Profil von Doris Wolf

Die Entzauberung der Pharaonen und der Ägyptologie

nach mehr als 30 Jahren faszinierender Forschung

Ende der 80er Jahre arbeitete ich als Psychologin mit eigener Praxis in Zürich. Eine erste kurze Ägyptenreise Ende 1988 war ein Schock. Die Armut, der Analphabetismus, die vernachlässigte Infrastruktur, das Chaos in den Strassen und dann der Kontrast  im Museum: der Prunk der Pharaonenzeit, das Gold des Tutanchamun und als Touristenattraktion die unerträglich protzigen Palastanlagen, die ›Tempel‹ der Pharaonen; welch ein Gegensatz zur Einfachheit und Armut der Menschen in den Dörfern!
       Was war in den Tausenden Jahren Geschichte dieses Landes geschehen? Was waren die Gründe für den Niedergang und den Zusammenbruch des pharaonischen Imperiums? Das wollte ich wissen.

        Kurze Zeit später besuchte ich den Louvre in Paris. Ein künstlerisches Meisterwerk, eine Grabstele aus der Zeit vor ca. 5000 Jahren, jener Zeit um ca. 3000 v.u.Z. am Beginn der dynastischen Herrschaft Ägyptens, weckte meine besondere Aufmerksamkeit. Auf der Stele sehen wir eine Kobraschlange, die im Palast eingeschlossen zu sein scheint und von einem überdimensionierten Falken dominiert wird. Mich befremdete, dass sie einem ›König Schlange‹ zugeschrieben wird. Schlangen, das wissen wir schon aus der Bibel, waren weiblich und wie ich später lernte, ein heiliges Tier der damals verehrten Großen Göttin. Das irritierte mich. Als Psychologin war ich es gewohnt, irritierenden Fragen auf den Grund zu gehen und das hatte Folgen. Seither, es sind nun über 30 Jahre, hält mich sowohl die traditionelle Geschichtsschreibung, die Ägyptologie, als auch die ungeschriebene, ›andere‹ Geschichte, die Zeit vor den Pharaonen Ägyptens im Bann. Später kam zu meinen Forschungen noch die Ur-Geschichte Mesopotamiens und Alt-Europas hinzu. Ich wurde zur Geschichtsforscherin, denn zur Beantwortung meiner Fragen waren die Hochglanz-bebilderten Bücher kaum hilfreich, zuviel Idealisierung, zuviel Jubelpropaganda, zuviel Göttlichkeit, zuviel Verherrlichung der sogenannten ›Hochkultur‹ der Pharaonen und ihrer Zeit. Mich interessierte, wie lebte damals das Volk, wie erging es den Frauen und wie lebten sie  v o r  und  u n t e r  den Pharaonen? Es war eine spannende Zeit des Forschens, in der ich viel Befremdendes, Erschütterndes, Empörendes, Geschöntes, Erlogenes, Verzerrtes, Verheimlichtes und Unterschlagenes erfuhr – aber vor allem unglaublich Interessantes, vieles davon aufregender als jeder Krimi. Da ich meine Studien beinahe ausschliesslich selbständig und allein betrieb, ausser etwa einer Einführung in die Hieroglyphenschrift, kam ich mit der universitären Ausbildung nicht in Berührung. Da ich auch keine Karriere in Ägyptologie anstrebte, wurde ich nicht durch die traditionelle, d.h. patriarchale universitäre Lehre ›geschädigt‹, wurde nicht gehirngewaschen, konnte vorurteilslos meine eigenen Studien betreiben. Im Gegensatz zu den universitär gebildeten Frauen, war ich also nicht gezwungen, die patriarchale Sichtweise zu übernehmen.  Ich war völlig frei. Als Frau war und ist meine Sicht natürlich subjektiv weiblich, vor allem aber humanistisch. Erstaunt stellte ich fest, dass diese Sicht in der Ägyptologie keinen Platz fand. Die Beiträge von Frauen, das, was von ihnen seit der neolithischen Zeit geschaffen wurde, fand keinen Eingang in die Geschichtsschreibung. Es wurde von den Historikern entweder ausgeblendet oder der ‚Hochkultur‘ zugeschlagen.

Die sogenannt geschichtliche, die geschriebene Zeit, währt erst seit 5000 Jahren, doch die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte von Hunderttausenden Jahren. Wenn wir etwas in dieser Welt verändern möchten, müssen wir aus der Geschichte lernen, uns bilden und das heisst in erster Linie: lesen, lesen, lesen! Aufklärung tut Not. Johann Jakob Bachofen (1815–1887) schrieb: »Wie sollen wir das Ende erkennen, wenn der Anfang ein Geheimnis bleibt«?
Zum Beispiel weiss kaum jemand, dass es bis vor rund 5000 Jahren und dem Beginn der sogenannten Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens, keine Kriege gab. (s. auf dieser Homepage: ›Die Lüge vom Krieg, den es ›schon-immer‹ gegeben hat‹) Wie aber kamen Kriege und Patriarchat gleichzeitig in die Welt? Warum wissen wir das nicht, warum wird uns in der Schule eingebläut, Kriege habe es schon immer gegeben, das Patriarchat sei ›das Normale‹ und die patriarchale Demokratie die beste aller je erreichten Gesellschaftsformen, obwohl sie einseitig männlich dominiert wird und Frauen nur nach deren harten Kämpfen als Gleichberechtigte akzeptiert werden. Niemand erzählte uns, was tatsächlich geschehen war, was  den Umsturz vom friedlichen Matriarchat ins kriegerische Patriarchat bewirkt hatte. Ich merkte mit der Zeit, dass unsere Lehrer es selbst nicht wussten, und davon bis heute tatsächlich keine Ahnung haben.

Das ist meine These, wie der katastrophale Umsturz geschah: Es war die Beobachtung der indoeuropäischen Viehzüchter in den südrussischen Steppen, dass männliche Tiere einen Beitrag leisteten, der zur Geburt von Jungtieren führte. Zu Recht schlossen sie daraus auf ihren eigenen Anteil bei der Entstehung neuen Lebens. Die biologische Vaterschaft war bis vor einigen Tausend Jahren unbekannt. Bis dahin hatten Väter im matriarchalen Clan keine Rolle gespielt, trugen auch keine Verantwortung für den eigenen Nachwuchs. Männer sorgten sich für die Kinder ihrer Schwestern (dies und die Folgen sind nachzulesen im Buch ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹). Die neue Erkenntnis der Viehzüchter brachte einige Männer dazu, um Macht, um Vormacht, und gegen die Frauen, die bisher aufgrund ihrer Fähigkeit Kinder zu gebären und die Sippe zu erhalten, verehrt wurden, zu kämpfen. Dieser Kampf gipfelte im Laufe der Jahrtausende in überspannten Phantasien männlicher Wichtigkeit und in der kompletten Abwertung des weiblichen Anteils der Mütter. Patriarchale Männer im antiken Griechenland behaupteten, Mütter seien nur  das Gefäss, in dem der männliche ›Samen‹ ausgebrütet werde.  Die Abwertung der Mütter und Frauen ging einher mit der Überhöhung und Selbst-Vergöttlichung der Männer  und führte zur Erfindung der ersten Götter, von Vater-Göttern natürlich! In Homers Odyssee, gehen die patriarchalen Machos noch einen Schritt weiter. »Die Odyssee ist ebenso die Geschichte des Telemachos, des Sohnes des Odysseus und der Penelope. Sie erzählt von seinem Aufwachsen und wie er im Verlauf der Dichtung vom Jungen zum Mann heranreift. Dieser Prozess beginnt im ersten Buch des Epos: Penelope steigt aus ihren Privatgemächern in die grosse Palasthalle hinab, wo ein Barde vor den Scharen ihrer Freier seine Kunst zum Besten gibt. Er singt von den Schwierigkeiten, in die die griechischen Helden bei ihrer Heimfahrt geraten. Darüber nicht eben erfreut, bittet sie ihn vor aller Ohren, doch ein anderes, fröhlicheres Lied anzustimmen. Daraufhin schaltet sich der junge Telemachos [ihr Sohn!] ein: ›Du aber‹, sagt er, gehe ins Haus und besorge die eigenen Geschäfte, / Spindel und Webstuhl … die Rede ist Sache der Männer, / Aller, vor allem aber die meine! Denn mein ist die Macht hier im Hause.‹ Also tritt sie ab und begibt sich wieder in die oberen Gemächer. Es wirkt einwenig lächerlich, wenn der junge Bursche, der noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist, Penelope, einer klugen Frau mittleren Alters, den Mund verbietet. Aber es ist auch ein Beweis, dafür, dass just in dem Moment, da die schriftlichen Zeugnisse der [patriarchalen!] abendländischen Kultur einsetzen, die Stimmen von Frauen in der Öffentlichkeit kein Gehör mehr finden. Darüber hinaus ist es  für einen Mann, wie Homer zeigt ein integraler Bestandteil des Erwachsenwerdens, dass er lernt die Kontrolle über öffentliche Äusserungen zu übernehmen und den weiblichen Teil der menschlichen Spezies zum Schweigen zu bringen.« (Mary Beard ›Frauen und Macht‹, 2018, S.  13 f) Den Griechen folgten die Römer und in ihrer Zeit echote Paulus: ›Die Frau schweige in der Gemeinde‹.
Das ›Patriarchat‹, die ›Herrschaft der Väter‹, wird so genannt, weil es tätsächlich mit der Erfindung der Väter, der Entdeckung der Vaterschaft zu tun hat. Es gibt andere Thesen, z.B. dass es das Klima, oder die Sesshaftigkeit und damit der Beginn des Privateigentums, oder die Erfindung des Pfluges war, die zum Umbruch geführt hat, doch dann würde unser Gesellschaftsform nicht Patriarchat geheissen, sondern als die Herrschaft des Mannes vielleicht Mannismus oder Herrismus, oder abhängig von der jeweiligen These, als Zeitalter des Klimateriums, des Pflugismus oder Sessismus usw. genannt. So wie die patriarchale Geldgier Kapitalismus heisst.
Wir glauben irrtümlicherweise, das Patriarchat, das die Welt heute beherrscht, sei die ›normale‹, die einzig mögliche Gesellschaftsform. Und das sei ›schon-immer‹ so gewesen. Und wir glauben, autoritäre Hierarchien, eine Einteilung in Oben und Unten, in Mächtige und Unterworfene, in Herren und Sklaven, in Ausbeuter und Ausgebeutete, habe es ›seit jeher‹ gegeben und seien unumgänglich für die ›Ordnung‹, und dass die Welt, ohne diese Einteilung in Anarchie und Chaos versinken würde.
Heute glauben wir auch an einen patriarchalen Gott – wenn wir die Bibel wirklich lesen, ist es ein bösartiger, tyrannischer Gott, den die Viehzüchter erfunden haben, der, wo immer er kann die Menschheit ›züchtigt‹. Er wurde uns jedoch im Laufe der Zeit als guter Gott, als liebevoller Vater schmackhaft gemacht. Wir glauben das, weil uns patriarchale Lehrmeister während 5000 Jahren dazu erzogen haben, dies zu glauben und nicht selber zu denken; denn du darfst nicht vom Baum der Erkenntnis essen. Wir glauben das alles, weil man uns das eingetrichtert hat, weil wir ignorant sind, ungebildet und ›brainwashed‹, hirngewaschen, und verdummt bis zur Blödheit. Weil die meisten Menschen sich mit der schreienden Ungerechtigkeit, der Gewalt, den Kriegen, den Despoten und Diktatoren, dem Elend und der Armut abgefunden haben. Die Gläubigen meinen sogar all dies werde in einem jenseitigen Leben wieder gut gemacht, die Opfer sogar belohnt. Sie glauben, Gott wolle es so, dagegen könnten Menschen eh nichts tun. (Ein 16jähriges Mädchen aus Schweden hat uns gezeigt, was möglich ist! Und am Ende siegt jetzt ein Virus, der uns zum Denken und Umdenken zwingt.)
Die matriarchale Ur-Geschichte ist bei den Wissenschaftlern nicht beliebt. Der Grund, die patriarchalen Wissenschaftler, die unsere Universitäten dominieren und der Klerus wissen sehr wohl, die Erforschung der Urgeschichte – besonders wenn sie aus weiblicher Perspektive untersucht wird – bringt Dinge ans Licht, welche nicht ins Bild der patriarchalen Historiker und der ebenso patriarchalen Kirche passen. Darum wurde sie kaum erforscht und das Gefundene nur selten veröffentlicht. Wir leben heute in einer von Männern bestimmten Welt. Historiker schreiben Geschichte in der Frauen  gar nicht vorkommen. Die Beiträge von Frauen, das, was von ihnen geschaffen wurde, fand keinen Eingang in die Geschichtsschreibung. Ihr Beitrag wurde von den Historikern entweder ausgeblendet oder der ‚Hochkultur‘ zugeschlagen.
Mit meinen Büchern beging ich einen Tabubruch, dem der patriarchale Bannstrahl in der Presse folgte; ein Rufmord  (s. auf dieser homepage: ›His masters voice‹).

Das interessierte mich:

Wie lebte das Volk vor und unter den Pharaonen,
wie lebten jene 99 Prozent der Menschen,
die nicht zum damaligen Adel gehörten?

Zu diesen 99% hätten wahrscheinlich Sie und ich gehört und unser Schicksal wäre entsprechend düster gewesen; das ägyptische Volk wurde in der Zeit der Pharaonen versklavt, unterdrückt und ausgebeutet. Der  Ägyptologe Pierre Montet behauptet, dass man viele Fälle kenne, »in denen sich der König seinen Unter­tanen gegenüber wie ein mit Vernunft und Feinge­fühl begab­ter Mit­mensch benahm«, beispielsweise als der »König ei­nem Priester zu­liebe das Gesetz außer Kraft setzte, das den mit dem Tode bestrafte, der königliche Insignien berührte«, oder »dass ein alter Höfling bei der Audienz den Fuß des Königs küssen durfte, obwohl das Zeremo­niell sonst er­forderte, dass man den Bo­den vor dem Kö­nig mit den Lippen berührte« (Montet 1975, S. 114).
Der Ägyptologe Adolf Erman, sieht die Wirklichkeit ebenso. Er wies darauf hin, »dass die trüben staatli­chen Zustän­de im Alten Ägypten zu allen Zeiten bestan­den ha­ben. Die Inschriften versuchten uns zwar das Bild eines ›wahren Idealreiches‹ zu vermitteln, in dem ein ›göttlicher‹ Herrscher ›väterlich für sein Land sorgte‹, der dafür von seinen Unter­tanen ge­liebt und gepriesen worden sei. Doch der Schein trügt, denn hinter den schönen Worten verborgen, be­standen schlim­me Verhält­nisse« (Erman 1984, S. 57). Diese Art kriti­scher Distanz findet sich jedoch äußerst selten.
Der britische  Ägyptologe T. G. H. James, Autor des Buches  ›Pharaoh’s People: Scenes from Life in Imperial Egypt‹ 1984, beteuert zwar, der Ägyptologe begegne der Propaganda, dem Wortschwall und den Prahlereien der kö­niglichen Inschriften stets mit Vor­sicht, kommt dann aber zum Schluss, man müsse diesen »dennoch eine gewisse Glaubwürdigkeit zuge­ste­hen, sonst hätte man ja das ganze Gebäude der ägyptischen Ge­schichte als eine ausge­klügelte, während Jahrhun­derten von Mei­ster­betrügern wei­tergegebe­ne Lüge zu betrachten« (James 1988, S. 23 f.). Leider bringen jedoch persönliche, politische, religiöse, soziale, geschlechtsabhängige und ideologische Neigungen der jeweiligen Historiker immer wieder Blendwerke hervor, die mehr Licht auf sie selbst als auf ihren Forschungsgegenstand werfen.
Spöttisch bemerkte der Ägyptologe Peter Kaplony einmal vor seinem Auditorium in Zürich, das meiste, was die Ägyptologen erzählten, sei reine Spekulation; die Gelehrten versuchten eben, die Blößen des Nichtwissens zu verdecken, indem sie so täten, als wüssten sie viel mehr. Manchmal sei auch die Autorität eines Gelehrten so groß, dass man ihm glaube, obwohl er nur spekuliere!
Hier bewahrheitet sich, was schon Marcus Tullius Cicero sagte: »Die Autorität des Lehrers schadet oft denen, die lernen wollen.« Bis heute glauben (fast) alle an den Pharanonen-Schwindel, selbst jene, die ihn erfunden haben, die Ägptologen. Anlässlich der Internationalen Ägyptologen-Konferenz 1997 klagte man, das Ansehen der Ägyptologie sei drastisch im Schwinden. Wen wunderts?

Meine Recherchen beschreibe ich in meinen 4 Büchern und  zum Teil auf dieser Homepage, die inzwischen auf beinahe 100 Artikel angewachsenen ist. Die Bücher:

1. ›Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹ 1994
(vergriffen, ist jedoch als kostenloses PDF bei Doris Wolf erhältlich)
›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹ 2009
3. ›Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist‹ 2017 (€/Fr. 34.90, e-book € 12.99)
4. ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019 (€/Fr. 34.90, e-book € 14.60)

Alle Bücher inkl. Versandkosten, können direkt bei Doris Wolf bestellt werden: infoatdoriswolfdotch
(s. auch meine Homepage als Psychologin in der Schweiz: www.doriswolf.ch
Hinweis: Ich bin nicht die deutsche Psychologin Doris Wolf, die zahlreiche Lebenshilfe Bücher geschrieben hat.)

 

 


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