II. Die Erfindung des Patriarchats und der Umsturz

Aus dem Inhalt:

  • Das verborgene Matriarchat
  • Das Schicksal der matriarchalen Urgeschichte in der patriarchalen Forschung
  • Der Entdeckung der biologischen Vaterschaft folgte
    die Erfindung der Herrschaft der Väter: Das Patriarchat
  • Die Eroberungswellen indoeuropäischer Kriegerhorden
  • Hypothesen zur Erfindung des Patriarchats
  • Der Umsturz von der matriarchalen Kultur des Friedens
    in die patriarchale Zeit der Kriege
  • Die Invasoren begründeten die ersten männlichen Königsdynastien
    etwa gleichzeitig in Mesopotamien und Ägypten
  • Fremde in Ägypten bezeugen:
  • Seite an Seite zwei Religionen und zwei verschiedene Bestattungsarten

 

Das verborgene Matriarchat

Die matriarchale Urgeschichte, die Zeit des Friedens, der Gleichberechtigung und des Wohlstands, wird vor uns verborgen; sie darf unter keinen Umständen aufgedeckt werden. Patriarchale Machthaber, Gesetzgeber und Historiker verhindern unter dem mächtigen Einfluss der patriarchalen Religionen, welche bis heute das Bildungswesen dominieren, das Erforschen und Bekanntmachen dieser wichtigen Epoche, von der die patriarchalen Regierungen, Wissenschaften und Klerikalen nichts wissen wollen. Denn diese Zeit bezeugt, dass eine Gesellschaft in Frieden und Wohlstand möglich ist.
Die patriarchale Geschichtsschreibung ist dagegen die Geschichte der Eroberer, der Gewalt der Sieger, der Mörder, Räuber und Beutemacher. Das Patriarchat beginnt vor mehr als 5000 Jahren und wird in der geschichtlichen Zeit der sogenannten Hochkulturen institutionalisiert. Die Eroberer machten sich zu den uneingeschränkten Gewaltherrschern des Alten Ägyptens und werden heute von den Ägyptologen verherrlicht, während die weniger spektakulären Sumerer als „Kulturbringer“ verkannt und gerühmt werden. Das Matriarchat wird dagegen von den patriarchalen Wissenschaftlern durchwegs als chaotisch verschrien und diskriminiert.

Das Schicksal der matriarchalen Urgeschichte in der patriarchalen Forschung

»Die ägyptische Vorge­schichtsfor­schung war und ist nicht popu­lär«, stellte die Literaturhistorikerin Heide Streiter-Buscher lakonisch fest. Der Ägyptologe und Urgeschichtsforscher Michael A. Hoffman bedauert seine Feststellung, dass zwar zahl­reiche archäologische Funde aus dem Niltal zur Verfügung stehen, jedoch noch keine um­fassende Darstel­lung der Urgeschichte erarbeitet worden ist (1980, S. xiii). Im 6-bändi­gen ›Lexikon der Ägyptologie‹ von 1977 sind der ›Vor- und Frühge­schich­te‹ von insge­samt 7838 Sei­ten ganze sie­beneinhalb Seiten gewid­met. Dazu steht im Vorwort: »Wenn auf der einen Seite die Vorge­schichte nicht überse­hen werden durfte, konnte sie auf der an­deren nicht so aus­führlich be­handelt wer­den, wie es ihr als Teil einer mensch­heitsge­schichtlichen Epoche zu­kommt« (LÄ, I,V). Eine Begründung fehlt. Daran hat sich in der Wissenschaft bis heute nichts geändert.
Mit meinem Buch ›Was war vor den Pharaonen? Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹, das ich  1994 veröffentlichte, überschritt ich das mir damals unbekannte Tabu. Die Folge war  ein hasserfüllter Rundumschlag, ein wahrer Rufmord (s. ›Der Backlash – His Masters Voice‹).

»Nirgendwo in der Geschichte finden wir einen Anfang, sondern immer eine Folge.
Wie können wir aber das Ende verstehen, wenn der Anfang ein Geheimnis bleibt?« 
(Johann Jakob Bachofen) 

Das Geheimnis, das Bachofen lüftete, war die Zeit der Mütter, des Matriarchats. Eine Zeit des Friedens, eine Zeit unbeschwerten Lebens in Wohlstand und Freiheit, das sich u.a. in regen künstlerischen Aktivitäten, z.B. in den Felsbildern ausdrückte. (s. Wolf ›Die Kulturbeiträge der Frauen – der Ursprung der Kultur‹) Die Millionen von Felsbildern aus 40’000 Jahren, welche die Leichtigkeit des damaligen Lebens bezeugen, werden „übersehen“, verheimlicht und falsch interpretiert. (s. D. Wolf  ›Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist‹ 2017)

Seit Johann Jakob Bachofen die Grundlage der modernen Matriarchatsforschung „Das Mutterrecht“ schrieb, haben nur wenige WissenschaftlerInnen, unter ihnen kein Historiker, kein Prähistoriker und kein Kleriker, das Matriarchat und die einstmals verehrte Grosse Göttin zum Thema ihrer Forschung gemacht; die Zeit wird sogar auffallend und absichtlich gemieden oder bagatellisiert und lächerlich gemacht. Einen gewaltsamen Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat will man nicht erkennen und nicht akzeptieren. Statt dessen berufen sich patriarchale Wissenschaftler, Regierende und Vertreter der patriarchalen Religionen gern auf Naturkatastrophen, die eine radikale Veränderung der Gesellschaft notwendig gemacht haben sollen. Man will unter keinen Umständen wahrhaben, dass das Patriarchat durch Überfälle, Eroberungskriege, Beutezüge und Massaker von kriminellen Männerbanden geschaffen und nach diesem Muster der Gewalt bis heute erhalten wurde.

Die Zeit des Matriarchats und seine fortgeschrittene Kultur bestätigt der Ägyptologe Dietrich Wildung, allerdings wohl eher unabsichtlich. Er stellte fest:

»Als das Alte Ägypten um das Jahr 3000 in das Licht der Geschichte tritt, ist alles,
was für die kommenden drei Jahrtausende bis zum
Beginn unserer Zeitrechnung
den unverwechselbaren Charakter
dieser frühen Hochkultur prägen wird,
bereits angelegt.«
(Dietrich Wildung 1981, S. 8)

Patriarchale Geschichtsschreiber und Kleriker haben die Erinnerung an die  matriarchale Epoche die wahrscheinlich Hunderttausende Jahre dauerte, sehr erfolgreich aus unserem Gedächtnis gelöscht. Warum ist das so?

Das Aufdecken der Geschichte des Matriarchats wäre für das kriegerische Patriarchat beschämend.
Würde Dummheit, Skrupellosigkeit, Gier und Brutalität der patriarchalen Macht und Ohnmacht allen deutlich machen.

Patriarchale, bewaffnete Horden aus dem Norden haben im Laufe von nur wenigen tausend Jahren die friedliche matriarchale Welt erobert und drastisch umgestaltet. Mit dem Patriarchat kam der Krieg in die Welt und blieb das Instrument, mit dem sich das zerstörerische Regime seither an der Macht hält.

Unter der Leitung der Mütter gab es keine Kriege

Die meisten Menschen sind der ewigen Kriegsreiberei der regierenden Militaristen an der Macht müde. Die lügnerische Propaganda von der Notwendigkeit von Kriegen für das Schaffen und Erhalten der immer nur kurzen Zeiten des Friedens verfängt immer weniger. Das Patriarchat ›lebt‹ sozusagen vom Krieg, deshalb wird Frieden mit allen Mitteln vermieden. Vermieden wird, dass Menschen sich bewusst werden, dass Kriege nie die Lösung von Problemen sind sondern sie erst schaffen und effektiv nur Terror, Tod und Leid bringen. Gewalt und Krieg sind jedoch nur die eine Seite der patriarchalen Ideologie. Die andere Seite der Medaille, die gleichzeitig mit dem Krieg Einzug in die Welt hielt, benötigt das Patriarchat, um ihre Ideologie zu unterstützen und zu rechtfertigen. Diese Aufgabe kommt den arischen Priesterkasten zu, welche die ersten männlichen Göttern erfanden. So wie uns die Richtigkeit und Notwendigkeit von Kriegen eingehämmert wurde, wurde uns Vertrauen und Glauben in die ›Ewigkeit‹, ›Einzigartigkeit‹, ›Allmächtigkeit‹ und ›Liebe‹ – ausgerechnet Liebe! – dieser patriarchalen Götter eingeimpft, die gar nicht ewig, nicht einmal so alt sind, wie im Alten Testament behauptet. Wie im 1. Kapitel beschrieben, wurde der erste männliche Gott vor nicht einmal 5000 Jahren erfunden.

Der Religionswissenschaftler G. van der Leeuw bestätigt:
»Gott ist ein Spätling in der Religionsgeschichte.«

Darum ist die Erforschung der Religionsgeschichte mit einem besonderen Forschungstabu belegt. Dazu schreibt Robert Briffault: »In einigen Gesellschaften wurde die willkürliche Auferlegung von Tabus zu einer Form der Tyrannei in den Händen von Priestern und Häuptlingen, die (der Forschung) Tabus für ihre eigenen Zwecke auferlegten.« (›The Mothers‹ 1959, p. 249)

Was wäre das Patriarchat ohne Kriege, ohne monotheistische Götter und ohne Gläubige die an beides glauben? Was wären das Judentum ohne Jahwe, die Christen ohne Gottvater und Sohn und die Muslime ohne Allah? Der Glaube an diese Götter und die Macht des Patriarchat würden zusammenfallen wie ein Kartenhaus, würden einfach verschwinden, untergehen, wie alle patriarchalen Imperien und alle alten Götter untergegangen sind. Es hätte keine Existenzberechtigung mehr. Die Menschen würden wieder fähig selbständig zu denken und sich vom Glauben abwenden, würden wieder frei und selbständig werden. Das wissen die patriarchalen Männer an der Macht und davor fürchten sie sich; daher ihr martialischen Gebote und Verbote, ihre Drohungen und Strafen. Das Patriarchat basierte von Anfang an auf Gewalt und der Verbreitung von Illusionen und Lügen, so ist auch das früheste Geschichts- und Legendenbuch des Patriarchats, die Bibel entstanden.
Die matriarchale Religion der Großen Göttin, wurde wie wir wissen, schon von Cheops verboten und von den Patriarchen in biblischer Zeit versucht aus der Geschichtsschreibung eliminiert zu werden. Der Kampf der Propheten gegen ihre Verehrung flammt jedoch in der Bibel immer wieder auf, z.B. im Kampf der Propheten gegen Jahwes frühe Gattin, die Große Göttin Astarte. Die Bibelschreiber manipulierten, verdrehten und verfälschten die Geschichte und schrieben sie um. Sie verwirrten die Menschen absichtlich, so dass sie sie nicht mehr verstehen und den Wahrheitsgehalt nicht mehr beurteilen können. Wir werden bis heute gezwungen, zu glauben, statt selber zu denken. Wir haben uns so sehr an diese ›Bequemlichkeit‹ gewöhnt, dass wir jede Geschichtsklitterung akzeptieren. Glauben ist einfacher, benötigt keine Anstrengung, ist rational und intellektuell nicht fassbar und die religiösen Dogmen dürfen, weil, so wird behauptet, von Gott gegeben, nicht angezweifelt werden. Gläubige Menschen glauben tatsächlich ihre Gläubigkeit sei der Ausweis für ein besonders frommes Leben und für sie als gute Menschen. Gerade die Frömmsten der Frommen haben mit dem sexuellen Verbrechen an Kindern das Gegenteil bewiesen.

Der Entdeckung der biologischen Vaterschaft folgte
die Erfindung der Herrschaft der Väter: Das Patriarchat

Die Erfindung des Patriarchats und seine Aufrechterhaltung bis heute ist die grösste aller Katastrophen,
welche die Menschheit je erlebt hat. 
Das Patriarchat ist eine Diktatur, ein Krieg gegen die Natur und die Menschen.
Es ist das, was die Forscherin Gerda Weiler alles in Allem ›eine gigantische Krankheit‹ nannte.

Wir leben heute im Patriarchat! Es ist wesentlich, sich dieser Tatsache immer wieder bewusst zu werden, denn es bestimmt unser Leben von der Entstehung im Mutterbauch bis in den Tod. Das Patriarchat ist eine von indoeuropäischen Viehzüchtern und Schafhirten erfundene Ideologie einer von Männern dominierten Gesellschaftsform, die eigentlich nur für das Vieh und die Schafe gedacht wurde. Nach den erfolgreichen Eroberungen Mesopotamiens und Ägyptens, wohlhabenden, friedlichen und unbewaffneten matriarchalen Kulturen übernahmen die Eroberer die Macht und institutionalisierten ihre kriegerische Männerherrschaft. Bis zum heutigen Tag beruht das Patriarchat auf den gleichen Zielen und Charakteristiken wie damals: dem Streben nach Macht und Machtausweitung, nach Land und Landraub, nach Besitz, Reichtum, Größe (Großartigkeit), Ansehen und Ehre und dem Krieg als Mittel zur Durchsetzung und dem Erhalt der Macht.
Bis vor wenigen Jahrzehnten wussten wir kaum etwas über die Entstehung des Patriarchats und von seiner kurzen Dauer als Teil der Menschheitsgeschichte. Wenn Anthropologen aufgrund ihrer Forschungen davon ausgehen, dass die heutige Form der Menschen seit etwa 300’000 Jahren besteht, stellen die meisten von uns doch etwas erstaunt fest, dass das Patriarchat lediglich die letzten 5000 Jahre davon ausmacht. Wurde uns in der Schule nicht immer gelehrt, oder unterschwellig suggeriert, dass es nie eine andere Form als das von Männern dominierte Werte- und Gesellschaftssystem, eben das Patriarchat gegeben habe? Und dass Gott schon immer ein Mann war. Wer hatte schon etwas davon gehört, dass es bis vor 5000 Jahren keine Kriege gab? Dass es keinen Gott gab, sondern ausschliesslich die Grosse Göttin verehrt wurde und dass vor dem Patriarchat eine Gesellschaftsform existierte, in der die Menschen über dreihunderttausend Jahre unter der natürlichen Autorität der Mütter, in Freiheit und Wohlstand, in Frieden und ohne Krieg lebten?
Besonders wir Frauen interessieren uns kaum mehr für die öde, patriarchale Geschichtsschreibung — eigentlich eine durchgehende Kriegsberichterstattung. Die patriarchale Propaganda der Historiker und Kleriker, ihre Beschönigungen, ihre falschen Versprechen, Verfälschungen und Verzerrungen, das absichtliche Verwirren, die Halbwahrheiten und Lügen, die Behauptungen und Spekulationen, das Verheimlichen der ganzen Epoche der frühen Menschheitsgeschichte konnten wir zwar mangels anderer Quellen nicht durchschauen und nicht verifizieren, aber viele von uns ahnten doch, dass das, was man(n) uns vorbetete, nicht die ganze Wahrheit sein konnte. Doch die meisten von uns denken und hinterfragen nicht mehr; wir haben uns mit dem Patriarchat als Normalität abgefunden. Etwas müde und resigniert akzeptieren wir die Behauptung, dass es eben ›schon-immer‹ so war: dass Männer wohl schon immer oder doch schon sehr lange die Welt dominiert, die Menschen ausgebeutet, die Frauen unterdrückt und ständig Kriege geführt haben und, dass Gott schon immer ein Mann war.
Seit Tierzüchter in den eurasischen Steppen vor siebeneinhalb bis achttausend Jahren die biologische Vaterschaft entdeckten, begann – vielleicht initiiert von einem Einzelnen – der Kampf gegen die Macht, die Führung und Leitung der Mütter. Die mit ersten Metallwaffen ausgestatteten Eroberer überfielen auf dem Rücken der ersten domestizierten Pferde in drei großen kriegerischen Vorstößen zuerst Europa, danach den Nahen und Mittleren Osten, darunter Mesopotamien und Ägypten. Wir verdanken es in erster Linie der bedeutenden Archäologin und Indo-Europäer Forscherin Marija Gimbutas, dass wir heute unseren Horizont über unsere eigene, die urgeschichtliche, europäische Vergangenheit, erweitern konnten.

Die Eroberungswellen indoeuropäischer Kriegerhorden

In Deutschland haben wir archäologische Zeugnisse, die eindeutig beweisen, dass vor ca. 7500 Jahren erstmals Männerhorden in einige friedliche matriarchale Siedlungen eindrangen. Es gibt Spuren von nie dagewesener Gewalt, von regelrechten Hinrichtungen, von Frauenraub und ganzen ausgerotteten Dörfern (z.B . Talheim, Eulau, usw. s. ›Der Beginn unseres Zeitalters der Metalle und der Kriege‹). Es waren die ersten Anzeichen, dass sich Gruppen von Männern, die sich nicht mehr an die friedliche Ordnung und Werte der Mütter halten wollten, begannen, die Macht mit roher Gewalt an sich zu reissen.

Die Archäologin Marija Gimbutas, welche das Alte Europa erforschte, beschreibt die Funde aus der matriarchalen Zeit, die Artefakte und die Symbolik in ihren beiden grossen Werken ›Die Sprache der Göttin‹ 1995 (›The Language of the Goddess‹ 1989) und ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996 (›The Civilization of the Goddess‹ 1992). (s. Wolf ›Die matriarchale Zivilisation Alt-Europas‹). Als Indoeuropäerforscherin machte Gimbutas uns mit der Chronologie und den Auswirkungen von drei regelrechten Invasionen aus den eurasischen Steppen in das Gebiet des Alten Europas vertraut. (Sie bezeichnet die Indo-Europäer aufgrund ihrer Grabhügel-Kultur (russisch Kurgan) als ›Kurgan-Leute‹.)

  • »Die erste Kurgan-Welle in das östliche Mitteleuropa um etwa 4400-4300 ist begleitet vom Aufkommen prominenter Kriegerbestattungen, von Witwentötung und Pferdekult.« (Gimbutas ›Das Ende Alteuropas‹ 1994, S. 35 ff.) [Die Witwentötung beim Tod des patriarchalen Oberhauptes, des Chefs oder Königs, wurde später als Sati/Suttee nach den Invasionen in Ägypten und Mesopotamien ebenso angewandt, was allerdings erst etwas mehr als 1000 Jahre später geschah. s. unten]
  • »Die zweite Welle um etwa 3500-3300 führte zur Transformation Mitteleuropas in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends. Diese Transformation vollzog sich Hand in Hand mit einem Wandel in der Metallverarbeitung und dem Beginn der Bronzezeit.« (Gimbutas ibd. 1994, S. 49 ff)
  • »Die dritte Einwanderungswelle um etwa 3100–2900 war der Vorstoß der ›Jamna‹-Kurgan-Leute aus Südrussland nach Ostmitteleuropa. Er hatte massive Ausmaße und bewirkte drastische Veränderungen in der ethnischen Zusammensetzung Europas.« (Gimbutas ibd. 1994, S. 89 ff)
    [Diese Zeit entspricht der Errichtung des dynastischen Königtums Ägyptens, der sogenannten 0-Dynastie, der 1. und 2. Dynastie und dem Beginn des Alten Reiches. Es gibt zahllose Übereinstimmungen der Eroberung Alt-Europas, Mesopotamiens, Ägyptens und Palästinas.]

Zum Vermächtnis der matriarchalen Steinzeit und dem kriegerischen Umsturz ins Patriarchat, der sich auf die gleiche Weise sukzessive in der ganzen damals bekannten Welt abspielte, fasst Marija Gimbutas das Geschehen im Alten Europa zusammen:

»Als die beiden Weltsichten mit ihren unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen aufeinander prallten, führte das zu einem dramatischen Wandel im Alten Europa. Die Veränderungen drückten sich im Übergang von der matrilinearen zur vaterrechtlichen Gesellschaftsordnung aus, von der auf Wissen basierenden Theakratie zu einem militanten Patriarchat, von einer auf der Gleichberechtigung der Geschlechter beruhenden Gesellschaft zur hierarchischen Männerherrschaft, und von einer erdverwurzelten Göttinnenreligion zum indoeuropäischen, auf den Himmel ausgerichteten Götterpantheon.« (Gimbutas 1996, S. 401)

Sie denken vielleicht, dass diese längst verflossene Epoche, deren Zerstörung vor tausenden Jahren begann, nichts mit uns und unserer modernen Zeit zu tun habe. Doch das ist ein gewaltiger Irrtum. Im Gegenteil! Der Umsturz von der friedlichen Epoche des Matriarchats in die kriegerische Zeit des Patriarchats in der wir heute leben, beeinflusst, ja bestimmt unser Leben noch auf allen Ebenen, politisch, sozial und religiös. Auch Marija Gimbutas stellte fest:

»Der Einfluss dieser Invasionen einer aggressiven männlich dominierten Kultur wirkt bis heute nach, und wir fangen gerade erst an, die jahrtausendelange Entfremdung von unserem ureigenen europäischen Erbe einer gylanischen, [mutterzentrierten], nicht gewalttätigen, erdgebundenen Kultur zu entdecken« (Marija Gimbutas ›Die Sprache der Göttin‹ 1995, S. XXI)

Hypothesen zur Erfindung des Patriarchats

Es gibt heute zahlreiche Hypothesen, wie, warum und wann das Patriarchat entstanden ist, die aber bisher lediglich mehr Fragen als überzeugende Antworten brachten. Es sind Vermutungen, Interpretationen und Spekulationen, die den Umsturz vom Matriarchat ins Patriarchat entweder als natürliche Evolution bagatellisieren oder zu erklären versuchen. Die unbewiesenen Annahmen reichen von Bachofen (›Das Mutterrecht‹ 1861), der eine höhere Entwicklungsstufe vom Körperlich-Weiblichen zum Geistig-Männlichen phantasierte, bis zum Geologen James DeMeo, der die Entstehung des Patriarchats mit einem Klimawandel begründete (›Saharasia‹ 2006). Es scheint, dass für den radikalen Umbruch, der ins Patriarchat führte, viel zu oft eine Klimaveränderung angenommen wird. ›Aus der Klimageschichte lernen‹ titelt die Max-Planck-Gesellschaft ihren Beitrag vom 24. März 2021: »Erkenntnisse, wie sich Gesellschaften in früheren Zeiten an klimatische Veränderungen anpassten, können bei den aktuellen Herausforderungen helfen. Klimaveränderungen im Laufe der Geschichte, wie die Kleine Eiszeit während des 13. bis 19. Jahrhunderts, werden häufig mit Hungersnöten, Krisen und Kriegen in Verbindung gebracht. Doch es gibt auch viele Beispiele, wie Bevölkerung und Politik die veränderten Bedingungen zu ihrem Vorteil nutzen oder zumindest Stabilität wahren konnten. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte hat einen neuen Ansatz entwickelt, der die gesellschaftliche Resilienz in den Mittelpunkt stellt und dabei einen sorgfältigeren Umgang mit Klimadaten und historischen Fakten sicherstellt, als das bisher oft der Fall war.« (s. Klima Sozialwissenschaften). Eine beliebte andere Begründung für die Erfindung des Patriarchats ist ein postulierter später Beginn der Sesshaftigkeit. Jedoch nur Viehzüchter in den Steppen Russlands waren um ihre Tiere zu füttern gezwungenermassen Nomaden. Sesshaftigkeit wurde von den Frauen bestimmt, durch Schwangerschaft, Still- und Erholungszeit der Mütter und die Rücksicht auf kleine Kinder, Alte und Kranker. Sesshaftigkeit war an geeigneten Orten Normalität. Trotzdem glauben verschiedene Wissenschaftler noch immer, dass die allgemeine Sesshaftigkeit erst vor 10-12‘000 Jahren erfolgte. Einige vermuten, dass es die Erfindung des Pfluges war, der die Wende von der Zeit des Jagens und Sammelns zum Ackerbau brachte. Seltsamerweise, soll damit die fröhliche Zeit der abenteuerlichen Jägerei mit der schweißtreibenden Arbeit des Bauern freiwillig eingetauscht worden sein. Es soll jedoch diese schwere Arbeit hinter dem Pflug gewesen sein, die Männer mit neuen Rechten belohnt habe. Andere wiederum glauben, in der äußerst dünn besiedelten Welt von damals, hätte die Schlichtung von Streit um Weideland männliche ›Führernaturen‹ hervorgebracht, oder dass die Bewältigung von Hungerkrisen die Machtübernahme der Männer forderte. Manche behaupten, verdichtete Siedlungen hätten automatisch zu hierarchischen, männerdominiertenen Gesellschaftsformen geführt. Einige insistieren schlichtweg, es habe nie eine andere Gesellschaftsordnung als das Patriarchat gegeben, oder die Patriarchalisierung sei eine äusserst komplexe Entwicklung gewesen, die sich bis zur heutigen Form über tausende Jahre abgespielt habe.
Mehr Forschung auf dem Gebiet der Ur- und Frühzeit der ältesten Kulturen: Ägypten, Mesopotamien, Iran, Industal, Anatolien usw. könnte das Bild unserer matriarchalen Urgeschichte wesentlich verdeutlichen. Wir wissen jedoch, genau das ist unbeliebtes Terrain und wird von der konservativen, patriarchalen Wissenschaftlern gemieden. Auch die Indo-Europäer und Arier-Forschung, Fachgebiete, wie sie Marija Gimbutas, Jan Haudry und Jahanshah Derakhshani erarbeitet haben, müssten endlich berücksichtigt und anerkannt werden. Ausserdem scheint es mir zwingend, auch die Sprachforschung mit einzubeziehen, so das indoeuropäische Sanskrit, afro-asiatische (semitische) und afrikanische Sprachen. Wie wichtig die Sprachforschung ist, zeigt der indoeuropäische  Begriff ›Vater‹, Athotis, der in der 1. Dynastie Ägyptens erstmals auftaucht und den Namen der ersten Könige als Ehrentitel beigefügt wurde. Entgegen allen bisherigen Widerständen, stelle ich die eigentlich naheliegende Frage:

Müsste die ›Herrschaft der Väter‹ vielleicht nicht doch etwas mit den Vätern,
d.h. der Entdeckung der biologischen Vaterschaft zu tun haben?

Die Erkenntnis der biologischen Vaterschaft, die die bisher unbekannte Teilhabe des Mannes an der Schöpfung eines neuen Menschen ans Licht brachte, dürfte bei Männern einige Aufregung, möglicherweise sogar eine massive Erschütterung bewirkt haben. Männer sind Menschen, die auch schon damals Gefühle hatten, eine Psyche, die auf ihre Umgebung reagierte. Es ist sehr wohl anzunehmen, dass die Kenntnisnahme des wichtigen Beitrages bei der Zeugung bei Einigen eingeschlagen hat wie eine Bombe. Sie kann bei ihnen ein neues Selbstbewusstsein, ein Gefühl von Stolz und einen Anspruch von Macht erzeugt haben. Und es ist sehr wohl möglich, dass dies zu einem aggressiven Verhalten, einer Wut auf die Mütter führte, die ihren Söhnen und Männern diesen für sie jetzt so ausserordentlich wichtig gewordenen Beitrag verschwiegen hatten. Es ist anzunehmen, dass manche Frauen, wie Hebammen und Heilerinnen, davon wussten, was jedoch für niemanden eine Bedeutung hatte; wichtig war nur die sichtbare Tatsache, das Kind entsteht und kommt aus dem Bauch der Mutter, es ist ihr Kind.
Nehmen wir an, dass zu Beginn, die Wut eines einzigen Mannes fähig war, die Flamme einer Revolte zu entzünden, welche dann zu ersten, brutalen Rachefeldzügen führte und schliesslich in der erfolgreichen Eroberung der matriarchalen Länder gipfelte. Natürlich wissen wir nicht, ob das so war oder nicht, dies sind reine Vermutungen, Annahmen. Jedoch wissen wir aufgrund der archäologischen Forschung:

Die Ideologie von der Wichtigkeit, ja der vermeintlichen Überlegenheit der Männer über die Frauen,
verbreitete sich in Windeseile in allen eroberten Ländern, wo sie 
mit äusserster Gewalt institutionalisiert wurde und bis heute anhält.


Die mutigen, matriarchalen Völker wehrten sich gegen die Machtnahme der neuen Männerväter, ihre Anmassung und Brutalität. Skrupellos und mit äusserster Gewalt setzten sich die machtgierigen, kriegslüsternen Anführer der indoeuropäischen Horiter (Hurriter/Hurri) durch. In Ägypten sind sie uns als Shemsu-Hor bekannt. Zu den Hurriter-Stämmen gehörten die Vieh- und Pferdezüchter und Schmiede, die  sich in den eroberten südlichen Ländern als Herrenmenschen aufführten und sich als Herrscher über die indigenen Völker setzten. (Von  den ›Hurri‹ stammen wohl die indoeuropäisch-deutschen Bezeichnungen ›Herr‹, ›Herrscher und ›Herrschaft.) Begleitet wurden sie von persischen Ariern, die sie als Priesterkaste mit List und Lügen unterstützten. Es sind ohne Zweifel die Nachkommen dieser Verbündeten, die Machthaber, die Herrscher und die Kleriker, die auf der ganzen Welt bis heute gnadenlos und skrupellos Macht und Geld in ihren Händen raffen, die die Welt kolonisier(t)en, ausraub(t)en und noch immer ausbeuten und beherrschen (s. Die Rolle der Hurriter/Horiter bei der Eroberung Ägyptens D. Wolf 2009, S. 96).
Wenn wir uns fragen, warum wir all das eigentlich nicht wissen, warum das an den Schulen nicht gelehrt wird, gibt uns der Altorientalist Gebhard J. Selz eine nüchterne Antwort:

»In Europa waren die orientalistischen Fächer allgemein und die Altorientalistik
im Besonderen lange eingebunden in die christlich-theologischen Disziplinen.«
(G. J. Selz)

Es ist eindeutig, dass dies der Grund dafür ist, dass die Urgeschichte von der patriarchalen Wissenschaft kaum erforscht wird: denn sie führt unvermeidlich zurück in die Zeit des Matriarchats und die Verehrung der Grossen Göttin. Verständlich, dass die patriarchalen und christlich-theologischen Disziplinen davon nichts wissen wollen. Das Patriarchat wurde zur ideologischen Grundlage des Gesellschafts-, Werte- und Wirtschaftssystem von heute, das vor 5000 Jahren in Ägypten und im Süden Mesopotamiens institutionalisiert wurde. Das Patriarchat ist keine ›evolutionäre Entwicklungsgeschichte‹, ist nicht ›logischerweise‹ oder ›zufällig entstanden‹, sondern wurde einst von Männern bewusst und aktiv ausgedacht, strategisch geplant, systematisiert und mittels Gewalt und immer raffinierteren, tödlichen Waffen in den letzten 5000 Jahren weltweit durchgesetzt und institutionalisiert. Skrupellos und mit einer irrsinnigen Lust am Wüten, Verwüsten, Zerstören und Töten überfielen indoeuropäische Vieh- und Pferdezüchter und Schmiede aus den eurasischen Steppen die friedlichen, unbewaffneten und ungeschützten Siedlungen, Dörfer und Städte der damals bekannten, matriarchalen Welt. Allmählich war der ganze Osten vom Kriegsgeschrei aus dem Norden betroffen und in Angst und Schrecken versetzt. Etwas völlig Unbekanntes, noch nie Dagewesenes ereignete sich. Der unbestechliche Sumerologe Samuel Noah Kramer schreibt in seinem bekanntesten Werk ›Die Geschichte beginnt mit Sumer‹ 1959, klare und deutliche Wort: In der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends fielen primitive ›sumerische‹ Kriegerhorden in Mesopotamien ein. Sie unterwarfen die ältere [indigene] Bevölkerung, deren »Kultur weit fortgeschrittener war, als die der Sumerer« (Kramer 1959, S. 163). (s. Wolf ›Das matriarchale Königinnentum Mesopotamiens‹) Der britische, vorderasiatische Archäologe Max E.L. Mallowan wies nach, dass verursacht durch die Invasion der ›Sumerer‹ die im Norden Mesopotamiens gelegene neolithische »Halaf-Periode mit einer gewaltsamen Zerstörung der Siedlungen endete« (Sibylle von Reden 1992, S. 40). Dem Einmarsch der ›Sumerer‹ folgte eine »Zeit der Stagnation, des Rückschrittes und des Zusammenbruchs der früheren fort­geschritteneren Kultur« (Kramer S. 163).

»In diesen Jahrhunderten, die in dem sumerischen Heldenzeitalter gipfelten,
waren es die kul­turell unrei­fen und psy­chologisch unstabilen sumerischen
Kriegsher­ren mit ih­rer indivi­dualistischen und raubgierigen Veranlagung,
welche die geplünderten Städte und die niederge­brannten Dörfer des
besieg­ten mesopotamischen Reiches beherrschten.«
(Kramer S. 166).

Die Eroberung Ägyptens am Ende des 4. Jahrtausends

Nicht nur Mesopotamien wurde erobert. Die Tatsache einer Invasion und der brutale Kampf  gegen die UreinwohnerInnen fand auch in Ägypten statt. Dieser Krieg wird durch mehrere in Ägypten gefundene äusserst aussagekräftige  Schieferpaletten dokumentiert und bezeugt. Die am besten bekannte und am meisten besprochene ist die Narmer-Palette. (s. D. Wolf 2009, S. 141 und Wolf ›Wer war Narmer‹)

Die Invasoren gründeten die ersten männlichen Königsdynastien
etwa gleichzeitig in Mesopotamien und Ägypten

Das Ziel der indoeuropäischen Eroberer und ihrer Begleiter, der indoeuropäisch-arischen Priesterkaste, war die Vernichtung der matriarchalen Gesellschaftsordnung, das Beenden des Königinnentums, die Entmachtung und Eliminierung der matriarchalen Königinnen aus ihren führenden staatspolitischen, sozialen und religiösen Positionen, ihre Ermordung und die Usurpation und Übernahme der Macht und der Reichtümer. (s. Wolf ›Das matriarchale Königinnentum Ägyptens‹)
Die Wissenschaftler schreiben den indoeuropäischen Eroberern aus dem Norden, die sich zu Herren der eroberten Länder machten, – deren Anführer sich zu den despotischen Königen dieser Länder aufschwangen – die Schaffung von ›Hochkulturen‹ zu. Natürlich haben etliche heutige Forscher von den kriegerischen Indo-Europäern gehört, glauben aber noch immer an sie als ›Kulturbringer‹. Sie können deren Rolle nicht in den unbeschreiblich grausamen Ereignissen, den dokumentierten Massakern und Zerstörungen erkennen, die sie angerichtet haben. Die Umbrüche in den beiden Staaten gegen Ende des 4. Jahrtausends übersehen oder verharmlosen sie oft als unwichtige Streitereien, harmlose Auseinandersetzungen oder kleine Gefechte. Historiker müssten wissen, was die Geschichte immer wieder gezeigt hat: Eroberer, Invasoren und Kolonisatoren sind keine harmlosen Gesellen, es sind kriminelle Kriegstreiber. Sie schaffen keine Kulturen; im Gegenteil sie zerstören Kultur und bringen höchstens kriegerische, hierarchische, militaristische, tyrannische Dikaturen –  ›Un-Kulturen‹ – hervor. (s. Wolf ›Die Eroberer aus dem Norden‹)

»Der Umsturz des Mutterrechts war die weltgeschichtliche
Niederlage des weiblichen Geschlechts.« (Friedrich Engels)

Das Ungeheuerliche des Umsturzes in Ägypten – obwohl durch das Wandbild von Hierakonpolis (s. Wolf ›Das irritierende Wandbild von Hierakonpolis‹, die Paletten und das berühmte Messer von Gebel el-Arak dokumentiert, die »für die Erforschung der Anfänge der altägyptischen Hochkultur von höchster Bedeutung« seien (Helck LÄ, IV, S. 654), wird von den ÄgyptologInnen nicht anerkannt, die Brutalität der lebendigen Darstellungen nicht als Invasion zur Kenntnis genommen. »Von den faszinierenden Prunkschminktafeln der spätvorgeschichtlichen Zeit sei hier die sogenannte Tjehnu- oder Städte-Palette herausgegriffen«, schreibt Alan Gardiner, »nicht weil sie in künstlerischer Hinsicht die andern überträfe – es gibt viel schönere Stücke –, sondern weil ihr Sinngehalt klarer hervortritt.

Städtepalette, Museum Kairo

Die Oberseite zeigt sieben befestigte Rechtecke, die offensichtlich besiegte Städte darstellen, zu denen sich symbolische Wesen mit einer Hacke Zugang verschaffen. In den Rechtecken stehen Hieroglyphen, meist eine allein, die offensichtlich die Namen der Orte angeben sollen. Man hat den Angreifern (Falke, Löwe, Skorpion usw.) ein und denselben siegreichen Anführer in verschiedener Gestalt sehen wollen, doch liegt sicher die Annahme näher, dass sie verschiedene Provinzen repräsentieren, die sich zum gemeinsamen Kampf zusammen geschlossen hatten.« (Gardiner 1965, S. 437 f). Auf der andern Seite sind Ochsen, Esel und Widder zu sehen, die laut Gardiner unschwer als Beute zu erraten sind. Auf der sogenannten Löwenjagd-Palette sind Menschen mit Bogen, Speeren, Krummhölzern und Lassos zu sehen, die erfolgreich den Tieren der Wüste nachstellen. »Nicht so schwer zu deuten sind die Standarten auf einer Prunkschminktafel, in deren oberem Teil ein ›starker Stier‹ einen am Boden liegenden Mann auf die Hörner nimmt, die wir als Libyer bezeichneten. Der Stier ist der König – Ober- oder Unterägyptens oder beider Länder –, denn eben dieses Epitheton ›starker Stier‹ begleitet stets den regierenden König… Was die Palette darstellen sollte, ist unschwer zu erkennen: die Niedermetzelung oder Gefangennahme unterägyptischer oder libyscher Feinde.

Ähnlich ist die Thematik sämtlicher Paletten mit Kampfdarstellungen; auffällig an ihnen erscheint es, dass sie alle einen mörderischen Bruderkrieg zum Gegenstand haben und nicht einen Zusammenstoss mit Eindringlingen aus dem Osten.«

Doch da liegt der Irrtum, dem sämtliche Ägyptologen aufgesessen sind, nachdem sie Flinder Petries Analyse der ›fremden Rasse‹ nie akzeptieren wollten. Doch immerhin, jene Forscher, die sich mit den Anfängen des frühdynastischen Königtums beschäftigen – viele waren es nach Petrie und Emery nicht, die sich dafür interessieren –, sind zumindest irritiert, denn immer wieder tauchen Artefakte auf, die von einer Invasion zeugen. So schreibt auch Gardiner, etwas verunsichert: »Nur der berühmte elfenbeinerne Messergriff von Gebel el-Arak im Louvre macht hierin eine Ausnahme: die eine Seite zeigt eine Jagd auf wilde Tiere, die andere einen Kampf. Über der Jagdszene steht ein mit einem langen Mantel bekleideter Mann so zwischen zwei Löwen, als hätte er sie gebändigt.« (Gardiner ibd. S. 440). Gardiner attestiert den Messergriff als »echt mesopotamische Arbeit und die Gestalt des Heros zwischen den beiden Löwen sei in ihrer Darstellung echt sumerisch.« (s. D. Wolf 2017, S. 90). Gardiner glaubt in dem Mann mit Mantel und Hut einen frühen babylonischen Gott zu sehen. Es ist charakteristisch für die patriarchale Wissenschaft, ein männliches Wesen, das nicht einfach zugeordnet werden kann, als Gott, Heroen oder Herrscher zu bezeichnen. Gewöhnliche Männer gibt es da prinzipiell nicht. Der bärtige Mann mit Mantel und Hut ist jedoch tatsächlich der Anführer einer mörderischen Bande aus dem kalten Norden, die bis nach Ägypten vorgedrungen ist. (s. D. Wolf 2017, S. 99 ff) Wir begegnen seinem auffallenden Konterfei noch mehr als 1000 Jahre später wieder als Hammurabi, König von Sumer und Akkad. Das heisst, die Eroberer haben ihren Platz als Herrscher über Mesopotamien behalten — vornehmer wurden zwar Kleidung und Kopfbedeckung, aber die Herrschsucht ist ihnen geblieben. Die als Codex Hammurabi bekannte babylonische Gesetzessammlung, eine Rechtsordnung, die jedes Detail des Lebens der Menschen regelte und martialisch kontrollierte, geht auf seine Initiative zurück.

Bezüglich der Eroberung Mesopotamiens haben es die heutigen vorderasiatischen Archäologen und Sumerologen weitaus einfacher in der Bewältigung der sumerischen Vergangenheit. Da Mesopotamien aufgrund der weniger spektakulären Funde — kein Tutanchamun, keine Nofretete — weniger bekannt geworden ist und keine Scharen von Besuchern anzieht wie Ägypten vor dem Arabischen Frühling 2011, auch nicht bevor Bush den Irak in Grund und Boden gebombt hat, um, wie er und seine Clique behaupteten den Terror zu bekämpfen, den er selbst auslöste. Bush hat bestätigt, Invasoren töten Menschen, zerstören Kultur und Land.
Zur Eroberung Mesopotamiens durch die Sumerer hat, wie oben bereits erwähnt, Samuel Noah Kramer ganz eindeutige Zeichen gesetzt. Nichts lässt an der Invasion der Sumerer zweifeln. Denn auch aus Mesopotamien und dem Iran liegen Zeugnisse vor, welche eine Invasion bestätigen. Gegen Frauen, insbesondere gegen die Matriarchinnen, die Königinnen, die Weisen Frauen, die Ärztinnen, Lehrerinnen, Leiterinnen, Priesterinnen, die Mütter der Clans und Sippen wurde ein erbarmungsloser Kampf durch physische und psychische Gewalt geführt. (s. Wolf Die Eroberung Ägyptens am Ende des 4. Jahrtausends‹) Die Bilder beweisen es:

Gewaltszenen von gefesselten Gefangenen (wahrscheinlich Frauen) und bewaffneten Männern (im iranisch/elamischen Susa (P. Amiet ›La glyptique mésopotamienne archaique‹ 1980)

Die Szenen zeugen von der Katastrophe, vom brutalen Umbruch. Der Altorien­talist Manfried Dietrich bemerkt, es sei eine »schlichte Tatsache, dass die Basis für die Herr­schaftsstruktur und das hierarchische System des Alten Orients laut schriftlicher Aussagen und archäo­lo­gischer Rekonstruktio­nen En­de des 4. und An­fang des 3. Jahrtausends in der Städtekultur Südme­sopo­tamiens liegt« (Manfried Dietrich 1989, S. 131). Wie die Bilder bezeugen, trifft dies auch auf den Iran und andere Länder zu.

Aus Residenz, Verwaltungsgebäude und Tempel werden die matriarchale Königin und ihre Helferinnen herausgeschleppt, entkleidet und ermordet. (Rollsiegel aus dem iranisch-elamischen Susa, aus der 2. Hälfte des 4., oder Anfang des 3. Jahrtausends. Nach M.P. Amiet 1980, Abb. 659)

Unterstützt und gerechtfertigt wurde dieser Kampf von der arischen Priesterkaste und ihrer frauenfeindlichen Propaganda. Sie erfanden religiöse patriarchale Mythen und Beschimpfungen, schürten Hass gegen die Frauen und legten den von ihnen erfundenen männlichen Götter Worte von der gegebenen ›Minderwertigkeit‹ der Frau in den Mund. Damit begann die erste Inquisition, die erste Verfolgung von Frauen. Geschürt wurde der Kampf von einem unsäglichen Hass und Neid auf die Macht der Matriarchinnen, die Priesterköniginnen und die weisen, gebildeten Frauen und die Mütter, die als Gebärerinnen, Erhalterinnen und Ernährerinnen des Clans und der Sippe, ja des Landes,  grosses Ansehen und Verehrung genossen. Die Zerstörung des Matriarchats wurde begleitet von einer his heute andauernden Welle von Hass, Abwertung, Diskriminierung, Entwürdigung, Entehrung, Unterdrückung, Ausbeutung, Vergewaltigung, Entmenschlichung und Ermordung von Frauen. Die brutale Geschichte der Verfolgung der Frauen wiederholte sich immer wieder und spitzte sich noch einmal vom 12. bis 18. Jahrhundert unserer Zeit in Europa zu. Die Inquisition, ausgelöst von der katholischen Kirche, folterte, mordete und verbrannte ursprünglich vor allem jene Frauen und Männer, die sich gegen die patriarchale Herrschaft wehrten und sich nicht zur patriarchalen Männerreligion bekehren ließen.

Fremde in Ägypten

Seite an Seite zwei verschiedene Religionen und Bestattungsarten

Aus der Zeit unmittelbar vor der 1. Dynastie der Eroberer wurde im oberägyptischen Hierakonpolis eine Gruppe von großen Gräbern gefunden, in der sich »eine Elite vermögender und mächtiger Bewohner von ihren Nachbarn getrennt hielten und versuchten, einen Teil ihres Reichtums mit sich in die andere Welt zu nehmen.« (Michael A. Hoffman 1980, S. 133 f) Flinders Petrie, der Archäologe, der die Friedhöfe der ersten beiden Dy­nastien in Oberägypten ausgegraben hatte,  bezeichnete dies die Gräber einer ›Neuen Rasse‹. Sie unterscheiden sich von allen bisher bekannten vor-dynastischen Grä­bern. Im Matriarchat glaubte man an eine Wiedergeburt, weshalb ­die Toten in embryonaler Seitenlage in ei­ner ovalen, den Uterus nachahmenden Grube bestattet wurden. Die Gräber der ›Neuen Rasse‹ waren hingegen vertikale Kammern, in denen der Kör­per auf dem Rücken aus­gestreckt auf dem Boden lag. Petrie betont, dass es keine einzige Übereinstimmung in der Art der Begräbnisse bei den Ägyp­tern und der ›Neuen Rasse‹ gab. Hingegen kennen wir diese Art der Gräber bereits von den sogenannten Kurgan-Leuten, die Marija Gimbutas beschrieb. Dasselbe findet sich auch in Mesopotamien. In der früh­sumerischen Zeit tritt ein neuer Grabtyp mit gebauten Grab­kammern an die Stelle der einfachen Erdgruben. Zu ihnen ge­hören die berühmten Kö­nigsgräber von Ur und Kisch und bedeu­tende Privatgrä­ber (s. Sati und  die Menschenopfer von Ur Wolf 2019, S.109 f). Auch die Grabbeigaben sind überall die Gleichen, es sind Waffen, Schmuck, Nahrungsmit­tel und Geträn­ke, oft auch Tiere.

Nebengrab aus dem ägyptischen Abydos; eines der gegen 1000 getöteten einheimischen Menschen (s. Sati). Die meisten von ihnen waren Frauen

Schon Marija Gimbutas hatte die indoeuropäische Sitte beschrieben, bei der beim Tod eines Häuptlings seine Frau, Waffen und ein Tier (meist ein Pferd) im gleichen Grab bestattet wurden. Beim Tod eines Königs in Ägypten »umgaben häufig mehrere hundert Nebengräber von Dienerinnen und Dienern, die beim Begräbnis des Königs geopfert worden waren, dessen Grabmal, um ihm auch im Jenseits dienstbar zu sein« (Emery 1964, Abb. 15). Der König wurde in der Hauptkammer auf dem Rücken liegend, mit Blickrichtung zum Himmelsgott begraben. Die bei seinem Tod getöteten Einheimischen in den Nebengräbern wurden in der Stellung eines Embryos begraben, welche auf ihren Wiedergeburtsglauben hinweisen. Den Glauben der Indo-Europäer an einen Gott im Himmel und ein ewiges Leben, der seinen Anfang mit den ersten Königen der Eroberer vor nur 5000 Jahren nahm, haben alle monotheistischen Religionen, die auf Abraham zurückgehen, übernommen. Alle drei haben den gleichen indoeuropäisch-arischen Ursprung. Hingegen hatte der matriarchale Wiedergeburtsglaube eine lange Tradition bei der die Toten liebevoll rituell bestattet und die Ahnen verehrt wurden. Archäologie online berichtet am 5.5.21, dass das ›Älteste menschliche Begräbnis in Afrika gefunden wurde. Die rund 78’000 Jahre alte Grabstätte wurde in der kenianischen Höhle Panga ya Saidi entdeckt, wo ein zweieinhalb- bis dreijährige Kind am Eingang der Höhle in gebückter Haltung begraben wurde. Ich habe die Bezeichnung ›in gebückter Haltung‹ hervorgehoben, weil die Bezeichnung embryonale Lage immer wieder und schon seit langem von patriarchalen ArchäologInnen bekämpft, als ›Hockerhaltung‹ oder wie hier, als in gebückter Haltung abgewertet und verzerrt wird. Bewusst oder unbewusst wird mit solchen Fehlleistungen die Tatsache der Epoche des Matriarchats vergessen gemacht werden.

Der vorderasiatische Archäologe Burchard Brentjes ist einer der seltenen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Altorientalistik, der in der Beschreibung des Beginns der patriarchalen Zeit eine menschliche Seite, Betroffenheit und Entsetzen zeigt. Brentjes erkennt die Tragik, den gewaltsamen Umbruch in der Gesellschaft, beschreibt die Katastrophe, die sich damals in Mesopotamien nach dem Einfall der Sumerer abspielte und lässt sich berühren. Erschüttert beschreibt er, was damals geschah:

»Eine soziale Revolution ging vor sich, die die Jahrmillionen der Gleichheit beendete,
ein gesellschaftlicher Umsturz, der mit der Erfindung der Sichel und der Reibmühle
begonnen hatte und dessen Grundlagen in den Jahrtausenden von Mureybet
bis Obeid entstanden waren.«
(Brentjes 1981, S. 53)

Brentjes betont, dass obwohl noch viele Fragen offen sind, der Übergang von der Urgesellschaft zum Staat in mehreren Regionen nachgezeichnet werden könne, und dass dieser Prozess die Einrichtung eines Zwangsapparates in der Gesellschaft, einer Armee und anderer Gewaltmittel im Dienst einer herrschenden Klasse« zur Folge hatte. Die frühen Matriarchinnen setzten ihre Macht dafür ein, sich verantwortungsvoll für das Wohl ihrer Kinder, das Volk und das Land zu sorgen und männlichen Aggressionen und gefährlichem Egoismus und Übermut Grenzen zu setzen. Das Patriarchat hat gezeigt, wenn Männern keine Grenzen gesetzt werden, verrohen sie, begehen jedes erdenkliche Verbrechen zum Schaden anderer und entgehen oft einer angebrachten Strafe für ihre Untaten. Die Kirchenoberen vertuschen jahrzehntelang die sexuelle Gewalt von Priestern an Kindern; dreiste Lügen ›legitimieren‹ Staatsoberhäupter Kriege anzufachen, in denen Soldaten rauben, plündern, zerstören, foltern, vergewaltigen und Unschuldige morden (dürfen)! Kriege entpuppen sich als die Pest des Patriarchats. Der Krieg öffnet alle Schleusen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Begeisterung für Gewalt, für Krieg und Waffen, schürt die Lust am Foltern und Töten und macht aus Männern Bestien.

Kriege und andere Verbrechen konnten matriarchale Mütter verhindern, indem sie ihren Söhnen Grenzen setzten, sie mit Liebe, Fürsorge und Geduld zu Solidarität und Mitgefühl erzogen, — weil Mütter die Macht  dazu hatten, die ihnen dann von patriarchalen Männern mit Gewalt entrissen wurde. Das Patriarchat regiert und erzieht nicht mit Intelligenz sondern mit physischer und psychischer Gewalt. Patriarchale Männer können mit Macht nicht umgehen. Die nur 5000 Jahre an der Macht scheinen für sie viel zu wenig Zeit, um etwas aus ihren Fehlern zu lernen, weil sie ihre  Fehlleistungen gar nicht erkennen, sie im Gegenteil bestreiten und beschönigen. Sie sind leicht verführ- und korrumpierbar und nutzen Macht ausschließlich zur Durchsetzung ihrer eigenen egoistischen Interessen, zur Befriedigung ihrer Eitelkeit, ihrer Gier nach Beute, Profit und Prestige. Macht schürt ihren Narzissmus, ihre Habsucht und ihre Skrupellosigkeit.

 

 

 

 


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