Wer war Menes?

Aus dem Inhalt:

  • Die Sucht des patriarchalen Mannes nach Macht, Ruhm und Ehre
  • ›Ménos‹ ist das idealtypische Charakterbild für Tatendrang (Ehrgeiz),
    krankhaftes Machtstreben und Größenwahn
  • Ruhm und Ehre (kléwos) sind höchstes Lebensziel
  • Die Ehrung und Vergöttlichung der sexuellen Potenz des Mannes

 »Charakteristisch für die herr­schende Kaste der verschiedenen Heldenzeitalter – laut dem englischen Historiker H. Munro Chadwick ›ihrem Wesen nach barbarische Perioden‹ – ist, dass sie nach Ruhm dürste­te, die Heldentaten von Einzelpersonen verherrlichte, deren Körperkräfte maßlos übertrieben darstellte und sie in die Nähe von ›gottähnlichen Wesen‹ rückte.« (Samuel N. Kramer ›Geschichte beginnt mit Sumer‹ 1959, S. 153)

Die Sucht des patriarchalen Mannes nach Macht,
Ehre und Ruhm

Menes/Meni, die mysteriös-mythische Gestalt, die in Ägypten etwa gleichzeitig mit Hor-Narmer in der 0-Dynastie um 3000 auftaucht, wird oft mit Narmer oder mit Aha gleichgesetzt. Zahlreiche Autoren haben sich an dieser ›Figur‹ abgearbeitet; ohne Erfolg. Erstaunlicherweise oder eben nicht erstaunlich ist, dass niemandem die sprachliche Ähnlichkeit von ›mn‹ mit dem indoeuropäischen Mann, dem englischen man und men, dem griechisch-indoeuropäischen Minos etc. aufgefallen ist. Der Name Menes leitet sich tatsächlich von der indoeuropäischen Wortwurzel manu (Mensch, Mann, Manu) ab. Varianten der Bezeichnung ›Menes‹ sind aus vielen Gegenden und ihren unterschiedlichen Sprachen bekannt.
Wir begegnen ihm in Indien als ›Manu‹, dem Sohn von Brahma, einem der Hauptgötter des arisierten Indiens. Er gilt wie Abraham, der auch Vater Brahm genannt wird, als religiöser ›Stammvater der Menschen‹; d.h. mindestens als Stammvater der patriarchalisierten Völker. In der altvedischen Sprache Indiens bezeichnet Manu einen arischen Priester. In der altavestisch-arischen Sprache des Ostirans erscheint Manu als Königsgestalt ›Manu-t-scher‹. Mannus ist auch der Urmensch und sagenhafte Stammvater und brutale Draufgänger der Germanen.

›Ménos‹ ist das idealtypische Charakterbild für Tatendrang (Ehrgeiz),
krankhaftes Machtstreben und Größenwahn.

Manu dürfte mit dem für die Ägyptologen rätselhaften Menes in Ägypten identisch sein. Wahrscheinlich hat die mythische Gestalt ›Menes‹ am Beginn der dynastischen Geschichte Ägyptens den gleichen Sinn und Zweck wie im frühen Iran und im späteren Indien, wo er als religiöser ›Stammvater‹ und Begründer der männlich-patriarchalen Dynastie der ›göttlichen‹ Könige überhöht wurde und in Gestalt eines Priesters der arischen Priesterkaste auftrat, der auf der religiösen Ebene den patriarchalen Mann vertritt.
Mit dem patriarchalen Mann und der Patriarchalisierung der Welt beginnt überall die Abwertung und Entrechtung der Frau. Im indischen Gesetzbuches Manusmriti, das vom ebenfalls mythischen Manu verfasst worden sein soll, wird die Rolle der Frau, ihre Kontrolle und Domestizierung schriftlich festgelegt, was auch durch Vergewaltigung erreicht werden kann. Nach Manu neigt die Frau von Natur aus zum Bösen. Sie ist haltlos und sinnlich und muss deswegen ständig vom Mann ›beschützt‹, d.h. unter Kontrolle gehalten werden. So darf die Frau niemals unabhängig sein; als junges Mädchen gehört sie ihrem Vater, als Verheiratete ihrem Ehemann und als Witwe ihren Söhnen und Verwandten. Das wichtigste Ziel einer Frau muss sein, Söhne zu gebären, darin liegen ihre Existenzberechtigung und ihre soziale Anerkennung. Der altarische (altpersische und altindische) Mith-Ra will ›in den kräftigen Besitz von Söhnen gelangen‹. Kinderlos gilt als Verfluchung der Frau, die da lautet: ›Kinderlos mögest du werden und üblen Ruf mögest du bekommen.‹ Mithra ist es, welcher Kindersegen schenkt; er heißt daher ›Geber von Söhnen‹.
Die Parallelen zu den patriarchalen Mono-Religionen sind auffallend. Wir finden die ständige Abwertung der Frau sowohl in der Bibel wie im Koran wieder, aber Jahrtausende davor – nach der indoeuropäisch/arischen Eroberung – schon in Ägypten. Diese Tatsache wurde von den ÄgyptologInnen nicht beachtet, weil diese ganz im Banne der bewunderten Pharaonen sind, der – wie sie behaupten – ›wie ein gütiger Vater für sein Volk sorgte‹.

Der Indo-Europäer-Forscher und Sanskrit-Gelehrte Jean Haudry beschreibt die Merkmale und Eigentümlichkeiten der Indo-Europäer ausführlich in seinem Buch ›Die Indo-Europäer‹ (1968). Er erkannte in Menos ein ›Charakterbild‹, das für den exzessiven Tatendrang der Indo-Europäer und ihre Gewalt, die auf HERR-lichkeit, Ruhm, Ehre, Macht, Prestige und reiche Beute, Arbeits- und (Sex-)Sklavinnen aus ist. Später wird das Beute-machen in der indoeuropäisch-patriarchalen Bibel als Belohnung für kriegerische Erfolge positiv sanktioniert (s. z.B. 4. Mose 31;2). Die drei Gottes-Attribute (Herrlichkeit, Macht und Ruhm) sind »in abgewandelter Form im Vaterunser zu finden« (s. Harald Specht ›Jesus?‹ 2010, S. 507).
Nach den erfolgreichen Eroberungen der friedlichen matriarchalen Welt, stellten sich die Indo-Europäer im »Bild eines stolzen Kriegeradels vor, der das Leben, die weiten Räume, die irdischen Güter und vor allem den Ruhm schätzt, der sich zu Friedenszeiten der Viehzucht, dem Reiten und der Jagd widmet.« (Haudry)

»Für diese Männer ist der ›Charakter‹, der Tatendrang (= ménos) die Haupteigenschaft des Menschen und der Ruhm (kléwos) das höchste Lebensziel.« (Haudry)

Der patriarchale indoeuropäische Adel scheut und verachtet die Arbeit der Hände. Der indoeuropäisch/arisch- babylonische Gott Ea belastet die Menschheit mit der Arbeit der Götter und befreite den indoeuropäischen Adel, die Herrscher und Götter so von der Mühsal der Arbeit. Ihr Streben galt der Macht, der Ehre und dem Ruhm. »Es gibt bei den Indo-Europäern eine Aristokratie, deren Hauptbeschäftigung der Krieg ist; diese Aristokratie prägte die ihr nachfolgenden Regierungsformen erheblich… Tacitus‘ Germania liefert uns das Bild einer ›Nation in Waffen‹.« (Haudry ibd. S. 131)

Von den Dichtern besungen, verhilft der Sieg dem Krieger zum ›unverwelklichen Ruhm‹. 

Nur das heute geschönte Kriegshandwerk, das dem Beutemachen, dem Raub des Landes, der Tiere, der Güter, der Kunstwerke, der Bodenschätze und nicht zuletzt der Verschleppung der Frauen und dem Beschaffen von Arbeits- und Sex-SklavInnen diente, brachte dem ›Helden‹ Ehre, Ruhm und die Verfügbarkeit über Menschen, die für ihn arbeiteten und (sexuell) zur Verfügung zu stehen hatten. Vergessen wir dabei nicht, wie sehr sich dieses Bild vom heldenhaften Mann in den Raubzügen durch Kolonisierung und Krieg und der Vergewaltigung von Frauen bis heute wiederholt hat. Selbst der Holocaust war ein Raubzug. Er geht von den Goldzähnen, den Haaren, dem Schmuck, der Kleidung, den Schuhen bis zur Aneignung der jüdischen Fabriken, ihren Verkaufsgeschäften, den Autos, den Häusern, den Mobilien bis zum Raub der Werke der Kunst. Es war ein einziger Beutezug an dem sich viele Deutschen an der Hinterlassenschaft der ermordeten Juden schamlos bereicherten. Doch mit diesen Schandtaten verwelkte auch der so sehr erhoffte Ruhm und das Ansehen der Deutschen in aller Welt.

Menes ist keine historische ›Figur‹

»Der ménos, und insbesondere der gewaltige ménos des Kriegers, ist ruhmsüchtig; unverwelklicher Ruhm, wenn er vom Dichter besungen wird… Wer diesen Tatendrang, diese Charakterstärke besitzt, soll den Charakter eines Herrn (ner-menes) haben.« (Haudry ibd. S. 25 und 26) Selbstverständlich kann ›nr-menes‹ auch ›Nar-Menes‹ gelesen werden und es wird interessant, wenn wir zu Ägyptens Narmer übergehen.

Gewalt, Draufgängertum und Ruhmsucht wurden mit der Eroberung Ägyptens institutionalisiert. Adolf Erman, der wie alle Ägyptologen die frühe Eroberung Ägyptens um 3000 nicht zur Kenntnis genommen hat, berichtet aus der Zeit des Neuen Reiches 1500 Jahre später von der Kriegslüsternheit der Herrschenden. »…vor allem unter den Königen der 18. Dynastie scheint eine Art kriegerischer Begeisterung größere Teile des ägyptischen Volkes ergriffen zu haben, und wie in den ›Annalen‹ Thutmosis III. etwa der persönliche Mut des Königs verherrlicht wird, das gehört zu den uns geradezu unägyptisch anmutenden Dingen dieser Epoche, in der die Ägypter zum ersten mal mit den anderen Völkern der alten Welt in wirklich nahe Berührung treten.« (Adolf Erman ›Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum‹ 1984 (1923), S. 621) Wie wir wissen, waren insbesondere die  Herrscher der 18. Dynastie eng mit den indo-arischen Mitanni liiert oder stammten selbst aus deren Herrscherschicht. Und der ›größere Teil, den eine Art Art kriegerischer Begeisterung ergriffen hatte‹, waren deren Soldaten und wohl keine Ägypter. Daraus erklärt sich das Adolf Erman aufgefallene ›unägyptisch anmutende‹ Verhalten; die Pharaonen waren tatsächlich keine Ägypter. Sie gehörten zu den kriegerischen indoeuropäisch-arischen Eroberern, die unterdessen die ganze damalige Welt beherrschten.

In Grabinschriften von Offizieren dieser Könige heisst es:

»Sie sprechen von den Kriegen als seien sie kein notwendiges Übel sondern das höchste Glück des Lebens. Mit Stolz erzählen sie uns, wenn sie für ihre Leistungen im Kriege ›das Gold der Tapferkeit‹ vom König erhalten haben… Unter den Königen der 19. Dynastie gilt die Kampfesfreude schon ebenso als eine selbstverständliche Herrschertugend wie die Ehrfurcht gegen [Gott] Amon. Er schneidet den Empörern die Köpfe ab und hat eine Stunde des Kampfes lieber als einen Tag des Jauchzens. Wenn dem König gemeldet wird, dass die Anführer der Stämme der Beduinen sich verbündet haben und die Gesetze des Palastes verachten, so freut sich seine Majestät darüber. Denn der gute Gott jauchzt beim Beginn des Kampfes, er ist froh, wenn man sich gegen ihn auflehnt, sein Herz ist zufrieden, wenn er Blut sieht.« (Adolf Erman ibd.  S. 631)

Ruhm und Ehre (kléwos) sind höchstes Lebensziel

»Angesichts der Vielzahl von Formeln in denen der Ruhm vorkommt, erscheint kléwos, als der vorherrschende Gedanke«, schreibt Haudry. »Dieser Ruhm ist der Elite eigentümlich, klewos nérom, der Ruhm des Herrn; ner [nar, ist, wie wir gesehen haben, auch im Namen Nar-mer enthalten] bezeichnet den Mann höherer Klasse im Gegensatz zum gemeinen wiro. Der Ruhm verschafft die Macht; er fördert die Bündnisse, hält die Verbündeten zur Treue, die Untertanen zum Gehorsam an.« (Haudry ibd. S. 26, Hvhb. DW) Ursprünglich bedeutete das alte Wort ›wiro‹ einfach ›Mann‹, althochdeutsch ›wer‹, Mensch und Mann. In Ägypten wird ›wer‹ ›der Große‹, ›der Größte‹, als Beiwort mächtiger [ursprünglich indoarischer] Götter wie Horus und Ra gebraucht (Helck LÄ,VI,1221).

Der neue, d.h. der patriarchale Mann, dessen IdealbildTatendrang (= ménos) und Ruhm (kléwos) ist, will aber noch einen anderen Aspekt seiner selbst  propagieren:

Männliche Sexualität, Potenz und Zeugungskraft.

Die Ehrung und Vergöttlichung des Penis und der sexuellen Potenz des Mannes

Dasmännliche Zentralorgan‹ ist nicht etwa das Hirn, sondern »das Wunderwerk Penis, der ganze Stolz aber auch die größte Sorge des Mannes. Kein anderer menschlicher Körperteil führt solch ein Eigenleben wie das beste Stück des Mannes.« (Scobel, 3sat, September 2016) Die Angst vor dem Versagen oder die tatsächlichen Probleme, die dieses Wunderwerk (sic!) dem ›göttlichen Ebenbild‹ Mann schaffen, sind seine grösste narzisstische Kränkung. Dass Frauen diese Probleme nicht haben, mag ein Grund des Neides vieler Männer sein. Leider werden dem Funktionieren dieses Wunderwerkes, jährlich tausende Elefanten und Nashörner geopfert. So weit kann es also mit dem ›Wunderwerk‹ nicht sein.
Mit dem mythischen Menes tauchen zur Zeit der Eroberung in Koptos am Roten Meer zwei künstlerisch primitive Monumental-Statuen des Gottes Min (Menes/Mann) auf. Mins linke Hand umschließt die Wurzel des übertrieben dargestellten – übrigens später abgefallenen oder abgeschlagenen – Penis, seine Linke hält die Geißel, das Symbole der Machtübernahme des Mannes. Es ist der Beginn des allmählichen Übergangs vom Matriarchat in die Herrschaft des Patriarchats. (Die Statuen befinden sich im Ashmolean Museum in Oxford)

Die Entdeckung der Vaterschaft führte zum ›göttlichen‹ Phalluskult

Der Phallus wird, wie die Keule, zum Symbol männlicher Macht und ersetzt die Vulva, die als Tor zum Leben seit jeher verehrt wurde.  (s. Doris Wolf ›Das wunderbare Vermächtnis der Steinzeit und was daraus geworden ist‹ 2017, S. 253–266)

Gott MinMin (Menu) ist der erste antropomorphe (menschengestaltige) männliche Gott in Ägypten. Er stellt Gott als Mann und den Mann als superpotenten, den Göttern wesensgleichen Übermenschen und als ›Idealtypische Königsfigur‹ dar. Ab jetzt wird der Phallus dieses ›interessante Organ‹ (wie der Arzt und Ägyptologe A.P. Leca meint!) während der ganzen dynastischen Zeit verehrt. Mit der Erschaffung des Gottes Min wird der sexuelle Aspekt des mythischen Menes, des heldenhaften, unbesiegbaren, ruhmreichen Mannes mit dem Mythos seiner andauernden sexuellen Potenz aufgemischt. Der phallische Mann und seine aggressive Macht und Gewalt gegen Frauen ist bereits in den Pyramidentexten zu erkennen, wo Min als »Priap, als Gott der Zeugung, die Weiber raubt und als Herr der Mädchen« genannt wird (Adolf Erman). Zu sehen ist Macht und Gewalt des Phallusträgers auch auf der Narmer-Palette. Narmer hält in seiner Rechten die birnenförmige Keule, die in seiner Darstellung und Platzierung den Penis symbolisiert und den Beginn des Phalluskultes markiert wie er im ityphallischen Gott Min vertreten wird. Die Keule mutiert in der Hand Narmers zur phallischen Überhöhung der sexuellen Potenz und verbindet sich mit der Gewalt zum Zeichen phallischer Tötungsmacht. Im Laufe der Zeit wird Min mit andern Göttern verknüpft, sogar zum Ur- und Schöpfergott überhöht, »was der allgemeinen Tendenz  des ägyptischen Götterglaubens entspricht, der seine großen Götter gern an den Uranfang rückt, um eben dadurch ihre Einzigartigkeit eindringlich zu machen.« (Hans Bonnet ›Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte‹ 1971, S. 463) »Im Mittleren Reich wurde Amun synkretisch mit dem alten Fruchtbarkeits- und Zeugungsgott Min verbunden, dessen wichtigste Kultorte in Koptos und Achmim lagen.« (Arne Eggebrecht ›Das Alte Ägypten‹ 1984, S. 258)

Auffallend ist, dass die Darstellung des Min mit dem erigierten Penis von den WissenschaftlerInnen nie als pornographisch bezeichnet wird, während die nackten Frauenstatuetten von ihnen immer wieder als anstössig und schamlos diffamiert werden.

Min war eine Erfindung der arischen Priesterkaste der Eroberer

Min und die asiat. Reschef

Stele aus dem Künstler- und Handwerker-Viertel von Der el-Medina. 19. Dynastie, 13. Jahrhundert, Britisches Museum, nach Richard H. Wilkinson ›Die Welt der Götter im Alten Ägypten – Glaube Macht Mythologie‹ 2003, S. 164)

Auf der Stele wird die syrische Göttin Kadesch flankiert vom ursprünglich asiatischen Gott Min und ihrem Gatten Ra-Chef, dem Chef-Gott der Arier (Reschef); typisch für die Arier sind bei Hochgestellten das Stirnband, der Spitzbart und der typische kurze Rock, den genau so auch die Pharaonen tragen.

Die Indo-Europäer führten den ›göttlichen‹ Stierkult ein

Der klassische Autor Aelian berichtet, Menes habe den Stierkult eingeführt.
In der Tat war dem Gott Min ein Stier zugeordnet.

Die indoeuropäischen Erobererhorden waren ursprünglich Rinderzüchter, weshalb sie den Stierkult in Ägypten einführten und die Kuhgöttin Hat-Hor (Haus des Horus) mitbrachten. »Die archäologischen Daten scheinen das zu bestätigen. Sicherlich existierte der Kult bereits unter der ersten Dynastie. Die frühen dynastischen Könige wurden oft als Stiere abgebildet.« (Walter B. Emery ›Ägypten – Geschichte und Kultur der Frühzeit‹ Wiesbaden 1964, S. 134) Die Eroberer Ägyptens verehrten den Apis-Stier, den ›Stier des Himmels‹. Er war identisch mit Min, dem Gott der Zeugungskraft und eine Erscheinungsform des durch und durch indoeuropäischen Pitar, der in Ägypten als Vater-Gott Ptah auftrat. Der Apis­-Stier wurde nach besonderen Merkmalen ausgewählt: Genau wie das horitisch/hurritisch/hethitische Stierpaar ›Hurri‹ und ›Cheri‹ (Huri und Khouri) wurde auch der ägyptische Apis­-Stier nach besonderen Merkmalen selektiert und die waren bei den indoeuropäischen Horitern/Hetithern und in Ägypten die gleichen: eine Blesse in Form ei­nes Dreiecks auf der Stirn, eine Mondsichel auf der Seite, ein fliegen­der Geier auf dem Rücken und eine schwarze Schwellung unter der Zunge, »diese Voraussetzungen mussten mindestens zum Teil vorhanden sein.« (Petrie ›Religious Life in Ancient Egypt‹ 1932, S. 10) Bei den meisten dieser Zeichen handelt es sich um ›lunarsymbolische Merkmale‹ (Doris F. Jonas)

Stierfigur 11 Weib und Macht

Die Stierfigur aus Ton aus der spätminoischen III-Zeit aus dem Palast von Phaistos hat genau die gleichen Merkmale wie Apis in Ägypten und Hurri und Cheri im patriarchalisierten Mesopotamien. (Museum in Herakleion)

In Mesopotamien, das von den kriegerisch-patriarchalen Indo-Europäern und den mit ihnen verbündeten Ariern ebenfalls erobert wurde,  taucht etwa zeitgleich wie in Ägypten der Stier in der Glyptik der Uruk- und Djemdet Nasr-Periode auf.  Der Minotauros, der später auch  im indoeuropäisierten Griechenland erscheint, wird in der griechischen Mythologie als ein Wesen mit menschlichem Körper und einem Stierkopf verehrt. Es ist eindeutig so, dass der Stierkult eine Erfindung der indoeuropäischen Viehzüchter ist, der in allen indoeuropäisierten und patriarchalisierten Kulturen anzutreffen ist.
In den Mythen des antiken Griechenland ist der legendäre Minos, der Sohn des ›Weltenbeherrschers‹ Zeus, eine bekannte Gestalt der kriegerischen Heldenzeit. Doch »der Held kann überhaupt kein Held sein, wo es kein Mutterrecht mehr gibt, denn im Vaterrecht reduzieren sich alle Kämpfe auf die Erhaltung des bereits Erworbenen oder Ererbten. Es sind Rechtsstreitereien und Machtkämpfe. Sie drehen sich nicht mehr um den Beweis von Mut, sondern um Besitz und Eigentum.« (Ernest Borneman ›Das Patriarchat‹ 1975, s. 148)

Wie das Auftauchen des mythischen Menes in Ägypten,
signalisiert Minos in Griechenland die Übergangszeit vom Matriarchat ins Patriarchat.

(Dieser Artikel wurde zuerst am 26.9.2014 veröffentlicht und zuletzt am 24.8.20 aktualisiert)


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