Der Beginn unseres Zeitalters der Metalle und der Kriege

Der Krieg kommt in die Welt und macht die Welt zu einem Massengrab

Für Jacques de Morgan, Bergbauingenieur, Geologe und Archäologe, der die Herkunft und Verarbeitung der Metalle im Ursprungsgebiet des Kaukasus und des Iran untersucht hatte, bestand kein Zweifel, dass die indoeuropäischen Invasoren Bronzewaffen einsetzten, die ihnen das Bezwingen der neolithischen Bevölkerung ermöglichte. (s.›Die Erfindung der Metallurgie – Eine Zufalls-Entdeckung?‹) Für ihn stand fest: Die Kenntnisse der Metallurgie kamen vermutlich mit den Eroberern aus Zentralasien (de Morgan ›La préhistoire orientale‹ II, 1926, S. 216, 219, 233). Der Ägyptologe E.A. Walis Budge ist überzeugt, dass es die Metallwaffen der Eroberer waren, die zur Unterwerfung der eingeborenen Ägypter führten.

Die Metallurgie führte zu einer dramatischen Veränderung der Welt.
Die industrielle Herstellung von Waffen machten Kriege möglich.
Ohne Waffen kein Krieg!

Die Auswirkungen der Erfindung der Metallurgie führten zur Beendigung des Neolithikums und damit zu einer gewaltigen Wende in der Weltgeschichte: Die Herstellung und Bearbeitung der Metalle machten Männer zu Waffenschmieden und Kriegern. Ihre Anführer erkämpften sich die Macht mit brutaler Gewalt. Leonard Woolley, der Ausgrä­ber von Ur, schreibt von »wilden Kriegern, die in den iranischen Bergen nördlich von Elam lebten.« (Woolley ›Mesopotamien und Vorderasien‹ 1961, S. 26) Es war die Effizienz und Überlegenheit dieser Waffen, die indoeuropäische Männer, Angehörige von Nomaden- und Halbnomadenstämmen dazu verführt haben, diese gegen die unbewaffneten und unbefestigten Städte unter matriarchaler Leitung einzusetzen, diese zu erobern, auszurauben, schließlich die Macht zu übernehmen und die Städte und Siedlungen schlussendlich zu zerstören. Erstmals wurden nach der bisher ersten eingesetzten Waffe, der Keule – wir sehen sie auf der Narmer-Palette in der Hand des Eroberers in Aktion – massenhaft Metallwaffen hergestellt und gegen friedliche Menschen gerichtet; erstmals wurden Länder im grossen Stil überfallen, erobert und ausgeraubt; erstmals wurden ganze indigene Völker und Länder unterworfen, versklavt, massakriert und vernichtet. Seither werden während 5000 Jahren pausenlos Kriege geführt, Länder, ja ganze Kontinente erobert, die Einheimischen umgebracht oder versklavt, ihre wertvollen Kulturen unwiederbringlich vernichtet, die Länder „kolonisiert“ und bis heute skrupellos ausgebeutet.

Die Eroberer:
Indoeuropäische Waffenschmiede

Es sind kriegerische indoeuropäischen Horden, die gegen Ende des Neolithikums und dem Beginn der Frühen Bronzezeit in der Geschichte des Vorderen Orient auffallen. Leonard Woolley nimmt an, dass die bewaffneten In­vaso­ren, die das südliche Mesopotamien überfielen und kolonisierten, aus Zentralasien kamen (Woolley Mesopotamien und Vorderasien‹ Kunst der Welt 1961, S. 15). Er schreibt:

»Es scheint, dass in einer Epo­che, die wir die Uruk-Zeit nennen,
aus den Bergen nörd­lich von Elam eine Infiltration von Menschen
stattfand, die sich schließlich zu Herren des­sen mach­ten,
was jetzt der sumeri­sche Staat war.«

Es dürfte sich dabei um Horiter/Hurriter gehandelt haben, deren »genauer Herkunftsort nach wie vor unbekannt ist, doch kommen die ersten Spuren der Hurriter in der nördlichen Gebirgszone Mesopotamiens vor« (Wikipedia). Etwa gleichzeitig, gegen Ende des 4. Jahrtausends wurde Ägypten von den ›Shemsu-Hor‹ erobert. ›Shemsu-Hor‹ wird übersetzt mit ›Anhänger/Begleiter des Horus‹, dürfte jedoch die Schmiedekaste der indoeuropäischen Horiter/Hurriter bezeichnet haben, deren Totemtier der Falke ›Hor‹war, der später vergöttlicht wurde. Die Bezeichnungen ›SheMsu-Hor‹ und ›MeSniu/MeSnitu‹, das sumerische und hethitische ›SiMug‹, das deutsche ›SchMied‹, das altnordische SMiðr, das englische ›SMith‹, das horitische SeM-su und die SeM-Priester haben die gleiche Wort-Wurzel: ›SM‹ bzw. ›MS‹ und sind Teil der indoeuropäischen Sprachgruppe. Die SheMsu-Hor gehörten zur privilegierten Schicht der Eroberer, die dem König ab dem Beginn des patriarchalen Königtums Ägyptens eng verbunden waren.
Die kriegerischen Indo-Europäer brachten nacheinander große Teile der damals bekannten Welt unter ihre Kontrolle. Im Alten Europa werden erstmals brutale Überfälle, Massaker und möglicherweise Frauenraub durch Eindringlinge aus dem Nordosten archäologisch festgestellt.

Erst gegen Ende des Neolithikums, ca. ab dem 5./4. Jahrtausend, wurden im riesigen Gebiet Alt-Europas mit Zehntausenden von Dörfern und Siedlungen vereinzelte Gewalttaten, erste Massaker, nachgewiesen (z.B. in Asparn, Eulau, Halberstadt, Herxheim, Krapina, Talheim). Dagegen behauptet der israelische Historiker Yuval Noah Harari: »Die ersten Bauern waren mindestens so gewalttätig wie ihre Vorfahren, wenn nicht gewalttätiger… Untersuchungen von Anthropologen und Archäologen zeigen, dass in einfachen landwirtschaftlichen Gesellschaften, die sich nicht über das Dorf oder den Stamm hinaus organisierten, etwa 15 Prozent aller Menschen eines gewaltsamen Todes starben; bei den Männern waren es gar 25 Prozent.« (Harari 2013, S. 107) Das ist eine ungeheure Behauptung, die von ihm durch keine Quellennachweise belegt wird.

Wir kennen solche Geschichtsklitterungen: ›Gewalt und Krieg hat es ›seit jeher‹, ›schon-immer‹, ›seit Menschengedenken‹, gegeben zur Genüge. Wie wir feststellen können, verteidigen heutige Wissenschaftler noch immer diese These und Historiker und ignorante Politiker rechtfertigen damit die heutige Gewalt und die Kriege als schicksalhaft, naturgegeben, in den Menschen immanent, seien nicht zu verhindern. Als Gipfel aller Rechtfertigungen für den Krieg ist die freche und dümmste aller Behauptungen, Kriege würden gemacht, um Frieden zu schaffen oder zu erhalten. (s. ›Es reicht – 5000 Jahre Patriarchat sind genug‹ 2019, S. 289 f). Zu den Überfällen und Massakern in Deutschland ibd. 2019, S. 305–308).

Überfallen und erobert wurden mit der Zeit Teile des Alten Anatolien, Syrien, Mesopotamien, der sog. Fruchtbare Halbmond bis und mit Arabien und Ägypten. Die bewaffneten Eroberer setzten sich als despotische Herrscher über die autochthonen Völker. Der Indo-Europäer-Forscher und Sanskrit-Gelehrte Jan Haudry schreibt:

 

»Es gibt bei den Indo-Europäern eine Aristokratie deren Hauptbeschäftigung der Krieg ist.
Von den Dichtern besungen, verhilft der Sieg dem Krieger zum ›unverwelklichen‹ Ruhm.«

»Die Dichter halten vor allem einzelne Großtaten fest, die den Helden über den Gemeinen erhöht und ihm den ›ewigen Ruhm‹ über den Gemeinen sichert… vor allem muss der Held der Gunst der Götter sicher sein; diese flössen ihm die ›kriegerische Wut‹, die Überspanntheit des ménos ein die die physische Kraft verzehnfacht… (s. ›Wer war Menes?‹) Aber die einzelnen Heldentaten reichen nie aus, um den Sieg zu sichern… Im Leben der indoeuropäischen Gesellschaft ist der Krieg ein normaler Zustand; es ist die gewohnte Beschäftigung des Adelsstandes… Krieg wird aus verschiedenen Gründen geführt: neue Gebiete erobern; den heimatlichen Boden verteidigen… eine Beleidigung rächen, die Vasallen an ihre Pflicht mahnen, Revolten unterdrücken.« Der Krieg sei vor allen Dingen ›ein Spiel‹. Es ist allerdings ein furchtbares Spiel von Männern auf Kosten von Unbeteiligten, von Frauen, Kindern, Alten und Kranken. Worum es tatsächlich bei den Kriegen geht, beschreibt Haudry: »Der Sieg soll den Widerstand brechen und nicht den Feind vernichten«, d.h. ihn nicht töten, man will ihn lebend, um ihn versklaven, ausbeuten und missbrauchen zu können. (Haudry ›Die Indo-Europäer‹ 1968, S. 131 bis 135 passim) Das Ziel der Kriege ist ›Unverwelklicher Ruhm‹. Kriege, die den Krieger aufwerten, überhöhen und glorifizieren war diesen Männern ungeheuer wichtig. Doch der Ruhm verwelkte offenbar schnell, so dass der Anspruch ständig durch weitere Kriege erneuert und erhalten werden musste.  So war Frieden nie von langer Dauer.

›Kriege gab es, seit es Menschen gibt‹,
lautet die Lügen-Propaganda des Patriarchats

Erst jüngere Forschungen brachten es an den Tag: Nach Hunderttausenden Jahren des Friedens begann das Zeitalter des Schreckens (erst) vor ca. 5500 Jahren mit dem Beginn des Patriarchats am Anfang der Bronzezeit. Diese sensationelle Tatsache stellte der Prähistoriker und Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt Harald Meller fest. Anlässlich seiner Ausstellung: ›Krieg – eine archäologische Spurensuche‹ empfing er ein Team von Wissenschaftlern in einer 3sat-Sendung von Gert Scobel am 12.11.15. Aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Archäologie betont er:

»Während 98 Prozent der Menschheitsgeschichte
gab es keine Kriege!«

Erstaunlicherweise war diese wissenschaftlich erhärtete Ansage
der Presse keine Zeile wert!

Schon 2005 hatten Archäologen vom Oriental Institute der University of Chicago, unter der Leitung des Archäologen Clemens Reichel festgestellt: »Der erste Krieg der Weltgeschichte fand um 3500 in Hamoukar, in Nordsyrien, statt« (s. ›Der erste Krieg der Weltgeschichte‹). Neben der irrigen Ansage, Krieg habe es ›schon-immer‹, ›seit die Welt besteht‹ gegeben, dienen diese unwissenschaftlichen Behauptungen der Rechtfertigung der ständigen heutigen Kriege. Verschiedene ›gute Gründe‹ verteidigen heutige Kriege als ›notwendig‹, allen voran die Behauptung der Kriegstreiber: es gehe darum den Frieden zu sichern. Dies ist eine der großen und dreisten Lügen des kriegslüsternen Patriarchats. Dabei geht es immer nur um eines, um Profit und Beutemachen.
Wieland Speck sagte bei der Einführung des preisgekrönten Films ›Circle‹ zum Krieg in Bosnien: »Vergangenheit ist der Stoff aus dem die Gegenwart gemacht ist und wenn man sich ihr nicht stellt, wird aus ihr möglicherweise auch die Zukunft zusammengesetzt. Eine Horrorvorstellung, denkt man an die Kriege, die uns heutigen Westeuropäern erspart geblieben sind. Weniger Glück hatten die Osteuropäer aus Ex-Jugoslawien. Die Ereignisse vor kaum mehr als 20 Jahren bleiben zu Lebzeiten lebendig. Dass aus einer befriedeten Welt, in der die unterschiedlichsten Religionen lediglich kulturelle Randnotizen waren eine segregierte, hasserfüllte werden könnte, schien unvorstellbar und wurde doch in Windeseile blutige Wirklichkeit. Hass scheint sich leichter evozieren zu lassen, geht mit der nötigen Propaganda schneller aufzubauen als Liebe. Gewalttätigkeit, der Zerstörungsgenuss der Gewaltmänner und die Abwesenheit von Moral sind nicht Kriegsfolgen, sondern nichts Anderes als deren Ursache.« (›Circles‹, Film zum Bosnien-Krieg von Srdan Golubovic, Regie, Srdan Golubovic, Srdjan Koljevic, Melina Pota Koljevic 2013, arte Dezember 2016).
Wie konnte sich die Lüge vom Krieg, den es seit jeher gegeben haben soll, so lange halten? Weil patriarchale Männer unbedingt an die Macht des Stärkeren glauben wollen. An die Stärke durch immer raffiniertere und teurere Kriegswaffen. Und weil diese Macht des Stärkeren (des stärker Bewaffneten) nur am Krieg, nicht aber am Frieden interessiert ist. Friedensforschung konnte sich bei den patriarchalen Machthabern, seien es Wissenschaftler, Politiker und Religiöse nicht durchsetzen, denn sie ist nicht erwünscht. Weil diese patriarchalen Kreise der Macht wissen, dass diese Forschung Tatsachen ans Licht bringen würde, welche die bis heute in konservativ-bürgerlichen Kreisen aufrecht erhaltene Propaganda widerlegen würde. (s. Die Lüge vom Krieg)
Eigentlich wusste man von den Hunderttausenden Jahren des Friedens in der Zeit des Matriarchats schon lange. Nach dem großen Gelehrten Johann Jakob Bachofen (›Das Mutterrecht. Eine Untersuchung der Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur‹ 1861) gab es viele ForscherInnen und SchriftstellerInnen, die darüber berichtet haben, nur hat das Patriarchat dieses Wissen erfolgreich, verdreht, verzerrt und unterdrückt, um mit seinen mörderischen Kriegen fort zu fahren und diese zu rechtfertigen.

»Informationsunterdrückung liegt in der Dynamik
der dominatorischen Gesellschaft.«
(Riane Eisler)

Die Meister des Grauens und des Todes, Waffenhersteller, Waffenhändler, Militaristen und Kriegstreiber wollen sich durch blutige Tatsachen ihr lukratives Geschäft nicht kaputt machen lassen; regierende Männer und Frauen ihre Macht nicht durch Zugeständnisse an die verpönte, veraltete Moral nicht aufs Spiel setzen. Und wie sollte die Kirche die Grausamkeiten, die brutalen Überfälle, die Kriege, den Landraub und die Gewalt gegen die Bevölkerung, die schon das Alte Testament mit Stolz und Überheblichkeit – als Auftrag des patriarchalen Gottes – rühmt, wie die Unterstützung der kriegerischen Kolonialisten durch christliche Missionare noch rechtfertigen? (s. Die fatale christliche Missionierung in aller Welt)
Die Geschichte des Patriarchats zeigt, die Vertreter der patriarchalen Religionen waren immer auf der Seite der Mächtigen und mächtig sind im Patriarchat ausschliesslich Männer.

Die patriarchale Geschichtsverfälschung hat zum Ziel, den katastrophalen Umsturz von der matriarchalen Zeit
des Friedens in die kriegerische, militaristische Zeit der Diktatur des Patriarchats zu kaschieren oder wenigstens zu rechtfertigen.

Es gab tatsächlich während den Millionen Jahren der Evolutionsgeschichte keine Kriege. Dies wird unter anderem in Ägypten bezeugt. Menschliche Besiedlungen »lassen sich bis um 2 Millionen Jahre nachweisen. Lange bevor das Niltal selbst, noch von regelmäßigen Hochwassern durchströmt, bewohnbar wurde, siedelten hoch an den Talrändern Menschen, deren Existenz in den von ihnen gefertigten und benutzten Feuersteingeräten nachweisbar ist.« (Dietrich Wildung ›Ägypten vor den Pyramiden‹ 1981. S. 8). Es gab keine Spuren von Gewalt, diese zwei Millionen Jahre waren absolut friedlich. Nie und nirgendwo wurden  Spuren von kriegerischer Gewalt gefunden; die Geschichte der Menschheit verlief bis vor wenigen Tausend Jahren friedlich. Der Grund der Friedfertigkeit lag in der Macht der Frauen, der Mütter. Seit der Entwicklung der Spezies der Hominiden waren es die Mütter, welche als Gebärerinnen für den Fortbestand und Erhalt der Menschheit sorgten und eine ganz natürliche, gewaltfreie Dominanz ausübten und die Garantinnen für Frieden waren. Mütter waren der respektierte, geliebte und verehrte Mittelpunkt der friedlichen Sippen. Das Leben wurde seit jeher von den Frauen, von Schwangerschaften, Geburten und Stillen bestimmt. Ebenso die Sorge und Pflege von Alten und Kranken. Solche Überlegungen fehlen patriarchalen Wissenschaftlern. Sie phantasieren lieber von abenteuerlichem Nomadentum, von erfolgreichen Jägern, heldenhaften Kriegern, stolzen Kriegsfürsten und triumphierenden Siegern.

Kriege sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Von den Kriegsverbrechen, den vergewaltigten Frauen, den unzähligen Toten, den Witwen und Waisen, den Traumatisierten und Verstümmelten, von Vertreibung und Hunger, von Not und Elend der Kriege reden die machthabenden Kriegstreiber nicht. Das sind für sie lediglich unvermeidliche ›Kollateralschäden‹, sozusagen geschädigtes oder kaputtes ›Material‹. Patriarchale Männer beteuern, Krieg habe es ›schon immer‹ gegeben. Zum Beispiel in einem Interview über den Krieg mit Prof. Dr. Claus Kreß in der Sendung ›Wissen im Fluss‹ vom 17. Okt. 2017, verkündet der Wettermoderator Karsten Schwanke: »Seit es Menschen gibt, gibt es Krieg«. Der Professor widerspricht nicht! Ist er eben so ignorant wie der Moderator oder stimmt er ihm zu? Oder es wird behauptet, Schuld am Krieg sei der Beginn von Sesshaftigkeit (die erst  vor 10-12’000 Jahren stattgefunden haben soll!) und damit verbundenes Besitzdenken. Sesshaftigkeit, der Kampf um Besitz von Land und Boden sei so der Grund für Streiteren um ein Stück Weideland oder ein Stück Vieh gewesen, was schliesslich zu den ersten Kriegen geführt habe. (s. ›Sesshaftigkeit versus Nomadentum‹)
Die Thesen von den Gründen für Krieg sind Spekulation. Sie dienen jedoch den patriarchalen, kriegsbegeisterten Männern zur Rechtfertigung der Waffengewalt und der ständigen Kriege. Und alle, alle schreiben jeden Unsinn ab, plappern die ständig wiederholten falschen Behauptung von der von Männern dominierten Vergangenheit leichtfertig nach. Presseleute machen sich wichtig mit Ansagen, von denen sie tatsächlich keine Ahnung haben.
Die Vertreter der These und ihre Adlaten sind von der Richtigkeit der Behauptung, Kriege habe es schon-immer gegeben oder der späten Sesshaftigkeit, die für die ersten Kriege verantwortlich war, überzeugt, ohne selber nachzudenken oder die Aussagen auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Selbst nachzuforschen scheint ihnen nicht nötig, die Behauptungen und Spekulationen wurden für sie zu Wahrheiten. Zuletzt beobachtet im Januar 2021 z.B. in der ›wissenschaftlichen‹ Sendung ›History 360 – Geschichte der Menschheit‹. Hier toppen die Autoren die bisherige Mär von den ›Jägern und Sammlern‹ und reden selbstgefällig vom Mann als »Jäger und Krieger«. Da wird vom gelehrten Tausendsassa Harald Lesch und dem Webvideoproduzenten Mirko Drotschmann kein patriarchales Klischee, kein Irrtum, kein Unsinn ausgelassen. Nichts haben sie selbst erforscht, keinen Zweifel, keinen neuen Gedanken beigetragen. Völlig unkritisch spulen sie die alten Irrtümer von den Jägern und Sammlern ab und fügen dem auch noch Krieger hinzu. Das ist ärgerlich, weil sie damit den ganzen veralteten Müll perpetuieren, der uns schon in der Schule eingepaukt wurde.
Das sind nur zwei von vielen Beispielen, in denen falsche Behauptungen, zu Tatsachen gemacht und weit verbreitet werden. So werden wir mit Falschinformationen indoktriniert: Eine Welt ohne Krieg ist nicht möglich. Krieg ist Schicksal!

Bis vor 5500 Jahren gab es keine Kriege und selbst eventuelle kleine Fehden können nicht der Anlass für diesen ungeheuren, brutalen Umsturz gewesen sein, für die schlimmste Katastrophe, die die Welt bis dahin erlebt hatte: den Beginn der Waffengewalt, der Armeen, des Militarismus, die fünfeinhalb Jahrtausende der Kriege, des Mordens, der Plünderungen, der Zerstörungen, der Vertreibungen, der Vergewaltigung von Frauen und Kindern.
Beim ersten bis heute nachgewiesenen sogenannten Krieg im Nordosten Syriens, in Hamoukar, handelte sich auch nicht um Kämpfe zwischen bewaffneten Männern, sondern um kriegerische Überfälle einer Gruppe bewaffneter Männer gegen die unbewaffneten StädterInnen. Alle Kriege waren Beutezüge. Beim ersten Beutezug ging es vor allem um Macht über Frauen – und damit um den Raub von Land und Reichtum denn Land und Besitz lagen in den matriarchalen Kulturen in den Händen der Frauen. Kriege wurden zum Zwecke von Landeroberun­gen und Raubzügen von kriegerischen Raubmördern gemacht und als Mittel des Machterhalts insti­tutionali­siert. Das Motiv für Kriege sind bis heute mehr oder weniger versteckte Beutezüge geblieben. Es ist dies der Beginn ›eines 5000 Jahre währen­den Alp­traumes, aus dem es für diesen Planeten Zeit ist, zu erwachen‹ (James Joyce). Das Erwachen aus dem Alptraum würde jedoch den Abschied vom Patriarchat bedeuten, denn Patriarchat und Krieg gehören zusammen, sind ohne einander nicht denkbar.

Kriege dienen allein dem Profit der Hersteller von Waffen und dem Beutemachen der Kriegstreiber.
Diese Kriegsverbrecher sitzen in den Regierungen und den Chefetagen der Multis.
Das grosse Geschäft heisst Bereicherung und Profitmaximierung durch die Herstellung und den Verkauf von millionenfachem Tod.


Haben Männer ›aggressive Erbanlagen‹,
gar ein ›Killer-Gen‹?

Krieg sei ein Teil der Natur des Menschen, behaupten patriarchale Männer (in der Wissenschaft ist der ›Mensch‹ immer der Mann). Der patriarchale Paläo-Anthropologe Robert Ardrey (›Adam kam aus Afrika‹ 1967) übte großen Einfluss auf das Denken breiter akademischer Kreise aus. Er war ein Befürworter der ›Killeraffen-Theorie‹ von Raymond A. Dart, nach der ein mörderischer Gewaltinstinkt, menschliche (gemeint sind wohl männliche!) Aggression und der Krieg die positiven (!) treibenden Kräfte bei der Evolution der Menschheit gewesen sein sollen. Die Gewalt, die Ardrey rühmt, ist in der Urzeit nicht auszumachen, sondern ein Produkt männlicher Phantasie. Erst die Machtnahme der kriegerischen Indo-Europäer in der Bronzezeit brachten Krieg und Gewalt in die Welt. Doch die irrige Ansicht ist weit verbreitet und wurde kaum je auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Auch der Neuropsychologe Thomas Elbert ist »überzeugt, dass der Mensch darauf ausgelegt ist, Gewalt auszuüben.« Er meint, »Menschen können Menschen töten, und in primitiven Kulturen tun sie das auch.« Das ist eine ungeheuerliche Unterstellung, die Elbert noch mit der völlig verrückten Aussage toppt: »Die Untersuchungen steinzeitlicher Kulturen zeigen, dass die Hälfte aller Männer erschlagen worden ist.« Elbert plappert nach, was vor und mit ihm noch immer von einigen patriarchalen Wissenschaftlern behauptet wird. Er begründet dies mit den Genen: »Von unserer genetischen Zusammensetzung sind wir nicht großartig anders als der Steinzeitmensch. Die Bereitschaft zu töten, war damals keine psychopathologische Variante, die selten auftritt. Es war die Regel!« (Interviewer Sami Skalli 18. 8. 2011 ZEITonline) Leider verrät uns Elbert nicht, womit er seine falsche Ansage untermauern kann.

Die Behauptung, Krieg sei auf eine angeborene Ag­gres­sion des Menschen zurückzuführen, wurde von verschiedenen Wissenschaftlern hinreichend widerlegt. Der Sozialpsychologe Erich Fromm berich­tigt das unhaltbare Vorurteil ebenfalls und stellt klar, die Urgeschichts­forschung habe bewiesen, dass die frühesten Menschen weniger de­struktiv waren als die sogenannt Weite­rentwickelten und dass »der Prototyp Mensch, wie er vor 50’000 Jahren auftauchte, auch nicht der Mörder war, den wir in den fortgeschritte­neren Stadien der Evo­lution antreffen« (Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 135; s. auch ›Terror – die monströse Fratze des Patriarchats‹) Der Glaube an den ›zivilisierten‹ Mann von heute ist im Kriegsfall eine Illusion. Der patriarchale Mann meint jedoch:

»Wenn der zivili­sierte Mensch schon von so vielen Kriegen und ei­ner so starken De­struktivität heimgesucht ist,
wie viel schlimmer muss dann der ›primi­tive‹ Mensch gewesen sein, der in der Entwick­lung zum Fortschritt hin so weit im Hintertreffen war
.« (Erich Fromm)

Diese Vermutung entbehre jeder Grundlage schreibt Fromm weiter. (ibd., S. 193 f.)  »Die Vorstellung von ständigem Krieg zwischen den ›wilden‹ Jägern und Sammlern seit dem vollen Auftauchen des ›modernen Menschen‹ um 40 000 oder 50 000 Jahren ist ein weit verbreitetes Klischee« (Fromm ibd. S. 18). Er weist die Annahme von Konrad Lorenz von ›40’000 Jahren organisierter Kriegsführung‹ zurück, die nichts weiter als das alte Klischee Hobbes‘ vom Krieg als dem natürlichen Zustand des Menschen sei (Thomas Hobbes ›Leviathan‹ 1651), »das hier als Argument dient, mit dem die angeborene menschliche Aggressivität bewiesen werden soll. Die logische Folgerung aus Lorenz‘ Annahme ist, dass der Mensch aggressiv ist, weil er aggressiv war, und dass er aggressiv war, weil er aggressiv ist.« (Fromm ibd. S. 18, Hvhb. DW) Doch Hobbes Theorie aus dem Jahr 1651, für die die Forschung keinerlei Grundlage erbrachte, feiert noch immer fröhliche Urstände. So weist Hania Luczak im GEO-Heft zur Aggressionsforschung auf die Auffassung patriarchaler Wissenschaftler hin: »Aggression ist uns angeboren wie allen Lebewesen und moderne Evolutionsbiologen meinen, dass die Anlagen zum Krieg in unseren Erbanlagen gespeichert seien.« (Geo 27.5.1991) »Dies klingt geradezu wie eine Rechtfertigung für Kriege und lässt uns glauben, dass es friedliche Lösungen deshalb nicht geben kann, weil die gesamte ›Menschheit‹ auf Krieg programmiert ist«, empört sich Roswitha Baduva-Walch. (›Europa und 2000 Jahre Frieden‹ 1992) Doch wenn schon, meint Baduva-Walch, »dann sind diese ›aggressiven Erbanlagen‹ »auf männliche Lebewesen beschränkt, die deshalb auch in der Überzahl die Gefängnisse bevölkern.« (Baduva-Walche, ibd. 1992, S. 31)

Die meisten Kriege entstehen dort, wo Frauen nicht respektiert werden, wo sie nichts zu sagen haben, auch nicht in den Chefetagen der Waffenlobby vertreten sind, oder wo patriarchale Frauen sich in der Politik für Waffenherstellung und Krieg stark machen. Wo Frauen mitmachen oder in hartpatriarchalen Ländern schweigen (müssen), nichts wert sind, ihre Söhne nicht zu zivilisierten, nicht zu gewaltlosen Männern erziehen können, werden die Söhne von patriarchalen Männern, den Vätern, den Erziehern, dem Militär und der Politik zu ›richtigen‹, d.h. harten, unempathischen  Männern gedrillt. So wurden bereits die Väter erzogen, zu Härte und Gefühllosigkeit.
Im Buch ›Lonely Cowboys‹ von Cheryl Benard und Edit Schlaffer plädieren die Autorinnen dafür die Jungen auf ihrem Weg durch die Pubertät nicht allein zu lassen. Anhand vieler anschaulicher Beispiele und konkreter Vorschläge zeigen sie, wie Eltern und LehrerInnen Jungen helfen können, sich aus festen Rollenzwängen zu befreien, eine selbstbewusste Identität zu finden und soziale Kompetenzen zu erwerben. Eine Leserin schreibt, einer der wertvollsten Tipps war für mich, mich gerade nicht aus der Erziehung meiner Söhne zurückzuziehen, wie das ja den Müttern oft empfohlen wird. »Ich glaube nicht, dass Väter a priori etwas besser oder schlechter können als Mütter.« (Edith Schlaffer) Die Sozialwissenschaftlerin Edith Schlaffer erkannte, dass die Prävention die wichtigste Abhilfe gegen den Krieg ist. Es geht ihr vor allem darum, das Selbstbewusstsein der Frauen in hartpatriarchalen Ländern zu stützen. Sie bereist Länder der Dritten Welt und schult dort Frauen zu wehrhaften Müttern, weil es dort Frauen unendlich viel schlechter gehe als Frauen des Westens.

Krieg für Gott und Vaterland

»Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend… So kann ich Neues schaffen.« (Adolf Hitler)

Die faschistischen Hassprediger profitieren von Hitlers Hass und den Folgen und ernten die faschistische Saat. Klaus Theweleit schrieb in seinen ›Männerphantasien‹ über den faschistischen Typ, der seit den despotischen Pharaonen bis heute die Welt tyrannisiert, dass diese Männer durch erlittene Prügel und militärischen Drill, was ja (fast) ausschließlich von Vaterfiguren verursacht wird, einen Körperpanzer erworben haben, der sich u. a. durch eine Unfähigkeit zu menschlichen Beziehungen und Empathie, durch militärische Strammheit, Steifheit und Unterkühltheit charakterisieren lasse. (s. auch Wilhelm Reich’s Beschreibung der ›Charakterpanzerungen‹; Morton Schatzman ›Die Angst vor dem Vater‹; Erich Fromm ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹, 1974).

»Die Begeisterung für den Krieg hatte 1914 in Deutschland auch die Kirchen, ihre Bischöfe und Theologen ergriffen, über die Konfessionen hinweg. In ganz Europa sahen die Vertreter der Christenheit, die doch eigentlich für den Frieden hätten eintreten sollen, bis auf wenige Ausnahmen den Kampf als gottgewollte Verteidigung von Heimat, Nation und Volk an. Ihre Predigten gaben den Regierungen und Oberbefehlshabern einen religiösen und ideologischen Überbau für den Krieg, ihre Militärgeistlichen stärkten den Kampfeswillen an der Front, in der Heimat versuchten Pfarrer, die Seelenlage der Bevölkerung zu stabilisieren. Wenn man sieht, wie viele Bücher Historiker der Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus gewidmet haben, ist dieses Kapitel des kirchlichen Versagens überraschend wenig aufgearbeitet.« (›Kirchen im Ersten Weltkrieg – Unser barmherziger Gott hat uns in den Krieg geschickt‹ Matthias Drobinski, SZ.de, 27.12,2015, der aufschlussreiche Artikel: www.sueddeutsche.de/politik/kirchen-im-ersten-weltkrieg-unser-barmherziger-gott-hat-uns-in-den-krieg-geschickt-1.2788974)
Ein französischer Militärpriester wiederholt die gängige Phrase, Krieg habe es ›schon-immer‹ gegeben bedenkenlos. Noch krasser ist seine Behauptung: »Die Berufung zum Priester und zum Krieger ähneln sich insofern, als ja beide den Aspekt der Aufopferung teilen und Aufopferung gehört zum Christentum, denn Christus selbst hat sich aus Liebe zu den Menschen geopfert.« (arte, 28 Minuten) Welches Menschenbild vertritt dieser Mann? Was für eine beschämende Äußerung aus dem Mund eines christlichen Theologen, der die Gewalttäter zu Opfern macht, die sich wie Christus ›aufopfern‹. Er missbraucht Religion, genau wie die Islamisten, als Rechtfertigung für Gewalt und Krieg. Doch er ist nicht allein, mit seiner Kriegsbeschönigung: »Sie trösteten, segneten – und predigten die Schlacht: Warum sich die Geistlichen im Ersten Weltkrieg auf keiner Seite dem Morden entgegenstellten? Der Franzose ist falsch, der Russe unzivilisiert, der Engländer ein kalter Zyniker und Krämer – so tönte es tausendfach von den Kanzeln des Reiches. »Welche Barmherzigkeit unseres Gottes, dass er diesen Krieg uns gesandt«, schrieb ein Greifswalder Professor, sein bayrischer Kollege stimmte ins Lob des Kampfes ein: »ein heiliger Krieg nach Anlass und Anfang fürwahr!« Pazifismus und Christentum, das schloss sich in den Augen der meisten Bischöfe und Theologen schlicht aus.« (Matthias Drobinski ibd.)

»Der Krieg gehört in die göttliche Weltordnung.« (General Helmuth von Moltke)

»Dieser Krieg«, das wusste Helmuth von Moltke schon am 1. August 1914, »wird sich zu einem Weltkrieg auswachsen… Wie das alles enden soll, ahnt heute niemand. Trotzdem konnte er kaum erwarten, dass es losgeht – und musste getröstet werden, als der Kaiser zwei Tage vor der Kriegserklärung an Russland einen Moment lang zögerte, das mit dem Zarenreich verbündete Frankreich wie geplant anzugreifen. Moltke, ein Neffe des legendären Feldmarschalls der Bismarckschen Einigungskriege, war Generalstabschef und einer der mächtigsten Männer im Reich. Nun glaubte er, man wolle ihm seinen Feldzug wegnehmen.« (Wikipedia) Sind das nicht-erwachsen gewordene pubertierende Buben, die gerne das grausame Spiel vom ›Krieg spielen‹, die ihre sadistische Gewalt romantisch verherrlichen oder ganz einfach psychopathische Männer, die Kriege auch noch als ›göttlich‹ rechtfertigen? Überhaupt spielt Gewalt und Krieg eine unrühmliche Rolle in den patriarchalen Religionen. (s. beispielsweise ›Religion heißt Frieden?‹ von Alexander Grau, IPG, 20.12.2015)

 Die Rechtfertigung von Gewalt und Krieg mit der Bibel

»Noahs Sohn Kusch erzeugte Nimrod;
›er war der erste Ge­walt­herrscher auf Er­den.«
(1. Mo­se 10, 8–9)

Die mörderischen Überfälle von patriarchalen Männerhorden auf friedliche Siedlungen wurden in der Bibel vielfach aufgezeichnet, z.B. im 18. Kapitel im Buch der Richter. Immer wieder erteilt Gott, bzw. sein ›Sprachrohr‹ Moses, Massenmord, Massaker und Ausrottung. Die unfassbaren Gräuel, die Männer als kaltblütige Schlächter anrichten, die unsägliche Brutalität, die sie zu Monstern macht, zieht sich bis ins 21. Jahrhundert des christlichen Europas. Das 20. Jahrhundert ist das kriegerischste, mörderischste, blutigste Jahrhundert der Weltgeschichte. Der 1. Weltkrieg forderte rund 17 Millionen Menschenleben. Für den 2. Weltkrieg reichen ›die Schätzungen, die Verbrechen und Kriegsfolgen einbeziehen, bis zu 80 Millionen Kriegstoten.‹ (Wikipedia) Davon waren mehr als 6 Millionen jüdische Frauen, Männer und Kinder.
Nach 70 Jahren seit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 spricht man anfangs des Jahres 2015 von 260 weiteren Kriegen und von 65 Millionen Flüchtlingen. Eben trifft die Meldung ein, Paris sei Opfer von mehreren terroristischen Anschlägen geworden mit bisher mehr als 120 Toten und einem Vielfachen von Verletzten und Schwerverletzten! 14.11.2015 im Namen Gottes. Das ist die stetig neu aufgehende Saat der patriarchalen Gewalt!

Der patriarchale Mann lernt nichts aus der Vergangenheit,
weil er sie verdreht, verdrängt, beschönigt und rechtfertigt.

Dazu beigetragen hat u.a. der Prähistoriker und Religionsarchäologe Hermann Müller-Karpe, ein betont gottgläubiger Christ und leidenschaftlicher Vertreter der patriarchalen Kriegstheorie. Er ist überzeugt, dass es sich bei den pfeilförmigen Feuerstein-Artefakten aus der Urzeit um Speere und dolchartige Waffen handelt, die eine »kriegerische Haltung und Gesinnung zum Ausdruck bringen« und »erstmalig eigens als Waffen für den Kampf Mensch gegen Mensch ersonnen« worden seien. (s. ›Der Irrtum mit den Silex-Pfeilspitzen‹) Seine kriegsverherrlichenden Ansichten gipfeln in der Behauptung, dass »mehr noch als die Jagd der Krieg das Heroische und seine Wertschätzung« weckte (1974, S. 36 und 146). Noch immer werden Jagd, Schlachten und Krieg »mit einem unbegründeten und unerwünschten Glanz umgeben, um dem männlichen psychologischen Bedürfnis nach Bestätigung und Absicherung seiner Wichtigkeit entgegen zu kommen.« (Doris F. Jonas)

Kriege sind nicht Schicksal – Kriege werden gemacht – von Männern!

Die Vergangenheit zu kennen, heißt die Gegenwart verstehen.
»Wir handeln nicht weitsichtig, weil wir die Geschichte nicht kennen.« (Oliver Stone)

Der amerikanische Anthropologe S.L. Washburn »setzt die ›Psychologie des Fleischfressers‹ mit einem Trieb zum Töten und der Lust am Töten gleich. Der Mensch [der Mann! DW] hat Freude daran, andere Tiere zu jagen: Wenn diese natürlichen Triebe nicht durch eine sorgfältige Erziehung [!] überdeckt werden, haben diese Menschen Freude am Jagen und Töten. In den meisten Kulturen macht man aus Folterungen und Leiden ein öffentliches Schauspiel zur Volksbelustigung.« (S.L. Washburn und V. Avis. 1958, zit. von Erich Fromm 1974, S. 116)
»In früheren Zeiten unterhielten König und Adel Parks, in denen sie dem Sport des Tötens zu ihrem Vergnügen nachgehen konnten, und 1968 gibt die Regierung der Vereinigten Staaten viele Millionen Dollar aus, um den Jägern Wild zur Verfügung zu stellen«, schreibt Washburn; er weist auch auf die Beliebtheit des Krieges hin: »Bis vor kurzem sah man den Krieg fast genauso an wie das Jagen. Andere Menschen waren einfach das gefährlichste Wild.« Der Krieg hat für viele Männer eine enorme Anziehungskraft, weil er ihrem Drang nach Raufen und sich Balgen, was man schon bei kleinen Jungen beobachten kann. Dies vermittelt ihnen offenbar ein Gefühl von Stärke, Männlichkeit, Abenteuer und Macht, was ihnen offenbar grosses Vergnügen bereitet. »Erst in neuerer Zeit hat man durch die völlige Veränderung des Charakters und der Bedingungen des Krieges angefangen, gegen diese Institution zu protestieren und den Krieg als einen normalen Bestandteil der nationalen Politik und einen allgemein anerkannten Weg zum persönlichen sozialen Ruhm in Frage zu stellen«, schreibt Washburn und stellt fest: »Bis zu welchem Grade die biologischen Grundlagen des Tötens der menschlichen [männlichen!] Psychologie einverleibt sind, kann man daran ermessen, wie leicht man Jungen für das Fischen, das Kämpfen und für Kriegsspiele interessieren kann. Es ist nicht so, als ob diese Verhaltensweisen unvermeidlich wären, aber sie sind leicht zu erlernen, gewähren Befriedigung [welche?] und werden in den meisten Kulturen sozial honoriert. Die Geschicklichkeit im Töten und die Lust daran werden normalerweise im Spiel entwickelt, und die Verhaltensmuster des Spiels bereiten die Kinder [die Jungen!] für ihre Rolle als Erwachsene vor.« (Erich Fromm, ›Anatomie der menschlichen Destruktivität‹ 1974, S. 116) Fromm kommentiert: »Washburns Behauptung, viele Menschen hätten Freude am Töten und an der Grausamkeit, stimmt bis zu einem gewissen Grad, doch bedeutet es nichts weiter, als dass es sadistische Personen und sadistische Kulturen gibt; aber es gibt auch andere, die nicht sadistisch sind.« (Fromm ibd. 1974, S. 116 f.)
Die Jagd durch die Unterstützung von Regierungen zu fördern, ist dann nicht mehr notwendig, wenn Kriege in aller Welt angezettelt werden, wo kriegsbegeisterte junge Männer ihre Lust am Töten befriedigen können, wie z.B. jetzt in Syrien. Die französische Historikerin und Buchautorin Andrée Corvol (sie differenziert zwischen ›Menschen‹ und ›Männern‹, zwischen ›Männern‹ und ›Bestien‹!) und sagt in einem Interview (arte TV ›Der Blogger‹ vom 25.11.12):

»Historisch betrachtet ist die Jagd eine Übung für den Krieg.
Die Männer führen gerne Krieg. Sie bringen sich gerne gegenseitig um; wenn der Krieg vorbei ist, töten sie Tiere.«

Ruth Benedict, die Begründerin der kulturvergleichenden Anthropologie, setzte in ihrem Werk ›Patterns of Cultures‹, als wichtigste Grundannahme voraus, dass menschliches Verhalten hauptsächlich erlernt und nicht angeboren sei, und dass Kulturen deshalb dauerhafte soziale Muster ausbildeten. (Wikipedia) Sie schreibt: »Das Fehlen von Kriegen ist nichts so Ungewöhnliches, wie man nach den Äußerungen politischer Theoretiker über die Prähistorie des Krieges annehmen sollte… Es ist ein völliges Missverständnis, dieses Chaos [den Krieg] einem biologischen Bedürfnis des Menschen, in den Krieg zu ziehen, zuzuschreiben. Das Chaos ist Menschenwerk. Dass die modernen Historiker alle Beweise ignorieren, zeigt, wie nötig der zivilisierte Mensch [der Mann! DW] es hat, die böse Erinnerung zu unterdrücken, um sich seine Selbstachtung als vernünftiges Wesen, diese lebensrettende Illusion zu bewahren.« (Lewis Mumford ›Mythos der Maschine – Kultur, Technikm Macht‹ 1974, S. 255)

Die Gewalt findet ihre einzige Zuflucht in der Lüge,
die Lüge ihre einzige Stütze in der Gewalt.
(Alexander Solschenizyn)

Das Patriarchat ist der Vater des Krieges

 Seit dem Beginn des Patriarchats erlebte die Welt keinen Tag mehr ohne Krieg und Terror!

Hartgesottene Anhänger des Patriarchats wollen nicht wahrhaben, dass Krieg und Gewalt erst mit den frühesten Invasionen der patriarchalen Indo-Europäer vor 5 bis 6000 Jahren in die Welt kamen; dass der Mann nicht der Gewaltmensch und Verbrecher war, zu dem er in geschichtlicher, d.h. in der patriarchalen Zeit gemacht wurde, und dass auch die Männer bis in die Mitte des 4. Jahrtausends, als die Eroberungen der bewaffneten und berittenen Indo-Europäer begannen, friedlich waren und offensichtlich damals noch keine ›aggressive Erbanlagen‹ mitbrachten. Für die Menschen vor der Zeit der erobernden Indo-Europäer/Arier gilt, was Massingham über das gewaltlose, urge­schichtliche Alt-Europa schrieb: »Sie besa­ßen keine Grenzen, keine Festungen, keine Waf­fen und keine Krieger­klasse, denn sie brauchten keine.« (H. J. Massingham ›Downland Man‹1936, S. 217)

Die Archäologin Marija Gimbutas stellte aufgrund ihrer ausgedehnten Forschungen fest: »Kriegerische Auseinandersetzungen und der Bau von Befestigungen haben in der Tat zum Leben unserer Vorfahren von der Bronzezeit bis heute gehört. Nicht aber davor, im Paläolithikum und Neolithikum.« (Gimbutas ›Die Zivilisation der Göttin‹ 1996, S. VIII) Sie widerspricht damit der immer wieder gehörten Behauptung, bewaffnete Auseinandersetzungen seien auch im Neolithikum bzw. in ›prähistorischen‹ Zeiten weitverbreitet gewesen. Für diese Behauptung gibt es keinen einzigen Beweis. Geradezu infam ist die Behauptung des Vorderasiatischen Archäologen Michael Roaf, wo er schreibt: »Freigelegte Überreste von Befestigungsanlagen früherer Epochen belegen, dass bewaffnete Auseinandersetzungen auch in prähistorischen Zeiten weit verbreitet waren.« (›Weltatlas der Alten Kulturen: Mesopotamien‹ 1991, S. 194). Eine empörende Aussage! Auch Roaf weiß natürlich (oder sollte es zumindest wissen), dass Städte und Siedlungen erst durch die Bedrohung der indoeuropäisch/arischen Invasionen befestigt wurden, um sich vor ihren bewaffneten Überfällen zu schützen! (s. ›Wie der Krieg in der Altsteinzeit erfunden wurde‹)
Kriege werden gemacht – von psychisch gestörten, pathologischen patriarchalen Männern, die sich für den Krieg begeistern, die fasziniert sind vom Töten, Plündern, Zerstören, Foltern und Vergewaltigen. Die Freude am Krieg, an der Gewalt und am Töten ist eine der seltsamsten und unbegreiflichsten Faszinationen des männlichen Geschlechts. Irgendetwas muss die unfassbare Tötungslust im Gehirn von solchen Männern auslösen. Denn es ist offensichtlich, Patriarchat und Krieg machen Männer ver–rückt. Es wäre ein interessantes Feld für Hirnforscher! 5000 Jahre Patriarchat machen im Krieg aus ›ganz normalen‹ Männern – auch braven Gläubigen und netten Familienvätern – hemmungslose Monster.
Die einen töten mit einem Gefühl des Genusses und der Macht; sie reden vom Adrenalinschub bei dem Gefühl, Herr zu sein über fremdes Leben; andere von sadistischer Lust, reden von ›abknallen‹, von Vergewaltigungen als ›flachlegen‹ und prahlen mit Begeisterung vom Bomben abwerfen: ›das prickelt so schön‹. Was sich diese ›ganz normalen‹ Männer, denen keine Grenzen gesetzt werden, an Unmenschlichkeiten im Krieg straffrei erlauben dürfen, davon bekommen wir ein Ahnung, wenn wir in geheim aufgenommenen Gesprächen unter Kriegsgefangenen von ihren Verbrechen erfahren: ›Soldaten. Protokolle vom Töten, Kämpfen und Sterben‹ von Sönke Neitzel und Harald Welzer, 2011. Im Film zum gleichen Thema: ›Wenn Soldaten zu Bestien werden‹ wird die Frage: ›Was macht Krieg mit den Menschen?‹ beantwortet. Offensichtlich macht er aus den meisten Männern Bestien, die im Blutrausch der Tötungslust und Zerstörungswut keine Gefühle, kein Unrechtsbewusstsein und keine Menschlichkeit mehr kennen. Viele junge Männer ziehen aus Abenteuerlust, aus innerer Leere, aus ökonomischer Not, aus Langeweile, aus Lust am Töten in den Krieg oder aus purer Faszination an der Macht, die ihnen die Waffen verleihen. Bei manchen mag eine mehr oder weniger bewusste Todessehnsucht eine Rolle spielen. Wenn im Krieg Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Plündern, Morden, Foltern und Vergewaltigen von Fremden, die einem nichts getan haben, die zu Feinden erklärt wurden, ohne dass die Familie zu Hause von ihren Gräueltaten erfährt, also heimlich, unhinterfragt und ungestraft möglich ist, dann plündern, morden und vergewaltigen diese Männer, was dann stolz als ›Arbeit‹, als ›Pflichterfüllung‹, als ›Gehorsam‹, als ›Dienst an Gott und Vaterland‹ bezeichnet wird. Der Berliner Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski, erklärt in seinem Buch ›Räume der Gewalt‹ den Krieg zum ›anthropologischen Grundbestand des Homo sapiens‹.« (Die Welt vom 6.11.15) Der flapsige Spruch Baberowskis zeigt den zynischen Umgang eines Historikers, der sich nie mit der Anthropologie der Urgeschichte befasst hat, jenen 98 Prizent der Menschheitsgeschichte, als Männer keine Gewalt ausübten, obwohl sie es gekonnt hätten. Weder die Herkunft, eine humanistische oder akademische Bildung, noch die Zugehörigkeit zu einem ›zivilisierten Volk der Dichter und Denker‹ verhindert heute männliche Gewalt. Während 98 Prozent der Geschichte der Menschheit waren es die matriarchalen Werte der Mütter, die dem ›anthropologischen Grundbestand‹ ihrer Söhne Grenzen setzten und so eine Zivilisation des Friedens und der Prosperität geschaffen haben. Dagegen schuf das Patriarchat die grösste Katastrophe, die die Menschheit je heimgesucht hat und die seit 5500 Jahren bis heute mit aller Grausamkeit andauert; Krieg. Verräterisch ist es immer, wenn Autoren geschlechtsneutral vom ›Menschen‹ sprechen, wenn sie eigentlich vom ›Mann‹ reden müssten.

»Der Krieg ist eine Angelegenheit der Männer, nicht der Menschen.« (Margaret Mead)

Patriarchale Männer sind auffallend unterwürfig und haben kaum Rückgrat. Dies sah man beispielhaft bei Eichmann anlässlich seines Prozesses in Jerusalem. Der Historiker Baberowski beschreibt diesen Typus Mann: »Menschen in militärischen Organisationen, die Uniform tragen und Dienstränge haben, sind sich gewohnt zu gehorchen, weil ihnen ihr Ehrbegriff am Gehorsam hängt«. (Baberowski, ›NZZ Standpunkte‹ 13.3.2016)
Soldaten ziehen die Uniform an und geben Verstand, Gewissen und Mitgefühl ab. Das Militär braucht Hohlköpfe, deren ›Ehrbegriff am Gehorsam hängt‹, dressierte, lenkbare Deppen, nützliche Idioten, von denen jeder Befehl unhinterfragt ausgeführt wird. Den Dienst ›anständig‹ zu verrichten, ist ihnen wichtig. Ihre Untaten sind gewünscht und erlaubt, gehören zur Kriegsstrategie. Sie wissen, dass sie dafür straffrei bleiben und, der wohl wichtigste Grund, meint Baberowski, ist, »dass niemand sah, was sie taten. Zeugen der Verbrechen der Deutschen waren Ukrainer, Weissrussen oder Russen, von denen sie wussten, die müssen es für sich behalten, jedenfalls würden sie es nicht in Deutschland erzählen können, und sie wussten, dass ihre Familien zu Hause nicht mitbekommen würden, was sie dort taten… Die Männer befanden sich in einem Kontext, in dem sie tun und lassen konnten, was sie wollten.« Heisst das aber, dass bei ›pflichterfüllenden Verbrechen‹ Verstand und Mitgefühl systematisch, mittels Hirnwäsche ausgeschaltet worden sind? Dann ist Pflichtgefühl, auch im Militär unmenschlich, ja barbarisch; Verbrechen pflichtgemäss ausgeführt von Gruppen domestizierter Dummköpfe, Vollidioten und rückgratloser Feiglinge, die sich ›nach Vorschrift‹ verhalten, legitimieren und akzeptieren patriarchale Staatsgewalt. Einige Anführer von Al Quaida im Irak wurden bewundernd ›bösartige Genies‹ genannt. Die Amerikaner im Irak waren dagegen keine Genies, sondern angefangen bei Bush und Co sondern bösartige Dummköpfe, Lügner und Kriegsverbrecher, ohne Verstand und Menschlichkeit.

»Am Ende sind es die Gewaltunernehmer, die die Waffen verkaufen,
die eine großes Interesse daran haben, dass der Krieg nicht aufhört.« (Baberowski)

›Wirtschaftsmotor Krieg‹: Eine erschreckende Bilanz

›Über das lukrative Geschäft mit Gewalt‹ lernen wir bei Scobel (3sat, September 2012): »Dass es bei Kriegen und Gewalt um die Verteidigung von Menschenrechten und Demokratie geht, mag zum Teil stimmen. Tatsächlich ist Gewalt aber auch ein mächtiger Wirtschaftsfaktor und Kriege ein willkommener Konjunkturmotor. Beispiel Irakkrieg: 2003 greifen die USA und ihre Verbündeten den Irak an, weil Saddam Hussein angeblich Massenvernichtungswaffen besitze und damit die ganze Welt bedrohe. Der Krieg ist nach vier Monaten zu Ende, doch Massenvernichtungswaffen werden keine gefunden. Auffällig ist, dass die Amerikaner schon kurz nach der Eroberung Bagdads die Ölfelder sichern. Sie bauen 14 dauerhafte Militärbasen, die genau entlang der Ölpipeline liegen. Profiteur des Krieges ist der Konzern Halliburton, die größte Ölfeld-Dienstfirma der USA. Sie darf die zerstörten Förderanlagen auf den Ölfeldern exklusiv reparieren. US-Vizepräsident Dick Cheney stand vor seinem Amtsantritt der Firma als Geschäftsführer vor.«

»Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit«
(Arthur Ponsonby)

Die Rüstungsindustrie als Kriegsprofiteur

Dann sind es noch die privaten Sicherheitsfirmen wie DynCorp oder Kellog Brown & Root, ein Zweig des Ölgiganten Halliburton, die Söldner als Sicherheitskräfte in die Region schicken. Es sind dieselben Firmen, die die Bush-Regierung im Wahlkampf finanziell unterstützten. Doch der größte Profiteur des Krieges ist Amerikas Rüstungsindustrie. Bereits beim ersten Einsatz in Bagdad feuern Bomber Raketen im Wert von je einer Million Dollar. Kampferprobt werden Bomben und Raketen nach dem Krieg erfolgreich exportiert. Die Großabnehmer sind die Krisenstaaten der Golfregion.
Es wird enorm in die Rüstung investiert. Die weltweiten Militärausgaben betragen bis 2010 rund 1,33 Billionen Euro. Mit einem Anteil von 41 Prozent stehen die USA an der Spitze. Deutschland gibt über rund 31 Milliarden Euro für Militär aus. Die Tod bringende Rüstungsindustrie ist das lukrativste Geschäft überhaupt. Für über 305,5 Milliarden Euro werden 2010 weltweit Rüstungsgüter gehandelt. Deutschland ist nach den USA und Russland der drittgrößte Waffen-Exporteur. Vor allem deutsche Panzer sind ein Renner auf dem Weltmarkt. Der Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann beispielsweise macht 2010 einen Umsatz von 900 Millionen Euro.
Die deutsche Industrie profitiert vom Wettrüsten anderer Nationen. Und auch der Bürger kann am Rüstungsgeschäft verdienen. Denn einer Studie zufolge investieren Fonds Geld von Privatanlegern – direkt oder indirekt – auch bei Rüstungsfirmen. Frei nach dem Motto ›Gewalt bringt immer Gewinn!‹ Der Waffenhandel ist zudem eines der korruptesten Geschäftsfelder der Welt. Er wird durch Drogen, Prostitution und Kinderarbeit finanziert. Begünstigt durch die weltweiten Defizite bei Rüstungsexportkontrollen schürt er Konflikteskalationen und Gewalt vor allem in den armen Ländern. Denn trotz Embargos gelangen Tausende Waffen in Krisengebiete wie den Kongo oder den Sudan. Militante Truppen und repressive Regimes versorgen sich über schwarze Rüstungsmärkte mit Waffen und bringen Tod, Leid und Gewalt vor allem über die Zivilbevölkerung. Den Vereinten Nationen zufolge sterben jährlich bis 400’000 Menschen weltweit an den Folgen von Waffengewalt.« (3sat Scobel, September 2012 / T. Skalski)

Kriege zu führen ist kein Mittel um Konflikte zu lösen.
Jeder Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit;
ist ein Mangel an Intelligenz und Empathie.
Gewalt erzeugt Gegengewalt.

 


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