Das Matriarchat in Israel

 

»Das ganze neolithische Europa – den übriggebliebenen Fundstücken und Mythen nach zu urteilen – hatte ein bemerkenswert homogenes System von religiösen Vorstellungen, die auf der Muttergöttin mit ihren vielen Titeln beruhten, die auch in Syrien und Libyen bekannt war. Die Große Göttin wurde als unsterblich, unveränderlich, allmächtig betrachtet, und der Begriff der Vaterschaft war noch nicht ins religiöse Denken eingeführt worden.« (Robert Ranke Graves, Dichter und Mythenforscher, zit. v. Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988, S. 53) 

»Und noch früher existierte die im großen und ganzen gleiche Religion, von der Graves spricht, in Gegenden, die man heute als Irak, Iran, Indien, Saudi-Arabien, Libanon, Jordanien, Israel, Palästina, Ägypten, Sinai, Libyen, Syrien, Türkei, Griechenland und Italien kennt, wie auch auf den großen Inselkulturen von Kreta, Zypern, Malta, Sizilien und Sardinien. Es gab Beispiele für denselben Kult in den neolithischen Zeiten Europas.« (Stone ibd.).
»Archäologen hatten Spuren der Verehrung der Göttin bis zu den neolithischen Gemeinschaften aus der Zeit um 7000 Jahren zurückverfolgt, teilweise sogar bis zu jungpaläolithischen Kulturen aus der Zeit um 25’000. Ihre Existenz wurde seit der Zeit ihrer neolithischen Ursprünge bis weit in römische Zeiten hinein immer wieder bestätigt. Die Religion der Göttin hatte schon Jahrtausende lang vor der Ankunft des Patriarchen Abraham, des ersten Propheten des männlichen Gottes Jahwe, existiert und geblüht und dabei sind sich die Bibelgelehrten einig, dass Abraham erst irgendwann zwischen 1800 und 1550 in Kanaan (Palästina) gelebt hatte.« (Stone ibd. 1988, S. 35 f.)

Die Eroberung des matriarchalen Landes Kanaan

Die Eroberung von Kanaan durch die aus Ägypten geflohenen oder vertriebenen Hebräer rechtfertigt Moses als »Befehl des Herrn«: »Der Herr weist Moses an, aus jeglichem Stamm ihrer Väter einen vornehmen Mann‹ zu senden, um das Land Kanaan zu erkunden.« (Lutherbibel 4. Mose 13) »Zieht da hinauf ins Südland und geht auf das Gebirge und seht euch das Land an, wie es ist, und das Volk, das darin wohnt, ob’s stark oder schwach, wenig oder viel ist; und was es für ein Land ist, darin sie wohnen, ob’s gut oder schlecht ist; und was es für Städte sind, in denen sie wohnen, ob sie in Zeltdörfern oder festen Städten wohnen und wie der Boden ist, ob fett oder mager, und ob Bäume da sind oder nicht. Seid mutig und bringt mit von den Früchten des Landes. Es war aber eben um die Zeit der ersten Weintrauben.« (4. Mose 18, 19) Die ›vornehmen‹ Männer, die auf Gottes, bzw. Moses’ Geheiß, das Land Kanaan, das sie erobern wollten, ausspionierten, berichteten von einem Land: ›darin Milch und Honig fließt‹, dass ein ›starkes Volk darin wohnt und ihre Städte groß und  befestigt sind.
Die Eroberung dieses verheissungsvollen Landes geschieht  brutal und erbarmungslos mit Gewalt, Krieg und Massakern gegen das matriarchale Volk und die Verehrung der Grossen Göttin. (s. https://www.doriswolf.com/wp/die-weissen-goettermacher/patriarchale-religionen-und-gewalt/)

»Als die Anhänger des neuen Monotheismus unter Moses auf die die Göttin verehrenden Völker prallten, soll ›der Zorn des Herrn‹ entbrannt sein und er befahl Moses: ›Nimm alle Anführer des Volkes und spieße sie für den Herrn im Angesicht der Sonne auf Pfähle, damit der grimmige Zorn des Herrn von Israel ablasse.« (Numeri 25, 2-5)

Noch grausamer übermittelt uns 5 Mose 20 das Grauen der Eroberungskriege, das Hinschlachten der Bevölkerung; es steht dem Vorgehen des IS in keiner Weise nach. Im Deuteronomium 7, 1 ff., vernehmen wir:

»Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land geführt hat, um es in Besitz zu nehmen, wenn er dir viele Völker aus dem Weg räumt, wenn der Herr, dein Gott, sie dir ausliefert und du sie schlägst, dann sollst du sie der Vernichtung weihen. Du sollst keinen Vertrag mit ihnen schließen, sie nicht verschonen und dich nicht mit ihnen verschwägern …, sonst wird der Zorn des Herrn gegen euch entbrennen und wird euch unverzüglich vernichten. So sollt ihr gegen sie vorgehen: Ihr sollt ihre Altäre niederreißen und ihre Götterbilder [insbesondere die Ascheren, die Kultpfähle der Göttin Astarte] im Feuer verbrennen. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen. Du wirst ihren Namen unter dem Himmel austilgen. Keiner wird deinem Angriff standhalten können, bis du sie schließlich vernichtet hast.«

Noch mehr Horror findet sich in Exodus 35.2, wo Gott verlangt, dass getötet werden muss, wer am Sabbath arbeitet; im Levitikus 10.13, dass Homosexuelle zu töten seien; im Deuteronomium 22.13-21, dass Mädchen zu töten sind, die nicht jungfräulich in die Ehe gehen, dass Kinder zerschmettert werden sollen, im Psalm 137.9 und nochmals bei Jesaja (13.16):

»Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert,
ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet werden.«

Kann es da jemanden wundern, dass diese schändlichen Verbrechen die Moses befahl Hass, Wut und Verachtung in den Menschen, die davon erfuhren auslöste. Diese Verbrechen waren derart gravierend, monströs und erschreckend, dass sich die Kenntnis darüber in Windeseile über die ganze damals bekannte Welt verbreitet haben muss und im kollektiven Gedächtnis der Menschen gespeichert wurden.

»Was vor langem geschehen war, bestimmte, was sich seither ereignet hat
und liefert auch die entscheidende Erklärung für das gegenwärtige Geschehen.«
(Y. H. Yerushalmi, jüdischer Historiker)

Die Bibel ist ein erschütterndes Buch. Dieses Dokument des Patriarchats strotzt von Verdrehungen, Hass, Gewalt und Grausamkeiten. Warum fällt das den Gläubigen nicht auf? Wir wurden ganz offensichtlich einer Jahrtausende dauernden Gehirnwäsche unterzogen, die die meisten von uns blind und  für die Gräuel der Religionen unempfindsam gemacht hat; eine Blindheit, von der die Anhänger aller drei monotheistischen Religionen geschlagen sind. Die Bibel, das ›Heilige Buch‹ des Patriarchats wurde ausschliesslich von patriarchalen Männern geschrieben, redigiert und umgeschrieben und die bis vor wenigen Jahrzehnten ebenfalls ausschliesslich von Männern geschriebene, bzw. ausgelegte Menschheitsgeschichte enthalten »weniger als die Hälfte der Wirklichkeit. Von daher stellt sich die Frage, was Geschichtsschreibung vom Mythos unterscheidet.« (Weiler 1989, S. 105)
»Beides – der Mythos ebenso wie das theologische Geschichtsverständnis des alten Israel – gehört der theologischen Spekulation an. Mythos und alttestamentliche Geschichte sind vom Dogma des levitischen Glaubens geprägt. Die einseitige jüdische Weltsicht legt ihre enge Klammer um die lebendige, urwüchsige Kultur Israels, mit der Absicht, die sanfte, matriarchale El-Religion der Nordvölker zu jahwisieren.« (Weiler 1984, S. 114).

Die Bibel ist die schriftliche Dokumentation der Zerstörung des Matriarchats
und der Eliminierung der Religion der Göttin!

»Wir haben gesehen, dass die Befehle, die Religion der Göttin zu zerstören, unmittelbar in die Gesetze und Verordnungen der männlichen Religion eingebaut waren, die sie ersetzten. Es ist offenbar, dass die alte Verehrung für die weibliche Gottheit nicht einfach aufhörte, sondern dass ihr Verschwinden nach und nach durchgesetzt wurde, zuerst durch die indoeuropäischen Eroberer, später durch die Hebräer und schließlich durch die Christen und noch weiter durch die Mohammedaner.« (Stone ibd. 1988, S. 279 f.)
Das Judentum, das sich aus der eingewanderten arischen Priesterkaste formierte, setzte den Prozess der ständig weiter um sich greifenden Verdrängung der Großen Göttin der Babylonier fort und führte ihn einem drastischen Höhepunkt zu, bei dem die Göttin endgültig eliminiert und durch einen einzigen männlichen Gott, JHWH, ersetzt wurde. Bernhard Lang, der Autor von ›Jahwe – Der biblische Gott‹ bemerkt: »Israels Religion entstand in einer Welt des Polytheismus, und ihre früheste erkennbare Gestalt ist durch die Verehrung von vielen Gottheiten – Göttern und Göttinnen – gekennzeichnet. Diese frühe Phase der israelitischen Religion hat in der Bibel noch mancherlei Spuren hinterlassen, obgleich die Heilige Schrift alles zu Unterdrücken pflegt, was der etablierten Lehre widerspricht.« Was Bernhard Lang hier nicht erwähnt, die Verehrung der Grossen Göttin, beschreibt, der Alttestamentler Othmar Keel: »Wir wissen, ganz allein war JHWH nicht… An über 40 Stellen wird im Alten Testament polemisch eine Göttin namens Aschera genannt, die sich bis zur Reform des Königs Joschija 622. v. Chr. offensichtlich großer Beliebtheit erfreute. Seit 1975 sind Inschriften aus der Zeit um 800 v.Chr. bekannt, die ›JHWH und seine Aschera‹ nennen. Verschiedene Bibelstellen berichten von einem anthropomorphen Kultbild der Aschera im Tempel von Jerusalem. Speziell beauftragte Frauen woben für diese Schleier oder Baldachine (2. König 21,7; 23,6f). Die Säulenfiguren waren wohl Kopien dieses Kultbildes.«
Die ›polemische‹ Nennung der Aschera, macht Marie-Theres Wacker, römisch-katholische, feministische Theologin, in ihren Studien ›Von Göttinnen, Göttern und dem einzigen Gott: Studien zum biblischen Monotheismus aus feministisch-theologischer Sicht‹ deutlicher. Sie schreibt:

»Aschera, das feminine Wort wird in der Bibel 40 mal erwähnt, meist jedoch
in der grammatisch maskulinen Form Ascheren. Dabei geht es immer um etwas Abscheuliches, Abzulehnendes; nirgendwo wird das Wort Aschera neutral oder positiv gebraucht.«
(s. 2. Mose 34.13; Richter 6.25 ff.; Könige 14.15)

Die verabscheute Gottheit Aschtaroth des Alten Testaments, »ist in der jüdisch-christlichen Mythologie der Name eines Dämons…; ursprünglich die weibliche babylonische Göttin Ištar/Ishtar, die erst zur westsemitischen Göttin Astarte und dann später zum männlichen Dämon Astaroth wurde.« (Wikipedia) Sie war die Große Göttin, die in der Zeit des matriarchalen Kanaan verehrt wurde. Die Bibelverfasser taten alles, um sie zu verteufeln, zu vermännlichen und zu verleumden. Die verhassten ›heidnischen Götzendiener‹ der Bibel beteten zu dieser weiblichen Gottheit.

Das Ziel der arischen Priesterkaste war, in allen eroberten Ländern, die als einzige und alleinige unter ihren Tausend Namen und Gestalten verehrte Große Göttin zu eliminieren und an ihre Stelle einen einzigen männlichen Gott zu setzen. Wie wir sehen, war der Monotheismus keine Erfindung der patriarchalen Priester, sondern ein Plagiat, eine Nachahmung der Religion der Großen Göttin.

Diskriminierung und Verleumdungen der Göttin

Der bekannte schottische Religionsgeschichtler und Professor für Altes Testament Robertson Smith versuchte, »in seinem prophetischen Werk ›Die Religion der Semiten‹ den Vorrang der weiblichen Gottheit unter den Semiten, zu denen sowohl die arabischen wie auch die hebräischen Völker zählen, zu erklären.« Er schreibt, »dass die Vergöttlichung des weiblichen Prinzips unmittelbar aus dem Nebeneinander von Ahnenkult und einem weiblichen Verwandtschaftssystem [Matrilinearität] folgte.« (Stone ibd., S. 55 f.) Smith leugnet nicht das Matriarchat, nicht die matrilineare Erbfolge, nicht die ursprüngliche Göttinnenverehrung, er lässt es aber – in bekannt patriarchaler Manier – an moralischen und diskriminierenden Seitenhieben gegen die Frauen und den Kult der Göttin, den er ›barbarisch‹ und ›unsittlich‹ nennt, nicht mangeln.
Der Alttestamentler R.K. Harrison schrieb über die Religion der Göttin: »Einer ihrer hervorstechendsten Züge war der lüsterne, verderbte und orgiastische Charakter ihrer kultischen Prozeduren.« (›Ancient World‹) W.F. Albright, Archäologe der biblischen Stätten in Palästina, beschrieb die weibliche Religion ebenso bösartig als »orgiastische Naturverehrung, sinnliche Nacktheit und anstößige Mythologie«. Spricht aus diesen Worten nicht vielleicht das unterdrückte Verlangen, diese Sinnlichkeit selbst zu erleben, statt die prüde, leib- und sexfeindliche eigene Religion, die dann salbungsvoll überhöht wird mit Worten wie diesen: ›Sie [die Religion der Göttin] wurde durch Israel mit seiner pastoralen Einfachheit und Reinheit seines Lebens ersetzt, durch Israel mit seinem erhabenen Monotheismus und seinem strengen Moralkodex.‹ »Wie kann man diese Worte akademisch rechtfertigen,« empört sich Merlin Stone, »wenn man von den Massakern gelesen hat, die von den Hebräern an den ursprünglichen Einwohnern von Kanaan verübt wurden? Im Buch Josua, vor allem in Kapitel neun bis elf, sind sie beschrieben.« Wer glaubt an einen solchen Gott, wer betet ihn an, wer kann einen solchen Gott  l i e b e n ? Er steht dem heutigen Schlächter von Syrien in nichts nach. Gewalt ist das Programm des Patriarchats:

In Samaria lautete der göttliche Befehl, die jungen Kinder mit dem Schwert zu zerschmettern und die schwangeren Weiber zu zerreissen (Hosea 14,1). ›Gehet durch die Stadt und schlaget drein; eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und keinen verschonen. Erwürget Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Weiber, tötet alle.‹ Hesekiel 9,5-6  Von den feindlichen, weil andersgläubigen Midianitern tötete Moses mit seinem Heer von 12’000 Mann restlos alle bis auf die Jungfrauen. Alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.  (Numeri 31,17-18). 

Ein ungeheuerliches Bild. Nachdem die Mädchen das Massaker an ihren Eltern, Geschwistern, Angehörigen, des ganzen Volkes mit ansehen mussten, gab dieser Befehl auch noch die Erlaubnis, die jungfräulichen Mädchen zu vergewaltigen. Das ist die blutige Basis des israelischen Volkes; kann es das je vergessen? Die traumatisierten jungen Frauen können kaum glückliche Frauen und Mütter der Kinder ihrer Vergewaltiger geworden sein.

»Die Menschen tun Böses nie so vollständig und freudig
wie wenn sie es aus religiösen Gründen tun.« (Blaise Pascal)

Weder die Juden und Jüdinnen selbst, noch Bibelforscher und akademische Autoren nehmen Anstoß an dieser unbeschreiblichen Schande der Gewalt. Bereits in Mesopotamien erfahren wir nach der Eroberung der Indo-Europäer von der Vergewaltigung kleiner Mädchen und der kindlichen Göttin Ninlil durch den patriarchalen Eroberergott Enlil. Samuel N. Kramer berichtet, wie Ninlil sich zu wehren versucht, sie fleht um Schonung, vergeblich:

›Meine Vagina ist zu klein.
Sie versteht den Beischlaf nicht.
Meine Lippen sind zu klein.
Sie verstehen nicht zu küssen.‹

Die Geschichtsschreiber machten aus Ninlil die Gattin Enlils, womit die Vergewaltigung als ›rechtens‹ sanktioniert wurde. Patriarchale Wissenschaftler und Kleriker, die keine Empörung bei der Beschreibung der vergewaltigten Mädchen empfinden, verleumden die sexuell aktive Göttin und die matriarchalen Frauen, die sie als ›unziemlich‹, ›unerträglich aggressiv‹, oder ›erschreckend unmoralisch‹ bezeichnen. Männer oder männliche Gottheiten, die legendäre Frauen oder Nymphen vergewaltigten oder verführten, beschreiben sie als ›verspielt‹ oder sogar anerkennend als ›viril‹ (s. Merlin Stone ›Als Gott eine Frau war‹ 1988, S. 14 ff.).

Die sogenannten ›Tempelprostitution‹

»Die Frauen, die die alten sexuellen Gebräuche des Göttinnen Glaubens befolgten und die man in ihrer eigenen Sprache als heilige Frauen kannte, wurden immer wieder als ›rituelle Prostituierte‹ bezeichnet. Diese Wortwahl enthüllt eine ethnozentrische Moral, die wahrscheinlich meistens auf der Bibel beruht. Aber wenn man den Ausdruck ›Qadesch‹, also heilig‹ – und so wurden diese Frauen genannt – mit ›Prostituierte‹ übersetzt, so zeigt das ein mangelndes Verständnis der real existierenden theologischen und sozialen Struktur, die die Verfasser eigentlich beschreiben und erklären wollten.« (Merlin Stone ibd. S. 15 f.) Von Herodot wissen wir, dass mit Berufung auf die Göttin der Liebe Frauen von den Eroberern zur Prostitution gezwungen wurden:

»Jedes Weib des Landes muss einmal in ihrem Leben bei dem Tempel der Aphrodite sich niedersetzen und von einem Fremden beschlafen lassen… Und mitten zwischen den Weibern durch gehen schnurgerade Gassen nach allen Richtungen. Da gehen dann die Fremden und suchen sich eine aus. Und wenn ein Weib hier einmal sitzt, so darf sie nicht eher wieder nach Hause, als bis ein Fremder ihr Geld in den Schoss geworfen und sie außerhalb des Heiligtums beschlafen hat. Wenn er das Geld hinwirft, so muss er sprechen: ›Im Namen der Göttin Mylitta‹. Mylitta heißt nämlich bei den Assyrern (und Babyloniern) Aphrodite (eine Form Ishtars). Das Geld mag nun soviel sein wie es will, sie darf es nicht verschmähen: das ist verboten, denn es ist geweihtes Geld. Und mit dem ersten besten, der ihr Geld hinwirft, mit dem muss sie gehen und darf keinen abweisen.« (Herodot, I. Buch S. 199)

Es ging also um Zwangsprostitution; ein bis heute bekanntes Ausleben männlicher Macht. Leicht zu erraten – falls die Geschichte stimmt – ist auch, wer davon profitierte und wohin die Einnahmen gingen. Zu beachten ist jedenfalls, dass die von Herodot beschriebene und für Frauen entwürdigende Tempelprostitution aus der assyrisch-babylonischen, also aus der patriarchalen Zeit stammt, als die Gesetze, die die Frauen entmündigten und demütigten von indoarischen Herrschern verfügt wurden.
Prostitution hat es nicht ›schon immer‹ gegeben und ist nicht ›das älteste Gewerbe der Welt‹. Frauen und Männer waren im Matriarchat sexuell frei, und der matriarchale Clan sorgte für alle ökonomischen Bedürfnisse seiner Mitglieder. Es gab keine Armut und damit erübrigte es sich auch Sexualität als ›Gewerbe‹ zu betreiben. Armut, Not und Zwang sind heute die häufigsten Gründe wenn Frauen Sex als ›Dienstleistung‹ anbieten (müssen); einer der Gründe, warum ein großer Teil der Bevölkerung von den Dikatoren in Armut gehalten werden. Sie bilden die nie versiegende  Quelle billiger Arbeitskräfte, zu der auch die Prostitution gehört.
Erst die Überfälle der Indo-Europäer, der Raub des Besitzes, der in den Händen der Frauen war, die Zerschlagung der mütterlichen Clans, die Einmischung der sie begleitenden arischen Priesterkaste in das sexuelle Verhalten, der Zwang zur patriarchalen Ehe und zum gemeinsamen Wohnsitz von Frau und Mann, die Enteignung und Entmündigung der Frau und die Kontrolle der weiblichen Sexualität führte zur perversen sexuellen Ausbeutung der Frau im Patriarchat.

Robertson Smith schreibt: »Als die Frauen das Recht verloren, ihre Gefährten nach freiem Ermessen zu wählen, wurde die Frau der Herrschaft ihres Ehemannes unterworfen, und die Freiheit ihres Handelns wurde durch seine Eifersucht beschränkt. Gleichzeitig wurden ihre Kinder in allen Erbschaftsangelegenheiten sowie hinsichtlich aller Pflichten des Blutes nicht Glieder ihres, sondern nur  seines  Stammes. Soweit sich die Religion den neuen Bestimmungen der sozialen Ordnung, die sich aus dieser Entwicklung ergaben, anpasste,

musste die selbständige mütterliche Gottheit zu einer untergeordneten Genossin einer männlichen Gottheit werden.« (Smith ›Die Religion der Semiten‹ 1899, S. 41)

Das alles geschah jedoch nicht so harmlos wie es der schottischer Theologe der Free Church of Scotland und Professor für Altes Testament Robertson Smith darstellt. Das Matriarchat, die matriarchale Göttin und die Frauen wurden brutal bekämpft, gedemütigt, verfolgt und gemordet. Moses, der Gesetzgeber, ruft öffentlich zum Frau­enmord auf und verfügt: ›Wenn eines Priesters Tochter anfängt zu huren, die soll man mit Feuer ver­brennen, denn sie hat ihren Vater geschändet.‹ (3. Buch Mose 21,9) Das ist charakteristisch für die leviti­schen Ver­fasser des Alten Testa­ments,

sie »nannten alle sexuell autono­men Frauen, einschließlich der heiligen Frauen des Tempels,
Hu­ren und Dirnen und forderten die Durchsetzung ihrer eigenen patriarchali­schen Hal­tungen beim se­xuellen Eigentum an den Frauen
.« (Stone ibd. 1988, S. 262)

»Im Hoseabuch spielt die Polemik gegen bestimmte sexuelle Praktiken und gegen die Aschera eine wichtige Rolle. Jeder Abfall von JHWH wird als ›Huren‹ diffamiert. Das begünstigt den Verdacht, Abfall von JHWH finde primär im sexuell-erotischen Bereich statt und Frauen seien besonders gefährdet bzw. würden in diesem Kontext eine besondere Gefährdung darstellen.« (Othmar Keel/Silvia Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 52)

Der Göttinnen-Mord

Die Bekehrung zum Eingott-Glauben war ein langer, meist blutiger Kampf, gegen das Matriarchat und die Grosse Göttin, der schließlich zum gewaltsam erzwungenen männlichen Monotheismus führte. »Ein strenger Eingottglaube auf Kosten der Göttin hat sich in Jerusalem und Juda erst am Ende des 7. Jahrhunderts durchgesetzt.« (O. Keel ›Bibel + Orient im Original‹ 2007, S. 43)

»Erst König Josia, der von 639–609 über das südliche Hebräer-Königreich Juda herrschte, beseitigte mit einer großen religiösen Reform alle Kulte, die nicht Jahwe huldigten.«
(M. Heine, Die Welt, 23.12.12)

Schließlich bringt Gott die Göttin um und macht sich so zum monotheistischen Hauptgott. »Du sollst dir keinen Holzpfahl als Ascherabild errichten‹, dröhnt es aus dem fünften Buch Mose, »das hasst der Herr.« Bis 586 v.u.Z. stand ihr Kultbaum im Jerusalemer Tempel. Doch gegen dieses Abbild liefen die Propheten Sturm. In ihren Augen war es ein lästerlicher Götze heidnischer Geilheit.« (M. Schulz, Der Spiegel 52/2006, S. 113, 115, 116)
Die matriarchalen Kanaanäer erschienen den patriarchalen, sexuell unterdrückten Israeliten als ›sittlich minderwertig und verkommen, als lüstern und haltlos, als schamlos und pervers‹. Gott ist wütend und eifersüchtig auf die Verehrung seiner libertinen Gattin: Er tötet seine Frau und die Mutter ihrer Kinder, kaltblütig. Astarte oder die Aschera kommt 40 Mal in der Bibel vor, als Name oder als Kultpfahl eines stilisierten Lebensbaumes. Das ›Götzenverbot‹ in der Bibel verbietet die Anbetung der Bilder oder Figuren der Aschera: »Damit ihr euch nicht von eurem Herzen noch von euren Augen verführen lasst«, heißt es im 4. Buch Mose 15,39. Die patriarchale Beziehungsebene ist voll und ganz auf Unterwerfung und Gehorsam aus. Die IsraelitInnen mussten der Verehrung der Großen Astarte abschwören. Der Mord wird verschwiegen, aber er tönt in den Klagepsalmen immer wieder an.

Die Lage der Frauen veränderte sich dramatisch

»Unter den kanaanitischen Ammonitern, mit denen die Hebräer immer wieder kämpften, hatten Frauen öffentliche Ämter inne. Der Archäologe G. Landes schrieb 1961 von der »überlegenen Position von Frauen, die mit der nomadischen Lebensweise in Einklang steht.« Er wies darauf hin, dass Königinnen wie zum Beispiel die Königin von Scheba (um 950 v.u.Z.) zeitweise arabische Staaten oder Stämme anführten und dass das auch für das achte und siebente vorchristliche Jahrhundert bezeugt ist. Im Gegensatz zu der ökonomischen, rechtlichen und sozialen Position der Frauen im ganzen Umkreis, zeigt die Stellung der israelischen Frauen die Wirkungen einer fast vollständigen Übernahme der männlichen Gottheit Jahwe und der dazugehörigen patriarchalischen Gesellschaft. Der Bibel zufolge stammen die israelitischen Gesetze aus der Zeit des Moses (etwa 1300–1250). Obwohl man dafür noch keine archäologischen Beweise gefunden hat…
Durch intensives Bibelstudium beobachtete der Archäologe und Priester Roland de Vaux  (›Ancient Israel‹ 1965): »Die soziale und rechtliche Stellung einer israelitischen Gattin lag unter der Stellung, die eine Ehefrau in allen großen Ländern im Umkreis einnahm… Alle Texte zeigen, dass sich die Israeliten vor allem Söhne wünschten, um den [väterlichen] Stammbaum und den Besitz zu verewigen und das Erbe der Ahnen zu erhalten… Ein Ehemann konnte sich von seiner Gattin scheiden lassen… Frauen konnten umgekehrt die Scheidung nicht einreichen… die Gattin nannte ihren Ehemann ›ba’al‹ oder ›Meister‹, sie nannte ihn auch ›adon‹, d.h. ›Herr‹; sie sprach ihn wirklich so an, wie ein Sklave seinen Herrn oder ein Untertan seinen König.« (Merlin Stone 1988, S. 92 f.)

Die Göttin und die Frau im verleumderischen Paradiesmythos

Es begann damit, dass die Bibelschreiber aus Rücksicht auf die Eifersucht des Mannes die Frau aus dem Körper eines Mannes erschufen: »In Israel soll die Tatsache, dass neues Leben im und aus dem Körper der Frau erwächst, während der effektive männliche Beitrag zu diesem Wunder auf den kurzen Vorgang der Begattung beschränkt ist, zur bleibenden Irritation und sogar Beleidigung der Männerwelt geführt haben.« (Othmar Keel/Silvia Schroer ›Eva – Mutter alles Lebendigen‹ 2004, S. 11) Doch damit nicht genug, die Frau wird zum absolut Bösen und zum Verderben der Menschheit verleumdet. Jedoch wurde der biblische Garten Eden im babylonischen Mesopotamien beheimatet – in einem von den Indo-Europäern unterworfenen einstigen Matriarchat.

Michelangelo 1475 bis 1564 ›Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies‹.
Sixtinische Kapelle, Rom

Im Paradiesmythos wird die Schlangengöttin zur Verführerin. Der patriarchale Gott warnt die Menschen vom Baum der Weisheit und der Erkenntnis der Schlangengöttin zu essen. Er will verhindern, dass sie unterscheiden können zwischen Gut und Böse; dazu hat er als Verursacher allen Übels guten Grund, denn das verbotene Wissen könnte Zweifel an seiner Weisheit, Allmacht und Güte wecken. Die Erzählung und insbesondere der Lebensbaum der Göttin und Baum der Weisheit sei, so bekennt der evangelische Alttestamentler Andreas Schüle seine exegetische Ratlosigkeit »ein letztlich nicht lösbares Rätsel«. Ein anderer Alttestamentler meint: »Entscheidend für das Verständnis ist die Deutung des Paradies-Gartens bzw. symbolisch des Paradies-Heiligtums als ›Urbild des Tempels‹ in dessen Mitte der verbotene Baum steht.« Diese unglaublich hilflosen Aussagen zeugen von der verinnerlichten ›Weisung Gottes‹, die noch nach mehr als 2000 Jahren ihre Wirkung bei den Gläubigen tut: »Du sollst nicht vom Baum der Erkenntnis essen.«
Die Legende vom Paradies und der verteufelten Schlange kommt in nahezu allen patriarchalisierten Ländern  vor – »in Ägypten, Indien, Tibet, Babylon, Persien, Griechenland (vgl. Platons ›Symposion‹), Polynesien, Mexiko usw. In den meisten [der patriarchal verzerrten] Geschichten dieser himmlischen Gärten wuchsen verbotene Bäume, und es hausten Schlangen und Drachen an diesen Orten, die den Menschen die Unsterblichkeit stahlen oder auf irgendeine Weise das Paradies vergifteten… In der Mehrzahl dieser Geschichten vom Abfall des Menschen von Gott war die Frau das reizvoll-böse Werkzeug der Schlange oder des Teufels, sei es als Eva, als Pandora oder als die Poo See der chinesischen Legende. In Umkehrung der Tatsachen steht im Shi-Ching: Alle Dinge waren zuerst dem Manne unterworfen, aber eine Frau brachte uns in die Sklaverei. Unser Elend kam nicht vom Himmel, sondern von der Frau; sie ward der menschlichen Rasse zum Verhängnis‹.« (Will Durant ›Der Alte Orient und Indien‹ 1935, S. 293) Derart schändliche, die Wahrheit entstellende, geistliche Rechtsverdrehungen der die Frauen diffamierenden Legenden sind die Basis sämtlicher patriarchaler Mono-Religionen. (s. ›Der Kampf gegen die Muttergöttin und ihre Ermordung‹ https://www.doriswolf.com/wp/prozesse-der-patriarchalisierung/ausschnitt-aus-dem-9-kapitel/‹)

»Der Bericht vom Sündenfall, die Sache mit Eva, war für die Entwicklung des Abendlandes immer eine Belastung besonderer Art. Er hat weitgehend zur allgemeinen Entrechtung der Frau in unserer Gesellschaft beigetragen, er hat nicht zuletzt jene beklemmende Verbindung von Fleischeslust und Sünde schlechthin geschaffen, die einsichtige Christen heute bedauern. Diesen Bericht mit den Augen des Vorgeschichtlers zu betrachten, dürfte darum vielleicht hilfreich sein. Wenn der Verfasser die Schuld am Verlust des Paradieses der Eva, also der Frau, aufbürdet, so zielte er damit auf die unbedingte Durchsetzung einer patriarchalischen Ordnung ab, die für ihn zur Zeit der Abfassung ein erst noch durchzusetzendes Programm war.« (Karl Brüning ›Die Sache mit dem Apfel‹ 1972)
Der Paläolinguist Richard Fester wagte es, seine These, was der eigentliche und ursprüngliche Grund für den Antisemitismus sein dürfte, öffentlich zu machen. Er schreibt: »Für die Welt von damals musste der Bericht vom Sündenfall Evas außerhalb des jüdischen Volkes wie eine ungeheuerliche Gotteslästerung wirken. Da die Juden dann später bei ihrer Eroberung ›des gelobten Landes‹ in Palästina ›auf Befehl Jahwes‹ alle die umbrachten, die diesem Glaubenswechsel ihre Zustimmung verweigerten, haben sie für die folgenden Jahrhunderte einen begreiflichen Hass gegen sich selbst gesät, der sich als Antisemitismus institutionalisierte, als längst vergessen war, worin er seinen ursprünglichen Grund hatte, und das, obschon das Christentum diesen Teil der jüdischen Überlieferung übernahm. Damit hatte die einstige Verleumdung Evas, der Stammmutter eines kleinen und damals recht unbedeutenden Nomadenstammes, eine verheerende, bis heute vorhandene Wirkung für die Frauen des Abendlandes.« (Richard Fester ›Weib und Macht‹ – Fünf Millionen Jahre Urgeschichte der Frau‹ 1979, S. 39)
Nicht weil der Legende nach Eva und Adam gegen den von Moses geschaffenen Gott sündigten, auch nicht, weil sie dafür mit dem Rauswurf aus dem Paradies bestraft wurden, bewirkte das Ende des irdischen Paradieses, sondern die Indo-Arier die in einem vernichtenden Strom aus den Südrussischen Steppen, sukzessive von Norden nach Süden die großen matriarchalen Städte und Siedlungen überfluteten und den Nahen Ostens mit brachialer Gewalt eroberten. Ihr Einfluss auf die Geschichte der Israeliten spielt eine wichtige Rolle bei der Errichtung des jüdischen Patriarchats und der ersten radikal patriarchalen Religion.

Gerda Weiler, eine der bedeutendsten Matriarchatsforscherinnen, ging den Spuren des Matriarchats, die in der Bibel zu entdecken sind nach. Der von ihr sorgfältig untersuchte Themenkreis erschien 1984 unter dem Titel: ›Ich verwerfe im Lande die Kriege – Das verborgene Matriarchat im Alten Testament‹; dem folgte 1989 ›Das Matriarchat im Alten Israel‹. Sie schreibt: »Die Bibel ist eine Fundgrube für die Wiederentdeckung der matriarchalen Ursprungsgeschichte der Menschheit. Das Alte Testament lehrt uns, wie ein Volk sich von seinen matriarchalen Wurzeln abschneidet.« Weiler deckt den Kampf gegen das ursprüngliche Matriarchat, die Göttinnen-Verehrung und das Umschreiben der ursprünglich matriarchalen Texte durch jüdische Exegeten auf; was ihr den Vorwurf des Antisemitismus einbrachte. Das erstaunt nicht – denn nur die patriarchale Exegese der Bibel ist als Erklärung zugelassen und außerdem herrscht ein Schweigegebot für Frauen. »In der altorientalischen Gesellschaft – so auch im orthodoxen Judentum – war es unüblich, dass Frauen sich in politischen Belangen oder in Glaubensfragen in der Öffentlichkeit äußern konnten. Deshalb verwundert auch die Auffassung des zeitlebens unverheirateten Apostels Paulus nicht, dass die Frauen in der jüdisch-christlich geprägten Gemeinde schweigen sollen (›paulinisches Schweigegebot‹: 1. Korintherbrief 14,33).« (Wikipedia). Das ist bis heute so und auch in der katholischen Kirche nicht anders und schon gar nicht im Islam. Andere Deutungen als die vom Patriarchat zugelassenen sind tabu – diesem Tabu unterliegen vor allem die Forschungsansätze von Frauen. Das Tabu zu durchbrechen ist gewagt. Die Frauen, die sich dem Christentum widersetzten, wurden als Hexen verbrannt; wer sich eine kritische Beurteilung der alten oder neuen Geschichte Israels erlaubt, wird mit dem Totschlagargument ›antisemitisch‹ zum Schweigen gebracht und schon die leiseste Kritik eines Moslems am Islam kann mit dem Tod geahndet werden.

»Heute verleugnet Israel seinen Mutterschoß – religionsgeschichtlich und
stammesgeschichtlich – es verdrängt seinen Ursprung und beraubt sich
seiner Wurzeln – es war ›von Anfang an patriarchal«!
(Weiler)

Das Volk wird zur Verehrung des patriarchalen Gottes gezwungen

Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen: Ich bin der HERR, euer Gott. Nach der Weise des Landes Ägypten, in dem ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht tun; und nach der Weise des Landes Kanaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht tun; und in ihren Ordnungen sollt ihr nicht leben. Meine Rechtsbestimmungen sollt ihr tun, und meine Ordnungen sollt ihr halten, um in ihnen zu leben. Ich bin der HERR, euer Gott. Und meine Ordnungen und meine Rechtsbestimmungen sollt ihr halten. Durch sie wird der Mensch, der sie tut, Leben haben. Ich bin der HERR.‹ (Levitikus 18.1 – 18.5) »Siehst Du nicht, was sie in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems treiben? Die Kinder sammeln Holz, die Väter zünden das Feuer an, und die Frauen kneten den Teig, um Opferkuchen für die Himmelskönigin zu backen. Andern Göttern spendet man Trankopfer, um mir weh zu tun«, jammert Jeremia (Jer. 7,17-18)
Am Beispiel der Klage des jahwistischen Propheten zu Beginn des 6. Jahrhunderts v.u.Z. können wir die Verfolgung und den Kampf gegen den matriarchalen Glauben und den Versuch die Große Göttin zu eliminieren, beobachten. Jeremia versuchte vergeblich, das Volk zur Anbetung Jahwes zu zwingen. Zweieinhalbtausend Jahre nach der beginnenden Patriarchalisierung der eroberten Länder des Fruchtbaren Halbmondes hatte sich der Ein-Gott-Glaube noch keineswegs durchgesetzt.
Auch Jeremia scheiterte; das Volk rebellierte, besonders die Frauen, obwohl Jeremia drohte, Jahwe werde das untreue Volk töten. Dem Propheten des Herrn war die weibliche Begeisterung für die Göttin unerträglich. Mit den schlimmsten Verwünschungen bis hin zu Ausrottungsdrohungen im Namen des Herrn versuchte er sie von ihren kultischen Feiern fern zu halten. Schließlich war Jahwe der Herr nach eigenem Bekunden ein eifersüchtiger Gott, der allein verehrt werden wollte und alle anderen spirituellen Regungen und Äußerungen immer wieder auszurotten befahl. Die Frauen ließen sich von solchen Drohungen nicht beeindrucken. Sie waren nicht bereit, sich ihr Recht auf ein eigenes Verständnis von Spiritualität streitig machen zu lassen und gingen in Opposition. Erinnerungen waren in ihnen aufgestiegen und sie gedachten jener Zeiten, als man sie noch nicht gezwungen hatte, den patriarchalen Männergott kultisch zu verehren. Die Frauen wehren sich: »Damals – als wir und unsere Väter, unsere Könige und unsere Vorgesetzten… in den Städten Judas und in den Straßen Jerusalems der Himmelskönigin Rauchopfer darbrachten und ihr Trankopfer ausgossen, hatten wir Brot genug und es ging uns wohl und wir sahen kein Unglück. Seit der Zeit aber, da wir abgelassen haben, der Himmelskönigin zu räuchern und Trankopfer darzubringen, haben wir allen Mangel gelitten und sind durch Schwert und Hunger umgekommen.« (Jer. 44. 17-19)

»Der erste Schritt in der Einschränkung des weiblichen Status bestand darin,
das Monopol der religiösen Funktionen von den Priesterinnen der Göttin zu übernehmen.«
(G.R. Taylor ›Kulturgeschichte der Sexualität‹ 1977)

Was mit der Durchsetzung des patriarchalen Monotheismus geschieht, nannte der britische Schriftsteller Aldous Huxley ein ›Schlachthaus der Religionen‹; einen unaufhörlichen Kampf fanatisierter – vor allem – männlicher Gläubigen gegen die anderen patriarchalen Religionen und deren Macht über die Gläubigen.

»Mit der matriarchalen Welt ist das ganzheitliche Bewusstsein verloren gegangen, sind gesellschaftliche Werte vernichtet worden, aus denen – stünden sie uns zur Verfügung – die heutige Menschheit die Kräfte zum Überleben schöpfen könnte.« (Weiler 1984, S. 59) Wie in den westlichen Ländern setzten in Israel und Arabien fundamentalistische, autoritäre Männer alles daran, die matriarchale Zeit zu verdrängen und die brutale Eliminierung der Göttinnen-Verehrung zu verschleiern. Heute ist »gegen den Widerstand strenggläubiger Juden in Palästina eine rege Ausgrabungstätigkeit im Gang. Man müsse dem heiligen Boden die gebührende Ruhe lassen, argumentieren die Rabbiner dagegen. (Weiler, 1984, S. 74).

Frauen schufen Kultur und Zivilisation –
ohne ihre Mitsprache versinkt die Welt in Chaos und monströse Barbarei.

 


Print page