Profil von Doris Wolf

Die Entzauberung der Pharaonen

In den entscheidenden Momenten des Lebens handeln wir selten in freier Selbstbestimmung. Was unsere Arbeit zu sein scheint, ist im Grunde eine höhere Führung. Wir meinen, unseren Beruf zu wählen, und tatsächlich werden wir von ihm gewählt. (Johann Jakob Bachofen)

 

Angeregt von einer kurzen Ferienwoche in Ägypten, besuchte ich den Louvre in Paris, um mehr über die Vergangenheit dieses Landes zu erfahren. Im Louvre sah ich erstmals ein großartiges, künstlerisches Meisterwerk, eine Grabstele aus der Zeit vor 5000 Jahren, als die dynastische Herrschaft Ägyptens errichtet wurde. Auf der Stele sehen wir eine Kobraschlange, die im Palast eingeschlossen zu sein scheint und von einem überdimensionierten Falken (dem Horusfalken) dominiert wird. Mich befremdete, dass die Stele einem Roi, einem ›König Schlange‹ zugeschrieben wurde. Schlangen, das wissen wir schon aus der Bibel, waren weiblich und wie ich später lernte, ein heiliges Tier der damals verehrten Großen Göttin. Das irritierte mich. Es war spürbar, dass hier etwas nicht stimmen konnte.
Ich gehöre zur Generation jener Frauen, die begannen, sich für ihre eigene Geschichte zu interessieren und als Psychologin war ich es gewohnt, irritierenden Fragen auf den Grund zu gehen. Ich vertraute meiner Intuition und begann zu forschen. (s. ›Gab es einen König Schlange?‹)
Auf der Suche nach Antworten auf meine Fragen waren die Hochglanz bebilderten Bücher allerdings wenig hilfreich. Für mich gibt es da zu viel Idealisierung, zu viel Jubelpropaganda, zu viel königliche Göttlichkeit, zu viel Kriegsverherrlichung, zu viel Beschönigung der vergotteten Despoten. Die Pharaonen interessierten mich außer im Kontext meiner Forschung wenig, bis gar nicht. Es ist das was im Dunkeln liegt und das worüber bis heute niemand spricht und das, was die durch und durch patriarchale Wissenschaft der Ägyptologie nicht interessiert: Zum Beispiel die Frage, was hatte vor 5000 Jahren den Umsturz von der friedlichen Zeit unter der Leitung der Matriarchinnen in die kriegerische Zeit der männlichen Herrschaft geführt. Und, warum forscht und spricht offensichtlich niemand über diesen Umbruch?
Es war eine spannende Zeit in der ich viel Befremdendes, Erschütterndes, Empörendes, Geschöntes, Erlogenes, Verzerrtes, Verheimlichtes und Unterschlagenes erfuhr – aber vor allem unglaublich Interessantes, vieles davon aufregender als jeder Krimi. Da ich meine Studien selbständig und allein betrieb, ausser etwa einer Einführung in die Hieroglyphenschrift an der Uni, kam ich mit der universitären Ausbildung nicht in Berührung. Da ich auch keine Karriere in Ägyptologie anstrebte, wurde ich nicht durch die traditionelle, patriarchale universitäre Lehre ›geschädigt‹, wurde nicht gehirngewaschen, konnte unvoreingenommen meine eigenen Studien betreiben. Im Gegensatz zu den universitär ge- oder verbildeten, bzw. patriarchal indoktrinierten Frauen und Männer war ich also nicht gezwungen, die traditionelle, patriarchale Sichtweise zu übernehmen. Ich war völlig frei. Als Frau war und ist meine Sicht natürlich subjektiv weiblich, vor allem humanistisch. Erstaunt stellte ich fest, dass diese Sicht in der Ägyptologie, auch bei den ÄgyptologInnen bisher keinen Platz fand. Die Kulturbeiträge der Frauen der Urgeschichte, das, was von ihnen schon vor und während der neolithischen Zeit geschaffen wurde, fand keinen Eingang in die Geschichtsschreibung. Es wurde von den HistorikerInnen entweder ausgeblendet, vergessen oder der patriarchalen ›Hochkultur‹ zugeschlagen.

Die geschichtliche, d.h. die geschriebene Zeit ist die Zeit des Patriarchats. Erst seit 5000 Jahren dominieren patriarchale Männer die Welt, überziehen sie mit Gewalt und Krieg. Und nur diese Zeit behandeln die Historiker üblicherweise. Die patriarchale Geschichtsschreibung ist nichts anderes als eine einzige militaristische Kriegsberichterstattung. Doch die Zeit des modernen Menschen dauert schon viel länger als die 5000 Jahre seit dem das Patriarchat besteht. Mindestens dreihunderttausend Jahre Matriarchat gingen dem Patriarchat voraus. Bei den meisten Forschern ist diese Zeit äußerst unbeliebt. In den Artikeln auf meiner Homepage erläutere ich, warum das so ist.
Wenn wir etwas in dieser Welt verändern möchten, können, ja müssten wir aus der Geschichte lernen. Dafür müssen wir sie aber erst einmal kennenlernen. Wir müssen die Vergangenheit erforschen, müssen uns weiterbilden, müssen uns Wissen aneignen, nicht einfach glauben, was man uns erzählt, und das heißt in erster Linie lesen und lernen. Wir lernen nur selten etwas Realistisches aus den billigen ›Dokumentarfilmen‹ der glanzvollen Pharaonenzeit: das meiste ist geschöntes Machwerk, ›Fake‹. Aufklärung tut Not. Johann Jakob Bachofen (1815–1887) schrieb zu Recht:

»Wie sollen wir das Ende erkennen,
wenn der Anfang ein Geheimnis bleibt«?

Erforscht wurden die 300‘000 Jahre des modernen Menschen zwar von Archäologen, Anthropologen, Soziologen, Ethnologen, Altorientalisten, Althistorikern und Urgeschichtsforschern. Jedoch geschah dies ausschließlich aus patriarchaler Sicht. Die Wissenschaft wurde bis vor wenigen Jahren von Männern dominiert; für sie waren die 300’000 Jahre die höchst erfolgreiche Epoche der gerühmten Jäger. Dass es in diesen Jahren auch schon Frauen gab, ist für die Forscher bis heute nebensächlich und floss nicht in ihre Überlegungen ein. Doch diese Einseitigkeit des männlichen Forscherblicks führte zur größten Verzerrung der Geschichte, zur Annahme, dass Männer ›schon-immer‹ die Welt dominierten, dass die Gesellschaftsform ›seit-jeher‹ patriarchal war, und dass Männer nicht nur die Ernährer der Menschen, sondern auch die alleinigen Schöpfer der Kultur waren und den Frauen weit überlegen.
Das änderte sich mit dem Basler Juristen Johann Jakob Bachofen, der die Rolle der Frauen als Mittelpunkt jener langen Epoche erkannte. Er gab Frauen den Anstoß, ihre eigene Geschichte selbst zu erforschen. Das zerstörerische Patriarchat dauert erst 5000 Jahre und beherrscht seither die Welt mittels Gewalt, Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg, so wie es uns die Medien tagtäglich übermitteln. Wer weiß heute, dass Kriege erst vor 5000 Jahren, mit der Eroberung Mesopotamiens und Ägyptens durch indoeuropäische Männerhorden in die Welt kamen? Dass damit 300’000 Jahre des Matriarchats, 300’000 Jahre des Friedens, der prosperierenden matriarchalen Kultur und Werte überwältigt und zerstört wurde und das Patriarchat institutionalisiert wurde?
Was wir bisher gelernt haben, weil es in jedem Schulbuch so steht, dass die sogenannte ›Hochkultur‹ Ägyptens ein großer Fortschritt für die Menschheit war. Doch war sie das wirklich? Warum wissen wir so wenig Reales, Richtiges? Warum wird uns in der Schule eingebläut, Kriege habe es schon immer gegeben? Warum glauben wir, das Patriarchat sei ›das Normale‹, Gott sei schon-immer ein Mann gewesen und die patriarchale Demokratie die beste aller je gelebten Gesellschaftsformen? Und das alles, obwohl uns jeder Tag das Gegenteill vorgeführt wird, das Patriarchat einseitig männlich dominiert wird, ständig Kriege führt, die Welt voller Ungerechtigkeit, Armut und Not ist und Frauen nur nach harten Kämpfen langsam wieder einen kleinen Teil von Gleichberechtigung erringen konnten, und das auch nur in einem sehr begrenzten, kleinen Teil der Welt. Niemand erzählte uns, was tatsächlich geschehen war, was  den Umsturz vom friedlichen Matriarchat ins kriegerische Patriarchat bewirkt hatte.
Im Laufe meiner Forschungen kam ich zum Schluss, dass unsere Lehrer es selbst nicht besser wissen, und davon bis heute tatsächlich keine Ahnung haben. Das Patriarchat hat uns allen das Hirn gewaschen, auch den Lehrern und Professoren und sie vom Erkennen der Tatsachen abgehalten.

Aus all den Jahren intensiven Schaffens machen meine wichtigsten Erkenntnisse Hoffnung:

Bis vor 5000 Jahren

GAB ES KEINE KRIEGE 

Der Grund ist ebenso eindeutig, wie wahr:
Die Welt wurde bis dahin von weisen Frauen geführt und geleitet.
Es war die Zeit der Mütter die matriarchale Zeit als
die Völker während mindestens 300‘000 Jahren in Frieden und Wohlstand lebten

In den 1990er Jahren und noch später, nach Jahren eigener intensiver Forschung, konnte ich nicht glauben, dass in der Fachliteratur der Universitäten nichts Neues zum Thema der Vorgeschichte Ägyptens zu finden war. Das patriarchal geleitete Institut für Ägyptologie in Zürich war auch nicht der Ort, wo ich danach suchen musste. Auf der Suche nach Informationen zur Ur- und Vorgeschichte Ägyptens besuchte ich bei der nächsten Gelegenheit in Kairo das Schweizer Institut, ohne Erfolg. Beim Deutschen Institut lachten mir die beiden anwesenden Herren ins Gesicht, nach welcher Vorgeschichte ich eigentlich suche? Nach der Ägyptischen, sagte ich, wenn wir schon hier sind. Sie grinsten ob meiner Frage und verneinten, nein, das gebe es nicht. Weiter zum französischen Institut: Auch dort, völliges Unverständnis auf meine Frage nach der Prehistoire Egyptienne. Bis ein Mann auf die Idee kam, mir den Namen eines französischen Archäologen zu nennen, Mr. Fernand Debono, ein älterer Herr, der in Heliopolis wohne, der habe sich, soweit man wisse, damit befasst. Das unerwartete Interesse einer Frau aus der Schweiz für die Ägyptische Urgeschichte war für Herrn Debono eine große Überraschung. Eigentlich interessiere sich niemand dafür. Unsere Begegnung war für beide beglückend. Später fand ich bestätigt, die ägyptische Vorgeschichte war seit dem Tod der PionierInnen, z.B. den Arbeiten des Archäologen Flinders Petrie und seines Teams, insbesondere von Elise Baumgartel, die vor den Nazis aus Österreich nach London geflüchtete Archäologin ad acta gelegt, schubladisiert und vergessen worden. Ich vermute, mit Absicht! Die Spuren dieser Zeit vor den verherrlichten Pharaonen ist für die Forscher ein unerwünschtes Terrain. In Europa begann die Zeit des Faschismus. Seinen Einfluss in Deutschland und den USA behandle ich im 1. Kapitel einer englischen Übersetzung: ›REVEALING THE UNCOVERED HISTORY OF EGYPT –THE DEMYSTIFICATION OF THE PHARAOHS – Challenging Conventional Egyptology‹ (Die Enthüllung der unentdeckten Geschichte Ägyptens – Die Entmystifizierung der Pharaonen).

Meine These, wie der katastrophale Umsturz geschah

Die indoeuropäischen Viehzüchter in den südrussischen Steppen hatten beobachtet, dass es männliche Tiere braucht, um Jungtiere zu züchten. Zu Recht schlossen Männer daraus auf ihren eigenen Anteil bei der Entstehung neuen Lebens, der ihnen bisher nicht bewusst war; die biologische Vaterschaft war bis dahin unbekannt, denn Väter spielten in matriarchalen Clans keine Rolle. Die Erzeuger, die nicht mit den Müttern ihrer Kinder lebten, trugen auch keine Verantwortung für den eigenen Nachwuchs. Im mütterlichen Blutclan übernahmen die Brüder für die Kinder ihrer Schwestern den männlichen Aspekt der Erziehung. Die neue Erkenntnis der Viehzüchter brachte einige Männer dazu, um Macht, um Vormacht und gegen die Frauen, die bisher aufgrund ihrer Fähigkeit Kinder zu gebären, die Sippe zu umsorgen und zu erhalten, verehrt wurden, zu kämpfen. Dieser Kampf gipfelte im Laufe der Jahrtausende in überspannten Phantasien männlicher Wichtigkeit und in der kompletten Abwertung des weiblichen Anteils der Frauen und Mütter. Das ging soweit, dass patriarchale Männer im antiken Griechenland behaupteten, Mütter seien nur das Gefäss, in dem der männliche ›Samen‹ ausgebrütet werde. Die Abwertung der Mütter und Frauen ging einher mit der Überhöhung und Selbst-Vergöttlichung der Männer.

Bis vor 5000 Jahren

 GAB ES KEINEN MÄNNLICHEN GOTT

Nach der Entdeckung der biologischen Vaterschaft und der darauffolgenden Institutionalisierung der patriarchalen Ideologie wurde der erste männliche Gott vor nur 5000 Jahren in Ägypten erfunden. Er erhielt die indoeuropäische Bezeichnung fürVater‹: ATum. Doch beim Volk wurde der Vatergott nicht akzeptiert, es blieb bei der Verehrung seiner uralten Mutter-Göttin. Echnaton versuchte ihn im 14. Jahrhundert zu reaktivieren und erfand ›seinen eigenen göttlichen Vater‹ in Gestalt des Sonnengottes ATon. (Die Vatersilbe AT findet sich in vielen indoeuropäischen Sprachen, vom arabischen ATA bis zum deutsch/schweizerischen ÄTti.)

Wir  glauben, weil es uns so beigebracht wurde, autoritäre Hierarchien, eine Einteilung in Oben und Unten, in Mächtige und Unterworfene, in Herren und Sklaven, in Ausbeuter und Ausgebeutete, habe es ›seit jeher‹ gegeben und dies sei unumgänglich für die ›Ordnung‹ der Welt und dass sie ohne diese Rangordnung in Anarchie und Chaos versinken würde.
Heute glauben wir auch — je nach Religionszugehörigkeit– an patriarchale Götter, etwa im Monotheismus an Gottvater, Jehova oder Allah. Der im Christentum verehrte Gott ist der „Liebe Gott“. Wenn wir die Bibel etwas genauer lesen, merken wir er ist ein bösartiger, tyrannischer Gott, den die neuen Machthaber nach des patriarchalen machtgierigen, aggressiven Mannes Ebenbild selbst erfunden haben. Er wurde uns jedoch im Laufe der Zeit als guter Gott, als liebevoller Vater schmackhaft gemacht. Wir glauben all die falschen Lehren, weil uns patriarchale Lehrmeister während 5000 Jahren dazu erzogen haben, diese zu glauben, weil man uns das eingetrichtert hat, weil wir ignorant sind, ungebildet und ›brainwashed‹, hirngewaschen und verdummt wurden bis zur Blödheit. Weil die meisten Menschen sich mit der schreienden Ungerechtigkeit, der Gewalt, den Kriegen, den Despoten und Diktatoren, dem Elend und der Armut abgefunden haben. Weil wir glauben, dieser patriarchale Gott wolle es so, dagegen könnten Menschen eh nichts tun. Die Gläubigen meinen sogar, in einem jenseitigen Leben werde all das wieder gut gemacht, die Opfer sogar ›im Himmel‹ belohnt. Ein Hirngespinst, eine Konstrukt.

Aber dieser Aberglaube und die patriarchale Ideologie hatten einen Anfang und können auch wieder ein Ende nehmen.

»Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Bürger[Innen]
die Welt verändern kann. Tatsächlich ist es das Einzige,
was jemals funktioniert hat.« (Margaret Mead)

(Margaret Mead, 1901–1978, war eine amerikanische Ethnologin. Sie vertrat die Auffassung, dass Sozialverhalten formbar und kulturbestimmt sei. (Aus der Biographie von Margaret Mead)

Die matriarchale Ur-Geschichte ist bei den Wissenschaftlern nicht beliebt. Der Grund, die patriarchalen Wissenschaftler und die Kirchen, die unsere Universitäten dominieren wissen sehr wohl, die Erforschung der Urgeschichte – besonders wenn sie aus weiblicher Perspektive untersucht wird – bringt Dinge ans Licht, welche nicht ins Bild der patriarchalen Wissenschaftler, der verschiedenen Disziplinen und der ebenso patriarchalen Kirchen und Religionen passen. Darum wurde sie kaum erforscht und das Gefundene nur selten veröffentlicht. Wir leben heute in einer von Männern bestimmten Welt. Historiker schreiben mit Vorliebe Geschichte, in der Frauen gar nicht vorkommen. Mit meinen Büchern beging ich einen Tabubruch, dem der patriarchale Bannstrahl in der Presse folgte; ein versuchter Rufmord (s. auf dieser Homepage: ›His masters voice‹).

Wie lebte das Volk vor und unter den Pharaonen,
wie lebten jene 99 Prozent der Menschen,
die nicht zur damaligen ›Elite‹ gehörten?

Zu diesen 99% hätten wahrscheinlich Sie und ich gehört und unser Schicksal wäre entsprechend düster gewesen. Das ägyptische Volk wurde in der Zeit der Pharaonen versklavt, unterdrückt und ausgebeutet. Daran hat sich nie etwas geändert. Noch immer ächzt das ägyptische Volk unter der Diktatur der Gewalt, der Unfreiheit und Unterdrückung der mächtigen Regierung, des Militärs und seiner Waffengewalt, unterstützt von den Machthabern und Waffenlieferanten der ganzen Welt.
Der  Ägyptologe Pierre Montet behauptet, dass man viele Fälle kenne, »in denen sich der König seinen Unter­tanen gegenüber wie ein mit Vernunft und Feinge­fühl begab­ter Mit­mensch benahm«, beispielsweise als der »König ei­nem Priester zu­liebe das Gesetz außer Kraft setzte, das den mit dem Tode bestrafte, der königliche Insignien berührte«, oder »dass ein alter Höfling bei der Audienz den Fuß des Königs küssen durfte, obwohl das Zeremo­niell sonst er­forderte, dass man den Bo­den vor dem Kö­nig mit den Lippen berührte« (Montet 1975, S. 114). Der Ägyptologe Adolf Erman wies jedoch darauf hin, »dass die trüben staatli­chen Zustän­de im Alten Ägypten zu allen Zeiten bestan­den ha­ben. Die Inschriften versuchten uns zwar das Bild eines ›wahren Idealreiches‹ zu vermitteln, in dem ein ›göttlicher‹ Herrscher ›väterlich für sein Land sorgte‹, der dafür von seinen Unter­tanen ge­liebt und gepriesen worden sei. Doch der Schein trügt, denn hinter den schönen Worten verborgen, be­standen schlim­me Verhält­nisse« (Adolf Erman ›Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum‹, 1984, S. 57). Diese Art kriti­scher Distanz findet sich jedoch äußerst selten.
Der britische  Ägyptologe T. G. H. James, Autor des Buches ›Pharaoh’s People: Scenes from Life in Imperial Egypt‹ 1984, beteuert, der Ägyptologe begegne der Propaganda, dem Wortschwall und den Prahlereien der kö­niglichen Inschriften stets mit Vor­sicht, kommt dann aber zum Schluss, man müsse diesen »dennoch eine gewisse Glaubwürdigkeit zuge­ste­hen, sonst hätte man ja das ganze Gebäude der ägyptischen Ge­schichte als eine ausge­klügelte, während Jahrhun­derten von Mei­ster­betrügern wei­tergegebe­ne Lüge zu betrachten« (James 1988, S. 23 f.). Doch wir leben im Patriarchat. Leider bringen persönliche, politische, religiöse, soziale, geschlechtsabhängige und ideologische Neigungen und Interessen der jeweiligen Historiker immer wieder Blendwerke hervor, die mehr Licht auf sie selbst als auf ihren Forschungsgegenstand werfen.
Spöttisch bemerkte der Ägyptologe Peter Kaplony einmal vor seinem Auditorium in Zürich, das meiste, was die Ägyptologen erzählten, sei reine Spekulation; die Gelehrten versuchten eben, die Blößen des Nichtwissens zu verdecken, indem sie so täten, als wüssten sie viel mehr. Manchmal sei auch die Autorität eines Gelehrten so groß, dass man ihm glaube, obwohl er nur spekuliere!
Hier bewahrheitet sich, was schon Marcus Tullius Cicero sagte: »Die Autorität des Lehrers schadet oft denen, die lernen wollen.« Bis heute glauben (fast) alle an den Pharaonen-Schwindel, selbst jene, die ihn erfunden haben, die Ägyptologen selbst. Anlässlich der Internationalen Ägyptologen-Konferenz 1997 klagte man, das Ansehen der Ägyptologie sei drastisch im Schwinden. Wen wundert’s?

Meine Recherchen beschreibe ich zum Teil auf dieser Homepage,
die inzwischen auf über 100 Artikel angewachsenen ist und in meinen Büchern:

1. ›Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹ 1994 (ist vergriffen,
kann jedoch als kostenloses PDF heruntergeladen werden
2. ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹2009
3. ›Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist‹ 2017
4. ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019
5. ›Die Geschichte vom Ursprung des Patriarchats‹ (z.T. schon jetzt auf dieser Website zu finden, aber noch in Arbeit)
6. ›The demistification of the Pharaos – Challenging Conventional Egyptology‹
(Erscheint voraussichtlich im Winter 2021/2022)

Alle Bücher und das PDF des ersten Buches können direkt bei Doris Wolf bestellt werden: infoatdoriswolfdotch

(s. auch meine Homepage als Psychologin www.doriswolf.ch
Ich bin aber nicht die deutsche Psychologin Doris Wolf, die zahlreiche Lebenshilfe Bücher geschrieben hat.)

Die Artikel auf dieser Homepage und meine Bücher Sind unter einer Creative Commons-Lizenz(Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.

 


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