III. Vor nur 5000 Jahren erfanden patriarchale Männer die ersten männlichen Götter und Religionen

Aus dem Inhalt:

  • Die Urgeschichte ist weiblich und matriarchal
  • Die Religion der Großen Göttin wird von patriarchalen WissenschaftlerInnen
    verschwiegen, geleugnet, diskriminiert und als ›heidnisch‹ bekämpft
  • Die Grosse Göttin wird vermännlicht
  • Der Vater wird zum ersten Vater-Gott der patriarchalen Religion
    der Eroberer Ägyptens
  • Der Begriff ›Vater‹ wird zum Synonym für Schöpfer und Gebärer
  • Das Problem der patriarchalen Religionen:
    Die Schöpfung ohne Frau
  • Von der Muttergöttin zu den Vatergöttern
  • Die Göttin wird eliminiert – Der Göttinnen-Mord in den Drachenmythen

 

»Der weibliche, gebärende Schoß, ursprünglich das Heiligste,
wurde mit der Vergöttlichung der Zeugungsfähigkeit des Mannes
schließlich zum Sitz der Sünde schlechthin erklärt.«
(Eva-Maria Stark)

Die Urgeschichte ist weiblich und matriarchal

Wir gehen heute von etwa 300’000 Jahren Dasein unserer menschlichen Spezies aus und etwa ebenso alt sind die ältesten gefundenen, noch ganz primitiven, jedoch gut erkennbar weiblichen Figurinen. Auf 230′000 bis 300′000 Jahre wird die weibliche Steinfigur, die ›Venus von Berekhat Ram‹ geschätzt, die 1981 von der Archäologin Naama Goren-Inbar von der Hebräischen Universität Jerusalem in den Golanhöhen entdeckt wurde. Die bearbeitete, nur 3,5 cm große Figur ist im Israel-Museum ausgestellt. (Cambridge Archaeological Journal, 10:1, 2000, S. 123–167) Eine ähnliche Figur mit einem ebenso hohen Alter stammt aus Tan Tan (Marokko). Artefakte – in dieser noch unkünstlerischen Gestaltung werden von der traditionellen Wissenschaft nicht als bearbeitete Steine oder weibliche Figuren anerkannt. (s. ›Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist‹ 2017)
Die verdiente Archäologin, Indo-Europäer- und Matriarchatsforscherin Marija Gimbutas, widmete der Erforschung der Urzeit ihr Lebenswerk. Ihre Forschungen umfassen sowohl die archäologischen Funde, als auch die Symbolik der vorschriftlichen Zeit Alt Europas. Das Ergebnis dieser jahrzehntelangen Arbeiten ist eindeutig – die Urzeit ist weiblich – damals wurde die Schöpfungskraft der Frau geehrt. Dies bezeugen die weiblichen Statuetten (männliche Statuetten wurden nur vereinzelt und nur ganz selten gefunden). Sie ist überzeugt, dass es sich bei den abertausend weltweit gefundenen weiblichen Figurinen – unterdessen ist ihre Zahl auf insgesamt über 100’000 Exemplare, Teilartefakte und Fragmente angestiegen – um die Würdigung des Weiblichen handelt, insbesondere der Schöpfungskraft der Mütter. Die Figurinen sind Manifestationen der Verehrung der vergöttlichten, weiblichen Urahne, der Großen Göttin. Davon zeugen auch die unzähligen Darstellungen von in Stein gemeisselten Vulven, die ›das heilige Tor des Lebens‹ symbolisieren. (s. ›Felsbildkunst – Geheimnisvolle Botschaften aus der Steinzeit›)

Rufus Camphausen veröffentlichte mit seinem Buch: ›Yoni: Die Vulva – Weibliche Sinnlichkeit, Kraft der Schöpfung‹ 1999 eine sorgfältige Studie »über die älteste und am weitesten verbreitete Religion der Erde, die aber seltsamerweise nie auf der Liste der sogenannten Hauptreligionen erwähnt wird. Heute scheint sie an Glaubwürdigkeit verloren zu haben. Ich glaube, dass sie bewusst ›vergessen‹ wurde, denn es ist eine Religion, die sich auf Frauen und eine Göttin konzentriert und vor allem die Sexualität einbezieht und feiert.« (Camphausen 1999, S. 9 und ›Die Verehrung der Vulva‹)

Die Religion der Großen Göttin wird von patriarchalen WissenschaftlerInnen
verschwiegen, geleugnet, diskriminiert und als ›heidnisch‹ bekämpft

Die Erinnerung an die matriarchale Kultur und die damalige natürliche Suprematie des Weiblichen; der Frauen als verehrte Lebensspenderinnen, Ernährerinnen und Erhalterinnen des Lebens, wird im Patriarchat mit allen Mitteln bekämpft. Wir wurden patriarchal christlich sozialisiert und indoktriniert. Dies ist der Grund, warum heute die meisten WissenschaftlerInnen (aufgewachsen in unserer heutigen patriarchalen Kultur und/oder überzeugte AnhängerInnen der patriarchalen Vater-Götter) glauben, die Artefakte seien nicht als sakrale Zeugnisse der Verehrung der Urmutter, der Großen Göttin, zu sehen. Dies können wir beispielhaft beim damals jungen Anthropologen Peter J. Ucko beobachten, der diese Tatsache einfach leugnet. Er wird besonders gerne als maßgebende Referenz zitiert, was erst bei näherem Hinsehen verständlich wird. Schauen wir uns Herrn Ucko, der dank seiner persönlichen patriarchalen Meinung berühmt wurde, einmal näher an. Mit dem beschränkten Wissen eines gerade mal 24jährigen Absolventen der Anthropologie veröffentlicht er 1962 seine ›Studie‹. Ucko, ohne das nötige interdisziplinäre Wissen, das weit über seine bescheidenen Kenntnisse als frischgebackener Anthropologe hinausging, maßte sich an, die weiblichen Statuetten beurteilen zu können, obwohl ihm dafür jede Qualifikation fehlte. Seine eigene Voreingenommenheit genügte ihm zu behaupten, die Statuetten seien keine Belege für die Verehrung einer Göttin in der Steinzeit. Sein überhebliches Fazit: »Prähistorische weibliche Statuetten repräsentieren keine Göttinnen.« (1962, S. 38–58) Doch er kann seine Behauptung nicht untermauern, sie hält einer seriösen Überprüfung nicht stand und ist absolut unhaltbar. Der Ägyptologe Erik Hornung, der Ucko ebenfalls anerkennend zitiert, schreibt zur Verehrung von ›Gottheiten in menschlicher Gestalt‹: »Vereinzelt finden sich schon in der Badari-Kultur [ca. 5500–4000] verbreitet, dann in den Nagada-Kulturen [ca. 4000–3100], kleine menschliche Figuren aus Ton oder Elfenbein, die man immer wieder als Gottheiten deuten wollte. Sogar als Bild der ›Großen Mutter‹ wurden sie erklärt, obgleich nur ein Teil von ihnen eindeutig weibliche Geschlechtsmerkmale zeigt, göttliche Attribute fehlen und eine ›nackte Muttergottheit‹ der älteren geschichtlichen Zeit Ägyptens gänzlich unbekannt ist.« (Hornung 1983, S. 93). Jedoch ist die Göttin Nut noch in der geschichtlichen Zeit nackt! (s. ›Das Schicksal der neolithischen Göttinnenstatuetten‹)

»Es ist nichts schwieriger, als einen Irrtum zu korrigieren,
wenn dieser einmal auf den Lehrstühlen und in den Schulbüchern Fuß gefasst hat.«
(Marie E.P. König)

Möglicherweise stützt sich Ucko auf seine jüdischen Glaubensgenossen und auf Sigmund Freud, der ebenfalls ein gestörtes Verhältnis zur Muttergöttin und zum Matriarchat hatte. Freud behauptete, es hätte ›ohne Zweifel‹ eine Zeit ohne Religion und ohne Gottheiten gegeben, was in Anbetracht des heutigen Forschungsstandes längst überholt ist. Wo die Göttin von ihm nicht geleugnet werden kann – Freud kennt die Geschichte des Alten Ägypten – behauptet er, den Göttinnen sei »der eine, einzige, unumschränkt herrschende Ur- und Vatergott« voraus gegangen. Und er glaubt, das Ende des Matriarchats sei durch eine wieder hergestellte patriarchalische Ordnung abgelöst worden. Er meint: »Wahrscheinlich entstanden die Muttergottheiten zur Zeit der Einschränkung des Matriarchats zur Entschädigung der zurückgesetzten Mütter.« (Freud Band IX, S. 532 f.) Selbst der kluge Freud war der patriarchalen Hirnwäsche nicht entgangen. Eigentlich müsste gerade er wissen: Die Verdrängung der Mütter und der Drang, sich einem anderen, als ›größer‹ Erkannten bedingungslos unterzuordnen, ist einer der wichtigen Triebkräfte, an einen Vatergott zu glauben, besonders wenn sich der eigene Vater nicht zur Idealisierung eignet und das Verhältnis zu ihm stets mit Schwierigkeiten verbunden war. Mit Gott als Vater kann man gut auf einen fehlerhaften, lieblosen, demütigenden, sadistischen oder abwesenden, oft allzu menschlichen irdischen Vater verzichten.
Freuds und Uckos persönliche Meinungen, die nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sondern auf religiöser Sozialisierung beruhen, wurden zum Dogma. Uckos Polemik wurde von patriarchalen Wissenschaftlern dankbar aufgenommen und wird als sakrosankte Lehrmeinung bis heute weitergegeben. Weltweit würde wohl kein ausgewiesener Wissenschaftler die unausgegorene Meinung eines einzelnen jungen Mannes übernehmen, hätte er nicht genau das behauptet, was patriarchale, jüdische, christliche und muslimische Männer hören und glauben wollen: Gott ist seit Urzeiten männlich und wir Männer sind seit Urzeiten sein Ebenbild und das von ihm bevorzugte höhere Geschlecht. Nie darf es etwas anderes gegeben haben, das göttlich verehrt wurde, schon gar nicht, das seit dem Patriarchat verachtete und bekämpfte Weibliche!
Der wunde Punkt des gekränkten narzisstischen Mannes sind die weiblichen Figurinen, und die verschwindende Anzahl männlicher Darstellungen. Denn dies beweist, das Männliche wurde urzeitlich nicht verehrt; die patriarchalen Götter sind nicht ›prähistorisch‹, der Mann nicht Gottes urgeschichtliches Ebenbild; das erfand er selbst und erst noch sehr spät. Erst nach den Eroberungen der Indo-Europäer vor etwas mehr als 5000 Jahren und der beginnenden Patriarchalisierung entstanden massenhaft männliche Bildwerke.

»Und mir wurde klar, dass eine ganze Reihe von Individuen hart
daran gearbeitet haben und es auch heute noch tun, damit
es so aussieht,
als sei das Patriarchat ein Naturgesetz,
so alt wie die Zeit.« (Carol Lee Flinders)

Joan Relke nahm 2011 das Thema der entwerteten Statuetten wieder auf. Sie stützt Uckos abwertende Haltung und schreibt in ihrer Zusammenfassung von ›The Predynastic Dancing Egyptian Figurine‹: »Im Jahr 1962 schrieb Peter Ucko sein bahnbrechendes Werk: ›The Interpretation of Prehistoric Anthropomorphic Figurines‹ (Die Interpretation prähistorischer anthropomorpher Figurinen), in dem er die vorherrschende Auffassung von prähistorischen Figurinen als Darstellungen einer universellen großen Muttergöttin herausforderte [verneinte] und dauerhaft veränderte. Seine Arbeit konzentrierte sich auf die prädynastischen Figurinen Ägyptens und kam zu dem Schluss, dass nichts Göttliches an ihnen war. Sie waren wahrscheinlich Puppen, Ahnenfiguren, talismanische Schwangerschaftshilfen, Hilfsmittel für Sexualunterricht und Pubertätsriten, Zwillingsersatz in Gräbern und Konkubinen-Grabfiguren. Seither hat diese Figurengruppe kaum Beachtung gefunden. Unter Verwendung der vierstufigen Methodik von Ucko werden in dieser Studie diese Figurinen im Kontext der altägyptischen Kultur und Religion näher untersucht, mit besonderem Augenmerk auf die zeitgenössischen sudanesischen religiösen Überzeugungen und Praktiken [heute islamisch!], die möglicherweise Wurzeln mit der prädynastischen ägyptischen Kultur teilen. Diese Studie kommt zu dem Schluss, dass einige dynastische religiöse Überzeugungen und die Ikonographie, die sich auf weibliche Gottheiten beziehen, in vielen dieser Figurinen zu erkennen sind und auf prähistorische nilotische Rituale zurückgeführt werden können.« (Joan Relke ›The Predynastic Dancing Egyptian Figurine‹ 2011) Diese und die vielen respektlosen und abwertenden Reaktionen von WissenschaftlerInnen sind schockierend. Die nackte Göttin Nut wird auf eine Nutte reduziert: ›Beischläferin‹, ›Konku­bine‹, ›Tänze­rin‹, ›Diene­rin‹ oder ›Sklavin‹ wurde sie von ÄgyptologInnen genannt, obwohl diese nackten Statuetten Grabbeigaben sind, die vor allem in den Gräbern von Frauen und Kindern gefunden wurden. Die mehr oder weniger abschätzigen Bezeichnungen, die in den Fachbüchern zu finden sind, wie ›Venus‹, ›Idol‹, ›Pin-Up‹, ›Stripperin‹, Tänzerin und ›Puppen‹ sind unwürdige Produkte universitärer Lehren unserer patriarchalen Zeit und bewusst verächtlich machende Vokabeln patriarchaler AutorInnen. Als wären entwürdigende und banalisierende Titulierungen bedeutungslos für die Würdigung der Religionsgeschichte der vor-patriarchalen Zeit, werden sie gedankenlos wiederholt, unterstützt und weitergegeben.
Das beinahe vollständige Fehlen männlicher Statuetten stützt die These von der Urmutter überzeugend: Vor der Entdeckung der Vaterschaft im Neolithikum gab es keine männlichen Götter, keine göttlichen Männer, keine Ur-, keine Schöpfer- und keine Vater-Götter. (s. ›Die Gottheit der Urzeit war weiblich‹).

Der Vater wird zum ersten Vater-Gott der patriarchalen Religion der Eroberer Ägyptens

Der erste männliche Gott wurde vor nur 5000 Jahren erfunden. Dies ist der Beginn der geschichtlichen Zeit und insofern besonders aufschlussreich, weil es ab da viele schriftliche und bildliche Darstellungen gibt, die Zeugnis ablegen; insbesondere über die Erfindung erster männlicher Götter. Selbst die indoeuropäischen Eroberer, die ›Shemsu-Hor‹, kannten noch keine männlichen Götter. Das beweist die Narmer-Palette. Sie wird 4-fach dominiert von einer Göttin, deren Name uns dort nicht übermittelt wird. Sie wird kurze Zeit später Hat-Hor (Haus, bzw. Mutter des Horus) genannt. Der Falke Horus war zu dieser Zeit noch kein Gott, sondern das Totemtier des Falkenstammes der Horiter. Der Raubvogel entsprach exakt ihren aggressiven Beutezügen und symbolisierte ihre kriegerischen Eroberungen. Die Priester vergöttlichten ›Hor‹ zum ersten Kriegsgott zu einem Gott, der ihre kriegerischen Unternehmen unterstützen, rechtfertigen und zum Sieg führen sollte. Erst als Sohn der Göttin Hat-Hor wurde er jedoch als göttlich legitimiert.
In Unkenntnis der geschichtlichen Tatsache der späten Erfindung des Patriarchats und seiner Institutionalisierung zu Beginn des 3. Jahrtausends – das sind nur 5000 Jahre vor heute! – wussten wir folgerichtig auch nichts von der späten Erfindung der ersten männlichen Götter. Von ihrem biologischen Beitrag bei der Zeugung von Nachwuchs offensichtlich tief beeindruckt, erfand die arische Priesterkaste – sie hatte ihre Heimat im Hochplateau Persiens – mit denen sich die kriegerischen Indo-Europäer verbündet hatten, die ersten männlichen Götter.

Sie erkannten schnell, dass das Geschlecht der Gottheit eine wichtige Rolle bei der Machtnahme und Machterhaltung der eroberten –
bis dahin ausschließlich matriarchalen – Welt spielte.

Die arische Priesterkaste, welche die Raub- und Eroberungszüge ständig begleitete, erfand eine neue, eine patriarchale Elite-Religion, eine Religion der Macht, der Könige, der Krieger und Eroberer.
Auffallenderweise sind die Religionsstifter aller späteren patriarchalen Religionen geistige Söhne dieses Bündnisses der indo-europäischen Horiter mit der (persisch) arischen Priesterkaste. Seit der Erfindung des ersten männlichen Gottes in Ägyptens – des Vater-Gottes Atum – über Abraham bis und mit Mohammed erfand die Priesterkaste patriarchale Götter und patriarchale Vatergott-Ideologien. Diese wurden mit Gewalt gegen die matriarchale Religion durchgesetzt. Muslimische Gelehrte sind stolz darauf den Stammbaum Mohammeds auf Abraham zurückzuführen. (s. www: ›Der Stammbaum Mohammeds‹ ist ›Der Stammbaum der Quraisch‹. (Qurais ist der arabische Ausdruck für Hurriter! s. auch ›Das Matriarchat in Arabien‹)

Immer wieder erfinden patriarchale Männer, neue Götter und neue Religionen mit dem Anspruch auf exklusive Wahrheit. Beispielhaft die rigorosen Monotheisten: Echnaton, Moses, (auch der persische Zoroaster), Paulus und Mohammed. Es geht Ihnen dabei ausschließlich um Eines, um die Verbreitung rigider, die Freiheit der Menschen einschränkender Ideologien, um MACHT, Einfluss und Kontrolle.

Wie die Entdeckung der Vaterschaft zur Schaffung des ersten Vatergottes und weiteren Göttern führte, haben wir bereits im 1. Kapitel gesehen. Doris F. Jonas beschreibt, was dann geschah: »Beim Heraufdämmern historischer Zeiten erleben wir überall eine Koexistenz von weiblichen und männlichen Gottheiten. Innerhalb der historischen Zeit begann sich dann die gleichgewichtige Koexistenz von Göttinnen und Göttern nach einer Seite zu verschieben, ein Vorgang, der einmal begonnen, immer rascher fortschritt. Von solchem Nebeneinander ausgehend, gewannen männliche Götter bald das Übergewicht, bis am Ende das Konzept vom ›Großen Vater‹ das von der ›Großen Mutter‹ verdrängte und sehr bald zu der raschen Ausbreitung von monotheistischen Religionen beitrug. Die Kulte der alten Göttinnen wurden nicht mehr ausgeübt und vergessen. Einige davon wurden außer im Judentum und im Islam mit späteren Heiligen, andere mit der Heiligen Jungfrau Maria identifiziert.« (Doris F. Jonas 1979, S. 192)

  Die patriarchalen Eroberer erkannten schnell den Nutzen
männlicher Götter und setzten diese als politische Waffe ein

Seither sind Religion und Macht untrennbar miteinander verbunden. Politische Führer und Kleriker berufen sich bei ihren Untaten (Unterdrückung, Ausbeutung, Kriege) oft und gerne auf ihren Gott. Das war schon so in Ägypten und Sumer. Von ihren selbst geschaffenen Göttern konnten die neuen Herrscher behaupten, sie seien die Auftraggeber für ihre Gesetze, Gebote und Verbote, aber auch für ihre Verbrechen; die Überfälle, den Landraub, die Massaker. In der Bibel, dem erschreckenden, patriarchalen Geschichts- und Legendenbuch werden solche Verbrechen immer wieder beschrieben, und als ›Willen Gottes‹ verkündet (s. unten). Dieses Abwälzen von Schuld ist ein patriarchales Charakteristikum, das sich erhalten hat: bis heute. Nie gibt ein Mann, außer unter Zwang, eine Schuld zu. Es wurde uns beispielsweise in Nürnberg und im Eichmann-Prozess in Jerusalem einmal mehr drastisch vor Augen geführt. Alle Verbrecher wiesen alle Schuld von sich, sie sind unschuldig, haben nur ›Befehle des ›vergotteten‹ Führers ausgeführt‹.

»Nicht die Götter haben die Menschen geschaffen,
sondern die Menschen die Götter.«
(Homer)

Das Bibel-Motiv des ›Guten Hirten‹ geht zurück auf die indoeuropäischen Viehzüchter und Schafhirten, nachdem sie sich zu Königen und die arische Priesterkaste sich zum mächtigen, herrschenden Klerus der eroberten Länder gemacht hatten. (s. Jean-Claude Margueron ›Mesopotamien‹ 1970) Sie erfanden die ersten männlichen Götter nach ihrem eigenen Ebenbild; dann rühmten sie sich selbst ihrer ›Gottes-Ebenbildlichkeit‹. Der Hirtenstab und die Geißel der Pferdezüchter waren und blieben Herrschaftssymbole der Pharaonen und bis heute stützen sich der Papst und die Bischöfe auf den Hirtenstab der ›Pastoren‹. Der evangelische Theologe Martin Noth schreibt in seiner ›Geschichte Israels‹, einer historisch-kritischen Forschung zum Alten Testament:

»Je zahlreicher die Herdentiere mit der Zeit wurden, umso interessanter war es für eine Junggesellenbande, die Hirten zu überwältigen und sich der Tiere zu bemächtigen. Noch die Bibel berichtet von dem Zwiespalt zwischen Männerbande und Hirtenkönig. Um das Jahr 1000 v.u.Z. sammelte der junge David ›eine Schar abenteuernder Elemente um sich, mit denen er von allerlei Beutezügen lebte.« (Martin Noth 1956, S.166)

Das waren »unzufriedene und verwegene Gesellen, die irgendeinen Grund hatten, den heimatlichen Verhältnissen zu entweichen, und die, um einen Führer geschart, eine gefährliche Bande bildeten.« (Hertzberg 1973, S. 148) »Mit 400 bewaffneten Leuten bedrängt David die Hirten der Herde Nabals und zwingt am Ende Abigail, die Frau Nabals, sich ihm, David, zum Weib zu geben. Der Schutz, den Nabal und seine Männer gegen die David-Bande heranführen konnten, war zu schwach.« (zit. von Gerda Weiler 1994, S. 282 f)

Die patriarchale Machtnahme ist die schlimmste und
nachhaltigste Katastrophe, die die Welt seit ihrem Bestehen
und bis in die Gegenwart erlebt hat.

Wolfgang Helck stellte fest, dass Priester zu sein in Ägypten, viele Vorteile hatte: »Habgier war eine der Moti­vationen, Priester zu werden, denn die Einkünfte aus den Opfern waren ein großer Anreiz, Priester-Dienst zu tun. Die bis zum Totschlag führenden Kämpfe lokaler Priester um die Besetzung freier Stellen und ihre Opferanteile zei­gen den Verfall.« (Helck LÄ, IV, S. 1092)

»Religion ist die genialste und lukrativste Geschäftsidee,
die jemals von Menschen entwickelt worden ist.«
(Roland Berger)

Wie die indoeuropäische Schmiedekaste genoss auch die arische Priesterkaste, welche die Eroberer begleitete, eine sozial herausragende Stellung beim König. Der Priester wird als ›Freund und Liebling seines Herrn‹ bezeichnet. Schmiede und Priester wurden offenbar zu einer religiösen Ideologie verschmolzen, denn sie werden, wie die SchMiede, die SheM-Hor mit der auffallenden SM-Silbe, SeM genannt. ›Schmiede und Schamanen sind aus demselben Nest‹ sagt ein jakutisches Sprichwort. Ihre ›Macht über das Feuer‹, vor allem der ›Metallzauber‹ – ihre Fähigkeit, Erde in Metall zu verwandeln – haben den Schmieden überall den Ruf furchtbarer Zauberer eingebracht, sie wurden als ›Magier‹ angesehen. Daher die ambivalente Einstellung gegen sie; sie werden verachtet und verehrt zugleich. Dieses gegensätzliche Benehmen ist vor allem für Afrika bezeugt, ist jedoch indoeuropäischen Ursprungs und »bei allen indogermanischen Völkern belegt« vermerkt der Indogermanist Mircea Eliade (1994, S. 361). Charles Polomé schreibt: »Das Vorhandensein einer Priester-Klasse ist entscheidend für die typologische Charakterisierung der indoeuropäischen Gesellschaft.« (Polomé 1985, S. 26) Diese Tatsache betont auch der Althistoriker und Ägyptologe Eduard Meyer: »Von ganz wesentlicher Bedeutung ist«, schreibt Meyer, »dass sich bei den Ariern ein voll entwickelter berufsmäßiger Priesterstand gebildet hat.« (Eduard Meyer 1909, S. 824)

 »Religion braucht zur Durchsetzung staatliche Macht
und ein Staatswesen für seine Legitimation die Religion.«
(Pedro Barcelo, Althistoriker)

Die Priester, welche den tyrannischen Herrschern mit psychischem und physischem Terror gegen das Volk zur Seite stand, war eine dünkelhaft abgeschlossene Kaste. Priester-Schmiede unterschieden sich in keiner Weise von den Beamten, sie waren auch keine geistigen Führer des Volkes, weiß Serge Sauneron (1960, S. 202) Trotzdem dürfe man sie sich aber »nicht ausschließlich als brutale Gewaltherrscher oder als raffinierte Intriganten denken«, glaubt der Ägyptologe Günter Roeder uns belehren zu müssen. (Roeder 1978, S. XIV) Noch immer segnet der patriarchale Klerus mit Hingabe die todbringenden Waffen, mit denen die perverse, militärische Staatsgewalt die Menschen bedroht, einschüchtert, verfolgt, foltert, verstümmelt, zerfetzt und tötet. Die Grenzen männlicher Machtpolitik und patriarchaler Religion verwischten sich schon damals: »Soweit man im alten Ägypten überhaupt einen Unterschied zwischen ›Kirche‹ und Staat machen kann, sieht man, dass beide einander unterstützten.« (Erica Ions 1982, S. 15) Das gleiche Muster wurde zum festen Bestandteil patriarchaler Expansionspolitik. Treffend erwähnt Claudia von Werlhof: »Das westliche Patriarchat, wurde mittels des römischen Kolonialismus und der von Rom ausgehenden gewaltsamen Christianisierung durchgesetzt.« (›Die Verkehrung‹ 2011, S. 45) Das Vorgehen war derart erfolgreich, dass sich selbst noch Putin und Donald Trump seiner bedienen.
Die beim Volk unerwünschten aggressiven Vater-Götter und die autoritären patriarchalen Religionen mussten mit Gewalt durchgesetzt werden, weil sie dem Empfinden freier Menschen diametral entgegengesetzt waren. Seit der Urzeit ist es die Mutter, die geliebt und verehrt und die Urmutter, die vergöttlicht wurde. »Es gibt keinen Ort der Welt, an dem man sicherer geborgen wäre, als in den Armen der Mutter«, schrieb die Dichterin Selma Lagerlöf und die meisten Menschen werden ihr zustimmen. Die Verehrung der Mutter und der weiblichen Ahnfrauen, zurück bis zur vergöttlichten Urahne entsprach einem völlig natürlichen Bedürfnis der Liebe, des Dankes und der Verehrung. Dagegen wurden die während 3000 Jahren nach und nach erfundenen männlichen Götter nie geliebt oder verehrt. Es sind künstliche Konstrukte, idealisierte Phantasiegebilde, Phantom- oder Geistwesen männlichen Geschlechts, Kopfgeburten und infantile Projektionen, denen man sich zu unterwerfen hat. Die unnatürliche patriarchale Königsreligion Ägyptens artete aus in ein heilloses Durcheinander. Patriarchale Ägyptologinnen versuchen mit allen möglichen Verrenkungen, diesem Unsinn einen Sinn zu verleihen und einen Vatergott am Anfang der Menschheit zu (er)finden. Aber, es gibt sie nicht, die ›Weisheit der dynastischen Religion‹. Im Gegenteil Alan Gardiner nennt sie »Eine große Ansammlung mytho­logischen Plun­ders« (s. ›Die total ver-rückten Ideen der arischen Priesterkasten‹). Neben der Urmutter suchen wir einen Ur-Vater-Gott im Gedächtnis der Völker vergebens, auch wenn ständig versucht wird, einen solchen herbeizureden.
Mit der Entdeckung der biologischen Vaterschaft setzten in Ägypten die Könige der ersten Dynastien alles daran, neben der weltlichen Macht auch die Macht des bisher ausschließlich weiblichen Kults männlich zu besetzen und die Muttergöttin durch einen Vatergott zu ersetzen. Dazu versteigt sich Eric Hornung zur Behauptung: »Der Vorstellung einer universalen ›Göttermutter‹ entspricht die Vorstellung eines ›Göttervaters‹, dem alle anderen Gottheiten ihr Entstehen verdanken.« (Hornung 1971, S. 139, Hvhb. DW) Der patriarchale Mann ersetzt hemmungslos die Urmutter durch einen fiktiven Urvater. Soll es einen Urvater tatsächlich auch die Urmutter geschaffen haben, weil das so in der patriarchalen Bibel steht?

Die Grosse Göttin wird vermännlicht

»Die linguisti­sche Überprüfung fast aller Götternamen Europas,
Asiens, Afrikas, Australi­ens und beider Amerika macht deutlich:
Die Götter, so sehr die Herren Patriarchen sich später ange­strengt ha­ben
mögen, sie zu maskulinisieren, waren ursprünglich fast alles Frauen.«
(Joachim-Ernst Berendt 1985, S. 335)

Konnte eine Göttin nicht aus dem Volksglauben eliminiert werde, wurde sie vermännlicht. Die seit dem Paläolithikum verehrte Göttin I-Set (griechisch ISIS) wurde von den Eroberern nicht nur vermännlicht, sondern auch noch zum ›Unheilbringer Set(h)‹. Dies wird von Religionshistorikern bestätigt: »Es ist bemerkenswert, dass wir in manchen Teilen der semitischen Welt ursprünglich weibliche Gottheiten finden, die ihr Geschlecht verwandeln und zu Göttern werden, entsprechend der Umgestaltung, die sich in der Ordnung der menschlichen Verhältnisse vollzog«, schreibt der schottische Theologe und Professor für Altes Testament Robertson W. Smith (1899, S. 37). Was Robertson Smith verharmlosend als ›verwandeln und umgestalten‹ bezeichnet, ist die brutale Eroberung der matriarchalen Länder und der aggressive Kampf gegen die Religion der Göttin. (s. auch das Buch des jüdischen Historikers und Anthropologen Raphael Patai ›The Hebrew Goddess‹ 1967)
In Ägypten wird nach der Eroberung die Grosse Göttin I-Set/Isis vermännlicht und zum bösen Seth verteufelt. Dazu schreibt Hornung, der in Seth allerdings die Vermännlichung der I-Set nicht erkennt: »Der Gott Seth ist unter allen ägyptischen Gottesgestalten die vieldeutigste, offenbar schon für den Ägypter selbst. Es gab Zeiten, in denen er in höchster Achtung stand und nahezu die Rolle eines ›Reichsgottes‹ spielte – daneben aber Zeiten der Verfemung, wie sie keinem anderen ägyptischen Gott zuteil  geworden ist, bis hin zur feierlichen rituellen Verfluchung und zur rituellen Tötung. Solche Schwankungen in der Geschichte eines Gottes und seiner Wertung kennen wir sonst nicht.« (Hornung 1974, S. 49-63) Zu den anderen prominenten Beispielen von Vermännlichung gehört die babylonische Göttin Ištar, die erst zur westsemitischen Göttin Astarte und dann später zum männlichen Dämon Astaroth wurde. Oder die arabische Göttin Allat, die zum männlichen Allah gewandelt wurde.
Ab dem 2. Jahrtausend fällt auch eine Vermännlichung bei den Figurinen auf. »Die Bronzezeit scheint ihre materielle und geistige Welt mit männlichen Helden und Gottheiten bevölkert zu haben«, lesen wir im ›Der Große Bildatlas der Archäologie‹ 1991. Die kleinen weiblichen Statuetten verschwinden und die männlichen werden zunehmend größer, entsprechend dem überheblichen Größen- und Machtanspruch des patriarchalen Aufstieges.

»Die All-Mutter ist älter als der All-Vater,
Ishtar und Isis waren die universelle Mutter,
lange bevor sich irgendein Himmelsgott oder eine
männliche Stammesgottheit zur universellen Vaterschaft
entwickelt hatte
.« (Robert Briffault 1959, p. 377)

Der Religionswissenschaftler G. van der Leeuw bestätigt:

»Gott ist ein Spätling in der Religionsgeschichte.«

Nach der Entdeckung der biologischen Vaterschaft der Viehzüchter gewöhnten sich die irdischen Väter rasch an ihre unerwartete Ehre, die ihnen Bedeutung und Wichtigkeit verlieh. Sie identifizierten sich mit ihrem neu erfundenen Vatergott und wollten wie dieser auch verehrt, angebetet, geehrt und geliebt werden. Obwohl vor langer Zeit geschehen, gilt dies für patriarchale Männer noch heute. Die Forderung war jedoch damals – im Gegensatz zur Ehrung der Mutter – derart ungewohnt, möglicherweise unbeliebt und als anmaßend verurteilt, dass sich der Anspruch trotz der ständigen Anwendung von Gewalt offensichtlich nicht einfach durchsetzen liess. Nicht ohne Grund mussten die Autoren des Alten Testaments die ausdrückliche Ehrung des Vaters noch mehr als 1000 Jahre später in die Gesetzesliste der wichtigsten 10 Gebote aufnehmen, und den neuen Gott als Einzigen und Alleinigen propagieren, um die Forderungen unter Androhung der Todesstrafe durchzusetzen. Die Theologin Christa Mulack formuliert treffend:

»Statt der Wirklichkeit ins Auge zu blicken, klammern sie sich
an Mythen und Ideologien, mit deren Hilfe sie die väterliche
Bedeutungslosigkeit in ihr Gegenteil zu verkehren suchen und ihm
eine überdimensionierte Wichtigkeit zuschreiben.«
(Christa Mulack)

Wie wir ebenfalls bereits erörtert haben, ersann die arische Priesterkaste der Eroberer, die sich in Heliopolis niedergelassen hatte, bereits um 3000 den ersten Vater-Gott und gab ihm den Vater-Namen ATum. ATum. Den Vatergott schufen die Priester als Konkurrenz zur Ur-Göttin, der Schöpferin der Welt und des Universums zum Ur-Schöpfer, zum Ur-Gott und zum ›Selbsterstandenen‹. Der erste männliche Gott (und später alle anderen Sonnengötter) ist »mit Erfolg bestrebt, sich von seinem weiblichen Komplement, das ihn gebiert, empfängt und verjüngt, möglichst unabhängig zu machen, mit anderen Worten: sein Lebensgeschick aus eigener Machtfülle zu bestimmen!« (Wolfhart Westendorf ZÄS 100, 1974, S. 138)  Der Mythos erklärt, er sei nicht aus der Muttergöttin, sondern aus einer Lotosblüte geboren. Allerdings war die Lotosblüte nicht nur in Ägypten, sondern im ganzen vorderasiatischen Raum das wichtigste Symbol der Yoni/Vulva der Göttin, aus der Götter und Menschen kultisch geboren und wiedergeboren wurden. Die Göttin ist die ›Große Weltlotosblume‹, aus der nicht nur ATum, auch Horus, Ra und Chepre, die ›Lotos-Geborenen‹, wurden aus ihrer Vulva geboren. Atum, der Vater-Gott habe sich jedoch – was den Priestern besonders wichtig war – ohne weibliches Zutun mittels Masturbation selbst befruchtet, das heißt, er habe sich selbst ›geschwängert‹. Er sei  auf diese Art der Selbstschwängerung zum Schöpfer von drei Generationen von Göttinnen und Göttern, der ›großen Neunheit‹, geworden: So habe er dann Schu, den Gott der Luft und Tefnut die Göttin der Feuchtigkeit tatsächlich geboren. Diese seine Kinder sollen den Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut, die dann ISIS, Osiris, Seth und Nephthys gezeugt haben. Mit den ersten männlichen Göttern entstand der Polytheismus, die Vielgötterei. Um die neu geschaffenen Götter mit den von ihnen benötigten Frauen zu versehen, wurde gleichzeitig eine große Anzahl von Göttinnen geschaffen. Diese wurden zu untergeordneten Gattinnen und Schwestern der männlichen Götter, die über ihnen standen.
Den Vater zu vergöttlichen war für den Anspruch des Mannes von enormer Wichtigkeit, denn damit konnte er als Abbild der Götter an der Göttlichkeit teilhaben; sich sogar mit den Göttern identifizieren und das taten die Könige denn auch in ihrer unermesslichen Überheblichkeit. Bewundernd schreiben Ägyptologen von der Göttlichkeit der Pharaonen und sonnen sich selbst gern in ihrem Glanz. Jeder der untereinander ständig rivalisierenden indoeuropäischen Stämme, die sich an verschiedenen Orten Ägyptens angesiedelt hatten, erfand seinen eigenen Vater-Gott. Nach Atum schuf die indoarische Priesterschaft in Memphis, der nördlichen Hauptstadt des Alten Reiches, den Vatergott mit dem Namen pTAh, (Ptah) und errichtete ihm um 3000 einen Tempel. Der Name Ptah ist leicht als indoeuropäische Bezeichnung für Vater, Pater, zu identifizieren; erstaunlich nur, dass dies von den ÄgyptologInenn nicht erkannt wird. Ptah wird mit Macht und Kraft ausgezeichnet und von den memphitischen Priestern zum obersten Schöpfergott gemacht. In Bubastis, im südlichen Teil des östlichen unterägyptischen Nildeltas wird er mit der in Ägypten üblichen, diskreten Andeutung von Schwangerschaft dargestellt.

Der ›schwangere‹ Ptah. Abbildung in Bubastis.
(El-Sawi: Excavation at Tell Basta. Report of Seasons 1979)

Der Begriff ›Vater‹ wird zum Synonym für Schöpfer und Gebärer

Letztendlich erfand die Priesterkaste die raffinierteste aller Schöpfungsideen, jener der Schöpfung durch das Wort. Ptah schuf, wie Marduk in Mesopotamien, die Schöpfung allein durch das Wort (s. ›Raffinierte Göttermacher‹). Damit wird die Mutter, der mütterliche Leib aus dem Schöpfungsprozess eliminiert. Der mütterliche Anteil ist überwunden, er wird nicht mehr gebraucht. Doch offensichtlich hatte die Idee weder unter den rivalisierenden Priestern noch beim Volk eine Chance angenommen zu werden und wurde für lange Zeit vergessen. In einer viel späteren Phase, erst im 14. Jahrhundert v.u.Z. wagte Echnaton erneut den Versuch, einen Gott-Vater zu schaffen. Seine Bedeutung wird von ihm am auffallendsten überhöht und in Szene gesetzt. Er nennt den von ihm geschaffenen Himmels- bzw. Sonnengott, einfach Vater, ›ATon‹. Jan Assmann verklärt den Vater in seiner üblichen, langatmigen Schreibweise: »Für ihn konnte es nur einen Gott geben, weil es nur einen Vater gibt, und nur einen Propheten, dem dieser Gott sich offenbarte. Dieser Eine Gott konnte nur die Sonne sein, der Inbegriff alles Einzigen, die Quelle des alles hervorbringenden Lichts. Dass im Ägyptischen die Worte für Sonne (›Aton‹, richtiger Jati) und Vater, ›mein Vater‹ (jat, jati) gleich lauten, musste dem König als die letzte Bestätigung dieser Offenbarungen erscheinen. Jedenfalls machen die Texte sehr viel aus diesem Wortspiel. Gott ist die Sonne (Jati) und offenbart sich im König als ›mein Vater‹ (Jati), anders gesagt: Gott ist kosmisch, das Licht als alles hervor bringender Urgrund des Seins, und nimmt in der Vater-Sohn-Konstellation, die er mit dem König eingeht, die personalen Züge des Vaters an. Die Jenseitigkeit oder Transzendenz dieses Vaters besteht in seiner kosmischen Impersonalität, die ihn, wie die Texte immer wieder betonen, den Augen der Menschen zugleich offenbart und verbirgt. In der Welt ist er als Licht, nur im Herzen des Königs ist er als Person anwesend.« (Assman 1976, S. 45)
Echnaton erfindet seinen persönlichen Vatergott, dessen einziger, sozusagen ›auserwählter‹ Sohn er ist; wie es ihm später Jesus gleich tut. (s. ›Wer war Echnaton?‹) Zu seiner Gründung der Stadt Amarna in der ägyptischen Wüste lesen wir: ›Ich errichte Achet-Aton für Aton, meinen Vater. Auf einer Felsinschrift hält er fest: ›Es war Aton, mein Vater, der mich herführte‹. Echnaton geht es bei seiner Erfindung des Gottes Aton nicht nur um die Überhöhung des Vaters, sondern auch um seine Eigene. Wichtig ist ihm aber auch die Eliminierung der Muttergöttin mit dem indoeuropäischen Namen ›Mut‹. Echnaton sieht sich selbst nicht nur als Mann, sondern idealisiert sich als Frau und lässt sich schwanger und mit einem weiblichen Körper darstellen (s. ›Von schwangeren Männern und göttlichen Gebärern‹ und D. Wolf 2009, S. 295 f). In der jüdischen Religion wird Jahwe, der Vater zum alleinigen Schöpfer und Gebärer. Wie Jahwe, ›der Herr‹, duldet auch der ›Herr‹ und Vatergott der Christen und der islamische Allah keine Frau, keine Muttergöttin neben sich. Die Mutter-Göttinnen wurden alle eliminiert. (s. ›Der Mutter-Göttinnen-Mord in den Mythen der Drachenkämpfer‹)
Isis, der Name der »grössten ägyptischen Göttin« (Adolf Erman) ist die ägyptische Ua-Zit/Ua-Set/Wa-Zit/Wa-Djet …   griechisch ISIS und bedeutet nichts anderes als ›Frau‹ oder ›Dame‹; so, wie die Göttin heute bei uns noch immer angesprochen wird; als ›Unsere Liebe Frau‹, ›Notre Dame‹. ISIS zu gross und zu stark im Volk verankert, um von den Eroberern ignoriert oder eliminiert zu werden, wurde von ihnen zur Beschützerin der ersten patriarchalen Götter und Könige und zu einer der beiden Kronengöttinnen Ägyptens ernannt. Ihr Emblem, der Uräus, ist die aufgebäumte Kobra ›Wadjet‹, die Schlange. Aber später, als das Patriarchat einigermaßen etabliert war, wurde sie in ihrer Form als Schlange und ihre Verehrung verfolgt und bekämpft; man denke etwa an die Rolle, die der Schlangengöttin als böse Verführerin im Paradiesmythos zugeteilt wurde. Dort ermutigte sie die Menschen, vom Baum der Erkenntnis zu essen und den patriarchalen Betrug zu durchschauen.
Wir wissen von Herodot, dass die Religion und der Jahrtausende alte Kult der Großen ISIS auch von Cheops in der 4. Dynastie verfolgt wurde. Herodot berichtet, dass unter Cheops und Chephren die Tempel aus der vor-dynastischen Zeit geschlossen und das Opfern verboten wurde, was »die ÄgypterInnen in grenzenloses Unglück stürzte«.
2500 Jahre später wurde der Kampf gegen die uralte Göttin ISIS, die man bis dahin nicht hat endgültig eliminieren können, noch immer fortgesetzt. Der Religionsgeschichtler und Ägyptologe Hans Bonnet schreibt in seinem ›Reallexikon der Ägyptischen Religionsgeschichte‹: »Der Isis-Kult hatte sich über die ganzen Mittelmeerländer ausgebreitet und überspann schließlich das ganze Römische Reich. In den 50er-Jahren nach Christi Geburt ließ der römische Senat die Heiligtümer der Göttin ISIS zerstören und Tiberius hat dann vollends die Isis-Gemeinde mit blutiger Strenge verfolgt.« Wissenschaftler fanden vor nicht allzu langer Zeit im Tempel von Karnak Tiberius‘ Namen und christliche Symbole, wie etwa den Fisch, was einigermaßen, dass seine Macht und sein Hass gegen die Göttin bis nach Ägypten reichten. Bald darauf verloren die ›heidnischem‹ Tempel in Ägypten ihre Wichtigkeit und wurden geschlossen. Der patriarchale jüdische Vater-Sohn Jesus schloss sich dem Kampf gegen die Göttin an. Im Sinne seines patriarchalen Vater-Gott-Glaubens duldet er keine Göttin neben ihm. Auf der Hochzeit zu Kanaan verleugnet er seine eigene Mutter und schleudert ihr die ungeheuerlichen Worte ins Gesicht: »Weib, was habe ich mit dir zu tun?« Bei Clemens von Alexandria (150–215 n.Chr.) lesen wir im ›Apokryphen Evangelium der Ägypter‹ das Jesus-Zitat:

»Ich bin gekommen, das Werk des Weibes zu zerstören.«

»Historiker sehen darin Clemens‘ Hinweis auf die altägyptische Göttin ISIS deren religiöse Verehrung im Rahmen der Mysterien in dieser Zeit weit verbreitet war und neben dem Mithras-Kult die stärkste spirituelle Rivalität des noch jungen Christentums verkörperte. Die Himmelskönigin, die Grosse Göttin in ihren tausend Namen und Erscheinungen wurde in der christlichen Zeit radikal bekämpft: Im Jahr 300 n.Chr. lässt der noch nicht getaufte Kaiser Konstantin das seit Menschengedenken in Lanaan bestehende Heiligtum der Astarte in Aphaka schließen. Achtzig Jahre später widerfuhr dem berühmten Artemis-Tempel in Ephesus das gleiche Schicksal. Die uralte Göttin, der die Römer den Namen Diana gegeben hatten, wurde aus ihrer westanatolischen Heimat vertrieben, weil Kaiser Theodosius diese ›Frauenreligion‹ verachtete. Auch in Rom und Eleusis wurden auf seinen Befehl hin mehrere ›Frauentempel‹ geschlossen. 450 n.Chr. verwandelte Justinian gleiche mehrere Isis-Tempel in christliche Kirchen. Selbst vor dem Parthenon der Athener Akropolis zeigte er keinerlei Respekt. Hier, wo man seit der mykenischen Ära die alten Göttinnen angebetet hatte, wurde nun ebenfalls eine christliche Kirche eingerichtet… auch die letzte Bastion der einzig noch ›überlebenden‹ Liebes-Göttin ISIS im fernen Ägypten wird geschändet und in eine Kirche umgewandelt. Ihre Priester richtet man hin. Christen meißeln die Symbole ihres Glaubens über die letzten Hieroglyphen, die heiligen Zeichen alter Zeit. Sie nutzten das Isis-Heiligtum auf der Nilinsel Philae von nun an als ihr eigenes christliches Gotteshaus. Selbst uralte germanische, keltische und baltische Götter werden nun nach und nach in christliche Heilige oder Dämonen umgedeutet. In besonderem Masse dann, wenn sie durch ihre ›alte Lust‹ der ›neuen Moral‹ des Christentums entgegenstehen.« (Harald Specht 2013) Von all dem wissen die meisten von uns nichts oder nur wenig.

»Erkenntnisse, die den patriarchalen Allmachtstraum gefährden,
werden totgeschwiegen und verdrängt.«
(Gerda Weiler)

Das Problem der patriarchalen Religionen:
Die Schöpfung ohne Frau

Wir wissen, die ersten männlichen Götter wurden vor nur 5000 Jahren erfunden. Der erste Gott war der Vater-Gott Atum. Er soll als Vater-Gott und männlicher Schöpfer in Konkurrenz zur Grossen Mutter die Menschen geschaffen haben und die Urmutter vergessen machen und überwinden. Er und alle später erfundenen Vatergötter hatten jedoch ein ernsthaftes Problem. Der Versuch die Göttin zu eliminieren, verursachte bei der Konstituierung einer ersten, der patriarchalen Ideologie entsprechenden Religion, etliche Mühe. Wie sollten die Vater-Götter die Genese neuen Lebens ohne weibliches Zutun lösen? Es waren absurde, oft widerliche Ideen, welche von den Priestern zur Art der rein männlichen, ›göttlichen‹ Schöpfung ausgedacht wurden. Die Götter sollten dies mittels Masturbation, dem Schlucken ihres eigenen Spermien-Ejakulats oder weniger widerlich, durch das Schaffen des Menschen aus Lehm gemacht haben. (s. ›So wurden Götter erfunden und Mythen gemacht‹.
Erik Hornung beschreibt seine ›Lösung‹ des Problems: »Eine Gottheit ist, wie alle Wesen, entweder männlich oder weiblich; die Vermischung beider Geschlechter bleibt im Wesentlichen auf den Urgott, den Einen, beschränkt und ist damit ein Kennzeichen der undifferenzierten Einheit vor der Schöpfung. Der Schöpfer ist androgyn, mann-weiblich, ›Vater der Väter und Mutter der Mütter oder mann-weiblich, Mutter-Vater, wie Echnaton seinen Gott Aton nennt.« (Hornung 1971, S. 165) Claudia von Werlhof sieht darin die Verkehrung wie Gott zur ›alchemistisch-patriarchalen ›Mutter‹ gemacht wird, als der ständige Versuch, die Mutter aus dem Schöpfungsprozess zu eliminieren.

»Die Mythen zeigen, dass das, was sich in Ägypten zu der uns bekannten
altägyptischen Religion entwickelte, auf einen Vernichtungskampf der
Eroberer gegen die Religion der Urmutter und ihrer VerehrerInnen richtete.
Könige wurden göttlich, indem sie die heilige Macht weiblicher Gottheiten
assimilierten.«
(Fekri Hassan)

Männliche Götter, bzw. ihre irdischen Erfinder, benutzten im Laufe der letzten fünftausend Jahre Phantasiegebilde und Hirngespinste ohne Zahl, um die von patriarchalen Priestern erfundenen Götter als Schöpfer und Gebärer der Götter und Menschen zu propagieren. Doch: Die »Gottesvorstellung, wie sie uns im Alten Testament gelehrt wird, gibt es nicht« sagt mit überzeugenden Argumenten der Philosoph Markus Gabriel (2021).

Du kannst einen Mann nicht mit einer Mutter gleichsetzen!
(Kerstin Pilop)

Der schwangere, verstorbene Tutanchamun als Osiris in seinem Grab

Männer wollen sein wie Frauen! Keine Spur von Penisneid, Gebärneid war von allem Anfang an das Problem des patriarchalen Mannes, weil ihm und selbst den Göttern ganz einfach die weibliche Schöpfungskraft fehlt! Der deutsche Arzt, Schriftsteller und Wegbereiter der Psychosomatik Georg Walther Groddeck erkannte wohl als erster diese Tatsache: »den Neid des Mannes auf die Frau und speziell den ›Gebärneid‹, den Neid auf die ihm versagte Eigenschaft naturaler Produktivität.« (Erich Fromm 1994, S. 69) »Leider versucht der Mann das, was er offenbar als ›Zurückweisung‹ durch die Natur empfand (vergl. den vielfach festgestellten männlichen Gebärneid, der nach Mary Daly ein Neid auf die umfassende weibliche Potenz ist), dadurch zu kompensieren, dass er sich auf ideologischem und medizinischem Wege Zugang zu diesem Geschehen verschaffte. Von dort aus greifen Ärzte seit Jahrhunderten ›in den Tabu-Raum der Mutter‹ ein. Frauen wurden in ihrer Gebärfähigkeit und ihren mutternden Fähigkeiten verunsichert. Sie gaben ihre Kompetenz an männliche und patriarchal geprägte weibliche ›Experten‹ ab, die nun ihrerseits eine ›Vielzahl wirrer Glaubensvorstellungen‹ in die Welt setzten. Auf diese Weise wurde uraltes Frauenwissen, das von einer Generation an die nächste weitergegeben worden war, unterbunden und durch ›Wissenschaft‹ ersetzt – oder das, was Ärzte dafür hielten.« (Christa Mulack 2006, S. 85) Es sei gerade die Gebärfähigkeit der Frau, die den Neid und den Hass patriarchaler Männer erregt, bemerkt auch der französische Historiker und Poet Jean Markale. »Man weiß aufgrund ethnologischer Studien, dass die Gebärfähigkeit der Frau immer mit einer Mischung von Staunen und Furcht betrachtet wurde, worin man einen der Gründe für die Frauenfeindlichkeit, ja die ›Gynophobie‹ sehen muss, die man in allen entwickelten Gesellschaften feststellen kann.« (Jean Markale 1987, S. 16 f.)
Davon zeugt schon der altbabylonische Mythos ›Enuma Elish‹, die Geschichte von der Ermordung der Großen Göttin Tiamat durch Marduk und die Prüfung, die ihn zum König der Götter macht. »Die Bedeutung dieser Prüfung liegt darin, zu zeigen, dass der Mann seine Unfähigkeit zu natürlichem Schöpfertum – einer Fähigkeit, die nur die Erde und die Frauen haben – durch eine neue Art des Schöpfertums, nämlich das des Wortes, überwunden hat. Marduk, der auf seine Weise etwas erschaffen kann, hat die natürliche Überlegenheit der Mutter überwunden und kann daher an ihre Stelle treten.« (Erich Fromm 1974, S. 146) Fromm, der sich eingehend mit den Verzerrungen der patriarchalen Mythen befasst hat, schreibt dazu: »Der biblische Mythos beginnt dort, wo der babylonische endet. Die Oberherrschaft eines männlichen Gottes ist errichtet, und von der früheren matriarchalischen Stufe ist kaum noch eine Spur geblieben. Marduks ›Prüfung‹ ist zum Hauptthema der biblischen Schöpfungsgeschichte geworden. Gott erschafft die Welt durch sein Wort; die Frau und ihre schöpferischen Kräfte sind nicht mehr notwendig. Selbst der natürliche Verlauf, dass die Frau Männer gebiert, ist umgekehrt. Eva wird aus Adams Rippe geschaffen. Aber ganz ist die Erinnerung an die matriarchale Herrschaft noch nicht erloschen. In der Gestalt der Eva sehen wir die dem Mann überlegene Frau.« (Fromm 1951/1991, S. 156)

»Der biblische Mythos ist ein Triumphgesang über die besiegte Frau;
er leugnet, dass die Frau den Mann gebiert und verkehrt die
natürlichen Beziehungen ins Gegenteil
.« (Erich Fromm)

»Der Bericht vom Sündenfall, die Sache mit Eva, war für die Entwicklung des Abendlandes immer eine Belastung besonderer Art. Er hat weitgehend zur allgemeinen Entrechtung der Frau in unserer Gesellschaft beigetragen, er hat nicht zuletzt jene beklemmende Verbindung von Fleischeslust und Sünde schlechthin geschaffen, die einsichtige Christen heute bedauern. Diesen Bericht mit den Augen des Vorgeschichtlers zu betrachten, dürfte darum vielleicht hilfreich sein. Wenn der Verfasser die Schuld am Verlust des Paradieses der Eva, also der Frau, aufbürdet, so zielte er damit auf die unbedingte Durchsetzung einer patriarchalischen Ordnung ab, die für ihn zur Zeit der Abfassung ein erst noch durchzusetzendes Programm war.« (Karl Brüning 1972)
Der Paläolinguist Richard Fester deutet den bis heute existierenden Antisemitismus als Folge des Massakers an der kanaanäischen Bevölkerung  wie es in (Numeri 31,17-18) beschrieben wird:

In Samaria lautete der göttliche Befehl, die jungen Kinder mit dem Schwert zu zerschmettern und die schwangeren Weiber zu zerreissen (Hosea 14,1). ›Gehet durch die Stadt und schlaget drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen. Erwürget Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Weiber, tötet alle.‹ (Hesekiel 9,5-6)  Von den feindlichen, weil andersgläubigen Midianitern tötete Moses mit seinem Heer von 12’000 Mann restlos alle bis auf die Jungfrauen. Alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben. (s. auch ›Das Matriarchat in Israel‹)

»Da die Juden bei ihrer Eroberung ›des gelobten Landes‹ in Palästina ›auf Befehl Jahwes‹ alle die umbrachten, die dem Glaubenswechsel ihre Zustimmung verweigerten, haben sie für die folgenden Jahrhunderte einen begreiflichen Hass gegen sich selbst gesät, der sich als Antisemitismus institutionalisierte, als längst vergessen war, worin er seinen ursprünglichen Grund hatte, und das, obschon das Christentum diesen Teil der jüdischen Überlieferung übernahm.« (Richard Fester 1979, S. 39)

»Die Menschen tun Böses nie so vollständig und freudig
wie wenn sie es aus religiösen Gründen tun.« (Blaise Pascal)

Als Geiseln der patriarchalen Institutionen, der Universitäten und Kirchen, nach Jahrtausenden der exzessiven patriarchalen Propaganda, Beeinflussung, Indoktrinierung und Hirnwäsche kämpfen heute nicht nur patriarchale Männer, sondern auch patriarchatsgläubige Frauen für patriarchale Ideologien und die patriarchalen Götter des Monotheismus. Patriarchatskompatible WissenschaftlerInnen im Dienste des misogynen Patriarchats, die sich vernetzen, sich gegenseitig unterstützen und ständig gegenseitig zitieren, beschneiden geradezu masochistisch ihre weibliche Identität und ihre Wurzeln, die bis in die matriarchale Urkultur reichen. Da hat die toxische patriarchale Propaganda ganze Arbeit geleistet!
Gerda Lerner führt dies auf die Benachteiligung der Frauen im Bildungswesen und die androzentrische Verzerrung der Geschichte mit der Marginalisierung der Frau zurück. Sie schreibt:

»Diese doppelte Deprivation hat die weibliche Psyche über die
Jahrhunderte so zugerichtet, dass die Frauen an der Herausbildung
des Systems, das sie unterdrückt, mitwirken und an dessen ständiger
Bestätigung und Verfestigung in der Folge immer neuer Generationen
weiter mitgewirkt haben und noch immer mitwirken.«
(Gerda Lerner 1993, S. 20).

Das hat Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen: Frauen halten sich enorm zurück, trauen sich weit weniger zu als Männer, glauben sie hätten weniger Wichtiges, Interessantes, Intelligentes zu sagen als diese. Viele sind – und das meistens ganz und gar unbewusst – mit dem patriarchalen Denken identifiziert. Sie übernehmen die Abwertungen und Kritiken von Männern über Frauen. Das schlimmste aber, sie sind gegenüber Frauen und ihrem Können noch misstrauischer als viele Männer. Sie loben sich gegenseitig selten bis gar nie, schätzen ihre Arbeiten weniger als die Arbeiten gleicher Qualität von Männern, lesen weniger Fachbücher von Frauen, schreiben weniger und weniger ausführliche, anerkennende Rezensionen als Männer (eigene Erfahrung). Und sie nehmen Frauen, die diskriminiert werden, selten in Schutz. Man könnte auch vom Stockholm-Syndrom sprechen. Darunter versteht man ein psychologisches Abhängigkeitsverhalten zwischen Täter und Opfer einer Geiselnahme, wobei das Opfer ein positives emotionales Verhältnis zum Entführer aufbaut; dies kann dazu führen, dass das Opfer mit dem Täter sympathisiert und keine Rachegefühle entwickelt. (Wikipedia)
Während sich Männer ständig feiern und feiern lassen, angefangen vom Nobel gepreisten bis zum belobigten ›Neuen Mann‹, der seinem Kind sogar einmal die Windeln wechselt, bleiben Frauen bescheiden, wie von patriarchalen Vätern verordnet und von patriarchatskompatiblen Müttern internalisiert und weiter gegeben.. »Diese doppelte Deprivation… s. oben.
Rivalität, Neid und Eifersucht sind besonders dominante Charakteristiken patriarchaler Männer. Sie rivalisieren mit anderen Männern, die sie als Konkurrenten, oft als Feinde betrachten. Aber vor allem richtet sich ihre Eifersucht gegen alles Weibliche, gegen weibliche Werte, weibliche Macht, gegen weibliche Schöpfungskraft, gegen Frauen insgesamt. Die Kirchenmänner bekämpfen die Große Göttin im Besonderen. Sie können das vielleicht nicht glauben? Die betreffenden Männer würden das auch vehement bestreiten. Doch das erste biblische Gebot sagt es klar und deutlich und wurde in Stein gemeißelt: ›Du sollst keine anderen Götter neben mir haben‹, das heißt: Du darfst die Göttin nicht mehr verehren‹ und ›Du sollst Dir kein Bildnis machen.‹ Damit sind die weiblichen Statuetten gemeint, etwa die kleinen Astarten aus Metall und Gold. Ausgerechnet diesen Gott der unsere Mutter eliminiert hat, sollen wir verehren, lieben und ihm vertrauen? Nach dem Muttermord soll die Große Göttin aus dem Volksglauben eliminiert werden. In einer brutalen Säuberungsaktion fordert der Priester Esra, Nachkomme des ersten arischen Hohepriesters Aaron, mit aller Härte, dass sich alle Juden in Jerusalem von ihren nicht-jüdischen Nachbarn abgrenzen, sich von ihren nicht-jüdischen Frauen und halbjüdischen Kindern trennen müssen. Vielleicht glauben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dass es solche, von Wahn und Eifersucht getriebene Männer vielleicht damals gab und nur primitive, ungebildete Männer betraf? Weit gefehlt. Das alles wirkt bis heute nach:

»In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst,
während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der
Begattung beschränkt ist, zur
bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der
Männerwelt geführt haben.«
(O. Keel/S. Schroer i2004, S. 11)

Gläubige Christenmänner sind nicht besser. Erinnern Sie sich, dass Frauen für das Recht an Universitäten zu studieren, zu wählen, ein eigenes Bankkonto führen zu dürfen, in den Kirchen die gleichen Ämter zu haben, kämpfen mussten und noch immer müssen. Und vergessen wir nicht Frauenhass, Vergewaltigungen und Femizid. Nach langen Kämpfen wurde 1992 endlich Vergewaltigung in der Ehe in der Schweiz strafbar und erst seit 2004 ein Delikt, das auch von Amtes wegen geahndet wird. Auch in Deutschland war ein Ehemann bis 1997 vor dem Gesetz kein Vergewaltiger, sondern konnte sich nur wegen Nötigung strafbar machen. Allein die Idee, das zu ändern, fanden viele Abgeordnete damals lächerlich. (Tagesschau) Beobachten kann man heute, wie eifersüchtige Männer den Frauen den Zugang in die Chefetagen erschweren und, und, und…
Machthunger, Herrenmenschen-Allüren, Überheblichkeit und Ehrgeiz vieler Männer machen Frauen das Leben schwer. Sobald patriarchale Männer an der Macht sind, wollen sie herrschen, dominieren und imponieren. Jeder will der Größte, der Wichtigste, der Erfolgreichste und allen andern überlegen sein. Der patriarchale Mann will siegen und alle übertrumpfen. Größenwahn, die Gier nach Macht und Ansehen und exzessiver Narzissmus sind bekannte Eigenschaften mächtiger patriarchaler Männer. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, evangelischer Theologe, Altphilologe, Staatstheoretiker, Kirchenpolitiker, Pädagoge und Philosoph, warnte 1768–1834:

»Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen für die Männer;
du sollst ihre Barbarei nicht beschönigen mit Worten und Werken.«

 

 

 

 


Print page