His Masters Voice: Die Diffamierungen des Thomas Schneider

Es war Rufmord

Nachdem ich im Jahr 1994 meine jahrelangen, gut recherchierten und belegten Entdeckungen zur Geschichte Alt-Ägyptens und der Ägyptologie in meinem Buch:

›Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹

veröffentlicht hatte, machte sich der Jung-Ägyptologe Thomas Schneider (*1964) daran, mein Buch nach allen Regeln der Diffamierung in der (schweizerischen) WELTWOCHE zu verhöhnen und zu zerfetzen. Das war ziemlich einfach, denn als Nicht-Ägyptologin war ich für ihn eine leicht angreifbare, unerwünschte Aussenseiterin. Wissenschaftlich erarbeitete Erkenntnisse einer nicht universitär indoktrinierten Forscherin werden nicht akzeptiert; sie hat nicht das Recht die heiligen Hallen zu betreten, die dem Kreis der erleuchteten Ägyptologen vorbehalten sind. Meine Position als Außenseiterin hatte neben der Diffamierung und Aberkennung meiner Kompetenz aber enorme Vorteile. Ich war verschont von universitärer und religiöser Hirnwäsche, was mir eine unbeschreibliche Freiheit und Unabhängigkeit des Denkens und Schreibens gewährte. Es war mir klar, dass ich provokante Thesen vertrete und stand auch dazu. Im Vorwort schrieb ich: »Das Resultat meiner Arbeit basiert ganz bewusst auf meiner persönlichen, d.h. subjektiv-weiblichen Sicht, die ich als Ergänzung zum patriarchalen Standpunkt der Schulwissenschaft verstehe.« Ich war darauf gefasst und erwartete nicht gerade willkommene Reaktionen; was aber dann geschah, übertraf alles, was man je an öffentlicher Diffamierung gesehen, gehört und gelesen hatte.

      Thomas Schneider vom Ägyptologischen Seminar der Uni Basel, unter der Leitung von Prof. Eric Hornung – dieser bezeichnete in einem Brief an einen begeisterten Leser, mein Buch als ›Mist‹  –  machte sich zu Hornungs Sprachrohr. Doch schon damals reagierten aufgeschlossene Leser mit Unverständnis auf seine Verunglimpfungen in der WELTWOCHE.
So schrieb etwa Herr Dr. A.W. in Wien: »Der Artikel ist ein für Lehrzwecke geeignetes Musterbeispiel. Es ist der emotionale Affront eines Mannes gegen eine Frau, die sich für die bisherige Männerdomäne Ägyptologie qualifiziert hat. Von der kritisch-liberalen Sprache eines Wissenschaftlers und Philosophen Sir Karl Popper keine Spur. Es ist nur bedauerlich, dass nun einige Leser die Unterstellungen und Thesen des Thomas Schneider unkritisch für bare Münze nehmen werden. Deren Falsifikation ist besonnen abzuwarten.«
Ein anderer Leser schrieb: »Auch wenn die Fachleute ihre Zweifel anmelden, so wie Herr Schneider das getan hat, so müssen die Herren Archäologen doch eines zugeben: Sie betreiben Wissenschaft aus rein männlicher Sicht der Dinge, sie hatten dabei so gut wie nie irgendeine Konkurrenz zu fürchten und sind dann empört über den Angriff auf ihre patriarchale Alleinherrschaft, nachdem seit Neuestem Frauen nicht nur die männliche Wissenschaft studieren wollen, sondern auch noch eigene Vorstellungen entwickeln… Ich kann nur hoffen, dass mutige Frauen wie Frau Wolf uns mit ihrer neuen Perspektive aus dem Schlaf der Gerechten erwecken.« Dr.R.M. Freiburg
Nach 3o Jahren Forschung und 4 Büchern können sich Interessierte informieren was Leserinnen und Leser dazu geschrieben haben und wie sie meine Arbeiz beurteilen (s. auf dieser Homepage ›Rezensionen‹).

      Der renommierte Ägyptologe Wolfgang Helck hat die Arbeit von Außenstehenden als begrüssenswert verteidigt. Seine Begründung: Da sie außerhalb der verfestigten wissenschaftlichen Argumente stehen, falle es ihnen oft leichter, Zweifel an der allgemeingültigen Meinung zu äußern und so Anstöße zu neuen Überlegungen zu geben. Er wies auf die »fortschreitende Verengung und Spezialisierung« in der Ägyptologie hin, die »gewisse Gedankengänge und Folgerungen als absolut« setzt und »zudem bestimmte Tabus entwickelte, die nicht mehr in Frage gestellt werden.« (Helck ›Die Große Mutter‹ 1971) Tatsächlich empfand ich es für die Wissenschaft als gefährlich – und ausserdem eines wachen Geistes unwürdig –, nicht selber zu denken, die Thesen alter und jüngerer ÄgyptoloInnen unbesehen abzuschreiben und gedankenlos weiter zu geben und damit die alten Verfälschungen zu verfestigen. Aber es ist bequem einfach zu glauben. »Glauben und Wissen verhalten sich wie die zwei Schalen einer Waage in dem Maße, als die eine steigt, sinkt die andere« sagte Arthur Schopenhauser. Es ist ein grotesker, seit langem andauernder Kampf, den patriarchale Wissenschftlerinnen und Religiöse zum Beispiel gegen all jene Beweise führen, die vor den verherrlichten Pharaonen eine matriarchale Sozialstruktur bewiesen haben. Eine Kultur von unvergleichlicher Toleranz, Gleichberechtigung, Freiheit, Gewaltlosigkeit und Frieden und eine weibliche Religion, die eine Grosse Göttin verehrte.
Leider haben sich viele Frauen und Männer ganz in den Dienst der traditionellen, patriarchalen Wissenschaft und Religion gestellt. So umgehen ÄgyptologInnen jede kritische Prüfung, vermeiden jede Kritik, jede Korrektur der Meinungen, Interpretationen und Thesen als wären diese sakrosankt und unfehlbar. Oder sie lehnen Forschungsergebnisse von äusserst kompetenten früheren Wissenschaftler, die nicht in ihr Weltbild passen, pauschal als ›veraltet‹ ab, wie es Thomas Schneider in seinem Pamphlet gegen mein erstes Buch tat. Die Kritiker sagen uns nicht, w a s  an den fundierten Thesen der frühen Archäologen und Ägyptologen (u.a. W.M. Flinders Petrie 1853–1947; E.A. Wallis Budge 1857–1934; Jacques J. M. de Morgan (1857–1924); W.B. Emery 1903–1971) veraltet, korrigiert und nicht mehr erwähnenswert sein soll; obwohl nicht alles von ihnen überholt sein kann. »Eine von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften berufene internationale Kommission befand, dass in den Schweizer Geisteswissenschaften eine starke Oligarchie der Professorenschaft herrsche, die alles auf dem Stand der 40er und 50er Jahre halten wolle, was eine Gefahr für morgen sei.« (zitiert aus dem Internet, Februar 2020)

Die Ägyptologie, im deutschsprachigen Raum traditionell als ein von ihrer Wissenschaftsgeschichte her gesehen philologisch geprägtes Fach, konzentrierte die Ausbildung jahrzehntelang auf die in Ägypten angewandten Schriften – von den Hieroglyphen bis zum Koptischen – das Grosse und Ganze der altägyptischen Geschichte wurde aus den Augen verloren. Dann interessierten sich Lehrende und Lernende vor allem für die Königsherrschaft des Neuen Reiches, bzw. die  berühmte 18./19. Dynastie. Davon gab es bereits Massen von Material, während die Erforschung der Urgeschichte, absolut vernachlässigt wurde. Die matriarchale Zeit vor der patriarchalen Machtnahme der indoeuropäischen Eroberer – wie ich sie ausführlich und fundiert in meinen bisher 4 Büchern beschreibe – die Geschichte jener Invasoren, die sich zu den dynastischen Königen machten, existiert in den Lehrplänen bis heute nicht, sie wurde gemieden, totgeschwiegen oder geleugnet. Eine feindliche Invasion konnte gar nicht stattgefunden haben; das irreal romantisierte pharaonische Ägypten entstand auf wundersame Weise, entstieg der Urgeschichte ›wie das Küken aus dem Ei, versehen mit allen Potenzen‹ (Emma Brunner-Traut).
Hinzu kommt, dass der größte Teil der Ägyptologie in der Zeit des europäischen Faschismus und des Führerkultes geschrieben wurde; was sich katastrophal auf die Interpretation  der ägyptischen Geschichte auswirkte. Darauf machte ich u.a. in meinem 2. Buch ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹ aufmerksam. Der Faschismus führte zur Verherrlichung, ja zur Mystifizierung und Vergottung der ägyptischen ›Führer‹, der Pharaonen, ihrer Gewaltherrschaft und ›Kriegskunst‹ und ließ alle anderen Aspekte, vor allem die (Un-)menschlichen in den Hintergrund treten. Selbständiges und kritisches Denken, Intuition und Kreativität, das Studium der Symbolik usw. waren und sind nicht gefragt, wurden und werden lächerlich gemacht und diffamiert. »Es ist natürlich viel einfacher, nur die ›Fakten‹ zu studieren«, konstatierte der Paläolinguist Richard Fester, »ohne nach den Hintergedanken zu forschen, was den intern so genannten Positivisten, die heute die Urgeschichtsforschung noch bestimmen, ein größtmöglicher Greuel ist (›Weib und Macht‹ 1979, S. 130). Eine Schwäche der Ägyptologie ist auch das Desinteresse an den Forschungen der umliegenden Kulturen, z.B. Mesopotamiens, des Iran und des Industales. Obwohl Wolfgang Helck 1979 schrieb: »Erst die Ausgrabungen etwa von Çatal Hüyük in Anatolien oder von Jericho haben unser Bild von der Zeit vor 3000 v.u.Z. entscheidend geändert. Wir erkennen plötzlich einige tausend Jahre vor dem Beginn der ägyptischen oder sumerischen Hochkultur das Bestehen von großen Städten, die zu großen Leistungen fähig waren, die die Arbeitsteilung kannten und deutliche Zeichen einer reflektierten Kultur zeigten.« (Wolfgang Helck 1979, S. 1) Aber nichts wesentliches passierte. Die abgewerteten, als ›veraltet‹ diffamierten frühen Archäologen und Ägyptologen betrachteten es jedoch als unabdingbar, das damalige Umfeld in ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Mit dem heutigen Wissen um die anderen großen urgeschichtlichen Kultu­ren kann Ägypten längst nicht mehr als isoliertes Forschungsobjekt untersucht werden. Unzweifelhaft ist es mit der Urgeschichte und Geschichte Afrikas, Vorder- und Zentralasiens, mit dem Iran, dem Industal und Indien eng verknüpft.

Ich vertrat damals und vertrete heute, nach mehr als 30 Jahren akribischer Forschung, noch immer die These, dass das pharaonische Ägypten nicht – wie von der isolationistischen Ägyptologie bis dahin hartnäckig verteidigt – ›wie das Küken aus dem Ei» schlüpfte. Aufgrund meiner eigenen Recherchen und gestützt auf eine Reihe der großartigen ›veralteten‹ – will heißen UNERWÜNSCHTEN – Forschungsergebnissen dieser WissenschaftlerInnen wagte ich die These, dass der Auftakt zum pharaonischen Ägypten das Resultat einer Invasion von kriegerischen, indoeuropäischen   Eroberern – verbunden mit einer arischen Priesterkaste – war. Das sollte sich in der Folge meiner Forschungen vollauf bestätigen.
Eine meiner Thesen beinhaltet auch, dass nach der Eroberung Ägyptens durch die patriarchalen Indo-Europäer die matriarchale Urbevölkerung mit ihrem Glauben an die Große Göttin unterdrückt, verfolgt und versklavt wurde. Thomas Schneider reagierte darauf unter dem Titel ›Von den Urmüttern Ägyptens keine Spur‹ und meinte, dass ich die Große Muttergöttin, aus der die Toten wiedergeboren werden ins Zentrum einer matriarchalen Kultur stelle: »Symbole dieser Wiedergeburt seien zahlreiche Frauenfiguren, die traditionell z.T. als ›Konkubinen‹ bezeichnet werden. Entsprechende Männerfiguren – z.B. den Männerkopf aus Merimde um 4300 v.Chr. das erste plastische Porträt aus Ägypten – erwähnt Wolf nicht!«

Totenmaske aus Merimde

›Totenmaske‹ aus Merimde

Herr Schneider schien nicht zu wissen, dass diese circa 11 Zentimeter große ›Totenmaske‹, ein Einzelstück aus gebranntem Ton, ganz und gar unägyptisch ist und wie andere Artefakte aus dieser Siedlung auch, aus dem frühbronzezeitlichen Palästina stammt und wohl von Einwanderern hier hergestellt oder mitgebracht wurde. Dort wurden identische Masken, unter anderem der berühmte ›Mensch von Galiläa‹ aus viel früherer Zeit, – dazu ein 8000 Jahre alter dekorierter Schädel aus Nahal Hemar, südwestlich des Toten Meeres – und eine weitere Maske, die aus der Gegend von Hebron aus der Zeit um -1600 stammt, gefunden. Man vermutet, daß diese Masken mit vorisraelitischen Totenbräuchen zusammenhängen. Sie wurden von Kathleen Kenyon, die gleichartige Schädel in Jericho fand, als ›portrait skulls‹ bezeichnet, die möglicherweise Ahnen darstellten. Übrigens: Der Ägyptologe Arno Eggebrecht bezeichnet den Kopf als weiblich. (Eggebrecht ›Das Alte Ägypten‹ 1984, S. 415)

Für mich war klar, dass einer der wichtigsten Beweise für die Invasions-These und damit der Fremdherrschaft, im Nachweis der indoeuropäischen, bzw. indoarischen/indoiranischen Sprache, vor allem in Titeln, Namen, Gattungs- und Sachbezeichnungen zu suchen ist, was ich auch mit zahlreichen Beispielen unter Beweis stellen konnte, z.B. als Element der ersten Herrscher. Ich schrieb damals, dass ›Ari‹ schon in den frühesten Königsnamen vorkomme, wie etwa bei Ari-Hor in der sog. 0-Dynastie; bei Semerchet-Ari-Nebti, 1. Dynastie; Djo-ser/Zo-Sar/Cäsar/Zar (4. Dynastie) enthält nicht nur die akkadische Bezeichnung šàr für einen Fürsten oder König (altiranisch ›sare‹ Herrschaft), sondern er heißt auch Net-Ari-khe, usw. Auch machte ich darauf aufmerksam, dass sich die Oberschicht Ari-pait nannte; übersetzt als Iri-Pat; und dass das altiranische Wort ›pati‹ einen Herrscher und Gebieter bezeichnet. Die Wurzel ›Iri‹ und ›Eri‹ kommt als west-arisches Element  bereits im 4. Jahrtausend vor, schreibt Jahanshah Derakhshani, der iranische Arier- und Sprachforscher, und ist die Bezeichnung für einen ›arischen Fürsten‹ (S. 184). Derakhshani publizierte zwischen 1995 und 2000 seine Forschungsergebnisse zur Geschichte und Kultur des alten Iran seit dem 5. Jahrtausend. Er stellte fest, dass sich Spuren iranischer Völker schon sehr früh bis nach Ägypten verbreiteten. Auch der Name Misr für Ägypten sei arisch zu deuten. (›Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. Und 2. Jahrtausends v.Chr‹ 1999, S. 24 und 89 und Traces of the Aryans in the earliest texts of Mesopotamia, Asia Minor and Egypt from the 4th to 2nd Millennium BC‹)
Ich wies darauf hin, dass die Ari-Silbe auch in unzähligen Beamtentiteln und Götternamen vorkommt (1994, S. 98 ff.) beispielsweise auch beim asiatischen Gott AuSar / As-Ari, (griechisch Osiris, der König der Götter oder Götterfürst). Derakhshani hat seitenlange Listen mit dem ost-arischen Element ›ari‹ zusammengestellt (Derakhshani ibd. 1999, S. 152 – 156)

image002

     Laut Derakhshani handelt es sich bei diesem Bild um die ›Ägyptische Darstellung asiatischer Einwanderer mit Schäferstab. Prädynastische Periode, Ende des 4. Jt.‹ (Derakhshani 1999, Abb. 19, S. 109, nach W. C. Hayes ›The Scepter of Egypt‹ 1953, S. 28. s. dazu auch meinen Text in: ›Hierakonpolis: ein irritierendes Wandbild‹ 1994 Kapitel 5)

Thomas Schneider kommentierte die These: »Reine Scharlatanerie ist, wie Wolf die arische Eroberung Ägyptens beweisen will. Wo immer die Lautfolge ari (modern meist iri umschrieben) im ägyptischen Wortschatz auftaucht, erblickt sie (ungeachtet der ägyptischen Bedeutung) das Wort ›Arier‹ und wundert sich, dass dieser Umstand keinem Ägyptologen aufgefallen sei. So stecke ›ari/Arier‹ im Nefertari, dem Namen der Gemahlin Ramses II., im Titel Iri-pat ›Fürst‹, im Ortsnamen Auaris, im Gottesnamen Osiris usw. Mit dieser ›Methode‹ ließe sich nun in der Tat Brisantes ermitteln:  arische Relikte wären dann auch in Wörtern wie Arie, Arisdorf, Bariton, Katharina, Malaria, Stradivari auszumachen.« Das Gespött von Thomas Schneider war jedoch völlig unangebracht:

William Foxwell Albright, US-amerikanischer Archäologe und Philologe altorientalischer Sprachen betonte, die Analyse von Personen- und Ortsnamen sei ein wichtiges Mittel zur Identifizierung verschiedener ethnischer Elemente. (›The Cambridge Ancient History I‹ 1970, I, S. 128)

     Auch andere Teile meiner Forschungsarbeit überschüttete Thomas Schneider mit Hohn und Spott. So schreibt er etwa: »Für ihre Thesen (Kulturumbruch nach Invasion, Religion, frühe Geschichte Ägyptens) würde ich mich regelmäßig auf Ägyptologen wie Flinders Petrie, Elise J. Baumgartel, E.A. Wallis Budge, Margaret  Murray, Jacques de Morgan, Guy Brunton, Gertrude Caton-Thompson beziehen, »Zeitgenossen der Entdeckung der ägyptischen Vorgeschichte um 1900, die aber keine Gewährsleute für den Forschungsstand 100 Jahre später sein können.« Oder er unterstellt mir ›Pfusch, Verdrehung und Willkür‹, dass ich ›keine Ahnung‹ hätte, oder die ›neue Literatur‹ nicht kenne. Herr Schneider müsste jedoch wissen, dass es 1994 zur Urgeschichtsforschung keine ›neue Literatur‹ gibt, nachdem diese Zeit jahrzehntelang vernachlässigt, ja gemieden wurde. Dies übersieht Herr Schneider und polemisiert weiter: »Bezeichnend ist Wolfs fehlender Einbezug von moderner Fachliteratur gegenüber einer breiten Abstützung auf feministische Titel.« Nur – weder die Urgeschichts- noch die Matriarchatsforschung ist eine Stärke der Ägyptologie; diese Forschung wird dankenswerterweise vor allem von Frauen geleistet; von Männern aber kaum beachtet. Für dieses Bildungsdefizit, das sich zunehmend als Bildungslücke darstellt, sind Männer wie Herr Schneider jedoch selbst verantwortlich.

In meiner Arbeit brachte ich nicht nur meine eigenen Überlegungen betreffend das ägyptische Umfeld und dessen Erforschung mit ein, so etwa das angrenzende Nubien, Mesopotamien/Sumer, Iran, Elam, das Industal usw. Ich folgte auch der Ansicht früherer Wissenschaftler, die aufgrund der sprachlichen und ethnischen Verwandtschaft von einem schwarzafrikanischen Ägypten ausgingen. Alexander Scharff, beispielsweise, konterte die rassistischen Ansichten weisser Ägyptologen, indem er schrieb: »Ägypten lag immer und liegt noch heute in Afrika«. Für mich ist klar, dass Ägypten, – damals ›Kemt‹ genannt – nicht wie behauptet ›schwarzes Land‹ hieß, weil die Erde in Ägypten, einer Flussoase mit mehr als 90 Prozent gelber Wüste, schwarz sei, sondern dass er wie der heutige Ausdruck ›Schwarzafrika‹ das Land ihrer schwarzen Bewohner bezeichnete.

Die gesamte Geschichte der Wissenschaft zeigt es uns: Wenn die gebildeten Männer der Wissenschaft  eines Zeitalters die Tatsachen anderer Forscher von vornherein mit der Begründung der Absurdität oder Unmöglichkeit geleugnet haben, hatten die Leugner immer unrecht. (Alfred Russel Wallace)

       Das Blatt hat sich gewendet! Sogar was die bisherige Sprachforschung anbelangt, musste Herr Schneider unterdessen zugeben, dass diese durch die ›Kompetenz‹ bzw. Inkompetenz ein gravierendes ›Forschungsdefizit‹ deutlich mache und Ausdruck »einer bestimmten Perspektive bisheriger ägyptologischer Forschung« sei. 2003 wagte er sich an das heikle, von mir behandelte Thema der Ausländer ab der vordynastischen Zeit Ägyptens und die Thesen die er bei mir als ›Scharlatanerie‹ bezeichnet hatte. Eine Anzahl universitärer Sprachgelehrter der verschiedenen geografischen Gebiete wurde nach Basel eingeladen mit dem Auftrag ›die nicht-semitischen Lehnwörter ab 3200 v.Chr.‹ zu untersuchen, primär aus Nordostafrika, Anatolien, dem nicht semitischsprachigen Mesopotamien‹ und – man lese und staune – ›dem indoarischen Iran‹. Ihre Arbeiten wurden anlässlich eines Kolloquiums ›zum ägyptisch-nicht-semitischen Sprachkontakt‹ in Basel vom 9.-11. Juli 2003 vorgestellt. Das sind immerhin 9 Jahre, nachdem ich das Thema – ohne jede Hilfe, ausser der mir und jedem zur Verfügung stehenden Literatur – in meinem Buch bearbeitet hatte.
Vollmundig berichtet Schneider, durch die Einladung diverser Sprachwissenschaftler aus diesen Gebieten »konnte sich Basel [damit meint er wahrscheinlich sich selbst] als eigentlicher Brennpunkt des Forschungsbereiches profilieren.« (Schneiders Beitrag besteht lediglich aus der Edition, der Projektleitung und einer Einführung zum Buch mit dem Titel ›Das Ägyptische und die Sprachen Vorderasiens, Nordafrikas und der Ägäis‹, Münster 2004). Und, leider hat uns Herr Schneider mit keinem Wort verraten auf welchen Phänomenen und welchen neuen archäologischen und textlichen Befunden seine erstaunlich ›neue wissenschaftliche Bewertung‹ beruht.
Vortäuschend, selbst einer großen Entdeckung auf der Spur zu sein, nimmt Thomas Schneider auch meine These von der diffusionistischen Entstehung Ägyptens auf. Scheinheilig schreibt er 2004: »Die Wahrnehmung einer engen Vernetzung Altägyptens mit den benachbarten Kulturen Südwestasiens, Nordostafrikas und der Ägäis löst seit einiger Zeit das früher verbreitete [von ihm verteidigte! und bei mir als Scharlatanerie bezeichnete] isolationistische Modell ab, wonach die ägyptische Zivilisation im Wesentlichen eine nach außen abgeschirmte kulturelle Entwicklung durchlaufen hätte. Neue archäologische und textliche Befunde, sowie eine veränderte wissenschaftliche Bewertung bekannter Phänomene zeigen, dass seit frühester Zeit eine weitaus intensivere Rezeption auswärtiger Kultur erfolgte als traditionell vermutet… Ägypten kann so präziser als eine Zivilisation beschrieben werden, die in großem Umfang kulturelle Errungenschaften von Nachbarkulturen sich angeeignet, an eigene Bedürfnisse adaptiert und weiterentwickelt hat. Diese kulturelle Aneignung betraf nicht nur innovationssensitive Bereiche (Technologie, Produkte, Militär), sondern auch kulturelle Kernbereiche (Königsideologie, Religion usw.) … Da Lehnwortforschung nicht nur verschiedene Einzellinguistiken (in diesem Fall Ägyptologie, Altorientalistik, indoeuropäische Sprachwissenschaft, Afrikanistik, Berberistik, Iranistik, Semitistik), sondern auch Sprachwissenschaft und Kulturwissenschaft verbindet, stellt sie schliesslich in der gegenwärtigen akademischen Situation eine exemplarische interdisziplinäre Unternehmung dar.« (Hvhb. DW)
Das alles beschrieb der Ägyptologe und Sprachforscher Alan H. Gardiner aber schon 1927, worauf ich 1994 ebenfalls aufmerksam machte. Gardiner erklärte, die ägyptische Sprache unterscheide sich viel mehr von allen semitischen Sprachen, als diese sich untereinander unterscheiden. Bis das Verhältnis zu den afrikanischen Sprachen genauer geklärt sei, müsse die ägyptische Sprache sicher außerhalb der semitischen Sprachgruppe klassifiziert werden (›Egyptian Grammar‹). 1961/1965  schreibt Gardiner in seinem Werk ›Geschichte des Alten Ägypten‹: »Leider liegt der Ursprung der ägyptischen Sprache so weit in der dunklen Vergangenheit zurück, das man darüber nur wenig Sicheres weiß. Da im Allgemeinen darüber Einigkeit besteht, dass die Urbevölkerung Ägyptens ein afrikanisches Volk gewesen ist, läge der Schluss nahe, auch ihre Sprache sei afrikanischen Ursprungs. Und tatsächlich wurden zahlreiche Verwandtschaften mit hamitischen und berberischen Dialekten festgestellt, und zwar nicht nur im Wortschatz, sondern auch in der Syntax« (Gardiner ›Geschichte des Alten Ägypten‹ 1965, S. 20). Dieses Wissen ist also ebenfalls alt, aber keineswegs veraltet; es musste nicht erst von Herrn Schneider erfunden werden! Schon Jacques de Morgan, von 1892 bis 1897 Direktor der Altertumsverwaltung in Kairo, war überzeugt: »Die ursprünglichen ÄgypterInnen waren afrika­nisch und sprachen eine afrikanische Sprache.« (›La préhistoire orientale‹ 1926, S. 337) Was der Ägyptologe Alexander Scharff bestätigt hatte (s.oben). Die indigene Sprache Ägyptens, Nubiens und Libyens war  afrikanisch; zum Nilo-Saharanisch oder teilweise zu den weit verbreiteten Berbersprachen gehörig. (s. hier ›Ultimative Beweise für die indoeuropäisch/arischen Herrscher Ägyptens‹) Die zu einem guten Teil faschistischen und rassistischen Ägyptologen wollten davon nichts wissen und vermieden jede Annäherung an das Thema, bis mein Buch dazu beigetragen haben dürfte, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Der Sprachwissenschaftler Arnold Wadler schrieb: »Immer enger erweisen sich die Zusammenhänge zwischen den Negeridiomen und der Sprache der Hieroglyphen. Hatte man lange das Koptische für den einzigen Nachkommen dieses Uridioms gehalten, zögert man heute nicht, die Bantu-Sprachen (die bis zum Kap reichen), das Fulische und Haussanische, Mandeh und Agni ihm zur Seite zu stellen.« (Wadler ›Der Turm von Babel – Urgemeinschaft der Sprachen‹ 1988, S. 195) (Der Ausdruck ›Neger‹idiom ist auch schon 1988 völlig deplatziert; noch dazu von einem Sprachforscher. Tut mir leid für diese Taktlosigkeit, für die ich mich bei allen, die sich daran stoßen, entschuldige!)
Der Ägyptologe Wolfgang Schenkel stellte fest: »Im Alten Reich sind  bereits Dolmetscher und sogenannte Vorsteher der Fremdsprachigen nachgewiesen! (Lexikon der Ägyptologie, LÄ II, S. 314) Die frühen Befunde wurden später von den Ägyptologen aus unklaren Motiven entweder nicht mehr rezipiert, ignoriert und/oder wie so oft, wenn etwas nicht in ihr verherrlichtes Pharaonenbild passte, als ›veraltet‹ abgetan.

Auch nach dem perfiden und beinahe traumatisierenden Angriff Schneiders arbeitete ich akribisch weiter, veröffentlichte aber nur noch auf meiner Homepage, bis ich 15 Jahre später, 2009, mein zweites Buch herausgab ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹. Ich nahm an, Herr Schneider werde darin wieder neues Material finden, das er weiter verwenden oder niedermachen könne. Unter anderem verwies ich nochmals auf die Eroberung Ägyptens durch die von mir entdeckten und gut recherchierten Indo-Europäer und Arier und die weissen Pharaonen in Ägypten hin, über die ich schon 1994 geschrieben hatte. In meinem 2. Buch machte ich  auf das verheimlichte Kapitel  ›Ägyptologie und Faschismus‹ aufmerksam. Was ich voraus sah, bestätigte sich. Schneider nahm das von mir angestossene Thema der Rolle  faschistischer Ägyptologen im Nationalsozialismus auf;  scharte wieder eine Handvoll Gelehrter um sich, die etwas dazu schrieben. 2013 veröffentlichte er als Co-Editor- und Co-Autor: ›Ägyptologen im Dritten Reich. Biographische Notizen anhand der sogenannten ‘Steindorff-Liste.

Soweit so gut.
Interessierten LeserInnen steht ein pdf meines seit langem vergriffenen ersten Buches ›Was war vor den Pharaonen – Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens‹ 1994, kostenlos zur Verfügung (https://books.google.de/books?id=g2fTDwAAQBAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false oder bei doriswolfatdewe-verlagdotcom). Zusätzlich steht die Verwendung meiner Arbeiten, die nur auf dieser Homepage veröffentlicht sind, mit dem entsprechenden Copyright-Hinweis, ebenfalls unentgeltlich zur Verfügung.

       Anhang zu Thomas Schneider:  1992 Veröffentlichung einer Arbeit über ›Asiatische Personennamen in Ägyptischen Quellen des Neuen Reiches‹. Er glaubte in der Kritik an meinen Thesen auch für die 1500 bis 2000 Jahre frühere Epoche von 3500 bis 3000, der Zeit des Umbruchs in Ägypten, zuständig zu sein. Jedoch war Thomas Schneider 1994 weder darüber, noch über das urgeschichtliche Ägypten, informiert, für das sich seit Jahrzehnten niemand interessiert hatte. In den Jahren danach veröffentlichte Thomas Schneider seine weiteren Arbeiten über Ausländer in Ägypten, allerdings wieder in der gut dokumentierten Zeit des Mittleren und Neuen Reiches, d.h. in einem völlig ungefährlichen Rahmen. Das Thema war schon vorher gut erforscht und es brauchte keinen Mut, es aufzubereiten und zu veröffentlichen. Vier Jahre, bzw. fünf Jahre später machte er das Ausländerproblem zum Thema seiner Dissertation und seiner Habilitation: Ausländer in Ägypten während des Mittleren Reiches und der Hyksoszeit (Ägypten und Altes Testament, 42). Teil 1: Die ausländischen Könige, Wiesbaden 1998. Ausländer in Ägypten während des Mittleren Reiches und der Hyksoszeit (Ägypten und Altes Testament, 42). Teil 2: Die ausländische Bevölkerung (Wiesbaden 2003).

Die erstaunliche Kehrtwendung von Thomas Schneider: http://www.forschungsdb.unibas.ch/ProjectDetailLong.cfm?project_id=1131

DIE WELTWOCHE (The World Week)  No. 29, July 21, 1994, Interview by Yvonne-Denis Köchli, ›Gegen pharaonische Propaganda und Mythenbildung – Eine Außenseiterin wagt, es an den Festungen der traditionellen Ägyptologie zu rütteln: Psychologin Doris Wolf‹ (Against pharaonic propaganda and myth-making – An outsider dares to shake at the fortresses of traditional Egyptology: Psychologist Doris Wolf)

DIE WELTWOCHE (The World Week) No. 37, September 15, 1994, Statement by Thomas Schneider, ›Von den Urmüttern Ägyptens keine Spur – Der Ägyptologe Thomas Schneider über Doris Wolfs These eines vorpharaonischen Matriarchats‹ (No trace of the primeval mothers of Egypt – The Egyptologist Thomas Schneider on Doris Wolf’s thesis of a pre-pharaonic matriarchy)

DIE WELTWOCHE (The World Week) No. 39, September 29, 1994, Reply by Doris Wolf, ›Und das Matriarchat gab es doch – Doris Wolf zur Kritik von Thomas Schneider an ihren Ägypten-Thesen‹ (›And nevertheless, there existed the matriarchy – Doris Wolf to the critique of Thomas Schneider on her Egypt Theses)

DIE WELTWOCHE (World Week) No. 41, October 13, 1994, Letter to the Editor by Thomas Schneider

 

s. auch: DIE WELTWOCHE Nr. 29, 21. Juli 1994 Interview von Yvonne-Denis Köchli: Gegen pharaonische Propaganda und Mythenbildung – Eine Aussenseiterin wagt, es an den Festungen der traditionellen Ägyptologie zu rütteln: Psychologin Doris Wolf

DIE WELTWOCHE Nr. 37 15. September 1994 Stellungnahme von Thomas Schneider: Von den Urmüttern Ägyptens keine Spur – Der Ägyptologe Thomas Schneider über Doris Wolfs These eines vorpharaonischen Matriarchats

DIE WELTWOCHE Nr. 39 29. September 1994 Antwort von Doris Wolf: Und das Matriarchat gab es doch – Doris Wolf zur Kritik von Thomas Schneider an: ihren Ägypten-Thesen

DIE WELTWOCHE Nr. 41 13. Oktober 1994  Der beleidigte  Thomas Schneider meldet sich abschließend nochmals in einem weinerlichen Leserbrief: »Es ist schon ein starkes Stück, wie Frau Wolf in der ›Weltwoche‹ meine Stellungnahme zu ihrer These eines vorpharaonischen Matriarchats in Ägypten als ›Pamphlet‹ abtun darf und mir sogar den polemischen Rat erteilt: ›Hausaufgaben machen, Herr Schneider!‹ Während mein Text ohne Absprache wesentlich gekürzt und verschiedene schärfere Formulierungen gestrichen wurden, wird Wolfs Flunkereien nicht nur erneut und als ›Abschluss der Diskussion‹ Publizität gewährt, sondern darf sie auch Schläge unter die Gürtellinie erteilen, die sich für eine Zeitschrift wie die ›Weltwoche‹ im Grunde nicht ziemen….«

Die Diskussion um mein Buch mit Herrn Schneider erfolgte v o r der Ära Roger Köppel, die bestimmt keine solchen ›Schläge unter die Gürtellinie‹ eines Mannes, die sich ›im Grunde nicht ziemen‹ veröffentlichen würde!


Print page