Europäer erkennen, obwohl der daraus resultierende tiefgreifende Wandel unübersehbar ist. Das Desinteresse der patriarchalen Wissenschaft an der Aufklärung der urgeschichtlichen Zeit, der Entdeckung der Vaterschaft, dem Umbruch vom Matriarchat ins Patriarchat, der Rolle der Frau und der Religion der Großen Göttin und die Erfindung der ersten männlichen Götter führten zu einer fatalen Unwissenheit und Geschichtsklitterung. Die Historikerin Gerda Lerner beobachtete bei ihren mesopotamischen Studien zum Patriarchat: »Die Veränderungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status der Frauen sind in den Untersuchungen über das alte Mesopotamien nur am Rande und vereinzelt berücksichtigt worden – ganz im Gegensatz zu der Vielzahl von Studien, in denen der Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus und die damit einhergehende Verschiebung der hervorragenden Bedeutung von mächtigen Göttinnen auf einen einzigen männlichen Gott zum Gegenstand der Untersuchung gemacht worden sind. Dieses Thema ist unter den Aspekten der Theologie, Archäologie, Anthropologie und Literaturwissenschaften behandelt worden.« (Lerner ›Die Entstehung des Patriarchats‹ 1991, S. 185) Lerner beraumt den einsetzenden Prozess der Patriarchalisierung auf den ziemlich genauen Zeitpunkt um etwa 3100 völlig richtig an und misst der Periode der Durchsetzung des Patriarchats etwa 2500 Jahre, von 3100 bis 600 v.u.Z. zu. Dennoch scheint sie davon auszugehen, dass das, was sich seit dem Ende des 4. Jahrtausends in Mesopotamien abspielte einfach die Fortsetzung, vielleicht eine Verstärkung und Dramatisierung von Zuständen war, die ›schon immer‹ so gewesen sind. Natürlich ist ihr bewusst, dass die ersten Bronzewaffen auftauchen, dass unzählige Siedlungen zerstört wurden und erstmals Städte mit kolossalen Schutzmauern umgeben wurden. Darf Lerner, die österreichische Jüdin, die 1939 vor den Nazis nach Amerika floh, vielleicht aus religiösen Gründen nicht wissen, dass erst in dieser Zeit im Vorderen Orient die ersten männlichen Götter von den patriarchalen Priesterkasten der Eroberer erfunden wurden und dass Jahwe ein später Gott ist?
Dass die bauliche Abwehr den brutalen Überfällen der indoeuropäischen Viehzüchter aus den Steppen nördlich des Kaukasus galt, erkennen jedoch auch andere WissenschaftlerInnen nicht, oder wollen es nicht erkennen, obwohl darüber bereits hervorragende Arbeiten vorliegen, z.B. von Marija Gimbutas (s. Literaturverzeichnis). Das heißt, die patriarchale Wissenschaft und der patriarchale Klerus wollen die Fakten nicht sehen und nicht anerkennen. Sie propagieren die Veränderungen in Mesopotamien und Ägypten als ›Fortschritt der Menschheitsgeschichte‹, welcher die Menschen aus einer barbarischen Primitivität in die Hochkultur katapultiert haben soll. Niemand hat ein Interesse an den Tatsachen, die ein völlig gegenteiliges Bild vermitteln. Die Behauptung, der Übergang von der urgeschichtlichen in die geschichtliche Zeit sei ein »kultureller Fortschritt« gewesen, wie einige Leute beteuern, tönt wie blanker Hohn angesichts der Barbarei der vergotteten Tyrannen Mesopotamiens und Ägyptens. ÄgyptologInnen, die diese Neuerungen unkritisch und idealisierend als »zivilisatorische Evolution«, nicht aber die damit verbundene Zerstörung der alten Kultur und des egalitären sozialen Gefüges sehen wollen, hüten und verteidigen diesen ›Fortschritt‹ eifersüchtig als »ägyptische« Errungenschaft. Nur durch das Verharmlosen, Verzerren und Weglassen der störenden Beweise der brutalen Gewaltherrschaft ist es möglich, das so populäre, aber gefälschte Bild der heilen Welt des pharaonischen Ägyptens aufrecht zu erhalten.

Mit Gewalt und Arroganz wurde die Herrschaft des Mannes,
das Patriarchat, in allen Kulturen durchgesetzt.

(s. auch  – ›Das Patriarchat verschweigt, leugnet, diskriminiert und bekämpft die Religion der Grossen Göttin

– ›Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege‹

–  ›Die Lüge vom Krieg, den es schon immer gegeben hat‹


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