Wer war Echnaton?

Aus dem Inhalt:

  • Die familiäre Herkunft
  • Die Beziehungen der 18. Dynastie Ägyptens
    zu den Indo-Europäern/Ariern
  • Nur Echnatons Königsname und Titulatur sind ägyptisch
  • War Echnaton ein indoarischer Mitanni-Prinz?
  • Echnaton war nicht der Schöpfer des Sonnengottes,
    aber er überhöhte ihn schwärmerisch und nannte sich ›Sohn-Gottes‹
    und seinen ›einzigen Sohn‹
  • Die Mutter-Göttin wird eliminiert und durch einen Vater-Gott ersetzt
  • Echnaton, ein inzestuöser Kinderschänder
  • Amarna und das plötzliche Ende einer Stadt
  • War das Verlassen Amarnas eine Flucht?
  • War Echnaton der Bruder von Moses und mit Aaron identisch?
  • War das Ende von Amarna auch das Ende Atons,
    des Sonnen- und Lichtgottes?
  • Ein skrupelloser Ausbeuter und Kindersklavenschinder
  • Ein narzisstischer Egomane und größenwahnsinniger Machtmensch
  • Wer war Tutanchamun?

Eine etwas andere Sicht auf den weltberühmten ›ersten Monotheisten‹

 Es geht hier nicht darum, der riesigen Zahl von Arbeiten zu Echnaton eine Variante mit kleinen Änderungen beizufügen, sondern eine These zu entwickeln, die so noch nicht gedacht wurde. Ich werde deshalb aus dem was bereits über Echnaton geschrieben wurde, meine eigenen Schlussfolgerungen ziehen. Doris Wolf

Echnaton ist eine geheimnisvolle Figur, schon seine Herkunft bleibt seltsam dunkel und befremdend. Echnatons wird von patriarchalen Wissenschaftlern als erster Monotheist gefeiert und idealisiert.

Die familiäre Herkunft

Echnatons Vater ,Amenophis III., regierte etwa von 1388–1350, seine Mutter war Teje. Doch Echnatons Herkunft ist nicht gesichert. Echnaton (Amenophis IV.) wird nie als Sohn von Amenophis III. aufgeführt. »Sein Name ist auf den vielen Inschriften Amenophis III. nie erwähnt, obwohl man dies für einen [möglichen] Erbprinzen erwarten würde. Er und sein Vater sind auf den Flachreliefs nie zusammen dargestellt.« (Immanuel Velikovsky ›Oedipus and Akhnaton – Myth and History‹ 1960 S. 51 f.) Dies wird von einem seiner ›Biographen‹, Arthur Weigall, bestätigt: »Wir haben keinen Beweis für das Vorhandensein Echnatons bis in die späteren Jahre der Regierungszeit von Amenophis III., als seine Heirat mit Taduchipa (Tadu-Hepat), Nofretete von Mitanni, vereinbart wurde. Auf den Kolossen von Medinet Habu erschienen drei Töchter der Tiy (Teje), aber noch immer kein Sohn.« (Arthur Weigall ›Echnaton – König von Ägypten und seine Zeit‹ 1923, S. VIII) Anderseits erwähnte Echnaton auch seinen Vater Amenophis III. auf keinem seiner Monumente.

Die Beziehungen der 18. Dynastie Ägyptens zu den Indo-Europäern/Ariern

»Den Ariern Kleinasiens gelang es Ende des 16. Jahrhunderts eine eigenes starkes Reich im Osten Kleinasiens zu gründen, welches sie Mitanni nannten. Alle Könige dieses Reiches trugen arische Thronnamen. Sie waren ethnisch und kulturell eng verbunden mit den Arier Dynastien Syriens und Palästinas.« Selbst Jerichos Name war arisch: Ari-ha. (Jahanshah Derakhshani ›Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends« 1999, S. 172) Der Gründer der königlichen Dynastie von Mitanni, Kirta, hatte einen indo-arischen Namen. Viele Mitanni-Könige hatten zu tun mit Pferden und Streitwagen. (W.F. Albright)

Arische Streitwagenkämpfer, sog. ›maryannu‹, 15./14. Jh. bei den Mitanni und in der Levante. Die Arier bringen ihrem König in Ägypten ihre Tribute. Sie werden auch in den Amarna-Briefen erwähnt. (nach Derakhshani ibd. 1999, Abb. 26)

Die Pharaonen der 18. Dynastie Ägyptens (von ca. 1550 bis 1300) pflegten auffallend enge Beziehungen zu den indoarischen Herrschern im Norden Syriens, dem Reich der Mitanni-Hurriter. Sie waren wahrscheinlich nicht nur durch die Heirat mit den Prinzessinnen der arischen Mitanni-Herrscher mit ihnen verwandt, sondern waren selbst Prinzen aus Mitanni. »Die Könige von Mitanni (16. bis 13. Jahrhundert) tragen ausschließlich arische Namen und die Namen der Fürsten Syriens und Palästinas der Amarna-Periode (15. bis 14. Jahrhundert) sind zum größten Teil arisch.« (Derakhshani ibd.  1999, S. 152) In seinem 10. Regierungsjahr zu Beginn des 14. Jahrhunderts schickte Suttarna II. von Mitanni eine seiner Töchter, Kelu-Hepat, in den Harem von Amenophis III. Diese traf als erste mit einem Gefolge von 317 Frauen in Ägypten ein. Ihr folgte Prinzessin Tadu-Hepat, die ebenfalls nach Ägypten verkuppelt wurde. Es wird vermutet, dass es sich bei Kelu-Hepat um Nofretete handelte; beide Frauen wurden nach der Sonnengöttin Hepat benannt. Schon Flinders Petrie vermutete, sie sei eine der mitannischen Prinzessinnen indoarisch-hurritischer Herkunft. (Dossier d’Archéologie 160, Mai 1991) Dietrich Wildung setzt dagegen, die DNS-Analyse habe ergeben, dass Nofretete eine Cousine Echnatons war; doch dieser Befund könnte die Herkunft der Beiden aus Mitanni eher bestätigen als widerlegen.
»Die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Mitanni und Ägypten manifestieren sich u.a. auch darin, dass Suttarna auf die Nachricht von einer Krankheit des Pharaos hin diesem das heilkräftige Standbild der Göttin Ishtar«, hurritisch Sawuska (Schawuschka) aus dem hurritisch-mitannischen Ninive nach Ägypten schickte (Gernot Wilhelm ›Grundzüge der Geschichte und Kultur der Hurriter‹ 1982. S. 40). Ein nicht zu unterschätzender Vorgang, der verschiedene interessante Komponenten hat. Es zeigt die engen Beziehungen; man hält eine ›fremde Göttin, aus einem fremden Land‹ für die Heilungschancen des Herrschers als hilfreicher – wahrscheinlich aber eher als vertrauter – als jene einer der ägyptischen Göttinnen, denen man ebenfalls magische Heilkraft zuschrieb.

»Wir treffen nahezu überall auf indoeuropäische Dynastien, die über einzelne Fremdvölker herrschen, wie die arischen Mitanni-Herrscher.« (Jean Haudry ›Die Indo-Europäer‹ 1986, S. 160)

Mitanni-Karte2

Das zu Syrien gehörende Reich der Mitanni »hatte eine hurritsch-sprachige Bevölkerungskomponente, der vor allem die Oberschicht einschließlich der Herrscher angehörte.« (Gernot Wilhelm ›Grundzüge der Geschichte und Kultur der Hurriter‹) »Die Mitanni-Sprache und Hurritisch sind miteinander identisch.« (Albrecht Götze ›Hethiter, Churriter, Assyrer‹ 1936)

Nur Echnatons Königsname und Titulatur sind ägyptisch

Es war der Ägyptologe E.A. Wallis Budge, der auf der größten und am deutlichsten geschriebenen Keilschrifttafel der Amarna-Briefe den Adressaten Amenophis III., den Vater Echnatons, als Nibmu-Ariya entzifferte (s. Nicholas Reeves ›Echnaton – Ägyptens falscher Prophet‹ 2002, S. 73). Echnaton selbst wird in den an ihn adressierten Briefen ebenfalls als Arier mit Nibmu-Ariya, Nap-Hurria oder Nap-Haria angeschrieben. Dies scheint auch so bei den indo-europäischen Hethiter-Königen gehandhabt zu werden. »Ihre Namen folgen zwar der einheimischen Herrschertradition, doch dies sind nur Thron-Namen, die sie bei Regierungsantritt annahmen. Ihre persönlichen Namen waren dagegen hurritisch. Vermutungen gehen deshalb dahin, dass die Königs-Dynastie des hethitischen Großreichs hurritischer Herkunft war.« (Gernot Wilhelm ibd. 1–1979, S. 77) Erstaunlicherweise, oder wahrscheinlich eher, um Echnatons arisch-hurritische Herkunft zu verschleiern, »ziehen es  die Ägyptologen jedoch vor, die hieroglyphischen Namensfassungen in der ihnen üblichen Aussprache als ›Nebmaatre‹ und ›Nefercheprure‹ wiederzugeben.« (David Rohl ›Pharaonen und Propheten‹ – Das Alte Testament auf dem Prüfstand‹ 1996, S. 193)

Amarna-BriefSogenannter Amarna-Brief. Tontafel der Amarna-Korrespondenz um 1350, vom Jerusalemer Kleinfürsten Abdi-Hepat an den ägyptischen Pharao.

Hepat, die Große Göttin des mächtigen indoarischen Volkes der Horiter wird schon in den Pyramidentexten des Pepi I, im Alten Reich erwähnt.

Die Anwesenheit der Grossen Göttin Hepat bezeugt, dass die Indo-Europäer/Arier zwar die Erfinder der ersten männlichen Götter nach dem Vorbild der despotischen Herrscher waren, doch war die wichtigste und  ursprüngliche Gottheit, Hepat, weiblich, d.h. die Indo-Europäer waren  eindeutig nicht ›schon-immer‹ patriarchal.

War Echnaton ein indoarischer Mitanni-Prinz?

Die beinahe 400 auf Ton geschriebenen Amarna-Briefe wurden in Keilschrift abgefasst. Das ist  befremdlich, denn selbst wenn sie von Akkadern, Babyloniern, Assyrern, Hethitern, Persern  verwendet wurde, ist es keine in Ägypten verwendete Schrift. Die Briefe enthalten die Korrespondenz mit den Herrschern der damals mächtigsten Staaten, wie dem Reich der Hethiter in Anatolien, des südlich davon gelegenen Mitanni und des Baylonischen Reiches in Mesopotamien. Auffallend aber ist, dass die meisten der Briefe von den Herrschern der kanaanäischen Stadtstaaten (der Levante) stammen, die zu jener Zeit ägyptische Vasallen waren, die »sogar ihre Namen in ägyptischen Hieroglyphen schrieben und  ägyptische Titel trugen.« (Wikipedia ›Byblos‹) Die Korrespondenz war jedoch größtenteils in Akkadisch geschrieben. Es handelte sich um Mitanni-Akkadisch die zeitweise die Sprache der internationalen Korrespondenz in Vorderasien war. Dass dies die ›Lingua Franca‹ jener Zeit gewesen sei, ist für diese Briefe eine zu dünne Erklärung; schon die Etikette würde verlangen, dass der Herrscher eines Landes, insbesondere von seinen Vasallen, in seiner eigenen Sprache und Schrift angeschrieben wird. Die Amarna Briefe verraten Echnatons indoarische Herkunft als Mitanni-Hurriter und seine Sprache als Mitanni-Akkadisch. Akkadisch ist eine semitische Sprache, die stark vom Sumerischen beeinflusst wurde, das heisst, es ist eine Mischsprache.

Echnaton war nicht der Schöpfer des Sonnengottes, aber er überhöhte ihn schwärmerisch, nannte sich ›Sohn-Gottes‹ und seinen ›einzigen Sohn‹

Re oder Ra als Sonnengott mit der Sonnenscheibe

Re oder Ra als Sonnengott mit der Sonnenscheibe

Die indoeuropäischen Eroberer aus dem kalten Norden waren Sonnenanbeter, sie erfanden verständlicherweise einen Sonnenkult mit weiblichen und männlichen Sonnengottheiten, die sie bei ihren Eroberungen mit in die südlicheren Länder brachten. In den tropischen und subtropischen Zonen, wo die erbarmungslose Glut der Sonne lebensgefährlich sein kann, war es eine Mond- und Sternengöttin, die Schönheit und die Kühle der Nacht, die aus ebenso einsichtigen Gründen verehrt wurde.
Echnaton machte den nordischen Sonnengott zum Vatergott zu einem henotheistischen, höchsten und allen anderen Göttern überlegenen Gott. Wie schon Echnatons Vater Ame­nophis III. und Amenophis II. förderte Echnaton den zweifellos indoeuropäischen Sonnenkult aus dem Norden, aber er hat ihn nicht erfunden. Schon ab der 4. Dynastie bezeichnet sich der König als ›Sohn des Re‹, als ›Sohn Gottes‹. Auffallend ist, wie inbrünstig Aton von Echnaton angebetet wird. Immer wieder beschwört er ihn als ›seinen Vater Aton‹, sich selbst als ›seinen einzigen Sohn‹. Ist die Nähe zum christlichen Glauben mit dem Vatergott und Jesus als seinem einzigen Sohn nicht erstaunlich?
Auf einer Felsinschrift in Amarna ist festgehalten: ›Es war Aton, mein Vater, der mich herführte‹, oder ›Ich baue den Tempel für Aton, meinen Vater in Achet-Aton‹. Aton ist kein ägyptischer Name, sondern die indoeuropäische Bezeichnung für Vater. Wir kennen At, Ata, Ati, Aton, Atum, den hurritischen Attai und den urartäischen Ate, Atatürk, den Vater der Türken, aber auch den mittelhochdeutschen Atte, den althochdeutschen Atto, den schweizerdeutschen ›Ätti‹; sie gehören alle zur indoeuropäischen Sprachfamilie.

Echnaton mit Familie unter der Aton-Sonne

Echnaton mit Familie unter der Aton-Sonne

Es muss mit der Kindheits-Biographie Echnatons zusammenhängen, wahrscheinlich mit Verletzungen und Traumata, dass er seinen biologischen Vater durch einen phantasierten, überirdischen, allmächtigen göttlichen Vater, einen zugewandten, idealen Traumvater ersetzte und ihn grandios überhöhte, mit dem er sich alle seine Kinderwünsche und Sehnsüchte nach dem ›guten‹ Vater erfüllte. Wie alle Götter war auch Aton ein Phantom infantiler Projektionen. Diesem überdimensionalen Vater-Gott-Wesen konnte Echnaton alle jene positiven Attribute zuschreiben, die sein eigener offenbar nicht hatte. Es scheint, dass auch heute noch Priester, die sich einer Vatergott-Religion verschreiben, im Allgemeinen ein schwieriges Verhältnis zu ihrem irdischen Vater haben. Echnaton phantasierte sich als des göttlichen Vaters Aton – zu dem nur er Zugang hatte – Sohn, als der von ihm ›Auserwählte‹. Wie Echnaton reklamierte dann auch Moses ›Auserwähltsein‹ für sich und ›sein‹ Volk, später auch Jesus und alle seine Nachfolger, die fest davon überzeugt sind, von Gott ›persönlich‹ auserwählt und ›berufen‹ worden zu sein.
Eine andere Parallele Echnatons sehen wir ebenfalls noch im Christentum: Wie die Päpste sich als ›Stellvertreter Christi‹ sehen, sah sich schon Echnaton »nicht nur in der Rolle eines Gottessohnes, sondern als ausschließlichen Mittler, ja geradezu als Spender des Lebens für die Menschen und als Stellvertreter für den fernen Gott. Kein Pharao vor oder nach ihm hat Ähnliches von sich gelehrt.« (Emma Brunner-Traut und Hellmut Brunner, ›Osiris Kreuz und Halbmond‹ 1984. S. 82) Echnaton ist Gottes Sohn: ›der aus deinem Leibe kam‹, heisst es im Hymnus an die Sonne. Immer wieder begegnen wir bei überspannt narzisstischen Männern der Behauptung, Männer und männliche Götter könnten Kinder gebären:

»Der Gott von Echnatons ›Religion‹ ist Echnaton selbst.« (J. P. Allen)

Echnaton ein inzestuöser Kinderschänder

Es ist auffallend, sexuelle Gewalt ist eine Tragödie, die ohne Zweifel mit den patriarchalen Indo-Europäern, der grössenwahnsinnigen patriarchalen Ideologie, den patriarchalen Religionen und ihren patriarchalen Göttern in die Welt gekommen ist. Inzest war offenbar auch für Echnaton eine Selbstverständlichkeit. Die Entmachtung und Entwertung der Mütter im Patriarchat führte zum Machtmissbrauch der Väter. Die heutige, geradezu epidemische sexuelle Gewalt gegen Kinder, vor allem von Priestern, in religiösen Sekten und Familien ist eine Folge der gestrigen Machtüberschreitungen der Väter. Für patriarchale Väter sind Kinder ihr Besitz über den sie ganz selbstverständlich verfügen können wie über Sklaven.
Echnaton – der »große Mystiker« (Bonnet), ein »Prophet wie Je­sus« (Breasted), »mit dem das Sin­gen der Vögel, die Stimmen der Kinder und der Duft der Blumen kommt« (Weigall), »das Genie«, »der Welt erster Idealist« (Weigall), »der fleischgewordene Gott« (Aldred) – schwän­gerte seine eigenen Töch­ter; er war ein inzestuös-pädokrimineller Vater. Die älteste Toch­ter Meryt-Aton gebar ihm ein Mädchen, die neunjährige Maket-Aton be­zahlte den Frevel ihres Vaters mit dem Leben und die dritte Tocher, Anche­senpa-Aton, brachte ei­nen Jungen zur Welt. (s. ›Sexuell missbrauchte Töchter‹ s. Doris Wolf 2009, S. 239-245,  Abb. S. 240)

Echnatons Trauer

Nofretete und Echnaton bei der Trauerzeremonie ihrer neunjährigen Tochter,
die bei der Geburt des vom eigenen Vater gezeugten Kindes starb.

Immerhin verminderte »die Entdeckung dieser Tatsache den Beifallschor, den man in wis­sen­schaftli­chen Kreisen, Laien- und religiösen Zirkeln hörte, wann immer der Name des Reformers und Mo­nothei­sten ausge­sprochen wurde.« (Immanuel Velikovsky ibd. 1960, S. 109) Dazu schreibt Peter H. Schulze: »So groß war die ehrliche Entrüstung mancher Ägypto­logen über diese of­fensichtliche Verkom­menheit der Pha­raonen, dass sie derartige Texte oder Hinweise dar­auf tunlichst in Fachzeitschriften versteck­ten, die nur wenige Kol­le­gen lasen, die ohnehin Bescheid wussten.« (›Frauen im Alten Ägypten‹ 1988, S. 181)

Damit blieben die Ägyptologinnen und Ägyptologen mit dem unrühmlichen Ge­heimnis
un­ter sich, und man konnte vor der Welt die Propa­ganda von der heilen, sittlich-moralisch hochstehenden Welt der verherrlichten Pharao­nen perpetuieren.

Die Frage ist berechtigt, ob die Aton-Religion der Ursprung aller drei patriarchalen Vaterreligionen war? Und ob die monotheistischen Weltreligionen, – die »ein ungeheures Gewaltpotenzial entbunden haben« (Jan Assmann) – einst von einem Sohn aus Frustration, Enttäuschung, aus Wut, Hass und Rache auf seinen irdischen patriarchalen Vater geschaffen wurden?
Echnaton-geschlechtslosOft werden Kinder, die macht- und hilflose Opfer der Willkür, Härte, Lieblosigkeit, dem körperlichen und seelischen Missbrauch und der Vernachlässigung ausgeliefert waren, als Erwachsene zu Tätern, zu Machtmenschen, zu narzisstischen, größenwahnsinnigen Psychopathen und/oder zu religiösen Eiferern, Fanatikern, Propheten und Hasspredigern. Das dürfte bei Echnaton, wie bei so vielen machtgierigen politischen und religiösen Führern, der Fall gewesen sein. »Die Wut, mit der Echnaton die alten Götter, vor allem die von Theben, verfolgt hat, sucht ihresgleichen in der Geschichte des Fanatismus.« (Adolf Erman ›Die Religion der Ägypter‹ 1984, S. 298)  Der religiöse Fanatismus taucht heute vergleichbar mit jenem der barbarischen IS-Islamisten wieder auf.

Echnaton-Skulptur, Museum Kairo

Echnaton verbot den ÄgypterInnen die bisherigen Götter und Göttinnen anzubeten. Sie sollen ausschliesslich Aton in seiner Erscheinung als Sonnenscheibe verehren.
Vor allem der Hass auf die Göttinnen, aber auch auf die Mutter, muss eine Rolle gespielt haben. Echnaton versetzte der Muttergöttin ›Mut‹ den Todesstoß. Nicht nur der Name des Gottes Amun/Amen musste ausgemerzt werden: »schlimmer war es, dass auch die Göttin Mut… verpönt war, denn das Unglück wollte ja, dass ihr Name ge­nau so geschrieben wurde, wie das gewöhn­liche [indoeuropäische!] Wort für  Mutter. Da blieb nichts anderes übrig, als dass wer seinen Hass gegen die Göttin von Theben beweisen wollte, das Wort ›Mutter‹ von jetzt ab in anderer Weise schrieb.« (Erman ibd.) Echnaton übernahm von der aus dem Weg geräumten Muttergöttin die weibliche Schöpfungskraft. Seine nackten, gechlechtslosen Statuen, denen der Penis fehlt, die weiblichen Hüften, die angedeuteten weiblichen Brüste und der dezent schwangere Bauch machen es deutlich: Echnaton, dieser neurotische Narziss, eignete sich weibliche Schöpfungsmächtigkeit an; er will schwanger, Spender des Lebens, will Frau, selbst Mutter und Gebärer sein. Der Grund:

»Als Ursprung der Macht begriff man ehemals die Geburt.« (Roberto Zapperi)

Amarna und das plötzliche Ende einer Stadt

Im 5./6. Jahr seiner Regierung baute sich Echnaton fernab von der Stätte der Amun-Verehrung und der mächtigen und reichen Priesterschaft in Theben seine eigene Stadt, Achet-Aton, wo 50’000 Menschen gelebt haben. In Amarna machten sich Echnaton und seine Frau Nofretete (Nefer neferu Aton Neferet iti) zum Zentrum der Anbetung. Im 17. Regierungsjahr Echnatons soll er im Jahr 1334 nicht einmal 40 jährig gestorben sein. Sein Tod soll der Grund für das schlagartige Ende von Amarna gewesen sein, worauf die Stadt plötzlich und vollständig verlassen wurde; so wird es uns jedenfalls übermittelt. Jedoch ist Echnatons Tod eine unbewiesene Annahme, er verschwand einfach. Auch Nofretete, die Schönheit aus Mitanni – die ›Königin von edler Blässe‹ – entschwand auf mysteriöse Weise, ihre Mumie wurde nie gefunden weder in Amarna noch in Theben. Liegt die Mumie Nofretetes längst im Museum in Kairo, wie Dodson annimmt? Sie verschwand nicht einfach, sondern ihr Name wurde von Neferet-iti ›Die Schöne ist gekommen‹ geändert in Nefer-neferu-Aton und in einer Königs Kartusche geschrieben. Das bedeutet, dass sie als gleichberechtigte Pharaonin mit Echnaton regierte.
Der britische Ägyptologe Aidan M. Dodson vermutet, dass das in aller Eile erstellte Grab für den plötzlich verstorbenen Tutanchamun ursprünglich für eine Frau bestimmt war und zwar für Nofretete. Der Name Tutanchamun’s Mutter (?) oder Stiefmutter (?) Nofretete findet sich auf über einem Dutzend Grabbeigaben in seinem auffallend kleinen Grab. Es scheint, dass das Grab Tutanchamun’s hinter den bemalten Wänden noch weitere Räume verbergen könnte, die einer Königin würdig gewesen wären und dort die Pharaonin begraben wurde. (s. ›Aufgedeckt – Rätsel der Geschichte. Das Geheimnis um Tutanchamun’s Grab‹ 2016) Begleitete Nofretete den jungen Thronfolger nach Theben, wohin er nach der Flucht aus Amarna oder dem eventuellen Tod Echnatons zurückkehrte und den früheren Namen Tut-anch-Aton wieder in Tut-anch-Amun änderte?

War das Verlassen Amarnas eine Flucht?

Ohne Zweifel wurde Echnaton aufgrund seiner radikalen Entmachtung und Enteignung der übermächtigen Priesterschaft von Karnak, wegen seinem harten Vorgehen gegen die Amun-Religion, der Absetzung der während mehr als tausend Jahren verehrten Göttinnen und Götter und der barbarischen Schändung der religiösen Monumente gehasst und verfolgt. Warum musste die Stadt derart überstürzt verlassen werden?

Die Frage, die bisher nicht gestellt wurde: Wohin gingen die ›Auswanderer‹, die Flüchtigen oder Flüchtlinge Amarnas? 50’000 Menschen können nicht einfach so, ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwinden und nirgends wieder auftauchen. An keinem Ort wird in Ägypten ihr Erscheinen erwähnt, weder trafen sie in einer der Städte ein, noch gibt es Spuren dieser Menschenmassen auf dem Land. Wo sind die 50’000 Menschen geblieben? Blieben sie gar nicht in Ägypten, wanderten sie aus?
Es könnte sich  bei dieser Massenflucht um den mythischen Exodus der Juden unter der Führung von Moses gehandelt haben, der von der Archäologie nie nachgewiesen werden konnte. In Numeri 31,17-18, heißt es, dass Moses als Heerführer einer Armee von 12 000 Mann vorstand, aber nicht woher diese Armee kam. Nach dem überstürzten Exodus aus Amarna findet sich auch von Echnatons Armee in Ägypten keine Spur mehr; sie verschwand einfach. Sie dürften die Invasoren sein, die sich auf den Weg nach Palästina machten, wo wahrscheinlich Verwandte Echnatons an der Macht waren. Die Bücher Josua und Richter berichten von den – beschönigend als ›Landnahme‹ bezeichneten Eroberungen der Hurriter, von Brandschatzungen, Vertreibungen, Massakern und der Zerstörung von über 30 Städten; einem Vorgehen, das ganz und gar der Eroberungstaktik der indoeuropäisch-arischen Krieger gleicht.

Zum Problem der umfassenden historischen Lücken, dem Ausblenden, Streichen und Löschen wichtiger Daten z.B. aus den biblischen Quellen und dem Exodus schreibt Bruno Antonio Buike, dass beispielsweise unter Thutmosis III, dem 6. ägyptischen König der 18. Dynastie (er regierte von 1479 bis 1425) Israel ein tributpflichtiges ägyptisches Vasallengebiet war, so dass also Moses bloss innerhalb der Machtsphäre Ägyptens umgezogen ist, aber keineswegs (total) aus Ägypten heraus gegangen ist.

 

Buike vermerkt : »Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Autorin Doris Wolf umstritten ist, so dass ihre alternative und frauenakzentuierte Ägyptologie oft schon ›unten durch ist‹ bevor ihr wissenschaftlicher Gehalt geprüft wurde, der beachtlich sein könnte! Auch hier gilt: Audiatur et altera pars (›die Gegenseite muss angehört werden!‹) und wenn ›Audiatur et altera pars‹ nicht mehr gelten soll, dann können wir uns ja gleich von jeder Wissenschaft verabschieden und dem zujubeln der am lautesten brüllt.« (Bruno Antonio Buike ›Viel mehr als bloss Medaillen: Encounters zwischen Physik und Philosophie…‹ 2019, Anmerkung 50)

Moses, der Anführer des biblischen Exodus, war ein ›vornehmer‹ Ägypter. Er gehörte zur Herrscherklasse, zu den indoeuropäisch/arischen Herrenmenschen, die seit der Eroberung Ägyptens an der Wende vom 4. ins 3. Jahrtausend, d.h. seit mehr als 1500 Jahren Ägypten beherrschten. Ausser der Legende, dass er in einem Körbchen auf dem Nil ausgesetzt und von einer Königstochter aufgezogen wurde, wissen wir von seiner Kindheit und Jugend nichts. Sicher wurde er am Hofe des Pharao, der Kaste der Eroberer und Priester aufgezogen. Es ist ein Charakteristikum der indoeuropäischen Eroberer, dass sie sich immer von einer Priesterkaste begleiten ließen. Diese hatten nicht nur die ersten männlichen Götter erfunden, die sie den matriarchalen Völkern und ihrem Glauben an eine Große Göttin überstülpten und aufzwangen; sie versuchten auch mit ihren Mythen und Legenden die grausamen Eroberungen und Unterwerfungen der indigenen Völker als ›Befehl der Götter‹ zu rechtfertigen. So wurde dogmatisch-religiöses Gedankengut in politische  Lehre und Gesetzgebung gewandelt. Was konnte das einfache Volk schon gegen diese kriegerischen Invasoren machen, die behaupteten, sie hätten ihren einzigen und wahren Gott auf ihrer Seite? Mit diesem esoterischen Trick hielten sich die indoeuropäisch/arischen Invasoren an der Macht und setzten sich als Herrscher über die Jahrtausende alten matriarchalen Kulturvölker. Gott habe ihnen das Land Palästina versprochen, geschenkt, behaupteten die Anführer, die Priester der indoeuropäisch-arischen Kaste der Leviten (Luwier/Luvians) und die Kohanim, die gemäß der Überlieferung eine Untergruppe der Leviten und direkte Nachfahren Aarons waren. Mit welchen Mitteln das ›Gottesgeschenk‹ erkämpft, welche grausamen Massaker durchgeführt wurden, das ist alles im ›heiligen‹ Buch der patriarchalen Machtnahme, zu einem großen Teil, sogar prahlerisch, dargestellt, die typisch sind für Invasoren und ihre siegreichen Eroberungen.

Es gibt keinen archäologischen Beweis für den Exodus, aber es gibt keinen Zweifel am fluchtartigen Verlassen der Stadt Amarna. Und keine Spur davon, wohin diese Leute geflüchtet sind.

Nochmals stellt sich die Frage: Haben die 50’000 Menschen, die Amarna plötzlich und schlagartig, ohne eine Spur in Ägypten zu hinterlassen, etwas mit dem Exodus zu tun?  Zogen sie gen Au-Aris, der Stadt der Arier, zu denen auch die Hyksos gehörten! Thutmosis III. und sein Nachfolger Amenophis II. bezeichnen sich erstaunlicherweise selbst als ›Hyksos‹. Das sollen Eindringlinge unbekannter Herkunft sein, die Ägypten für ein Jahrhundert beherrschen und im nordöstlichen Delta ihre Hauptstadt errichten, der sie den Namen Au-Aris gaben. Im Juli 2020 wurde jedoch berichtet: ›Hyksos, 15th Dynasty rulers of Ancient Egypt, were an internal takeover‹ https://www.eurekalert.org/pub_releases/2020-07/p-h1d070820.php)
Trafen sich die Flüchtenden in Au-Aris mit den dortigen Hyksos? Verließen sie zusammen Ägypten, und war Echnaton eventuell ihr religiöser Anführer und Moses der Heerführer der einstigen Armee Echnatons? (s. auch: ›Hyksos waren keine friedlichen Herrscher‹ https://www.oeaw.ac.at/detail/news/hyksos-waren-keine-friedlichen-herrscher/)

 War Echnaton der Bruder von Moses und mit Aaron identisch?

Die Frage ist nicht etwa verrückter, als das was uns in der Bibel, der ›heiligen‹ Schrift, welche das Propagandabuch der patriarchalen Ideologie ist, erzählt wird! Der biblische Aaron wird erst in 2. Mose 4,14 das erste Mal erwähnt, doch wo war er vorher? (Aar ist eine der Bezeichnungen für Arier.) Von Aar-on, dem älteren Bruder Moses‘, dem Hohepriester und Begleiter auf dem Weg nach Kanaan, wissen wir wenig, bzw. gar nichts. Teilte er das Schicksal eines unbekannten Aufenthaltes in seiner Kindheit und Jugend mit Echnaton? Wurde er von seinem Bruder getrennt und verbrachten die beiden ihre Kindheit in verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Sprachen? Wir wissen, dass Moses, als er von Gott den Auftrag zur Befreiung Israels aus Ägypten erhalten haben soll, sich mit den Worten entschuldigte, dass er ›schwer von Mund und schwer von Zunge‹ sei. Was bedeuteten könnte, dass er, wie einige vermuten, ein Stotterer war, oder dass die Sprache nicht seine eigene war, sondern eine fremde, die er nicht beherrschte. Der Herr erklärte, dass sein Bruder Aaron, der auf dem Weg war, um mit ihm zusammen zu treffen, gut sprechen könne und sein Redner sein sollte. Woher kam Aar-on? Kam er aus Amarna? War er auf der Flucht und auf dem Weg zu Moses, der im nördlichen Delta Ägyptens Bauarbeiten beaufsichtigte? Interessant ist, dass sowohl Echnaton wie später Moses behaupteten, ihr Gott habe zu ihnen gesprochen. Immer sind es ›fromme Männer‹ die behaupten, Gottes Stimme zu hören, Aufträge, Anweisungen, Gebote, Verbote und Gesetze von ›ihm‹ erhalten zu haben. Der religiöse Wahn ist in der Psychiatrie als Schizophrenie bekannt. Die Gottgläubigen nennen es ›Religion‹. Die Behauptung ist nicht zu übertreffen und nicht zu verifizieren, daran zu zweifeln kann jedoch gefährlich sein.

 Die Bezeichnungen für Arier, wie wir sie auch für Echnaton aus den Amarna-Briefen kennen, sind zahlreich. Der britische Universalgelehrte Arzt, Sumerologe und Philologe L.A. Waddell (1854 – 1938) studierte Sumerisch und Sanskrit und widmete sich nach 1917 dem ausschließlichen  Studium der Arier. Er schrieb: »Arier sind die Arios, Harios oder Harri Mediens, die Arya und Airya (auch Haraiva) des alten Persien, die Arya Indiens und die Hara der späteren Su­merer (Waddell ›The makers of Civilization in Race and History‹ 1929, S. 6).
In verschiedenen geografischen Gebieten und unterschiedlichen Sprachen und ihren Dialekten heißen Arier auch Ar, Aar, Ara, Ari, Arij, Ariya; aus dem altpersischen Ariya wurde das mittelpersische Eran und der neupersische Iran. Ra ist der arische Sonnengott par excellence, er ist später auch Re/Rex, der Königliche, der ›hocherhabene‹, der adelige Vater‹ der Götter. Mit Beginn der 4. Dynastie nennt sich der König in Ägypten ›Sohn des Sonnengottes Ra‹; so wie sich später auch Echnaton als Sohn seines Vater- und Sonnengottes Aton bezeichnete.

Meine Hypothese: Echnaton, der schon in den Amarna Briefen als Arier angesprochen wurde, gab nach seiner Flucht aus Amarna und seinem Zusammentreffen und Bündnis mit seinem Bruder Moses seine königlichen Namen und seine königliche Titulatur, den Thronnamen, den er bei Regierungsantritt angenommen hatte, auf. Adolf Erman schreibt, dass Echnaton schon vorher einmal einen alten Titel, ›der mit den hohen Federn (Gekrönte)‹ ablegte, da diese von den Göttern Min und Amon hergenommen waren. (Erman ibd. S. 116). Als Hoher Priester und als religiöser Anführer des Exodus an der Seite des kriegerischen Moses könnte er dann einfach der Arier, ›Aar‹ (-on ist Endung) genannt worden sein.

 War das Ende von Amarna auch das Ende Atons, des Sonnen- und Lichtgottes?

 Waren die Menschen die aus Amarna flohen Teil der Menschen des Exodus, die, je nach Lesart, aus Ägypten auszogen oder vertrieben und davongejagt wurden? Nahmen sie ihren Gott Aton mit, der dann in Israel als Adon/Adôn (Vater, Herr) wieder in Erscheinung tritt, wo der Glaube an einen höchsten Gott Wurzeln schlägt und der wichtigste Bestandteil der Jahwe-Religion wird?
Flinders Petrie wies bereits 1896 auf die Zusammengehörigkeit von Aton und Adôn hin und dass dahinter doch ein gänzlich unägyptischer Einfluss steht, welcher keiner heliopolitanischen Quelle entstammt. Er schreibt, die Sonne, die als Aton verehrt wurde, scheine der Mittelpunkt der erobernden mesopotamischen Rasse und Religion in Heliopolis gewesen zu sein. Damit wird nicht widerlegt, dass der syrische Adôn etwas damit zu tun hatte, sondern weist nur darauf hin, dass die Sonne schon lange vorher als ›Lord‹, Adôn, verehrt wurde. Die alte Aton-Verehrung schließt den Einfluss von Adôn nicht aus, sondern ist dieselbe, bereit zu seinen fremden und unägyptischen Typus zurückzukehren, als eine neue Welle asiatischer Ideen hereinkam (s. Petrie 1896/1991, II, S. 212). Der Gleichklang von Aton und Adôn ist nicht nur eine zufällige und vernachlässigbare Assonanz, doch dies passt nicht ins künstliche Bild, das die Ägyptologen den ›reinrassigen‹ Pharaonen ägyptischer Herkunft verpasst haben. Auch der Sonnengesang Atons scheint im Alten Testament wieder auf; zu ihm hat Psalm 104 eine beachtliche Nähe. »Die Ähnlichkeit des um 1360 v. Chr. in Ägypten entstandenen Hymnus mit dem eventuell aus der nachexilischen Weisheitsschule (5. Jh. v. Chr.) stammenden Psalm 104 scheint sich aufzudrängen. Kann der Leser also von der gleichen Bildsprache auf ein analoges Gottesbild schließen? (https://geraldspitzner.wordpress.com/psalm-104/textvergleich-hymnus-des-echnaton-und-psalm-104/)
Harald Specht ging dieser und vielen weiteren Fragen in diesem Zusammenhang  ebenfalls nach. Er schreibt: »Schon im 19. Jahrhundert kam die Vermutung auf, dass der Begriff Jahwe aus dem Ägyptischen stammen könne« und dass auf der Insel Elephantine bei Assuan bis zum Jahr 410 v.Chr. auf dieser kleinen Insel mitten im Nil sogar ein Jahwe-Tempel der jüdischen Militärkolonie existierte… Ein altägyptisches Ortsregister aus der Zeit des Pharaos Amenhotep III. (Echnatons Vater 1402–1363) mit dem Hinweis auf ›das Land der Schasu-JHW‹ fand sich im Amontempel von Soleb, einer antiken nubischen Tempelstadt… Ausserdem weist der Bibeltext wiederholt darauf hin, dass Jahwe seinen Ursprung im Sinai hatte. ›Der Herr kam vom Sinai‹ (5 Mos, Vers 33.2) oder ›da bebte die Erde… vor Gott, dem Herrn vom Sinai, vor Israels Gott‹ (Psalter, 68.8 – 9) heißt es wiederholt in der heiligen Schrift.« (Harald Specht ›Das Erbe des Heidentums – Antike Quellen des christlichen Abendlandes‹ 2014, S. 74 f. passim) Und weiter schreibt Specht: »Unleugbare Textübereinstimmungen zwischen dem Sonnenhymnus König Echnatons und den biblischen Psalmen weisen durchaus auf Gemeinsamkeiten ägyptischer und israelitischer Religion hin. So sind Verse des biblischen Psalms 104 nahezu identisch mit Echnatons Lobgesang auf die Sonnenscheibe. Selbst einzelne Sprachbilder und Motive wie ›Nacht und Finsternis‹, ›Sonnenaufgang‹, ›Vielfalt der Schöpfung‹ oder Aussagen zur Weisheit Gottes oder der Schöpfungsvielfalt wurden mit gleichen Worten und sogar identischer Textabfolge nachweislich von den Verfassern der Heiligen Schrift übernommen.« (Harald Specht ibd. S. 73 f.)
»Im Sinne der ägyptischen Königsideologie versteht sich Echnaton selbst als den irdischen Repräsentanten der Leben-spendenden Gottheit: ›Du erhebst sie (die Geschöpfe) für deinen Sohn, der aus deinem Leibe gekommen ist, den König von Ober- und Unterägypten, der von der Ordnung lebt, Echnaton, und die große königliche Gemahlin Nofretete.« (geraldspitzner ibd.) Echnaton glaubt offenbar an einen gebärenden Gott, aus dessen Leib er geboren wurde. (s. www. ›Von schwangeren Männern und göttlichen Gebärern‹)

Die Mutter-Göttin wird eliminiert
und durch einen Vater-Gott ersetzt

Der religiöse Wahn Echnatons führte zur Schaffung der drei monotheistischen Vater-Religionen: Dem Judentum, dem Christentum und dem Islam. Die Menschen wurden während Jahrausenden hirngewaschen und ihre Gedanken, ihre Gefühle und ihr Glaube in die gewünschte Richtung patriarchaler Ideologie manipuliert. Diese Religionen machten die Menschen nicht besser, menschlicher oder mitfühlender, im Gegenteil. Wie schon Jan Assmann darlegte, haben sie »ein ungeheures Gewaltpotenzial entbunden«. Eine Kriegermentalität, die genügt zu hassen, aber nicht um zu lieben, wie Jonathan Swift sagte, durchzieht die ganze Geschichte der patriarchalen Religionen und ihrer politischen Instrumentalisierung, die Machtkämpfe, Gewalt, Eroberungen, Landraub, Ausbeutung, Unterdrückung, Massaker, Mord und Missionierung, jedes Verbrechen an der Menschheit als ›Gottes-Willen‹ rechtfertigen. ›Gott will es so‹! Diese Religionen halten das Patriarchat am Leben; sie sind praktisch, nützlich und das lukrativste Geschäft der Welt.

 Ein skrupelloser Ausbeuter und Kindersklavenschinder

Echnaton war ein hartherziger Ausbeuter der Arbeiterschaft, das ist eindeutig so. Als der Archäologe Barry Kemp, der seit 30 Jahren in Amarna arbeitet, einen Friedhof der Arbeiter fand, stand ihm Jerry Rose mit bioarchäologischen Feldstudien zur Seite, um den Gesundheitszustand der dort Bestatteten zu erforschen. Rose stellte erstaunt fest, dass viele Jugendliche schwerste Knochenbrüche, Rückgratverletzungen und gestauchte Wirbel hatten, die vom Tragen zu schwerer Lasten herrührten, was auf schwere körperliche Arbeit bei sehr jungen Menschen hinweist, die hart und schwer arbeiten mussten. Hinzu kam, dass die Skelette, vor allem von Kindern eine extrem hohe Rate von Anämie, einer Blutarmut (Mangelerkrankung) und eine sehr hohe Sterblichkeitsrate aufwiesen, die durch ungenügende Ernährung verursacht worden war, was insbesondere bei Kindern zwischen 12 und 20 Jahren sehr ungewöhnlich ist. Im Durschnitt waren in Ägypten 18 % – 20 % der Menschen von Anämie betroffen, während es in Amarna laut Jerry Rose 60 % waren. Obwohl es einen Überfluss an Nahrung gab, wird deutlich, dass die Arbeiter, die Habenichtse und ihre Familien, vor allem die Kinder, hungerten. Barry Kemps Fazit: ›Die Knochen enthüllen die düstere Seite des Pharaonenkults‹. Einen ausführlichen Forschungsbericht veröffentlichte die britische Archäologin Mary Shepperson im Guardian vom 6.6.2017 (https://www.theguardian.com/science/2017/jun/06/did-children-build-the-ancient-egyptian-city-of-armana-). Der deutsche Ägyptologie und Vorderasiatische Archäologe Joachim Willeitner verfasste daraus einen ausgezeichneten Artikel, der am 29.06.2017 im Spektrum.de erschien (s. Altes Ägypten: ›Friedhof der Kindersklaven‹ http://www.spektrum.de/news/friedhof-der-kindersklaven/1478049).

Ein narzisstischer Egomane und größenwahnsinniger Machtmensch

»An dem ursprünglichen Antrieb zum Monotheismus war nichts Erhabenes: es war der Dünkel von Königen, die sich mit einem Gott gleichsetzten und die Macht dieses Gottes für sich beanspruchten.« (Barbara Walker)

Der Ägyptologe Nicholas Reeves sieht es ganz ähnlich, er schreibt: »Die Aton-Religion war in Wahrheit nichts anderes als ein pragmatisches Element der politischen Kontrolle.« Und der Heidelberger Privatgelehrte Franz Maciejewski weist in seinem Buch ›Korrektur eines Mythos‹ nach, »dass die religionspolitische Revolution unter Echnaton nicht der Etablierung einer neuen Sonnentheologie mit Ausschließlichkeitsanspruch diente, sondern vielmehr auf Machtgewinn und Machterhalt einer bestimmten Familie zielte. Insofern war der neue Atonkult nur Mittel zum Zweck… Nicht Monotheismus, sondern Theokratie lautete das Schlüsselwort. Denn Echnaton gründete den ersten Gottesstaat der Weltgeschichte« (Hans-Martin Lohmann ›Korrektur eines Mythos?‹  http://www.frankfurter-hefte.de/upload//2011-06_Lohmann_web.pdf)
Gottesstaat oder Theokratie heißt aber Diktatur, eine uneingeschränkte Konzentration der Macht, eine menschenverachtende, autoritäre und totalitäre Herrschaft, wie wir sie zur Genüge kennen, »eine Herrschaftsform, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer (in der Sicht der Anhänger der Staatsreligion) göttlich erwählten Person (ein gottberufener Prophet, ein gottbegnadeter König usw.), einer Priesterschaft (Klerus) oder sakralen Institution (Hierokratie) auf der Grundlage religiöser Prinzipien ausgeübt wird.« (Wikipedia ›Theokratie‹)

Patriarchale ›Religionen‹ sind Ideologien, politische Konstrukte, die der Macht- und Habgier der herrschenden Männer dienen. Es sind VATER-Religionen, die die Frauen und die MUTTERgöttin ausschließen.

Echnaton mit Familie und Gefangene

Echnaton und seine Familie stehen auf gefesselten, gefangenen Frauen und Männern und werfen goldene Halsbänder hinab. (Gaston Maspero ›Ägypten und Assyrien‹ 1891, S. 120)

Echnatons-Gefangene

Hermann A. Schlögl zieht die von den störenden Gefangenen bereinigte Version des Bildes vor:

»Echnaton und Nofretete verleihen dem Gottesvater Eje und seiner Frau Tjj Ehrengold. Strichzeichnung nach einem Relief aus dem Grab des Eje in Amarna von N. de Garis Davies« (Hermann A. Schlögl ›Echnaton‹ 1986, S. 54)

Eine andere Frage stellt sich beim Anblick des Schätze verteilenden Herrscherpaaares:

War die mysteriöse Bundeslade gar kein mythischer Kultgegenstand des Volkes Israel, sondern die königliche Schatztruhe Echnatons, die nicht die Steintafeln mit den 10 Geboten, sondern das Gold des fliehenden Pharaos enthielt?

Wer war Tutanchamun?

Betretenes Schweigen bei den Ägyptologen und beim sonst so wortgewaltigen Altertumsdirektor Zahi Hawass, nachdem eindeutig feststand, Tutanchamun war gar kein Ägypter! Das für Hawass katastrophale Resultat der Gen-Analyse, die er selbst initiiert hatte, muss den umtriebigen Zahi Hawass, den ›letzten Pharao Ägyptens‹, schwer getroffen haben. Die Erbgutinformation zur DNA, welche im August 2011 durch die Medien ging, wurde bereits 2009 entschlüsselt, aber aus ›nicht bekannten Gründen geheim gehalten‹, bis der Discovery Channel das gesamte Profil des Y-Chromosoms veröffentlichte. Die Schweizer Gentest-Firma Igenea verglich darauf die bisher gesammelten Y-DNA-Profile männlicher Westeuropäer mit dem des vor über 3300 Jahren verstorbenen Pharaos Tutanchamun (18. Dynastie, um 1330 v.u. Z). Danach haben rund 50 Prozent der Europäer das königliche, nicht sehr schmeichelhafte indoeuropäische Gen, während es in Ägypten nicht einmal bei einem Prozent zu finden ist. Das heißt, »die Kurgan Männer aus Südrussland haben tiefe genetische Spuren vor allem in Europa hinterlassen. Mehr als 60 % der heute in Europa lebenden Männer haben die männlichen y-Haplogruppen R1b oder R1a. D.« (http://decordoba.blog.de/2010/02/04/massaker-schletz-7939133/)

»Man könnte fast behaupten, dass Tutanchamun kein Ägypter war sondern Europäer«. (Roman Scholz von Igenea) Zumindest sei der Pharao näher mit den heutigen Europäern verwandt als mit den Ägyptern. Der Urstamm dieser Sippe stammte laut der Gentest-Firma aus dem Kaukasus oder vom Schwarzen Meer.

Tutanchamuns trauernde Witwe schrieb einen Brief an den hethitischen König, sie wollte einen Mann aus ihrer eigenen Herkunftssippe, der Sippe der indoeuropäisch/arischen Thutmosiden. Als ›Königin von Ägypten‹ bat sie um einen der Söhne aus ihrer Ursprungsheimat, des indoeuropäischen Hethiter-Königs, den sie zu ihrem Gatten und zum König Ägyptens machen wolle. Sie wollte keinen Ägypter, keinen ihrer ›Diener‹ wie sie diese bezeichnete, heiraten. Die Indo-Europäer betrachteten, wie schon bei der Gründung des dynastischen Königtums um 3000, Ägypter als ihre Untertanen. Aber es zeigt auch, dass Thronerbin noch immer die Königin war, die den Mann durch Heirat zum König machte, oder wie Wilkinson es ausdrückt, ihm »gewissermaßen den Schemel zum Thron« anbot.

(Dieser Artikel wurde zuerst am 15.10.2014 veröffentlicht und am 6.10.2020 das bisher letzte mal aktualisiert)

 


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