III. Der erste männliche Gott wurde vor weniger als 5000 Jahren erfunden

Aus dem Inhalt:

  • Bis vor 5000 Jahren gab es keinen männlichen Gott
  • Die Große Göttin und die matriarchale Religion werden von patriarchalen WissenschaftlerInnen
    diskriminiert, bekämpft, geleugnet, vermännlicht und entwürdigt
  • Der Vater wird zum ersten Gott der ersten patriarchalen Religion
  • Der Begriff ›Vater‹ wird zum Synonym für Schöpfer und Gebärer
  • Das Problem der patriarchalen Religionen: Die Schöpfung ohne Frau
  • Antisemitismus


Die patriarchale Machtnahme und die Erfindung der patriarchalen Religionen
sind die schlimmste und nachhaltigste Katastrophe, die die Welt
seit ihrem Bestehen erlebt hat.

— Bis vor 5000 Jahren gab es nie einen männlichen Gott
— Der Monotheismus wurde erst im 7. Jh v.Chr. geschaffen
— Die patriarchale Bibel ist nicht das Wort eines Gottes,
sondern wurde über
Jahrhunderte von vielen Autoren geschrieben.

 

Nach der kriegerischen Machtnahme Ägyptens und Mesopotamiens an der Wende vom 4. ins 3. Jahrtausend hatten sich rund 1000 Jahre später in den beiden Ländern die Herrschaft patriarchaler Männer, die ersten erfundenen männlichen Götter und die neuen patriarchalen Religionen gegen den Willen des eroberten Volkes einigermassen etabliert. Dies mag der Grund gewesen sein, der den babylonisvhen König Hammurabi im 18. Jahrhundert v.Z. veranlasste das Leben des seit der Eroberung durch die Sumerer bereits massiv unterdrückten und ›gezähmten‹ einst freien, matriarchalen mesopotamisch-babylonischen Volkes noch rigoroser mit Gesetzen bis in die intimsten und persönlichsten Details zu reglementieren, zu kontrollieren und zu beherrschen. Hammurabi, der 6. König der 1. babylonischen Dynastie, war der Prototyp eines patriarchalen Herrschers und hatte auffallende Ähnlichkeiten mit der nicht geschichtlich identifizierbaren Figur des Patriarchen Abraham (evt auch mit Vater Brahm, und dem indischen Brahma). Hammurabi lebte zur selben Zeit, im selben Gebiet wie Abraham in der Bibel angesiedelt wurde; es wäre nicht erstaunlich wenn diese beiden Gestalten tatsächlich miteinander identisch wären. Erstaunlich ist jedenfalls die Tatsache, dass viele der Gesetze von Hammurabis Codex als ›Gesetz Gottes‹ in die Tora übernommen wurden. Mit diesen patriarchalen Gesetzen wurde die Freiheit der jüdischen Menschen ebenso rigoros eingeschränkt wie jenes der unterdrückten Babylonier.

»Die Menschen tun Böses nie so vollständig und freudig
wie wenn sie es aus religiösen Gründen tun.« (Blaise Pascal)

Für die Frauen brachten die Gesetze des Codex Hammurabi massive Vorschriften, die ihr Verhalten reglementierten und ihre Freiheit beschränkte, verbunden mit massiven Strafen bei nicht Einhaltung, vergleichbar mit den Gesetzen der heutigen Wahabiten in Arabien und den Taliban in Afghanistan. Ein ausgesprochener Hass auf die Frau ist in diesen Gesetzen eindeutig feststellbar. Die Schöpfungsmacht der Frau wurde ganz besonders reglementiert und unter männliche Kontrolle gebracht; den Frauen wurde das Recht entrissen, über ihren Bauch selbst zu bestimmen. Seither gehört der Körper der Frau dem patriarchalen Mann, dem ›Oberhaupt‹. den Herrschenden. Vor allem der Klerus ist daran interessiert, denn dabei geht es ja um die heilige Macht der Frau, Leben zu gebären. Die Fähigkeit, die Männer seit der Machtnahme für sich und ihre Götter beanspruchen. Die Frauen werden zum Kindergebären oder je nach Bedarf zur Abtreibung gezwungen (s. China unter Mao).

Mit engstirnigen ›religiös‹ konnotierten Gesetzen, die als ›Gottes Willen‹ propagiert werden, manipulieren die Herrschenden das Volk besonders nachhaltig und über den Tod hinaus, indem sie ihm zusätzlich mit der Erfindung von Höllequalen und und Teufel drohen.
Die Männer des gemeinen Volkes werden für die Expansions- und Beutegelüste der Mächtigen in ›Kriege für Gott und Vaterland‹ geschickt, wo sie unschuldige Menschen, die ihnen nichts getan haben, umbringen und bereit sind, selber einen sinnlosen Tod zu sterben.
Gesetze gehören noch immer zu den machtvollsten Kontroll- und Unterdrückungsmitteln des Patriarhalts. Im Islam werden religiöse Gesetze zur Zeit derart fanatisch ausgelegt, dass ihre Übertretung als ›Beleidigung Gottes‹ betrachtet und brutal bestraft wird, z.B durch Peitschenhiebe und Steinigung der Frauen. Alle drei monotheistischen Religionen unterdrücken die sexuelle Freiheit und generieren Verlogenheit und Heuchelei.

Wer über die Sexualität bestimmt,
sie kontrolliert und reglementiert, hat die Macht.

Rufus Camphausen veröffentlichte mit seinem Buch: ›Yoni: Die Vulva – Weibliche Sinnlichkeit, Kraft der Schöpfung‹ 1999 eine sorgfältige Studie »über die älteste und am weitesten verbreitete Religion der Erde, die aber seltsamerweise nie auf der Liste der sogenannten Hauptreligionen erwähnt wird. Heute scheint sie an Glaubwürdigkeit verloren zu haben. Ich glaube, dass sie bewusst ›vergessen‹ wurde, denn es ist eine Religion, die sich auf Frauen und eine Göttin konzentriert und vor allem die Sexualität einbezieht und feiert.« (Camphausen 1999, S. 9 und Wolf ›Die Verehrung der Vulva‹)

Die Große Göttin und ihre Religion werden von patriarchalen WissenschaftlerInnen
verschwiegen, geleugnet, diskriminiert, bekämpft und entwürdigt

»Der weibliche, gebärende Schoß, ursprünglich das Heiligste,
wurde mit der Vergöttlichung der Zeugungsfähigkeit des Mannes
schließlich zum Sitz der Sünde schlechthin erklärt.«
(Eva-Maria Stark) 

Die Erinnerung an die matriarchale Kultur und die damalige natürliche Suprematie des Weiblichen; der Frauen, als verehrte Lebensspenderinnen, Ernährerinnen und Erhalterinnen des Lebens, wird seit der staatlichen Institutionalisierung des Patriarchats vor 5000 Jahren mit allen Mitteln bekämpft. Unterdessen werden wir patriarchal jüdisch, christlich oder muslimisch sozialisiert und indoktriniert. Wie gut Gehirnwäsche funktioniert, haben wir nicht nur bei den Massen deutscher Männer gesehen, die schreiend vor Begeisterung der Frage zustimmten, ›wollt ihr den totalen Krieg?‹ Heute beweist der Zulauf rechtsextremer weisser Männer zu Nazi-Verbindungen oder das Überlaufen muslimischer Männer zu Gruppen der fanatischen muslimischen Gotteskrieger, wie einfach sich vor allem labile, unsichere Männer, die keine eigene Meinung haben, beeinflussen, korrumpieren und missbrauchen lassen. Es wäre interessant zu wissen, welche Rolle die Mütter gespielt haben. Wurden sie als Frauen geschätzt, von ihren Männern geliebt, waren sie Gebärmaschinen, war das Kind von ihnen gewünscht oder wurde es erzwungen? Wurden die Kinder nach mütterlichen Werten  mit Liebe und Geduld oder mit patriarchaler Härte und Gewalt erzogen? All das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt, ob er fähig oder unfähig wird, menschlich einfühlbar und solidarisch oder hart und grausam zu werden.
Beeinflussbarkeit spielt auch in der Ägyptologie eine enorme Rolle. Akzeptiert und belohnt werden an den Universitäten nur jene Aussagen, welche einmal von einer sogenannten Autorität als einzig richtig in die Welt gesetzt wurden und von den StudentInnen blind übernommen werden. Andere als traditionelle Ansichten, wie z.B. die matriarchale Vorgeschichte, die matriarchale Religion und ihre wichtigen Indizien, die weiblichen Statuetten, werden nicht oder ausschliesslich abwertend diskutiert. Doch dies hat fatale Auswirkungen für die Bildung neuer Generationen von Ägyptologinnen und das Geschichtsbild insgesamt. Die ironische Bemerkung  des Schweizer Ägyptologen Peter Kaplony vor dem interessierten Publikum dazu:

»Das meiste, was die Ägyptologen erzählen, ist reine Spekulation;
die Gelehrten versuchen eben, die Blößen des Nichtwissens
zu verdecken, indem sie so tun, als wüssten sie viel mehr.
Manchmal ist auch die Autorität eines Gelehrten so groß,
dass man ihm glaubt, obwohl er nur spekuliert!«

Die meisten WissenschaftlerInnen, aufgewachsen in unserer heutigen patriarchalen Kultur und/oder überzeugte AnhängerInnen der patriarchalen Vater-Götter, glauben und behaupten, die weiblichen Statuetten seien nicht als sakrale Zeugnisse der Verehrung der Urmutter, der Großen Göttin, zu sehen. Dies können wir beispielhaft beim damals jungen Anthropologen Peter J. Ucko beobachten, der diese Tatsache einfach leugnet. Er wird besonders gerne als maßgebende Referenz zitiert, was erst bei näherem Hinsehen verständlich wird. Schauen wir uns Herrn Ucko, der dank seiner persönlichen patriarchalen Meinung berühmt wurde, einmal näher an. Mit dem beschränkten Wissen eines gerade mal 24jährigen Absolventen der Anthropologie veröffentlicht er 1962 seine ›Studie‹. Ucko, ohne das nötige interdisziplinäre Wissen, das weit über seine bescheidenen Kenntnisse als frischgebackener Anthropologe hinausging, maßte sich an, die weiblichen Statuetten beurteilen zu können, obwohl ihm dafür jede Qualifikation fehlte. Seine eigene Voreingenommenheit genügte ihm zu behaupten, die Statuetten seien keine Belege für die Verehrung einer Göttin in der Steinzeit. Sein überhebliches Fazit: »Prähistorische weibliche Statuetten repräsentieren keine Göttinnen.« (1962, S. 38–58) Doch er kann seine Behauptung nicht untermauern, sie hält einer seriösen Überprüfung nicht stand und ist absolut unhaltbar. Der Ägyptologe Erik Hornung, der Ucko ebenfalls anerkennend zitiert, schreibt zur Verehrung von ›Gottheiten in menschlicher Gestalt‹: »Vereinzelt finden sich schon in der Badari-Kultur [ca. 5500–4000] verbreitet, dann in den Nagada-Kulturen [ca. 4000–3100], kleine menschliche Figuren aus Ton oder Elfenbein, die man immer wieder als Gottheiten deuten wollte. Sogar als Bild der ›Großen Mutter‹ wurden sie erklärt, obgleich nur ein Teil von ihnen eindeutig weibliche Geschlechtsmerkmale zeigt, göttliche Attribute fehlen und eine ›nackte Muttergottheit‹ der älteren geschichtlichen Zeit Ägyptens gänzlich unbekannt ist.« Es ist auffallend, dass Hornung es vermeidet, von weiblichen Figuren zu sprechen. (Hornung 1983, S. 93). Und er ignoriert, dass die Göttin Nut – wie schon lange davor – noch in der geschichtlichen Zeit nackt ist! (s. Wolf ›Das Schicksal der neolithischen Göttinnenstatuetten‹)

»Es ist nichts schwieriger, als einen Irrtum zu korrigieren,
wenn dieser einmal auf den Lehrstühlen und in den Schulbüchern Fuß gefasst hat.«
(Marie E.P. König)

Möglicherweise stützt sich Ucko auf seine jüdischen Glaubensgenossen und auf Sigmund Freud, der ebenfalls ein gestörtes Verhältnis zur Muttergöttin und zum Matriarchat hatte. Freud, der patriarchale Wissenschaftler, behauptete, es hätte ›ohne Zweifel‹ eine Zeit ohne Religion und ohne Gottheiten gegeben, was in Anbetracht des heutigen Forschungsstandes längst überholt ist. Wo die Göttin von ihm nicht geleugnet werden kann – Freud kennt die Geschichte des Alten Ägypten – behauptet er, den Göttinnen sei »der eine, einzige, unumschränkt herrschende Ur- und Vatergott« voraus gegangen. Und er glaubt, das Ende des Matriarchats sei durch eine wieder hergestellte patriarchalische Ordnung abgelöst worden. Er meint: »Wahrscheinlich entstanden die Muttergottheiten zur Zeit der Einschränkung des Matriarchats zur Entschädigung der zurückgesetzten Mütter.« (Freud, Band IX, S. 532 f.) Selbst der kluge Freud war der patriarchalen Hirnwäsche nicht entgangen. Eigentlich müsste gerade er wissen: Die Verdrängung der Mütter und der Drang, sich einem anderen, als ›größer‹ Erkannten bedingungslos unterzuordnen, ist einer der wichtigen Triebkräfte, an einen Vatergott zu glauben, besonders wenn sich der eigene Vater nicht zur Verehrung und Idealisierung eignet und das Verhältnis zu ihm stets problematisch war. Mit Gott als Vater kann man gut auf einen fehlerhaften, lieblosen, demütigenden, sadistischen oder abwesenden, oft allzu menschlichen, irdischen Vater verzichten.
Freuds und Uckos persönliche Meinungen, die nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sondern auf religiöser Sozialisierung und Vorurteilen beruhen, wurden zum Dogma. Uckos Polemik wurde von patriarchalen Wissenschaftlern dankbar aufgenommen und wird als sakrosankte Lehrmeinung bis heute weitergegeben. Jedoch würde weltweit wohl kein seriöser Wissenschaftler die unausgegorene Meinung eines einzelnen jungen Mannes übernehmen, hätte er nicht genau das behauptet, was patriarchale, jüdische, christliche und muslimische Männer hören und glauben wollen: Gott ist seit Urzeiten männlich und wir Männer sind seit Urzeiten sein Ebenbild und das von ihm bevorzugte höhere Geschlecht und die Krönung der Schöpfung. Nie darf es etwas anderes gegeben haben, das göttlich verehrt wurde, schon gar nicht, das seit dem Patriarchat verachtete und bekämpfte Weibliche!
Der wunde Punkt des gekränkten narzisstischen Mannes sind tatsächlich die unzähligen weiblichen Figurinen, und die verschwindende Anzahl männlicher Darstellungen. Denn dies beweist, das Männliche wurde urzeitlich nicht verehrt; die patriarchalen Götter sind nicht ›prähistorisch‹, der Mann ist nicht Gottes urgeschichtliches Ebenbild; das erfand er selbst und zudem noch sehr spät. Erst nach den Eroberungen der Indo-Europäer vor etwas mehr als 5000 Jahren und der beginnenden Patriarchalisierung entstanden massenhaft männliche Bildwerke.
Joan Relke nahm 2011 das Thema der entwerteten Statuetten wieder auf. Sie stützt Uckos abwertende Haltung und schreibt in ihrer Zusammenfassung von ›The Predynastic Dancing Egyptian Figurine‹: »Im Jahr 1962 schrieb Peter Ucko sein bahnbrechendes Werk: ›The Interpretation of Prehistoric Anthropomorphic Figurines‹ (Die Interpretation prähistorischer anthropomorpher Figurinen), in dem er die vorherrschende Auffassung von prähistorischen Figurinen als Darstellungen einer universellen großen Muttergöttin herausforderte [bestritt!] und dauerhaft veränderte. Seine Arbeit konzentrierte sich auf die prädynastischen Figurinen Ägyptens und kam zu dem Schluss, dass nichts Göttliches an ihnen war. Sie waren wahrscheinlich Puppen, Ahnenfiguren, talismanische Schwangerschaftshilfen, Hilfsmittel für Sexualunterricht und Pubertätsriten, Zwillingsersatz in Gräbern und Konkubinen-Grabfiguren. Seither hat diese Figurengruppe kaum Beachtung gefunden. Unter Verwendung der vierstufigen Methodik von Ucko werden in dieser Studie diese Figurinen im Kontext der altägyptischen Kultur und Religion näher untersucht, mit besonderem Augenmerk auf die zeitgenössischen sudanesischen religiösen Überzeugungen und Praktiken [heute islamisch!], die möglicherweise Wurzeln mit der prädynastischen ägyptischen Kultur teilen. Diese Studie kommt zu dem Schluss, dass einige dynastische religiöse Überzeugungen und die Ikonographie, die sich auf weibliche Gottheiten beziehen, in vielen dieser Figurinen zu erkennen sind und auf prähistorische nilotische Rituale zurückgeführt werden können.« (Joan Relke ›The Predynastic Dancing Egyptian Figurine‹ 2011) Diese und die vielen respektlosen und abwertenden Reaktionen von WissenschaftlerInnen sind schockierend. Die nackte Göttin Nut wird auf eine Nutte reduziert: ›Beischläferin‹, ›Konku­bine‹, ›Tänze­rin‹, ›Diene­rin‹ oder ›Sklavin‹ wurde sie von ÄgyptologInnen genannt, obwohl diese nackten Statuetten Grabbeigaben sind, die vor allem in den Gräbern von Frauen und Kindern gefunden wurden. Die mehr oder weniger diskriminierenden Bezeichnungen, die in den Fachbüchern zu finden sind, wie ›Venus‹, ›Idol‹, ›Pin-Up‹, ›Stripperin‹, Tänzerin und ›Puppen‹ sind unwürdige Produkte universitärer Lehren unserer patriarchalen Zeit und bewusst verächtlich machende Vokabeln patriarchaler AutorInnen. Als wären entwürdigende und banalisierende Titulierungen bedeutungslos für die Würdigung der Religionsgeschichte der vor-patriarchalen Zeit, werden sie gedankenlos wiederholt, unterstützt und weitergegeben.
Das beinahe vollständige Fehlen männlicher Statuetten stützt die These von der Urmutter überzeugend: Vor der Entdeckung der Vaterschaft im Neolithikum und der ersten männlichen Königsdynastie Ägyptens gab es keine männlichen Götter, keine göttlichen Männer, keine Ur-, keine Schöpfer- und keine Vater-Götter. (s. Wolf ›Die Gottheit der Urzeit war weiblich‹).

Priesterkasten erfanden vor 5000 Jahren
den ersten männlichen Gott und eine erste patriarchale Religion

Der Vater wird zum ersten Gott der patriarchalen Religion der Eroberer Ägyptens

Der erste männliche Gott wurde vor nur 5000 Jahren erfunden. Nachgewiesen und hervorgehoben wird er in den Titulierungen der ersten Könige der 1. Dynastie (s. Kapitel I). Dann erfanden die sich rivialisierenden Clans der Eroberer ihre eigenen Göttter und so erstanden in schneller Folge unzählige neue männliche Götter. Dies ist der Beginn der geschichtlichen Zeit und insofern besonders aufschlussreich, weil es ab da viele schriftliche und bildliche Darstellungen gibt, die Zeugnis ablegen. Die Narmer-Palette, das früheste und bedeutendste Zeugnis zu Beginn der sogenannten ›Hochkultur‹ Ägyptens jedoch beweist:

Selbst die indoeuropäischen Eroberer Ägyptens, die ›Shemsu-Hor‹,
kannten noch keinen männlichen Gott.

Die Narmer-Palette wird 4-fach dominiert von einer Göttin, deren Name uns dort nicht als Hieroglyphe übermittelt wird, die jedoch kurze Zeit später Hat-Hor (Haus, d.h. Mutter des Horus) genannt wird. Der Falke Hor war zu dieser Zeit noch kein Gott, sondern das Totemtier des Falkenstammes der Horiter. Erst als Sohn der Göttin Hat-Hor wurde er als göttlich legitimiert. Jeder männliche Gott musste von der Göttin, z.B. als ihr Gatte oder Sohn legitimiert werden. ›Hor‹ (griechisch Horus), wurde zum ersten Gott, der die kriegerischen Unternehmen der Eroberer unterstützen, rechtfertigen und zum Sieg führen sollte. Der Raubvogel entsprach exakt ihren aggressiven Beutezügen und symbolisierte ihre kriegerischen Eroberungen. Auch moderne Völker, wie etwa die Kriegsmacht USA, beziehen sich regelmässig für jeden ihrer Beutezüge und Kriege auf ihren Vater-Gott. Die Shemsu-Hor gehörten zur indoeuropäischen Schmiedekaste. »Ihre ›Macht über das Feuer‹, vor allem der ›Metallzauber‹ – ihre Fähigkeit, Erde in Metall zu verwandeln – haben den Schmieden überall den Ruf furchtbarer Zauberer eingebracht, sie wurden als ›Magier‹ angesehen. Daher die ambivalente Einstellung gegen sie; sie werden verachtet und verehrt zugleich.« Diese gegensätzliche Haltung ist vor allem für Afrika bezeugt, ist jedoch indoeuropäischen Ursprungs und »bei allen indogermanischen Völkern belegt« vermerkt der Indogermanist Mircea Eliade (1994, S. 361). Den indoeuropäischen Ursprung bestätigt  Charles Polomé. Der Indogermanist schreibt: »Das Vorhandensein einer Priester-Klasse ist entscheidend für die typologische Charakterisierung der indoeuropäisch/arischen Gesellschaft.« (Polomé 1985, S. 26) Diese Tatsache betont auch der Althistoriker und Ägyptologe Eduard Meyer: »Von ganz wesentlicher Bedeutung ist«, schreibt Meyer, »dass sich bei den Ariern ein voll entwickelter berufsmäßiger Priesterstand gebildet hat.« (Eduard Meyer 1909, S. 824)
Die Schmiede genossen wie die arische Priesterkaste, welche die Eroberer begleitete, eine sozial herausragende Stellung beim König. Sie werden als ›Freund und Liebling ihres Herrn‹ bezeichnet. Schmiede und Priester wurden offenbar zu einer religiösen Ideologie verschmolzen, denn sie werden, wie die SheMsu-Hor-SchMiede mit der auffallenden SM-Silbe, SeM genannt.
Wolfgang Helck stellte fest, dass Priester zu sein in Ägypten, viele Vorteile hatte: »Habgier war eine der Moti­vationen, Priester zu werden, denn die Einkünfte aus den Opfern waren ein großer Anreiz, Priester-Dienst zu tun. Die bis zum Totschlag führenden Kämpfe lokaler Priester um die Besetzung freier Stellen und ihre Opferanteile zei­gen den Verfall.« (Helck LÄ, IV, S. 1092)

»Religion ist die genialste und lukrativste Geschäftsidee,
die jemals von Menschen entwickelt worden ist.«
(Roland Berger)

Die Priester, welche den tyrannischen Herrschern mit psychischem und physischem Terror gegen das Volk zur Seite stand, war eine dünkelhaft abgeschlossene Kaste. Sie unterschieden sich in keiner Weise von den Beamten, sie waren auch keine geistigen Führer des Volkes, weiß der französische Ägyptologe Serge Sauneron (1960, S. 202). Trotzdem dürfe man sie sich aber »nicht ausschließlich als brutale Gewaltherrscher oder als raffinierte Intriganten denken«, glaubt der Ägyptologe Günter Roeder uns belehren zu müssen. (Roeder 1978, S. XIV) Noch immer segnet der fromme patriarchale Klerus mit Hingabe die todbringenden Waffen, mit denen die perverse, militärische Staatsgewalt die Menschen bedroht, einschüchtert, verfolgt, foltert, traumatisiert, verstümmelt, zerfetzt und tötet. ›Schmiede und Schamanen sind aus demselben Nest‹ sagt ein jakutisches Sprichwort.
Religion ist eine der raffiniertesten und mächtigsten Mittel, um ein Volk beherrschen zu können, die Menschen zu manipulieren und zu kontrollieren. Im Patriarchat gilt, was der Althistoriker Barcelo feststellt:

 »Religion braucht zur Durchsetzung staatliche Macht
und ein Staatswesen für seine Legitimation die Religion.«
(Pedro Barcelo)

Im Patriarchat sind Religion – oder eine andere Gewinn versprechende Ideologie – und Staatsmacht untrennbar miteinander verbunden. Politische Führer und Kleriker berufen sich bei ihren Untaten (Unterdrückung, Verfolgung, Überfälle, Beutezüge, Kolonisierung, Zwangsbekehrungen, Versklavung, Ausbeutung, Kriege, Landraub und Massaker) oft und gerne auf ihren ›Staatsgott‹. Von ihren selbst geschaffenen Göttern konnten die neuen Herrscher behaupten, diese seien die Auftraggeber ihrer menschenverachtenden Gesetze, Gebote und Verbote und all ihre Verbrechen.

Die Machthaber erkannten schnell, dass das Geschlecht der Gottheit
eine wichtige Rolle bei der Machtnahme und Machterhaltung
der eroberten – bis dahin matriarchalen – Welt spielte. 

Auffallenderweise sind die Religionsstifter, d.h. die Erfinder aller späteren patriarchalen Religionen, geistige Söhne der ersten (persisch) indoeuropäisch-arischen Priesterkaste. Seit der Erfindung des ersten männlichen Gottes in Ägyptens – des Vater-Gottes Atum, in der 1. Dynastie, über Abraham, bis und mit Mohammed erfand diese Priesterkaste patriarchale Götter und patriarchale Vatergott-Ideologien und Mythologien. Muslimische Gelehrte sind stolz darauf den Stammbaum Mohammeds auf Abraham zurückzuführen. (www: ›Der Stammbaum Mohammeds‹ ist ›der Stammbaum der Quraisch‹) Und, Qurais – eine erstaunliche  Tatsache – ist der arabische Ausdruck für die indoeuropäischen Hurriter/Horiter. (s. auch Wolf  ›Das Matriarchat in Arabien‹)

Immer wieder erfinden patriarchale Männer, neue Götter und neue Religionen mit dem Anspruch auf exklusive Wahrheit.
Beispielhaft sind die rigorosen Monotheisten:
Echnaton, Moses, (auch
der persische Zoroaster),
Jesus (bzw.
Paulus) und Mohammed.

Patriarchale Religionen, inklusive das Christentum, mussten mit Gewalt und Krieg gegen die matriarchale Religion durchgesetzt werden, bis und mit der kriegerischen Durchsetzung des Islam. (s. Wolf ›Die patriarchalen Religionen – die Geschichte von Gewalt, Krieg und Zerstörung‹)
Es geht dabei immer und ausschließlich um MACHT und um die Verbreitung und Durchsetzung rigider, moralischer, die Freiheit der Menschen einschränkender Ideologien, um Einfluss und Kontrolle und um die Eliminierung des Göttlich-Weiblichen. Dies trifft auch auf Jesus zu. Sein Kampf galt der Eliminierung der Großen Göttin (s. unten: ›Ich bin gekommen, die Werke des Weibes zu zerstören‹).
In Unkenntnis der geschichtlichen Tatsache der späten Erfindung des Patriarchats und seiner Institutionalisierung zu Beginn des 3. Jahrtausends – das sind nur 5000 Jahre vor heute! – wussten wir folgerichtig auch nichts von der späten Erfindung der ersten männlichen Götter. Deshalb war es für den patriarchalen Klerus ein Leichtes, uns mit einem seit Ewigkeiten bestehenden Vater-Gott zu belügen. Doch wie wir wissen, spricht es der Religionswissenschaftler G. van der Leeuw klar und deutlich aus:

»Gott ist ein Spätling in der Religionsgeschichte.«

Wie die Entdeckung der Vaterschaft zur Schaffung des ersten Vatergottes und weiterer Götter und Göttinnen und damit zum Polytheismus führte, haben wir bereits im 1. Kapitel gesehen. Doris F. Jonas beschreibt, was dann geschah: »Beim Heraufdämmern historischer Zeiten erleben wir überall eine Koexistenz von weiblichen und männlichen Gottheiten. Innerhalb der historischen Zeit begann sich dann die gleichgewichtige Koexistenz von Göttinnen und Göttern nach einer Seite zu verschieben, ein Vorgang, der einmal begonnen, immer rascher fort schritt. Von solchem Nebeneinander ausgehend, gewannen männliche Götter bald das Übergewicht, bis am Ende das Konzept vom ›Großen Vater‹ das von der ›Großen Mutter‹ verdrängte und sehr bald zu der raschen Ausbreitung von monotheistischen Religionen beitrug. Die Kulte der alten Göttinnen wurden nicht mehr ausgeübt und vergessen. Einige davon wurden außer im Judentum und im Islam mit späteren Heiligen, andere mit der Heiligen Jungfrau Maria identifiziert.« (Doris F. Jonas 1979, S. 192)

Patriarchale Männer, Herrschende, Priester und Gläubige
sind ab da die eifrigsten Erfinder von
Verschwörungstheorien,
der Verbreitung von Lügengeschichten und ›Fake News‹.

In der Bibel, dem erschreckenden, patriarchalen Geschichts- und Legendenbuch werden die furchtbarsten Verbrechen beschrieben und als ›Willen Gottes‹ verkündet (s. unten). Tausende von Klerikern und Gläubigen, ob jüdisch, christlich oder muslimisch, winden sich in der Erfindung von ständigen, neuen Rechtfertigungen dafür. Dieses Abwälzen und Verharmlosen von Schuld ist ein patriarchales Charakteristikum, das sich von Anfang bis heute erhalten hat. Nie gibt ein Verbrecher einen Fehler, eine Schuld zu, außer unter Zwang. Das wurde uns beispielsweise im Kriegsverbrecher-Prozess von Nürnberg und im Eichmann-Prozess in Jerusalem einmal mehr drastisch vor Augen geführt. Alle Verbrecher wiesen jegliche moralische und politische Schuld von sich; sie behaupteten unschuldig zu sein, denn sie haben ja nur ›Befehle des ›vergotteten‹ Führers ausgeführt‹.
In der patriarchalem Religionsgeschichte reiht sich Lüge an Lüge, Verzerrung an Verzerrung, Halbwahrheit an Halbwahrheit. Das betrifft insbesondere die Behauptung von der Existenz Gottes. Doch noch im längst indoeuropäisierten und patriarchalisierten Griechenland des 8. Jahrhunderts v.u.Z. wussten gebildete Menschen:

»Nicht die Götter haben die Menschen geschaffen,
sondern die Menschen die Götter.«
(Homer)

Die Grenzen männlicher Machtpolitik und patriarchaler Religion verwischten sich schon damals: »Soweit man im alten Ägypten überhaupt einen Unterschied zwischen ›Kirche‹ und Staat machen kann, sieht man, dass beide einander unterstützten.« (Erica Ions 1982, S. 15) Das gleiche Muster wurde zum festen Bestandteil patriarchaler Expansionspolitik. Treffend erwähnt Claudia von Werlhof: »Das westliche Patriarchat, wurde mittels des römischen Kolonialismus und der von Rom ausgehenden gewaltsamen Christianisierung durchgesetzt.« (›Die Verkehrung‹ 2011, S. 45) Das Vorgehen war derart erfolgreich, dass sich selbst noch Putin und Donald Trump seiner ohne Skrupel bedienten.
Neue Religionen wurden noch nie vom Volk freiwillig akzeptiert. Die beim Volk unerwünschten aggressiven Vater-Götter und die autoritären patriarchalen Religionen mussten mit Gewalt durchgesetzt werden, weil sie dem Empfinden freier Menschen diametral entgegengesetzt waren. Seit der Urzeit ist es die Mutter, die geliebt und verehrt und die Urmutter, die vergöttlicht wurde. Die Verehrung der Mutter und der weiblichen Ahnfrauen, bis zur vergöttlichten Urahne zurück entsprach einem völlig natürlichen Bedürfnis der Liebe, des Dankes, der Verehrung und des Gedenkens der AhnInnen. Dagegen wurden die nach und nach erfundenen männlichen Götter nie geliebt oder verehrt. Es sind eindeutig künstliche Konstrukte, idealisierte Phantasiegebilde, Phantom- oder Geistwesen männlichen Geschlechts, Kopfgeburten und infantile Projektionen, denen man sich zu unterwerfen hat.
Patriarchale Ägyptologinnen versuchen mit allen möglichen gedanklichen Verdrehungen und Verrenkungen dem Unsinn der ägyptischen Religion einen Sinn zu verleihen und einen Vatergott am Anfang der Menschheit zu rechtfertigen. Aber, es gibt sie nicht, die ›Weisheit der dynastischen Religion‹. Im Gegenteil, Alan Gardiner nennt sie ziemlich respektlos »eine große Ansammlung mytho­logischen Plun­ders« (s. Wolf ›Die total ver-rückten Ideen der arischen Priesterkasten‹). Neben der Urmutter suchen wir einen Ur-Vater-Gott im Gedächtnis der Völker vergebens, auch wenn ständig versucht wird, einen solchen herbeizureden.
Mit der Entdeckung der biologischen Vaterschaft setzten in Ägypten die Könige der ersten Dynastien alles daran, neben der weltlichen Macht auch die Macht der bisherigen Religion der Grossen Göttin männlich zu besetzen und die Muttergöttin durch einen Vatergott zu ersetzen. Vergeblich, die Grosse ISIS wurde noch bis ins 4. Jahrhundert unserer Zeit und bis an den Rhein verehrt.

»Die All-Mutter ist älter als der All-Vater,
Ishtar und Isis waren die universelle Mutter,
lange bevor sich irgendein Himmelsgott oder eine
männliche Stammesgottheit zur universellen Vaterschaft
entwickelt hatte
.« (Robert Briffault 1959, p. 377)

Eric Hornung versteigt sich zu der verwegenen Behauptung: »Der Vorstellung einer universalen ›Göttermutter‹ entspricht die Vorstellung eines ›Göttervaters‹, dem alle anderen Gottheiten ihr Entstehen verdanken.« (Hornung 1971, S. 139, Hvhb. DW) Der patriarchale Mann ersetzt hemmungslos die Urmutter durch einen fiktiven Urvater. Soll es einen Urvater tatsächlich auch die Urmutter geschaffen haben, weil das so in der patriarchalen Bibel steht?

Die Grosse Göttin wird entwürdigt, geleugnet und vermännlicht 

»Die linguisti­sche Überprüfung fast aller Götternamen Europas,
Asiens, Afrikas, Australi­ens und beider Amerika macht deutlich:
Die Götter, so sehr die Herren Patriarchen sich später ange­strengt ha­ben
mögen, sie zu maskulinisieren, waren ursprünglich fast alles Frauen.«
(Joachim-Ernst Berendt 1985, S. 335)

Konnte eine Göttin nicht aus dem Volksglauben eliminiert werden, wurde sie vermännlicht. Die seit dem Paläolithikum verehrte Göttin I-Set (griechisch ISIS) wurde von den Eroberern nicht nur vermännlicht, sondern auch noch zum ›Unheilbringer Set(h)‹ diffamiert, verunglimpft und entwürdigt. Dies wird von Religionshistorikern bestätigt: »Es ist bemerkenswert, dass wir in manchen Teilen der semitischen Welt ursprünglich weibliche Gottheiten finden, die ihr Geschlecht verwandeln und zu Göttern werden, entsprechend der Umgestaltung, die sich in der Ordnung der menschlichen Verhältnisse vollzog«, schreibt der schottische Theologe und Professor für Altes Testament Robertson W. Smith (1899, S. 37). Was Robertson Smith verharmlosend als ›verwandeln und umgestalten‹ bezeichnet, ist die brutale Eroberung der matriarchalen Länder und der aggressive Kampf gegen die Religion der Göttin. (s. Dazu auch das Buch des jüdischen Historikers und Anthropologen Raphael Patai ›The Hebrew Goddess‹ 1967).
Zur Vermännlichung und Verteufelung der Grossen Göttin I-Set/Isis machte Erik Hornung, der in Seth allerdings die Vermännlichung der I-Set nicht erkennt, eine interessante Beobachtung. Er schreibt: »Der Gott Seth ist unter allen ägyptischen Gottesgestalten die vieldeutigste, offenbar schon für den Ägypter selbst. Es gab Zeiten, in denen er in höchster Achtung stand und nahezu die Rolle eines ›Reichsgottes‹ spielte – daneben aber Zeiten der Verfemung, wie sie keinem anderen ägyptischen Gott zuteil  geworden ist, bis hin zur feierlichen rituellen Verfluchung und zur rituellen Tötung. Solche Schwankungen in der Geschichte eines Gottes und seiner Wertung kennen wir sonst nicht.« (Hornung Symbolon 1974, S. 49-63) Zu den anderen prominenten Beispielen von Vermännlichung gehört die babylonische Göttin Ištar, die erst zur westsemitischen Göttin Astarte und später zum männlichen Dämon Astaroth wurde. Oder die arabische Göttin Allat, die zum männlichen Allah gewandelt wurde.
Ab dem 2. Jahrtausend fällt auch eine Vermännlichung bei den Figurinen auf. »Die Bronzezeit scheint ihre materielle und geistige Welt mit männlichen Helden und Gottheiten bevölkert zu haben«, lesen wir im ›Großen Bildatlas der Archäologie‹ 1991. Die kleinen weiblichen Statuetten verschwinden und die männlichen werden zunehmend größer, entsprechend dem überheblichen Größen- und Machtanspruch des patriarchalen Aufstieges.

Die Erfinder des Vatergott wollten, dass dieser verehrt, angebetet, geehrt, geliebt und bewundert werde, wie die Grosse Göttin. Die Forderung war jedoch damals – im Gegensatz zur Ehrung der Muttergöttin – derart ungewohnt und wahrscheinlich als anmaßend abgelehnt, dass sich der Anspruch trotz der ständigen Anwendung von Gewalt offensichtlich nicht einfach durchsetzen liess. Nicht ohne Grund mussten die Autoren des Alten Testaments die ausdrückliche Ehrung des Vaters noch mehr als 2000 Jahre nach seiner Erfindung in die Gesetzesliste der wichtigsten 10 Gebote aufnehmen, und den neuen Gott als Einzigen und Alleinigen propagieren, nicht ohne das Gesetz unter Androhung der Todesstrafe durchzusetzen. Muslime, die sich vom Glauben abwenden, werden heute verfolgt und umgebracht. Die Theologin Christa Mulack formuliert treffend die Heuchelei der patriarchalen Religionen:

»Statt der Wirklichkeit ins Auge zu blicken, klammern sie sich
an Mythen und Ideologien, mit deren Hilfe sie die väterliche
Bedeutungslosigkeit in ihr Gegenteil zu verkehren suchen und ihm
eine überdimensionierte Wichtigkeit zuschreiben.«
(Christa Mulack)

Wie wir ebenfalls bereits erörtert haben, ersann die arische Priesterkaste der Eroberer, die sich in Heliopolis niedergelassen hatte, bereits um 3000 den ersten Vater-Gott und gab ihm den Vater-Namen ATum. Und wie wir ebenfalls bereits wissen, den Vatergott schufen die Priester als Rivale zur Ur-Göttin, der Schöpferin der Welt und des Universums zum Ur-Schöpfer, zum Ur-Gott und zum ›Selbsterstandenen‹. Der erste männliche Gott (und später alle anderen Sonnengötter) ist »mit Erfolg bestrebt, sich von seinem weiblichen Komplement, das ihn gebiert, empfängt und verjüngt, möglichst unabhängig zu machen, mit anderen Worten: sein Lebensgeschick aus eigener Machtfülle zu bestimmen!« (Wolfhart Westendorf ZÄS 100, 1974, S. 138) Der Mythos erklärt, er sei nicht aus der Muttergöttin, sondern aus einer Lotosblüte geboren. Allerdings war die Lotosblüte nicht nur in Ägypten, sondern im ganzen vorderasiatischen Raum das wichtigste Symbol der Yoni/Vulva der Göttin, aus der Götter und Menschen kultisch geboren und wiedergeboren wurden. Die Göttin ist die ›Große Weltlotosblume‹, aus der nicht nur ATum, auch Horus, Ra und Chepre, die ›Lotos-Geborenen‹, wurden aus ihrem Schoss durch die göttliche Vulva geboren.
Atum, der neu erfundene Vater-Gott, habe sich jedoch – was den Priestern besonders wichtig war – ohne weibliches Zutun, z.B. mittels Masturbation selbst befruchtet, das heißt, er habe sich selbst ›geschwängert‹. Er sei auf diese Art der Selbstschwängerung zum Schöpfer von drei Generationen von Göttinnen und Göttern, der ›großen Neunheit‹, geworden: So habe er dann Schu, den Gott der Luft und Tefnut die Göttin der Feuchtigkeit tatsächlich geboren. Diese seine Kinder sollen den Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut, die dann ISIS, Osiris, Seth und Nephthys gezeugt haben. Wie gesagt, mit den ersten männlichen Göttern entstand der patriarchale Polytheismus, die Vielgötterei. Um die neu geschaffenen Götter mit den von ihnen benötigten Frauen zu versehen, wurde gleichzeitig eine große Anzahl von Göttinnen geschaffen. Diese wurden zu untergeordneten Gattinnen und Schwestern der männlichen Götter, die über ihnen standen.
Den Vater zu vergöttlichen war für den Anspruch des Mannes von enormer Wichtigkeit, denn damit konnte er als Abbild der Götter an der Göttlichkeit teilhaben; sich sogar mit den Göttern identifizieren und das taten die Könige denn auch in ihrer unermesslichen Überheblichkeit. Bewundernd schreiben Ägyptologen von der Göttlichkeit der Pharaonen und sonnen sich selbst gern in ihrem Glanz. Jeder der untereinander ständig rivalisierenden indoeuropäischen Stämme, die sich an verschiedenen Orten Ägyptens angesiedelt hatten, erfand seinen eigenen Vater-Gott. Nach Atum schuf die indoarische Priesterschaft in Memphis, der nördlichen Hauptstadt des Alten Reiches, den Vatergott mit dem Namen pTAh, (Ptah) und errichtete ihm um 3000 einen Tempel. Der Name Ptah ist leicht als indoeuropäische Bezeichnung für Vater, Pater, zu identifizieren; erstaunlich nur, dass dies von den ÄgyptologInenn übersehen wird. Ptah wird mit Macht und Kraft ausgezeichnet und von den memphitischen Priestern zum obersten Schöpfergott gemacht. In Bubastis, im südlichen Teil des östlichen unterägyptischen Nildeltas wird er mit der in Ägypten üblichen, diskreten Andeutung von Schwangerschaft dargestellt.

Der ›schwangere‹ Ptah. Abbildung in Bubastis.
(El-Sawi: Excavation at Tell Basta. Report of Seasons 1979)

Der Begriff ›Vater‹ wird zum Synonym für Schöpfer und Gebärer

Die Priesterkaste Babyloniens erfand die raffinierteste aller Schöpfungsideen, jener der Schöpfung durch das Wort. Obwohl auf dem Bild von Bubastis hochschwanger dargestellt, schuf auch der ägyptische Ptah, letztendlich wie Marduk in Mesopotamien, die Schöpfung allein durch das Wort. Der altbabylonische Mythos ›Enuma Elish‹ berichtet von der Ermordung der Großen Göttin Tiamat durch Marduk und die Prüfung, die ihn zum König der Götter macht. (s. D. Wolf 1994, S, 191–193). »Die Bedeutung dieser Prüfung liegt darin, zu zeigen, dass der Mann seine Unfähigkeit zu natürlichem Schöpfertum – einer Fähigkeit, die nur die Erde und die Frauen haben – durch eine neue Art des Schöpfertums, nämlich das des Wortes, überwunden hat. Marduk, der auf seine Weise etwas erschaffen kann, hat die natürliche Überlegenheit der Mutter überwunden und kann daher an ihre Stelle treten.« (Erich Fromm 1974, S. 146) Fromm, der sich eingehend mit den Verzerrungen der patriarchalen Mythen befasst hat, schreibt dazu: »Der biblische Mythos beginnt dort, wo der babylonische endet. Die Oberherrschaft eines männlichen Gottes ist errichtet, und von der früheren matriarchalischen Stufe ist kaum noch eine Spur geblieben. Marduks ›Prüfung‹ ist zum Hauptthema der biblischen Schöpfungsgeschichte geworden. Gott erschafft die Welt durch sein Wort; die Frau und ihre schöpferischen Kräfte sind nicht mehr notwendig. Selbst der natürliche Verlauf, dass die Frau Männer gebiert, ist umgekehrt. Eva wird aus Adams Rippe geschaffen. Aber ganz ist die Erinnerung an die matriarchale Herrschaft noch nicht erloschen. In der Gestalt der Eva sehen wir die dem Mann überlegene Frau.« (Fromm 1951/1991, S. 156) (s. Wolf ›Raffinierte Göttermacher‹). Mit der Schöpfung durch das Wort wird die Mutter, der mütterliche Schoss, endgültig aus dem Schöpfungsprozess eliminiert. Doch offenbar hatte die Idee weder unter den rivalisierenden Priestern noch beim Volk eine Chance angenommen zu werden und wurde für lange Zeit vergessen. In einer viel späteren Phase, erst im 14. Jahrhundert v.u.Z. wagte Echnaton, ein Abkömmling indoeuropäisch/arischer Väter, erneut den Versuch, einen schöpferischen Gott, einen Vatergott ohne Muttergöttin zu erfinden. Die Bedeutung dieses Gottes wird von ihm auffallend überhöht und in Szene gesetzt. Er nennt den von ihm geschaffenen Himmels- bzw. Sonnengott, einfach Vater, ›ATon‹. Jan Assmann verklärt den Vater, in seiner üblichen, langatmigen Schreibweise: »Für ihn konnte es nur einen Gott geben, weil es nur einen Vater gibt, und nur einen Propheten, dem dieser Gott sich offenbarte. Dieser Eine Gott konnte nur die Sonne sein, der Inbegriff alles Einzigen, die Quelle des alles hervorbringenden Lichts. Dass im Ägyptischen die Worte für Sonne (›Aton‹, richtiger Jati) und Vater, ›mein Vater‹ (jat, jati) gleich lauten, musste dem König als die letzte Bestätigung dieser Offenbarungen erscheinen. Jedenfalls machen die Texte sehr viel aus diesem Wortspiel. Gott ist die Sonne (Jati) und offenbart sich im König als ›mein Vater‹ (Jati), anders gesagt: Gott ist kosmisch, das Licht als alles hervor bringender Urgrund des Seins, und nimmt in der Vater-Sohn-Konstellation, die er mit dem König eingeht, die personalen Züge des Vaters an. Die Jenseitigkeit oder Transzendenz dieses Vaters besteht in seiner kosmischen Impersonalität, die ihn, wie die Texte immer wieder betonen, den Augen der Menschen zugleich offenbart und verbirgt. In der Welt ist er als Licht, nur im Herzen des Königs als Person anwesend.« (Assman 1976, S. 45)
Echnaton erfindet seinen persönlichen Vatergott, dessen einziger, sozusagen ›auserwählter‹ Sohn er sich nennt; genau so, wie es ihm später Jesus gleichtut. (s. Wolf ›Wer war Echnaton?‹) Zu seiner Gründung der Stadt Amarna in der ägyptischen Wüste lesen wir: ›Ich errichte Achet-Aton für Aton, meinen Vater. Auf einer Felsinschrift hält er fest: ›Es war Aton, mein Vater, der mich herführte‹. Echn-Aton geht es bei seiner Erfindung des Gottes Aton nicht nur um die Überhöhung des Vaters, sondern auch um seine Eigene. Wichtig ist ihm aber auch die Eliminierung der Muttergöttin mit dem indoeuropäischen Namen ›Mut‹. Echnaton sieht sich selbst nicht nur als Mann, sondern idealisiert sich als Frau und lässt sich schwanger und mit einem weiblichen Körper darstellen; eine einigermassen perverse Idee. (s. Wolf ›Von schwangeren Männern und göttlichen Gebärern‹ und D. Wolf 2009, S. 295 f).
In der jüdischen Religion wird Jahwe, der Vater, zum alleinigen Schöpfer und Gebärer. Wie Jahwe, ›der Herr‹, duldet auch der ›Herr‹ und Vatergott der Christen und der islamische Allah keine Frau, keine Muttergöttin neben sich. Die Mutter-Göttinnen wurden alle eliminiert. (s. Wolf ›Der Mutter-Göttinnen-Mord in den Mythen der Drachenkämpfer‹)
Isis, der Name der »grössten ägyptischen Göttin« (Adolf Erman) ist die ägyptische Ua-Zit/Ua-Set/Wa-Zit/Wa-Djet …   griechisch ISIS und bedeutet nichts anderes als ›Frau‹ oder ›Dame‹; so, wie die Göttin heute bei uns noch immer angesprochen wird; als ›Unsere Liebe Frau‹, ›Notre Dame‹, ›Nostra Signora‹. ISIS zu gross und zu stark im Volk verankert und geliebt, um von den Eroberern ignoriert oder eliminiert zu werden, wurde von ihnen zur Beschützerin der ersten patriarchalen Götter und Könige und zu einer der beiden Kronengöttinnen Ägyptens ernannt. Ihr Emblem, der Uräus, ist die aufgebäumte Kobra ›Wadjet‹, die Schlange. Aber später, als das Patriarchat einigermaßen etabliert war, wurde sie in ihrer Form als Schlange und ihre Verehrung verfolgt und bekämpft; man denke etwa an die Rolle, die der Schlangengöttin als böse Verführerin im späteren Paradiesmythos der Bibel zugeteilt wurde. Dort ermutigte sie die Menschen, vom Baum der Erkenntnis zu essen und den patriarchalen Betrug zu durchschauen Dies kostete Eva und Adam die Vertreibung aus dem Paradies durch den erzürnten Gott.
Wir wissen von Herodot, dass die Religion und der Jahrtausende alte Kult der Großen ISIS schon von Cheops in der 4. Dynastie verfolgt wurde. Herodot berichtet, dass unter Cheops und Chephren die Tempel aus der vor-dynastischen Zeit geschlossen und das Opfern verboten wurde, was »die ÄgypterInnen in grenzenloses Unglück stürzte«.
2500 Jahre später wurde der Kampf gegen die uralte Göttin ISIS, die man bis dahin nicht hat endgültig eliminieren können, noch immer fortgesetzt. Der Religionsgeschichtler und Ägyptologe Hans Bonnet schreibt in seinem ›Reallexikon der Ägyptischen Religionsgeschichte‹: »Der Isis-Kult hatte sich über die ganzen Mittelmeerländer ausgebreitet und überspann schließlich das ganze Römische Reich. In den 50er-Jahren nach Christi Geburt ließ der römische Senat die Heiligtümer der Göttin ISIS zerstören und Tiberius hat dann vollends die Isis-Gemeinde mit blutiger Strenge verfolgt.« Wissenschaftler fanden vor nicht allzu langer Zeit im Tempel von Karnak Tiberius‘ Namen und christliche Symbole, wie etwa den Fisch, was zeigt, dass seine Macht und sein Hass gegen die Göttin bis nach Ägypten reichten. Bald darauf verloren die ›heidnischen‹ Tempel in Ägypten ihre Wichtigkeit und wurden geschlossen. Der patriarchale jüdische Vater-Sohn Jesus schloss sich dem Kampf gegen die Göttin an. Im Sinne seines patriarchalen Vater-Gott-Glaubens duldete er keine Göttin neben ihm. Auf der Hochzeit zu Kanaan verleugnet er seine eigene Mutter und schleudert ihr die ungeheuerlichen Worte ins Gesicht: »Weib, was habe ich mit dir zu tun?« Bei Clemens von Alexandria (150–215 n.Chr.) lesen wir im ›Apokryphen Evangelium der Ägypter‹ das Jesus-Zitat:

»Ich bin gekommen, das Werk des Weibes zu zerstören.«

»Historiker sehen darin Clemens‘ Hinweis auf die altägyptische Göttin ISIS deren religiöse Verehrung im Rahmen der Mysterien in dieser Zeit weit verbreitet war und neben dem Mithras-Kult die stärkste spirituelle Rivalität des noch jungen Christentums verkörperte. Die Himmelskönigin, die Grosse Göttin in ihren tausend Namen und Erscheinungen wurde in der christlichen Zeit radikal bekämpft: Im Jahr 300 n.Chr. lässt der noch nicht getaufte Kaiser Konstantin das seit Menschengedenken in Lanaan bestehende Heiligtum der Astarte in Aphaka schließen. Achtzig Jahre später widerfuhr dem berühmten Artemis-Tempel in Ephesus das gleiche Schicksal. Die uralte Göttin, der die Römer den Namen Diana gegeben hatten, wurde aus ihrer westanatolischen Heimat vertrieben, weil Kaiser Theodosius diese ›Frauenreligion‹ verachtete. Auch in Rom und Eleusis wurden auf seinen Befehl hin mehrere ›Frauentempel‹ geschlossen. 450 n.Chr. verwandelte Justinian gleiche mehrere Isis-Tempel in christliche Kirchen. Selbst vor dem Parthenon der Athener Akropolis zeigte er keinerlei Respekt. Hier, wo man seit der mykenischen Ära die alten Göttinnen angebetet hatte, wurde nun ebenfalls eine christliche Kirche eingerichtet… auch die letzte Bastion der einzig noch ›überlebenden‹ Liebes-Göttin ISIS im fernen Ägypten wird geschändet und in eine Kirche umgewandelt. Ihre Priester richtet man hin. Christen meißeln die Symbole ihres Glaubens über die letzten Hieroglyphen, die heiligen Zeichen alter Zeit. Sie nutzten das Isis-Heiligtum auf der Nilinsel Philae von nun an als ihr eigenes christliches Gotteshaus. Selbst uralte germanische, keltische und baltische Götter werden nun nach und nach in christliche Heilige oder Dämonen umgedeutet. In besonderem Masse dann, wenn sie durch ihre ›alte Lust‹ der ›neuen Moral‹ des Christentums entgegenstehen.« (Harald Specht 2013) Von all dem wissen die meisten von uns nichts oder nur wenig.

»Erkenntnisse, die den patriarchalen Allmachtstraum gefährden,
werden totgeschwiegen und verdrängt.«
(Gerda Weiler)


Die Schöpfung ohne Frau

Bis zur Erfindung der Schöpfung durch das Wort der Marduk-Priester verursachte die Schöpfung ohne Göttin doch einige Mühe. Wie sollten die Vater-Götter die Genese neuen Lebens ohne weibliches Zutun nachhaltig lösen? Es waren absurde, oft widerliche Ideen, welche von den Priestern zur Art der rein männlichen, ›göttlichen‹ Schöpfung ausgedacht wurden. Die Götter sollten dies mittels Masturbation, dem Schlucken ihres eigenen Spermien-Ejakulats oder weniger widerlich, durch das Schaffen des Menschen aus Lehm bewerkstelligt haben. (s. Wolf ›So wurden Götter erfunden und Mythen gemacht‹.
Erik Hornung beschreibt seine ›Lösung‹ des Problems: »Eine Gottheit ist, wie alle Wesen, entweder männlich oder weiblich; die Vermischung beider Geschlechter bleibt im Wesentlichen auf den Urgott, den Einen, beschränkt und ist damit ein Kennzeichen der undifferenzierten Einheit vor der Schöpfung. Der Schöpfer ist androgyn, mann-weiblich, ›Vater der Väter und Mutter der Mütter oder mann-weiblich, Mutter-Vater, wie Echnaton seinen Gott Aton nennt.« (Hornung 1971, S. 165) Claudia von Werlhof sieht darin die Verkehrung wie Gott zur ›alchemistisch-patriarchalen ›Mutter‹ gemacht wird, als der ständige Versuch, die Mutter aus dem Schöpfungsprozess zu eliminieren.

»Die Mythen zeigen, dass das, was sich in Ägypten zu der uns bekannten
altägyptischen Religion entwickelte, auf einen Vernichtungskampf der
Eroberer gegen die Religion der Urmutter und ihrer VerehrerInnen richtete.«
(Fekri Hassan ägypt. Ägyptologe)

Männliche Götter, bzw. ihre irdischen Erfinder, benutzten im Laufe der letzten fünftausend Jahre Phantasiegebilde und Hirngespinste ohne Zahl, um die von patriarchalen Priestern erfundenen Götter als Schöpfer und Gebärer der Götter und Menschen zu propagieren. Doch: Die auch die letztendlich offizielle »Gottesvorstellung, wie sie uns im Alten Testament gelehrt wird, gibt es nicht« sagt mit überzeugenden Argumenten der Philosoph Markus Gabriel (2021).

Der schwangere, verstorbene Tutanchamun als Osiris in seinem Grab

Du kannst einen Mann nicht mit einer Mutter gleichsetzen!
(Kerstin Pilop)

Männer wollen sein wie Frauen! Keine Spur von Penisneid! Gebärneid war von allem Anfang an das Problem des patriarchalen Mannes, weil ihm und selbst den Göttern ganz einfach die Schöpfungskraft fehlt! Der deutsche Arzt, Schriftsteller und Wegbereiter der Psychosomatik Georg Walther Groddeck erkannte wohl als erster diese Tatsache: »den Neid des Mannes auf die Frau und speziell den ›Gebärneid‹, den Neid auf die ihm versagte Eigenschaft naturaler Produktivität.« (Erich Fromm 1994, S. 69) Es sei gerade die Gebärfähigkeit der Frau, die den Neid und den Hass patriarchaler Männer erregt, bemerkt auch der französische Historiker und Poet Jean Markale. »Man weiß aufgrund ethnologischer Studien, dass die Gebärfähigkeit der Frau immer mit einer Mischung von Staunen und Furcht betrachtet wurde, worin man einen der Gründe für die Frauenfeindlichkeit, ja die ›Gynophobie‹ sehen muss, die man in allen entwickelten Gesellschaften feststellen kann.« (Jean Markale 1987, S. 16 f.)

»In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst,
während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der
Begattung beschränkt ist, zur bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der
Männerwelt geführt haben.«
(O. Keel/S. Schroer 2004, S. 11)

»Der Bericht vom Sündenfall, die Sache mit Eva, war für die Entwicklung des Abendlandes immer eine Belastung besonderer Art. Er hat weitgehend zur allgemeinen Entrechtung der Frau in unserer Gesellschaft beigetragen, er hat nicht zuletzt jene beklemmende Verbindung von Fleischeslust und Sünde schlechthin geschaffen, die einsichtige Christen heute bedauern. Diesen Bericht mit den Augen des Vorgeschichtlers zu betrachten, dürfte darum vielleicht hilfreich sein. Wenn der Verfasser die Schuld am Verlust des Paradieses der Eva, also der Frau, aufbürdet, so zielte er damit auf die unbedingte Durchsetzung einer patriarchalischen Ordnung ab, die für ihn zur Zeit der Abfassung ein erst noch durchzusetzendes Programm war.« (Karl Brüning 1972)

Antisemitismus

an dieser Stelle könnte eine kurze Erläuterung zum Ursprung des Antisemitismus erhellend sein. Der Paläolinguist Richard Fester deutet den bis heute existierenden, Hass auf unschuldige Menschen, als schreckliche, jedoch verständliche Folge des damaligen Massakers an der matriarchalen, kanaanäischen Bevölkerung, wie es in (Numeri 31,17-18) beschrieben wird:

In Samaria lautete der göttliche Befehl, die jungen Kinder mit dem Schwert zu zerschmettern und die schwangeren Weiber zu zerreissen (Hosea 14,1). ›Gehet durch die Stadt und schlaget drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen. Erwürget Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Weiber, tötet alle.‹ (Hesekiel 9,5-6)  Von den feindlichen, weil andersgläubigen Midianitern tötete Moses mit seinem Heer von 12’000 Mann restlos alle bis auf die Jungfrauen. Alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben. (s. auch Wolf ›Das Matriarchat in Israel‹)

»Da die Juden bei ihrer Eroberung ›des gelobten Landes‹, in Palästina, ›auf Befehl Jahwes‹ alle die umbrachten, die dem Glaubenswechsel ihre Zustimmung verweigerten, haben sie für die folgenden Jahrhunderte einen begreiflichen Hass gegen sich selbst gesät, der sich als Antisemitismus institutionalisierte, als längst vergessen war, worin er seinen ursprünglichen Grund hatte, und das, obschon das Christentum diesen Teil der jüdischen Überlieferung übernahm.« (Richard Fester 1979, S. 39)

Nach dem Massaker sollte die Große Göttin aus dem Volksglauben eliminiert werden. In einer brutalen Säuberungsaktion fordert der Priester Esra, Nachkomme des ersten arischen Hohepriesters Aaron, mit aller Härte, dass sich alle in Jerusalem von ihren nicht-jüdischen Nachbarn abgrenzen, sich von ihren nicht-jüdischen Frauen und halbjüdischen Kindern trennen müssen.

»Der biblische Mythos ist ein Triumphgesang über die besiegte Frau;
er leugnet, dass die Frau den Mann gebiert und verkehrt die
natürlichen Beziehungen ins Gegenteil
.« (Erich Fromm)

 

 

 

 


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