Das Matriarchat in Vietnam

Ein matriarchales Relikt dürfte ein Brauch des Stammes der indigenen Hmong Nordvietnams sein. Es ist eines der Beispiele, das zeigt wie das Leben im Matriarchat ausgesehen haben dürfte. Und es ist eine Dokumentation die uns  anschaulich vor Augen führt, dass das größte Interesse des Patriarchats von Anfang an die Beschneidung und Unterdrückung der sexuellen Freiheit war und noch immer ist. Durch die Reglementierung und Kontrolle der Sexualität werden die Menschen leichter manipulierbar. Sie werden indoktriniert und instrumentalisiert, um sie den Zielen des Patriarchats leichter gefügig zu machen, um die patriarchale Machtnahme zu akzeptieren und ihr eigenes Schicksal der Ausbeutung und Unterdrückung zu ertragen.

Film-Ankündigung: Vietnam – Vielleicht wird mehr draus… Regie Philippe Rostan arte 20.9.2013
»In traditioneller Festtagskleidung suchen die Mädchen der ethnischen Minderheit der Hmong auf dem ›Liebesmarkt‹ von Sapa nach einem Abenteuer oder einer dauerhaften Beziehung.
Einmal jährlich treffen sich Liebespaare in den Bergen Nordvietnams, singen und tanzen zusammen, umwerben einander. Viele suchen hier ein Abenteuer oder eine dauerhafte Beziehung. Aber dieser Tag ist nicht nur den Ledigen vorbehalten: Verheiratete Männer und Frauen können hier Abenteuer ohne Zukunft finden oder ihre erste Liebe wiedersehen. Der Brauch erlaubt ihnen, sich hier auszuleben – ohne Konsequenzen.
Kleine Gruppen von Jungen und Mädchen der ethnischen Minderheit der Hmong laufen in der Umgebung des ›Liebesmarktes‹ von Sapa die Hügel hinunter bis zum Marktplatz, wo sie nach einem Abenteuer oder einer dauerhaften Beziehung suchen. In traditioneller, von Hand genähter und bestickter Festtagskleidung verbringen sie diesen einmaligen Tag mit verführerischen Tänzen und Gesängen bis zum Einbruch der Nacht. Aber dieser einzigartige Tag des Herzens und der Liebe ist nicht nur Ledigen vorbehalten. Auch verheiratete Männer und Frauen gönnen sich hier mitunter stillschweigend kleine Abenteuer ohne Zukunft. Ferner gibt es Paare, die zugunsten einer arrangierten Heirat getrennt wurden und die für einen Tag und eine Nacht ihre erste Liebe wiedersehen. Auch junge Unverheiratete nehmen sich die Freiheit, sich auf dem ›Liebesmarkt‹ von Sapa zu treffen und zusammen zu sein, wo sie oft nichts davon abhalten kann, mehrere Liebes- und Sexualbeziehungen gleichzeitig zu haben.
Vang und Sao haben auf Wunsch ihrer Eltern und gemäß dem überlieferten heiligen Buch der Hmong geheiratet. Nichtsdestotrotz führen sie eine glückliche Ehe und teilen dieselbe Leidenschaft für Liebeslieder und Werbungstänze. Sie gehen regelmäßig auf den Markt von Sapa und treffen dort ihre Geliebten. Denn, so sagt ein Sprichwort der Hmong ›Verheiratete können mehrere Menschen lieben, egal, ob vor oder nach der Hochzeit‹.
Ein anderes Paar des Volksstamms der Dao bestätigt die Vorzüge dieser auf dem Liebesmarkt gegebenen Freiheit. Ihren Geliebten einmal jährlich zu treffen, ist für May eine reine Freude und Befreiung, die ihr die Kraft gibt, jeden anderen Tag im Jahr zu akzeptieren. Mit Porträts von zwei Paaren und Jugendlichen der Hmong und Dao, die einst aus der Mongolei und Tibet nach Vietnam kamen, beleuchtet die an eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen reiche Dokumentation eine außerordentlich ungewöhnliche Tradition. Dem Regisseur ist es gelungen, Menschen zu treffen, die sehr offen und spontan über ihre Lebensweise berichteten, die sie trotz der mit dem Tourismus einhergehenden Gefahr der Prostitution beibehalten möchten.«

Wer sich für die Matriarchate in Asien ausführlicher interessiert, dem sei die Arbeit von Heide Göttner-Abendroth ›Das Matriarchat II.1, Stammesgesellschaften in Ostasien, Indonesien, Ozeanien‹ 1991‹ empfohlen.

 


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