Tiere aus dem Wasser, Fische, Muscheln etc. waren die Proteinlieferanten der Steinzeit

Die Steinzeit ist weltweit die früheste Epoche der Menschheitsgeschichte und durch die dominierende Überlieferung von Steinwerkzeugen gekennzeichnet. Sie begann – nach heutigem Kenntnisstand – mit den ältesten gefundenen Werkzeugen vor etwa 2,6 Millionen Jahren in Afrika und wird dort als Early Stone Age bezeichnet‹. (Wikipedia) s. Doris Wolf ›Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist‹ 2017

Die Urmenschen bevorzugten das Leben an den Ufern von Süsswasser-Gewässern; vor allem an Flüssen, wo es immer frisches Wasser und Nahrung aus dem See gibt. Die Wahl eines Siedlungsplatzes hing ausschließlich von der Verfügbarkeit von Wasser ab. Wasser ist Leben, nicht Fleisch!»Bis heute leben 90% der Menschen nicht weiter als 10 Kilometer von einem Fluss entfernt.« (Einer von uns: Der Homo sapiens‹ TV-Serie Arte 2.5.20) Die Ernährung mit Fisch dürfte bei der Entwicklung unseres Gehirns eine wichtige Rolle gespielt haben. Hochwertiger und nahrhafter Fisch und Schalentiere könnten vor 7 Millionen Jahren die Vorfahren der Menschen an die Ufer der Seen und Flüsse Afrikas gelockt haben. Dieser Aspekt wurde lange Zeit übersehen, weil die Urmenschen-Forscher glaubten, der Mensch habe sich in der trockenen Savanne entwickelt und habe als Jäger für das Überleben gesorgt.  Am Wasser findet man alles, was es zum Leben braucht. Viele Menschen sichern sich ihr tägliches Überleben noch immer durch Fischen und das Sammeln von Muscheln, Krebsen und anderem Getier. Gerade das flache Wasser in Ufernähe ist eine außergewöhnlich ertragreiche Nahrungsquelle. »Nach Muscheln tauchen – in Japan ein altes Gewerbe« titelt die NZZ den Artikel von den Ama, den Frauen, die das althergebrachte Gewerbe des Muscheltauchens ausüben. »Seit 3000 Jahren gibt es diese Art der Fischerei in Japan, wie historische Dokumente zeigen. Vielleicht seien es sogar schon 5000 Jahre… Frauen waren die Ernährerinnen der Familien, doch in der männerdominierten japanischen Gesellschaft dabei offenbar oft auch nur eine Art Arbeiter-Sklavinnen.« (NZZ Carsten Germis 18.10.2013)
Fisch gilt weltweit als eine der wichtigsten und hochwertigsten Ernährungsarten. Zu knapp einem Drittel deckt der Mensch heute seinen Bedarf an tierischem Eiweiß mit Fisch. Er macht nicht nur satt, er hilft auch gesund zu bleiben, denn Fisch besitzt ein besonders leicht verdauliches Eiweiß, was es für den Menschen sehr leicht verwertbar macht und er enthält wertvolle Fette, die für den Menschen besonders wichtig sind, ganz speziell Omega-3-Fettsäuren, die man nicht in Warmblütern findet. Omega-3-Fettsäuren braucht der Mensch für die gesunde Entwicklung seines Gehirns, was vor allem für Mütter während der Schwangerschaft und das Kleinkind von Bedeutung ist. ›Lebertran, das Öl, das aus dem Fettgewebe von Meeressäugern gewonnen wird, wird als Stärkungsmittel besonders bei Kinderkrankheiten und Unterernährung sowie zur Verhütung von Rachitis (auch: Englische Krankheit) oral eingenommen.‹ (Wikipedia) Von der Ägyptologin Ingrid  Gamer-Wallert wissen wir, dass die ägyptischen Mütter diese Kenntnisse hatten: »Das Fleisch sonnengedörrter Fische war die erste Speise der Kinder nach der Entwöhnung.« Feste Nahrung wurde von der Mutter vorgekaut an das Baby verfüttert. Gerda Weiler schließt von  der Mund zu Mund weitergegebenen Nahrung auf den Zungenkuss; wenn sich zwei Menschen ›zum Fressen gern‹ haben.
Gamer-Wallert berichtet außerdem, dass Herodot und Diodor bezeugen, dass noch zu ihrer Zeit (5. Jh. v.u.Z.)»viele Ägypter ganz oder fast ausschließlich von Fisch lebten.« (LÄ, ›Lexikon der Ägyptologie‹ II, S. 226) Wolfgang Helck stellte fest, dass bereits aus der paläolithischen Zeit Ägyptens Muscheln in großen Mengen gefunden wurden. Fische und andere Wassertiere und Meeresfrüchte gehörten im Alten Ägypten zu den wichtigsten Nahrungsmitteln und waren seit der Frühgeschichte wichtigster Lieferant von Proteinen für einen Großteil der ägyptischen Bevölkerung. (Wikipedia ›Fisch im Alten Ägypten‹). »Im Unterschied zu anderen Mittelmeerkulturen des Altertums fingen die Ägypter zu einem überwiegenden Teil Süßwasserfische, im Nildelta auch Brackwasserfische. Nach der derzeitigen Quellenlage spielte der Fang von Salzwasserfischen keine Rolle. (Dietrich Sahrhage: ›Fischfang und Fischkult im alten Ägypten‹ 1998, S. 77) Die Gründe dafür sind unklar, womöglich war es unnötig, sich dem größeren Risiko des Hochseefischens auszusetzen und einfacher, im Nil und in den Oasengewässern zu fischen. Hauptfangregionen waren neben dem gesamten Nil mit seinem Delta die Gewässer im Fayyum-Becken.« (Heinz Felber: ›Fischerei, Fischereigewerbe. II. Ägypten‹ in: Der Neue Pauly Band 4 (1998), Sp. 527) (s. D. Wolf: ›Die Urvölker waren FischerInnen, PflanzerInnen und SammlerInnen‹) Ein anderer Grund für das Bevorzugen von Süsswasserfischen dürfte sein, dass die Menschen Ägyptens in der Nil-Oase lebten. Süsswasser ist für die Menschen lebenswichtig, Salzwasser keineswegs.

Dass erst die Jagd und der Fleischverzehr das Gehirn des Menschen so leistungsfähig werden ließ wie es heute ist, ist eine irrige Behauptung und das Überleben hing nie von ›jagdbarem Wild‹ ab, was als Nahrung ohnehin kaum eine Rolle spielte. Intelligenter scheinen Fleischesser auch nicht gewesen zu sein. Die indoeuropäischen Rinderzüchter in den Steppen Südrusslands waren jedoch eindeutig aggressiver als die Fischesser im Süden. Die ihre Tiere tötenden und Fleisch verzehrenden Indo-Europäer waren rücksichtslose, kriegerische Eroberer, Landräuber und Mörder. Offensichtlich wird durch das Töten von Tieren die Hemmschwelle zum Töten von Menschen massiv herabgesetzt.

Wer gegen festgefahrene Ideen vorgeht, hat es schwer (Brigitte Senut, Paläontologin)

Wie schnell sich ein Vorurteil, eine eigene Vorliebe oder Abneigung in eine Interpretation einschleicht, und damit die Realität verzerrt, sehen wir  immer wieder. Da wird behauptet, im Mesolithikum Europas, seien die Menschen gezwungen worden, mit den vorhandenen Rohstoffen sparsamer umzugehen und auch Nahrungsquellen zu nutzen, wie Muscheln und Schnecken, die sie bisher verschmäht hatten; die großen Schalenhaufen sind für mesolithische Fundstellen typisch. (http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrolith).

›Die Savannentheorie ist tot‹ und mit ihr die Mär von den ›Großen Jägern‹
(s. Die Mär von den ›Großen Jägern der Steinzeit)

»Die Savannentheorie ist tot«, sagte der deutsche Urmenschenforscher Friedemann Schrenk. Die Savannen-Hypothese geht davon aus, dass die Evolution der Hominini von affenähnlichen Baumbewohnern zu den aufrecht gehenden Vertretern der Gattung Homo vor rund 7 bis 8 Mio. Jahren dadurch in Gang gekommen sei, dass die damals noch in Wäldern lebenden, quadrupeden [vierbeinigen] Vorfahren der modernen Menschen ihren Lebensraum in offene, baumlose Savannen verlegten und dort allmählich die Fortbewegung auf zwei Beinen entwickelten. (Wikipedia) Doch dem war nicht so. »Vielleicht wäre unsere Evolution mit unserem großen Gehirn gar nicht möglich gewesen, wenn wir nicht die Ressource von Ufertieren und deren Omega-3-Fettsäuren genutzt hätten«, sagt der Evolutionsbiologe und Hirnforscher Carsten Niemitz. Er widerspricht der populären Lehrmeinung vom Ursprung des aufrechten Gangs in einer trockenen Savanne. Seine revolutionäre These: Unsere Vorfahren stiegen nicht von den Bäumen, um den aufrechten Gang zu lernen, sondern sie sind ins Wasser gegangen und mussten sich deshalb aufrichten.

»Der aufrechte Gang wurde beim Suchen nach Wassertieren im seichten Wasser erlernt.«

Mit dieser Logik bringt Niemitz die seit Jahrzehnten buchstäblich verknöcherte Paläoanthropologie wieder in Bewegung. Für Friedemann Schrenk ist die Uferhypothese die plausibelste Erklärung für die Entstehung des aufrechten Gangs: Wenn ich als Menschenaffe meine Nahrung im Wasser suche, muss ich mich aufrichten, ich kann gar nicht anders.« (Die  Informationen wurden dem Ankündigungstext und dem aufschlussreichen Dokumentarfilm ›Das Geheimnis des aufrechten Gangs‹ entnommen (arte tv 4.4.12, Regie: Ingo Knopf, Jo Siegler).

Tötungsbegeistertes Jägerlatein

Der Hirnforscher Carsten Niemitz meint, »der angriffslustige Blick männlicher Wissenschaftler auf die menschliche Evolution ist eine recht viktorianische Sicht der Dinge.« Das Fischen und Sammeln am Ufer von Seen und Flüssen erschien den Männern als etwas zu banal, weshalb sie eben bisher eher nach etwas Glorreicherem suchten! Prestigedenken, die Suche nach dem Glorreicheren verführte selbst renommierte Wissenschaftler, die Mär von den großen Jägern nachzubeten und weiter zu verbreiten, denn patriarchale Männer sind nun mal eher am Großartigen interessiert.


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