Die Eroberer aus dem Norden

Aus dem Inhalt:

  • Die Eroberer aus dem Norden
  • Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege
  • Die Keule, die früheste Waffe der Indo-Europäer
  • Die weiße Krone kam mit den Eroberern aus dem Iran
  • Der indoeuropäisch-arische Sonnenkult
  • Wer ist der seltsame ›Bärtige‹?
  • Der Bärtige übernimmt den Sitz der Verwaltung
    und Residenz der matriarchalen Priesterkönigin
  • Kein eklatanter Bruch?
  • Indo-Europäer an der Macht
  • Die ›Guten Hirten‹
  • Die indoeuropäischen Eroberer richteten die matriarchalen Kulturen zugrunde

 

›Die wilden Stämme der nördlichen Berge waren eine ständige Bedrohung für die mesopotamischen Stadtstaaten.‹ (Leonard Woolley)

Die Eroberer aus dem Norden

Ab 3500 begann sich im Norden des Mittleren Ostens eine Katastrophe unerhörten Ausmasses abzuspielen. Es war wahrscheinlich der mächtige Stamm der indoeuropäischen Hurriter/Horiter, der mit barbarisch kriegerischen Überfällen in die friedlichen Länder Mesopotamiens und Syriens einbrach. Damit begann der Umsturz von der matriarchalen Zivilisation in die barbarische Kriegskultur des Patriarchats; eine Tragödie, die sich bis heute auswirkt. Seither leiden die Menschen in diesen Gebieten unter den ständigen Kriegen Unsägliches.
In der Geschichte des Altertums hören wir immer wieder von Über­fäl­len marodierender Junggesellenbanden von Hirten und Viehzüchtern, indoeuropäischen Berg- und Steppenno­ma­den, auf friedliche Stadt- und Bauernge­meinden. Es ist der Beginn der als ›Bronzezeit‹ bezeichneten Wende aus dem Steinzeitalter in die Metallzeit, die auf die Entdeckung und die Verarbeitung von Erzen zurückgeführt wird. Indoeuropäische Stämme hatten sich, aus dem Norden kommend, in den erzreichen Gebieten bei den Kupferminen des östlichen Anatolien angesiedelt, wo die Metallverarbeitung erfunden wurde. (s. Leonard Woolley ›Mesopotamien und Vorderasien‹ 1961, S. 44) Aus den metallverarbeitenden Schmieden gingen aggressive Anführer, ›Chefs‹ hervor, die ihr Handwerk vor allem für die Herstellung von Waffen nutzten. Mit den ersten Waffen aus Metall und dem domestizierten Pferd überfielen brutale Männerhorden die unbewaffneten und unbefestigten matriarchalen Städte und Siedlungen.
Wie Archäologen feststellten, wurde im 4. Jahrtausend, ziemlich genau um 3500, eine erste zerstörerischen Invasion in den nordsyrischen Siedlungen von Hamoukar, Tell Brak und Tepe Gaura festgestellt. Diese Siedlungen der vorsumerischen, d.h. matriarchalen Zeit, wurden zum Teil durch ein gewaltiges Feuer zerstört. Der Archäologe M.E.L. Mallowan berichtet von den Grabungen in Nordostsyrien: »Verursacht durch die Invasion der Sumerer endete die ›Halaf‹-Periode mit einer gewaltsamen Zerstörung.« (zit. v. Sibylle von Reden ›Ugarit und seine Welt‹ 1992, S. 40)

Es war der gewaltsame Zusammenprall der indoeuropäischen Eroberer,
die gerade erst eine vaterrechtliche Gesellschaftsordnung geschaffen hatten,
mit den friedlichen, matriarchalen UreinwohnerInnen.

Ihre Eroberungs- und Beutezüge dehnten sie bis nach Ägyptens aus. Hier sind sie als die berüchtigten ›Shemsu-Hor‹, die Schmiede des Horus-Gottes, bekannt.  Der Ägyptologe John A. Wilson betont, dass zu Beginn der sogenannt historischen Zeit um ca. 3300–3000 noch sehr wenig von Kriegen die Rede gewesen sei, das gelte sowohl für Ägypten als auch für Mesopotamien (›Propyläen Weltgeschichte‹ Bd. 1, 1961, S. 331 f.) Verständlich, die Eroberer waren voll und ganz im Rausch ihrer ersten kriegerischen Überfälle, der reichen Beute und den Erfolgen ihrer gewaltsamen und brutalen Machtnahme beschäftigt. Dies ließ noch keinen Raum für das schriftliche Festhalten ihrer Siege und für eine prahlerische ›Geschichtsschreibung‹, der wir in späterer Zeit – und bis heute –  immer wieder begegnen. Es dauerte mehr als 5000 Jahre, bis dank der archäologischen Forschung die ›Geburtsurkunde‹ des ersten Krieges der Weltgeschichte im Norden Mesopotamiens, um 3500 in Hamoukar, ans Licht kam und geschrieben werden konnte. (s. www. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹) Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse dieses ersten Krieges fand jedoch weder bei den Wissenschaftlern, noch in der Presse Beachtung.

Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte gab es keine Kriege

Diese Tatsache wurde 2015 anlässlich einer Dokumentation aus Halle bestätigt. ›Krieg – eine archäologische Spurensuche‹, Landesmuseum für Vorgeschichte, 2016 (s. Doris Wolf ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019, S. 284) Zur Kenntnis zu nehmen, dass der Krieg erst mit den ersten Überfällen der indoeuropäisch-arischen Horden vor 5500 Jahren in die Welt kam, würde bedeuten, die patriarchale Lüge vom Krieg, den es ›schon-immer-gegeben-hat‹ ein für allemal zu verabschieden. Wir leben im Patriarchat und seinen Dogmen, da wäre diese Richtigstellung jedoch nur eine unerwünschte Störung im Getriebe der Interessen der patriarchalen Historiker, der heutigen Politiker, Kriegstreiber und Kriegsgewinnler. Das ist z.B. auch der Grund warum die brutale Eroberung Ägyptens durch die Indo-Europäer, wie sie auf der Narmer-Palette um 3000 dokumentiert ist, nicht wahrgenommem, nicht erkannt werden will.

›Die Indo-Europäer waren kein ›linguistisches Phantom‹, keine Denkkonstruktion der Philologen, sondern eine reale ethnische Erscheinung, deren Traditionen nie aufgehört haben, in unseren Kulturen fortzuwirken.‹ (Jean Haudry ›Die Indo-Europäer‹ 1986)

Der Beginn des patriarchalen Königtums ist mit dem Erscheinen der indoeuropäischen Eroberer und der sie begleitenden arischen Priesterkaste in Mesopotamien und Ägypten etwa zeitgleich und ihre Charakteristiken sind die Gleichen. Es muss ein frühes Bündnis von Indo-Europäern und Ariern gegeben haben, denn: »Offensichtlich begleiteten die Horiter die Indo-Arier bei ihrer Wanderung west- und südwärts… Es muss eine enge kulturelle Verbindung zwischen ihnen gegeben haben.« (W.F. Albright ibd. S. 153. s. hier ›Indo-Europäer und Arier – ein unheilvolles Bündnis‹)

Karte Vorderasiens, des Vorderen und Mittleren Orients mit Ostiran (nach Derakhshani ›Geschichte und Kultur des Alten Ostiran – Grundzüge der Vor- und Frühgeschichte Irans‹ 1995, S. 145)

Die indoeuropäischen Horiter und ihre Bündnispartner, die iranischen Arier, stellten eine ständige Bedrohung für die anderen Völker dar. Der Höhepunkt ihrer Einflussnahme auf die altorien­talische Welt fällt in eine Zeitspan­ne, die als das ›Dunkle Zeitalter‹ bezeichnet wird.

Die Keule, die früheste Waffe der Indo-Europäer

Lange vor den Metallwaffen war die Keule die wichtigste Waffe der indoeuropäischen Krieger. Die ersten birnenförmigen Keulenköpfe wurden in der zerstörten und wieder aufgebauten Ortschaft Tepe Gaura im Norden Mesopotamiens gefunden. Die Keule bleibt der typische ›Totschläger‹ der Indoeuropäer – »vermutlich eine der ältesten Waffen, die im Kampf  benutzt wurden.« (Michael Roaf ›Mesopotamien‹ 1991, S. 66 Hvhb. DW) Nicht nur im fairen Kampf, Mann gegen Mann, sondern vor allem, ein Zeichen des Triumphs, ein Instrument des Terrors, der Einschüchterung und Propaganda, der Übermacht des siegreichen Eroberers gegenüber den Besiegten. Die früheste Szene sehen wir auf dem irritierenden Wandbild der eroberten Stadt Hierakonpolis. (s. D. Wolf 2009, S. 119 f.)
Bei der Eroberung Ägyptens spielte die Keule eine eminente Rolle. Obwohl E.A. Wallis Budge davon ausging, dass es vor allem die Metallwaffen der Eroberer waren, die zur Unterwerfung der eingeborenen Ägypter führten, blieb die Keule von Anfang bis ans Ende der Dynastien das Symbol der pharaonischen Gewalt.
Neben dem Wandbild von Hierakonpolis sehen wir den Einsatz der Keule auf der ebenfalls in dieser Stadt gefundenen Narmer-Palette in der Szene vom ›Niederschlagen der Feinde‹.  Ägyptologen glauben, es sei ein ägyptischer König, der hier Triumphe feiert, die er mit einem Massaker gegen Aufständische im eigenen Land erreicht habe. Doch niemand stellt sich die Frage, ob es tatsächlich einen Aufstand gab, ob Narmer tatsächlich ein ›ägyptischer‹ König war, der hier seine ›eigenen‹ Landsleute ermordet, sie erschlägt, köpft und kastriert und niemand empört sich über die Brutalität der Szenen. Entweder nehmen Ägyptologen dazu überhaupt keine Stellung oder sie überhöhen sie zu einem Sieg, nachdem ›Rebellen‹ ihrer gerechten Strafe überführt worden seien. Was sie nicht akzeptieren, ist, was wir von den frühen Ägyptologen wie etwa dem bedeutenden und zuverlässigen ›Vater der Archäologie‹ Flinders Petrie wissen, Ägypten wurde von einer ›fremden Rasse‹ erobert.
Wir sehen die ersten Anzeichen von Hierarchie und den Beginn der rassistischen Überheblichkeit. Die Anführer der Sieger lassen sich, als Ausdruck ihrer Macht, immer größer und vornehmer darstellen als die Besiegten. »Zwischen den feinen Gesichtszügen des Königs und den gröberen des Feindes liegt ein bemerkenswerter Unterschied. Da in den späteren Formen des Sinnbildes dem Feind immer das verliehen wird, was wir ›Rassenbildnis‹ nennen wollen, dürfen wir Narmers Werk als den ersten Versuch dazu ansehen.« (Heinrich Schäfer ›Das Niederschlagen der Feinde – Zur Geschichte eines ägyptischen Sinnbildes«, WZKM, Vol. 54, 1957, S. 169, Hvhb. DW)

Bisher glaubte man, die Indo-Europäer wären ›von Anfang an‹ patriarchal gewesen und hätten nur,
oder vor allem, männliche Sonnen-Götter verehrt. Die Narmer-Palette bezeugt das Gegenteil.

Die horitischen Eroberer brachten den Falkengott – passend für die Beute machenden Falkenjäger und Viehzüchter – aus den zentralasiatischen Steppen mit, wo der Falke ursprünglich beheimatet war, bevor er sich im Süden bis auf die Arabische Halbinsel mit den Invasoren verbreitete. Die horitischen Eroberer verehrten offensichtlich auch eine Göttin. Ob es sich bei der viermal abgebildeten Göttin auf der Narmerpalette um eine der beiden kuhohrigen Göttinnen Bat oder Hat-Hor handelt, ist ungewiss, jedenfalls ist es eine weibliche Gottheit. Hat-Hor, ›Haus des Hor-us‹, die horitische Göttin, wird die Mutter des ersten männlichen Gottes in Ägypten (›Hat‹ ist die indoeuropäische Bezeichnung für Hütte und Haus). Bisher konnte behauptet werden, die Indo-Europäer seien von Anfang an patriarchal gewesen. Als Erfinder der ersten männlichen Götter hätten sie keine Göttin (mehr) verehrt. Gänzlich unägptisch ist auch ein anderes Indiz der Eroberer:

Die Weiße Krone kam mit den Eroberern aus dem Iran

rote Krone Ostraka Die von Flinders Petrie im Grab 1610 in Nagada gefundene Tonscherbe mit
der Abbildung der Roten Krone stammt
aus der Naqada-Epoche um 3800

»Dieser Fund ist im Vergleich zur Weißen Krone wichtig«, schreibt die Archäologin Elise J. Baumgartel: »Die Rote Krone war die meist verehrte Insigne höchster königlicher Würde. Sie wurde immer als die älteste und erhabenste und als Göttin verehrt und hatte Priorität vor der späteren Weißen Krone, die erstmals auf der Narmer-Palette in Erscheinung trat.« (Baumgartel JEA 61, 1975, Hvhb. DW). Dagegen schreibt Schäfer zur Narmer-Palette: »Auf der Vorderseite ist der König Triumphator über Unterägypten. Er trägt die ererbte kegelförmige, weiße Krone von Oberägypten, auf der Rückseite die eben errungene rote von Unterägypten.« (Schäfer ibd., Hvhb. DW) Doch die weiße Krone ist nicht ererbt, sie wurde von den Eroberern mitgebracht. Auf einem Bild aus Susa, der Hauptstadt des altiranischen Reiches von Elam, sehen wir die aggressive Szene der Gefangennahme und Entführung der matriarchalen Königin, die in einer Sänfte weggetragen wird.

Der Chef der Eroberer trägt die phallische Weiße Krone, die er als Zeichen der männlichen Machtnahme nach Ägypten mitbringt. (Abb. nach M. Pierre Amiet ›La Glyptique mésopotamienne archaïque‹ 1980)

  Die weiße Krone in ihrer auffallend phallischen Form, wurde, wie die phallische Keule, von den patriarchalen Eroberern, den ›Shemsu-Hor‹ nach Ägypten gebracht.

Hurri-Gottheit.weiße-KroneLinks: Etwa 1000 Jahre später trägt Baal, eine Gottheit der ›Hurri‹ (Hurriter) die weiße Krone. Die Statuette des Baal stammt aus Byblos, ca. um 1900, Nationalmuseum Beirut, nach Leonard Woolley ›Mesopotamien und Vorderasien‹ 1961, S. 99)

Baal ist im Altertum eine Bezeichnung für verschiedene Gottheiten im syrischen und levantinischen Raum und bedeutet: Herr, Meister, Besitzer, Ehemann, König oder Gott. Baal war ein Titel, der für jeden Gott auch für Jahwe verwendet wurde. In der Bibel gibt es zahlreiche Stellen in denen Baal erwähnt wird z.B. in der Erzählung von Abraham (1 Mos 14,5).

Der indoeuropäisch-arische Sonnenkult

»Der Sonnenkult war nicht die ur­sprüngliche Religion
der eingeborenen mesopotamischen Bevölkerung«,

betonte der britische Altorientalist und Archäologe A. H. Sayce. Die verschiedenen Religionssysteme werden vom Alttestamentler W. Robertson Smith bestätigt: »Das offizielle System der babylonischen und assyrischen Religion, wie es uns aus priesterlichen Texten und öffentlichen Inschriften bekannt ist, trägt deutliche Merkmale, dass es alles andere ist als eine Darstellung des volks­tümlichen, überlieferten Glaubens. Es ist durch Priesterschaft und Staatsgewalt in der gleichen Weise künstlich ausgebildet wie die offizielle Religion des alten Ägypten, das heißt: Es ist eine für Regierungszwecke veranstaltete, künstliche Kombination aus Elementen, die einer Anzahl lo­kaler Kulte entlehnt waren. Höchst wahrscheinlich war die wirkliche Religion der Volksmassen weit einfacher als das offizielle System.« (Smith ›Die Religion der Semiten‹ 1899, S. 10) Die kriegerischen Eroberer und ihre Verbündeten, die arische Priesterkaste, die sie begleitete, kamen aus dem kühlen, bergigen Norden und verehrten die Sonne; sie erfanden verständlicherweise einen Sonnenkult. Es war eine Mischung der ursprünglichen Religion der Verehrung der Grossen Göttin und den neu erfundenen männlichen Sonnengottheiten, die sie bei ihren Eroberungen in die südlichen Länder mitbrachten. Dasselbe gilt für die zwei  gänzlich verschiedenen Religionen, die ›Volksreligion‹ und die ›Königsreligion‹ in Ägypten nach der Eroberung.
Man darf im Durcheinander der Erfindung neuer Götter und der Einführung der fremden Religion in den eroberten Gebieten keine Logik erwarten, denn es geht vor allem um das Vertuschen der fremden Herkunft der Eroberer und ihrer Götter und um eine Rechtfertigung ihrer Anwesenheit. In Ägypten hat man beispielsweise »behauptet, die Göttin Hathor sei als Gemahlin für den Sonnengott ›geschaffen‹ worden, als dieser zu Beginn des Alten Reiches an die Macht gekommen sei, was gut zu zahlreichen Zeugnissen passt, die wir von einer relativ unbekannten Göttin besitzen, die plötzlich in eine wichtige Funktion katapultiert wird. Folglich spielte Hathor in den königlichen Sonnentempeln eine wichtige Rolle, und ihre mythologische Stadt Dep zeigt eine frühe Verwendung der Rindermetaphorik für die Göttin widerzuspiegeln. In jedem Fall ist Hathors Rindergestalt für ihre entwickelte Charakteristika zentral, und es ist diese Gestalt, in der sie mit der ägyptischen Kuhgöttin Mehet-weret in Zusammenhang gebracht werden muss, der sie sich bis zum Mittleren Reich angeglichen zu haben scheint. In ihrer Rindergestalt beschützte Hathor den König und trat als königliche Amme auf, die den König selbst als Erwachsenen noch stillte.« (Richard H. Wilkinson ›Die Welt der Götter im Alten Ägypten ‹ 2003, S. 140 f.) Eine Kuhgöttin dürfte bei den meisten Völkern bekannt und verehrt worden sein. Herodot berichtete, dass »unter den heiligen Tieren keines eine so große und allgemeine Verehrung geniesse, wie die Kuh« (Hans Bonnet ›Reallexikon der Ägyptischen Religionsgeschichte‹ 1971, S. 402). Die Kuhgöttin der Eroberer übernimmt so weit wie möglich die Charakteristiken und die Wichtigkeit von Mehet-weret, der Grossen Mutter. Die Bezeichnung der Ur-Mutter Mehet-weret wird auch für die ägyptische Himmelsgöttin Isis, die himmlische Kuh, die alles gebar, die ›Schöpferin des Alls‹ verwendet.  Sie wurde dann auch als Mutter des arischen Sonnengottes der Invasoren, Ra/Re, bezeichnet: die ›Kuh, die Re gebar‹, er ist das ›schöne Kalb aus der Mehet-weret‹, ›das Kalb aus dem Urgewässer Nun‹, das aus dem Fruchtwasser ihrer Gebärmutter geboren wurde.

Wer ist der seltsame ›Bärtige‹?

Das erste Auftreten des ›Bärtigen‹ in der bildlichen Darstellung ist eine der aufschlussreichsten Auffälligkeiten aus der Zeit der Eroberungen. Es ist eine tragische Tatsache, dass die Wissenschaftler die Bedeutung des plötzlichen Erscheinens dieses bedrohlich aussehenden, bärtigen Anführers mit breitrandigem Hut und Mantel – einer ungewöhnlichen Ausstattung für Ägypten – nicht als Fremden und Aggressor wahrnehmen wollen. Im Gegenteil, obwohl der Bärtige fast ausschließlich in brutalen kriegerischen Szenen auftritt, wird er von ihnen begrüßt und überhöht. Die meisten Wissenschaftler können oder wollen in den Bildern mit dem Bärtigen, der gleichzeitig mit dem Beginn der Überfälle, den Invasionen, den Plünderungen, den Zerstörungen, den Morden und Kriegen der weißen, indoeuropäischen Aggressoren auftritt, nicht sehen. Einzig der Ägyptologe Alan Gardiner erkennt die Fremdartigkeit des Bärtigen und läßt das Messer, das im ägyptischen Gebel el-Arak gefunden wurde, als einen der ›mögli­chen Beweise‹ gel­ten, dass es zur Zeit des Umbruchs nicht nur inne­re Kämpfe ge­ge­ben hat, sondern dass daran Invasoren beteiligt ge­we­sen sein dürften.

Messer Gebel el-Arak Parrot

Der Bärtige auf dem Messergriff aus Elfenbein von Gebel el-Arak.
(Um 3000, nach Burchard Brentjes ›Völker an Euphrat und Tigris‹ 1981, Tafel III)

Wir haben hier auch ein Beispiele von Verharmlosung durch Weglassen. Während der bärtige Mann zwischen zwei Löwen von David Wengrow als harmloser ›Herr der Tiere‹ bezeichnet wird, zeigt er die andere Seite dieses Messers nicht. Hier sieht man einen brutalen Kampf – bei dem der ›Herr der Tiere‹ der Anführer eines brutalen Kampfes ist. (›The Archaeology of Early Egypt – Social Transformation in North-East Africa, 10’000 to 2650 BC‹ 2006, S. 45)

image002Aus der gleichen Zeit wie das Messer von Gebel el-Arak stammen auch die eigenartigen, bärtigen männlichen Figurinen aus Elfenbein, die in Ägypten auftauchen. Der bärtige Mann ohne Hut ist glatzköpfig und mit langem Bart; so wie die späteren Priester und Beter in Ägypten und Mesopotamien dargestellt werden. (Abbildung rechts: Bärtiger aus Ägypten. Louvre, Paris)
Der Bart muss bei den indoeuropäischen Anführern, die sich zu den ersten Königen Ägyptens und Mesopotamiens machten und bei den von ihnen mitgebrachten männlichen Göttern z.B.  Ptah (›Vatergott‹), offensichtlich große Wichtigkeit gehabt haben. Der (künstliche) Bart gehörte nicht nur zu den unabkömmlichen späteren Insignien der Pharaonen; sondern auch zu den Vorstellungen eines ›echten‹ Mannes und der indoarischen monotheistischen Götter. Selbst noch der ›liebe Gott‹ der Christen, der auch als Vater-Gott bezeichnet wird, wird bis heute als alter Mann mit Vollbart gedacht. Einer der ersten sumerischen Götter, El, der später mit Jahwe vereint wird, wurde in Menschengestalt und ebenfalls ›bärtig‹ dargestellt. Den Indo-Europäern muss der Bart – ganz wie bei den rohen Gesellen der Dschihadisten heute – der Inbegriff von männlicher Macht, Kraft, Virilität und sexueller Potenz gewesen sein. Eine voluminöse Behaarung des männlichen Gesichts ist nur bei Weißen: Europäern, Indo-Europäern, sogenannten Kaukasiern üblich. Es ist bekannt, dass Europäer von allen menschlichen Ethnien den am stärksten ausgeprägten Bartwuchs haben; ein Beispiel dafür sind die roten Vollbärte der Germanen. Vielleicht hängt es mit dem Klima zusammen. In den nördlichen Ländern ›wärmt‹ der Bart, in Afrika ist das nicht nötig. Die meisten Afrikaner haben kaum Bartwuchs; der Vollbärtige, der in Mesopotamien und Ägypten auftaucht, kommt, wie schon seine Bekleidung zeigt, aus dem Norden. Interessant ist, dass nicht nur ägyptische und sumerische Götter, sondern auch die Religionsgründer und Propheten der drei Mono-Religionen, von Abraham bis Mohammed, als Bärtige imaginiert werden. Im tunesischen Kairouen werden drei Barthaare des Propheten als heiligste Reliquien des Maghreb aufbewahrt. ›Beim Bart des Propheten‹ bitten die Besucher um die Erfüllung ihrer Wünsche.
Die ursprüngliche Herkunft der drei Religionsgründer ist nicht etwa Jerusalem oder Mekka, sondern es ist Syrien. Ihre religiösen Ideologien, wie auch ihre allgemeine Neigung zu Gewalt und Krieg sind eindeutig indoeuropäisch / arischen Ursprungs.

Der bärtige Jäger

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Siegel nach Max Mallowan, 1964, Tafel 8, bei G. Wilhelm 2001

In Mesopotamien taucht der Bärtige als Jäger auf. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sehen wir das eindeutige Bild eines Jägers. Dabei muss es sich um etwas derart Aussergewöhnliches gehandelt haben, dass der Jäger seinen Akt des Jagens von wilden Tieren darstellen und sich damit als stolzen Jäger festhalten lässt. Wenn wir ›Die Mär von den ›Großen Jägern der Urzeit‹ (s. www) einmal kritisch hinterfragen, dürfte das ein Indiz dafür sein, dass es tatsächlich erst in dieser Zeit die ersten Jäger gegeben hat. Es handelt sich dabei um ursprüngliche Viehzüchter, die keine Hemmungen mehr vor dem Jagen und Töten von Säugetieren hatten. Die Menschen dürften  jedoch bis dahin ihren Proteinbedarf von Wassertieren gedeckt haben. (s. www. ›Fische und Muscheln waren die Proteinlieferanten der Steinzeit‹)
Lowenjagd-webAuf der sogenannen Löwenjagd-Stele aus der Djemdet-Nasr-Zeit Uruks um 3000 lässt sich der Bärtige wieder als mächtiger Jäger abbilden, der das Tier erlegt. Die Archäologin Seton-Williams deutet die Szene, als kultische Handlung, welche die Tötung des Löwen durch den Priesterfürsten‹ darstellt! (›Babylonien‹ 1981). Brutalität gegen Mensch und Tier wird ärgerlicherweise allzu häufig als kultische, d.h. religiöse Tat geschönt.
Der Archäologe Reinhard Bernbeck schreibt über den bärtigen Anführer in Mesopotamien: »In den künstlerischen Äußerungen der Uruk-Zeit findet sich in auffälliger Häufung die Darstellung einer stereotypen Figur mit Bart und runder Kopfbedeckung. Diese wird auf verschiedenen Gegenständen wie Siegeln, Reliefs, Standbildern oder Messergriffen abgebildet. Dabei ist sie – von Götterdarstellungen abgesehen – immer größer als andere Menschen. Tätigkeiten dieses Mannes schließen den Sieg über wilde Tiere, Bekämpfung von Gegnern mit Pfeil und Bogen und das Füttern von Tieren ein.« (Reinhard Bernbeck ›Theorien in der Archäologie‹ 1997, Hvhb. DW) Wir haben ein einziges Bild von der ›Bekämpfung von Gegnern mit Pfeil und Bogen‹: Es sind nackte Frauen, die aus dem Tempel gezerrt wurden, auf die der Anführer persönlich schiesst! (s. weiter unten)
Gernot Wilhelm schreibt über die Anführer der legendären I. Dynastie von Uruk: »Herkömmlicherweise wird der Herrscher der frühen Bildkunst von Uruk als ›Priesterfürst‹ oder ›Priesterkönig‹… bezeichnet; dies hebt auf die gleichermassen kultischen wie militärischen Kompetenzen, wie sie im Bildmaterial deutlich werden: Darbringung von Opfern vor der Gottheit [z.B. der Grossen Göttin Inanna, die Wilhelm jedoch nicht namentlich erwähnt], Kultreise mit einem Schiff, aber auch Kampf gegen Feinde und Triumph über gefesselte Gefangene.« Auch der französische Archäologe Jean-Claude Margueron sieht im ›Bärtigen‹ und seinen brutalen Handlungen den aggressiven Eindringling nicht; niemanden empört die Gewalt, mit der dieser Eroberer auftritt und von den kriegerischen Indo-Europäern wissen die Archäologen nichts. Sie glauben, dass es die Sumerer waren, die die erste mesopotamische ›Hochkultur‹ geschaffen haben.
Wie sie sich gleichen die Herrscher der beiden eroberten Länder Ägypten und Mesopotamien und ebenso die Herren Wissenschaftler, die deren Taten verharmlosen und ihre brutalen Rollen verkennen. Immer sind die ›guten‹ Herrscher, die ›Priesterfürsten‹, die frommen Priesterkönige gezwungen Kriege zu führen, denn immer sind sie umzingelt von Feinden, die sie tapfer bekämpfen. Wilhelm rühmt den Herrscher als »Heger und Lebensspender ebenso wie als siegreichen Bekämpfer bedrohlicher Mächte«, was ihn so »als Vertreter des ›sakralen Königtums‹ ausweise.« (Gernot Wilhelm ›Der Mann im Netzrock und kultische Nacktheit‹ Beiträge zur vorderasiatischen Archäologie‹ 2001, S. 478 – 483)
Es gibt in neolithischer Zeit weder Anzeichen von Krieg noch von Jagd. Trotzdem behauptet der Archäologe Michael Roaf, dass nach der Machtnahme der Eroberer »die Waffen, die für die Jagd benutzt wurden, zunächst auch der Kriegsführung dienten nämlich Speere, Keulen, Pfeil und Bogen. Im 3. Jahrtausend kamen neue Waffen – kupferne Dolche und Äxte sowie Schilde und Helme dazu. Im 2. Jahrtausend machte die Kriegsführung große Fortschritte; die Rede ist von Armeen mit 10’000 Mann oder mehr.« (Roaf ›Mesopotamien‹ 1991 S. 194) Das imponiert patriarchalen Männern. Wenigstens einen Hauch von Verwunderung über die plötzlichen ersten Kriege oder von Entsetzen über seine ›Fortschritte‹ kann man von diesen Wissenschaftlern nicht erwarten; obwohl die meisten von ihnen, den Horror der Kriege unserer Zeit selbst noch miterlebt haben. Trotzdem verherrlichen sie den Krieg zur ›Kriegskunst‹. Was für ein zynisches Wort für das Töten von Menschen und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.
Die französische Historikerin, Jagdexpertin und Buchautorin Andrée Corvol hat sich darüber Gedanken gemacht, sie sagte in einem Interview (arte 25.11.12): »Historisch betrachtet ist die Jagd eine Übung für den Krieg. Die Männer führen gerne Krieg. Sie bringen sich gerne gegenseitig um; wenn der Krieg vorbei ist, töten sie Tiere.« Die Freude am Krieg, die Lust an Gewalt, Folter, Vergewaltigung und Töten sind die seltsamsten und unbegreiflichsten Faszinationen patriarchaler Männer. Interessant ist aber und auffallend: Es gibt wahrscheinlich kein männliches ›Killer-Gen‹, denn diese perverse Lust an Töten und Zerstörung gab es im Matriarchat nicht; es ist aber ein durchgehendes Charakteristikum des indoeuropäischen Patriarchats.

Das Erscheinen der ersten ›Bärtigen‹ war der sichtbare äussere Auftakt zur größten menscheitsgeschichtlichen Katastrophe; dem unheilvollen, kriegerischen Patriarchat.

Seit dem Auftreten der ›Bärtigen‹, den Invasionen der Indo-Europäer/Arier in Mesopotamien, dem heutigen Iran, Irak, Syrien und der Türkei vor 5500 Jahren kommen diese Länder nicht mehr zur Ruhe. Die Islamisten haben genau in diesen Gebieten ihr mörderisches IS Kalifat errichtet. Wieder sind es Bärtige, scheinbar ›fromme Männer‹, die die Welt terrorisieren.

›Keime patriarchaler Herrschaftsstruktur‹ titelt Carola Meier-Seethaler den Umsturz in Mesopotamien um das Jahr 3000. (›Die Chronik der Frauen‹ 1992, S. 63)

heuchlerHeuchlerisch überreicht der bärtige Eroberer aus dem Norden, der mesopotamischen Priesterkönigin ein Geschenk, aber er hat anderes im Sinn! (Abb. nach Meier-Seethaler ›Die Chronik der Frauen‹ 1992, S. 63, British Museum)

Auffallend ist das primitive Handwerk der künstlerischen Darstellungen, das sich  durch die ganze Epoche der patriarchalen Machtnahme in Mesopotamien und Syrien zieht. Offensichtlich sind die kriegerischen Eroberer, im Gegensatz zu den Eroberten, nicht an Kultur und Kunst, sondern ausschliesslich an Beutemachen und Macht interessiert.

»Der erste Schritt in der Einschränkung des weiblichen Status bestand darin,
das Monopol der religiösen Funktionen von den Priesterinnen der Göttin zu übernehmen«.
(G.R. Taylor ›Kulturgeschichte der Sexualität‹ 1977)

Der Bärtige übernimmt den Sitz der Verwaltung und Residenz
der matriarchalen Priesterkönigin

Rollsiegel aus Uruk (Moortgat)
Der ›Bärtige‹ vor der Nischenfassade eines ›Tempels‹
(Rollsiegel aus Uruk gegen Ende des 4. Jahrtausend, Abb. nach Moortgat)

Nach der Invasion der Indo-Europäer in Mesopotamien kann die aggressive Usurpation der Tempelanlagen wie in Ägypten beobachtet werden. Auch der Archäologe Anton Moortgat verkennt die Gefährlichkeit des Bärtigen, er vermutet, dass es sich hier um den ›Oberpriester‹ vor dem Tempel, der seiner Gottheit geweiht ist, handelt. (›Die Entstehung der sumerischen Hochkultur‹ 1945, S. 72) Es ist jedoch nicht der ›Oberpriester‹, sondern der Anführer der Eroberer aus dem Norden, der den Tempel unter seine Macht gebracht hat. Der Tempelbezirk von Uruk, seit Urzeiten der Göttin Innana geweiht, war gleichzeitiger Sitz der Verwaltung des Landes der Priesterkönigin. Die Situation ist zunächst noch friedlich anzusehen. Doch das wird sich ändern. Es geht dem Eroberer um die Übernahme der politischen Macht und Kontrolle des bis dahin von den Frauen geleiteten Landes. Und das geschieht durch Gewalt; wie wir gerade hier sehen, vor allem gegen die Frau.

»Die Kriege von Menschenmännern wenden sich von Anfang an gegen die Frau: Die Vergewaltigung und Versklavung der Frauen des besiegten Stammes gehört zum patriarchalen Recht des Siegers.« (Gerda Weiler)

Rollsiegel SusaRollsiegel aus dem iranisch-elamischen Susa, Ende des 4. Jahrtausends
(nach M. Pierre Amiet ›La Glyptique mésopotamienne archaïque‹ 1980, Abb. 659).

Ganz offensichtlich sind es Frauen die zum Tempelkomplex (rechts) gehören, die herausgezerrt, entkleidet (oben sind sie noch bekleidet!), gefoltert und vom Bärtigen persönlich mit Pfeil und Bogen getötet werden. Das  Rollsiegel gehört zu den frühesten Darstellungen eines Gemetzels mit Pfeil und Bogen.
Es geht hier nicht um ›Kampfszenen‹ und nicht um ›Gefangene‹, wie Roaf verharmlosend schreibt, sondern um einen einseitigen Kampf, um die Ermordung unbewaffneter, nackter Frauen: um ein blutiges Massaker.

Rollsiegel Gefesselte

Gefesselte nackte Gefangene werden misshandelt und erschlagen. Vor dem mit einer Lanze bewaffneten Bärtigen bittet eine wohl weibliche Person um Gnade. (Rollsiegel aus Uruk, Ende des 4. Jahrtausends, nach M. Pierre Amiet ›La Glyptique mésopotamienne archaïque‹ 1980, Abb. 661)

Das  Bagatellisieren, Herunterspielen und Verharmlosen eindeutiger Gewaltszenen, die die Geschichte immer wieder verzerren und verniedlichen, sind  ärgerlich und absolut unverständlich. Reinhard Bernbeck schreibt: »Diese Figur [des Bärtigen] stellt sicher nicht ein spezifisches Individuum dar, sondern einen durch sein Äußeres, also Kleidung und Haartracht hervorgehobenen Amtsinhaber, der offensichtlich viele unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen hat. Diese stammen aus dem politischen, religiösen [!] und militärischen Bereich.« (Bernbeck ›Theorien in der Archäologie‹ 1997, S. 60) Ob man den Befehl, die Tötung oder die Überwachung von Massakern durch den Anführer als ›zu erfüllende Aufgabe militärischer, politischer Art‹ oder gar als ›religiöse Handlung eines Amtsinhabers‹ betrachten kann? Wie wir sehen, weichen Autoren bei grausamen Darstellungen gerne auf Beschönigungen aus. Bernbeck wagt sich sogar noch weiter vor, indem er über das Gemetzel des Bärtigen schreibt, »dass seine Handlungen möglicherweise eher symbolisch als real zu bewerten sind.« (Bernbeck ibd. S. 61, Hvhb. DW) Sollen mit beschönigenden Auslegungen eigene Überzeugungen vom Glauben an die Überlegenheit und Richtigkeit der aggressiven patriarchalen Kultur und des Mannes per se verteidigt werden? Sind Beschwichtigungen und Unwahrheiten wichtiger als genaues Hinsehen und Aufrichtigkeit? Jedenfalls sind sie für eine lautere und faire Wissenschaftlichkeit eine Katastrophe!

Gewalt Siegel Boehner1Gefesselte, bedrohte und misshandelte Gefangene, Siegelabdruck aus dem Eanna-Tempel der Göttin Inanna von Uruk (nach R. M. Boehmer, ›Uruk. Früheste Siegelabrollungen‹ 1999)

Gewaltszene aus Uruk Boehner›Der Bärtige‹ überwacht das Töten der gefesselten Gefangenen, Siegelabdruck vom Eanna-Tempel der Göttin Inanna von Uruk (nach R. M. Boehmer, ibd. 1999)

Die Menschenopfer von Ur: ›Sati‹

Im frühdynastischen Mesopotamien wurden –  genau wie in Ägypten (s. www. ›Die Ermordung der matriarchalen Elite: ›Sati‹) – nach der Invasion und der Machtnahme durch die indoeuropäischen Eroberer und der Errichtung und Konsolidierung der Gewaltherrschaft die Königinnen und ihr Gefolge beim Tod der Könige ermordet. Sati, (suttee) die ›Witwentötung‹ – bis in unsere Zeit auch in Indien bekannt – wurde u. a. in Kish, Mari, Susa, Ur, Uruk und Tepe Gawra festgestellt. Der Ausgräber von Tepe Gawra, der Archäologe A. J. Tobler, berichtet sogar von zahlreichen Kindern und Säuglingen, die getötet worden waren. In Ur und Kish wurde der königliche Tote im vollen Ornat mit Wagen oder Schlitten zum Grab gebracht. Nicht nur die Zugtiere, auch die Fahrer, bewaffnete Soldaten, Höflinge, Musiker und die Damen des Harems [in erster Linie die Königin und ihre Töchter, die Thronerbinnen!] waren verpflichtet, ihrem Herrscher in die künftige Welt zu folgen (Gordon Childe 1958, S. 153). Der von Leonard Woolley ausgegrabene Königsfriedhof von Ur erregte wegen der zahlreichen Menschen, die hier brutal geopfert wurden, weltweites Aufsehen. Er gehört in die dynastische Periode um ca. 2550. Die als ›Gefolgschaftsbestattungen‹ beschönigten Massenmorde beim Tod der Könige folgten den Kriegen und Zerstörungen, die mit der sumerischen Zeit beginnen. Woolley stellt fest: »Für Menschenopfer am Grabe eines Königs können viele Beispiele aus anderen Ländern festgestellt werden: am geeignetsten ist das Beispiel der Könige der ersten Dynastien in Ägypten, die ungefähr gleichzeitig mit den Gräbern in Ur sind. Aber noch wichtiger ist, dass sich etwas derartiges in Sumer selbst bis in die historische Zeit der dritten Dynastie von Ur erhalten zu haben scheint… Das Schweigen der literarischen Texte steht im Widerspruch zum archäologischen Befund« (Woolley 1957, S. 76 Hvhb. DW). Wir sehen, dass Gräueltaten schon in den frühen Texten gemieden und unterschlagen wurden. Die Menschen wurden entweder lebendig begraben, stranguliert oder vergiftet. Es geht dabei um das Ausrotten der matriarchalen Führung des Landes, um das Töten der Königin, der Thronerbin und jener Frauen und Männer, die in der matriarchalen Gesellschaft staatstragende Funktionen innehatten.  Der deutsche Altorientalist Gebhard J. Selz glaubt, dass es sich dabei um ›Staatsbegräbnisse‹ im »öffentlichen Interesse« handelte! (Selz 2016, S. 46)

Rekonstruktion eines Königsgrabes in Ur mit dem Gefolge, das samt den Tieren geopfert wird.
Erste Hälfte des 3. Jahrtausends. (C.L. Woolley 1934, Abb. 30)

Kein eklatanter Bruch?

Die wenigsten Wissenschaftler können den brutalen Umsturz, der durch die blutigen Eroberungen der matriarchalen Königstümer geschah erkennen. So schreibt etwa Margueron: »Da sich in der Folge der schriftlosen Kulturschichten kein eklatanter Bruch abzeichnet, müssen wir uns fragen, wie das Verhältnis der Sumerer als Schöpfer der ersten mesopotamischen Hochkultur zu den Kulturträgern der voraufgehenden schriftlosen Vergangenheit zu beurteilen ist.« (›Mesopotamien‹ 1970, S. 175) Und der Altorientalist F. R. Kraus doppelte nach: Die Wissenschaft kann »trotz vielfältiger und eingehender Versuche den Texten nichts entlocken, was auf ethnisch bedingte Konflikte in der damaligen Welt deuten würde.« (F. R. Kraus ›Sumerer und Akkader – ein Problem der altmesopotamischen Geschichte‹ 1970, zit. von Nissen 2012, S. 193) Obwohl schriftliche Texte fehlen, kann man die ›Konflikte‹ doch eindeutig aus den Bildern lesen.

Eroberer, Besatzer, Kolonialisten und Missionare sind keine Kulturbringer,
sondern ihre Zerstörer

398px-Ebish-Il_Louvre_AO17551 Mesopotamien wird von den Eroberern als Land der ›Schwarzköpfigen‹ bezeichnet, da sie selbst und die sie begleitende arische Priesterkaste Weiße sind. Dies bezeugen die sogenannten Beterstatuetten, die meist glatzköpfigen, bärtigen Priesterfiguren (Adoranten) mit den auffallend blauen Augen. »In der Siegelkunst frühsumerischer Zeit, in der das Rollsiegel des 4. Jahrtausends weitergeführt wurde, kommt der bärtige Priesterfürst häufig vor.« (Universal Lexikon)

›Statue de l’Intendant Ebih il, Mari, um 2400, Louvre). Bärtiger Beter aus Mari. (CC BY 2.5.)


Wenige Jahrhunderte nach dem Umsturz beherrschen die indoeuropäischen Eroberer aus dem Norden ganz Mesopotamien.

Ihammurabi-codex-undn der Zeit um 1800 ist König Hammurabi der mächtigste Bärtige noch immer mit dem charakteristischen Hut und einem üppigen Bart. Der zum indoeuropäischen Stamm der Amoriter / Ammurriter, ehemaligen Hirtennomaden gehörige Hammurabi, ›König von Sumer und Akkad‹ (ca. 1810–1750), behaupet, den umfangreichen Gesetzes-Kodex, der den Menschen jegliche Freiheit nimmt und von Fraufenfeindlichkeit nur so strotzt, von Gott Shamash erhalten zu haben.

(Relief des oberen Teiles der Stele. Louvre, Paris, CC BY 3.0)

Gesetze, Gebote und Anweisungen zur Unterdrückung und Kontrolle des Volkes als von Gott gewollt zu deklarieren, ist einer der infamsten Tricks der patriarchalen Machthaber. Hammurabis Gesetzes-Kodex ist seine wichtigste Hinterlassenschaft; mit den brutalen Gesetzen schüchtert er das Volk ein und festigt seine Macht.

Die Aggressoren werden zu den ›Guten Hirten‹

›Gute Hirten‹ nennen sich die indoeuropäischen Viehzüchter und Schafhirten, nachdem sie sich zu Königen der eroberten Länder gemacht hatten. Die Eroberer übernehmen mit den ›Bärtigen‹ den Amtssitz, die Verwaltungs- und Tempelbezirke der Königinnen und eignen sich ihre bewährte Arbeitsweise, ihre kluge Verwaltung, ihre durchdachten, gut funktionierenden Organisationen an: Es versteht sich von selbst, dass unsere patriarchalen Wissenschaftler all dies den Männern zuschreiben: »Schrifturkunden und Bildzeugnisse der ersten mesopotamischen Schriftzeit geben uns dank systematischer Forschung Einblick in die Organisation der sumerischen Tempelstadt. Ihr höchster Vertreter war der Fürst, der auf den Bilddenkmälern als Mann im Netzrock erscheint.« (Margueron ›Mesopotamien‹ 1970, S. 174, Hvhb. DW) Immer wenn ein weißer Mann in dominatorischer Haltung auf der Bildfläche erscheint, wird er von den Wissenschaftlern zum Herrscher, zum Fürsten, zum Priester, zum Würdenträger, zum Oberpriester, zum König usw. überhöht und – seine Brutalitäten übersehen.
Der gute HirteViel lieber als barbarische Usurpatoren sehen die Wissenschaftler im Typus des Bärtigen den ›Fürsten und irdischen Partner der Göttin‹ in deren Kultbereich. »Sein Amt umfasst religiös-kultische und profane Aufgaben, so dass wir in ihm einen priesterlichen Herrscher sehen können, der unter dem besonderen Schutz der Gottheit steht«, schreibt Margueron.

Abb. links: ›Der gute Hirte‹, wie wir ihn auch aus der Bibel kennen (babylonische Terrakotta, Sammlung Bibel + Orient im Original, Fribourg, 17. Jh. v.u.Zt.)

In Ägypten ist der Begriff des ›guten Hirten‹ für den Herrscher schon seit den Pyramidentexten belegt.

Die ›guten Hirten‹ sind an der Macht, herrschen autokratisch, führen hierarchische Strukturen ein und verlangen (bis heute!) Unterwerfung, Gehorsam, Respekt, Ehre und besonderes Ansehen. »Neben der Bezeichnung ›En‹ begegnen wir auf einer Urkunde von Uruk dem Wort ›Lugal‹, das zunächst ›Großer Mann‹ heißt, oft aber auch ›König‹ bedeutet. Zum ursprünglichen Sinn fügt sich in der Bildkunst die übergroße Darstellung des Herrschers gegenüber anderen Gestalten. Auf diese Weise wird auch dem Schriftunkundigen die hohe Rangstellung des Fürsten veranschaulicht, dessen priesterliche Funktion in Szenen mit dem der Inanna heiligen Symbolzeichen des Schilfringbündels zum Ausdruck kommt. Als ›Guter Hirte‹, wie sich später die südmesopotamischen Könige titulieren, sehen wir ihn zusammen mit dem Inannazeichen… der Göttin.« (Margueron  ibd. S. 174) Nachdem Inanna, die Große Göttin Mesopotamiens, von den indoeuropäischen Invasoren bezwungen war, übernahmen die ›Guten Hirten‹ das Ruder und beherrschen seither, autoritär, kriegerisch und unerbittlich alle Länder. Seit Abraham (aus der Zeit Hammurabi) bis Jesus, rühmen sich alle als ›Gute Hirten‹; das Alte und das Neue Testament sind übervoll der Beispiele und des Lobes für sie. (s. z.B. ›Guter Hirte‹ Wikipedia) Doch wir werden getäuscht. Die guten Hirten steuern bis heute einen grossen Teil der Welt, der sie die drei Mono-Religion aufgezwungen haben – meistens mit Waffengewalt und Krieg.

›Nirgends auf der Welt ist von Indogermanen eine primäre Hochkultur gegründet worden. Alle ›indogermanischen‹ Kulturen beruhen auf einem militärischen Eroberungszug, gefolgt von einer weitgehenden Akkulturation, in der, nach erfolgter Sesshaftigkeit, mehr von der Kultur der Eroberten als von der eigenen übrigblieb.‹ (Ernest Borneman 1975, S. 99)

Die indoeuropäischen Eroberer richteten die matriarchalen Kulturen zugrunde

Das indoeuropäisierte antike Griechenland ist für uns eine wahre Fundgrube an Wissen in geschriebener Sprache. Die dort zur Verfügung stehenden Schriften, die für viele Historiker allein Gültigkeit haben, können effektiv nicht bestritten werden und dienen der Unterstützung und Verifikation meiner Thesen zur Eroberung Ägyptens und der barbarischen Herrschaft der indoeuropäischen Pharaonen und der arischen Priesterkaste. Ernest Borneman machte die Erforschung dieser Kultur zu seiner Lebensaufgabe und veröffentliche sie in seinem anspruchsvollen Werk ›Das Patriarchat‹. Er schreibt:

»Es ist eines der am besten vertuschten, am sorgfältigsten verschwiegenen Kapitel der europäischen Geschichte, dass der erste Versuch der Machtergreifung des Patriarchats nicht nur misslang, sondern zu dem katastrophalsten Rückschlag führte, der uns überhaupt aus der Geschichte Europas bekannt ist… (›Homer and Micene‹ London 1933, S. 246)
M.P. Nilsson hat diese Zeit ›die ärmste und finsterste Epoche in der ganzen griechischen Geschichte mit der einzigen Ausnahme der Steinzeit‹ genannt, und dabei noch reichlich untertrieben, denn den steinzeitlichen Einwohnern der Balkanhalbinsel ging es unvergleichlich viel besser als den Griechen, von ihren Opfern ganz zu schweigen.« (Borneman ibd. 1975, S. 126)

Anstelle der Tatsache der Invasionen, der Zerstörungen, der ersten Kriege, der Versklavung der indigenen Bevölkerung, des ganzen gewaltsamen Umsturzes auf allen Gebieten, welche heutige Wissenschaftler verharmlosen oder einfach ignorieren, wird nicht nur die Geschichte Griechenlands, sondern schon jene des frühen Ägyptens und Mesopotamiens überhöht und verfälscht. Hier phantasieren Wissenschaftler von ›Hochkulturen‹ die von dynastischen patriarchalen Königen geschaffen worden sein sollen. Doch die ›Hochkulturen‹ – ein fragwürdiger Ausdruck der Geschichtswissenschaft – waren bei den Eroberungen Mesopotamiens und Ägyptens längst da.

Die wirklich gr0ssen Kulturen waren die Leistungen des Matriarchats,
die von den Eroberern einfach übernommen wurden.
SIE SCHUFEN NICHTS NEUES!

Der Altorien­talist Manfried Dietrich bemerkte zum Aufkommen des Patriarchats, es sei eine »schlichte Tatsache, dass die Basis für die Herr­schaftsstruktur und das hierarchische System des Alten Orients laut schriftlicher Aussagen und archäo­lo­gischer Rekonstruktio­nen Ende des 4. und An­fang des 3. Jahrtausends in der Städtekultur Südme­sopo­tamiens liegtDie Ausbreitung über den ganzen Vorde­ren Orient bestimmte in der Folge »das machtpolitische Geschehen dieses Raumes grund­sätzlich auch in der Fol­ge­zeit – bis in die Ge­genwart.« (Dietrich ›Semiramis – Frauen im Alten Orient‹ 1989, S. 131)

 ›Die herrschende Geschichtsschreibung
ist die Geschichtsschreibung der Herrschenden‹
(Karl Marx)

 Zu den Folgen der indoeuropäischen Eroberung Ägyptens s. Doris Wolf ›Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens‹ 2009, Kapitel 4: ›Die verheimlichte Tragödie einer Invasion aus Vorderasien‹ S. 91 bis 110 und hier: ›Der gewaltsame Umsturz Ägyptens am Ende des 4. Jahrtausends‹)

(Der Artikel wurde zuerst veröffentlicht am: 2. 3. 2014 und zuletzt am 29.8.20 aktualisiert.)

 


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